Die Geyerschen Stadtpfeifer werden vom Greifenstein beschenkt.
Einst hatten die Geyerschen Stadtpfeifer den Tanzenden im Thumer
Ratssaale bis tief in die Nacht hinein aufgespielt und traten, nachdem
der Reigen geendet, den Heimweg über den Greifenstein an. Als sie in
die Nähe der alten Felsen kamen, schien es ihnen, als ob dieselben in
einem besonderen Lichte erglänzten. Ein Spielmann machte den Vorschlag,
zu Ehren des Greifensteins eine muntere Weise zu blasen. Wie gesagt,
so gethan. Beim Abstieg nach Geyer sahen die Stadtpfeifer im Scheine
des Mondes große Zinnstufen am Wege liegen, sie meinten, der letzte
heftige Gewitterregen habe sie ausgewaschen. Ohne Säumen hoben sie
die Stufen auf und steckten sie in ihren Rucksack. Als die Frauen und
Kinder am andern Morgen die Rucksäcke nach einem Wurstzipfel oder sonst
einer Gabe durchsuchten, wurden sie die Stufen gewahr und brachten
sie zum Schmelzmeister. Der erkannte sie als reines Silber und lohnte
die Frauen reichlich. Nutzen hingegen habe die reiche Spende des
Greifensteins den Stadtpfeifern nicht gebracht, es sei alles wieder
durch die Musikantenkehle geflossen.
Hermann Lungwitz.