Die Flüsse und Bäche Sachsens enthielten zu der Zeit, wo Petrus
+Albinus+ aus +Schneeberg+ seine 1590 erschienene »Meißnische Land-
und Bergchronik« schrieb, noch einen +Fischreichtum+, wie derselbe
trotz unserer künstlichen Fischzucht und Fischereigesetze bei den
durch Fabrikanlagen verunreinigten Gewässern, ihren Uferbauten und
Regulierungen, den Entwaldungen unserer Berge und anderen schädigenden
Einflüssen mehr, wohl kaum wieder erzielt werden dürfte.
Man fing in der Elbe bis zu 2 Zentner schwere Störe, und zwar galt als
die beste Fangzeit die Zeit der Rosenblüte; ebenso fehlten auch die
Welse nicht, die um Johannis am besten waren, »darnach,« so meldet
Albinus, »verbargen sie sich in die Felsen, darinnen verhielten sie
sich, bis sie die »Eglen«, d. h. wahrscheinlich die gemeinen Fischegel,
stachen, hernach machten sie sich wieder heraus«. Brassen und selbst
die noch jetzt aus der Ostsee in die Oder kommenden Zährten, ferner
Barben, Hechte, Aale, Aalraupen, Lampreten und Neunaugen, sowie Lachse
bevölkerten damals unsere Gewässer; in der Mulde fing man Barben bis zu
10 bis 15 Pfund, Lachse bis zu 18 Pfund, und zuweilen wurden 18pfündige
Hechte gefangen. Erwähnt wird dabei, daß man 1544 in der Ill bei
Straßburg einen Hecht von 26 Pfund und in dem Filzteiche bei Schneeberg
einen so großen fing, daß derselbe nicht Raum in einem Bierfasse
hatte. Dazu kamen noch in den Bächen zahlreiche Forellen, Steinbeißer
und Schmerlen, Gründlinge und Kaulbarsche vor, so daß die Fische vor
300 Jahren einen nicht unwesentlichen Teil der Ernährung, selbst des
ärmeren Volkes bilden konnten. Mit besonderer Vorliebe verweilt daher
auch Albinus bei diesem Kapitel seiner Landeschronik, und er begnügt
sich nicht, dabei nur die Namen der einzelnen Fische zu nennen, sondern
durch verschiedene beigefügte Bemerkungen über Laichzeit, Nahrungswert,
Schmackhaftigkeit und anderes mehr weiß er für seinen Gegenstand ein
noch größeres Interesse zu erregen. So meint er, daß der Hecht von
etlichen für den besten Fisch gehalten werde, doch scheint er der
Forelle, von welcher eine schwarzgefleckte Art aus dem Schwarzwasser
bei +Schwarzenberg+ und aus Bächen um +Crottendorf+ und +Annaberg+
angeführt wird, den Vorzug zu geben, indem er sie den gesündesten und
nahrhaftesten Fisch nennt, den man sogar in Wasserkästen groß ziehen
könne, so daß er darin 4- und 5pfündig werde. Von dem Salm oder Lachs
wird die Meinung damaliger Ärzte mitgeteilt, nach welcher dieser Fisch
»stärkerer und gröberer Nahrung sei und gesalzen dem Magen schädlich
sein solle«.
Im 16. Jahrhundert »sind die Bäche im Gebirge so fischreich gewesen,
daß die Köhler und Holzhauer, wenn sie sich bei Sommerzeit in Bächen
gebadet, sie die Waldforellen mit Händen gefangen haben. Nachdem aber
das Seifen aufgekommen war und Erze gewaschen wurden, sind die Bäche
verdorben, daß die Fische nicht mehr drinnen aufkommen mochten.«