paar kurze Bemerkungen darüber vorausgeschickt, wie sich die beiden
Arten des großen Dickhäuters, der bekanntlich nur in Südasien und in
den heißen Strichen Afrikas vorkommt, von einander unterscheiden.
Man begegnet mitunter der Ansicht, daß der afrikanische Elefant
dem indischen überlegen sei und daß letzterer schon gewisse
Entartungsmerkmale aufweise, während sein afrikanischer Vetter sich
die größere Ursprünglichkeit und Unverbrauchbarkeit bewahrt habe.
Diese von ein paar Äußerlichkeiten bestimmte Ansicht muß als irrig
bezeichnet werden. Der einzige Vorteil, den der afrikanische Elefant
vor dem indischen voraushat, sind seine größeren Stoßzähne, die bei
alten Tieren oft kolossale Länge und Stärke erreichen, während es unter
den indischen Elefanten, besonders den ceylonischen, nur die Männchen
zu größeren Hauern bringen. (Elefanten mit bedeutenden Stoßzähnen
nennt der Engländer „Tusker“.) Man muß zugeben, daß der Afrikaner in
diesem Punkt dem Inder überlegen ist und in den oft enormen Stoßzähnen,
ganz abgesehen von ihrem wirtschaftlichen Wert als Lieferanten des
kostbaren Elfenbeins, etwas höchst Eindrucksvolles besitzt. Er verdankt
die großen Stoßzähne seinem Kampf ums Dasein. Im afrikanischen Urwald
braucht er diese Waffen, um sich anderen starken Tieren gegenüber, die
ihm sonst vielleicht gefährlich werden könnten, Respekt zu verschaffen.
Der ceylonische Elefant kennt diesen harten Kampf ums Dasein nicht,
keines der anderen Tiere der Insel ist ihm gefährlich, und aus diesem
Grunde sind seine Stoßzähne, die im Altertum größer waren, allmählich
verkümmert. Es wäre aber verfehlt, ein Kennzeichen der Entartung zu
nennen, was in Wirklichkeit nur die Zurückbildung eines nicht mehr
lebenswichtigen, also überflüssig gewordenen Organs zugunsten anderer
Fähigkeiten ist. Immerhin mag zugegeben werden, daß der afrikanische
Elefant in seinen großen Stoßzähnen auch in ästhetischer Hinsicht
vor dem indischen etwas voraus hat. In jeder anderen Hinsicht bleibt
er hinter dem indischen Vetter zurück. Die ganze Gestalt, vor allem
aber der Kopf des Inders ist edler geformt. Während der Afrikaner
einen kürzeren, höher gestellten Leib, einen niedrigen flachen Kopf
mit außerordentlich großen Ohren, einen dünnen Rüssel, eine schmale
Brust, häßliche Beine und in seinem ganzen Wesen etwas Gedrücktes
hat, erfreut sich der indische Elefant eines sehr ausdrucksvollen
Kopfes mit hoher Schädelwölbung und breiter Stirn, kleinerer Ohren,
eines schön gezeichneten Rüssels von gedrungener Form und kraftvoller
Beine. Unzweifelhaft schneidet der Inder seinem afrikanischen Vetter
gegenüber in ästhetischer Hinsicht im allgemeinen besser ab, und auch
in geistiger ist er ihm überlegen.
Der indische Elefant braucht Wasser und Wald, oder anstelle des
Waldes wenigstens grasreiche, mit Bäumen bestandene Steppen. Er
bewohnt das vorderindische Festland und Ceylon, Assam, Burma, Siam,
die Malaiische Halbinsel und Sumatra. Man kann den wilden Elefanten
beinahe als Nachttier bezeichnen, jedenfalls ist er nachts, das heißt
ungefähr von der achten Abendstunde an bis Mitternacht, lebhafter und
unternehmungslustiger als am Tage. Tagüber hält er sich im Dickicht
auf und erst nach Anbruch der Dunkelheit unternimmt er seine Ausflüge,
bei denen er oft weite Wege zurücklegt und auch vor Schwierigkeiten
des Geländes nicht zurückschreckt, denn er ist, trotz seiner plumpen
Figur, ein guter Kletterer. Ebenso schwimmt er vortrefflich, wie er
denn überhaupt das Wasser sehr liebt, täglich sein Bad nimmt und
dabei tüchtig duscht, d. h. sich mit Hilfe seines Rüssels bespritzt.
Seine Hauptnahrung sind Blätter und Zweige, daneben Gras. Bisweilen
statten die Elefanten auch den Feldern Besuche ab, wenn diese nicht
durch Hecken oder Umzäunungen abgesperrt sind. Es ist eine merkwürdige
Tatsache, daß der Herdenelefant auch die leichteste Umzäunung, welche
niederzutreten ihm nicht die geringste Schwierigkeit verursachen würde,
respektiert. Man hat deshalb schon scherzhaft behauptet, daß sogar eine
Verbotstafel genügt, um ihn vom Betreten der Felder abzuhalten.
Während der afrikanische Elefant seines Elfenbeins wegen stark verfolgt
wird und nicht genügenden Schutz genießt, so daß er in manchen
Gegenden, wo er früher sehr zahlreich auftrat, schon völlig ausgerottet
ist, darf sich der indische, besonders der ceylonische Dickhäuter
in ziemlich großer Sicherheit ruhig entwickeln, denn es wird immer
nur eine gewisse Anzahl eingefangen oder abgeschossen. Immerhin sind
auch für den indischen Elefanten die Tage der Rosen, um es poetisch
auszudrücken, längst vorüber, denn die fortschreitende Kultur mit ihren
Eisenbahnen und sonstigen technischen Hilfsmitteln rückt den scheuen
Tieren des Dschungels immer bedrohlicher auf den Leib und schmälert
ihre Daseinsbedingungen mehr und mehr. Noch vor hundert Jahren war
der Elefant in Ceylon so häufig, daß man von Colombo nur ein paar
englische Meilen weit auszurücken brauchte, um ihn zu treffen. Man
mußte ihn damals in ziemlich umfassender Weise abschießen, weil er zu
großen Schaden anrichtete. Im Jahre 1836 hat eine Jagdgesellschaft
von vier Europäern in drei Tagen 106 Elefanten erlegt. Noch in den
vierziger und fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden für
die Vertilgung von rund 5500 Elefanten Belohnungen ausgezahlt — denn
damals bekam man noch eine Prämie für die Erlegung eines Elefanten,
während man heute Schußgeld zahlen muß! Wahrscheinlich wurde das edle
Wild damals in übertriebener Weise verfolgt und die entgegengesetzten
Bemühungen, es zu schonen und zu erhalten, haben zu spät eingesetzt.
Wieviel wilde Elefanten gibt es nun heute noch in Ceylon? Die Meinungen
der Sachverständigen lauten sehr verschieden, aber ich glaube, daß
man so ziemlich das Richtige trifft, wenn man die Zahl auf etwa 2000
festsetzt. Das ist im Verhältnis zu der Größe der Insel wenig genug,
und es wäre deshalb aufs innigste zu wünschen, daß jeder unnötigen
Vertilgung der Dickhäuter durch eine noch strengere Handhabung der
Jagdgesetze ein Riegel vorgeschoben wird.
Zur unnötigen Vertilgung rechne ich das Abschießen durch sportmäßige
Jäger lediglich zu dem Zweck, daß die Herrschaften sich eine Trophäe
verschaffen und damit zugleich das Recht, zu Hause mit ihrer Heldentat
fürchterlich renommieren zu können. Allerdings wird der Abschuß nur
von Fall zu Fall und gegen ein Schußgeld gestattet, das vor dem
Kriege 100 Rupien (gleich 136 Mark Friedenskurs) für einen Elefanten
betrug. Aber die Erlaubnis wird noch immer viel zu häufig erteilt,
denn natürlich möchte jeder vornehme Sportsmann, der Ceylon besucht,
„seinen“ Elefanten zur Strecke bringen, Hauptsache ist dabei die
niemals fehlende photographische Aufnahme. Es macht sich doch auch zu
großartig, solch ein Bild: der unerschrockene Nimrod, der dem gefällten
Großwild den schön bestiefelten Fuß auf den Nacken setzt oder auf
seinem Leib Platz zu nehmen geruht. Bitte recht heroisch! — Im Ernst
gesprochen: jeder wirkliche Tierfreund und wirkliche Jäger kann über
diese +Amateur-Elefantennimrods+, die ein unter Beobachtung äußerster
Vorsichtsmaßregeln ihnen zugetriebenes Tier wie auf dem Scheibenstand
abschießen, nur die Achseln zucken. Diese Jäger befanden sich keine
Sekunde lang in Gefahr, ihr photographiertes Heldentum ist eitle Pose.
Ich werde später Gelegenheit haben zu erzählen, was es bedeutet,
Elefanten unter wirklicher Lebensgefahr aufs Korn zu nehmen.
Am häufigsten kommt der ceylonische Elefant in der waldreichen Gegend
westlich der Landstraße Hambantotta-Badulla, sowie nördlich der Straße
Badulla-Batticaloa vor. Der ganze etwa 25 deutsche Quadratmeilen
umfassende Bezirk ist mit prachtvollem Hochwald bestanden, ohne viel
Unterholz, wodurch das Aufspüren der Tiere erleichtert wird. Auch im
Norden der Insel, bei Varuniavelankulam und Mannar, ist der Elefant
noch häufig, hier aber etwas kleiner von Gestalt. Die stattlichsten
Ceylon-Elefanten findet man in dem Seendistrikt von Tamankaduwa an der
Straße von Mahaweliganga; hier gibt es einige Herden, deren Mitglieder
die außerordentliche Schulterhöhe von mehr als drei Meter erreichen.
Nach ihren Lebensgewohnheiten kann man die Elefanten in drei Arten
einteilen. Die erste, weitaus in der Mehrzahl befindliche Art bildet
der sogenannte +Herdenelefant+, der in größeren Herden lebt. Daß es
Herden von 200 Tieren gibt, wie in manchen Büchern zu lesen ist, halte
ich für ausgeschlossen, denn der Elefant fühlt sich nur im engeren
Familienkreise wohl und hält sich alle anderen, die nicht dazugehören,
energisch vom Leibe. Die Herden beziffern sich höchstens auf etwa
40 Stück, oft sind es aber auch nur 5–6. Merkwürdig ist, daß nicht,
wie man wohl meinen sollte, ein Männchen, sondern +fast immer ein
altes Weibchen die Herde anführt+. Bei Märschen und Wanderungen geht
ein Weibchen voran, dann folgen im Gänsemarsch die anderen, und ein
alter Bulle schließt gewöhnlich den Zug. Stößt eine größere Kolonne
auf ein Hindernis, so teilt sie sich manchmal in Gruppen, die das
Hindernis nach rechts und links umgehen, sich dann aber wieder zum
Gänsemarsch zusammenschließen. Zuweilen unternehmen die Elefanten große
Wanderungen, um bessere Futterplätze aufzusuchen, oder auch zu dem
Zweck, um in gewissen Jahreszeiten den Insekten, von denen sie trotz
ihres dicken Felles stark geplagt werden, zu entgehen.
Der Herdenelefant ist im allgemeinen ein friedliches Tier und ziemlich
schüchterner Natur; er geht dem Menschen jedenfalls gern aus dem Wege
und zieht sich mißtrauisch zurück, sobald er ihn wittert. Gefährlich
sind nur, wie bei so vielen Tieren, die Weibchen mit ihren Jungen,
da sie mit größter Liebe an ihrem (einzigen) Jungen hängen und in
der Sorge um dieses auf den sich nähernden Menschen häufig losgehen.
Überhaupt ist die Sorgsamkeit und Zärtlichkeit der Elefantenmutter
ihrem Sprößling gegenüber geradezu rührend. Auf der Wanderung ist die
Mutter eifrig bestrebt, ihrem Kinde alle Hindernisse aus dem Wege zu
räumen, damit es ohne Mühe folgen kann. In dieser liebevollen Fürsorge
wird sie von den übrigen Genossen der Herde kräftig unterstützt. Die
+Kinderzeit der Dickhäuter+ verläuft ziemlich ungetrübt, da die jungen
Tiere sorgfältig gehütet werden und der soziale Verband der Herde
so beschaffen ist, daß alle Mitglieder die Jugend respektieren. Sie
nehmen bei der Wanderung die Jungen in die Mitte, und wenn die Kleinen
in tändelndem Spiel das Weitergehen vergessen, werden sie behutsam
vorwärts geschoben. Die neugeborenen Elefanten sind urkomische,
drollige Tiere. Obwohl sie keineswegs plump sind, denn ihr Körper
kann die unglaublichsten Stellungen einnehmen, lassen sie doch
zuerst eine Ungelenkigkeit des verhältnismäßig noch kurzen Rüssels
erkennen, der sich erst später mit zunehmender Länge und bei größerer
Übung zu dem äußerst geschickten Greiforgan entwickelt, das die alten
Tiere besitzen. So wächst der hoffnungsvolle Elefantensprößling
unter der besorgten Mutter heran und verliert allmählich seine
spiellustige Kindernatur, um sich langsam in die Elefantenflegeljahre
hineinzuschlängeln. Nebenbei bemerkt, krankt die Elefantenzucht an
dem Umstand, daß sich das Rüsseltier in der Gefangenschaft nur selten
fortpflanzt. Deshalb gewinnt man den Nachwuchs von Arbeitselefanten
meist durch das Einfangen ganzer Herden, weniger durch Aufzucht.
Am wohlsten fühlt sich der Elefant, wie schon gesagt, in hügeligen,
waldigen Gegenden, er weilt aber auch in Ebenen und Hügelgefilden gern,
die mit hohem Gras bewachsen sind und in der Nähe von Wäldern liegen.
Auf der Ebene findet er an Gräsern und Blättern seine Nahrung, in den
Wäldern liebt er die Bambusschößlinge, die Blätter der Sträucher und
Bäume, auch einzelne Rindenarten. Natürlich verschmäht er auch Früchte
nicht, und wenn er Zuckerrohr haben kann, so ist das sein Leibgericht.
Da der Elefant kolossale Mengen von Futter zu sich nimmt, bis zu 300
Kilogramm täglich und mehr, ist er genötigt, viele Stunden des Tages
unterwegs zu sein, nur um Nahrung zu suchen. Während der heißesten
Zeit schläft er im Dickicht, ebenso ruht er im zweiten Teil der Nacht,
zwischen Mitternacht und Morgen. Sein Gehör läßt zu wünschen übrig,
noch weit schwächer ist seine Sehkraft entwickelt, dagegen besitzt
er eine sehr scharfe Witterung, und man darf sich deshalb im Walde,
wenn man ihn überraschen will, nur in der Richtung gegen den Wind
anschleichen.
Als zweite Art sind die +Einzelgänger+ anzuführen, die einsam
für sich allein lebenden Elefanten, meistens alte Männchen, die
ihrer Absonderlichkeiten wegen von der Gemeinschaft der anderen
ausgeschlossen wurden oder sich selbst zum Einsiedlerleben entschlossen
haben. Sie halten sich meistens in einem bestimmten, nicht sehr
umfangreichen Revier auf, das sie nur selten verlassen. In den Dörfern
machen sie sich häufig durch ihre Streiche unangenehm bemerkbar, indem
sie nachts die Grundstückumzäunungen niedertreten, junge Bäume, und
was ihnen sonst genießbar erscheint, verzehren, die Strohdächer der
Hütten abdecken, kurz, allen möglichen Unfug verüben, bis man sie
durch Schüsse und Lärm vertreibt. Ein besonderes Vergnügen scheint es
ihnen zu bereiten, über Nacht die Fahrstraßen zu versperren, indem sie
die am Wege stehenden Bäume ausreißen und quer über den Straßendamm
legen, so daß es dann längerer Arbeit mit Axt und Säge bedarf, um
die Straße aufzuräumen und wieder fahrbar zu machen. Man geht wohl
nicht fehl, wenn man die Verüber dieser sinnigen Streiche für nicht
ganz zurechnungsfähig hält. Offenbar haben die Einzelgänger „einen
Sparren zuviel“, und wahrscheinlich ist dieser geistige Defekt auch
die Hauptursache ihres Ausschlusses von den Herden. Abgesehen von den
Exzentrizitäten, sind es im allgemeinen immerhin friedliche Tiere, die
nur dann für den Menschen gefährlich werden, wenn man sie verfolgt.
Denn sie ziehen sich dann nicht, wie die Herdenelefanten, ohne weiteres
zurück, sondern gehen zum Angriff über. Sehr bedenklich wird die
Situation, wenn man den Einzelgänger auf der Jagd nicht gleich tödlich
trifft, sondern nur verwundet.
Die dritte Art ist der sogenannte +Rogue+, ebenfalls ein Einzelgänger,
ein altes Männchen, das aber im Gegensatz zum vorhergenannten
friedlichen Einzelgänger +unberechenbar und höchst bösartig und
gefährlich+ ist. Zum Glück tritt der Rogue nur selten auf. Es ist ein
zweifellos geisteskrankes, von einer Art Verfolgungswahn befallenes
Tier. Der Rogue geht geradezu darauf aus, den Menschen zu überfallen,
überhaupt alles zu zerstören, was von Menschenhand gemacht ist. In
dieser Hinsicht steht er einzig da, denn kein anderes Tier zeigt
solchen Hang, vermeiden doch selbst die großen Katzen und Bären gern
jede unnötige Berührung mit Menschenwerk. In der Gegend, wo ein Rogue
sein Unwesen treibt, ist vor ihm nichts sicher, was auf der Straße
geht oder fährt, weder bei Tag noch bei Nacht. Er stürzt auf den
ahnungslosen Wanderer, versetzt ihm einen gewaltigen Schlag mit dem
Rüssel, er packt den dann meistens schon entseelten Körper, hebt ihn
hoch, schleudert ihn auf den Boden und zerstampft ihn zum Überfluß
zu einer unkenntlichen Masse. Eingeborenenhütten rennt er in seiner
Zerstörungswut einfach über den Haufen, die stärksten Bretterzäune
drückt er ein, und selbst kleinere Brücken fallen, wenn sie nicht von
fester Eisenkonstruktion sind, oft seiner blinden Wut zum Opfer. Taucht
irgendwo ein solcher Rogue auf, so gibt die Regierung die Jagd auf ihn
frei und setzt eine Belohnung auf seine Erlegung aus.
[Illustration:
Photo Plâté & Co., Colombo.
Von einer Elefantentreibjagd: Um Mitternacht in der Treiberkette
(Blitzlichtaufnahme)
(Text Seite 115)]
[Illustration: Buddhistischer Priester mit Eleven]
[Illustration: Kandy-Singhalese von fürstlicher Herkunft]
Was die oft behandelte Frage der +Intelligenz des Elefanten+ betrifft,
so scheint es mir notwendig zu sein, gewisse Unterscheidungen zu
machen. Intelligenz ist ein relativer Begriff, beim Tier fast noch mehr
als beim Menschen. Jedes Tier besitzt genau soviel Intelligenz, wie es
für seinen Kampf ums Dasein braucht. Wir Menschen begehen so gern den
Fehler, das Begriffsvermögen der Tiere mit dem Maßstab unserer eigenen
Menschlichkeit zu messen, während das Tier, das unter ganz anderen
Daseinsbedingungen lebt, auch eine ganz andere Art von Intelligenz
nötig hat und bekundet. Wäre umgekehrt das Tier in der Lage, Urteile
über den Menschen und den Grad seiner Gescheitheit abzugeben, so
würden diese vielleicht mitunter wenig schmeichelhaft lauten. Denn
zahlreiche Tiere sind dem Menschen hinsichtlich der Schärfe gewisser
Sinne weit überlegen und können auch in bezug auf Anpassungsgabe,
Zweckmäßigkeit des Handelns und Schlauheit so manchen minderbegabten
Menschen beschämen. So ist auch der Elefant innerhalb der Grenzen, die
ihm von der Natur zugewiesen sind, zweifellos ein geistig gut begabtes
Geschöpf. Alle seine Handlungen zeichnen sich durch Überlegung und
Zweckmäßigkeit aus. Schon mit der weisen Zurückhaltung (von den halb
oder ganz verrückten Einzelgängern ist hierbei natürlich nicht die
Rede), die er anderen Tieren, sowie den Menschen gegenüber an den
Tag legt, bekundet er seine Vernunft. Er hat freilich auch große
Schwächen, und dazu gehören, ähnlich wie beim Pferd, Ängstlichkeit
und Nervosität, die Neigung, bei Überraschungen und allen ungewohnten
Erscheinungen den Kopf zu verlieren, scheu zu werden und sich dann
manchmal ganz sinnlos zu benehmen. Es ist deshalb im Verkehr mit
Elefanten, auch mit zahmen, niemals eine gewisse Vorsicht außer
acht zu lassen. Im ständigen Umgang mit dem Menschen entwickelt der
gezähmte Elefant, genau wie der Hund, seine geistigen Fähigkeiten in
oft überraschender Weise. Natürlich sind die Elefanten ebensowenig wie
die Hunde (von den Menschen ganz zu schweigen!) gleichmäßig begabt. Es
gibt klügere und dümmere Tiere, solche, die sehr rasch begreifen, was
man von ihnen verlangt, und solche, bei denen die „Leitung“, wie man
scherzhaft sagt, schlecht funktioniert. Der Elefant ist in ausgeprägter
Weise ein +Charaktertier+. Er läßt sich nicht, wie ein schlecht
erzogener Hund, mit jedem ein. An seinem Pfleger oft mit zärtlicher
Liebe hängend, zeigt er sich Fremden gegenüber abweisend und trotzig.
Seine Empfindlichkeit ist groß. Schlechte Witze liebt er nicht. Die ihm
bekannten Personen dürfen sich wohl einen Spaß mit ihm erlauben, aber
sonst reagiert er auf Neckereien mit deutlichen Zeichen des Mißfallens
und ungnädiger Stimmung. Er ist nachtragend bis zur äußersten Rachsucht
und hat für ein ihm angetanes Unrecht ein gutes Gedächtnis.
* * * * *
Ich möchte nun vom +Einfangen des wilden Elefanten+ in Ceylon sprechen.
Da der Dickhäuter sich, wie schon erwähnt, in der Gefangenschaft nur
selten fortpflanzt, muß der benötigte Nachwuchs durch das Einfangen
und Zähmen wildlebender Tiere beschafft werden. Natürlich kommt dafür
nur der gesellige und zähmbare Herdenelefant in Betracht, denn der
störrische Einzelgänger, vom tollen Rogue gar nicht zu sprechen,
wäre unbrauchbar. Die Sache fängt damit an, daß die Regierung im
Einverständnis mit den betreffenden Kommunen von Fall zu Fall den
Fang einer gewissen Anzahl von Elefanten in Gegenden, wo sie sich
häufiger zeigen, gestattet. Wie sich die Dinge in Ceylon neuerdings
entwickelt haben, ist der „+Kraal+“ zu einem Schauspiel geworden, zu
einem gesellschaftlichen und sportlichen Ereignis, das eine Menge von
Zuschauern von weit und breit herbeilockt und bei dem es mitunter,
sehr zum Mißvergnügen der Elefanten- und Jagdfreunde alten Schlages,
recht jahrmarktmäßig hergeht. Unter Kraal in engerem Sinne des Wortes
versteht der Anglo-Inder jenes eingezäunte Gehege, in das die wilde
Elefantenherde hineingetrieben wird, im weiteren Sinne bezeichnet man
aber mit Kraal überhaupt den ganzen Elefantenfang mit allem Drum und
Dran.
Das erste beim Elefantenfang ist die Errichtung des Kraals, des
Geheges. Es befindet sich ungefähr in der Mitte des Waldgebietes, in
dem sich die einzutreibende Herde aufhält, und besteht aus einem etwa
4 Meter hohen, aus starken Stämmen errichteten Zaunwerk, das einen
kreisförmigen Raum von ungefähr 150–200 Meter Durchmesser umschließt.
Der Eingang zum Kraal ist etwa 4 Meter breit und durch ein schweres
Fallgitter verschließbar, vom Eingang führen zwei auseinanderlaufende
Pfahlzäune wie Flügel etwa 100 Meter weit nach außen fort. An einer
Seite des Kraals wird neuerdings gewöhnlich eine Tribüne errichtet, die
dazu dient, den eingeladenen oder zahlenden Gästen, d. h. den Spitzen
der Behörden, den Herren und Damen der Gesellschaft, den hervorragenden
Fremden usw. das Schauspiel des Kraals in aller Sicherheit und
Bequemlichkeit zu verschaffen.
Gleichzeitig mit der Anlage des Kraals wird damit begonnen, das
Waldgebiet im weiten Umfang von zehn Kilometer und mehr durch +Treiber+
zu umstellen, um etwaige Ausbruchsversuche der einzutreibenden
Elefantenherde zu verhindern. Zu einem kleineren Kraal sind ein paar
hundert Treiber nötig, wenn aber ein ziemlich großes Gelände in Frage
kommt, müssen bis zu 2000 Treiber aufgeboten werden. Die Treiber sind
mit Fackeln und anderen Leuchtkörpern, mit Lärminstrumenten und zum
Teil auch mit Gewehren ausgerüstet und stehen gruppenweise unter der
Aufsicht berufsmäßiger Shikaris (Jäger), die auch zahme Elefanten
mitführen. Die Treiberposten stehen anfangs in einer Entfernung von
60–80 Schritt voneinander. Ist erst die Einkreisung beendigt und der
Ring um den Fangbezirk vollkommen geschlossen, so kann die Herde
schwerlich mehr ihrem Schicksal entrinnen. Anfangs versuchen die
Elefanten allerdings, wenn sie Unheil wittern, den Treiberring zu
durchbrechen, aber da sie gewöhnlich nur in der Dunkelheit gegen die
Peripherie vorrücken, hält es nicht schwer, die ängstlich gewordenen
Tiere, die vor Knall und Lärm ebenso Furcht haben wie vor Feuer,
durch Fackeln, Schüsse und Geschrei zurückzudrängen. Die Treiber
rücken nun allmählich konzentrisch vor, so daß der Einkreisungsring
immer enger und das Gebiet, auf dem sich die Elefantenherde noch in
Freiheit bewegen kann, immer kleiner wird. Das dauert, je nach der
Größe des zu umschließenden Geländes, sowie der Zeitdauer, die die
Errichtung des Kraals in Anspruch nimmt, verschieden lange, manchmal
nur 3–4 Tage, manchmal auch acht Tage und mehr. Wenn endlich der Ring
um die Elefanten so eng geschlossen ist, daß die Herde nicht mehr viel
Bewegungsfreiheit hat, rückt die Treiberkette zu den Enden der beiden
Flügelzäune vor, erst langsam und vorsichtig, dann immer schneller,
bis die Tiere sich zwischen den Pfahlreihen der Flügelzäune befinden
und nun in den immer enger werdenden Schlauch dieser Eingangspforte
zum Kraal hineingedrängt werden. Ein allgemeiner, durch Schüsse und
Lärmen unterstützter Schlußansturm treibt die widerstrebenden Elefanten
vollends in den Kraal hinein, und sobald sie den kreisförmigen
Innenraum erreicht haben, senkt sich das Fallgitter hinter ihnen — sie
sind gefangen.
Nicht immer verläuft der Eintrieb glatt, manchmal raffen sich
ein paar besonders kräftige und energische Rüsselträger doch zu
entschlossenem Handeln auf, machen Front gegen ihre Bedränger,
durchbrechen die Treiberkette und gewinnen die Freiheit oder müssen
von neuem umstellt und eingekreist werden. In der Regel gelingt es
dank der Energielosigkeit und Ängstlichkeit der Tiere, die einmal
eingekreiste Herde in den Fangplatz zu treiben und trotz ihrer Unruhe
und gelegentlichen Versuche, den Pfahlzaun einzudrücken, auch darin
festzuhalten.