Befinden sich die Elefanten im Kraal, aus dem es kein Entrinnen mehr

gibt, so rennen sie in ziemlich kopfloser Art bald hierhin, bald

dorthin, um zu sehen, ob sie nicht irgendwo entschlüpfen können. Sie

versuchen die Pfostenzäune zu demolieren, trompeten mit dem Rüssel

und gebärden sich oft wie verzweifelt. Hat sich die erste Unruhe

einigermaßen gelegt und werden die Tiere müde und matt, so geht man

alsbald daran, sie zu +fesseln+. Zu diesem Zweck schickt man kräftige

zahme Elefanten in den Kraal hinein, auf ihren Rücken die „Mahouts“,

die Führer, die mit einem scharfen Hakenstab bewaffnet sind, um sich

gegen die Rüssel der wilden Elefanten zu verteidigen. Hinter dem Rücken

des Mahouts sitzt der „Nooser“, der Feßler, entweder ein eingeborener

Shikari oder auch ein weißer Sportsmann, der das „Noose“, das Fesseln

der Hinterfüße der wilden Elefanten, aus sportlicher Passion besorgt.

Auch die Singhalesen der höheren Kasten betrachten das Noose als

großen Sport. Es ist gefährlich und muß sehr energisch und schnell

bewerkstelligt werden. Die zahmen Elefanten drängen sich an die Herde

der wilden Elefanten heran und treiben diese zusammen. Nun gleiten die

Nooser herab, schleichen sich zu den Hinterfüßen der wilden Elefanten

und befestigen einen der Füße mit einer armdicken Lederschlinge. Das

Lederseil ist an der Halskette eines zahmen Elefanten befestigt, und

dieser spannt es auf einen Wink stramm, so daß sich die Schlinge

fest zuzieht. Das Anlegen der ersten Schlinge macht gewöhnlich keine

Schwierigkeiten, heikler wird die Sache beim zweiten Fuß, da der

Gefesselte nun merkt, was man ihm antun will, und sich durch Treten

und Schlagen mit dem noch freien Hinterfuß oft aufs heftigste sträubt.

Es setzt deshalb beim „Noose“ des zweiten Fußes bisweilen kräftige

Kopfnüsse, auch Rippenbrüche und böse Quetschungen ab.

Die an den Hinterfüßen gefesselten Elefanten werden nun mit hinlänglich

starken, ziemlich kurzen Stricken an Bäumen festgebunden, jeder

einzeln an einem Baum. Man läßt die Tiere zunächst etwas darben, um

sie gefügiger zu machen, dann läßt man ihnen durch zahme Elefanten

Nahrung reichen, auch Wasser in Eimern zuführen. Ferner bindet man

zahme Elefanten in nächster Nähe der wilden ebenfalls an Bäumen fest,

füttert sie und erweist ihnen alle möglichen Freundlichkeiten, so

daß die eingefangenen Dickhäuter sehen, wie gut es ihren Genossen

geht. Da der Elefant ein scharfer Beobachter ist und aus dem, was vor

seinen Augen geschieht, sehr wohl die richtigen Schlüsse zu ziehen

vermag, beruhigt er sich allmählich, gewöhnt sich an den Anblick der

in der Nähe befindlichen Menschen und verliert die Scheu vor ihnen so

weit, daß die Mahouts sich nach und nach dichter an sie herantrauen

dürfen, ohne einen Schlag mit dem Rüssel befürchten zu müssen. Dieser

ganze Gewöhnungsprozeß dauert, je nach dem Alter und dem Temperament

des Gefangenen, verschieden lange, im allgemeinen bleiben die Tiere

4–6 Tage gefesselt, bis man sie von den Bäumen losbinden kann. Die

eingefangenen Elefanten werden gewöhnlich gleich an Ort und Stelle

versteigert und an den Meistbietenden verkauft, bei dieser Gelegenheit

erhalten sie auch einen Namen. Die Zuschlagspreise für wilde Elefanten

beliefen sich vor dem Kriege auf etwa 400–1200 Rupien für das Tier,

je nach Beschaffenheit und Brauchbarkeit, kleine Babyelefanten gingen

schon für 20 Rupien ab. (Der Friedenskurs der Rupie betrug 1,36 Mark.)

Sind die versteigerten Tiere schon mürbe genug, um mit Hilfe zahmer

Elefanten und an diese gekettet abgeführt werden zu können, was

besonders bei den ganz jungen Elefanten oft der Fall ist, so zieht ihr

Käufer gleich mit ihnen davon. Andernfalls aber, wenn der Abtransport

noch nicht ratsam erscheint, werden die Gefangenen erst noch in einem

beim Kraal befindlichen eingezäunten Gehege untergebracht und von den

Pflegern recht gut behandelt, bis sie allmählich ihre Wildheit und

Widerspenstigkeit verlieren und fortgeführt werden können. Es kommt

allerdings hin und wieder vor, daß manche alte Tiere durch keinerlei

Mittel zahm zu machen sind, und dann bleibt nichts anderes übrig, als

solche Elefanten abzuschießen. Aber das sind immerhin Ausnahmen, in der

Regel erweisen sich die allermeisten Gefangenen als zähmbar.

* * * * *

Nicht immer nimmt der Kraal einen glatten Verlauf, mitunter kommen

recht unliebsame, störende Zwischenfälle vor. Das habe ich bei einem

+von mir selber geleiteten Elefantenkraal+ erleben müssen, der einmal

bei Ratnapura zu Ehren des Gouverneurs veranstaltet wurde. Es handelte

sich um ein umfangreiches Gelände, das eingekreist werden sollte, sowie

um eine Herde von ungefähr 40 Tieren verschiedener Größe. Wie mir und

meinen Shikaris bekannt war, wurde die Herde von einem ungewöhnlich

großen Elefantenweibchen geführt, das schon Proben bemerkenswerter

Umsicht und Intelligenz geliefert hatte und auch bereits bei einigen

früheren Kraals eingekreist worden, aber immer wieder glücklich

durchgeschlüpft und entkommen war. Ich war also schon im voraus darauf

gefaßt, daß uns diese Herde ein schweres Stück Arbeit und vielleicht

auch eine Enttäuschung bereiten würde, und um diese nach Möglichkeit zu

vermeiden, traf ich die Vorbereitungen zum Kraal mit ganz besonderer

Sorgfalt und Vorsicht. Mir standen ungefähr 1000 Treiber zur Verfügung.

Trotz diesem bedeutenden Aufgebot brauchten wir aber acht Tage, um die

Herde einzukreisen und im konzentrischen Vormarsch gegen den Kraal

zu drängen. Leider kommt es auch in Ceylon manchmal ganz anders, als

man denkt. Ich glaubte meiner Sache schon ziemlich sicher zu sein und

mit dem abschließenden Sturm beginnen zu können, da machte die große

Herde kehrt, durchbrach die Treiberkette und konnte nur mit unsäglicher

Mühe und großem Zeitverlust wieder eingeholt und von neuem eingekreist

werden. Und als wir die Elefanten abermals glücklich bis zum Kraal

getrieben hatten, gab das Führerweibchen zum zweitenmal das Signal

zum Durchbruch — und mit unwiderstehlicher Gewalt, ihrem wie toll

vorstürmenden Führer blind gehorchend, wälzte sich die Masse von etwa

40 Elefanten über die Treiberkette hinweg, wobei mehrere der Leute

schwere Verwundungen erlitten.

Obwohl ich als Tierfreund stets ein Gegner jedes unnötigen Abschießens

von Elefanten gewesen bin und es mir um das prächtige Exemplar von

Führerweibchen ganz besonders leid tat, blieb in diesem Fall, wenn

wir überhaupt zu einem Ziele kommen und nicht ein völliges Fiasko

erleiden wollten, gar nichts anderes übrig, als den Leitelefanten durch

Abschießen zu erledigen und so die Herde ihrer stärksten Intelligenz

zu berauben. Denn sonst wäre immer wieder von neuem dasselbe passiert.

Nach zwölf Stunden schwerer Arbeit im Dschungel glückte es uns, die

Herde, die unzertrennlich zusammenhielt, von neuem einzukreisen. Das

Abschießen des Elefantenweibchens überließ ich einem der Gäste, einem

Regierungsbeamten und wohlbekannten Sportsmann. Es gelang ihm, nahe

genug heranzukommen und den Elefanten mit einem guten Kopfschuß zur

Strecke zu bringen. Als das Tier gefallen war, setzte sich sofort ein

anderer Elefant an die Spitze der Herde, aber es zeigte sich bald, daß

er die hohe Intelligenz und Sicherheit seines Vorgängers nicht besaß.

Immerhin brach die Herde zum drittenmal durch, diesmal verlor sie aber

den Zusammenhalt und wurde in zwei Teile zersprengt. Ich entschloß mich

nun, mich mit der Hälfte zu begnügen und die andere fahren zu lassen.

Wir kreisten 22 Elefanten ein und brachten sie jetzt glücklich in den

Kraal.

Damit waren aber die Schwierigkeiten noch keineswegs beendigt, denn

die Fesselung der Gefangenen, die zumeist außerordentlich starke und

temperamentvolle Tiere waren, nahm mehrere Tage in Anspruch, obwohl

uns dabei 20 zahme Elefanten Beistand leisteten. Zu wiederholten

Malen gelang es den Tieren, die starken Taue, mit denen sie an Bäume

gefesselt waren, zu zerreißen, so daß sie von neuem eingefangen und

gefesselt werden mußten, wobei ich selbst mit Hand anlegte. Hierbei

ereignete sich ein komischer Zwischenfall. Ein Bekannter von mir, ein

leidenschaftlicher Amateurphotograph, war mit Aufnahmen der gefangenen

Tiere beschäftigt und wagte sich dabei trotz allen Warnungen vorwitzig

in den Kraal hinein. Er postierte sich mit seinem Stativapparat auf

einem niedrigen Felsblock, der sich in der Nähe der noch ungefesselten,

eng zusammengescharten Elefanten befand, und versteckte den Kopf unter

dem schwarzen Tuch, um das wirkungsvolle Bild sorgfältig einzustellen.

Wahrscheinlich witterte nun einer der Elefanten, ein großer Bulle,

hinter dem harmlosen Photographenkasten eine neue Gefahr — auf einmal

stürmte er vor und direkt auf den nur etwa zehn Meter entfernten

Felsblock zu. Mein Amateur verlor in jähem Schreck nicht nur alle

Geistesgegenwart, sondern auch die Balance; das schwarze Einstelltuch

auf dem Kopf und vor dem Gesicht, so daß er wie blind war, fiel er

hinterrücks den Felsblock hinunter zu Boden, und seine Füße stießen

dabei das Stativ um, so daß es samt dem Apparat ebenfalls vom Block

herunterfiel. Die Sache sah sehr gefährlich aus und mein Bekannter

gestand mir nachher, daß er sich in diesen Sekunden schon für verloren

gehalten hätte und ganz darauf gefaßt war, sogleich von den Füßen des

wütenden Tieres zermalmt zu werden. Aber zum Glück kam es anders. Da

die Elefanten oft durch die geringste Kleinigkeit eingeschüchtert

und scheu gemacht werden, wirkte auch dieses Schauspiel, das

Herunterpurzeln von Photograph und Apparat, auf den Wildling so

verblüffend, daß er Halt machte, umkehrte und sich zu den Genossen

zurückbegab. Mein Bekannter kam mit dem Schreck und ein paar blauen

Flecken glücklich davon.

Das war wohl der schwierigste und aufregendste Elefantenkraal, der

in Ceylon jemals stattgefunden hat. Aber das Resultat war in hohem

Maße befriedigend und bot reichliche Entschädigung für den Aufwand an

Kosten, Kraft und Zeit, denn wir hatten 22 schöne Tiere eingefangen,

die auf der Auktion, die bald danach an Ort und Stelle veranstaltet

wurde, einen namhaften Erlös erzielten.

* * * * *

Wie alle starken Tiere ist auch der Elefant sich seiner

außerordentlichen Körperkraft im Vergleich zu der des Menschen nicht

bewußt, er kommt zur Erkenntnis seiner Ohnmacht und ergibt sich willig

in sein Schicksal. Behandelt ihn ein Pfleger gut, so gewinnt er diesen

bald lieb, unterwirft sich ihm völlig und ist bald imstande, die

verschiedenen, zunächst sehr einfachen Arbeitsleistungen, die man von

ihm verlangt, zu begreifen und auszuführen. Selbstverständlich dauert

es immer eine geraume Zeit, oft mehrere Jahre, bis ein gefangener

Elefant für vollkommen sicher und zuverlässig gilt und als geschultes,

gut gezogenes Arbeitstier einen namhaften Wert darstellt. Die

Verwendung der Elefanten ist sehr mannigfaltiger Art. Sie eignen sich

bei ihrer großen Körperkraft vorzüglich zum Tragen und Ziehen schwerer

Lasten. Namentlich leisten sie in Sägemühlen zum Herbeischleppen und

Aufstapeln großer Baumstämme gute Dienste, ferner beim Straßenbau zum

Ziehen schwerer Eisenwalzen und dergleichen. Sie sind äußerst willig,

lehnen aber übertriebene Zumutungen ab und treten dann in „passive

Resistenz“, wie der schöne Ausdruck heute lautet. Das heißt, sie

machen einfach nicht mehr mit. Überhaupt haben sie ein ausgeprägtes

Pflicht- und Gerechtigkeitsgefühl, sie erledigen willig ihr Pensum,

man soll aber auch nicht zuviel von ihnen verlangen. Von dieser

Charaktereigenschaft lassen sich sehr drollige Beispiele berichten.

So hatte ich Gelegenheit, einen alten Arbeitselefanten zu beobachten,

der in einem benachbarten Sägewerk „angestellt“ war. Er hatte Balken

zu tragen und zu Stapeln aufzuhäufen und richtete die Balken mit dem

Rüssel so sorgfältig und akkurat, daß auch der geschickteste Arbeiter

es nicht besser hätte tun können. So vollbrachte er, ohne sich zu

überstürzen, sein Tagewerk mit bedächtigem Fleiß und sicherlich auch

mit Interesse an dem, was er tat. Sobald aber die Uhr des Werkhauses,

deren Stundenschläge der Elefant genau zu zählen verstand, die

Feierstunde verkündigte, legte er, „ganz wie die Maurer“, auf der

Stelle die Arbeit nieder, ließ, wo er auch gerade stand, den Balken

fallen und wandte sich seinem Gehege zu, um dort mit jener Seelenruhe,

die uns das Bewußtsein treuer Pflichterfüllung verleiht, zu futtern und

seiner Erholung nachzugehen.

In wirtschaftlicher Hinsicht macht sich die Beschäftigung von

Arbeitselefanten nur dort bezahlt, wo das Futter billig beschafft

werden kann. Sonst verschlingt das Tier mehr, als seine Arbeit

einbringt. Gegen den Wettbewerb der billiger arbeitenden Maschinen,

der Motore, Krane usw., kann der Elefant nicht aufkommen, und das

ist der Grund, weshalb er heute in Indien als Arbeitstier immer mehr

an Bedeutung verliert und hauptsächlich nur noch als Luxus- und

Repräsentationstier wohlhabender Eingeborener eine Rolle spielt.

Der schwierige Charakter so vieler Elefanten bringt es mit sich, daß

selbst der Kenner beim Erwerb eines Tieres oft Täuschungen unterliegt

und „die Katze im Sack“ kauft, um erst später zu merken, wie er sich

geirrt hat. Ich könnte dafür aus meiner Praxis so manches Beispiel

anführen, da ich im Verlauf meiner indischen Tätigkeit viele Hunderte

von Elefanten gekauft habe und dabei trotz aller Sachkenntnis und

Vorsicht doch hin und wieder auch eine minder erfreuliche Erfahrung

machen mußte. Hier zur Illustration nur ein einziger Fall.

In einem bei Kandy gelegenen Dorf bot sich mir einmal Gelegenheit,

einen ungewöhnlich schönen und großen Elefanten von hohem Wert zu

erwerben. Es war ein schwieriger Handel, der sich tagelang hinzog, ehe

er zum Abschluß kam, denn der singhalesische Besitzer des Tieres war

mit allen Wassern gewaschen und verstand sich aufs Preisemachen wie

der geriebenste parsische Wucherer. Nach endlosem Feilschen war das

Geschäft perfekt. Ich mußte den größten Kaufschilling erlegen, den ich

jemals für einen Elefanten aufgewandt habe, aber ich hatte mich nun

einmal auf das Tier versteift, weil es ein prächtiges Exemplar war

und dann auch wegen der Exaktheit, mit der es allen Kommandos seines

jugendlichen Pflegers Folge leistete. Also zückte ich mein Scheckbuch,

füllte die Anweisung aus und zog mit Panakka, so hieß der Elefant, nach

meiner ein paar Meilen entfernten Besitzung davon. Der jugendliche

Pfleger begleitete mich bis dahin, war meinen Leuten noch behilflich,

den Elefanten in einem Gehege unterzubringen, und kehrte dann in sein

Dorf zurück.

Als ich am nächsten Morgen noch beim Frühstück saß, kam mein Mahout

ganz fassungslos herbeigestürzt und meldete, daß der neue Elefant

sich wie ein Verrückter gebärde und bereits zwei von meinen Leuten

böse Verwundungen beigebracht hätte. Ich begab mich mit ihm sofort

zum Gehege. Und was mußte ich dort sehen! Panakka, der gestern noch

lammfromme Panakka hatte in seiner Wut nicht bloß alle kleineren Bäume

des Geheges umgeknickt oder ausgerissen, sondern auch ein großes Loch

im Boden gewühlt, so daß es beinahe wie ein Minentrichter aussah.

Außerdem leistete er sich den Spaß, mit dem Rüssel Steine zu sammeln

und sie auf das Dach des Wirtschaftshauses zu schleudern, daß es

nur so prasselte. Gegen jeden, der sich ihm nähern wollte, ging der

Rasende in so drohender Weise vor, daß keiner mehr wagte, das Gehege

zu betreten. Vergebens boten mein Mahout und die anderen Leute alle

Geschicklichkeit, die sie sich im jahrelangen Umgang mit Elefanten

angeeignet hatten, auf, um das wütende Tier gefügig zu machen, es

reagierte weder auf Schmeichelworte noch auf dargereichte Leckerbissen.

Da Elefanten in erregtem Gemütszustand sich meistens leicht durch die

Gesellschaft von ihresgleichen besänftigen lassen, gab ich Befehl, zwei

kleinere junge Elefanten, die sich in einem anderen Gehege befanden,

dem ungebärdigen Panakka beizugesellen. Panakka ließ die Kollegen

anfangs auch ganz ruhig herankommen, und es schien bereits, als ob das

bewährte Mittel wiederum von Erfolg wäre. Aber plötzlich schwenkte der

Wildling den mächtigen Rüssel und versetzte zuerst dem einen, dann dem

anderen jungen Kollegen eine „Mordstrummwatsche“, wie der Bayer das

nennt, von derartigem Kaliber, daß die armen Tiere buchstäblich auf

die Seite fielen und dann entrüstet trompetend „das Lokal verließen“,

d. h. aus dem Gehege flüchteten und noch den ganzen Tag ob der ihnen

angetanen Realinjurie völlig verstört waren.

Meine Hoffnung, daß der Elefant, der offenbar stark an Heimweh litt,

sich allmählich beruhigen würde, erwies sich als trügerisch. Ein

paar Tage vergingen, ohne daß er zur Vernunft kam. Das Futter mußte

ihm über den Zaun ins Gehege geworfen werden, denn er ließ keinen

Wärter heran. Kurz und gut, er benahm sich wie ein besserer Rogue und

nicht wie ein gesitteter Arbeitselefant, als den ich ihn gekauft und

ungewöhnlich hoch bezahlt hatte. Ich schickte nun einen Eilboten nach

dem Dorfe des Vorbesitzers und ließ diesem sagen, daß er den Elefanten

zurücknehmen möchte, da ich ein derartiges, geradezu gefährliches Tier

nicht brauchen könnte und mich getäuscht fühlte. Der Singhalese sandte

mir den Jungen, der das Tier bisher betraut hatte — und siehe da, kaum

erblickt Panakka den Burschen, so ist er wie umgewandelt, äußert die

größte Freude, streichelt ihn mit dem Rüssel, ist wieder sanft wie ein

Lamm und tut ohne Murren alles, was ihm der Junge befiehlt! Es zeigte

sich also, daß er vollständig an die Person seines Pflegers fixiert,

aber ohne dessen Gegenwart völlig unbrauchbar war. Der nächstliegende

Gedanke, den Jungen bei mir und Panakka zu behalten, ließ sich leider

nicht realisieren, weil sich der Junge nicht von seinem Dorf und

seinem Herrn trennen wollte. Andererseits verweigerte der Singhalese

die Rücknahme des Elefanten. Genug, es kam zu einem Prozeß, bei dem

ich, wie es bei Prozessen mit Eingeborenen in Indien sehr häufig der

Fall ist, den Kürzeren zog. Es kam ein für mich sehr magerer Vergleich

zustande, wonach der Singhalese Panakka zurücknahm und ich dafür

zwei junge Elefanten erhielt, die den von mir gezahlten hohen Preis

nicht wert waren. Immerhin mußte ich froh sein, noch so glimpflich

wegzukommen. Später wurde Panakka von dem Singhalesen aufs neue

verkauft und es erging dem Käufer genau so wie mir: sobald der Wärter

den Elefanten verlassen hatte, war dieser nicht mehr zu bändigen. Er

tötete mehrere Menschen und mußte schließlich auf Befehl der Regierung

erschossen werden.

Dieses Vorkommnis zeigt in drastischer Weise, wie stark die Elefanten

oft an die Person ihres Wärters fixiert sind und wie unleidlich und

völlig unbrauchbar sie werden, wenn man sie von dem gewohnten Pfleger

trennt.

Zum Schluß dieses Abschnittes möchte ich noch eine kleine

Elefantenbaby-Idylle zum besten geben. Im Anschluß an den von mir

geleiteten, vorher beschriebenen Kraal von Ratnapura erhielt ich die

Nachricht, daß eines der gefangenen großen Elefantenweibchen ein

Kleines zur Welt gebracht hätte, und man bot mir nun die beiden,

Mutter und Kind, zum Kaufe an. Der Handel kam zustande und ich brachte

die Alte nebst dem Baby, welch letzteres am zweiten Tage nach der

Geburt 83 Kilogramm wog, in meinen Tierpark in Colombo. Das niedliche

„Elefantenküken“ erregte in der Stadt allgemeines Aufsehen, so daß

fortwährend Besucher, Kolonisten und Eingeborene, kamen, um sich das

Baby anzusehen. Wie sich denken läßt, wurde es dadurch sehr verwöhnt,

denn die Besucher brachten viele Leckerbissen mit, und die Verwöhnung

hatte zur Folge, daß sich der Übermut in ihm regte und das kleine Tier

trotz der mütterlichen Sorgfalt schon frühzeitig auf allerlei lockere

Streiche verfiel. So hatte es die Gewohnheit angenommen, sich abends

von der Mutter fortzuschleichen und zu meinem Koch zu begeben, bei

dem es, wie ihm wohlbekannt war, immer etwas Gutes zu schnabulieren

gab. Als ich eines Abends mit meinen Angehörigen beim Essen saß und

die Punka (der Windfächer) über unseren Köpfen für Kühlung sorgte,

hörten wir plötzlich ein Geräusch, und durch die offenstehende Tür

des Speisezimmers spazierte vergnügt unser schon recht dick und rund

gewordener Kleiner herein! Er machte uns sozusagen einen offiziellen

Antrittsbesuch, wozu ihn hauptsächlich wohl die Witterung der auf

unserer Tafel befindlichen Süßigkeiten veranlaßt hatte. Die Mutter war

von den Extratouren ihres abenteuerlustigen Sprößlings durchaus nicht

erbaut, sondern gab ihm ihr Mißfallen durch Kopfnüsse mit dem Rüssel

und unwilliges Grunzen deutlich zu erkennen. Aber nach Art ungezogener

Kinder schien sich Baby aus der Schelte und den Prügeln herzlich wenig

zu machen und er setzte sein neckisches Treiben so lange fort, bis er

— sozusagen — die Kinderschuhe ausgetreten hatte und als angehender

Arbeitseleve den Ernst des Lebens kennen lernte.

Dabei kommt mir noch ein anderer großer Arbeitselefant in den Sinn,

der sich ebenfalls in meinem Park befand und sich immer mit großer

Raffiniertheit seiner Fußketten zu entledigen wußte, sobald die Wärter

nicht anwesend waren. Er ging dann gemütlich im Garten spazieren, und

da Gartenpfade im allgemeinen nicht für Elefantenpedale berechnet sind,

waren diese „Spaziergänge“ ziemlich verheerender Art. Bald genügten die

kleinen Extratouren meinem biederen Jumbo nicht mehr, er steckte sich

weitere Ziele. Eines Nachts durchbrach er das Tor, stattete unserem

fünf Minuten entfernt wohnenden Nachbar einen Besuch ab und führte

sich dort höchst vorteilhaft dadurch ein, daß er aus rätselhaften

Gründen die im Garten stehende Rikscha kurz und klein schlug. Durch

das Geräusch wurden die Nachbarn, eine englische Familie, wach, sie

sahen zum Fenster hinaus und bemerkten zu ihrem nicht geringen Schreck

im Mondschein einen großen Elefanten im Garten lustwandeln. Jumbo war

aber mit der Demolierung der Rikscha und dem Zertrampeln der schön

gepflegten Blumenbeete nicht zufrieden, er machte sich jetzt daran,

den Bestand des Hauses zu gefährden, Holzwerk und Röhren abzureißen

und ähnlichen Unfug zu verüben. Meine Nachbarn gerieten in große Angst

und dachten nichts anderes, als daß sie es mit einem tollen Rogue zu

tun hätten. Sie verbarrikadierten die Tür ihres Bungalows mit allerlei

Möbeln. Trotzdem verschaffte sich Jumbo mit einem Druck gegen die

Tür Eingang, machte dann aber kehrt, nachdem er sich davon überzeugt

hatte, daß es hier nichts zu fressen gab. Auf die Straße zurückgekehrt,

stieß er dort auf einen Depeschenboten, packte den armen Kerl mit dem

Rüssel und schleuderte ihn ein gutes Stück weit fort. Zum Glück kam der

Bote mit dem Schreck und ein paar Hautabschürfungen davon. Inzwischen

waren meine Wärter heimgekehrt und hatten zu ihrer Bestürzung Jumbos

Fehlen bemerkt. Nach vielem Suchen entdeckten sie den Ausreißer

endlich in Nähe der Hauptpromenade, wo sie ihn dann einfingen und nach

Hause führten. Das dicke Ende kam nach, nämlich für mich, und zwar in

Gestalt einer Kostenrechnung von ein paar Hundert Rupien, die mir mein

Nachbar für angerichteten Schaden präsentierte, sowie fünfzig Rupien

Schmerzensgeld für den Depeschenboten. Der Vorfall zeigt, auf welche

verrückten Einfälle manchmal auch solche Elefanten kommen, die sonst

ganz vernünftig und ruhig sind.

Übrigens hatte ich in meinem Park immer eine kleine Anzahl von

Arbeitselefanten, die ich zum Teil für meine Plantagen gebrauchte, zum

Teil auch zum Transport schwerer Maschinen in die Berge. Ich vermietete

die Tiere auch zu diesem Zweck und machte damit ein ganz gutes

Geschäft, da für jeden Elefant täglich 10–15 Rupien gezahlt werden.

Fünfundzwanzig Jahre Ceylon · 第 10 / 19 段