7. Eishöhlen im Erzgebirge.

Als Eishöhlen im Erzgebirge sind bekannt: der Garische Stollen, die

Ritterhöhle und die Stülpnerhöhle bei Ehrenfriedersdorf, die Binge

bei Geyer und die »Alte Thiele« bei Buchholz im sächsischen, die

Schneebinge bei Platten im böhmischen Erzgebirge. Diese Eishöhlen sind

natürliche oder künstliche Hohlräume im Felsgestein, welche das ganze

Jahr hindurch oder wenigstens während eines größeren Teiles desselben

Eis enthalten, das sich in ihnen selbst gebildet hat. Die Stülpnerhöhle

und die Ritterhöhle sind statische oder eigentliche Eishöhlen, auch

Sackhöhlen genannt, indem sie, nach hinten zu sich senkend, am unteren

Ende abgeschlossen sind, so daß die von außen eindringende kalte Luft

nach der Tiefe sinkt und dort die Eisbildung bewirkt; beim Eintritt

der wärmeren Jahreszeit aber hält sich durch das Schmelzen des Eises

die Temperatur lange Zeit in der Nähe des Nullpunktes, der Eisvorrat

geht daher nur ganz langsam seinem Ende entgegen. Der Garische Stollen

gehört zu den dynamischen Eishöhlen oder den Windröhren, bei denen

ein Spaltensystem, das vom Hintergrunde aus den Berg durchzieht, eine

unterirdische Verbindung mit höher gelegenen Stollen ermöglicht,

was zur Folge hat, daß sofort eine Luftströmung entsteht, wenn die

Temperatur innerhalb und außerhalb der Höhle verschieden ist, und

dadurch das Innere im Winter abgekühlt, im Sommer nur allmählich

erwärmt wird, das Eis also lange erhalten bleibt. In den Windröhren

herrscht meist ein starker Luftzug, während es in den Sackhöhlen

im Sommer vollkommen windstill ist. Die »Alte Thiele« stellt sich

als Übergang von den Sackhöhlen zu den Windröhren dar, indem sie

nach ihrer ganzen Anlage zu den ersteren gerechnet werden muß, aber

durch ihre hintere Kammer, welche die Verbindung mit anderen Gängen

herstellt, sich dem Charakter der letzteren nähert. Alle die genannten

Eishöhlen des Erzgebirges verdanken ihren Ursprung dem Bergbau; denn

sie befinden sich in Einsenkungen, welche durch den Zusammenbruch

vom Bergbau geschaffener unterirdischer Hohlräume entstanden sind.

Bis in den Mai und Juni hinein findet sich in ihnen Eis vor, in der

Schneebinge bei Platten, der eisreichsten dieser Höhlen, noch länger.

Dort wurde am 21. Juli 1894 die Tiefe des den Boden bedeckenden Firns

auf 1,5 bis 3,00 Meter bestimmt. Schon lange ist die Schneebinge wegen

ihres Eisreichtums im Sommer bekannt. In eisarmen Zeiten wird von ihr

Eis nach Karlsbad geführt; im Jahre 1863 soll sogar nach Leipzig zum

Turnfest Eis aus der Binge versendet worden sein. Gegenwärtig ist sie

an eine Bierbrauerei in Platten verpachtet.

Nach Fitzner.

Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte · 第 33 / 209 题