III. als Wesen, das mit seiner Erscheinung eins ist, als Wirklichkeit.

Erster Abschnitt. Das Wesen als Reflexion in ihm selbst.

Das Wesen kommt aus dem Seyn her; es ist insofern nicht unmittelbar an

und für sich, sondern ein Resultat jener Bewegung. Oder das Wesen

zunächst als ein unmittelbares genommen, so ist es ein bestimmtes

Daseyn, dem ein anderes gegenüber steht; es ist nur wesentliches Daseyn

gegen unwesentliches. Das Wesen ist aber das an und für sich

aufgehobene Seyn; es ist nur Schein, was ihm gegenüber steht. Allein

der Schein ist das eigene Setzen des Wesens.

Das Wesen ist erstens Reflexion. Die Reflexion bestimmt sich; ihre

Bestimmungen sind ein Gesetztseyn, das zugleich Reflexion in sich ist;

es sind

zweitens diese Reflexions-Bestimmungen oder die Wesenheiten zu

betrachten.

Drittens macht sich das Wesen als die Reflexion des Bestimmens in sich

selbst, zum Grunde, und geht in die Existenz und Erscheinung über.

Erstes Kapitel. Der Schein.

Das Wesen aus dem Seyn herkommend scheint demselben gegenüber zu

stehen; dieß unmittelbare Seyn ist zunächst das Unwesentliche.

Allein es ist zweitens mehr als nur unwesentliches, es ist wesenloses

Seyn, es ist Schein.

Drittens dieser Schein ist nicht ein Äußerliches, dem Wesen Anderes,

sondern er ist sein eigner Schein. Das Scheinen des Wesens in ihm

selbst ist die Reflexion.

A. Das Wesentliche und das Unwesentliche.

Das Wesen ist das aufgehobene Seyn. Es ist einfache Gleichheit mit sich

selbst, aber insofern es die Negation der Sphäre des Seyns überhaupt

ist. So hat das Wesen die Unmittelbarkeit sich gegenüber, als eine

solche, aus der es geworden ist, und die sich in diesem Aufheben

aufbewahrt und erhalten hat. Das Wesen selbst ist in dieser Bestimmung

seyendes, unmittelbares Wesen, und das Seyn nur ein Negatives in

Beziehung auf das Wesen, nicht an und für sich selbst, das Wesen ist

also eine bestimmte Negation. Seyn und Wesen verhalten sich auf diese

Weise wieder als Andere überhaupt zu einander, denn jedes hat ein Seyn,

eine Unmittelbarkeit, die gegen einander gleichgültig sind, und stehen

diesem Seyn nach in gleichem Werthe.

Zugleich aber ist das Seyn im Gegensatze gegen das Wesen, das

Unwesentliche, es hat gegen dasselbe die Bestimmung des Aufgehobenen.

Insofern es sich jedoch zum Wesen nur überhaupt als ein Anderes

verhält, so ist das Wesen nicht eigentlich Wesen, sondern nur ein

anders bestimmtes Daseyn, das Wesentliche.

Der Unterschied von Wesentlichem und Unwesentlichem hat das Wesen in

die Sphäre des Daseyns zurückfallen lassen; indem das Wesen, wie es

zunächst ist, als unmittelbares seyendes, und damit nur als Anderes

bestimmt ist gegen das Seyn. Die Sphäre des Daseyns ist damit zu Grunde

gelegt, und daß das, was das Seyn in diesem Daseyn ist,

An-und-Fürsichseyn ist, ist eine weitere dem Daseyn selbst äußerliche

Bestimmung; so wie umgekehrt das Wesen wohl das An-und-Fürsichseyn ist,

aber nur gegen Anderes, in bestimmter Rücksicht.—Insofern daher an

einem Daseyn ein Wesentliches und ein Unwesentliches von einander

unterschieden werden, so ist dieser Unterschied ein äußerliches Setzen,

eine das Daseyn selbst nicht berührende Absonderung eines Theils

desselben, von einem andern Theile; eine Trennung, die in ein Drittes

fällt. Es ist dabei unbestimmt, was zum Wesentlichen oder

Unwesentlichen gehört. Es ist irgend eine äußerliche Rücksicht und

Betrachtung, die ihn macht, und derselbe Inhalt deswegen bald als

wesentlich, bald als unwesentlich anzusehen.

Genauer betrachtet, wird das Wesen zu einem nur Wesentlichen gegen ein

Unwesentliches dadurch, daß das Wesen nur genommen ist, als

aufgehobenes Seyn oder Daseyn. Das Wesen ist auf diese Weise nur die

erste oder die Negation, welche Bestimmtheit ist, durch welche das Seyn

nur Daseyn, oder das Daseyn nur ein Anderes wird. Das Wesen aber ist

die absolute Negativität des Seyns; es ist das Seyn selbst, aber nicht

nur als ein Anderes bestimmt, sondern das Seyn, das sich sowohl als

unmittelbares Seyn, wie auch als unmittelbare Negation, als Negation,

die mit einem Andersseyn behaftet ist, aufgehoben hat. Das Seyn oder

Daseyn hat sich somit nicht als Anderes, denn das Wesen ist, erhalten,

und das noch vom Wesen unterschiedene Unmittelbare ist nicht bloß ein

unwesentliches Daseyn, sondern das an und für sich nichtige

Unmittelbare; es ist nur ein Unwesen, der Schein.

B. Der Schein.

1. Das Seyn ist Schein. Das Seyn des Scheins besteht allein in dem

Aufgehobenseyn des Seyns, in seiner Nichtigkeit; diese Nichtigkeit hat

es im Wesen, und außer seiner Nichtigkeit, außer dem Wesen ist er

nicht. Er ist das Negative gesetzt, als Negatives.

Der Schein ist der ganze Rest, der noch von der Sphäre des Seyns übrig

geblieben ist. Er scheint aber selbst noch eine vom Wesen unabhängige

unmittelbare Seite zu haben und ein Anderes desselben überhaupt zu

seyn. Das Andere enthält überhaupt die zwei Momente des Daseyns und des

Nichtdaseyns. Das Unwesentliche, indem es nicht mehr ein Seyn hat, so

bleibt ihm vom Andersseyn nur das reine Moment des Nichtdaseyns, der

Schein ist dieß unmittelbare Nichtdaseyn, so in der Bestimmtheit des

Seyns, daß es nur in der Beziehung auf Anderes, in seinem Nichtdaseyn

Daseyn hat; das Unselbstständige, das nur in seiner Negation ist. Es

bleibt ihm also nur die reine Bestimmtheit der Unmittelbarkeit, es ist

als die reflektirte Unmittelbarkeit, das ist, welche nur vermittelst

ihrer Negation ist, und die ihrer Vermittelung gegenüber nichts ist,

als die leere Bestimmung der Unmittelbarkeit des Nichtdaseyns.

So ist der Schein, das Phänomen des Skepticismus oder auch die

Erscheinung des Idealismus eine solche Unmittelbarkeit, die kein Etwas

oder kein Ding ist, überhaupt nicht ein gleichgültiges Seyn, das außer

seiner Bestimmtheit und Beziehung auf das Subjekt wäre. Es ist,

erlaubte sich der Skepticismus nicht zu sagen; der neuere Idealismus

erlaubte sich nicht, die Erkenntnisse, als ein Wissen vom Ding-an-sich

anzusehen; jener Schein sollte überhaupt keine Grundlage eines Seyns

haben, in diese Erkenntnisse sollte nicht das Ding-an-sich eintreten.

Zugleich aber ließ der Skepticismus mannigfaltige Bestimmmungen seines

Scheins zu, oder vielmehr sein Schein hatte den ganzen mannigfaltigen

Reichthum der Welt zum Inhalte. Ebenso begreift die Erscheinung des

Idealismus den ganzen Umfang dieser mannigfaltigen Bestimmtheiten in

sich. Jener Schein und diese Erscheinung sind unmittelbar so

mannigfaltig bestimmt. Diesem Inhalte mag also wohl kein Seyn, kein

Ding, oder Ding-an-sich zu Grunde liegen; er für sich bleibt wie er

ist; er ist nur aus dem Seyn in den Schein übersetzt worden; so daß der

Schein innerhalb seiner selbst jene mannigfaltigen Bestimmtheiten hat,

welche unmittelbare, seyende, andere gegen einander sind. Der Schein

ist also selbst ein unmittelbar Bestimmtes. Er kann diesen oder jenen

Inhalt haben; aber welchen er hat, ist nicht durch ihn selbst gesetzt,

sondern er hat ihn unmittelbar. Der leibnitzische, oder kantische,

fichtesche Idealismus, wie andere Formen desselben, sind so wenig als

der Skepticismus über das Seyn als Bestimmtheit, über diese

Unmittelbarkeit, hinausgekommen. Der Skepticismus läßt sich den Inhalt

seines Scheins geben; es ist unmittelbar für ihn, welchen Inhalt er

haben soll. Die leibnitzische Monade entwickelt aus ihr selbst ihre

Vorstellungen; aber sie ist nicht die erzeugende und verbindende Kraft,

sondern sie steigen in ihr als Blasen auf; sie sind gleichgültig,

unmittelbar gegen einander, und so gegen die Monade selbst. Ebenso ist

die kantische Erscheinung ein gegebener Inhalt der Wahrnehmung, er

setzt Affektionen voraus, Bestimmungen des Subjekts, welche gegen sich

selbst und gegen dasselbe unmittelbar sind. Der unendliche Anstoß des

fichteschen Idealismus mag wohl kein Ding-an-sich zu Grunde liegen

haben, so daß er rein eine Bestimmtheit im Ich wird. Aber diese

Bestimmtheit ist eine dem Ich, das sie zu der seinigen macht und ihre

Äußerlichkeit aufhebt, zugleich unmittelbare, eine Schranke desselben,

über die es hinausgehen kann, welche aber eine Seite der

Gleichgültigkeit an ihr hat, nach der sie ob zwar im Ich, ein

unmittelbares Nichtseyn desselben enthält.-2. Der Schein also enthält

eine unmittelbare Voraussetzung, eine unabhängige Seite gegen das

Wesen. Es ist aber von ihm, insofern er vom Wesen unterschieden ist,

nicht zu zeigen, daß er sich aufhebt und in dasselbe zurückgeht; denn

das Seyn ist in seiner Totalität in das Wesen zurückgegangen; der

Schein ist das an sich nichtige; es ist nur zu zeigen, daß die

Bestimmungen, die ihn vom Wesen unterscheiden, Bestimmungen des Wesens

selbst sind, und ferner, daß diese Bestimmtheit des Wesens, welche der

Schein ist, im Wesen selbst aufgehoben ist.

Es ist die Unmittelbarkeit des Nichtseyns, welche den Schein ausmacht;

dieß Nichtseyn aber ist nichts Anderes als die Negativität des Wesens

an ihm selbst. Das Seyn ist Nichtseyn in dem Wesen. Seine Nichtigkeit

an sich ist die negative Natur des Wesens selbst. Die Unmittelbarkeit

oder Gleichgültigkeit aber, welche dieß Nichtseyn enthält, ist das

eigene absolute Ansichseyn des Wesens. Die Negativität des Wesens ist

seine Gleichheit mit sich selbst, oder seine einfache Unmittelbarkeit

und Gleichgültigkeit. Das Seyn hat sich im Wesen erhalten, insofern

dieses an seiner unendlichen Negativität diese Gleichheit mit sich

selbst hat; hierdurch ist das Wesen selbst das Seyn. Die

Unmittelbarkeit, welche die Bestimmtheit am Scheine gegen das Wesen

hat, ist daher nichts anderes, als die eigene Unmittelbarkeit des

Wesens; aber nicht die seyende Unmittelbarkeit, sondern die schlechthin

vermittelte oder reflektirte Unmittelbarkeit, welche der Schein

ist;—das Seyn nicht als Seyn, sondern nur als die Bestimmtheit des

Seyns, gegen die Vermittlung; das Seyn als Moment.

Diese beiden Momente, die Nichtigkeit aber als Bestehen, und das Seyn

aber als Moment, oder die an sich seyende Negativität und die

reflektirte Unmittelbarkeit, welche die Momente des Scheins ausmachen,

sind somit die Momente des Wesens selbst; es ist nicht ein Schein des

Seyns am Wesen, oder ein Schein des Wesens am Seyn vorhanden, der

Schein im Wesen ist nicht der Schein eines Andern; sondern er ist der

Schein an sich, der Schein des Wesens selbst.

Der Schein ist das Wesen selbst in der Bestimmtheit des Seyns. Das,

wodurch das Wesen einen Schein hat, ist, daß es bestimmt in sich, und

dadurch von seiner absoluten Einheit unterschieden ist. Aber diese

Bestimmtheit ist ebenso schlechthin an ihr selbst aufgehoben. Denn das

Wesen ist das Selbstständige, das ist als durch seine Negation, welche

es selbst ist, sich mit sich vermittelnd; es ist also die identische

Einheit der absoluten Negativität und der Unmittelbarkeit. —Die

Negativität ist die Negativität an sich; sie ist ihre Beziehung auf

sich, so ist sie an sich Unmittelbarkeit; aber sie ist negative

Beziehung auf sich, abstoßendes Negiren ihrer selbst, so ist die an

sich seyende Unmittelbarkeit das Negative oder Bestimmte gegen sie.

Aber diese Bestimmtheit ist selbst die absolute Negativität und dieß

Bestimmen, das unmittelbar als Bestimmen das Aufheben seiner selbst,

Rückkehr in sich ist.

Der Schein ist das Negative, das ein Seyn hat aber in einem Andern, in

seiner Negation; er ist die Unselbstständigkeit, die an ihr selbst

aufgehoben und nichtig ist. So ist er das in sich zurückgehende

Negative, das Unselbstständige, als das an ihm selbst Unselbstständige.

Diese Beziehung des Negativen oder der Unselbstständigkeit auf sich,

ist seine Unmittelbarkeit; sie ist ein Anderes als es selbst; sie ist

seine Bestimmtheit gegen sich, oder sie ist die Negation gegen das

Negative. Aber die Negation gegen das Negative ist die sich nur auf

sich beziehende Negativität, das absolute Aufheben der Bestimmtheit

selbst.

Die Bestimmtheit also, welche der Schein im Wesen ist, ist unendliche

Bestimmtheit; sie ist nur das mit sich zusammengehende Negative; sie

ist so die Bestimmtheit, die als solche die Selbstständigkeit, und

nicht bestimmt ist.—Umgekehrt die Selbstständigkeit als sich auf sich

beziehende Unmittelbarkeit ist ebenso schlechthin Bestimmtheit und

Moment und nur als sich auf sich beziehende Negativität.—Diese

Negativität, die identisch mit der Unmittelbarkeit, und so die

Unmittelbarkeit, die identisch mit der Negativität ist, ist das Wesen.

Der Schein ist also das Wesen selbst, aber das Wesen in einer

Bestimmtheit, aber so daß sie nur sein Moment ist, und das Wesen ist

das Scheinen seiner in sich selbst.

In der Sphäre des Seyns entsteht dem Seyn als unmittelbarem, das

Nichtseyn gleichfalls als unmittelbares gegenüber, und ihre Wahrheit

ist das Werden. In der Sphäre des Wesens findet sich zuerst das Wesen

und das Unwesentliche, dann das Wesen und der Schein gegenüber; das

Unwesentliche und der Schein als Reste des Seyns. Aber sie beide, so

wie der Unterschied des Wesens von ihnen, bestehen in weiter nichts,

als darin, daß das Wesen zuerst, als ein unmittelbares genommen wird,

nicht wie es an sich ist, nämlich nicht als die Unmittelbarkeit, die

als die reine Vermittelung oder als absolute Negativität

Unmittelbarkeit ist. Jene erste Unmittelbarkeit, ist somit nur die

Bestimmtheit der Unmittelbarkeit. Das Aufheben dieser Bestimmtheit des

Wesens besteht daher in nichts weiter, als in dem Aufzeigen, daß das

Unwesentliche nur Schein, und daß das Wesen vielmehr den Schein in sich

selbst enthält, als die unendliche Bewegung in sich, welche seine

Unmittelbarkeit, als die Negativität und seine Negativität als die

Unmittelbarkeit bestimmt und so das Scheinen seiner in sich selbst ist.

Das Wesen in dieser seiner Selbstbewegung ist die Reflexion.

Wissenschaft der Logik — Band 1 · 第 36 / 52 题