6. Erzgebirgische Jagden.

~a.~ Eine Jagd im Erzgebirge im Jahre 1 nach Christo.

Über die +Urzeit+ unseres Gebirges mag uns folgendes +Märchen+ eines

Naturforschers ein Bild entrollen. Das heutige Erzgebirge, etwa in

der Gegend von Olbernhau, bildete ehemals einen großen Sumpf und See,

in welchem die Bewohner auf Pfählen ihre Wohnungen errichtet hatten.

In ihren Pfahlbauten übten die Männer das Töpfergewerbe aus, die

Frauen fertigten Webstoffe an. Tauschhandel trieb man mit wandernden

Phöniziern, die von dem Erzgebirge Zinn holten, dagegen Bernstein und

Feuerstein aus dem Norden, sowie aus Griechenland Bronze, gefertigt

aus Zinn und dem von Cypern kommenden Kupfer, brachten. Die Kleidung

der Urbewohner war sonderbar genug; so bestanden die Beinlinge oder

Hosen aus Birkenrinde. Wichtig waren die Waffen; sie bestanden aus

Bogen von Taxus oder Eibenbaumholz und aus Pfeilen mit Spitzen von

Knochen, Feuerstein, Bronze oder Eisen. Gewaltige Wurfspieße bildeten

im Vereine mit diesen Waffen die Ausrüstung zur Jagd, bei welcher große

Brakenhunde die Begleiter waren, während kläffende Nachkommen der

Schakale zu Hause Wache hielten. Die Jagdbeute bestand in gewaltigen

Tieren des Waldes: Elentieren oder Elch, Urochsen oder Wiesen- und

Auerochsen; auch der grimme Schalch oder Riesenhirsch fand sich

neben Bären und Wölfen in den ausgedehnten Waldungen vor. Hatte der

Ansiedler Beute gemacht, so grub er die Rune, die er selbst auf seinem

Körper hatte, in das erlegte Stück Wild und kennzeichnete es als

sein Eigentum; dann nahm der kühne Jäger Leber und Herz, sowie den

Herzknochen, welcher sich zwischen den Herzkammern befindet, mit nach

Hause, wo er von seinen Angehörigen festlich empfangen wurde. Auch

die Nachbarn fanden sich ein und es entwickelte sich das Gelage nach

der Jagd, bei welchem mächtige Braten und eine Unmenge von Bier, Met

oder Birkenschnaps vertilgt und dem alten Laster der Germanen, dem

Würfelspiele, gefrönt wurde. Bei dieser Gelegenheit verspielte man oft

Haus und Hof, Weib und Kind, sowie die Tiere und andere Habseligkeiten.

Aber nicht zu ernst war der Verlust zu nehmen; denn am andern Morgen

war alles wieder vergessen.

Nach Prof. ~Dr.~ Marshall.

~b.~ Kurfürstliche Jagden im oberen Erzgebirge.

Unser +oberes Erzgebirge+ hat von jeher als +ergiebiges Jagdgebiet+

gegolten. Freilich ist es seit den Jahren 1831 und namentlich seit 1849

anders geworden, denn auch bei uns gehört es nun zu den Seltenheiten,

einen Hirsch im Freien beobachten zu können, dieses stattliche Tier,

den Stolz der Wälder und die Krone der Jagd. Die Kurfürsten von

Sachsen waren seit den Tagen des landwirtlichen August Freunde der

Jagd. Namentlich war Kurfürst Johann Georg I., welcher von 1611--1656

regierte, einer der gewaltigsten Jäger seiner Zeit. In der Königlichen

öffentlichen Bibliothek zu Dresden befindet sich ein Verzeichnis in

altsächsischer, schöner Schriftart, als ein stattlicher Band in grünem

Samt gebunden mit prächtig gravierten goldenen Beschlägen, Ecken und

Schließen versehen, es ist dies das Jagdbuch des Kurfürsten Johann

Georg I. Nach demselben hat der Kurfürst in der Zeit von 1611--1653

u. a. 15228 Hirsche, 29196 Eber, 203 Bären, 1543 Wölfe, 200 Luchse,

11811 Hasen und 18957 Füchse erlegt. Der Kurfürst hatte sich in einem

der Giebel des Residenzschlosses zu Dresden ein besonderes Zimmer

eingerichtet, welches das Paradies genannt wurde. Die Wände waren mit

Waldgegenden bemalt, dabei die Felsen der Bastei, auf denen Gemsen

zu sehen waren. In der Mitte waren zwei die Decke stützende Säulen

als Bäume mit ledernen Blättern geschmückt. Hier trieb der Kurfürst

anatomische Studien an dem erlegten Wild. Schon die Vorgänger von

Johann Georg hielten sich wegen der Jagd in unserem Gebirge auf,

getreulich hat es Christian Lehmann in seinem Historischen Schauplatz

berichtet. Herzog Heinrich fing in einer Stallung, also in einem

umfriedigten Raum, in +Wolkenstein+ am 14. September 1516 nicht weniger

als 43 Stück Wild, was zu jener Zeit als ein wahres Wunder angestaunt

wurde. Das Wild kam zum Kindtaufsschmaus, den der glückliche Waidmann

seinem Töchterlein, der Prinzessin Sibylle, in Freiberg ausrichtete.

1542 jagte Herzog Moritz im Gebirge und fing in +Grumbach+ drei

»schreckliche« Bären. Wegen der Nutzbarkeit an Fleisch, Fett und Haut

und wegen der mit seiner Erlegung verbundenen Gefahr gehörte die

Bärenjagd zur wichtigsten Jagdart. Übrigens berichtet ein Augenzeuge

weiter, daß Herzog Moritz außer den Bären in einer Stunde 7 Hirsche

geschossen habe, er sei grün gekleidet gewesen, habe einen englischen

Hund bei sich gehabt und seine Gemahlin habe mit 14 Frauenspersonen

neben ihm gestanden. Nach der Bärenhetze ließ er den Bauern ein Faß

Bier und den Bergleuten zwei Faß geben, weil sie das Beste gethan

hatten. Die Lust an der Jagd führte auch den Kurfürsten Vater August

in unser Gebirge, er scheint sich hauptsächlich in +Crottendorf+

aufgehalten zu haben, da der Chronist sagt: »~Anno~ 1567 kam er

(Kurfürst August) zu Crottendorf an, lag daselbst in Hackebeils Mühle,

bejagte die Wälder, schoß auch eine Stallung ab zu Crottendorf auf

David Georgens Feld, ließ das Wild da auswirken.« Als Friedrich

Wilhelm, Fürst zu Weimar, zehn Jahre lang Administrator in Kursachsen

war, ließ er alles Wild im Gebirge, jung und alt, wegschießen, sodaß

viele Jahre hindurch die Landleute zum Schutz ihrer Felder keiner

Wildzäune mehr bedurften. Das sah der alte Jägermeister von Rabenstein

nicht gern, denn er rief seinen Jägern zu: »Treibt fort, wenn gleich

etliche Stücke auf die Seite springen, denn die jungen Herren müssen

auch etwas behalten.« Herzog Johann Georg jagte im Jahre 1609 im

Gebirge und hielt sich auf dem Fichtelberg auf, da kam ein grausam

Wetter, daß auch der Donner in eine Tanne schlug, da zog der Herzog

den Hut ab und sagte: »Gott ist ein Herr!« Den Tag hernach gastierte

ihn Junker Rüdiger auf Sachsenfeld, und da ihn Nikol Klinger, Rüdigers

Schwähervater, fußfällig empfing, sagte er mit Darreichung der Hand:

»Alter, stehet auf!« Im Jahre 1609 im August lag dieser Herzog nieder

auf dem Hirschpfalz in der Hauerwiesen hinter dem Fichtelberg, da mußte

der Pfarrer aus +Wiesenthal+ am 19. August eine Wald- und Jagdpredigt

thun. ~Anno~ 1613 lag der Kurfürst Johann Georg acht Tage lang in

+Crottendorf+, fischte und jagte nur in den Vorbüschen und schoß bei

der Richterin Bretmühle ab, obgleich die Pest im Dorfe grassierte.

Im Jahre 1625 kam der Kurfürst Johann Georg mit seiner Gemahlin, den

jungen Prinzen und Fräulein am 11. Mai in +Annaberg+ an und schoß

den 7. Juni den Vogel ab. Der jungen Herrschaft wurde auch eine

Vogelstange zur Lust in Wiesenbad aufgerichtet, woselbst sie den Vogel

den 12. Juni abschossen. Der Kurfürst hielt auch ein Abschießen bei

+Annaberg+ im Hüttengrunde zwischen der Stadt und Frohnau, darunter

war ein so großer und starker Hirsch, daß er unter 2300 Tieren, die in

unterschiedlichen Stallungen auf dem Gebirge waren abgeschossen worden,

das allerschwerste gewesen ist.

Im August desselben Jahres und, wie es scheint, noch auf derselben

Jagdreise begriffen, wurde dem Kurfürsten und seiner Gemahlin angesagt,

daß der Hammerherr Heinrich von Elterlein auf dem Löwenthal so schöne

Fische in seinem Teiche und sonderlich große Forellen hätte, die er

lange gemästet habe. Da ließ der Kurfürst mit seiner Familie sich

anmelden, daß er dem Fischzug beiwohnen und denselben sehen wolle.

Um 10 Uhr früh kam der Kurfürst selbst mit seinem Jägermeister und

anderen Hofoffizieren und bestellte die Mahlzeit, mittlerweile wurde

der Teich gefischt; von dem Fischzug bekam der Kurfürst 3 Mandel der

schönsten Forellen, darunter war eine, die 8 Pfund wog. Es wurden die

Fische in Gegenwart des Fürsten von Darmstadt, der um ein Fräulein aus

dem kurfürstlichen Hause freite, gesotten und zu +Crottendorf+ auf die

Tafel getragen, darüber sich alle verwundert haben. In des Hammerherren

Stube wurde auf zwei Tafeln gespeist unter grünen Birken, doch war

der Fehler begangen worden, ehe sie sich zu Tische setzten, hatte man

zwar Kannen und Gießbecken aufgesetzt, aber kein Wasser drein gethan.

Da nun der Jägermeister dem Kurfürsten Wasser aufgießen wollte, war

keins drinnen, da gab es ein gutes Gelächter. Der Kurfürst zeigte sich

fröhlich, ritt spät von dannen, dankte mit der Hand, auch der Wirtin,

die in der Küche geschäftig war. »Ei,« sagte er, »habt Ihr nicht eine

räucherige Küche, doch die Küchen sind nicht anders. Gute Nacht!« Den

23. August hielt der Kurfürst ein Abschießen bei +Neudorf+, und es war

kurzweilig dabei, denn die +Crottendorfer+ hatten einen Bauern auf

die Wache gestellt, damit er aufmerke, wenn der Kurfürst aufsäße und

wieder nach Crottendorf wolle. Der Kurfürst allein und zu Fuß traf den

Bauern auf einem Hügel sitzend an; letzterer aß ein Stück Brot und der

Kurfürst setzte sich zu ihm. »Hast Du den Kurfürsten schon gesehen?«

fragte er ihn. »Nein, ich soll aufsehen, wenn er wird auf sein.«

»Wer, denkst denn Du, wer ich bin?« Der Bauer sieht ihn an, ohne den

Hut zu ziehen und ohne eine Reverenz zu machen und spricht endlich:

»Ich sehe wohl, daß Ihr ein Herr seid, Ihr habt doch Stiefel an.«

Während des weiteren Gespräches kommen die Jäger hinzu und verwundern

sich. Der Kurfürst aber lacht und spricht: »Einen solchen tölpischen

Fichtelberger habe ich im Gebirge noch nicht gesehen«, und läßt ihm

venedische Seife geben, d. i. ergänzt der Chronist, die Haare ein

wenig zausen. Von Crottendorf schickte der Kurfürst zwei Waldhüter mit

drei Wildtauben nach +Annaberg+ und verehrte dem Superintendenten,

dem Kapellenprediger und dem Hospitalpfarrer jedem eine. Als er in

+Steinbach+ 300 Stück Wild abgeschossen und auch ein Abschießen in

+Mauersberg+ gehalten hatte, kam er von Crottendorf nach +Schlettau+

und fischte daselbst zwei Teiche. Hier ereignete sich's, daß der Bäcker

Auersbach auf dem Teichdamm einen Fußfall vor dem Kurfürsten that

und um Verzeihung seinen Herrn anflehete. Er hatte nämlich an seinem

Krautzaun ein Stück Wild am Fuß in einer Schlinge gefangen. Kurfürst:

Was wolltest Du damit machen? Bäcker: Ach, gnädigster Kurfürst und

Herr, ich wollte dem Stück Wild nichts am Leben thun, sondern nur ein

paar Schläge geben, weil es mir das Kraut abgefressen hatte. Kurfürst:

Ja, Dir sollte man Schläge geben. Wenn ich Deines grauen Kopfes nicht

scheute, wollte ich Dir weisen, wie Du mein Vieh hegen solltest, laß

ich doch Dein Vieh auf meinem Grund und Boden gehen und zürne nicht

darum, gehe und hüte Dich.

Am 9. August 1628 hielt der Kurfürst ein Abschießen zwischen

+Steinbach+ und +Grumbach+, er erlegte dabei 570 Stück Wild. Er ließ

auch den Herrn Peter Versmann, Pfarrer zu Arnsfeld, vor sich predigen,

und da ihm seine Gaben wohl gefielen, versorgte er nicht allein sein

Haus mit Wildbret, sondern er befahl auch seinen Leibärzten, sie

sollten den armen Mann, weil er wassersüchtig war, doch heilen. Die

Ärzte versuchten ihr Heil, trieben zwar das Wasser heraus, aber der

Pfarrer fiel in die Schwindsucht, woran er starb. »Gesegne euch Gott,

ihr Hölzer, ich sehe euch nicht wieder,« waren die Abschiedsworte des

Kurfürsten an sein erzgebirgisches Jagdgebiet.

Die Fanfaren der kurfürstlichen Jäger sind in unserem Erzgebirge schon

seit langer Zeit verstummt, der Reichtum an Wild ist verschwunden,

dennoch ist die Poesie in unseren Wäldern nicht ganz dahin, denn noch

hört man, wenn auch vereinzelt, in unseren Staatsforsten auf dem Kamme

des Gebirges den Schrei des Hirsches und noch lacht in hoher Krone der

Auerhahn!

Nach Lungwitz.

~c.~ Jagdfronden der Obererzgebirger.

Eine große Last waren die Jagddienste, welche die Unterthanen zu

leisten hatten. Im Amte +Crottendorf+ hatten von 302 Mann die eine

Hälfte die Seile in die Wildhecken einzubinden, wieder aufzuheben

und vor den Seilen aufs Wild zu warten; die andere Hälfte hatte

die Netze, Tücher und Seile aufzuhängen und zu trocknen, sowie das

Jagdzeug auf die Wolfsjagd zu fahren. Zu den Netzfuhren mußten

auch die Hammermeister Vorspann leisten und erhielten dann von den

dienstpflichtigen Dorfschaften für 4 Pferde 16 Groschen, für 2 Pferde

8 Groschen. Außerdem hatten die Dorfschaften noch die Wildbretfuhren,

die Abfuhr des erlegten Wildes, zu leisten, die Hammermeister, zwei

Jäger mit Jägerburschen, Hundebuben und Hunden, nach Gelegenheit der

angestellten Jagden mit Herberge und Mahl zu versorgen. Zu einer

im Jahre 1564 beabsichtigten kurfürstlichen Jagd im Erzgebirge

wurden erfordert: im Amte +Lauenstein+ 6 Wagen und 268 Mann, im

Amte +Altenberg+ 36 Wagen und 352 Mann, im Amte +Dippoldiswalde+ 17

Geschirre ohne Lohn, 13 für 12 Groschen täglich und 64 Mann, im Amte

+Stollberg+ 77 Geschirre und 293 Mann, im ganzen also 155 Geschirre und

1277 Mann zu Fuß. Im Amte +Lauterstein+ waren 700 Mann zu Jagddiensten

verpflichtet. Von den Dorfschaften des Amtes +Augustusburg+ mußten im

Jahre 1585 Dorfschellenberg, Grünberg und Marbach zu den Netz- und

Zeugfuhren jede zwei Wagen stellen. Genügte das nicht, so mußten die

482 Anspanner der anderen Amts-Dorfschaften helfen und erhielten dann

für jeden Wagen täglich 1 Gulden. Die Gemeinden zu Krummhennersdorf,

Dorfschellenberg, Euba, welche die Wolfsnetze und das im Amte

gepirschte Wildbret auf die Augustusburg oder nach Zschopau fuhren,

erhielten für jeden Schlitten 5 Groschen, eine Kanne Bier und ein

Hofbrot. Die Richter zu Flöha, Gornau, Metzdorf mußten jeder einen

Wagen stellen, die Anspanner von Hennersdorf im Winter für das Wild

Heu in die Mörbitz und hinter das Schloß fahren und jährlich zweimal

hinter dem Schlosse die Hirschlecken schlagen und erneuern, den Lehm

dazu schlagen und erneuern. Sie erhielten täglich ein Hofbrot. Alle

Einwohner des Amtes mußten zur Wolfsjagd als Läufer dienen, bei jeder

dritten Reihe die Häusler, doch waren 100 Mann aus verschiedenen

Dorfschaften ganz befreit.

Zur Erleichterung dieser Beschwerden, zur Verschonung der armen

Unterthanen und Ersparung großer Kosten errichtete der Kurfürst 1560 in

allen Kreisen Jagdzeughäuser, in welchen das für den betreffenden Kreis

notwendige Jagdzeug verwahrt und wodurch die Nachführung desselben

auf zu große Entfernungen vermieden wurde. Andere Erleichterungen

suchten sich manche Gemeinden selbst zu verschaffen. So erboten sich

die Untertanen des Amtes +Grünhain+, wenn ihnen die Fronen bei der

Wolfsjagd erlassen würden, 100 Mann jährlich 5 Wochen lang zur Räumung

der Wege im Amte +Schwarzenberg+ auf eigene Kosten zu stellen und zu

unterhalten. Auch die Erhaltung der Jagdhunde führte Belästigungen mit

sich. Während der Zeit, in welcher die Hunde zur Jagd nicht gebraucht

wurden, ließ der +Kurfürst August+ sie in die Ämter zur unentgeltlichen

Verpflegung verteilen.

Nach Schlegel.

~d.~ Ein Jagdaufzug mit erzgebirgischen wilden Tieren in Dresden.

Im Jahre 1662 hielt +Christian Ernst, Markgraf zu Brandenburg+, mit

+Erdmute Sophia, Kurfürstl. Prinzessin zu Sachsen+, in +Dresden+

Hochzeit, bei welcher der damalige Kurprinz +Johann Georg+ III. und

nachmalige Kurfürst einen Jägeraufzug ausführte.

Vor dem Oberhofjägermeister schritten drei Waidmänner mit Leithunden.

Nachher kamen dreißig, je drei und drei, Oberförster, Forstburschen,

Wildmeister, Hof- und Landjäger. Zwei Riesen traten in Gestalt wilder

Männer auf. Ihnen zunächst folgten auf einem Festwagen, der einen

künstlichen Berg darstellte, gleich einem Walde mit Tieren und Vögeln

geziert, vier Personen mit Schalmeien. Seine prinzliche Durchlaucht

ritt in Dianengestalt auf einem weißen Hirsche. Nymphen schritten an

Lakeien statt vorauf, nebenher und hintennach. Dreißig nun folgende

Jäger trugen Schweineisen und Birschbüchsen. Drei Personen waren als

Löwenwärter in grüner Tracht und zwei Pfeifer wie Wilde gekleidet. Auf

ihrem Wagen befanden sich fünf junge Bären. Es folgte ein Kasten mit

zwei Tigertieren, je ein Käfig mit einem Löwen, einer Löwin, einem

weißen Bären. Jägerburschen führten englische Hunde. Vier Oberförster

begleiteten den größten, den brandenburgischen versinnbildlichenden

Bären. Hernach führte man +Herzog Moritzens+ Bären. Auch die wilden

Schweine fehlten nicht. Luchse, Wölfe und Füchse, Hasen, wilde

Kaninchen und Eichhörnchen, Fischottern, Wildkatzen, Marder und Hamster

zogen alle an den Augen der Schaulustigen vorüber. Auf Birschwagen

waren Hirsche geladen, der Wendewagen mit Hasen und Füchsen behangen.

Im ganzen Zuge befanden sich 265 Personen und 139 Pferde.

Nach Chr. Lehmann.

~e.~ Wildschützen.

Die +Wildschützen+ haben nach Lehmann »auf dem Gebirge«, besonders auf

den hohen Wäldern um und hinter dem Fichtelberge großen Schaden verübt.

Sie haben das Wild haufenweise weggeschossen, die Häute in Böhmen

verkauft und sind so sicher gewesen, daß sie des Nachts bei den Köhlern

im Kohlkram gelegen, gesotten und gebraten, ihnen ihr Brot mit Gewalt

genommen haben und ihnen mit dem Tode drohten, wenn sie Verrat üben

würden.

Die Strafen waren hart. Zur Zeit des Herzogs Moritz band man einen

Wilderer auf einen lebendigen Hirsch und jagte das Tier in die Wildnis,

sodaß er jämmerlich ausstehen mußte. Das geschah, weil vorherige

Strafdrohungen nichts genützt hatten.

Als 1559 die Wälder mit der Herrschaft Crottendorf an Kursachsen kamen,

wurde Wolf Windreuter zum Oberförster nach Crottendorf gesetzt, der

1566 einen Wildzaun um die Grenzen bauen ließ, worüber man ein Jahr

brauchte und außer der Fron 1000 Thaler aufwendete. 1570 bis 1578

mußten kurfürstliche Trabanten die Wäldner bei ihren Umgängen um den

Grenzzaun begleiten, um den Wildschützen gewachsen zu sein. Für jeden

erschossenen Wilddieb erhielten sie 30, 40 bis 80 Thaler. Erschossene

hing man an den ersten besten Baum auf und nagelte über das Haupt ein

Hirschgeweih.

Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte · 第 32 / 209 题