33. Uralte Verkehrswege im Erzgebirge.

Die ersten Pfadmacher in den unwirtlichen, waldigen Schluchten und

Bergen unseres Gebirges sind jene großen Säugetiere gewesen, welche

in alter Zeit zahlreich unsere Gegenden durchstreiften. Die ersten,

die Wege herstellten, sind slavische Ansiedler gewesen. Es entstanden

eine Reihe von Burgen und Grenzfestungen, welche teils zum Schutz

der Straßen dienten, teils aber wohl auch allerlei Raubgesindel

Unterschlupf gewährten. So hören wir schon aus dem Jahre 968 von der

Burg Schellenberg, weiter von Rauenstein, Nieder- und Oberlauterstein,

Purschenstein, Sayda, Scharfenstein, Wolkenstein, Tannenberg, Stein,

Hartenstein, Schlettau, Schwarzenberg. Ums Jahr 923 wird bereits die

Burg Wildeck erwähnt, von deren Vorhandensein heute noch der Berchfrit,

der einen wesentlichen Bestandteil des Schlosses in Zschopau bildet,

Zeugnis ablegt. Ebenso soll bei Rittersgrün und Rübenau eine Burg

gestanden haben. Rauenstein wird zuerst urkundlich 1289 erwähnt,

Niederlauterstein 1315, während Sayda und Purschenstein im Jahre

1240 aus böhmischem in sächsischen Besitz kamen und Scharfenstein,

Wolkenstein und Schlettau im 12. Jahrhundert entstanden sein dürften.

Von der Burg Tannenberg, von der nur noch der bekannte alte viereckige

Turm übrig geblieben ist, wird in zeitgenössischen Quellen nichts

erwähnt. Alle diese Burgen lagen in der Nähe der großen Straßen, welche

am Gebirge entlang oder über dasselbe führten. Da ist zunächst die

alte Frankenstraße, welche vom Vogtlande durch das niedere Erzgebirge

nach Osten ging und von Plauen aus Reichenbach, Zwickau, Lichtenstein,

Chemnitz, Flöha und Freiberg berührte. Hier teilte sich die Straße,

indem die obere über Wilsdruff, die untere über Bobritzsch nach Dresden

führte. Parallel zu ihr hatte schon frühzeitig eine große Handelsstraße

im Egerthale Bedeutung, welche von Eger über Falkenau, Karlsbad, Kaden,

Komotau, Brüx nach Aussig lief. In die ersterwähnte Frankenstraße

mündeten von Norden mehrere Straßenzüge ein. So kreuzten dieselbe

in Plauen und Zwickau Straßen von Leipzig, welch letztere sich über

Kloster Grünhain, das ja früh schon mit Zwickau in enger Verbindung

stand, Elterlein, Schlettau nach Böhmen zog. Eine dritte Straße von

Leipzig fand in Chemnitz Anschluß an die Frankenstraße, welche von hier

aus nach dem Egerthale weiterführte. Ob diese Straße Karl der Große

bei seinem Zug nach Böhmen im Jahre 805 und Heinrich II. im Jahre 1004

benutzte, ist nicht genau festzustellen, aber nicht ausgeschlossen.

Die Straße ist in ihrem Vorhandensein bis Zschopau urkundlich

festgestellt, wie sie weiter verlief, ist nicht genau bekannt. Andere

Straßen führten von Zöblitz über Rübenau nach Görkau, von Marienberg

über Reitzenhain, Bastelberg (Sebastiansberg) nach Komotau, von

Zschopau über Mildenau, Jöhstadt nach Preßnitz. Auch Kühberg war schon

frühzeitig ein wichtiger Straßenpunkt. Alle diese Straßen dienten nicht

nur friedlichen Zwecken, oft sind Kriegsheere auf ihnen hin gezogen

und haben sich plündernd in die nächsten Marken ergossen. Ferner

wird Wolkenstein als an einer Straße nach Preßnitz liegend erwähnt,

welche vielleicht von Wolkenstein nach Chemnitz über Erfenschlag ging.

Christian Lehmann gedenkt auch eines Weges nach Satzung. Von der

Frankenstraße zweigte in Oederan die sogenannte alte Salzstraße nach

Süden ab, welche Freiberg und Sayda berührte und in Brüx Anschluß an

die nordböhmische Handelsstraße fand. Sayda war schon 1210 eine Zoll-

und Gerichtsstätte und das nahe gelegene Schloß Purschenstein findet

schon 1213 Erwähnung. Eine andere Straße ging schon in alter Zeit von

Freiberg über Frauenstein nach Teplitz. Freilich waren dies alles nicht

Straßen im heutigen Sinne, sie folgten meist weder den Höhenzügen, noch

den Thälern, sondern gingen bergauf, bergab, wie gerade das Gebiet

es ergab. Infolgedessen waren die Wege sehr beschwerlich, und die

Gefahren, die sie an sich boten, wurden noch durch die Unsicherheit

vermehrt, die durch allerlei Räuber und Buschklepper entstand. So blieb

es bis in das 15. Jahrhundert. Allmählich wurden die Straßen besser,

sie wurden vermessen und ordentlich in Stand gehalten, bis aus ihnen

die prächtigen Kunststraßen wurden, deren wir uns heute erfreuen.

Nach ~Dr.~ Simon.

Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte · 第 61 / 209 题