8. Die obererzgebirgischen Mineralquellen und Bäder.

Im Zusammenhange mit den reichen Erzgängen des Obererzgebirges, welche

Quarz, Hornstein, Jaspis, Chalcedon, Amethyst, Eisen- und Manganerze

enthalten, stehen eine Anzahl von Mineralquellen. Solche Gänge, die

als Quellengänge bezeichnet werden, sind die Wege, auf denen die

verschiedenen mineralischen Wässer unserer Gegend aus der Tiefe

hervorquellen.

1.

Im freundlichen Zschopauthale bricht in einer Meereshöhe von 434

Meter aus dem Gneisgebiete auf dem Ausstriche eines fast eine Meile

verfolgbaren Quarz- und Hornsteinganges, der häufig Amethyst führt,

eine Mineralquelle hervor, die zur Gründung des gutbesuchten Ortes

+Wiesenbad+ bei Annaberg führte. Das Wasser befindet sich in einem

großen, einige Meter tiefen, überbauten Behälter und zeichnet sich

durch außerordentliche Klarheit aus. Die fast fortwährend aufsteigenden

Kohlensäureblasen vermögen beinahe den Eindruck hervorzurufen, als ob

das Wasser siede. Es ist vollständig geruchlos. Die Quelle gehört zu

den warmen alkalischerdigen Säuerlingen und hat eine Wärme von 21,75°

C. Sie hat einen angenehmen, frischen Geschmack. In ihrer Wirkung

entspricht die Quelle dem Warmbade bei Wolkenstein und Warmbrunnen

in Schlesien. Überraschend sind die Wirkungen dieses Wassers bei

skrophulösen Krankheiten, besonders wenn mit dem Baden eine Milchkur

verbunden wird. Die Quelle wird besonders gegen Nervenschwäche,

Gicht, Rheumatismus, Lähmungen und Hautkrankheiten empfohlen. Der

alte berühmte Scheibenberger Geschichtsschreiber Christian Lehmann

erzählt in seinem 1699 erschienenen »Schauplatz des Obererzgebirges« 70

Krankheiten auf, gegen die das Wasser helfen sollte. Die Entdeckung des

Heilbrunnens soll sich von einem armen Manne herschreiben, der seine

ungesunden Schenkel in dem Wasser in der sogenannten Rosenaue gewaschen

hat und dann heil geworden ist.

Hans +Friedrich+, ein reicher Fundgrübner und Bergherr aus Geyer,

der das Dorf Wiesa besaß, faßte 1501 das Wasser in einem Kasten,

ließ ein Badehaus erbauen und dasselbe durch ein Röhrwerk mit dem

Quell verbinden. Er soll auch neben dem Bade ein Kirchlein zu Ehren

des heiligen Jobs oder Hiobs, des Helfers der Kranken und Schwachen,

errichtet haben, das vom Meißner Bischofe 1505 geweiht und vom Fürsten

Georg reich begabt wurde. Ein Meßpriester mußte den Badegästen, ehe

sie ins Bad gingen, eine Messe lesen. Im Jahre 1602 ließ sich die

Kurfürstin +Sophie+ ein eignes Haus bauen, wahrscheinlich an Stelle der

Kapelle, und man nannte darauf das Bad Sophienbad. Im Jahre 1699 aber

finden wir auch die Bezeichnung Wiesenbad oder St. Jobsbad.

2.

In einem Nebenthale des Zschopauthales, eine halbe Stunde von der

Stadt Wolkenstein entfernt, 458 Meter über dem Meeresspiegel liegt

ebenfalls in den Gneisformationen sehr geschützt +Warmbad Wolkenstein+.

Die Quelle ist die wärmste Sachsens mit einer Wärme von 31 °C. Man

nimmt an, daß sie auf dem im zweiglimmerigen Gneise aufsetzenden

Eisensteingange »Neugeboren Kindlein« ihren Ursprung habe und bei

dessen Abbau zufällig entdeckt worden sei. Sie bricht aus Drusen eines

Erzganges hervor. Nach einer älteren Zeichnung soll sich daselbst

ein Silbergang mit zwei Eisensteingängen kreuzen. Die ziemlich tief

liegende Quelle ist in neuerer Zeit frisch gefaßt und dadurch gegen

Zufluß von »wilden Wässern« geschützt worden. Mittels eines Hebewerkes

wird das Wasser nach dem Badehause geleitet, von wo es nach weiterer

Erwärmung in die einzelnen Zellen abfließt. Die Quelle spendet in

jeder Minute 150 Liter warmen Wassers. Das Wasser ist ebenfalls den

Säuerlingen zuzuzählen und hat große Ähnlichkeit mit dem Wiesenbader,

wie mit den berühmten Warmquellen von Wildbad in Württemberg, Gastein

und Pfeffers. Seine Wirkungen entsprechen dem Wiesenbader. Die Quelle

war schon im 14. Jahrhundert als heilkräftig bekannt. Es fanden starke

Wallfahrten nach dem Bade statt.

3.

Das Bad +Ottenstein+ bei Schwarzenberg liegt in einer Meereshöhe von

424 Meter im Glimmerschieferthale des Schwarzwassers. Die Anstalt ist

nach Nordosten und Nordwesten durch hohe Felsmassen gegen kalte Winde

geschützt. Die Quelle ist ein kaltes, an Kohlensäure nicht sehr reiches

Eisenwasser mit mittlerem Eisengehalte, das in Form von Trink- und

Badekuren Anwendung findet. Erfolgreich wurde das Bad bei Blutarmut,

Reißen, Nervenkrankheiten, Lähmungen, Magen- und Lungenkrankheiten

gebraucht.

4.

Außer diesen genannten Bädern gedenken wir noch derjenigen

Mineralquellen unserer Gegend, die ehemals zu Bädern benutzt wurden.

Manche erfreute sich sogar eines gewissen Rufes.

In +Niederzwönitz+ entspringen 580 Meter über dem Meere auf einer von

Fichten- und Kiefernwald umschlossenen Wiese nebeneinander 3 Quellen,

denen der Volksmund die Namen der »Gute Brunnen«, der »Krätzbrunnen«

und der »Augenbrunnen« gegeben hat. Die Wirkungen des Guten Brunnen

wurden bereits 1498 oder 1501 erkannt. 1608 wurde dieser Quell, nachdem

er in Vergessenheit gekommen, wieder gereinigt. Den Krätzbrunnen

entdeckte man 1646 und die Wirkungen des Augenbrunnens kamen 1717

zur Anerkennung. In der Nähe des »Guten Brunnens« soll ehemals eine

der heiligen Anna geweihte Kapelle gestanden haben, weshalb man ihn

auch »Annenbrunnen«, später aber »Tannenbrunnen« oder »Zu den drei

Tannen« nannte. Man sagt, Kenner hätten versichert, daß die Kanne

dieses Wassers einen Dukaten wert sei, wenn man das wilde Wasser davon

scheiden könnte.

Das +Marienberger+ Bad hatte die Quelle »Frischer Brunnen«, die 1553

bekannt wurde. In der Nähe des Zschopauer Thores in Marienberg giebt

es heute noch einen »Frischen Quell«, dessen Wasser jedoch nur als

Trinkwasser benutzt wird.

Das Bad +Raschau+ wurde 1808 eingerichtet. Nach ihm führt noch

ein Gasthaus in Raschau seinen Namen. Auch in der Nähe von

+Ehrenfriedersdorf+ giebt es einen Mineralquell, der bald als Stahl-,

bald als Sauerbrunnen bezeichnet wird. Im Jahre 1646 wurde in Grumbach

bei Jöhstadt am Walde nahe dem »Thumshirn-Brunnen« ein Heilbrunnen

entdeckt, dessen Wasser zu warmen Bädern gebraucht ward. Nach ihm war

eine Zeit lang großer Zulauf aus Meißen und Böhmen. Es wurden bei

ihm selbst Betstunden abgehalten. Auch in Neudorf und Crottendorf

hat man aus einer nicht mehr vorhandenen Quelle zur Kur getrunken.

Zwei eisenhaltige Quellen sollen vom Fichtelberge in den Zechengrund

abfließen.

+Mathesius+ sagt über die Gesundbrunnen und warmen Bäder des

Erzgebirges: »Unser Herr Gott ist ein weiser Hausvater. Weil er denn

weiß, daß arme Bergleute in Gruben und Hütten viel böses Wetter,

koblichten Stank, kalte Dämpfe, feuchten Brodel und giftigen Rauch in

sich ziehen, pflegt er neben die Bergwerke gemeiniglich eine eigene

Apotheke anzurichten, damit die Bergleute eine Bergarznei hätten wider

die Lähme und verschleimte Lunge, erkältete Mägen und verlähmte Glieder

und was der Bergsucht und Beschwerungen mehr sind.«

Nach Köhler u. a.

Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte · 第 34 / 209 题