9. Sage.

Die Geyerschen Stadtpfeifer werden vom Greifenstein beschenkt.

Einst hatten die Geyerschen Stadtpfeifer den Tanzenden im Thumer

Ratssaale bis tief in die Nacht hinein aufgespielt und traten, nachdem

der Reigen geendet, den Heimweg über den Greifenstein an. Als sie in

die Nähe der alten Felsen kamen, schien es ihnen, als ob dieselben in

einem besonderen Lichte erglänzten. Ein Spielmann machte den Vorschlag,

zu Ehren des Greifensteins eine muntere Weise zu blasen. Wie gesagt,

so gethan. Beim Abstieg nach Geyer sahen die Stadtpfeifer im Scheine

des Mondes große Zinnstufen am Wege liegen, sie meinten, der letzte

heftige Gewitterregen habe sie ausgewaschen. Ohne Säumen hoben sie

die Stufen auf und steckten sie in ihren Rucksack. Als die Frauen und

Kinder am andern Morgen die Rucksäcke nach einem Wurstzipfel oder sonst

einer Gabe durchsuchten, wurden sie die Stufen gewahr und brachten

sie zum Schmelzmeister. Der erkannte sie als reines Silber und lohnte

die Frauen reichlich. Nutzen hingegen habe die reiche Spende des

Greifensteins den Stadtpfeifern nicht gebracht, es sei alles wieder

durch die Musikantenkehle geflossen.

Hermann Lungwitz.

Geyer und das Obererzgebirge in Sage und Geschichte · 第 24 / 209 题