5. Ehemaliges Landschaftsbild des Obererzgebirges.

Das +Obererzgebirge+ war nach +Lehmann+ ehedem allenthalben mit

dicken Wäldern bedeckt, mit Felsen und Bergen angefüllt, nach denen

ihre Namen haben: Rauen-, Harten-, Wolken-, Lauter-, Bären-, Katzen-,

Frauen-, Greifenstein, Pöhl-, Schwarzen-, Scheiben-, Keil-, Schotten-,

Zechenberg u. s. w. Ferner waren unzählige Moräste, Sümpfe, Moosräume,

Bruchwerke und Weiher in Räumen und Wäldern um und unter Platten,

Gottesgab, Johanngeorgenstadt, um Scheibenberg, Grünhain, Elterlein,

Schlettau, Geyer, Buchholz, Zöblitz, Lengefeld, Kühnhaide, bis die

Wälder abgetrieben, die Waldpässe gebrückt, die Wildberge nach ihren

Flügeln und Rundungen abgezogen, Floß- und andere Teiche angelegt

und durch Röschen und Stolln die Wasser abgezapft wurden. An diese

Beschaffenheit erinnern die Namen Moosraum, Rote Pfütze, Sauschwemme,

Thörichter See, Filzsumpf.

Wilde Katzen, Marder, Wiesel, Fischottern, Iltisse, Bären, Hirsche,

Wölfe, Wildschweine und Raubvögel bevölkerten die Gegend. Daher

kommen vor im Crottendorfer Revier die Namen: Vogelleite, Hirsch- und

Auerhahnpfalz, Sau- und Bärenfang, Lachsbach, Tier- und Saugarten; im

Grünhainer aber: Bärenacker, Fuchs- und Wolfstein; im Lauterschen:

Wolfslager, Dachslöcher, Hirschstein, Habichtsbüchel, Bärenstallung,

Wolfsgarten, Rabenberg.

Nach den schauerlichen Wäldern und Gründen sind benannt: Teufelsgrund,

Drachenleite, Teufelsstein u. a.

Nach feindlichen Einfällen und Kämpfen sind genannt: Streitknochen,

Kriegwald, Hundsmarder, Haderwinkel.

+Lehmann+ berichtet von den erzgebirgischen Wäldern: »Da hörte man

nichts als der Raben Rappen, der Bären Brummen, der Wölfe Heulen, der

Hirsche Börlen, der Füchse Bellen, der Auerhähne Pfalzen, der Ottern

Zischen, der Frösche Quaken und Racken; das machte einen Reisenden

so lustig, als hätte er Fliegenschwämme und Krähen gefressen. Das

waren damals die Lauten, Zithern, Violen, Posaunen, Trompeten,

Zinken, Flöten, Schalmeien, Schuarien, Baßgeigen, Clavicimbeln,

Trommeln, Heerpauken, Sackpfeifen, Orgeln, Glocken und musikalische

Waldinstrumente, welche unter dem Sausen der Winde, Grollen der Donner,

Gebrülle der Bestien, Geschnatter der Enten, Geächze der Hohlkrähe,

Uhuhen der Eulen, Schnarren der Schnarrer, Geschrei und Geschwirre der

Buchfinken, der Quäker, der Zippen, der Schneppen und anderen Gevögels

eine gräßliche Harmonie gegeben.«

Johann +Salianus+ verwundert sich in einem dem Rate 1507 gewidmeten

Gedichte, daß die Stadt Annaberg innerhalb 10 Jahren in dieser Wildnis

mit Mauern, Wällen und Gräben, mit herrlichen Häusern, mit verständigen

Ratsverwandten und bürgerlichen Rechten versehen und von einer so

volkreichen Gemeinde bewohnt werde. Diese Stadt sei auf einem wilden,

unfruchtbaren Boden, in Bergen und unter rauhem Himmel angelegt, da

vormals Herzog Georg unter lauter rohem Wald viel hundert Stück Bären,

Hirsche, Wölfe und andere wilde Tiere gejagt und niemand vermeint, daß

daselbst eine Stadt sollte angelegt werden.

Unsere Berge sind nach Lehmanns Benennung Warten, Wetterpropheten,

Zufluchtsorte, Jagdhausstellen, Grenzscheiden, Bollwerke,

Wasserständer, Futterkästen, Schatzkästen, Lustplätze, Denkpfeiler

Gottes!

Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte · 第 31 / 209 题