C. Das Maaßlose.

Das ausschließende Maaß bleibt in seinem realisirten Fürsichseyn

selbst, mit dem Momente quantitativen Daseyns behaftet, darum des Auf-

und Absteigens an der Skale des Quantums fähig, auf welcher die

Verhältnisse sich ändern. Etwas oder eine Qualität als auf solchem

Verhältnisse beruhend, wird über sich hinaus in das Maaßlose getrieben,

und geht durch die bloße Änderung seiner Größe zu Grunde. Die Größe ist

die Beschaffenheit, an der ein Daseyn mit dem Scheine von

Unverfänglichkeit ergriffen und wodurch es zerstört werden kann.

Das abstrakte Maaßlose ist das Quantum überhaupt als in sich

bestimmungslos, und als nur gleichgültige Bestimmtheit, durch welche

das Maaß nicht verändert wird. In der Knotenlinie der Maaße ist sie

zugleich als specificirend gesetzt; jenes abstrakte Maaßlose hebt sich

zur qualitativen Bestimmtheit auf; das neue Maaßverhältniß, in welches

das zuerst vorhandene übergeht, ist ein Maaßloses in Rücksicht auf

dieses, an ihm selbst aber ebenso eine für sich-seyende Qualität; so

ist die Abwechslung von specifischen Existenzen miteinander und

derselben ebenso mit bloß quantitativbleibenden Verhältnissen

gesetzt,—sofort ins Unendliche. Was also in diesem Übergehen vorhanden

ist, ist sowohl die Negation der specifischen Verhältnisse, als die

Negation des quantitativen Fortgangs selbst; das fürsichseyende

Unendliche.—Die qualitative Unendlichkeit, wie sie am Daseyn ist, war

das Hervorbrechen des Unendlichen am Endlichen, als unmittelbarer

Übergang und Verschwinden des Diesseits in seinem Jenseits. Die

quantitative Unendlichkeit hingegen ist ihrer Bestimmtheit nach schon

die Kontinuität des Quantums, eine Kontinuität desselben über sich

hinaus. Das Qualitativ-Endliche wird zum Unendlichen; das

Quantitativ-Endliche ist sein Jenseits an ihm selbst, und weist über

sich hinaus. Aber diese Unendlichkeit der Specifikation des Maaßes

setzt ebensowohl das Qualitative wie das Quantitative als sich in

einander aufhebend, und damit die erste, unmittelbare Einheit

derselben, welche das Maaß überhaupt ist, als in sich zurückgekehrt und

damit selbst als gesetzt. Das Qualitative, eine specifische Existenz,

geht in eine andere so über, daß nur eine Veränderung der

Größebestimmtheit eines Verhältnisses vorgeht; die Veränderung des

Qualitativen selbst in Qualitatives ist damit als eine äußerliche und

gleichgültige, und als ein Zusammengehen mit sich selbst gesetzt; das

Quantitative hebt sich ohnehin als umschlagend in Qualitatives, das An-

und Für-Sichbestimmtseyn, auf. Diese so sich in ihrem Wechsel der Maaße

in sich selbst kontinuirende Einheit ist die wahrhaft

bestehenbleibende, selbstständige Materie, Sache.

Was hiermit vorhanden ist, ist à) eine und dieselbe Sache, welche als

Grundlage in ihren Unterscheidungen und als perennirend gesetzt ist.

Schon im Quantum überhaupt beginnt dieß Abtrennen des Seyns von seiner

Bestimmtheit; groß ist etwas, als gleichgültig gegen seine seyende

Bestimmtheit. Im Maaße ist die Sache selbst bereits an sich Einheit des

Qualitativen und Quantitativen,—der beiden Momente, die innerhalb der

allgemeinen Sphäre des Seyns, den Unterschied ausmachen, und wovon das

Eine das Jenseits des Andern ist; das perennirende Substrat hat auf

diese Weise zunachst an ihm selbst die Bestimmung seyender

Unendlichkeit. ß) Diese Dieselbigkeit des Substrats ist darin gesetzt,

daß die qualitativen Selbstständigkeiten, in welche die maaßbestimmende

Einheit abgestoßen ist, nur in quantitativen Unterschieden bestehen, so

daß das Substrat sich in dieß sein Unterscheiden kontinuirt; ç) in dem

unendlichen Progresse der Knotenreihe ist die Kontinuirung des

Qualitativen in das quantitative Fortgehen, als in eine gleichgültige

Veränderung, aber ebenso die darin enthaltene Negation des

Qualitativen, und zugleich damit der bloß quantitativen Äußerlichkeit,

gesetzt. Das quantitative Hinausweisen über sich zu einem Andern, als

anderem Quantitativen geht unter in dem Hervortreten eines

Verhältnißmaaßes, einer Qualität, und das qualitative Übergehen hebt

sich eben darin auf, daß die neue Qualität selbst nur ein quantitatives

Verhältniß ist. Dieß Übergehen des Qualitativen und des Quantitativen

in einander geht auf dem Boden ihrer Einheit vor, und der Sinn dieses

Processes ist nur das Daseyn, das Zeigen oder Setzen, daß demselben ein

solches Substrat zu Grunde liegt, welches ihre Einheit sey.

In den Reihen selbstständiger Maaßverhältnisse sind die einseitigen

Glieder der Reihen unmittelbare qualitative Etwas, (die specifischen

Schweren, oder die chemische Stoffe, die basischen oder kalischen, die

sauren z.B.), und dann die Neutralisationen derselben, (- worunter hier

auch die Verbindungen von Stoffen verschiedener specifischer Schwere zu

begreiffen sind—) sind selbstständige und selbst ausschließende

Maaßverhältnisse, gegeneinander gleichgültige Totalitäten

fürsichseyenden Daseyns. Nun sind solche Verhältnisse nur als Knoten

eines und desselben Substrats bestimmt. Damit sind die Maaße und die

damit gesetzten Selbstständigkeiten zu Zuständen herabgesetzt. Die

Veränderung ist nur Änderung eines Zustandes und das Übergehende ist

als darin dasselbe bleibend gesetzt.

Um die Fortbestimmung, welche das Maaß durchloffen hat, zu übersehen,

so fassen sich die Momente derselben so zusammen, daß das Maaß zunächst

die selbst unmittelbare Einheit der Qualität und der Quantität ist als

ein gewöhnliches Quantum, das aber specifisch ist. Hiermit als nicht

auf Anderes, sondern auf sich beziehende Quantitätsbestimmtheit ist es

wesentlich Verhaltniß. Daher ferner enthält es seine Momente als

aufgehobene und ungetrennte in sich; wie immer in einem Begriffe, ist

der Unterschied in demselben so, daß jedes von dessen Momenten selbst

Einheit des Qualitativen und Quantitativen ist. Dieser hiermit reale

Unterschied ergiebt eine Menge von Maaßverhältnissen die als formelle

Totalitäten in sich selbstständig sind. Die Reihen, welche die Seiten

dieser Verhaltnisse bilden, sind für jedes einzelne Glied, das als

einer Seite zugehörig sich zu der ganzen gegenüberstehenden Reihe

verhält, dieselbe konstante Ordnung. Diese, als bloße Ordnung, noch

ganz äußerliche Einheit, zeigt sich zwar als immanente specificirende

Einheit eines fürsichseyenden Maaßes unterschieden von seinen

Specifikationen; aber das specificirende Princip ist noch nicht der

freie Begriff welcher allein seinen Unterschieden immanente Bestimmung

giebt, sondern das Princip ist zunächst nur Substrat, eine Materie, für

deren Unterschiede, um als Totalitäten, zu seyn, d. i. die Natur des

sich selbst gleich bleibenden Substrats in sich zu haben, nur die

äußerliche quantitative Bestimmung vorhanden ist, die sich als

Verschiedenheit der Qualität zugleich zeigt. Die Maaßbestimmnng ist in

dieser Einheit des Substrats mit sich selbst eine aufgehobene, ihre

Qualität ein durch das Quantum (bestimmter, äußerlicher Zustand.—Dieser

Verlauf ist ebensowohl die realisirende Fortbestimmung des Maaßes, als

sie das Herabsetzen desselben zu einem Momente ist.

Drittes Kapitel. Das Werden des Wesens.

A. Die absolute Indifferenz.

Das Seyn ist die abstrakte Gleichgültigkeit, wofür, da sie für sich als

Seyn gedacht werden soll, der Ausdruck Indifferenz gebraucht worden

ist,—an der noch keine Art von Bestimmtheit seyn soll; die reine

Quantität ist die Indifferenz als aller Bestimmungen fähig, so aber daß

diese ihr äußerlich, und sie aus sich keinen Zusammenhang mit denselben

hat; die Indifferenz aber, welche die absolute genannt werden kann,

ist, die durch die Negation aller Bestimmtheiten des Seyns, der

Qualität und Quantität und deren zunächst unmittelbaren Einheit, des

Maaßes, sich mit sich zur einfachen Einheit vermittelt. Die

Bestimmtheit ist an ihr nur noch als Zustand d. i. als ein qualitatives

Äußerliches, das die Indifferenz zum Substrate hat.

Das aber, was so als qualitatives Äußerliches bestimmt worden, ist nur

ein Verschwindendes; als so äußerlich gegen das Seyn ist das

Qualitative als das Gegentheil seiner selbst nur das sich Aufhebende.

Die Bestimmtheit ist auf diese Weise an dem Substrate nur noch gesetzt

als ein leeres Unterscheiden. Aber eben dieß leere Unterscheiden ist

die Indifferenz selbst als Resultat. Und zwar ist sie so das Konkrete,

das in ihm selbst durch die Negation aller Bestimmungen des Seyns mit

sich vermittelte. Als diese Vermittelung enthält sie die Negation und

Verhältniß, und was Zustand hieß, ist ihr immanentes, sich auf sich

beziehendes Unterscheiden; eben die Äußerlichkeit und deren

Verschwinden macht die Einheit des Seyns zur Indifferenz, und ist also

innerhalb dieser, welche damit aufhört, nur Substrat und an ihr selbst

nur abstrakt zu seyn.

B. Die Indifferenz als umgekehrtes Verhältniß ihrer Faktoren.

Es ist nun zu sehen, wie diese Bestimmung der Indifferenz an ihr selbst

und sie damit als fürsichseyend gesetzt ist.

1. Die Reduktion der zunächst als selbstständig geltenden

Maaßverhältnisse begründet Ein Substrat derselben; dieses ist deren

Kontinuirung in einander, somit das untrennbare Selbstständige, das in

seinen Unterschieden ganz vorhanden ist. Für diesen Unterschied sind

die in ihm enthaltenen Bestimmungen, die Qualität und die Quantität

vorhanden, und es kommt ganz nur darauf an, wie diese an ihm gesetzt

sind. Dieß aber ist dadurch bestimmt, daß das Substrat zunächst als

Resultat, und an sich die Vermittelung, aber diese so an ihm noch nicht

als solche gesetzt ist; wodurch dasselbe zunächst Substrat und in

Ansehung der Bestimmtheit als die Indifferenz ist.

Der Unterschied ist daher an ihr wesentlich zunächst der nur

quantitative äußerliche; und es sind zwei unterschiedene Quanta eines

und desselben Substrats, welches auf diese Weise die Summe derselben,

somit selbst als Quantum bestimmt wäre. Die Indifferenz ist aber dieses

feste Maaß, die ansichseyende absolute Grenze nur in Beziehung auf jene

Unterschiede so, daß sie nicht an ihr selbst Quantum wäre, und in

irgend einer Weise als Summe oder auch Exponent Andern, es sey Summen,

Indifferenzen, gegenüber träte. Es ist nur die abstrakte Bestimmtheit,

welche in die Indifferenz fällt; die beiden Quanta um als Momente an

ihr gesetzt zu seyn, sind veränderlich, gleichgültig, größer oder

kleiner gegeneinander. Durch die feste Grenze ihrer Summe beschränkt

aber verhalten sie sich zugleich nicht äußerlich, sondern negativ

gegeneinander; was nun die qualitative Bestimmung ist, in der sie zu

einander stehen. Sie sind darnach im umgekehrten Verhältnisse zu

einander. Von dem frühern formellen umgekehrten Verhältnisse ist dieses

dadurch unterschieden, daß hier das Ganze ein reales Substrat, und jede

der beiden Seiten gesetzt ist, selbst an sich dieß Ganze seyn zu

sollen.

Nach der angegebenen qualitativen Bestimmtheit ist der Unterschied

ferner als von zwei Qualitäten vorhanden, deren eine durch die andere

aufgehoben wird, aber als in Einer Einheit gehalten und sie ausmachend,

von der andern untrennbar ist. Das Substrat selbst ist als die

Indifferenz gleichfalls an sich die Einheit der beiden Qualitäten; jede

der Seiten des Verhältnisses enthält daher ebenso sie beide in sich,

und ist nur durch ein Mehr der einen Qualität und das Weniger der

andern und umgekehrt unterschieden; die eine Qualität ist durch ihr

Quantum, in der einen Seite nur die überwiegende, die andere in der

andern.

Jede Seite ist somit an ihr selbst ein umgekehrtes Verhältniß; dieses

Verhältniß kehrt als formelles an den unterschiedenen Seiten zurück.

Diese Seiten selbst kontinuiren sich so auch nach ihren qualitativen

Bestimmungen in einander, jede der Qualitäten verhält in der andern

sich zu sich selbst, und ist in jeder der beiden Seiten nur in einem

verschiedenen Quantum. Ihr quantitativer Unterschied ist jene

Indifferenz, nach der sie sich in einander kontinuiren, und diese

Kontinuation ist als Dieselbigkeit der Qualitäten in jeder der beiden

Einheiten.—Die Seiten aber, jede als das Ganze der Bestimmungen,

hiermit die Indifferenz selbst enthaltend, sind so gegeneinander

zugleich als selbstständig gesetzt.

2. Das Seyn ist nun als diese Indifferenz, das Bestimmtseyn des Maaßes

nicht mehr in seiner Unmittelbarkeit; sondern dasselbe auf die so eben

aufgezeigte entwickelte Weise;—Indifferenz als es an sich das Ganze der

Bestimmungen des Seyns, welche zu dieser Einheit aufgelöst sind;—ebenso

Daseyn, als Totalität der gesetzten Realisation, in welcher die Momente

selbst die ansichseyende Totalität der Indifferenz, von ihr als ihrer

Einheit getragen, sind. Weil aber die Einheit nur als Indifferenz und

damit nur als an sich festgehalten, und die Momente noch nicht als

fürsichseyend, d. i. noch nicht an ihnen selbst und durcheinander sich

zur Einheit aufhebend, bestimmt sind, so ist damit überhaupt die

Gleichgültigkeit ihrer selbst gegen sich als entwickelte Bestimmtheit

vorhanden.

Dieß so untrennbare Selbstständige ist nun näher zu betrachten. Es ist

immanent in allen seinen Bestimmungen und bleibt in ihnen in der

Einheit mit sich ungetrübt von ihnen, aber hat à) als an sich die

Totalität bleibend die Bestimmtheiten, welche in ihr aufgehoben sind,

nur grundlos an ihr hervortretend. Das Ansich der Indifferenz und dieß

ihr Daseyn ist unverbunden; die Bestimmtheiten zeigen sich auf

unmittelbare Weise an ihr; sie ist ganz in jeder derselben; deren

Unterschied hiermit zunächst als ein aufgehobener, also als

quantitativer gesetzt; aber eben damit nicht als das Abstoßen ihrer von

sich selbst, sie nicht als selbstbestimmend, nur als äußerlich

bestimmtseyend und bestimmtwerdend.

ß) Die beiden Momente sind in umgekehrtem quantitativem Verhältnisse;

—ein Hin- und Hergehen an der Größe, das aber nicht durch die

Indifferenz, welche eben die Gleichgültigkeit dieses Hinund Hergehens

ist, sondern hiermit nur äußerlich bestimmt ist. Es wird auf ein

Anderes hingewiesen, das außerhalb ihr ist und in welchem das Bestimmen

liegt. Das Absolute als Indifferenz hat nach dieser Seite den zweiten

Mangel der quantitativen Form, daß die Bestimmtheit des Unterschieds

nicht durch dasselbe determinirt ist, wie es daran den ersten hat, daß

die Unterschiede an ihm nur überhaupt hervortreten, d. i. das Setzen

desselben etwas Unmittelbares nicht seine Vermittelung mit sich selbst

ist.

ç) Die quantitative Bestimmtheit der Momente, welche nun Seiten des

Verhältnisses sind, macht die Weise ihres Bestehens aus; ihr Daseyn ist

durch diese Gleichgültigkeit dem Übergehen des Qualitativen entnommen.

Aber sie haben ein von diesem ihrem Daseyn verschiedenes, ihr an

sichseyendes Bestehen darin, daß sie an sich die Indifferenz selbst,

jede selbst die Einheit der beiden Qualitäten ist, in welche das

qualitative Moment sich spaltet. Der Unterschied der beiden Seiten

beschränkt sich darauf, daß die eine Qualität in der einen Seite mit

einem Mehr, in der andern mit einem Weniger, und die andere darnach

umgekehrt gesetzt ist. So ist jede Seite an ihr die Totalität der

Indifferenz.—Jede der beiden Qualitäten einzeln für sich genommen,

bleibt gleichfalls dieselbe Summe, welche die Indifferenz ist; sie

kontinuirt sich aus der einen Seite in die andere, und wird durch die

quantitative Grenze, die dabei in ihr gesetzt wird, nicht beschränkt.

Hieran kommen die Bestimmungen in unmittelbaren Gegensatz, welcher sich

zum Widerspruch entwickelt, was nun zu sehen ist.

3. Nämlich jede Qualität tritt innerhalb jeder Seite in die Beziehung

zu der andern, und zwar so daß auch, wie bestimmt worden ist, diese

Beziehung nur ein quantitativer Unterschied seyn soll. Sind beide

Qualitäten selbstständig,—etwa genommen wie von einander unabhängige,

sinnliche Materien, so fällt die ganze Bestimmtheit der Indifferenz

auseinander; ihre Einheit und Totalität wären leere Namen. Sie sind

aber vielmehr zugleich so bestimmt, daß sie in Einer Einheit befaßt,

daß sie untrennbar sind, jede nur Sinn und Realität in dieser einen

qualitativen Beziehung auf die andere hat. Darum nun aber, weil ihre

Quantitativität schlechthin von dieser qualitativen Natur ist, reicht

jede nur so weit, als die andere. Insofern sie als Quanta verschieden

seyn sollten, ginge die eine über die andere hinaus und hätte in ihrem

Mehr ein gleichgültiges Daseyn, welches die andere nicht hätte. Aber in

ihrer qualitativen Beziehung ist jede nur insofern die andere

ist.—Hieraus folgt dieß, daß sie im Gleichgewicht sind, daß um soviel

die eine sich vermehrte oder verminderte, die andere gleichfalls zu-

oder abnähme, und in demselben Verhältnisse zu- oder abnähme.

Aus dem Grunde ihrer qualitativen Beziehung kann es daher zu keinem

quantitativen Unterschiede und keinem Mehr der einen Qualität kommen.

Das Mehr, um welches das eine der in Beziehung stehenden Momente über

das andere hinaus wäre, wäre nur eine haltungslose Bestimmung, oder

dieß Mehr wäre nur wieder das andere selbst; in dieser Gleichheit

beider aber ist keines vorhanden, denn ihr Daseyn sollte nur auf der

Ungleichheit ihres Quantums beruhen.—Jeder dieser seyn sollenden

Faktoren verschwindet ebenso, indem er über den andern hinaus als indem

er ihm gleich seyn soll. Jenes Verschwinden erscheint so, daß von der

quantitativen Vorstellung aus das Gleichgewicht gestört und der eine

Faktor größer genommen wird, als der andere; so ist das Aufheben der

Qualität des andern und seine Haltungslosigkeit gesetzt; der erstere

wird das überwiegende, daß der andere mit beschleunigter

Geschwindigkeit abnimmt und von dem ersten überwältigt wird, dieser

also sich zum einzigen Selbstständigen macht; aber damit sind nicht

mehr zwei Specifische und Faktoren, sondern nur das eine Ganze.

Diese Einheit so gesetzt als die Totalität des Bestimmens, wie sie

selbst darin als Indifferenz bestimmt ist, ist der allseitige

Widerspruch; sie ist somit so zu setzen, als dieser sich selbst

aufhebende Widerspruch, zur fürsichseyenden Selbstständigkeit bestimmt

zu seyn, welche die nicht mehr nur indifferente, sondern die in ihr

selbst immanent negative absolute Einheit zum Resultate und Wahrheit

hat, welche das Wesen ist.

Anmerkung.

Das Verhältniß eines Ganzen, das seine Bestimmtheit in dem

Größenunterschiede qualitativ gegen einander bestimmter Faktoren haben

soll, wird bei der elliptischen Bewegung der Himmelskörper gebraucht.

Dieß Beispiel zeigt zunächst nur zwei Qualitäten im umgekehrten

Verhältnisse zu einander, nicht zwei Seiten, deren jede selbst die

Einheit beider und ihr umgekehrtes Verhältniß wäre. Bei der Festigkeit

der empirischen Grundlage wird die Konsequenz übersehen, auf welche die

in dieselbe gebrachte Theorie führt, nämlich das zu Grunde liegende

Faktum zu zerstören, oder indem dieses, wie gehörig, festgehalten wird,

die Leerheit der Theorie gegen dasselbe darzuthun. Das Ignoriren der

Konsequenz läßt Faktum und die ihm widersprechende Theorie ruhig

nebeneinander bestehen.—Das einfache Faktum ist, daß in der

elliptischen Bewegung der Himmelskörper sich ihre Geschwindigkeit

beschleunigt, indem sie sich dem Perihelium, und sich vermindert, indem

sie sich dem Aphelium nähert. Das Quantitative dieses Faktums ist durch

den unermüdlichen Fleiß des Beobachtens genau bestimmt und dasselbe

weiter auf sein einfaches Gesetz und Formel zurückgeführt, somit alles

geleistet, was wahrhaft an die Theorie zu fordern ist. Aber dieß hat

dem reflektirenden Verstande nicht genügend geschienen. Zur sogenannten

Erklärung des Phänomens und seines Gesetzes werden eine Centripetal-

und Centrifugalkraft, als qualitative Momente der Bewegung in der

krummen Linie, angenommen. Ihr qualitativer Unterschied besteht in der

Entgegensetzung der Richtung, und in quantitativer Rücksicht darin,

indem sie als ungleich bestimmt sind, daß wie die eine zu-, die andere

abnehmen soll, und umgekehrt; dann auch ferner, daß das Verhältniß

derselben wieder umschlage, daß nachdem die Centripetalkraft eine

Zeitlang zugenommen, die Centrifugalkraft aber abgenommen, ein Punkt

eintrete, wo die Centripetalkraft ab-, die Centrifugalkraft dagegen

zunehme. Dieser Vorstellung widerspricht aber das Verhältniß ihrer

wesentlich qualitativen Bestimmtheit gegeneinander. Durch diese sind

sie schlechthin nicht auseinander zu bringen; jede hat nur Bedeutung in

Rücksicht auf die andere; insofern also eine einen Überschuß über die

andere hätte, insofern hätte sie keine Beziehung auf diese und wäre

nicht vorhanden.—Bei der Annahme, daß die eine das einemal größer sey

als die andere, wenn sie als größere in Beziehung auf die kleinere

stünde, tritt das oben Gesagte ein, daß sie absolut das Übergewicht

erhielte, und die andere verschwände; die letztere ist als das

Verschwindende, Haltungslose gesetzt, und an dieser Bestimmung ändert

es nichts, daß das Verschwinden nur allmählig geschehen, und ebenso

wenig, daß so viel sie abnähme an Größe, der erstern zuwachsen soll;

dieses geht mit der andern zu Grunde, da was sie ist allein insofern

ist, insofern die andere ist. Es ist eine sehr einfache Betrachtung,

daß wenn z.B. wie vorgegeben wird, die Centripetalkraft des Körpers,

indem er sich dem Perihelium nähert, zunehmen, die Centrifugalkraft

hingegen um ebenso viel abnehmen soll, die letztere nicht mehr

vermöchte, ihn der erstern zu entreißen, und von seinem Centralkörper

wieder zu entfernen; im Gegentheil da die erstere einmal das

Übergewicht haben soll, so ist die andere überwältigt, und der Körper

wird mit beschleunigter Geschwindigkeit seinem Centralkörper zugeführt.

Wie umgekehrt, wenn die Centrifugalkraft an der unendlichen Nähe des

Apheliums die Oberhand hat, es ebenso widersprechend ist, daß sie nun

im Aphelium selbst von der schwächern überwältigt werden sollte.—Es

erhellt ferner, daß es eine fremde Kraft wäre, welche diese Umkehrung

bewirkte, dieß heißt, daß die bald beschleunigte, bald retardirte

Geschwindigkeit der Bewegung nicht aus der angenommenen Bestimmung

jener Faktoren erkannt oder, wie es genannt wird, erklärt werden könne,

welche gerade deswegen angenommen worden sind, um diesen Unterschied zu

erklären. Die Konsequenz des Verschwindens der einen oder der andern

Richtung und damit der elliptischen Bewegung überhaupt, wird um des

feststehenden Faktums willen, daß diese Bewegung fortdauert und aus der

beschleunigten in die retardirte Geschwindigkeit übergeht, ignorirt und

verborgen. Die Annahme des Umschlagens der Schwäche der

Centripetalkraft im Aphelium in eine überwiegende Stärke gegen die

Centrifugalkraft, und umgekehrt beim Perihelium, enthält Theils

dasjenige, was oben entwickelt worden, daß jede der Seiten des

umgekehrten Verhältnisses an ihr selbst dieß ganze umgekehrte

Verhältniß ist; denn die Seite der Bewegung vom Aphelium zum

Perihelium,—der überwiegend seyn sollenden Centripetalkraft,—soll noch

die Centrifugalkraft enthalten, aber im Abnehmen, wie jene zunimmt; in

eben dem umgekehrten Verhältniß soll sich in der Seite der retardirten

Bewegung die überwiegende und immer überwiegender werdende

Centrifugalkraft zur Centripetalkraft befinden, so daß auf keiner Seite

eine derselben verschwunden sey, sondern nur immer kleiner werde bis

zur Zeit ihres Umschlagens zum Überwiegen über die andere. Es rekurrirt

damit nur an jeder Seite das, was der Mangel an diesem umgekehrten

Verhältniß ist, daß entweder jede Kraft selbstständig für sich genommen

wird, und mit dem bloß äußerlichen Zusammentreffen derselben zu einer

Bewegung, wie im Parallelogramm der Kräfte, die Einheit des Begriffs,

die Natur der Sache, aufgehoben ist, oder daß, indem beide sich

qualitativ durch den Begriff zu einander verhalten, keine ein

gleichgültiges, selbstständiges Bestehen gegen die andere erhalten

kann, was ihr durch ein Mehr zugetheilt werden sollte; die Form der

Intensität, das sogenannte Dynamische, ändert nichts, da es selbst in

dem Quantum seine Bestimmtheit hat, und damit ebenso nur so viel Kraft

äußern kann, d. h. nur insoweit existirt, als es an der

entgegengesetzten Kraft sich gegenüber stehen hat. Theils aber enthält

jenes Umschlagen aus dem Überwiegen in das Gegentheil die Abwechslung

der qualitativen Bestimmung von Positiven und Negativen; das Zunehmen

der einen ist ebenso viel Verlust der andern. Der untrennbare

qualitative Zusammenhang dieses qualitativen Gegensatzes ist in der

Theorie in ein Nacheinander auseinander gerückt; aber damit bleibt sie

die Erklärung dieser Abwechslung sowohl als vornehmlich dieses

Auseinanderrückens selbst schuldig. Der Schein von Einheit, der noch in

dem Zunehmen der einen mit ebenso vielem Abnehmen der andern liegt,

verschwindet hier vollends; es ist ein bloß äußerliches Erfolgen

angegeben, das nur der Konsequenz jenes Zusammenhangs, nach der

insofern die eine überwiegend geworden, die andere verschwinden muß,

widerspricht.

Dasselbe Verhältniß ist auf die Attraktiv- und Repulsivkraft angewendet

worden, um die verschiedene Dichtigkeit der Körper zu begreifen; auch

das umgekehrte Verhältniß der Sensibilität und Irritabilität, hat dazu

dienen sollen, um aus dem Ungleichwerden dieser Faktoren des Lebens die

verschiedenen Bestimmungen des Ganzen, der Gesundheit, wie auch die

Verschiedenheit der Gattungen der Lebendigen zu begreifen. Jedoch die

Verwirrung, und der Galimathias, in welchen sich dieß Erklären, das

eine naturphilosophische Grundlage der Physiologie, Nosologie, und dann

der Zoologie werden sollte, in dem unkritischen Gebrauche dieser

Begriffsbestimmungen verwickelte, hat hier zur Folge gehabt, daß dieser

Formalismus bald wieder aufgegeben worden ist, der in der Wissenschaft

besonders der physikalischen Astronomie in seiner ganzen Ausdehnung

fortgeführt wird.

Insofern die absolute Indifferenz die Grundbestimmung der

spinozistischen Substanz zu seyn scheinen kann, so kann hierüber noch

bemerkt werden, daß sie dieß allerdings in der Rücksicht ist, daß in

beiden alle Bestimmungen des Seyns, wie überhaupt jede weitere konkrete

Unterscheidung von Denken und Ausdehnung u.s.f. als verschwunden

gesetzt werden. Es ist überhaupt gleichgültig, wenn bei der Abstraktion

stehen geblieben werden soll, wie dasjenige, was in diesem Abgrund

untergegangen ist, in seinem Daseyn ausgesehen habe. Aber die Substanz

als Indifferenz ist Theils mit dem Bedürfniß des Bestimmens und mit der

Rücksicht auf dasselbe verbunden; sie soll nicht die Substanz des

Spinoza bleiben, deren einzige Bestimmung das Negative ist, daß in ihr

alles absorbirt sey. Bei Spinoza kommt der Unterschied, die Attribute,

Denken und Ausdehnung, alsdann auch die Modi, die Affekten und alle

übrigen Determinationen, ganz empirisch herbei; es ist der Verstand,

selbst ein Modus, in welchen dieß Unterscheiden fällt; die Attribute

stehen zur Substanz und zu einander in keiner weitern Bestimmtheit, als

daß sie die Substanz ganz ausdrücken, und ihr Inhalt, die Ordnung der

Dinge als ausgedehnter und als Gedanken dieselbe ist. Durch die

Bestimmung der Substanz als Indifferenz kommt aber die Reflexion auf

den Unterschied hinzu, er wird nun gesetzt, als das was er bei Spinoza

an sich ist, nämlich als äußerlicher, und damit näher als

quantitativer. Die Indifferenz bleibt so in ihm wohl sich immanent, wie

die Substanz, —aber abstrakt, nur an sich; der Unterschied ist nicht

ihr immanent, als quantitativer ist er vielmehr das Gegentheil der

Immanenz, und die quantitative Indifferenz ist vielmehr das

Außersichseyn der Einheit. Der Unterschied ist damit auch nicht

qualitativ aufgefaßt, die Substanz nicht als das sich selbst

Unterscheidende, nicht als Subjekt bestimmt. Die nächste Folge in

Rücksicht auf die Kategorie der Indifferenz selbst ist, daß an ihr der

Unterschied von quantitativer und qualitativer Bestimmung auseinander

fällt, wie in der Entwicklung der Indifferenz sich ergab; sie ist die

Auflösung des Maaßes, in welchem beide Momente unmittelbar als eins

gesetzt waren.

Wissenschaft der Logik — Band 1 · 第 34 / 52 题