Links ein Araberhaus. Rechts Negerhütten. Kasuarinen und Kokospalmen.]

Als wir vom Mittagessen aufstanden, wartete ein Araber im Vorraum.

Wir wurden gebeten, einer Begräbnisfeier beizuwohnen. Der reichste

Mann der Insel war in der letzten Nacht an Herzschwäche gestorben.

Sein Vermögen wurde auf 800000 Mk. geschätzt, wovon eine hohe

Erbschaftssteuer der Regierung zugute kommen sollte.

Wir gingen durch die breiten, sauberen Straßen, die von zwei Reihen

dicht belaubter Akazien beschattet wurden. Die Häuser sind aus

Korallenstein gebaut und mit Palmblättern gedeckt. Baumann, in seinem

liebevoll dem Neger angepaßten Geschmack, hatte diese geraden Straßen

verspottet; wir müssen in dieser Anlage einen Fortschritt sehen, denn

mit den dicht belaubten Bäumen wird ebensogut Kühle und Schatten in den

Straßen erreicht, als durch die kreuz und quer durcheinander gebauten

Hütten oder die engen Straßen, wie sie Sansibar hat.

Neger und Araber in großer Menge standen vor dem Hause, in dessen

dunklen Eingang wir genötigt wurden. Als ich von der hellen Straße

in das Dunkel des Hauses trat, stolperte ich über ein Hindernis, und

merkte mit Schrecken, daß es die Leiche war, die man nahe an der Tür

aufgebahrt hatte!

Aus dem Innern des Hauses erscholl ein eintöniges Klagen vieler

Weiberstimmen, das sich steigerte, als die Bahre fortgetragen wurde;

die Leiche war mit kostbaren Tüchern überdeckt. Von beiden Seiten

drängten sich die Freunde des Verstorbenen hinan, um jeder einmal

mitgetragen zu haben. Die Weiber kamen in die Gärten und setzten dort

ihr Geschrei fort; den gleichgültigen Gesichtern glaubte man anzusehen,

daß hinter der Heulerei keine wirkliche Trauer steckte.

Nach arabischer Sitte gehören Frauen nicht in die Moschee, auch nicht

auf den Kirchhof.

[Sidenote: Araberbegräbnis.]

Der Kirchhof war ein Platz an der Straße; einige verfallene Grabmale

standen darauf. Zwischen den Gräbern hatte ein mehr materiell als fromm

denkender Mann schon wieder mit Erfolg Mohogo gepflanzt. Dicht bei der

Moschee war ein etwa drei Meter tiefer Schacht gegraben, an dessen

Sohle nach der Seite hin ein Raum ausgehöhlt war, in dem die Leiche

gerade hineinpaßte, und der durch ein Brett verschlossen werden konnte.

An dem Grabe hielt die Menge. Ein des Korans Kundiger las aus einem

alten Buche vor, und die Umstehenden leierten mit stumpfsnnigen Mienen

den Refrain. -- Drei Männer sprangen in das Grab, ein Tuch wurde

darüber gezogen und unter dem Tuch langsam der Körper des Toten in die

Höhlung hineingeschafft. Keiner darf ihn sehen. Dann langte eine Hand

mehrmals unter dem Tuche hervor und verlangte nach Erde, wahrscheinlich

um das Brett abzustützen.

[Illustration:

Presuhn.

Festungsruinen in Kilwa (Deutsch-Ostafrika).

Portugiesen und Araber haben jahrhundertelang um die Küstenplätze

Ostafrikas gekämpft. Reste alter Kirchen und Festungen stehen in

Mombasa, Kilwa und Mocambique. Das alte Kilwa hatte in seiner Blütezeit

über hundert Moscheen; jetzt wohnen nur einige Neger auf der Insel im

Beaverhafen, der als Anfangspunkt der Bahn nach Wiedhafen in Aussicht

genommen wurde.]

Als ich am Abend zurückfuhr, baten mich zwei Araber, mitfahren zu

dürfen. Sie kamen vom Begräbnis und sagten mir, daß der Tote mit dem

Gesicht nach Mekka in das Grab gelegt würde und der eine fügte hinzu:

„Viele Tote liegen schon in allen Ländern um Mekka herum; jeder hat

seine Hoffnung!“

Ich mußte denselben Weg zurückreiten, den ich am Vormittag gekommen

war; die Dunkelheit brach herein; die Reiher ruhten schon auf den

Zweigen der Sumpfbäume. An einem kleinen See, der vom letzten

Abendlicht beleuchtet wurde, stieg ich eine Weile ab.

Es war ganz still und auch der Seewind war eingeschlafen.

Das Schilfgras reichte weit in den See hinein; ein Saum hochstämmiger

Kokospalmen stand am anderen Ufer.

Im Wasser spiegelten sich die Sterne des Tropenhimmels zwischen

düsteren Pflanzen.

Quer auf dem Arabersattel sitzend, sah ich noch eine Weile zurück, bis

das gewohnte Landschaftsbild mich umgab.

Einmal ging es steil bergan, da hielt der Esel und drehte plötzlich um.

Ich ließ ihm seinen Willen; er ging einige Schritte zurück und dann

seitlich durch das Gebüsch auf einen wenig betretenen Steig. So umging

er die Steigung und kam auf den breiten Weg zurück.

Das selbständige Handeln des Tieres überraschte mich. Der kleine

Bengel, der sich mir angeschlossen hatte, sagte: „Er will nicht fallen,

deshalb sucht er sich seinen eigenen Weg!“

„Ein famoses Tier,“ antwortete ich.

„Es ist der Esel des Jumben,“ entgegnete der Bengel stolz.

Am Strande der Tirenibucht wieder angekommen, machte ich mit

langen, brennenden Palmwedeln Feuersignale, die mit den Lampen des

Nachtsignalapparates vom Kriegsschiff aus erwidert wurden; ein

Ruderboot kam und holte mich an Bord.

In der Messe saßen noch mehrere Kameraden und feierten die Ergebnisse

einer Perlhuhnjagd, die am Nachmittage stattgefunden hatte.

[2] „Der wiedergewonnene Weltteil. Ein neues gemeinsames Indien“.

Berlin 1876. Andere Schriften sind:

„Kann und soll Deutschland eine Dampferflotte haben und Wie“

(1847). -- „Kann und soll ein Neu-Deutschland werden?“ (1861).

-- „Der Fischfang auf hoher See“ (1862). -- „Der Nord- und

Ostseekanal durch Holstein, Deutschlands Doppelpforte zu seinen

Meeren und zum Weltmeere“ (1864) u. a. m.

[3] _Rukhsa_ = du kannst gehen. In Ostafrika gebräuchlicher

Ausdruck.

[4] „_hatuwezi_: _baridi_.“

[5] Makuti = Palmblatt.

[6] Kisuaheli; gebildet aus „_Man of war_“.

[Illustration: Askari meiner Truppe.

Es sind Neger aus verschiedenen Stämmen: Wasukuma, Wamakua, Wanjamwesi,

und sogar Warufiyi aus dem Aufstandsgebiet selbst. Vor der Front steht

ein Sudanese, der Betschausch. Die Askari sind in dünne Khakianzüge

gekleidet und tragen Lederstiefel und Beinwickel. Als Waffe haben sie

das Gewehr Mod. 71 und ein Seitengewehr, das als Bajonett aufgesetzt

werden kann.]

Der Aufstand.

Im Morgenlicht. Kriegs-, Jagd- und Reise-Erlebnisse in Ostafrika · 第 22 / 34 题