* * * * *
Eines Tages kam ich in ein Dorf, dessen Einwohner oft über Wildschaden
geklagt hatten.
Flußpferde, Schweine und Elefanten seien Nacht für Nacht auf den
Feldern, und die Männer müßten beim brennenden Feuer Wache halten, um
ihre Felder zu schützen.
Als die Sonne unterging, lag ich auf der Uferböschung des Flusses, nahe
bei dem Dorfe, und beobachtete ein großes Krokodil, das auf dem andern
Ufer schlief.
Die rote Abendsonne schien dem Drachenvieh in den weit geöffneten
Rachen.
Ich überlegte, ob ich das Raubtier durch einen wohlgezielten Schuß ins
Jenseits befördern sollte.
Da wurde ich auf eine Flußpferdherde aufmerksam, die dicht am Ufer auf
die Dunkelheit wartete, um zur Äsung an Land zu steigen; es waren wohl
zwanzig Köpfe.
Als es dunkel wurde, hoben sich die ersten beiden plumpen Leiber auf
das Ufer; dann folgte ein starker Bulle mit weit nach vorn gesenktem
Kopfe.
Ich gab ihm eine Kugel in das Gehirn; er brach auf der Stelle zusammen.
Die Herde drängte in das tiefere Wasser und warf eine hohe Welle vor
sich auf; die beiden am Ufer stehenden Tiere stürzten sich von oben in
den Fluß und folgten der Herde.
Ich band den erlegten Bullen mit Schilf am Ufer fest und ging zu meiner
Hütte zurück.
Als ich beim Abendbrot saß, brüllte dicht neben mir im Wasser noch ein
Flußpferd.
Das Dorf, dessen Bewohner mir hier eine kleine, saubere Rasthütte
gebaut hatten, lag dicht am Strome. Die Leute waren dem Strome gefolgt,
der sein Bett vor einigen Jahren hierher verlegt hatte, und wohnten
noch nicht lange an dieser Stelle; noch keiner der angepflanzten Bäume
war mehr als drei Jahre alt.
Die Neger in diesem Orte waren sehr freundlich zu mir. Sie hockten im
Kreise um ein kleines Feuer mitten auf der Dorfstraße und erzählten
sich etwas.
Ich setzte mich im langen Stuhl in ihre Nähe und hörte zu. Sie klagten,
die Flußpferde ließen keinen Halm auf ihren Feldern wenn das Feuer bei
den Wachthütten einmal ausgehe.
Nach einer Weile trennten sich einige Leute von der Gruppe und sagten,
sie müßten in die Schamba gehen, um Wache zu halten.
Kurz entschlossen hängte ich meine Büchse um und ging mit ihnen.
Das war eine der eigenartigsten Nächte, die ich auf afrikanischem
Boden erlebte! Die Klarheit des Himmels, die scheinbar unendliche
Masse des hohen Schilfes, in die die Neger barfuß, mit vorsichtigen
Tritten hineingingen; das schrille, ohrenbetäubende Zirpen der Zikaden
die, wenn wir näher kamen, ganz plötzlich verstummten; die vielen
kleinen Hütten auf hohen Pfählen, an denen wir vorbeikamen, und aus
denen jedesmal eine Menschenstimme Antwort gab: Das machte auf mich
einen so tiefen Eindruck; denn es war ein Stück von der Geschichte des
Elefanten, des größten Wildes der Erde.
Hier durfte ich noch Zeuge sein, wie halbwilde Menschen um ihre Nahrung
mit den Tieren der Vorwelt kämpften; wie die Lebensweise der Dickhäuter
das Treiben der Menschen beeinflußte.
Und mir schien, als ob die Menschen reger, stärker und besser würden
durch den dauernden Kampf. Das waren meine Gedanken, als ich den
biegsamen Gestalten der Neger folgte, die mit ihren Sinnen ganz
beschäftigt waren, den Weg zu suchen.
Der eine Neger ging abseits auf ein Feld. Ich folgte dem anderen und
wir stiegen an schwachen Pfählen auf ein Gerüst hinauf, das eine kleine
Hütte trug.
Nicht weit davon brannte zu ebener Erde ein Feuer und Brennholz lag
daneben.
Der Schwarze brachte einen Arm voll trockenen Grases und legte es mir
unter den Rücken. Ich machte es mir so bequem wie möglich.
[Illustration: Schädel eines Elefanten, den ich geschossen habe. Die
Zähne sind 221 Zentimeter lang.]
Die Pfähle wackelten stark, als der Neger hinunterstieg, um neue Reiser
auf das Feuer zu werfen.
In der kleinen Hütte war ein starker Negergeruch, den ich in Kauf
nehmen mußte. Der Schwarze hockte dicht bei mir, nestelte an seinem
Hüfttuch herum, holte Tabak heraus und schob ihn in den Mund und die
Nase.
Im Schein des Feuers sah ich, daß er große Narben im Gesicht und
auf dem Schädel hatte, und er erzählte mir, daß ihn ein Leopard vor
mehreren Jahren in der Nacht auf einer Wachthütte besucht habe. Er habe
geschlafen, sich plötzlich gepackt gefühlt, um sich gegriffen, den
Leoparden mit aller Kraft gefaßt und geschrien; da sei seine Bibi mit
Feuer gekommen und habe ihn befreit. Ob der Leopard mehr gebissen oder
geschlagen hatte, konnte der Mann mir nicht sagen.
Die Zikaden zirpten ununterbrochen.
Eine Fledermaus besuchte unseren kleinen Raum und flatterte geisterhaft
um das Strohdach.
Von Zeit zu Zeit ertönte das mächtige Brüllen der Flußpferde fern und
nah; dann hörte man wieder Rufe, Scheuchen und Schlagen von Trommeln
rundum in den Feldern.
Stunden vergingen -- --. Wenn mir der Kopf niedersank, durchfuhr mich
ein Gefühl des Ekels bei dem Geruch, der den Gegenständen in der Hütte
anhaftete; ich sah wieder in die Dunkelheit hinaus.
[Sidenote: Elefanten in den Feldern.]
Stunden vergingen -- --. Mit einmal war ich wieder ganz wach und mein
Herz schlug schneller: „Elefanten,“ sagte der Neger leise. „Sie kommen
in die Schamba.“
Ich hörte nur ein leises Streichen von Gräsern, ein Schurren, Kluppen,
Schnaufen; dumpfe Stöße; aber alles dies so leise, daß nur die
Phantasie sich die Nähe der großen Tiere dazu vorstellen konnte. Nichts
von dem Trompeten, auf das ich gehofft hatte. Ich horchte lange hinaus
in die Nacht und als ich genug gehört hatte, sang der Neger laut und
schlug auf eine dumpfe Trommel.
Ich ging auf Umwegen zum Dorfe zurück und merkte dabei, daß es
unverständig ist, in diesem Lande nachts allein zu gehen; man sieht und
hört Gespenster.
Gerade der Pirschjäger, und besonders der Europäer, ist gewohnt, seine
Augen zu gebrauchen, wenn er ein verdächtiges Geräusch gehört hat. Hier
aber ist nachts ein lautes Treiben und hält die Sinne des Wanderers
fortgesetzt in Anspannung, ohne daß er etwas sehen kann.
Steht da nicht ein Flußpferd?
Im Grase raschelt’s; ein fernes Brechen -- -- Elefanten?
Man steht und lauscht.
Das Geräusch der eigenen Tritte verbietet vorwärts zu gehen, weil man
die anderen Geräusche, die man zu beachten gewohnt ist, zu übertönen
fürchtet; wenn andere mitgehen, schreitet man aus, ohne Rücksicht auf
den Lärm der Tritte, die sich mit denen der anderen verbinden.
Am Morgen kamen die Neger, weckten mich und meldeten, die Elefanten
hätten die Schamben verlassen und seien nach dem Walde hingewechselt.
Eilig brach ich auf, um den Tieren den Weg abzuschneiden. Durch hohes
Schilfgras kam ich auf Umwegen in Buschwald. Da fanden die Leute bald
die ganz frische Fährte eines Elefanten, dem wir folgten.
Kurz darauf prallte der vor mir gehende Neger zurück und sagte.
„Ndofu.“[21]
Ein großer Elefant stieg dicht vor uns aus einem kleinen Tal und
verschwand schnaubend in den Büschen.
Er hatte uns gehört. Ich lief nach und sah ihn in ziemlich offenem
Gelände stehen, als er sich zu mir umdrehte. Ohne zu zögern ging ich
an den völlig freistehenden Riesen bis auf fünfundzwanzig Schritt
hinan und schoß zwischen Auge und Ohr, während er seine großen Gehöre
abgespreizt hielt, als wollte er mit den riesigen Schallfängern jeden
Laut aus der Richtung seines Angreifers auffangen.
[Sidenote: Der erste Elefant zur Strecke.]
Auf den Schuß tat der Elefant mehrere Schritte vorwärts, brach vorne
nieder, so daß die Zähne den Erdboden aufpflügten, legte sich langsam
auf die Seite und verendete.
Der Eindruck, den dieser Vorgang auf mich machte, war überwältigend.
Alles war so schnell gegangen: Das Wahrnehmen des Tieres, der Schuß
und die verblüffende Wirkung, daß der große Elefant, der eben noch im
Vollbesitz seiner ungeheuren Kräfte war, leblos zusammensank. -- Das
war der Tod?
Ein Schwarzer sprang auf den toten Elefant los, hielt seinen
Vorderlader mit gestreckten Armen vor sich und feuerte ihm die Ladung
in den Rücken.
Hinter den Büschen ertönte ein dumpfes Trompeten; es klang, als ob
Schrecken darin läge.
Ich folgte dem Tone und sah drei Elefanten, die in schnellem Trab
flüchteten und sich dabei dicht aneinander drängten.
Als ich zurückkehrte, warnten die Neger noch immer davor, dem Elefanten
zu nahe zu kommen, man könne nicht wissen, ob er wirklich tot sei.
Am nächsten Morgen war ich mit der Kamera und neugefüllten Kassetten
zur Stelle und photographierte meinen ersten Elefanten.
Auf den umstehenden Bäumen saßen Hunderte von Aasvögeln und warteten,
bis irgend jemand die Decke des Dickhäuters durchschlagen würde. Der
riesige Leib war in den vierundzwanzig Stunden mächtig aufgetrieben,
und als er geöffnet wurde, schwoll der Magen wie ein Ballon heraus. Da
näherte sich ein Witzbold vorsichtig von der Rückenseite und stach mit
seinem Messer kurz in die gespannte Wand. Es gab einen lauten Knall,
der Ballon platzte, und der Mageninhalt flog weit herum, zum großen
Vergnügen der Zuschauer.
Merkwürdig war, daß das Hinterbein des auf der Seite liegenden
Elefanten frei in der Luft schwebte und selbst das Gewicht mehrerer
Menschen tragen konnte, ohne nach unten gedrückt zu werden.
An dem ersten Elefanten gab es noch vieles andere zu sehen: Die
Proportionen des Tieres, die Beschaffenheit der Haut (die viel
schwächer ist, als die des Flußpferdes), die Größe der Ohren, die
Muskulatur des Rüssels und die Form des Greifers (des Rüsselendes, in
das die Nasenkanäle münden).
Die Neger sprachen über den Elefanten und teilten sich mit, was sie
von ihm wußten. „Der ißt keine Kürbisse mehr,“ sagte einer. „Aber sein
Freund“ (_ndugu_), ein anderer. „Er schläft nie liegend,“ „er legt
sich nie hin, weil er dann nicht wieder aufstehen kann.“ „Er legt die
Zähne auf einen Baum, wenn er schlafen will; weil sie schwer sind.“
Sie betrachteten den Rüssel --, „damit greift er sich Mangos,“ „und
trinkt Wasser,“ „und gräbt Löcher.“ Ich sah mir an, wie die Zähne
herausgehauen wurden.
Der linke Zahn war kürzer als der rechte und trug an der Spitze
Bruchstellen. Die Schwarzen nannten den linken Zahn „_gumbiro_“,
den rechten „_lugori_“ und sagten, mit dem _gumbiro_ arbeite
der Elefant, den _lugori_ hätte er bloß zum Schmuck; der sei sein
Vermögen (_mali_).
Bei allen Elefanten, die ich geschossen und gesehen habe, war der linke
Zahn kürzer als der rechte. Der linke war meist stärker und abgenutzt;
der rechte endigte in einer langen, glatten Spitze. Oft war der linke
Zahn sogar ganz abgebrochen.
Die Schwarzen schnitten mit ihren weichen, schlechten Messern die
Haut und das Fleisch über den Knochenpartien ab, bis die großen
Knochenwulste, in die die Zähne gebettet sind, zutage lagen. Dann wurde
der Knochen mit Beilen abgesplittert. Die beiden Zähne saßen sehr fest;
es forderte stundenlange Arbeit, sie zu lösen. Der obere Rand jedes
Zahnes ist durch eine dünne Hautplatte abgeschlossen, unter der der
große, rosarote Nerv liegt. Der ist gut anderthalb Fuß lang und geht
nach unten spitz zu wie eine Rübe. Er füllt die Höhlung des Zahnes aus.
* * * * *
Eines morgens brach ich anderthalb Stunden vor Sonnenaufgang mit
wenigen, besonders zuverlässigen Leuten auf, um Elefanten zu suchen, in
einer Gegend, in der ich frische Fährten gesehen hatte.
Es war noch völlig dunkel, als wir in der Ferne ein Brechen hörten.
Das Geräusch entfernte sich langsam. Ich mußte warten, bis es hell
wurde. Dann gingen wir suchend an Wassertümpeln entlang, in denen sich
hohe Bäume spiegelten. Das erste Licht fiel zwischen Blätter und Gräser
hinein. Skarabäen schwirrten in der Luft -- große Käfer, die dem Geruch
der Elefantenlosung folgten. --
Plötzlich zeigte ein Neger seitwärts.
[Sidenote: Sieben Elefanten.]
Zwischen den Zweigen reckte sich der Rüssel eines Elefanten, einer
mächtigen Schlange gleich, steil in die Luft.
Da kein Wind war, brauchte ich nicht lange zu überlegen, was ich tun
sollte; ich ging einfach darauf los und erreichte eine Herde von sieben
Elefanten, die zwischen den Büschen ästen und dabei langsam vorwärts
gingen.
Die Elefanten gingen nur in schnellem Schritt. Trotzdem hatte ich Mühe,
ihnen zu folgen.
Einmal waren links von mir vier, rechts zwei, und der stärkste, ein
Bulle, blieb etwas zurück. Ich lief und wußte, da ich schießen wollte,
keinen anderen Rat, als schräg von hinten an den stärksten Bullen
hinanzulaufen und seine Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. Es war ein
Wagnis; denn ich kannte die Elefantenjagd noch kaum und hatte erst zum
fünften Male Elefanten vor mir. Aber es war höchste Zeit, zu handeln;
meine Kräfte ließen nach und ich fürchtete, durch das Laufen zu unruhig
zu werden zu einem sichern Schuß.
Die Gräser wurden niedriger, die Büsche spärlicher und die Elefanten
waren bis zu den Kniegelenken hinab zu sehen.
Nur noch dreißig Schritt trennten mich von dem Bullen, da wandte er
sich zu mir um.
Sofort blieb ich stehen und schoß ihm zwei Schuß auf das Ohr; da
beeilte sich der Elefant, der Herde zu folgen; er zeigte mir nur sein
Hinterteil, so daß ich keinen wirksamen Schuß abgeben konnte, und ich
schoß auf den linken Hinterfuß.
Die Herde verschwand schnell in dem hohen Grase.
Nun wartete ich auf meine Leute und nahm dann die Fährte auf. Ich hielt
es für aussichtslos und war in recht gedrückter Stimmung; was nützten
die kleinen Tropfen Schweiß, die hie und da an den Blättern gefunden
wurden!
Wir kamen an einem hohen Baume vorbei und ich kletterte hinauf; da sah
ich die Elefantenherde tausend Meter von mir entfernt im Schilf stehen.
In dem hohen Schilf hinanzugehen wäre ein bodenloser Leichtsinn
gewesen, solange kein Wind wehte. Deshalb beschloß ich, auf den
Nachmittagswind zu warten, der regelmäßig aus Osten wehte, und ging bis
zu einem einzelnen, großen Baume, der in dem weiten Grasmeere stand,
und von dem aus die Herde gut zu sehen war.
[Sidenote: Die Jagd mit der Leiter.]
Ich schickte Leute weg, die im Busch eine Leiter bauen sollten, und
ließ mir Essen und die Kamera holen.
Mit der Leiter wollte ich im Schilf an die Herde hinangehen, weil es
unmöglich und auch zu gefährlich war, sich der Herde zu ebener Erde zu
nähern; man konnte in dem etwa drei Meter hohen, dichten Schilfgrase
nicht fünf Schritt weit sehen.
Gegen drei Uhr am Nachmittag kam der Wind durch, auf den ich gewartet
hatte.
Nun ging ich an die Herde hinan, um von der Leiter aus photographische
Aufnahmen zu machen.
Zwei Neger hielten die Leiter, zwei andere lehnten starke Astgabeln
dagegen; dann stieg ich hinauf und sah von oben über das Schilf hin
nach den Elefanten aus.
Ich machte Aufnahmen auf hundertundzwanzig Meter. -- Der erfahrene
Photograph wird wissen, daß fast nichts auf der Platte zu sehen war;
nur ein paar kleine Pünktchen; die Entfernung war für eine Kamera ohne
Fernobjektiv zu groß! --
Mit vieler Mühe machte ich den angeschossenen Elefanten aus. Ich
erkannte ihn daran, daß er sich mit dem Greifer seines Rüssels oft nach
den Schußstellen am Kopfe faßte. Die Herde stand in heißem Sonnenlicht.
Zweimal schienen die gesunden Tiere Anstalten zu machen, weiter zu
gehen (um Schatten zu suchen) kehrten aber jedesmal wieder zu dem
kranken Elefanten zurück.
Alle klappten mit den großen Ohren, und manchmal hob sich ein
gekrümmter Rüssel in die Luft, um zu winden. Auch warfen die Tiere sich
glitzernden Sand über den Rücken, so daß ich dachte, sie ständen am
Wasser.
Endlich ging ich ganz nahe an die Elefanten hinan, um den krank
geschossenen Bullen zur Strecke zu bringen. Als wir in hohem Schilfe
näher kamen, wuchsen die Schwierigkeiten; denn meine Neger, die die
Leiter halten sollten, hörten das Prusten der Elefanten, das Klappen
der Gehöre und das Kollern (das bekannte Geräusch, das man bei ruhenden
Elefanten so oft vernimmt). Die Schwarzen wurden ängstlich, wollten
nicht weiter mitkommen und ich mußte darauf gefaßt sein, daß sie,
während ich oben auf der Leiter stand, bei Zeichen von Gefahr loslassen
würden, und ich dann mit dem Gewehr ins Schilf fiele.
Ich ließ einige Neger auf die Leiter steigen, damit sie sich davon
überzeugten, daß die Elefanten ganz ruhig aussahen und keine Gefahr zu
ahnen schienen.
Wenn ich unten im Schilf stand und die Elefanten nicht sah, hatte ich
allerdings selbst ein Gefühl von Unsicherheit.
Der kranke Elefant stand günstig und zeigte mir, als ich gegen den Wind
näher ging, schräg von vorne die Fläche seines Kopfes.
Aber nach welcher Seite würde die Herde nach dem Schuß ausbrechen?
Würden die Tiere in Wut kommen und mich suchen? Möglich war das nach
den Schauergeschichten, die hier und da erzählt werden.
Ich stellte mich oben auf die Leiter und schoß.
Der Elefant blieb stehen; die übrigen stürmten davon. Nur mit Mühe
brachte ich die Neger dazu, zu bleiben und meine Leiter festzuhalten.
Aber die Leiter wackelte jetzt so, daß ich keinen ganz sicheren Schuß
abgeben konnte; ich wurde hitzig und schoß abwechselnd auf den Kopf und
die Schulter, weil die Schulter ein größeres Ziel bot.
Der Elefant blieb wie verzaubert stehen.
Auf den zweiunddreißigsten Schuß, einen Kopfschuß, brach er in die Knie
zusammen.
Ich atmete auf: das war ja wie eine Warnung für später; wenn dieser
Elefant nicht den Schuß in den Fuß gehabt hätte, wäre er mir dreißigmal
verloren gegangen!
Er lag so da, daß er von vorne wie lebend aussah, wenn ich die großen
Gehöre nach vorne drücken ließ; ich hätte ein sehr imposantes Bild
machen können, wenn meine Platten nicht alle gewesen wären. Am nächsten
Tage war ich dabei, als die Zähne ausgeschlagen wurden, und studierte
den Kopf des Elefanten und die Wirkung meiner Schüsse.
Das Aushauen der Zähne war eine langwierige Arbeit, viel mühsamer
als ich gedacht hatte. Die Haut, das Fleisch und die Knochenmassen
um die Zähne mußten entfernt werden, und da immer nur wenige Leute
gleichzeitig arbeiten konnten, dauerte es über vier Stunden, bis die
Zähne zum Transport fertig dalagen.
Wenn der Neger einen Elefanten schießt, wartet er so lange, bis die
Knochenhaut, die den Zahn umgibt, fault und die Zähne in den Alveolen
locker werden, so daß er sie mühelos herausziehen kann. Darauf muß er
beinahe vierzehn Tage warten, und wird sich dazu wohl bei dem erlegten
Elefanten eine Hütte bauen, um seine kostbare Beute zu bewachen.
[Sidenote: Schlechte Schüsse; Enttäuschung.]
Nach der Erfahrung mit dem Elefanten, der erst auf den
zweiunddreißigsten Schuß fiel, beschloß ich, die Elefantenjagd fortan
zu unterlassen; entweder war ich unfähig oder mein Gewehrkaliber
reichte für Elefanten nicht aus. Ich hatte keine Lust, Elefanten krank
zu schießen und noch weniger, den Vorwurf bodenlosen Leichtsinns zu
verdienen; denn Leichtsinn, nicht Mut ist es, wenn jemand sich in
Gefahr begibt, ohne sich und seiner Waffe trauen zu können.
Einen Monat hindurch fehlte mir auch jede Zeit zur Jagd, dann aber
hatte ich eine ganz unerwartete Begegnung mit einem Elefanten und
lernte an einem Tage, wie es zu machen sei, einen Elefanten mit einem
einzigen Stahlmantelgeschoß zu töten.
Ich ging mit zwei Boys auf einem Negerpfad, der in Schlangenlinien
durch dichten Busch führte. Hie und da standen üppige Dumpalmen,
und hohes Gras neigte sich von beiden Seiten in den Weg. Als wir um
einen Palmstrauch bogen, stand plötzlich ein Elefant dicht vor uns.
Die Boys liefen weg und auch mir blieb nichts anderes übrig, als
zurückzuspringen.
[Illustration: Der wilde Elefant, der mich wütend verfolgte, fiel nach
dem zehnten Schuß.]
Auch der Elefant war erschrocken, hob den Kopf, streckte den Rüssel
geradeaus nach vorne und trottete in den Busch. Ich folgte ihm,
stieg auf einen Baum, um nicht zuviel Zeit mit dem Suchen der Spur
zu verlieren und sah den Elefanten, als er das jenseitige Ufer eines
etwa vierhundert Meter breiten Sumpfes hinaufstieg und in die Büsche
hineinging. Ohne Zögern sprang ich zu Boden und arbeitete mich durch
den Sumpf, erreichte das jenseitige Ufer und stieg die Böschung hinauf:
als der Elefant ganz unerwartet wieder vor mir stand. Der einzige
Neger, der mit mir war, rief: „_anakuja_“[22] und lief davon. Ich
war in einer schwierigen Lage; hinter mir der Sumpf, zehn Schritt vor
mir der Elefant.
[Illustration: Das Heraushauen der Elfenbeinzähne aus dem Schädel
ist eine schwere, langwierige Arbeit. Bei diesem Elefanten wurde die
Arbeit durch die Lage des Tieres erleichtert; es war zusammengebrochen
ohne auf die Seite zu fallen, und so konnten die Schwarzen an beiden
Zähnen gleichzeitig arbeiten. -- An dem Elefanten steht die Leiter, die
ich mir schnell hatte zusammenbinden lassen, um über das große Gras
hinwegsehen zu können. --]
Schnell riß ich das Gewehr hoch und schoß auf den Kopf des Elefanten,
repetierte und schoß den zweiten Schuß auf den Rüsselansatz, als der
Rüssel schon dicht vor mir war; dann sprang ich schräg nach links an
dem Elefanten vorbei, weil ich wußte, daß ich in dem Sumpf verloren
gewesen wäre.
[Sidenote: Vom Elefanten verfolgt.]
Der Elefant war hinter mir, ich hörte die Tritte, sprang völlig aufs
Geratewohl zur Seite und schoß den dritten Schuß auf den Kopf des
Elefanten.
Ich sah über dem Grase nur den Rücken und den Kopf mit den gewaltigen
Gehören. Wieder stand der Elefant, hob den Rüssel und stieß einen
lauten Ton aus, der so klang, als wenn eine Straßenbahn sich schrill in
einer Kurve scheuert.
Noch zwei Schuß in fieberhafter Schnelligkeit auf den Gehöreingang!