Noch ein Rudel Schwarzfersenantilopen wurde flüchtig. Ich schoß zwei

Böcke krank, aber es dunkelte; ich mußte die Nachsuche für heute

aufgeben, band mein Taschentuch an einen Baum, verbrach den Anschuß und

bezeichnete die Stellen, an denen ich das Wild aus dem Auge verloren

hatte.

Als ich aus dem Walde kam, näherte sich von der andern Seite ein

einzelner Neger den Lagerfeuern und wurde von den Posten angerufen. Es

war ein häßlicher Mpogoro, er reichte mir einen Giftpfeil als Zeichen

der Unterwerfung und kündigte das Erscheinen seiner Brüder für den

nächsten Mittag an.

„Weshalb kommt ihr nicht heute?“

„Sollen wir Frauen und Kinder allein lassen? Wir müssen erst Hütten im

Pori bauen“ war die Antwort.

Am Abend fiel leichter Regen; schnell machten sich alle Neger im Lager

dabei, ihre Hütten, die sie am Mittag gegen die Sonnenstrahlen erbaut

hatten, dicht mit Gras zu bepacken, so daß sie auch Schutz gegen den

Regen boten.

Der Unteroffizier hatte einen Wasserbock geschossen, ich einen Riedbock

und eine Swallah. Als wir die Strecke besichtigten, glaubten wir auf

Tage hinaus verproviantiert zu sein; aber schnell verschwand das

Fleisch, obwohl kein Mangel an Nahrungsmitteln war; (denn jeder hatte

bei der Plünderung der Dörfer reichlich Getreide für sich auf die Seite

geschafft). Der sonst oft anspruchslose Neger kann, wenn Überfluß

vorhanden ist, unglaubliche Mengen vertilgen!

Den Dank für die Gewährung so reichlicher Nahrung gaben uns die Leute

nach dem Mahle durch lautes, behagliches Aufstoßen zu erkennen.

Das klang so viehisch, daß ich mir unwillkürlich ausmalte, welchen

Eindruck es wohl machen würde, wenn Menschen das hörten, die keinen

Begriff von dem Gebahren der Neger haben. Gewiß würden viele es als

eine Unverschämtheit auffassen, wenn der Neger, während er mit ihnen

spricht, plötzlich laut aufstößt! Wie mancher wird da mit einer

handgreiflichen Antwort bereit sein! -- Und der Neger würde vielleicht

denken, der Europäer hält und versteht nichts von gutem Ton.

[Sidenote: Die Post.]

Der Abend brachte uns angenehme Erinnerungen an die Heimat. Ein

Bote aus Mohorro war angekommen und hatte, sorgfältig in schwarzes

Wachstuch verpackt, ein Paket gebracht, von dem Bezirksamtmann, Herrn

Graß. Ein ausführlicher Brief von ihm lag dabei, der mich über die

Verhältnisse in Mohorro unterrichtete. Als Antwort auf eine Bestellung

von Lebensmitteln hieß es: „Auch hier ist alles knapp. Der Dampfer ist

noch nicht dagewesen und wir erwarten täglich Lasten von Daressalam.“

Aber Kaffee und mehrere Flaschen Rotwein schickte er mit, und vor allen

Dingen die Post. Ein Brief von den Eltern! Doch heute gab es noch

mehr. Alte Bekannte benutzten die Gelegenheit, mir zu meinen „Siegen“

Glück zu wünschen; Zeitungsausschnitte und Abbildungen zeigten,

daß man meinem Aufenthalt hier ein ganz ungewöhnliches Interesse

entgegenbrachte. Stammtischkarten (eine Korona mit Biergläsern und §

11!) muteten mich in dieser Umgebung ganz eigentümlich an; ebenso auch

die Kartengrüße sammelnder Mädchen und Knaben, die glaubten, ich könnte

ihnen „per Feldpost“ Karten mit Ansichten meines „Kriegslagers“ senden.

Wie sonderbar war doch, was von dem Leben der Heimat zu uns in die

Wildnis drang! Eine Zeitung mit Neuigkeiten, die längst wertlos sind,

Zeitschriften, die in Wort und Bild spiegeln, wie die Ereignisse in

Afrika auf die Anschauung in der Heimat wirken und was dort bedeutend

erscheint; ein Katalog mit Bildern warmer Kleidungsstücke, deren

Anblick allein schon in der schwülen Abendluft eine Beklemmung auf der

Brust hervorruft; die „Jugend“, und eine vergessene Rechnung.

[Illustration: Hartebeest, männlich (_bubalis lichtensteini_).]

Der Koch brachte den langentbehrten Kaffee; der hielt uns wach, und ich

erzählte von den beiden Swallahböcken, die ich nicht gefunden hatte,

von Nachsuche, von deutscher Jägerei und früheren Jagden, die ich in

der Heimat erlebte.

Mein Begleiter, der daheim nie etwas von den Dingen gehört hatte,

gewann immer mehr Interesse und freute sich darauf, an der Nachsuche

am nächsten Morgen teilzunehmen. Die Ankunft der Pogoro war erst für

Mittag in Aussicht gestellt. Wir konnten also den ganzen Vormittag

jagen und nötigenfalls am Nachmittage weitermarschieren.

[Illustration: Hartebeest mit abgebrochenem Horn.

(Erlegt bei den Panganischnellen des Rufiyi). Die Bruchstelle bedeckt

eine Hornplatte.]

[Sidenote: Erfolgreiche Nachsuche.]

In der Nacht regnete es stark, so daß ich mir von der Schweißsuche am

Morgen nicht viel versprechen konnte. Ich nahm deshalb den größten

Teil meiner Träger mit und begann den Busch an der Stelle, an der ich

die Böcke geschossen hatte, abzusuchen. In langer Reihe, mit Abständen

von zwanzig Schritt, ließ ich die Neger durch den Busch gehen und fand

bald den einen, aber erst nach Verlauf einer vollen Stunde den zweiten

Bock, gerade, als ich daran dachte, mit einem lauten „Halt“ die Suche

einzustellen. Das freute mich um so mehr, als die Neger die Arbeit für

ziemlich zwecklos zu halten schienen und ich ihnen beweisen konnte, daß

ich getroffen hatte und nicht auf einen Fehlschuß hin die langwierige

Nachsuche unternahm.

„Schieß doch ein anderes Stück,“ hatte der Ombascha schüchtern gesagt

„hier sind ja so viele.“

Merkwürdigerweise waren beide Böcke während der Nacht von Raubtieren

nicht berührt worden, und auch die Aasvögel, die sonst oft dem Jäger

den Weg zu einem erlegten Stück Wild zeigen, fehlten ganz.

[Illustration: Hartebeest, weiblich.]

Da wir die Reittiere mitgenommen hatten, entschlossen wir uns zu einer

weiteren Pürsche durch den Busch und die Uferpartien des Sees. Aber die

Feldflaschen waren vergessen; wir mußten zum Lager schicken und warten.

[Sidenote: Zebras und Hartebeeste.]

Während die Neger im Schatten ruhten, kletterte ich auf einen Baum und

sah in dem hohen Gras zahlreiche Zebras, Hartebeeste, Riedböcke und

Wasserböcke. Durch das Gras gedeckt kam ich an ein Rudel Zebras nahe

hinan. Die feine Zeichnung dieser schönen Steppenpferde fiel mir heute

besonders auf; die Linien und Streifen über die Decke hin, über Kopf,

Hals und Mähne gaben ihnen ein samtartiges, geschmücktes Aussehen. Die

Zebras waren voll und rund, ganz im Gegensatz zu unseren Reittieren

mit ihren eckigen Formen. Lange genoß ich den schönen Anblick. Auf

meinem Maultier ließen sie mich sehr nahe kommen und flüchteten dann

im Galopp. War das ein Anblick für den Naturfreund und Jäger! Wie die

Mähnen federten, die Schwänze flatterten! Dicht drängte sich das Rudel

in der Flucht zusammen, und Staub schwebte hinter ihm.

Unteroffizier Lauer schoß sein erstes Hartebeest. Der Boy kam mit

den Feldflaschen voll kaltem Tee. Ein Imbiß wurde genommen: kalter

gekochter Reis und eine Dose Sardinen.

Die Natur der uns umgebenden Wälder ist in den Karten treffend mit den

Ausdrücken: „lichter Buschwald“, „Parklandschaft“ bezeichnet. Man geht

zwischen niederen Büschen im Schatten größerer Bäume.

Eindrucksvoll ist der sogenannte Galeriewald, der die Ufer des Sees und

die jetzt trockenen Flußbetten säumt. Nach dem Wasser hin bildet er,

wie Regenwald, Wände grüner Pflanzenmassen, auch in der Trockenzeit.

Im Unterholz finden sich, die Laubbäume umschlingend und verbindend,

Lianen mancherlei Art, dazwischen große und kleine Dumpalmen;

stellenweise stehen ganze Haine der etwa fünfzehn Meter hohen Palmen

beisammen und alte, von Tieren abgenagte Kerne liegen haufenweise auf

dem Boden. Dieselben Kerne fand ich häufig auch an Stellen, wo keine

Palmen standen, als Reste von Elefantenlosung; denn die Elefanten

lieben die Früchte, und auch die Menschen nagen gern die dünne

Fleischschicht ab, die den großen Kern umgibt und im Geschmack an Äpfel

erinnert.

In einer Talsenkung war eine kleine Waldwiese mit einem Teiche.

Ich hatte gehofft, hier irgend etwas Besonderes zu finden; doch

nur zwei junge Swallahböcke mit handlangem Gehörn spiegelten ihre

schlanken Leiber in dem glatten Wasser. Sonst war der Wald wie

ausgestorben; wo keine Vögel, keine Affen sind, da kann man auch kein

Raubzeug erwarten.

Um so lebendiger war es am See. Dutzende von Krokodilen lagen am Ufer,

Flußpferde fauchten und trieben sich im Wasser; die Vogelwelt fehlte

aber auch hier gänzlich.

Im Lager erwarteten mich Boten mit Greuelnachrichten aus fernen

Gegenden, und schleuniger Rückmarsch zum Strom schien geboten. Die

angekündigten Wapogoro waren noch nicht zu sehen. Sollte ich ihretwegen

bleiben? -- Sie konnten ja auch nachkommen!

Das Essen war fertig, die Lasten geschnürt, ich wartete bis gegen

drei Uhr, dann brach ich auf. Nach kurzem Marsche öffnete der Himmel

plötzlich seine Schleusen und ein Regen, wie ich ihn noch nicht gesehen

hatte, strömte auf uns und auf den von der Trockenheit zerklüfteten

Boden herab; in unglaublich kurzer Zeit stand das Wasser fußhoch. Ich

hatte keine Blechkoffer und mußte um meine Sachen und Sammlungen in

den Kisten besorgt sein. Aber was half es! Die Sorge war zwecklos und

wich bald einer stillen Ergebung in das Schicksal. Wir selbst wurden

durchnäßt bis auf die Haut; weiter ging es nicht, damit tröstete ich

mich und den Unteroffizier.

Ein neues Mißgeschick kam hinzu: Mein Reittier wollte nicht mehr

vorwärts. Es war offenbar krank, und schien überhaupt nicht mehr

leben zu wollen. Unter Bewachung einiger Askari wurde es im Busch

zurückgelassen. Wir haben später nur sein Grab wiedergesehen.

Als die Abendsonne noch einmal durch die Wolken brach, wie um

nachzusehen, welchen Eindruck die Dusche auf uns gemacht hatte, wurden

ihre spärlichen Strahlen noch genutzt, um unsere Sachen schnell zu

trocken. Wir befanden uns in einer Ortschaft unterworfener Leute im

Busch. Große Feuer wurden angezündet und das Mißvergnügen über die

Unbequemlichkeiten der Regenzeit beim Abendbrot vergessen.

[Sidenote: Riedböcke.]

Ein anderes Mal war ich mit meiner Truppe auf dem Marsche von den

Kitschibergen in die Ebene, als mir ein Sprung besonders starker

Riedböcke zu Gesicht kam. Das Schießen von Wild auf dem Marsche hält

oft unliebsam auf, da man nie weiß, ob nicht eine lange Nachsuche nötig

sein wird; deshalb ist es ratsam, in den ersten Marschstunden nichts

zu schießen und erst in der Nähe des Marschziels nach einem Braten

auszusehen, um auch den Trägern den Weg mit dem Fleisch möglichst zu

kürzen.

Heute aber ließ ich die Karawane halten, lief den Riedböcken nach und

versuchte, da ich nicht viel Zeit opfern wollte, einen Schuß auf etwa

250 Meter mit Visier 300, unten angefaßt.

Deutlicher Kugelschlag. -- Das Rudel, flüchtig, wird von dem kranken

Bock zurückgehalten -- wie man häufig beobachtet, daß ein krankes,

zurückbleibendes Stück die übrigen Tiere veranlaßt, zu warten.

Ich laufe schnell nach und sehe den Bock mit einem Schuß kurz Blatt

nicht weit von mir flüchtig werden. Um die Jagd abzukürzen, schieße

und schieße ich, habe aber nur Vollmantelgeschosse geladen, die

im Gegensatz zu angefeilten und Bleispitzengeschossen nur geringe

Zerstörung im Wildkörper anrichten und deshalb ruhige, gute Schüsse

voraussetzen, wenn sie Erfolg haben sollen.

Die Wirkung ist entsprechend gering, wenngleich von den fünf auf das

flüchtige Wild abgegebenen Schüssen zwei gut und einer als Streifschuß

sitzen.

Jetzt tut der Bock sich nieder und bekommt einen Fangschuß durch den

Hals. So mittelmäßig diese Hetzjagd war, der Anblick des Gehörns ließ

kein Mißvergnügen aufkommen. Das Tier gehörte der größeren in diesem

Gebiet vorkommenden Art an. Sein Gehörn war breit ausgelegt und sehr

hoch, die Querwulste von feiner Plastik; die Decke war wolliger als die

des gelben Riedbocks.

Ich habe nur ein Stück dieser Art am Rufiyi geschossen. Am Pungwe

in Südafrika erlegte ich später einen ähnlichen Bock. (Abbildung

Seite 175.) Den kleineren Bergriedbock, oder grauen Riedbock, der in

Südafrika und auf den Hügeln der Massaisteppe so häufig ist, habe ich

am Rufiyi nicht angetroffen.

Es war noch in der Trockenzeit. Ich befand mich auf dem Rückwege von

einem Negerdorfe, in dem ich die wenigen Wapogoro angesiedelt hatte,

die sich unter meinen Schutz begeben hatten. Mein Zelt stand an einer

sandigen Böschung, die in der Regenzeit das Wasser eines breiten

Stromes begrenzt.

[Illustration: Gelber Riedbock vom Rufiyi.]

Zwei Stunden vor Sonnenuntergang brach ich auf, um auf Riedböcke zu

pirschen. Die Abendsonne schien freundlich in das Landschaftsbild;

klar zeichneten sich die fernsten Zweige ab; denn ein kurzer

Nachmittagsregen hatte die Luft gereinigt. Dicht bei einem kleinen, von

allen Seiten zugänglichen Tümpel zogen zwei Riedböcke; äsend und öfters

sichernd näherten sie sich einer Bodenfalte, in der sie für kurze Zeit

verschwanden.

Ich lief schnell bis auf fünfzig Schritt hinan. Die Ricke warf auf und

äugte nach mir; ich stand ganz frei vor ihr.

Von dem Gelb der Decke hoben sich die dunkeln Lichter, der Grind und

die Luserspitzen stark ab. Wohl zwei Minuten äugte das niedliche

Gesichtchen nach mir herüber, dann tat die Ricke einen quietschenden

Pfiff und sprang ab. Der Bock -- ein Schneider -- hinterher.

Für den Pfiff habe ich einen naheliegenden Vergleich: es ist der

Ton, den Gummihunde und -puppen von sich geben, die innen hohl sind,

ein metallenes Pfeifchen haben und durch schnelles Zusammendrücken

musikalisch betätigt werden.

Die Riedböcke hatte ich also laufen lassen! Weiter. Als nächstes Wild

sah ich Hartebeeste; mochte ich heute nicht. Dann, als die Sonne

schon zur Rüste ging, einen Riedbock und drei Ricken in welligem,

recht freiem Grasland. Zwei der Ricken gingen voraus, der Bock und

ein Schmaltier blieben auf einem Sandrücken stehen. Ich näherte mich

vorsichtig bis auf vierzig Schritt und stellte mich so, daß ich gerade

über die Gräser einer flachen Kuppe hinwegsehen konnte.

Ich bin sehr nahe an dem Wild, der Wind ist aber gut, es wäre die

schönste Gelegenheit zu einer Aufnahme, aber leider habe ich die

Kamera nicht zur Hand. Darum suche ich mir den Anblick um so genauer

einzuprägen und beobachte die Tiere einige Minuten lang: Der Bock

erscheint dunkler als die Ricke, sein Hals ist stärker, die ganze

Gestalt voller, die Haltung des Kopfes ist steiler, das dunkle Gehörn

wirkt aus dieser Nähe als schöner Schmuck. -- Die beiden Tiere äsen

friedlich. Endlich entschließe ich mich zum Schuß. Der Bock, auf

den Stich getroffen, sinkt lautlos zusammen, Hals und Kopf bleiben

aufgerichtet. Nach einigen schwachen Versuchen, sich zu erheben, bleibt

er still sitzen, kein Mensch könnte diesem Tiere ansehen, daß es

tödlich getroffen ist. Das erstaunlichste aber ist: Selbst die Ricke

merkt es nicht, obwohl sie nahe bei dem Bock steht; hat auch den Schuß

nicht beachtet. Sie sieht wohl einmal nach dem Gefährten hin, äst dann

aber ruhig weiter. Ich gebe dem Bock noch einen Schuß aufs Blatt; er

verendet.

Dasselbe rätselhafte Verhalten der Ricke! Sie äste noch einige Minuten,

hatte dabei offenbar das Bestreben, vorwärts zu gehen und äugte

mehrmals nach dem Toten, weil er nicht mitkam.

Dann stand sie eine Zeit lang mit erhobenem Kopfe und schien die beiden

anderen Ricken zu suchen. Sah sie nicht; denn die standen seit dem

ersten Schuß, wie ausgestopft, auf 250 Schritt und äugten herüber.

Endlich entfernte sich die kleine Ricke in lässigem Galopp, ohne mich

bemerkt zu haben.

[Illustration: Warzenschweine; Keiler und Bache.

An der Küste sehr häufig und der Landwirtschaft schädlich; für den

Jäger ungefährlich. Ungemein häßliche Tiere. Hauptnahrung der Löwen. Wo

der Mensch die Löwen ausrottet, werden die Schweine oft zur Landplage.]

Den Bock ließ ich bis zur Löwenfalle tragen und brach ihn dort auf.

Die Falle hatte ein Askari, dem das besonderes Vergnügen machte, nahe

beim Lager aufgestellt und eine kleine Umzäunung gebaut; dahinein wurde

der Aufbruch des erlegten Wildes geworfen, nachdem es in weitem Bogen

herumgeschleift war, um den Raubtieren Witterung zu geben.

Die Sonne war kaum untergegangen, die regenfeuchte Erde verbreitete

eine wohltuende Kühle, da kam ein tiefes dumpfes Brüllen aus einem der

nächstliegenden Büsche.

Der Löwe mußte schon vorher in unserer Nähe gewesen sein und zog jetzt

der Witterung nach. Ein zweiter ließ sich nicht weit davon hören. --

Nach einer halben Stunde erklang es aus der Ferne noch einmal. Ich

kniete vor dem Dornenzaun meines Lagers, neben mir drei Askari mit

ihren Gewehren. Einen Augenblick sahen wir den Löwen in der Nähe der

Falle zwischen den Büschen, und glaubten er würde hineingehen.

Er tat es leider nicht, wie ich am andern Morgen sah; eine Hyäne war,

vielleicht schon bevor die Löwen an dem Platz vorbeikamen, in das Eisen

gegangen, hatte es etwa sechzig Schritt weit geschleppt, sich dann

befreit, und nur einige Haare und etwas Schweiß zurückgelassen.

Riedböcke sind mir stets ein begehrenswertes Wild gewesen, und ich

habe selten eine Gelegenheit vorüber gehen lassen, einen guten Bock zu

schießen. Fleisch gebrauchte ich für meine Karawane immer; die Jagd hat

einen ähnlichen Reiz, wie die Pirsch auf Rehböcke; weil man bei diesen

Tieren meist die Möglichkeit hat, den Starken zu suchen; das kleine

schwarze Gehörn aber wird ebenso wie Gamsgehörn und Rehkrone in Stunden

der Erinnerung Gegenstand langer ästhetischer Betrachtungen. Die

Ähnlichkeit des Wildes im Aussehen und Benehmen mit dem heimatlichen

Rehwild ist ganz erstaunlich; wo ich jagte besonders konnte ich unter

dem Eindruck der Rehbirsch stehen; denn die Riedböcke bevorzugten

breite, freie Sandflächen mit wenig Gebüsch und kurzem Gras. Von weit

her konnte ich die gelb-rot gefärbten Tiere wahrnehmen.

Nie habe ich mehr als sechs Riedböcke an einem Platze zusammen

beobachtet, meist einen Bock und eine bis zwei Ricken allein, ähnlich,

wie unsere Rehe zusammen leben. Die Riedböcke lieben die Nähe des

Wassers, und man kann sicher sein, sie in Grasniederungen, die von

Flüssen durchschnitten werden, zu finden. Der Riedbock ist sehr bequem;

er legt keine weiten Strecken zurück und ist täglich an derselben

Stelle wieder anzutreffen. Ich habe einen einzelnen Bock, den ich an

der Stärke seines Gehörns kannte, mehrere Tage hintereinander an einer

bestimmten Stelle angebirscht, dann nach Wochen und Monaten wieder dort

gesehen.

In den Morgenstunden sieht man die Riedböcke in kurzem Grase äsen,

doch tun sie sich bald im höheren Grase nieder und verzichten dabei

auf Schatten. Ihre Harmlosigkeit ist sehr groß; selbst wenn sie sich

aus Verdacht erhoben haben, setzen sie sich sehr bald wieder. Dies

Hinsetzen gleicht mehr einem trägen Sichfallenlassen; das Bedürfnis

nach Ruhe scheint ungemein stark zu sein; doch wird der Riedbock,

plötzlich überrascht, schnell flüchtig. Auch dann ist er mir selten

entgangen, wenn ich ihn schießen wollte. Ich hatte eine bemerkenswerte

Art der Jagd herausgefunden: Während das Stück in Bewegung war, lief

ich ihm nach, um es im Auge zu behalten, und an einem günstigen Platz

in Anschlag zu gehen; denn der Bock bleibt sehr bald stehen, stellt

sich breit und äugt zurück. Machte er aber nicht Halt, dann brachte ein

Schuß über seinen Kopf hin, ihn fast regelmäßig zum Stehen. Der nächste

Schuß darf dann freilich nicht lange auf sich warten lassen!

Selten habe ich es nötig gehabt, einem hochgebrachten Stück in

dichteren Busch zu folgen. Das ist schwierig; die Aufgabe reizte mich

aber, als eines Tages ein frischer Regen alle alten Fährten ausgelöscht

hatte und die Folge auf einer gesunden Fährte dadurch möglich wurde.

Ein starker Bock war von einer breiten Grasfläche gut in den Wind in

das Dickicht geflüchtet, wo ich nur Schritt für Schritt auf der Fährte

folgen konnte. Nach 300 Metern etwa sprang der Bock hinter einem Busch

ab; nach weiteren 500 Metern sehr aufmerksamen Pirschens sah ich seinen

Kopf hinter einer kleinen Fächerpalme etwa fünfzehn Schritt vor mir.

Mit einem schnellen Schuß streckte ich das Tier. Ich hatte die Stellung

ziemlich richtig angesprochen; der Schuß saß hinter der Schulter.

Die Riedböcke haben zwischen den Hinterblättern vier beutelartige

Vertiefungen von etwa drei Zentimeter Tiefe; Drüsen befinden sich nicht

darin. Da ich mir über die Bedeutung dieser Gruben nicht klar wurde,

fragte ich auch die Neger danach und bekam eine der häufigen Antworten,

aus denen der Weiße schließen muß, daß die Beobachtungsgabe des Negers

unzuverlässig ist. „Mit diesen Löchern“ hieß es, „erregen die Tiere

beim Laufen die Pfiffe, die ein erschreckter Riedbock gelegentlich von

sich gibt!“

Eines Tages pirschte ich mit dem Bezirksamtmann von Mohorro, Herrn

Graß. Wir brauchten notwendig Fleisch, deshalb sollten auch schwache

Böcke daran glauben. Das erste Stück bemerkte ich und schoß flink, als

ich sah, daß es ein Gehörn hatte. Es fiel mit Kreuzschuß, dabei war

nichts Besonderes. Aber jetzt kam es drollig: Die nächsten drei Stücke

zogen in lichte Flötenakazien, und wieder bemerkte ich die Tiere vor

den Schwarzen. Rechtwinklig zur bisherigen Marschrichtung pirschten wir

nach, sahen durch die Gläser und suchten nach Gehörnen. So vergingen

einige Minuten, da raunte uns ein Neger mit erregter Stimme zu:

„Bwana! dort ist Wild, da! da!“ und zeigte in die Richtung auf unsere

Riedböcke. Wir dachten mindestens an Löwen und stierten vergeblich

suchend ins Gelände. „Ja, seht ihr’s denn nicht?“ sagte in überlegenem

Tone der Schwarze. „Meinst du die Riedböcke?“ Wirklich, so war’s! Ich

hätte ihn prügeln mögen, daß er unsere Erwartungen vergeblich anspannte!

Endlich steht der Starke schußrecht vor einem Busch.

Ich schieße; Kugelschlag!

Er springt ab; hinter dem Busch aber, vierzig Schritt weiter, schlägt’s

mit den Läufen: da liegt ein Spießer! Ich hatte den ersten überschossen

und den zweiten getroffen, ohne ihn gesehen zu haben! In beiden Fällen

hatte ich zu hoch geschossen, weil ich die Entfernung überschätzte.

Ich brachte mehrere Tage in dem unbewohnten Busch im Süden der

Landschaft Usaramo zu, um die Zustände dort kennen zu lernen, und

Verstecke versprengter Aufständiger, von denen ich Nachricht erhalten

hatte, zu suchen.

Es war Anfang Oktober, also gegen Ende der Trockenzeit. Der Wald sah

winterlich kahl aus, der Boden war steinhart und das Gras, wo es noch

nicht niedergebrannt war, völlig dürr. Trotzdem war Wild zu spüren:

Zebra, Wasserbock, Elenantilope und einzelne Büffel. Auf ein Rudel

Swallah pirschte ich ohne Erfolg, ich bekam keinen der Böcke zu Schuß.

Ebenso ging es mir mit zwei fast schwarzen Rappböcken, an denen die

ganze Karawane auf fünfzig Schritt vorbeigegangen war, ehe die stolz

dastehenden Tiere im Gewirr der Äste gesehen wurden.

An einem kleinen, damals fast trockenen Fluß spürte ich auch Löwen und

Elefanten, konnte mich aber ihretwegen nicht aufhalten.

Nach einigen Tagen traf ich die verlassenen Verstecke der Aufständigen.

Obwohl deutliche Anzeichen da waren, daß die Leute erst vor kurzem in

den kleinen Tümpeln im Bett des Baches Schlammfische gefangen hatten,

war keiner der heimlichen Räuber mehr aufzutreiben; ich mußte das

weitere Suchen einstellen, da die mitgeführten Nahrungsmittel zu Ende

gingen.

Meine Leute verlangten nach Fleisch. Ich schlug abends nach langem

Marsch das Lager nahe an einem der wenigen, im schattigen Flußbett

versteckten Teiche auf, die von der Regenzeit zurückgeblieben waren,

und ging am frühen Morgen pirschen. An die dichte Vegetation des Baches

schloß sich lichter, dürrer Steppenwald. Dort suchte ich Wild und hielt

mich dabei in der Nähe des Wasserlaufes; aber das einzige Wild, was

mir in fünf langen Stunden zu Gesicht kam, waren Hartebeeste, die weit

flüchteten.

[Sidenote: Elenantilopen.]

Als ich im weiten Bogen schon beinahe auf meinen Lagerplatz

zurückgelangt war, kam ich an eine Stelle, die mit Fährten geradezu

bedeckt war. Elenantilopen! Hufabdrücke, die durch ihre Größe zuerst

auf Büffel schließen ließen; alle in einer Richtung und ganz frisch!

Eifrig folgte ich der Spur und traf nach zwanzig Minuten die Herde

die in langsamer Bewegung vorwärts zog. Ich hieß meine Schwarzen sich

niederlegen und pirschte allein vorsichtig weiter, so gut es ging am

Rande eines Mimosengehölzes Deckung haltend. Aber es ging eben nicht;

denn ich zählte etwa achtzig der großen Hornträger, die in den Büschen

zerstreut vorwärts gingen, so daß einige der Tiere mich stets sehen

mußten. Auffallend war der Unterschied in der Färbung der Tiere; ein

helles Braun herrschte vor, doch einzelne besonders starke Tiere waren

gelbgrau; das mußten die Bullen sein. Alle trugen hohe, gedrehte

Hörner. Ein prächtiger Anblick! Der vielen Kälber und der Mittagshitze

wegen schob sich die Herde nur langsam vorwärts, und ich hatte

Gelegenheit, die riesenhaften, als ziemlich selten geltenden Antilopen

zu beobachten, die ein Gewicht bis zu zwanzig Zentner erreichen. Da

ich Fleisch für meine Leute beschaffen mußte und nach den bisherigen

Erkundungen des Tages wenig Aussicht war, anderes Wildbret zu erhalten,

entschloß ich mich, ein Stück zu schießen. Die Wahl wurde sehr schwer,

da die Herde in ständiger Bewegung war und die Tiere sich durcheinander

schoben. Der Entfernung halber kamen überhaupt nur die letzten

Stücke in Betracht, und unter ihnen suchte ich nach einem möglichst

stattlichen Exemplar der hellgrau gefärbten Tiere, die ich für die

Bullen hielt. Da aber die Farbenabstufungen ineinander übergingen,

richtete ich mein Augenmerk bald mehr auf die stärksten Tiere und

wählte ein abseits gehendes, prächtiges Stück mit hohem Gehörn.

Ich kam gut ab und hörte den Aufschlag des Geschosses, aber die

Antilope ging mit der Herde beschleunigt ab. Im vollen Lauf folgte

ich und sah bald, wie eine einzelne Elenantilope, offenbar krank,

langsam der Herde nachzog. Vom schnellen Laufe erregt, blieb ich einen

Augenblick stehen, um meine Ruhe wieder zu gewinnen und schoß spitz von

hinten auf den Hals; die Antilope brach zusammen.

Als ich neben dem gefallenen Wild stand, sah ich mit Schrecken, daß es

eine Kuh mit vollem Euter war; alle Freude an dem Jagderfolg schwand.

Mißmutig und ziemlich ermattet zog ich meinen Rock aus und legte

mich in den spärlichen Schatten einer Akazie, um die Leute mit der

Feldflasche und den Messern zu erwarten. Ich hatte, einem erprobten

Grundsatz folgend, trotz der sengenden Sonnenglut den ganzen Morgen

keinen Tropfen getrunken und war durch das schnelle Laufen stark

erhitzt; die Zunge klebte am Gaumen und ich sehnte mich nach einem

erfrischenden Trunk.

[Illustration: Elenantilope.]

[Sidenote: Elenantilope.]

Aber der Boy kam ohne die Feldflasche! Ein Askari bot mir Wasser aus

der seinen. Ich widerstand der Versuchung; ungekochtes Wasser? Nein,

lieber weiter dürsten, als sich einer Dysenteriegefahr aussetzen. Ich

saß in schlechter Laune und starrte auf meine Jagdbeute, da fiel mein

Blick auf das volle Euter der eben erlegten Antilope. Ich dachte mir,

es sei nichts Unappetitliches, einem noch lebenswarmen Tiere die Milch

zu nehmen und es interessierte mich auch, den Geschmack kennen zu

lernen; sollen doch ähnliche Antilopen bei den alten Ägyptern Haustiere

gewesen und wie Milchkühe genutzt worden sein. Ich füllte einen Becher

mit der warmen Milch und trank -- es schmeckte genau wie frische

Kuhmilch.

Während meine Leute das Tier sorgfältig abdeckten und sich über den

großen Fleischvorrat freuten, dachte ich daran, ob das Kälbchen wohl

eine Pflegemutter finde? Es schien mir sehr unwahrscheinlich. Nur

von wenigen Tieren weiß man, daß säugende Mütter sich fremder oder

verwaister Kälber annehmen. Vom Elefanten wird es behauptet; bei

Flußpferden beobachtete ich einen Fall, bei dem nach Abschuß einer

Mutter das etwa zwei Monate alte Junge einige Tage später treibend im

Strome gefunden wurde. Vielleicht war kein Weibchen mit ausreichender

Nahrung vorhanden gewesen, hier bei der Herde waren aber mehrere

Mütter, die die Ernährung hätten übernehmen können. Hoffentlich haben

sie sich der armen Waise angenommen.

Es ist gut, wenn sich der Jäger über die Folgen seiner Handlung selbst

zur Rechenschaft zieht. Auch in diesem Falle konnte ich mich nicht

damit entschuldigen, daß es schwierig ist, die Bullen von den Kühen zu

unterscheiden; denn der richtige Jäger ~muß~ diese Unterscheidung

machen und sie als eine gesteigerte Anforderung betrachten. Die

Tatsache, daß es viele nicht können, ändert nichts an dem Unheil, das

durch Abschießen stillender Tiere angerichtet wird. Aber auch der beste

Jäger hat wohl dem Wilde viel Leid zugefügt und mußte viel Lehrgeld

zahlen, bis er es zum waidgerechten Jagen brachte und mit sich

zufrieden sein konnte.

Ich erinnerte mich an ein Bild, das mir als Jungen von vierzehn Jahren

und angehenden Jäger tiefen Eindruck gemacht hat:

Auf einsamer Höhe steht ein Hirschkalb bei seiner toten Mutter.

„Verwaist“, lautete die Unterschrift. -- --

„Mir sind die Jäger überhaupt unverständlich,“ sagte ein Freund, „sie

schießen die Tiere tot und nachher tut es ihnen leid.“

[Illustration: Unteroffizier Lauer sieht sich das Gehörn meines

am Rufiyi erlegten Büffels an. Daneben liegen Gehörne von Gnus,

Wasserböcken und eine Rappantilope. -- Im Hintergrunde sieht man den

Pallisadenzaun, links eine angefangene Hütte, rechts die „Hauptwache“,

und den Hund „Moritz“.]

Büffeljagden.

In Ostafrika gilt das Gehörn eines starken Kaffernbüffels als die

schönste Trophäe, die ein Jäger erbeuten kann. Nicht mit Unrecht steht

hier der Büffel über dem Löwen; denn ob man einen Löwen antrifft, ist

meist Zufall, und die Reviere, in denen man mit der Absicht, Löwen zu

schießen, pirschen kann, sind selten. Der Erfolg ist weniger von der

eigenen Kunst als vom Glück abhängig. Wer aber heute Büffel jagen will,

muß sie suchen, darf keine Mühe und Anstrengung scheuen und kann dann

den Erfolg meist dem eigenen Geschick zuschreiben. Wer die entlegenen,

schwer zugänglichen Plätze, an denen Büffel stehen, nicht aufsucht und

sich von Mißerfolgen abschrecken läßt, wird die heimlichen Rinder der

Wildnis nicht zu sehen bekommen.

Man unterscheidet mehrere Arten von afrikanischen Büffeln; unter ihnen

ist der Kaffernbüffel der stärkste. Ihm nahe steht der abessynische;

der westafrikanische Rotbüffel ist kleiner, die Hörner sind kurz, die

hellere, gelbbraune Färbung läßt den Ausdruck der Wildheit nicht so

stark hervortreten.

Den Kaffernbüffel zeichnet seine Seltenheit, seine aus vielen Berichten

bekannte Angriffslust und Gefährlichkeit aus, und macht die Jagd auf

ihn zu dem reizvollsten Unternehmen, das der Jäger in Ostafrika kennt.

Von ihren Büffeljagden erzählen selbst alte Jäger mit großer Wärme und

Begeisterung, und ich habe oft gemerkt, daß mein Ansehen als Jäger

bedeutend stieg, wenn ich meine starken Büffelgehörne zeigen und wenn

ich glaubhaft machen konnte, ich habe sie selbst erbeutet.

Nach dem, was ich mit den Büffeln erlebte, verstehe ich auch, daß

jeder erfahrene Jäger den Erzählungen von Büffeljagden mit besonderer

Neugierde lauscht.

Der Büffelstier trägt gewaltige, helmartig auf dem starken Knochenbau

des Kopfes aufgesetzte Hörner, die bei alten Bullen eine Breite von

30 Zentimeter und eine Auslage von über 1,20 Meter erreichen und

deren Masse sich auf dem Scheitel fast vereinigt. Während diese

schützend auf dem Schädel aufgelegte und durch starke Knochenzapfen

getragene Hornmasse das Tier befähigt, durch die Wucht seines

Ansturms niederzudrücken, was sich ihm in den Weg stellt, und starke

Stöße aufzufangen, bilden die nach vorne und oben gebogenen spitzen

Hörner eine Waffe, die gefährliche Verletzungen austeilen kann. Die

Hörner sind nach hinten geneigt und verlaufen, sich verjüngend, in

regelmäßiger Biegung bis zu den Spitzen.

Der Anblick des herrlichen Gehörns ruft in dem Jäger den Wunsch wach,

den kräftigen Tierkörper einmal zu sehen, der diesen Kopfschmuck als

Schild und Waffe vor sich herträgt.

[Sidenote: Büffel; Seltenheit.]

Leider ist aber der Kaffernbüffel[15] in Ostafrika jetzt ziemlich

selten. Während früher ganze Herden der Tiere in den Gebieten zwischen

Tana und Rovuma zu finden waren, leben heute nur noch kleine Trupps,

die die Rinderpest durch Zufall oder besondere Veranlagung überstanden

haben.

Ihr Aufenthalt ist nicht mehr in den offenen Steppen, wie in früheren

Zeiten, sondern in schwer zugänglichen, von Menschen gemiedenen

Schilfniederungen und einsamen, kühlen Wäldern mit guten Weiden und

Wasser.

Ich hatte Glück mit den Büffeln.

Allerdings habe ich den ersten Büffel, ebenso wie seinerzeit den ersten

Hirsch, den ersten Elefanten und später auch das erste Nashorn, das ich

sah, nicht zur Strecke gebracht.

Es war am Rufiyi; ein Abend nach langem Marsche. Ich suchte Wild, um

die hungrigen Mägen meiner Askari und Träger zu füllen; traf im hohen

Schilfgras alte und neue Büffelfährten, folgte hierhin und dorthin, bis

die Sonne dem Horizont nahe war, und blieb endlich auf einer kleinen

Anhöhe stehen. -- -- Da sah ich, wie sich aus einem dunklen Etwas, das

ich für einen Erdhügel angesehen hatte, ein gekrümmtes Horn erhob. --

-- Ein Büffel auf etwa dreißig Schritt!

Die Sonne steht genau über dem Tierkörper und blendet mich, während

die Umrisse der regungslos verharrenden Masse in dem Feuer des

Lichts verschwimmen, so daß ich auf dem dunklen Tierkörper nichts

unterscheiden, und nur aus der Stellung des plötzlich aufgetauchten

Horns schließen kann, wo ich die Stirn etwa zu suchen habe. Schnell

greife ich nach der Büchse, die ein Schwarzer trägt, und schieße kurz

entschlossen auf den Kopf etwas unter die Hörner.

Der Büffel wirft sich herum und verschwindet, in hohem Schilfgrase

davontobend.

Ich folgte der Fährte des kranken Stiers, solange es das Tageslicht

erlaubte. Er war im Galopp durch das Schilf gestürmt; an mehreren

Stellen fand sich Schweiß. Als ich der Fährte eine halbe Stunde lang

nachgegangen war, wurde es dunkel und ich mußte die Jagd abbrechen in

der seltsamen Stimmung, die jeder Jäger in der Lage kennt: Grübeln,

Hoffnung, Ausfragen aller Leute, die so aussehen, als könnten sie einem

Mut zureden, Vorwürfe gegen sich selbst und das ewige „wenn“ und

„aber“ auf alle durchlebten Momente der Jagd angewandt; endlich wieder

hoffnungsfrohes Ausmalen des Erfolges: wenn wirklich der erste Büffel

zur Strecke gebracht wäre! Und der Gedanke an den und jenen Freund, dem

man seine Freude mitteilen wird!

Aber ich mußte mir sagen, daß die Hoffnung, den Büffel zu finden,

gering war; denn ein Kopfschuß hat nur Sinn, wenn er das Gehirn trifft

und das Tier gleich umwirft.

Bei ruhiger Überlegung wußte ich, daß dieser Büffel für mich verloren

war, und in bösen Augenblicken peinigte mich der naheliegende Gedanke,

daß mein Schuß dem edlen Tiere Verletzungen am Geäse beigebracht

haben konnte, die ihn an der Aufnahme von Nahrung hinderten und zum

Hungertode verurteilten, eine Möglichkeit, die schon manchen sicheren

Schützen und gewissenhaften Jäger von den Kopfschüssen abgebracht hat.

Auf den Kopf habe ich geschossen, weil mir aus Wißmanns und anderer

Jäger Schilderungen in Erinnerung war, daß ein Büffel stets annimmt und

weil die Entfernung zwischen mir und dem Büffel zu gering war, als daß

er, durch einen Blattschuß verwundet, mich nicht mehr hätte erreichen

können. -- Ein Kopfschuß, der das Gehirn trifft, tötet jedes Tier auf

der Stelle.

Es ist mir nicht klar, wie ich den Büffel getroffen habe. Mit einem

Blattschuß oder Weidewundschuß hätte ich ihn jedenfalls zur Strecke

gebracht.

Ich mußte am nächsten Morgen weitermarschieren. Erprobte Eingeborene

suchten den kranken Büffel noch tagelang und stellten fest, daß er

lebte und die alte Wasserstelle, einen unzugänglichen Sumpf, annahm.

Die Leute kannten ihn als den „roten“ Büffel; er sollte ausnahmsweise

rötliche Behaarung tragen, was ich bei der Beleuchtung nicht sehen

konnte.

* * * * *

[Sidenote: Ein Mißerfolg.]

Daß ich den ersten Büffel nicht hinter die Schulter schoß, konnte ich

mir lange nicht verzeihen und mein Wunsch, so edles Wild wieder zu

treffen und dann die Scharte auszuwetzen, wurde immer brennender.

Wenige Monate später schien er in Erfüllung zu gehen. Als ich

wieder einmal in eine Gegend kam, in der ich die ziemlich frische

Fährte eines starken Büffels sah, nahm ich meine zwei besten und

ausdauerndsten Leute mit und suchte vom frühen Morgen an nach dem

heimlichen Wild. Nach rastlosem Marsche durch offenen Busch mit

eingestreuten Grasflächen kam ich gegen drei Uhr nachmittags an eine

Schilfniederung, warf mich ermüdet im Schatten eines großen Mangobaumes

nieder und schickte Sefu, meinen Gewehrträger, in den Baum, um nach

Wild auszusehen. Ali, mein zweiter Begleiter, umkreiste die anderen

Mangobäume und entdeckte an den von Menschen und Tieren bereits

abgeernteten Bäumen noch einige versteckte Früchte.

Wenn es doch überall Mangobäume und Kokospalmen gäbe! dachte ich (-- --

dann, muß es allerdings heißen, würden die Neger gar nicht arbeiten!).

Der Saft einer Kokosnuß oder das Fleisch einer reifen _embe dodo_,

einer großen Mangofrucht, gehören nach anstrengendem Marsch zu den

großen Genüssen, die Afrika bietet. Im Schatten eines fruchtbeladenen

Mangobaumes ruhend, kann man getrost singen: „Bei einem Wirte

wundermild, da bin ich heut zu Gaste.“

Die einzigen Störenfriede waren heute Ameisen, die in reichlicher

Anzahl den Boden bedeckten und mich aus dem kühlen Schatten vertreiben

zu wollen schienen.

Ich dachte gerade, ob ich wohl einen Büffel zur Strecke bringen würde

und dann den ersten Mißerfolg auf das heiß begehrte Wild vergessen,

als Sefus Stimme hoch oben aus dem Baume erklang: „Ich sehe Wild. --

Vielleicht Wasserbock!“ Wie mich die Meldung des Schwarzen aufspringen

ließ! Merkwürdig: ich glaubte nicht an Wasserbock, und war fest

überzeugt, es müsse das ersehnte Wild sein.

Mit neuem Mut stieg ich selbst auf den hohen Baum und sah durch das

Doppelglas einen langen, grauen Wildkörper, der mir für die Entfernung

von etwa 1500 Meter sehr groß erschien; das mußte ein Büffel sein!

Schnell die Richtung eingeprägt und dann durch hohes Gras drauflos.

Als wir noch nicht an der Stelle angelangt waren, die ich mir gemerkt

hatte, klettere ich wieder auf einen Baum, dessen schwache Äste soeben

meinem Zweck genügten, konnte aber den Büffel nicht mehr an dem alten

Platze sehen.

Vor mir lag ein Sumpf mit hohem Schilf in einer Ausdehnung von etwa 700

Meter Länge und 300 Meter Breite. An dem jenseitigen Rande des Sumpfes

fand ich mit dem Auge die Stelle wieder, an der der Büffel gestanden

hatte.

Ich überlegte noch, ob ich den Sumpf umgehen und die Fährte aufnehmen

sollte; da blickte ich zufällig unter mich und gewahrte den Büffel etwa

fünfzig Schritt von mir entfernt, wie er langsam durch das Schilf ging

und gerade eine kleine, tiefere Pfanne passierte, in der die Gräser

weniger hoch waren.

Schnell winke ich dem Sefu, mir die Büchse zu reichen, -- -- das

gelingt; und von meinem schwankenden Beobachtungsstand aus gebe ich dem

stahlblau aussehenden Tiere einen Schuß hinter die Schulter, gerade als

es in höherem Schilf verschwinden will.

Gut getroffen macht der Bulle ein paar mächtige Galoppsprünge, und ich

sehe an der Bewegung im Schilf, wie weit er geht. -- -- Das ist kaum

mehr als 30 Meter vom Anschuß.

Nichts regte sich mehr.

Meine Neger standen unter dem Baum, reckten die Hälse, konnten aber

nicht über das hohe Gras hinweg sehen. Ich reichte die Büchse hinunter

-- ein verfluchtes Gefühl, die geladene Büchse an der Mündung fassen zu

müssen oder sie in der Lage herauf zu bekommen! -- und stieg selbst von

meiner Kanzel.

„Nyati!“[16] sagte ich in würdevollem Tone zu meinen beiden Getreuen,

denen ich vor Freude je fünfzig Rupie geschenkt hätte, wenn ich sie zur

Hand gehabt hätte.

Ich war in einem Zustand, wie ein Kind vor der verschlossenen Tür,

hinter der der Weihnachtsmann ausgepackt hat. Noch ist das Geschenk

nicht mein, aber ich weiß, daß ich es bekomme. -- Nur Geduld!

Ich wollte eine Stunde warten, um dem Büffel Zeit zu lassen, sich zu

verbluten.

[Illustration: Ein kapitaler Kaffernbüffel; das am meisten begehrte

Wild in Ostafrika.]

Solange es im Schilfe ruhig blieb, war es gewiß, daß er sich

schwerkrank nieder getan hatte; darum jetzt ruhig Blut, ~den~

haben wir!

So saßen wir zu dritt unter dem kleinen Baume und hingen unseren

Gedanken nach, die gemeinsam bei dem Büffel verweilten. Doch dachten

meine Schwarzen wohl mehr an den Braten, ich an mein Jagdglück. --

Alles war mir heute günstig gewesen, als Lohn für die Ausdauer: die

zufällige Entdeckung des Wildes, mein Entschluß, den kleinen Baum zu

besteigen -- an dem wir schon vorbei waren, als ich dachte: besser

ist besser --, endlich der Umstand, daß der Büffel gerade die Stelle

kreuzte, an der das Gras so niedrig war, daß ich wenigstens den Rücken

sehen konnte.

Nach etwa zwanzig Minuten wurde den beiden Negern die Zeit des Wartens

zu lang und sie schlugen mir vor, nachzusehen, ob der Büffel tot sei.

Wider bessere Einsicht ließ ich mich verleiten; die Neugierde gewann

auch bei mir die Oberhand. Ich gab die Richtung an. Sefu aber nutzte

einen Termitenhügel aus, im Vorbeigehen einen Ausblick zu gewinnen

und war noch nicht halb oben, als er sich plötzlich duckte und mich

heranwinkte.

[Sidenote: Der kranke Stier.]

Ich berühre im Vorbeigehen die Blätter einer kleinen Fächerpalme. Da

steht fünf Schritt vor mir, also unmittelbar hinter dem Hügel, der

Büffel auf, ein mächtiger dunkler Stier!

Die Flanke ist rotgefärbt von Schweiß, der Kopf mit den gewaltigen

Hörnern vorgestreckt.

Ohne Besinnen gebe ich ihm zwei Blattschüsse, während er davonrast.

„Gehen wir nach,“ sagten Ali und Sefu zu meiner großen Verwunderung.

„Ist der Büffel nicht gefährlich?“

„Ja, wenn einer jagt und seine Bibi wird ihm untreu.“

„Sonst nicht?“

„Nein!“

Dies „nein“ kam so überzeugend heraus, daß auch in mir der letzte

Zweifel an der Ungefährlichkeit des Büffels zerstört wurde.

Die Fährte war leicht zu verfolgen. Das hohe Gras war an der linken

Seite ununterbrochen rot gefärbt und unsere Kleider wurden von dem Blut

durchtränkt.

Mehrmals wurde der Büffel dicht vor mir flüchtig, ehe ich ihn bemerkt

hatte; das Gras war etwa drei Meter hoch.

Bei der Windstille hatte es keinen Zweck, lange zu überlegen; jede

Folge war ausgesprochener Leichtsinn, denn der Büffel mußte uns wittern.

Aber in dem Suchen der Gefahr lag ein so seltener, heute leicht zu

erlangender Genuß, daß ich immer wieder in die Nähe des totwunden

Stieres ging.

Noch zwei Schüsse gab ich ab, doch anstatt aufs Blatt auf die

Hinterschenkel, ich konnte nicht ausmachen, wo vorn, wo hinten war;

erst als der Büffel weiter stürmte, merkte ich meinen Irrtum. Dann

wurde das Gras so dicht, daß ich erst etwa auf sechs Schritt erkennen

konnte, wenn der Stier vor mir stand. --

Ich sah die Gräser, die von seinem Atem bewegt wurden, -- -- -- ging

noch näher und sah den nassen Grind, - -- die Nüstern, -- -- -- die

dunklen Lichter, -- -- -- die gescheitelten Hörner, als er plötzlich

unter lautem Krachen des trocknen Grases wild fauchend losbrach.

Wir stoben auseinander, erkannten jedoch im nächsten Augenblick, daß

er auch diesmal nichts von der Untreue der Bibis wußte, er nahm eine

andere Richtung.

Ich wollte ihm jetzt den Fangschuß geben und befahl meinem Leichtsinn

ein energisches „Halt“!; nutzte wieder einen Baum aus und stand in noch

windigerer Position, als ich dem Büffel den letzten Schuß von links

hinter die Schulter gab.

Er ging nicht mehr weit.

Mit einmal begann er mächtig zu brüllen, mit feuchtem, großen Ton, wie

nur Rinder es können. Alle halbe Minute ertönte das langgezogene tiefe

„Eöh“, das einen ungeheuren, verzweifelten Schmerz auszudrücken schien:

Er verendete.

Ich ging ganz in seine Nähe und blieb, andächtig lauschend, stehen.

Der Wind war mir günstig. Sehen konnte ich nichts; dichtes Rohr sperrte

die Aussicht auf wenige Schritte.

Endlich noch ein letztes schmerzvolles Brüllen, dann peitschte der

Schwanz den Boden und es war still.

Ich ging hinzu.

[Illustration: Der Nashornhügel am Jipesee.

Während bisher Busch und Dornen ein immer gleichmäßiges Bild boten,

begann hier eine vielseitige Vegetation. Hyphaenen (Dumpalmen) wurden

immer zahlreicher und bildeten in der Ebene ganze Wälder. An den Ufern

des Panpani erhob sich schattiger Wald mit Phönixpalmen, Schirmakazien

und Affenbrotbäumen. Auf den Hügeln standen Euphorbien und

Juniperussträucher. -- Weiße Stellen an den Steinblöcken bezeichneten

den Aufenthaltsort von Klippschliefern.]

[Sidenote: Der erste Büffel zur Strecke.]

Da lag der starke Wildstier mit der prächtigen Zier auf dem

breitgestirnten Schädel, mit einem Gesichtsausdruck, in dem Kraft und

Selbstbewußtsein zu liegen schienen -- wenn es erlaubt ist, in dem

Gesicht der Tiere wie im Menschenantlitz zu lesen. --

Ich habe noch kein Tier gesehen, das im Tode so edel und schön aussah.

Als ich in freudiger Bewunderung dastand, fuhren Wolken herauf und

mächtiger Donner rollte von den nahen Bergen herüber. Mir war, als sei,

was die Natur hier gab, für mich allein gemacht, für mich, den einzigen

Weißen in weitem Umkreise. -- -- Freude und Stolz beherrschten mein

Empfinden, während ich das Glanzhaar am Halse meines ersten Büffels

streichelte.

Im August 1906 jagte ich am Paregebirge im Norden Deutsch-Ostafrikas

auf Büffel.

Von Osten den großen Jipesumpf erreichend, hatte ich gesehen, daß

Büffelfährten hier und da meinen Weg kreuzten und erkundigte mich bei

den Eingeborenen nach den Gewohnheiten des Wildes. Die bezeichneten die

kleine Landschaft Ungueno als den jetzigen Standort der Tiere.

Am Jipesumpf schlug ich das Hauptlager auf, nahe an dem großen, dichten

Papyrushain, der sich in ungeheurer Ausdehnung an das flache Wasser des

Sees anschließt.

Hohe Tamarindenbäume säumten das Ufer, in ihren Ästen hingen

Bienenkörbe der Eingeborenen. Prächtige, bunte Vögel ruhten auf den

Büschen, große Züge von Pelikanen, Reihern und Störchen schwebten in

der Luft.

Der Blick auf das Paregebirge war von großer Schönheit. Man konnte die

Pässe, die in das Hochland führen, erkennen und die Täler vermuten, die

Wasser in die Ebene leiten.

[Sidenote: Büffeljagd am Paregebirge.]

Drei Tage brauchte ich, um in dem weiten, beschwerlichen Gebiet endlich

die Wasserstellen aufzufinden, an die sich die Büffel jetzt hielten.

Vom ersten Morgengrauen bis in den späten Abend war ich täglich

unterwegs, um Fährten zu suchen.

Das in Betracht kommende Gebiet war eine mit dichtem, hohen Gras

und Gebüsch bewachsene Ebene, die auf drei Seiten von bewaldeten

Bergen eingerahmt wurde und nach dem Sumpf hin offen war. Nur Büffel

und Nashörner waren zu spüren. Von allen Fährten hieß es „gestern“

oder „vorgestern“ und die Tiere wurden mir von Stunde zu Stunde

geisterhafter.

Am ersten Tage durchsuchte ich die Ostseite, am zweiten die Westseite

der Abhänge. Die Büffel hatten alte, ausgetrocknete Wasserstellen

besucht und in schattigem Busch gelagert, in einem Labyrinth von Ästen

und Blättern. Da drang das gedämpfte Sonnenlicht hinein und erhellte

die verlassenen Schlafplätze.

Oft in gebückter Haltung und durch ein Wirrwarr von Dornen, Gras und

Ranken schlichen wir vorwärts; ich mußte dem Führer -- Makange hieß er

-- zugeben, daß es ein schwieriges und höchst bedenkliches Unternehmen

war, in dieser Jahreszeit, bevor die Steppenbrände das Unterholz

gelichtet hatten, Büffel zu jagen. Die Aussicht auf Erfolg schien denn

auch immer mehr zu schwinden. Aber ich wollte die der Aufgabe gewidmete

Zeit nicht umsonst geopfert haben und dachte nicht an Umkehr!

[Illustration: An den Ästen großer Bäume hängen die Neger ausgehöhlte

Baumstämme als Bienenkörbe auf.]

Am zweiten Abend schlief ich in einem kleinen Bergzelte, an der Stelle,

wo der Weg nach Moshi den Fußpfad ins Paregebirge kreuzt.

Eine einzelne, hohe Dumpalme, mit abgestorbenen Blattstielen seltsam

geschmückt, schüttelte neben mir ihr Fächerhaupt. Ganz zart tauchte am

Abendhimmel der Schneedom des Kilimandscharo aus den Wolken empor.

Ich lag in dem kleinen Ausschnitt, der den Eingang zu dem Zelte bildete

und schrieb in mein Tagebuch. Die roten Flackerlichter des von den

Negern entfachten Holzfeuers kämpften auf dem Papier mit dem blauen

Tageslicht und trugen bald den Sieg davon; die Nacht brach herein.

Am Morgen des dritten Tages spürten sich mehrere Nashörner, die am

Sumpf zur Tränke gekommen und nach den Abhängen zurückgewechselt waren.

Sonst nicht eine frische Fährte von Antilopen oder Raubtieren!

Nur ein Zierböckchen stand im Busch und kratzte sich mit dem Hinterlauf

am Kopfe!

Gegen zehn Uhr am Vormittag fand ich, von Süden kommend, endlich die

Fährten der Büffel, an einem Waldbach.

Nun kam es mir nur noch darauf an, festzustellen, ob die Herde südlich

oder nördlich von diesem Bache stand. „Südlich“ war die Antwort der

Leute, die ich in dem Wasserlauf aufwärts schickte; doch sie hatten

Unrecht, und nach anstrengendem Absuchen des dichten Busches auf der

Südseite fand ich gegen vier Uhr am Nachmittag die Stelle, an der die

Herde den Bach nach Norden gekreuzt hatte!

Für heute war es zu spät; auf den nächsten Tag aber setzte ich große

Hoffnungen, die auch in wunderbarer Weise in Erfüllung gingen.

Ich lagerte in dieser Nacht dort, wo der Bach, in dem die Büffel sich

spürten, in der Steppe verfloß. Wieder hatte ich nur ein kleines,

offenes Zelt mit und schlief ohne Bett und Moskitonetz zu ebener Erde.

Das Lagerfeuer wurde mit Sonnenuntergang gelöscht. Meerkatzen in

den Bäumen über uns taten sehr verwundert über unsere Anwesenheit;

die Frösche quakten unaufhörlich. Wenn sie aber einmal verstummten,

dann horchte ich auf, denn dann war Wild in ihre Nähe gekommen. Ich

zog schließlich die Decke ganz über den Kopf, um so vor den hier

zahlreichen Mücken Schutz zu finden.

Es war noch dunkel, als ich am nächsten Morgen das kalte Wasser

durchwatete, das meinen Schlafplatz von dem Walde trennte. Ich ging

im Bache aufwärts und stellte fest, daß die Büffel ihn heute nicht

angenommen hatten, also noch auf der Nordseite standen. Da es wenig

Zweck hatte, den Spuren von gestern zu folgen, ging ich aufs Geratewohl

in dem dunkeln, von Büffelpfaden durchzogenen Walde vorwärts und war

ganz zufällig einer frischen Nashornfährte einige Zeit gefolgt, als

nicht weit über mir am Berge das Röhren eines Büffels hörbar wurde.

Endlich war ich dem ersehnten Ziel nahe! Ich zog schnell Schuhe

mit Gummisohlen an, die zu der im Rucksack mitgeführten nötigsten

Ausrüstung gehören, und ging unter Wind auf die Stelle los, von der her

ich den seltenen Laut vernommen hatte.

Dunkler, ästereicher Wald; der Boden mit vermoderten Blättern bedeckt;

zwischendurch Buschpartien mit hellem Licht. Frühnebel strichen über

die Baumkronen.

[Sidenote: Büffel im Waldesdickicht.]

Jetzt knackte ein Ast vor mir; wieder ein Brüllen, kurz abgesetzt.

Ich schlich auf einen starken, gefallenen Baum zu, über den hinweg ich

gerade in eine Lichtung sehen konnte, als die ganze Büffelherde unter

Krachen und Brechen von Ästen in der Dickung vorwärts drängte.

Zwischen Blättern und Ästegewirr konnte ich die schwarzen Tierkörper

auf Sekunden sehen, wie sie auf etwa dreißig Schritt quer an mir

vorbeizogen. Dem Lärm nach konnte ich glauben, sie seien flüchtig.

Sofort ging ich mit meinen drei Leuten auf die frische Fährte und sah

hier mit Erstaunen, wie die Büffel, ohne Rücksicht auf ihre breiten

Hörner, schnurstracks durch das Wirrwarr von Stämmen und Ästen gestoßen

waren. Auch konnte man erneut beobachten, wie eine frische Fährte

aussieht. Die Hufe waren über gefallene Bäume hinweggerissen, die Rinde

frischer Stämme blutete und der Milchsaft von Pflanzen war in den Weg

gespritzt.

Mit großer Vorsicht folgte ich auf der Fährte und brachte die Büffel,

die irgend etwas Verdächtiges merkten, noch dreimal in Bewegung, ohne

ihnen nahe genug kommen zu können.

Ich wollte bis Mittag warten; dann liegen die Büffel und schlafen.

Da ertönte in der Nähe lautes Brüllen, das wiederholte sich und klang

gerade so wie das Todesbrüllen des verendenden Büffels am Rufiyi.

„Hier jagen Wapare aus den Bergen,“ sagte ich sofort zu dem Führer.

„Nein, Herr!“

Nun aber ließen sich menschliche Stimmen vernehmen, die sich durch

Laute Zeichen gaben und einer meiner Leute rief:

„Seid ruhig, der Weiße will Büffel schießen.“

Als die Angerufenen nicht antworteten, wurde mein Verdacht zur

Gewißheit und ich ging weiter, um nachzusehen, was dort los sei.

Plötzlich springt der Führer zur Seite und raunt mir hastig zu: „Ein

Nashorn, Herr! dort im nächsten Busch!“

[Sidenote: Büffel in einer Fallgrube.]

Ich sehe wie sich in einer Vertiefung der dunkle Nacken eines Wildes

bewegt, denke an ein Tier in der Suhle, kann aber nichts erkennen, bis

ich auf etwa fünf Schritt an den Platz hinangehe. Da hebt sich ein

Büffelkopf mit gewaltigen Hörnern aus der Vertiefung.

Ich stehe über dem Tiere und schieße von oben in den Rücken.

Der Stier versucht, aus der Vertiefung herauszuspringen, ist aber

hilflos gefangen und ich erkenne jetzt, was ich hier vor mir habe: Den

Büffel in einer von Menschen gegrabenen Wildgrube!

Dies seltene Bild sah ich mir nun etwas genauer an; die Grube verengte

sich keilförmig nach unten und hatte ungefähr die Länge des Büffels.

Der Körper des Tieres war fest eingeklemmt; so sehr der noch lebende

Büffel versuchte, vorne hoch zu kommen, er fiel immer wieder zurück. Er

war so wehrlos, daß ich ihn an die Hörner fassen konnte.

Als das meine Leute von den umstehenden Bäumen aus sahen, kamen sie

auch herbei.

[Illustration: Mähnenlöwe (in Ostafrika selten; ich überraschte einmal

vier Mähnenlöwen an einem geschlagenen Zebra).]

Dutzende von frischen, etwa sechs Zentimeter breiten Speerstichen

im Hinterteil des Büffels zeigten, auf welche Weise die Fallensteller

versucht hatten, das Tier zu töten und erklärten mir auch das

schmerzerfüllte Brüllen, das ich vorhin gehört hatte. Ich

photographierte den Büffel in der Grube und gab ihm den Fangschuß.

[Illustration: Büffelstier, in einer Wildgrube lebend gefangen.]

„Ein so schönes, großes Gehörn habe ich noch nie gesehen,“ sagte der

Führer, der hoffte, alle Mühe und Arbeit sollte nun zu Ende sein. Als

ich ihm aber erklärte, dies sei nicht mein Büffel, ich wollte meinen

Büffel ohne Hilfe der Wapare schießen, meldete er mir, er müsse nach

Hause, seine Bibi erwarte den Klapperstorch. „Was haben bloß die Weiber

immer mit meinen Jagden zu tun?“ dachte ich. Da ich aber schon lange

an derartige seltsame Fernwirkungen nicht mehr glaubte, entgegnete ich

ihm: „Erst wollen wir noch einen Büffel haben, so lange kann deine Frau

noch warten.“ -- Damit mußte er zufrieden sein; denn wie fast immer bei

den Negern, war der Grund seines Urlaubsgesuchs erfunden.

Ich legte mich auf die Lauer und ließ den Führer die vorhin gehörten

Zurufe wiederholen und dadurch die Fallensteller heranlocken. Es

gelang, sieben der wild aussehenden, mit Bogen, Keulen, Schwertern,

Speeren und Messern bewaffneten Kerle zu fangen, die ich gebunden

nach Moschi sandte, wo sie mit mehreren Monaten Kettenarbeit bestraft

wurden.[17]

Das war ihr Lohn für die Hilfe, die sie mir unbeabsichtigt geleistet

hatten.

Bei dem Wild ließ ich zwei meiner Leute, die den Kopf abschneiden und

das Fleisch zerteilen sollten, was bei der Lage und der Größe des

Büffels in der engen Grube keine geringe Arbeit gewesen sein wird.

Zum Glück waren mehrere meiner Träger den Schüssen gefolgt, so daß

ich die Gefangenen zum Lager schicken und mehr Leute zum Fleischholen

bestellen konnte. Ich pirschte weiter und traf auch bald wieder auf die

Büffel. Als ich ihnen nahe war, hakte ein Dornzweig an meiner Jacke und

schnellte mit Geräusch zurück; die Büffel sausten los. Die Fährte, der

ich noch kurze Zeit folgte, führte an Dutzenden von Wildgruben dicht

vorbei; leicht hätten noch mehr Büffel da hineinfallen können.

[Sidenote: Die Wildgruben.]

Die Gruben waren mit großer Sorgfalt und vielem Geschick angelegt, oben

etwa 1,10 Meter breit und 3 Meter lang, 2,50 Meter tief, und verengten

sich nach unten stark.[18] Auf halber Länge der Grube war in dem

harten Tonboden eine achtzig Zentimeter hohe Querwand stehen gelassen,

die verhindert, daß der Büffel die Hinterläufe zu weit nach vorne setzt

und sich so herausarbeiten kann. Durch sein eigenes Gewicht wird der

unglückliche Gefangene hier so in den Schacht gepreßt, daß die Flanken

der Atembewegung nicht mehr ausweichen können und die Läufe dicht

aneinander liegen, ohne die Sohle der Grube zu erreichen. Über die

Fallen sind dünne Stöcke gelegt und darauf trockene Blätter und Gras.

[Illustration: Wapare, die ich beim Büffelfang ertappte.]

Die Gruben befanden sich in den Wechseln der Büffel.

Wenn auch die ausgehobene Erde sorgfältig verdeckt worden war, war es

bei Tage nicht schwer, die gefahrdrohenden Stellen zu sehen. Aber die

Büffel werden nicht mit den Augen sichern, sondern mit der Nase. Die

Wildsteller versuchen außerdem die Herde in schneller Gangart über die

Fallen hin zu drücken, so daß die Wahrscheinlichkeit groß ist, daß ein

Büffel, dem engen Pfad folgend, hineinstürzt.

Da keine Aussicht mehr war, die flüchtige Büffelherde heute noch

zu erreichen, ging ich, um Platten zu entwickeln und die Kassetten

meiner Kamera neu zu füllen, zu meinem Hauptlager am Jipesumpf

zurück. Da kamen Leute und baten mich, gegen Abend einige Krokodile

abzuschießen, die es sich an der Schöpfstelle des Dorfes allzu bequem

machten. Ich schoß zwei der großen Echsen; ein Neger suchte die Tiere

herauszuziehen, kam aber sofort zurück und beklagte sich über die

Blutegel, die ihn im Wasser angefallen hätten.

Am nächsten Morgen suchte und fand ich bald frische Büffelfährten und

folgte ihnen.

Wieder fiel der Mangel an jedem anderen Wild auf; nur Büffel und

Nashörner waren in dem hohen, trockenen Grase zu spüren, während

alte, eingetrocknete Fährten zeigten, daß sich hier zu anderer

Jahreszeit Löwen, Leoparden und viele große und kleine Antilopen der

verschiedensten Art aufhielten.

Sobald das Gras höher wird, verziehen sich, wie es scheint, die

schwächeren Wildarten in die offene Steppe, aus Furcht vor den

Raubtieren, die sich ihnen im Grase zu leicht nähern können. Nur die

wehrhaften Dickhäuter, denen die großen Katzen nichts anhaben, dürfen

sich weiter in der Kühle der Wälder aufhalten; wahrscheinlich würden

auch die Antilopen und Zebras nicht in die sonnige, heiße Steppe gehen,

wenn der Löwe nicht wäre.

[Sidenote: Fährtensuchen.]

Heute leisteten die drei ausgesuchten Neger, die mich begleiteten,

gradezu Bewundernswertes in der Ausdauer und Gewissenhaftigkeit beim

Fährtensuchen. Eine besondere Glanzleistung war es, festzustellen, wo

die Tiere eine Waldwiese, auf der sie äsend hin und her gezogen waren,

verlassen hatten. Da meine Leute zuverlässig arbeiteten, hatte ich

nichts weiter zu tun, als mich fertig zu halten für den Augenblick,

in dem wir auf die Büffel stoßen würden, und mich nur manchmal zu

überzeugen, ob die Fährte, der wir folgten, frisch war.

Ohne Hilfe von Negern, allein eine Fährte zu halten, ist sehr ermüdend.

Acht Augen sehen mehr als zwei; aber es gilt, sie richtig zu nutzen.

Ich möchte sagen: es gibt auch eine Führung der Fährtensucher; und die

muß der Schütze übernehmen. Er selbst sieht gerade aus und bleibt

auf dem letzten, mit Sicherheit festgestellten Zeichen stehen. Von da

aus kann er oft, indem er nur in der Richtung sieht, in der das Wild

voraussichtlich gegangen ist, ein entferntes Zeichen sehen, dorthin

gehen, seine Leute neu ansetzen und so Zeit und Nervenkraft sparen. In

dem dichten Busch gibt es meist nur wenige Durchgänge, die das Wild

genommen haben kann, und am wahrscheinlichsten ist es immer, daß es die

Hauptrichtung inne gehalten hat; da wird zuerst gesucht. Allmählich

bekommt der Jäger große Übung darin, ganz unauffälligen Merkmalen

sichere Schlüsse zu entnehmen. Der Strich des Grases z. B. zeigt ihm,

wo ein Tier hindurch gegangen ist. -- Ich spreche selbstverständlich

nur von trockenem Grase; denn im saftigen Grün kann jeder Laie einer

Fährte folgen. --

Besonders wichtig ist es, darauf zu halten, daß niemand zu früh in

eine Fährte läuft, von der nicht sicher festgestellt wurde, daß sie

die richtige ist; sowie Menschen in der Fährte gegangen sind, wird sie

verwischt und unkenntlich.

Die besten Aussichten auf erfolgreiche Arbeit hat man mit

gewissenhaften Spürnegern, viel Verdruß aber mit solchen, die

darauf losgehen und durch ein sicheres Benehmen die übrigen in

Unaufmerksamkeit einwiegen. Wenn eine Fährte verloren ist, soll man

nicht ausschwärmen lassen, um sie wieder zu finden, sondern befehlen:

„Alle stehen bleiben!“ und mit den sachverständigsten zwei Leuten

vorsichtig einen Kreis schlagen. Erst wenn das zu keinem Ergebnis

führte, kann man die Neger in alle Richtungen schicken, um vielleicht

in größerer Entfernung eine Spur wieder zu finden; das ist dann besser

als gleich umkehren zu müssen.

Ich habe es oft so gemacht: mich ruhig hingesetzt und gegrollt, daß

meine Methode nicht ohne weiteres zum Ziele führte und die Neger zu

zwei und zwei in verschiedene Richtungen geschickt mit dem Befehl, nach

einer halben Stunde wieder zurück zu sein, falls nicht ein Pfiff sie

schon vorher riefe.

Die Reize einer solchen Fährtenfolge liegen in der Erwartung, jeden

Augenblick das Wild zu sehen, für dessen Anwesenheit der Jäger als

sicherste Urkunde den Abdruck der Hufe vor sich hat.

[Sidenote: Pirschkunst.]

Auf Umwegen leitete uns der Weg der Büffel heute an den Abhang des

Berges. Immer schwieriger wurde es, ohne Geräusch vorwärts zu dringen,

da wir durch verwachsene Schluchten und tief ausgewaschene Täler an

steinigen Berghängen entlang geführt wurden.

Der alte Makange schlich vor mir. Er drehte sich mehrmals um, hob

die kleine Holzkeule, die er in der Hand hielt, bedeutungsvoll und

flüsterte: „_Karibu ya kulala!_“ („Sie sind dicht vorm Hinlegen!“)

Das sah er aus der trägen Gangart der Tiere. Ich zog die Gummisohlen

an, legte die steifen Ledergamaschen ab, zog den Rock aus, machte den

Gewehrriemen von der Büchse los, weil er an Büschen hängen bleiben kann

und setzte eine kleine Kappe auf, die weniger Geräusch macht als der

breitkrempige Filzhut, wenn Blätter daran entlang streifen.

Äußerste Vorsicht war jetzt geboten.

An einer sandigen Stelle füllte ich mir die Hosentasche mit trockenem

Staub und ließ von Zeit zu Zeit etwas davon fallen, um den Wind zu

prüfen.

In dem dichten, von hohem Grase durchsetzten Busch, durch den die

Büffel ihren Weg genommen hatten, war bestenfalls auf zehn Schritt zu

sehen.

Es war kein Gehen mehr, es war ein Schleichen, ein

Sichvorwärtsschlängeln, um jedes Geräusch zu vermeiden. Und dennoch:

Wenn ich einmal stehen blieb und die Träger abwartete, die leise gingen

und doch zu hören waren, dann hielt ich es für unmöglich, ungehört

an die Büffel hinanzukommen; denn allein das Gras, das an den Beinen

entlang strich und die trockenen Blätter, die dicht im Wege lagen,

machten so viel Geräusch, daß es die ruhenden Büffel hören mußten!

Das stundenlange Vorwärtsschleichen und vergebliche Spähen ermüdet und

macht schließlich ungeduldig, man vergißt die Vorsicht und geht zu

schnell, ein trockener Ast knackt unter dem Fuße, ein Zweig schnellt zu

plötzlich in seine Ruhestellung zurück, die Büffel stehen dicht dabei

-- -- und alle Anstrengung war umsonst.

Wenn man nur ungefähr wüßte, ob die Tiere nahe sind!

Ich erwarte die Neger, setze mich hin und lasse mir Frühstück geben.

Nein, dieser Busch; wie da bloß ein Büffel durchkommt! -- Man erkennt

kaum, daß er es tat; die Zweige schließen sich hinter ihm und die

Dornen strecken ihre Äste nach wie vor in den engen Paß. Nur Dickhäuter

gehen unbeschadet durch: der Büffel mit seinem starken Kopfschild, und

das Nashorn.

Welche Ausdauer gehört dazu, unter tropischer Sonne mitten am Tage den

Fährten eines Wildes zu folgen, tagelang, mit so geringer Aussicht auf

Erfolg; auf flacher Erde irgendwo im Busch zu schlafen; allein mit

wenigen Negern.

Plötzlich ein Schnaufen, gar nicht weit: die Büffel haben sich verraten!

Jetzt weiß ich, daß ich nicht mehr stundenweit zu gehen habe und kann

meine ganze Kraft daran setzen, unbemerkt, ungehört die nächsten

hundert bis zweihundert Schritte zurückzulegen. So nahe bei den Büffeln

zu sein: ein Bewußtsein, das die Lebensgeister freudig aufrüttelt!

Zu den nächsten hundert Schritten brauche ich etwa eine Viertelstunde.

Bei diesem Pirschen, diesem sich lautlos durch die Büsche drücken sind

alle Muskeln und Sinne angespannt. Der Fuß sucht vorsichtig einen neuen

Stützpunkt, die Schulter weicht einem Dornenzweige aus, der Kolben der

Büchse wird Fuß für Fuß vorgesetzt.

Nach langem Warten gibt ein leises Schnaufen von neuem die Richtung an.

Der Wind ist gut.

Ich erreiche eine drei Meter breite, steinige Schlucht, an deren

gegenüberliegender Seite im Dunkel der Büsche eine ungewisse Bewegung

spielt.

Der Führer mit der Reservebüchse ist hinter mir; er umfaßt vor Furcht

zitternd mein Handgelenk und bedeutet mich, stehen zu bleiben.

[Sidenote: Büffel auf acht Schritte angepirscht.]

Zwei Schritt turne ich noch vorwärts, ohne daß sich ein Steinchen

löst oder ein Zweig knackt, hebe mich etwas und sehe den Rücken und

das Hinterteil eines ruhenden Büffels, acht Schritt vor mir, wie im

Kuhstall! Es ist sehr dunkel unter den Büschen, trotz der hellen

Mittagssonne, doch erkenne ich bald auch im Schatten die Enden der

Hörner, weit auseinander liegend, und zweifle gar nicht daran, daß ich

einen starken Bullen vor mir habe.

Ich fühle unsagbare Freude, daß es mir gelang, ein Tier mit so feinen

Sinnen auf die geringe Entfernung angepirscht zu haben.

Nach einer Weile regt es sich an einer entfernteren Stelle unterhalb

im Busch, wo ein anderer Büffel etwas bemerkt zu haben scheint. Mein

Wild erhebt sich langsam, ich kann die Umrisse beurteilen, und als es

eben auf allen vier Läufen steht, schieße ich schräg von hinten auf den

Rumpf.

Sofort rollt der Büffel zu Boden. Zweiter, dritter Schuß! Wildbrüllend

arbeitet er sich wieder hoch, auf mich zu!

Ich weiche nach rechts aus, drücke mich an den Grabenrand und schieße

den vierten und fünften Schuß. Mit einem tiefen Röcheln senkt sich der

Kopf des vornüber stürzenden Büffels neben mir in den Graben.

Ich halte die Mündung der Büchse dem riesigen Tiere auf den Nacken und

zerschmettere ihm die Wirbelsäule.

Das alles geschah in wenigen Sekunden; die Schüsse folgten aufeinander

so schnell, wie man mit großer Übung überhaupt repetieren kann.

Der sechste Schuß war hinaus, -- meine Büchse leer.

Das Gehörn des Büffels lag etwa ein Meter von meinem Knie entfernt.

Ich kniete noch fast an derselben Stelle, an der ich den ersten Schuß

abgegeben hatte; die Tatsache machte dem Neger, dem einzigen Zeugen des

wilden Vorganges, großen Eindruck.

Erst jetzt polterte die Herde der Büffel mit lautem Krachen den Abhang

hinunter, ohne daß in dem dichten Gebüsch etwas zu erkennen war. Ich

fand dadurch bestätigt, was der Führer vorher wiederholt behauptet

hatte: „Wenn die Büffel in der Mittagshitze schlafen, kann man zwei,

drei schießen, bevor sich die Herde erhebt!“ (Vorausgesetzt, daß man

selbst die Büffel sieht!)

Ich betrachtete meine Beute; es war eine Büffelkuh. Die starken Hörner

setzten erst an der Seite des Kopfes an, während die Stirnfläche, die

beim Stier mit Hornwulsten bedeckt ist, nur Fell trug. Der Schädel mit

den Hörnern allein hätte schlecht ausgesehen, ich beschloß deshalb den

Kopf mit Fell bis zur Schulter zu präparieren und machte mich mit zwei

Leuten an die Arbeit, während Irambe Maridadi zum Lager ging, um Leute

zu holen und den Koch und die Boys zu der Lagerstelle von vorgestern

hinzubestellen; ich wollte in der Frühe des nächsten Tages noch einmal

die Hänge absuchen.

Wir arbeiteten drei Stunden lang hart; als die Träger kamen, war die

Kopfhaut abgezogen und der Büffel in vierzehn Fleischlasten zerwirkt,

auch eine große Menge Fett für die Küche bereit. Das starke Fell aber

wurde von den Negern zur Anfertigung von Sandalen begehrt.

Der Abend war nahe, als ich mit drei Leuten aufbrach.

Die Neger rieten davon ab, den Weg zum kleinen Lager zu nehmen, es sei

weiter, als ich glaubte; dennoch blieb ich bei meiner Absicht.

Die Dunkelheit brach herein; der beschwerliche Weg durch Dornen,

Gestrüpp und Gras wollte kein Ende nehmen.

Wie zersetzend wirkte die Müdigkeit auf uns.

Die Neger rieten, liegen zu bleiben, wo wir waren.

Das wollte ich nicht; die Mückenplage, Kälte, Hunger und Durst trieben

mich weiter.

Es war stockdunkel. Nur ein schwacher Schimmer ging von dem trockenen

Steppengrase aus. Der finstere Busch war weit und nah, eine düstere

unbestimmte Masse, mit dem Berg verschwimmend.

Im Morgenlicht. Kriegs-, Jagd- und Reise-Erlebnisse in Ostafrika · 第 27 / 34 题