Im Zusammenhange mit den reichen Erzgängen des Obererzgebirges, welche
Quarz, Hornstein, Jaspis, Chalcedon, Amethyst, Eisen- und Manganerze
enthalten, stehen eine Anzahl von Mineralquellen. Solche Gänge, die
als Quellengänge bezeichnet werden, sind die Wege, auf denen die
verschiedenen mineralischen Wässer unserer Gegend aus der Tiefe
hervorquellen.
1.
Im freundlichen Zschopauthale bricht in einer Meereshöhe von 434
Meter aus dem Gneisgebiete auf dem Ausstriche eines fast eine Meile
verfolgbaren Quarz- und Hornsteinganges, der häufig Amethyst führt,
eine Mineralquelle hervor, die zur Gründung des gutbesuchten Ortes
+Wiesenbad+ bei Annaberg führte. Das Wasser befindet sich in einem
großen, einige Meter tiefen, überbauten Behälter und zeichnet sich
durch außerordentliche Klarheit aus. Die fast fortwährend aufsteigenden
Kohlensäureblasen vermögen beinahe den Eindruck hervorzurufen, als ob
das Wasser siede. Es ist vollständig geruchlos. Die Quelle gehört zu
den warmen alkalischerdigen Säuerlingen und hat eine Wärme von 21,75°
C. Sie hat einen angenehmen, frischen Geschmack. In ihrer Wirkung
entspricht die Quelle dem Warmbade bei Wolkenstein und Warmbrunnen
in Schlesien. Überraschend sind die Wirkungen dieses Wassers bei
skrophulösen Krankheiten, besonders wenn mit dem Baden eine Milchkur
verbunden wird. Die Quelle wird besonders gegen Nervenschwäche,
Gicht, Rheumatismus, Lähmungen und Hautkrankheiten empfohlen. Der
alte berühmte Scheibenberger Geschichtsschreiber Christian Lehmann
erzählt in seinem 1699 erschienenen »Schauplatz des Obererzgebirges« 70
Krankheiten auf, gegen die das Wasser helfen sollte. Die Entdeckung des
Heilbrunnens soll sich von einem armen Manne herschreiben, der seine
ungesunden Schenkel in dem Wasser in der sogenannten Rosenaue gewaschen
hat und dann heil geworden ist.
Hans +Friedrich+, ein reicher Fundgrübner und Bergherr aus Geyer,
der das Dorf Wiesa besaß, faßte 1501 das Wasser in einem Kasten,
ließ ein Badehaus erbauen und dasselbe durch ein Röhrwerk mit dem
Quell verbinden. Er soll auch neben dem Bade ein Kirchlein zu Ehren
des heiligen Jobs oder Hiobs, des Helfers der Kranken und Schwachen,
errichtet haben, das vom Meißner Bischofe 1505 geweiht und vom Fürsten
Georg reich begabt wurde. Ein Meßpriester mußte den Badegästen, ehe
sie ins Bad gingen, eine Messe lesen. Im Jahre 1602 ließ sich die
Kurfürstin +Sophie+ ein eignes Haus bauen, wahrscheinlich an Stelle der
Kapelle, und man nannte darauf das Bad Sophienbad. Im Jahre 1699 aber
finden wir auch die Bezeichnung Wiesenbad oder St. Jobsbad.
2.
In einem Nebenthale des Zschopauthales, eine halbe Stunde von der
Stadt Wolkenstein entfernt, 458 Meter über dem Meeresspiegel liegt
ebenfalls in den Gneisformationen sehr geschützt +Warmbad Wolkenstein+.
Die Quelle ist die wärmste Sachsens mit einer Wärme von 31 °C. Man
nimmt an, daß sie auf dem im zweiglimmerigen Gneise aufsetzenden
Eisensteingange »Neugeboren Kindlein« ihren Ursprung habe und bei
dessen Abbau zufällig entdeckt worden sei. Sie bricht aus Drusen eines
Erzganges hervor. Nach einer älteren Zeichnung soll sich daselbst
ein Silbergang mit zwei Eisensteingängen kreuzen. Die ziemlich tief
liegende Quelle ist in neuerer Zeit frisch gefaßt und dadurch gegen
Zufluß von »wilden Wässern« geschützt worden. Mittels eines Hebewerkes
wird das Wasser nach dem Badehause geleitet, von wo es nach weiterer
Erwärmung in die einzelnen Zellen abfließt. Die Quelle spendet in
jeder Minute 150 Liter warmen Wassers. Das Wasser ist ebenfalls den
Säuerlingen zuzuzählen und hat große Ähnlichkeit mit dem Wiesenbader,
wie mit den berühmten Warmquellen von Wildbad in Württemberg, Gastein
und Pfeffers. Seine Wirkungen entsprechen dem Wiesenbader. Die Quelle
war schon im 14. Jahrhundert als heilkräftig bekannt. Es fanden starke
Wallfahrten nach dem Bade statt.
3.
Das Bad +Ottenstein+ bei Schwarzenberg liegt in einer Meereshöhe von
424 Meter im Glimmerschieferthale des Schwarzwassers. Die Anstalt ist
nach Nordosten und Nordwesten durch hohe Felsmassen gegen kalte Winde
geschützt. Die Quelle ist ein kaltes, an Kohlensäure nicht sehr reiches
Eisenwasser mit mittlerem Eisengehalte, das in Form von Trink- und
Badekuren Anwendung findet. Erfolgreich wurde das Bad bei Blutarmut,
Reißen, Nervenkrankheiten, Lähmungen, Magen- und Lungenkrankheiten
gebraucht.
4.
Außer diesen genannten Bädern gedenken wir noch derjenigen
Mineralquellen unserer Gegend, die ehemals zu Bädern benutzt wurden.
Manche erfreute sich sogar eines gewissen Rufes.
In +Niederzwönitz+ entspringen 580 Meter über dem Meere auf einer von
Fichten- und Kiefernwald umschlossenen Wiese nebeneinander 3 Quellen,
denen der Volksmund die Namen der »Gute Brunnen«, der »Krätzbrunnen«
und der »Augenbrunnen« gegeben hat. Die Wirkungen des Guten Brunnen
wurden bereits 1498 oder 1501 erkannt. 1608 wurde dieser Quell, nachdem
er in Vergessenheit gekommen, wieder gereinigt. Den Krätzbrunnen
entdeckte man 1646 und die Wirkungen des Augenbrunnens kamen 1717
zur Anerkennung. In der Nähe des »Guten Brunnens« soll ehemals eine
der heiligen Anna geweihte Kapelle gestanden haben, weshalb man ihn
auch »Annenbrunnen«, später aber »Tannenbrunnen« oder »Zu den drei
Tannen« nannte. Man sagt, Kenner hätten versichert, daß die Kanne
dieses Wassers einen Dukaten wert sei, wenn man das wilde Wasser davon
scheiden könnte.
Das +Marienberger+ Bad hatte die Quelle »Frischer Brunnen«, die 1553
bekannt wurde. In der Nähe des Zschopauer Thores in Marienberg giebt
es heute noch einen »Frischen Quell«, dessen Wasser jedoch nur als
Trinkwasser benutzt wird.
Das Bad +Raschau+ wurde 1808 eingerichtet. Nach ihm führt noch
ein Gasthaus in Raschau seinen Namen. Auch in der Nähe von
+Ehrenfriedersdorf+ giebt es einen Mineralquell, der bald als Stahl-,
bald als Sauerbrunnen bezeichnet wird. Im Jahre 1646 wurde in Grumbach
bei Jöhstadt am Walde nahe dem »Thumshirn-Brunnen« ein Heilbrunnen
entdeckt, dessen Wasser zu warmen Bädern gebraucht ward. Nach ihm war
eine Zeit lang großer Zulauf aus Meißen und Böhmen. Es wurden bei
ihm selbst Betstunden abgehalten. Auch in Neudorf und Crottendorf
hat man aus einer nicht mehr vorhandenen Quelle zur Kur getrunken.
Zwei eisenhaltige Quellen sollen vom Fichtelberge in den Zechengrund
abfließen.
+Mathesius+ sagt über die Gesundbrunnen und warmen Bäder des
Erzgebirges: »Unser Herr Gott ist ein weiser Hausvater. Weil er denn
weiß, daß arme Bergleute in Gruben und Hütten viel böses Wetter,
koblichten Stank, kalte Dämpfe, feuchten Brodel und giftigen Rauch in
sich ziehen, pflegt er neben die Bergwerke gemeiniglich eine eigene
Apotheke anzurichten, damit die Bergleute eine Bergarznei hätten wider
die Lähme und verschleimte Lunge, erkältete Mägen und verlähmte Glieder
und was der Bergsucht und Beschwerungen mehr sind.«
Nach Köhler u. a.