32. Die Wappen der Erzgebirgsstädte.

Es ist lehrreich, die Städtewappen des Erzgebirges zu vergleichen.

Dieselben trennen sich in zwei große Gruppen: in die Wappen der Städte,

welche vor 1500 bestanden, und in die der Städte, welche nach 1500

gegründet wurden. Diese letzteren sind alles Bergstädte, wie auch ihre

Bergmannswappen bezeugen.

Der größte Teil der alten Städte führt eine Stadtmauer mit Thor und

Türmen als Beleg ihrer Wehrhaftigkeit im Wappen. Diese Städte sind

sämtlich im 13. Jahrhundert, jedenfalls zu Anfang desselben, wo nicht

schon früher, am Ausgang des 12. Jahrhunderts, gegründet worden. So

haben Colditz, Leisnig, Döbeln, die drei alten Städte vor dem Fuße

des Erzgebirges, eine Mauer mit offenem Thor, Döbeln sogar drei, und

drei Türme. Colditz hat über dem mittelsten Turme einen Schild mit dem

Meißener Löwen, Leisnig vor dem Thore den Wappenschild der Burggrafen

von Leisnig. Freiberg führt eine Mauer mit Thor und drei Türmen,

vor dem Thore den Schild mit dem Meißener Löwen; Lößnitz eine Mauer

mit drei Türmen, vor deren mittelsten den Schild der Burggrafen von

Meißen; Elterlein eine Mauer mit Thor und zwei Türmen, rechts oben an

der Mauer den Schild der Burggrafen von Meißen mit dem Andreaskreuz,

links oben den Schild der Grafen von Schönburg mit seinen zwei roten

Schrägstreifen. Wolkenstein führt eine Mauer mit offenem Thor und drei

Türmen, auf dem rechten bläst der Wächter ins Horn. Später hat man

das Wappen durch zwei zwischen die Türme gesetzte Schilderhäuschen

verunziert. Frankenberg hat eine Mauer mit Thor und zwei Türmen,

zwischen denen eine Jungfrau mit Kranz steht. Kirchberg, sowie Zschopau

hat eine Mauer mit Thor und drei Türmen; Chemnitz ebenfalls, an dem

mittelsten Turme jedoch den Schild mit dem Reichsadler. Öderan hat eine

Mauer mit Thor und zwei Türmen, zwischen denen sich ein Wagenrad als

Wahrzeichen der Heerstraße befindet. Die uralte Stadt Sayda hat nur den

Schönburgschen Löwen.

Die Ansiedelung im Waldgebiete bezeugen die Wappen von Geringswalde

oder Gerungiswalde, eine Tanne, an welcher sich ein Eber reibt, von

Grünhain mit drei Tannen, vor welchen ein Auerhahn steht. Hainichen

führt zwei umgeschlagene Tannen, auf dem einen Zweige sitzt ein

Vogel. Nossen hat drei große Bäume, zwischen denen ein Turm steht.

Dippoldiswalde zeigt zwei gekreuzte Eichen und das Brustbild eines

Mannes mit Bart. Zöblitz führt einen Bärenkopf in goldenem Schilde.

Die Wappen von Dohna und Frauenstein haben keine geschichtlichen

Beziehungen; ebensowenig das am Rathause von Geyer 1496 angebrachte

Stadtwappen mit den drei Geiersköpfen.

Ein uraltes, redendes Bergmannswappen führt Eibenstock, nämlich Rechen

und Radehaue als Wahrzeichen des Zinnseifens.

Die Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts gegründeten Bergstädte

Altenberg, Schneeberg, Aue, Annaberg, Buchholz, Sebastiansberg,

Marienberg, Scheibenberg, Oberwiesenthal, Sonneberg, Kupferberg,

Gottesgab, Platten, Jöhstadt, sowie das weit später gegründete

Johanngeorgenstadt führen sämtlich Bergmannswappen mit Schlägel

und Eisen, Hacken, Hauen, Keilen u. a. mit Heiligen- oder anderen

Schmuckbildern oder ohne solche.

Nach M. v. Süßmilch.

Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte · 第 60 / 209 题