Vor über 400 Jahren, bis zum Jahre 1496, wo man +Annaberg+ gründete,
war die Stelle, an der jetzt die Stadt steht, nichts denn dicker,
finsterer Wald voll Steinblöcke und Felsen, überragt gleich einer Warte
von dem Pöhlberge. In den dichten Wäldern hauste mancherlei unzähliges
Getier. Des Nachts erklang das gellende Geschrei des Uhus und am Tage
krächzten Raubvögel und Unglück verkündende Raben massig in der Luft
und horsteten auf den hohen Fichten. Der Bär brummte, der Wolf heulte
und die Wildkatze schlich nach Beute. Der Fuchs und der Dachs führten
ihre Baue auf und auch das Wildschwein grunzte in den geringen grünen
Eichenwaldungen. Scheuen Blickes und eilenden Fußes umgingen die
bewaffneten Bewohner der benachbarten Häuerdorfer die »wilde Ecke«,
um nicht eine Beute der Raubtiere zu werden. Da die Gegend noch wenig
angebaut war, so mußte man die Nahrungsmittel weit herholen. Die »wilde
Ecke« führte darum auch noch den Namen »Hungerloch«.
Noch heute erinnert uns manches an die ehemalige Wildheit. Von Süden
grüßt uns der Bärenstein, im Norden liegen rechts vom Sehmaflusse die
Wolfshöhle und links der Sauwald. Auch die Fuchsgasse mag mit genannt
werden.
»Sehr wild und felsicht war's in diesen Wald-Sudöden;
Da hauste Wolf und Bär mehr als ein Menschenkind;
Man sahe nichts von Feld, von Handelschaft und Städten;
Die Luft war angestrengt mit Nebel, Frost und Wind.«
Nach Arnold und M. Chr. Lehmann.