Es ist lehrreich, die Städtewappen des Erzgebirges zu vergleichen.
Dieselben trennen sich in zwei große Gruppen: in die Wappen der Städte,
welche vor 1500 bestanden, und in die der Städte, welche nach 1500
gegründet wurden. Diese letzteren sind alles Bergstädte, wie auch ihre
Bergmannswappen bezeugen.
Der größte Teil der alten Städte führt eine Stadtmauer mit Thor und
Türmen als Beleg ihrer Wehrhaftigkeit im Wappen. Diese Städte sind
sämtlich im 13. Jahrhundert, jedenfalls zu Anfang desselben, wo nicht
schon früher, am Ausgang des 12. Jahrhunderts, gegründet worden. So
haben Colditz, Leisnig, Döbeln, die drei alten Städte vor dem Fuße
des Erzgebirges, eine Mauer mit offenem Thor, Döbeln sogar drei, und
drei Türme. Colditz hat über dem mittelsten Turme einen Schild mit dem
Meißener Löwen, Leisnig vor dem Thore den Wappenschild der Burggrafen
von Leisnig. Freiberg führt eine Mauer mit Thor und drei Türmen,
vor dem Thore den Schild mit dem Meißener Löwen; Lößnitz eine Mauer
mit drei Türmen, vor deren mittelsten den Schild der Burggrafen von
Meißen; Elterlein eine Mauer mit Thor und zwei Türmen, rechts oben an
der Mauer den Schild der Burggrafen von Meißen mit dem Andreaskreuz,
links oben den Schild der Grafen von Schönburg mit seinen zwei roten
Schrägstreifen. Wolkenstein führt eine Mauer mit offenem Thor und drei
Türmen, auf dem rechten bläst der Wächter ins Horn. Später hat man
das Wappen durch zwei zwischen die Türme gesetzte Schilderhäuschen
verunziert. Frankenberg hat eine Mauer mit Thor und zwei Türmen,
zwischen denen eine Jungfrau mit Kranz steht. Kirchberg, sowie Zschopau
hat eine Mauer mit Thor und drei Türmen; Chemnitz ebenfalls, an dem
mittelsten Turme jedoch den Schild mit dem Reichsadler. Öderan hat eine
Mauer mit Thor und zwei Türmen, zwischen denen sich ein Wagenrad als
Wahrzeichen der Heerstraße befindet. Die uralte Stadt Sayda hat nur den
Schönburgschen Löwen.
Die Ansiedelung im Waldgebiete bezeugen die Wappen von Geringswalde
oder Gerungiswalde, eine Tanne, an welcher sich ein Eber reibt, von
Grünhain mit drei Tannen, vor welchen ein Auerhahn steht. Hainichen
führt zwei umgeschlagene Tannen, auf dem einen Zweige sitzt ein
Vogel. Nossen hat drei große Bäume, zwischen denen ein Turm steht.
Dippoldiswalde zeigt zwei gekreuzte Eichen und das Brustbild eines
Mannes mit Bart. Zöblitz führt einen Bärenkopf in goldenem Schilde.
Die Wappen von Dohna und Frauenstein haben keine geschichtlichen
Beziehungen; ebensowenig das am Rathause von Geyer 1496 angebrachte
Stadtwappen mit den drei Geiersköpfen.
Ein uraltes, redendes Bergmannswappen führt Eibenstock, nämlich Rechen
und Radehaue als Wahrzeichen des Zinnseifens.
Die Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts gegründeten Bergstädte
Altenberg, Schneeberg, Aue, Annaberg, Buchholz, Sebastiansberg,
Marienberg, Scheibenberg, Oberwiesenthal, Sonneberg, Kupferberg,
Gottesgab, Platten, Jöhstadt, sowie das weit später gegründete
Johanngeorgenstadt führen sämtlich Bergmannswappen mit Schlägel
und Eisen, Hacken, Hauen, Keilen u. a. mit Heiligen- oder anderen
Schmuckbildern oder ohne solche.
Nach M. v. Süßmilch.