Das +Obererzgebirge+ war nach +Lehmann+ ehedem allenthalben mit
dicken Wäldern bedeckt, mit Felsen und Bergen angefüllt, nach denen
ihre Namen haben: Rauen-, Harten-, Wolken-, Lauter-, Bären-, Katzen-,
Frauen-, Greifenstein, Pöhl-, Schwarzen-, Scheiben-, Keil-, Schotten-,
Zechenberg u. s. w. Ferner waren unzählige Moräste, Sümpfe, Moosräume,
Bruchwerke und Weiher in Räumen und Wäldern um und unter Platten,
Gottesgab, Johanngeorgenstadt, um Scheibenberg, Grünhain, Elterlein,
Schlettau, Geyer, Buchholz, Zöblitz, Lengefeld, Kühnhaide, bis die
Wälder abgetrieben, die Waldpässe gebrückt, die Wildberge nach ihren
Flügeln und Rundungen abgezogen, Floß- und andere Teiche angelegt
und durch Röschen und Stolln die Wasser abgezapft wurden. An diese
Beschaffenheit erinnern die Namen Moosraum, Rote Pfütze, Sauschwemme,
Thörichter See, Filzsumpf.
Wilde Katzen, Marder, Wiesel, Fischottern, Iltisse, Bären, Hirsche,
Wölfe, Wildschweine und Raubvögel bevölkerten die Gegend. Daher
kommen vor im Crottendorfer Revier die Namen: Vogelleite, Hirsch- und
Auerhahnpfalz, Sau- und Bärenfang, Lachsbach, Tier- und Saugarten; im
Grünhainer aber: Bärenacker, Fuchs- und Wolfstein; im Lauterschen:
Wolfslager, Dachslöcher, Hirschstein, Habichtsbüchel, Bärenstallung,
Wolfsgarten, Rabenberg.
Nach den schauerlichen Wäldern und Gründen sind benannt: Teufelsgrund,
Drachenleite, Teufelsstein u. a.
Nach feindlichen Einfällen und Kämpfen sind genannt: Streitknochen,
Kriegwald, Hundsmarder, Haderwinkel.
+Lehmann+ berichtet von den erzgebirgischen Wäldern: »Da hörte man
nichts als der Raben Rappen, der Bären Brummen, der Wölfe Heulen, der
Hirsche Börlen, der Füchse Bellen, der Auerhähne Pfalzen, der Ottern
Zischen, der Frösche Quaken und Racken; das machte einen Reisenden
so lustig, als hätte er Fliegenschwämme und Krähen gefressen. Das
waren damals die Lauten, Zithern, Violen, Posaunen, Trompeten,
Zinken, Flöten, Schalmeien, Schuarien, Baßgeigen, Clavicimbeln,
Trommeln, Heerpauken, Sackpfeifen, Orgeln, Glocken und musikalische
Waldinstrumente, welche unter dem Sausen der Winde, Grollen der Donner,
Gebrülle der Bestien, Geschnatter der Enten, Geächze der Hohlkrähe,
Uhuhen der Eulen, Schnarren der Schnarrer, Geschrei und Geschwirre der
Buchfinken, der Quäker, der Zippen, der Schneppen und anderen Gevögels
eine gräßliche Harmonie gegeben.«
Johann +Salianus+ verwundert sich in einem dem Rate 1507 gewidmeten
Gedichte, daß die Stadt Annaberg innerhalb 10 Jahren in dieser Wildnis
mit Mauern, Wällen und Gräben, mit herrlichen Häusern, mit verständigen
Ratsverwandten und bürgerlichen Rechten versehen und von einer so
volkreichen Gemeinde bewohnt werde. Diese Stadt sei auf einem wilden,
unfruchtbaren Boden, in Bergen und unter rauhem Himmel angelegt, da
vormals Herzog Georg unter lauter rohem Wald viel hundert Stück Bären,
Hirsche, Wölfe und andere wilde Tiere gejagt und niemand vermeint, daß
daselbst eine Stadt sollte angelegt werden.
Unsere Berge sind nach Lehmanns Benennung Warten, Wetterpropheten,
Zufluchtsorte, Jagdhausstellen, Grenzscheiden, Bollwerke,
Wasserständer, Futterkästen, Schatzkästen, Lustplätze, Denkpfeiler
Gottes!