Das nenne ich ein Leben! --

* * * * *

Eines Tages kam ich in ein Dorf, dessen Einwohner oft über Wildschaden

geklagt hatten.

Flußpferde, Schweine und Elefanten seien Nacht für Nacht auf den

Feldern, und die Männer müßten beim brennenden Feuer Wache halten, um

ihre Felder zu schützen.

Als die Sonne unterging, lag ich auf der Uferböschung des Flusses, nahe

bei dem Dorfe, und beobachtete ein großes Krokodil, das auf dem andern

Ufer schlief.

Die rote Abendsonne schien dem Drachenvieh in den weit geöffneten

Rachen.

Ich überlegte, ob ich das Raubtier durch einen wohlgezielten Schuß ins

Jenseits befördern sollte.

Da wurde ich auf eine Flußpferdherde aufmerksam, die dicht am Ufer auf

die Dunkelheit wartete, um zur Äsung an Land zu steigen; es waren wohl

zwanzig Köpfe.

Als es dunkel wurde, hoben sich die ersten beiden plumpen Leiber auf

das Ufer; dann folgte ein starker Bulle mit weit nach vorn gesenktem

Kopfe.

Ich gab ihm eine Kugel in das Gehirn; er brach auf der Stelle zusammen.

Die Herde drängte in das tiefere Wasser und warf eine hohe Welle vor

sich auf; die beiden am Ufer stehenden Tiere stürzten sich von oben in

den Fluß und folgten der Herde.

Ich band den erlegten Bullen mit Schilf am Ufer fest und ging zu meiner

Hütte zurück.

Als ich beim Abendbrot saß, brüllte dicht neben mir im Wasser noch ein

Flußpferd.

Das Dorf, dessen Bewohner mir hier eine kleine, saubere Rasthütte

gebaut hatten, lag dicht am Strome. Die Leute waren dem Strome gefolgt,

der sein Bett vor einigen Jahren hierher verlegt hatte, und wohnten

noch nicht lange an dieser Stelle; noch keiner der angepflanzten Bäume

war mehr als drei Jahre alt.

Die Neger in diesem Orte waren sehr freundlich zu mir. Sie hockten im

Kreise um ein kleines Feuer mitten auf der Dorfstraße und erzählten

sich etwas.

Ich setzte mich im langen Stuhl in ihre Nähe und hörte zu. Sie klagten,

die Flußpferde ließen keinen Halm auf ihren Feldern wenn das Feuer bei

den Wachthütten einmal ausgehe.

Nach einer Weile trennten sich einige Leute von der Gruppe und sagten,

sie müßten in die Schamba gehen, um Wache zu halten.

Kurz entschlossen hängte ich meine Büchse um und ging mit ihnen.

Das war eine der eigenartigsten Nächte, die ich auf afrikanischem

Boden erlebte! Die Klarheit des Himmels, die scheinbar unendliche

Masse des hohen Schilfes, in die die Neger barfuß, mit vorsichtigen

Tritten hineingingen; das schrille, ohrenbetäubende Zirpen der Zikaden

die, wenn wir näher kamen, ganz plötzlich verstummten; die vielen

kleinen Hütten auf hohen Pfählen, an denen wir vorbeikamen, und aus

denen jedesmal eine Menschenstimme Antwort gab: Das machte auf mich

einen so tiefen Eindruck; denn es war ein Stück von der Geschichte des

Elefanten, des größten Wildes der Erde.

Hier durfte ich noch Zeuge sein, wie halbwilde Menschen um ihre Nahrung

mit den Tieren der Vorwelt kämpften; wie die Lebensweise der Dickhäuter

das Treiben der Menschen beeinflußte.

Und mir schien, als ob die Menschen reger, stärker und besser würden

durch den dauernden Kampf. Das waren meine Gedanken, als ich den

biegsamen Gestalten der Neger folgte, die mit ihren Sinnen ganz

beschäftigt waren, den Weg zu suchen.

Der eine Neger ging abseits auf ein Feld. Ich folgte dem anderen und

wir stiegen an schwachen Pfählen auf ein Gerüst hinauf, das eine kleine

Hütte trug.

Nicht weit davon brannte zu ebener Erde ein Feuer und Brennholz lag

daneben.

Der Schwarze brachte einen Arm voll trockenen Grases und legte es mir

unter den Rücken. Ich machte es mir so bequem wie möglich.

[Illustration: Schädel eines Elefanten, den ich geschossen habe. Die

Zähne sind 221 Zentimeter lang.]

Die Pfähle wackelten stark, als der Neger hinunterstieg, um neue Reiser

auf das Feuer zu werfen.

In der kleinen Hütte war ein starker Negergeruch, den ich in Kauf

nehmen mußte. Der Schwarze hockte dicht bei mir, nestelte an seinem

Hüfttuch herum, holte Tabak heraus und schob ihn in den Mund und die

Nase.

Im Schein des Feuers sah ich, daß er große Narben im Gesicht und

auf dem Schädel hatte, und er erzählte mir, daß ihn ein Leopard vor

mehreren Jahren in der Nacht auf einer Wachthütte besucht habe. Er habe

geschlafen, sich plötzlich gepackt gefühlt, um sich gegriffen, den

Leoparden mit aller Kraft gefaßt und geschrien; da sei seine Bibi mit

Feuer gekommen und habe ihn befreit. Ob der Leopard mehr gebissen oder

geschlagen hatte, konnte der Mann mir nicht sagen.

Die Zikaden zirpten ununterbrochen.

Eine Fledermaus besuchte unseren kleinen Raum und flatterte geisterhaft

um das Strohdach.

Von Zeit zu Zeit ertönte das mächtige Brüllen der Flußpferde fern und

nah; dann hörte man wieder Rufe, Scheuchen und Schlagen von Trommeln

rundum in den Feldern.

Stunden vergingen -- --. Wenn mir der Kopf niedersank, durchfuhr mich

ein Gefühl des Ekels bei dem Geruch, der den Gegenständen in der Hütte

anhaftete; ich sah wieder in die Dunkelheit hinaus.

[Sidenote: Elefanten in den Feldern.]

Stunden vergingen -- --. Mit einmal war ich wieder ganz wach und mein

Herz schlug schneller: „Elefanten,“ sagte der Neger leise. „Sie kommen

in die Schamba.“

Ich hörte nur ein leises Streichen von Gräsern, ein Schurren, Kluppen,

Schnaufen; dumpfe Stöße; aber alles dies so leise, daß nur die

Phantasie sich die Nähe der großen Tiere dazu vorstellen konnte. Nichts

von dem Trompeten, auf das ich gehofft hatte. Ich horchte lange hinaus

in die Nacht und als ich genug gehört hatte, sang der Neger laut und

schlug auf eine dumpfe Trommel.

Ich ging auf Umwegen zum Dorfe zurück und merkte dabei, daß es

unverständig ist, in diesem Lande nachts allein zu gehen; man sieht und

hört Gespenster.

Gerade der Pirschjäger, und besonders der Europäer, ist gewohnt, seine

Augen zu gebrauchen, wenn er ein verdächtiges Geräusch gehört hat. Hier

aber ist nachts ein lautes Treiben und hält die Sinne des Wanderers

fortgesetzt in Anspannung, ohne daß er etwas sehen kann.

Steht da nicht ein Flußpferd?

Im Grase raschelt’s; ein fernes Brechen -- -- Elefanten?

Man steht und lauscht.

Das Geräusch der eigenen Tritte verbietet vorwärts zu gehen, weil man

die anderen Geräusche, die man zu beachten gewohnt ist, zu übertönen

fürchtet; wenn andere mitgehen, schreitet man aus, ohne Rücksicht auf

den Lärm der Tritte, die sich mit denen der anderen verbinden.

Am Morgen kamen die Neger, weckten mich und meldeten, die Elefanten

hätten die Schamben verlassen und seien nach dem Walde hingewechselt.

Eilig brach ich auf, um den Tieren den Weg abzuschneiden. Durch hohes

Schilfgras kam ich auf Umwegen in Buschwald. Da fanden die Leute bald

die ganz frische Fährte eines Elefanten, dem wir folgten.

Kurz darauf prallte der vor mir gehende Neger zurück und sagte.

„Ndofu.“[21]

Ein großer Elefant stieg dicht vor uns aus einem kleinen Tal und

verschwand schnaubend in den Büschen.

Er hatte uns gehört. Ich lief nach und sah ihn in ziemlich offenem

Gelände stehen, als er sich zu mir umdrehte. Ohne zu zögern ging ich

an den völlig freistehenden Riesen bis auf fünfundzwanzig Schritt

hinan und schoß zwischen Auge und Ohr, während er seine großen Gehöre

abgespreizt hielt, als wollte er mit den riesigen Schallfängern jeden

Laut aus der Richtung seines Angreifers auffangen.

[Sidenote: Der erste Elefant zur Strecke.]

Auf den Schuß tat der Elefant mehrere Schritte vorwärts, brach vorne

nieder, so daß die Zähne den Erdboden aufpflügten, legte sich langsam

auf die Seite und verendete.

Der Eindruck, den dieser Vorgang auf mich machte, war überwältigend.

Alles war so schnell gegangen: Das Wahrnehmen des Tieres, der Schuß

und die verblüffende Wirkung, daß der große Elefant, der eben noch im

Vollbesitz seiner ungeheuren Kräfte war, leblos zusammensank. -- Das

war der Tod?

Ein Schwarzer sprang auf den toten Elefant los, hielt seinen

Vorderlader mit gestreckten Armen vor sich und feuerte ihm die Ladung

in den Rücken.

Hinter den Büschen ertönte ein dumpfes Trompeten; es klang, als ob

Schrecken darin läge.

Ich folgte dem Tone und sah drei Elefanten, die in schnellem Trab

flüchteten und sich dabei dicht aneinander drängten.

Als ich zurückkehrte, warnten die Neger noch immer davor, dem Elefanten

zu nahe zu kommen, man könne nicht wissen, ob er wirklich tot sei.

Am nächsten Morgen war ich mit der Kamera und neugefüllten Kassetten

zur Stelle und photographierte meinen ersten Elefanten.

Auf den umstehenden Bäumen saßen Hunderte von Aasvögeln und warteten,

bis irgend jemand die Decke des Dickhäuters durchschlagen würde. Der

riesige Leib war in den vierundzwanzig Stunden mächtig aufgetrieben,

und als er geöffnet wurde, schwoll der Magen wie ein Ballon heraus. Da

näherte sich ein Witzbold vorsichtig von der Rückenseite und stach mit

seinem Messer kurz in die gespannte Wand. Es gab einen lauten Knall,

der Ballon platzte, und der Mageninhalt flog weit herum, zum großen

Vergnügen der Zuschauer.

Merkwürdig war, daß das Hinterbein des auf der Seite liegenden

Elefanten frei in der Luft schwebte und selbst das Gewicht mehrerer

Menschen tragen konnte, ohne nach unten gedrückt zu werden.

An dem ersten Elefanten gab es noch vieles andere zu sehen: Die

Proportionen des Tieres, die Beschaffenheit der Haut (die viel

schwächer ist, als die des Flußpferdes), die Größe der Ohren, die

Muskulatur des Rüssels und die Form des Greifers (des Rüsselendes, in

das die Nasenkanäle münden).

Die Neger sprachen über den Elefanten und teilten sich mit, was sie

von ihm wußten. „Der ißt keine Kürbisse mehr,“ sagte einer. „Aber sein

Freund“ (_ndugu_), ein anderer. „Er schläft nie liegend,“ „er legt

sich nie hin, weil er dann nicht wieder aufstehen kann.“ „Er legt die

Zähne auf einen Baum, wenn er schlafen will; weil sie schwer sind.“

Sie betrachteten den Rüssel --, „damit greift er sich Mangos,“ „und

trinkt Wasser,“ „und gräbt Löcher.“ Ich sah mir an, wie die Zähne

herausgehauen wurden.

Der linke Zahn war kürzer als der rechte und trug an der Spitze

Bruchstellen. Die Schwarzen nannten den linken Zahn „_gumbiro_“,

den rechten „_lugori_“ und sagten, mit dem _gumbiro_ arbeite

der Elefant, den _lugori_ hätte er bloß zum Schmuck; der sei sein

Vermögen (_mali_).

Bei allen Elefanten, die ich geschossen und gesehen habe, war der linke

Zahn kürzer als der rechte. Der linke war meist stärker und abgenutzt;

der rechte endigte in einer langen, glatten Spitze. Oft war der linke

Zahn sogar ganz abgebrochen.

Die Schwarzen schnitten mit ihren weichen, schlechten Messern die

Haut und das Fleisch über den Knochenpartien ab, bis die großen

Knochenwulste, in die die Zähne gebettet sind, zutage lagen. Dann wurde

der Knochen mit Beilen abgesplittert. Die beiden Zähne saßen sehr fest;

es forderte stundenlange Arbeit, sie zu lösen. Der obere Rand jedes

Zahnes ist durch eine dünne Hautplatte abgeschlossen, unter der der

große, rosarote Nerv liegt. Der ist gut anderthalb Fuß lang und geht

nach unten spitz zu wie eine Rübe. Er füllt die Höhlung des Zahnes aus.

* * * * *

Eines morgens brach ich anderthalb Stunden vor Sonnenaufgang mit

wenigen, besonders zuverlässigen Leuten auf, um Elefanten zu suchen, in

einer Gegend, in der ich frische Fährten gesehen hatte.

Es war noch völlig dunkel, als wir in der Ferne ein Brechen hörten.

Das Geräusch entfernte sich langsam. Ich mußte warten, bis es hell

wurde. Dann gingen wir suchend an Wassertümpeln entlang, in denen sich

hohe Bäume spiegelten. Das erste Licht fiel zwischen Blätter und Gräser

hinein. Skarabäen schwirrten in der Luft -- große Käfer, die dem Geruch

der Elefantenlosung folgten. --

Plötzlich zeigte ein Neger seitwärts.

[Sidenote: Sieben Elefanten.]

Zwischen den Zweigen reckte sich der Rüssel eines Elefanten, einer

mächtigen Schlange gleich, steil in die Luft.

Da kein Wind war, brauchte ich nicht lange zu überlegen, was ich tun

sollte; ich ging einfach darauf los und erreichte eine Herde von sieben

Elefanten, die zwischen den Büschen ästen und dabei langsam vorwärts

gingen.

Die Elefanten gingen nur in schnellem Schritt. Trotzdem hatte ich Mühe,

ihnen zu folgen.

Einmal waren links von mir vier, rechts zwei, und der stärkste, ein

Bulle, blieb etwas zurück. Ich lief und wußte, da ich schießen wollte,

keinen anderen Rat, als schräg von hinten an den stärksten Bullen

hinanzulaufen und seine Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. Es war ein

Wagnis; denn ich kannte die Elefantenjagd noch kaum und hatte erst zum

fünften Male Elefanten vor mir. Aber es war höchste Zeit, zu handeln;

meine Kräfte ließen nach und ich fürchtete, durch das Laufen zu unruhig

zu werden zu einem sichern Schuß.

Die Gräser wurden niedriger, die Büsche spärlicher und die Elefanten

waren bis zu den Kniegelenken hinab zu sehen.

Nur noch dreißig Schritt trennten mich von dem Bullen, da wandte er

sich zu mir um.

Sofort blieb ich stehen und schoß ihm zwei Schuß auf das Ohr; da

beeilte sich der Elefant, der Herde zu folgen; er zeigte mir nur sein

Hinterteil, so daß ich keinen wirksamen Schuß abgeben konnte, und ich

schoß auf den linken Hinterfuß.

Die Herde verschwand schnell in dem hohen Grase.

Nun wartete ich auf meine Leute und nahm dann die Fährte auf. Ich hielt

es für aussichtslos und war in recht gedrückter Stimmung; was nützten

die kleinen Tropfen Schweiß, die hie und da an den Blättern gefunden

wurden!

Wir kamen an einem hohen Baume vorbei und ich kletterte hinauf; da sah

ich die Elefantenherde tausend Meter von mir entfernt im Schilf stehen.

In dem hohen Schilf hinanzugehen wäre ein bodenloser Leichtsinn

gewesen, solange kein Wind wehte. Deshalb beschloß ich, auf den

Nachmittagswind zu warten, der regelmäßig aus Osten wehte, und ging bis

zu einem einzelnen, großen Baume, der in dem weiten Grasmeere stand,

und von dem aus die Herde gut zu sehen war.

[Sidenote: Die Jagd mit der Leiter.]

Ich schickte Leute weg, die im Busch eine Leiter bauen sollten, und

ließ mir Essen und die Kamera holen.

Mit der Leiter wollte ich im Schilf an die Herde hinangehen, weil es

unmöglich und auch zu gefährlich war, sich der Herde zu ebener Erde zu

nähern; man konnte in dem etwa drei Meter hohen, dichten Schilfgrase

nicht fünf Schritt weit sehen.

Gegen drei Uhr am Nachmittag kam der Wind durch, auf den ich gewartet

hatte.

Nun ging ich an die Herde hinan, um von der Leiter aus photographische

Aufnahmen zu machen.

Zwei Neger hielten die Leiter, zwei andere lehnten starke Astgabeln

dagegen; dann stieg ich hinauf und sah von oben über das Schilf hin

nach den Elefanten aus.

Ich machte Aufnahmen auf hundertundzwanzig Meter. -- Der erfahrene

Photograph wird wissen, daß fast nichts auf der Platte zu sehen war;

nur ein paar kleine Pünktchen; die Entfernung war für eine Kamera ohne

Fernobjektiv zu groß! --

Mit vieler Mühe machte ich den angeschossenen Elefanten aus. Ich

erkannte ihn daran, daß er sich mit dem Greifer seines Rüssels oft nach

den Schußstellen am Kopfe faßte. Die Herde stand in heißem Sonnenlicht.

Zweimal schienen die gesunden Tiere Anstalten zu machen, weiter zu

gehen (um Schatten zu suchen) kehrten aber jedesmal wieder zu dem

kranken Elefanten zurück.

Alle klappten mit den großen Ohren, und manchmal hob sich ein

gekrümmter Rüssel in die Luft, um zu winden. Auch warfen die Tiere sich

glitzernden Sand über den Rücken, so daß ich dachte, sie ständen am

Wasser.

Endlich ging ich ganz nahe an die Elefanten hinan, um den krank

geschossenen Bullen zur Strecke zu bringen. Als wir in hohem Schilfe

näher kamen, wuchsen die Schwierigkeiten; denn meine Neger, die die

Leiter halten sollten, hörten das Prusten der Elefanten, das Klappen

der Gehöre und das Kollern (das bekannte Geräusch, das man bei ruhenden

Elefanten so oft vernimmt). Die Schwarzen wurden ängstlich, wollten

nicht weiter mitkommen und ich mußte darauf gefaßt sein, daß sie,

während ich oben auf der Leiter stand, bei Zeichen von Gefahr loslassen

würden, und ich dann mit dem Gewehr ins Schilf fiele.

Ich ließ einige Neger auf die Leiter steigen, damit sie sich davon

überzeugten, daß die Elefanten ganz ruhig aussahen und keine Gefahr zu

ahnen schienen.

Wenn ich unten im Schilf stand und die Elefanten nicht sah, hatte ich

allerdings selbst ein Gefühl von Unsicherheit.

Der kranke Elefant stand günstig und zeigte mir, als ich gegen den Wind

näher ging, schräg von vorne die Fläche seines Kopfes.

Aber nach welcher Seite würde die Herde nach dem Schuß ausbrechen?

Würden die Tiere in Wut kommen und mich suchen? Möglich war das nach

den Schauergeschichten, die hier und da erzählt werden.

Ich stellte mich oben auf die Leiter und schoß.

Der Elefant blieb stehen; die übrigen stürmten davon. Nur mit Mühe

brachte ich die Neger dazu, zu bleiben und meine Leiter festzuhalten.

Aber die Leiter wackelte jetzt so, daß ich keinen ganz sicheren Schuß

abgeben konnte; ich wurde hitzig und schoß abwechselnd auf den Kopf und

die Schulter, weil die Schulter ein größeres Ziel bot.

Der Elefant blieb wie verzaubert stehen.

Auf den zweiunddreißigsten Schuß, einen Kopfschuß, brach er in die Knie

zusammen.

Ich atmete auf: das war ja wie eine Warnung für später; wenn dieser

Elefant nicht den Schuß in den Fuß gehabt hätte, wäre er mir dreißigmal

verloren gegangen!

Er lag so da, daß er von vorne wie lebend aussah, wenn ich die großen

Gehöre nach vorne drücken ließ; ich hätte ein sehr imposantes Bild

machen können, wenn meine Platten nicht alle gewesen wären. Am nächsten

Tage war ich dabei, als die Zähne ausgeschlagen wurden, und studierte

den Kopf des Elefanten und die Wirkung meiner Schüsse.

Das Aushauen der Zähne war eine langwierige Arbeit, viel mühsamer

als ich gedacht hatte. Die Haut, das Fleisch und die Knochenmassen

um die Zähne mußten entfernt werden, und da immer nur wenige Leute

gleichzeitig arbeiten konnten, dauerte es über vier Stunden, bis die

Zähne zum Transport fertig dalagen.

Wenn der Neger einen Elefanten schießt, wartet er so lange, bis die

Knochenhaut, die den Zahn umgibt, fault und die Zähne in den Alveolen

locker werden, so daß er sie mühelos herausziehen kann. Darauf muß er

beinahe vierzehn Tage warten, und wird sich dazu wohl bei dem erlegten

Elefanten eine Hütte bauen, um seine kostbare Beute zu bewachen.

[Sidenote: Schlechte Schüsse; Enttäuschung.]

Nach der Erfahrung mit dem Elefanten, der erst auf den

zweiunddreißigsten Schuß fiel, beschloß ich, die Elefantenjagd fortan

zu unterlassen; entweder war ich unfähig oder mein Gewehrkaliber

reichte für Elefanten nicht aus. Ich hatte keine Lust, Elefanten krank

zu schießen und noch weniger, den Vorwurf bodenlosen Leichtsinns zu

verdienen; denn Leichtsinn, nicht Mut ist es, wenn jemand sich in

Gefahr begibt, ohne sich und seiner Waffe trauen zu können.

Einen Monat hindurch fehlte mir auch jede Zeit zur Jagd, dann aber

hatte ich eine ganz unerwartete Begegnung mit einem Elefanten und

lernte an einem Tage, wie es zu machen sei, einen Elefanten mit einem

einzigen Stahlmantelgeschoß zu töten.

Ich ging mit zwei Boys auf einem Negerpfad, der in Schlangenlinien

durch dichten Busch führte. Hie und da standen üppige Dumpalmen,

und hohes Gras neigte sich von beiden Seiten in den Weg. Als wir um

einen Palmstrauch bogen, stand plötzlich ein Elefant dicht vor uns.

Die Boys liefen weg und auch mir blieb nichts anderes übrig, als

zurückzuspringen.

[Illustration: Der wilde Elefant, der mich wütend verfolgte, fiel nach

dem zehnten Schuß.]

Auch der Elefant war erschrocken, hob den Kopf, streckte den Rüssel

geradeaus nach vorne und trottete in den Busch. Ich folgte ihm,

stieg auf einen Baum, um nicht zuviel Zeit mit dem Suchen der Spur

zu verlieren und sah den Elefanten, als er das jenseitige Ufer eines

etwa vierhundert Meter breiten Sumpfes hinaufstieg und in die Büsche

hineinging. Ohne Zögern sprang ich zu Boden und arbeitete mich durch

den Sumpf, erreichte das jenseitige Ufer und stieg die Böschung hinauf:

als der Elefant ganz unerwartet wieder vor mir stand. Der einzige

Neger, der mit mir war, rief: „_anakuja_“[22] und lief davon. Ich

war in einer schwierigen Lage; hinter mir der Sumpf, zehn Schritt vor

mir der Elefant.

[Illustration: Das Heraushauen der Elfenbeinzähne aus dem Schädel

ist eine schwere, langwierige Arbeit. Bei diesem Elefanten wurde die

Arbeit durch die Lage des Tieres erleichtert; es war zusammengebrochen

ohne auf die Seite zu fallen, und so konnten die Schwarzen an beiden

Zähnen gleichzeitig arbeiten. -- An dem Elefanten steht die Leiter, die

ich mir schnell hatte zusammenbinden lassen, um über das große Gras

hinwegsehen zu können. --]

Schnell riß ich das Gewehr hoch und schoß auf den Kopf des Elefanten,

repetierte und schoß den zweiten Schuß auf den Rüsselansatz, als der

Rüssel schon dicht vor mir war; dann sprang ich schräg nach links an

dem Elefanten vorbei, weil ich wußte, daß ich in dem Sumpf verloren

gewesen wäre.

[Sidenote: Vom Elefanten verfolgt.]

Der Elefant war hinter mir, ich hörte die Tritte, sprang völlig aufs

Geratewohl zur Seite und schoß den dritten Schuß auf den Kopf des

Elefanten.

Ich sah über dem Grase nur den Rücken und den Kopf mit den gewaltigen

Gehören. Wieder stand der Elefant, hob den Rüssel und stieß einen

lauten Ton aus, der so klang, als wenn eine Straßenbahn sich schrill in

einer Kurve scheuert.

Noch zwei Schuß in fieberhafter Schnelligkeit auf den Gehöreingang!

Im Morgenlicht. Kriegs-, Jagd- und Reise-Erlebnisse in Ostafrika · 第 29 / 34 题