Das Maaß, wie es so nunmehr reales ist, ist

erstens ein selbstständiges Maaß einer Körperlichkeit, das sich zu

andern verhält und in diesem Verhalten dieselben, so wie damit die

selbstständige Materialität, specificirt. Diese Specifikation, als ein

äußerliches Beziehen zu vielen Andern überhaupt ist das Hervorbringen

anderer Verhältnisse, somit anderer Maaße, und die specifische

Selbstständigkeit bleibt nicht in einem direkten Verhältnisse,

bestehen, sondern geht in specifische Bestimmtheit, die eine Reihe von

Maaßen ist, über.

Zweitens sind die dadurch entstehenden direkten Verhältnisse, an sich

bestimmte und ausschließende Maaße, (Wahlverwandschaften); indem aber

ihr Unterschied von einander zugleich nur quantitativ ist, so ist ein

Fortgang von Verhältnissen vorhanden, der zum Theil bloß äußerlich

quantitativ ist, aber auch durch qualitative Verhältnisse unterbrochen

wird, und eine Knotenlinie von specifischen Selbstständigen bildet.

Drittens aber tritt in diesem Fortgange für das Maaß die Maaßlosigkeit

überhaupt, und bestimmter die Unendlichkeit des Maaßes ein, in welcher

die sich ausschließenden Selbstständigkeiten Eins mit einander sind,

und das Selbstständige in negative Beziehung zu sich selbst tritt.

A. Das Verhältniß selbstständiger Maaße.

Die Maaße heißen nun nicht mehr bloß unmittelbare, sondern

selbstständige, insofern sie an ihnen selbst zu Verhältnissen von

Maaßen, welche specificirt sind, so in diesem Fürsichseyn Etwas,

physikalische, zunächst materielle Dinge sind. Das Ganze, welches ein

Verhältniß solcher Maaße ist, ist aber

a. zunächst selbst unmittelbar; so sind die beiden Seiten, welche als

solche selbstständige Maaße bestimmt sind, außer einander an besondern

Dingen bestehend, und werden äußerlich in Verbindung gesetzt;

b. die selbstständigen Materialitäten sind aber, was sie qualitativ

sind, nur durch die quantitative Bestimmung, die sie als Maaße haben,

somit durch selbst quantitative Beziehung auf andere, als different

dagegen (sogenannte Affinität) und zwar als Glieder einer Reihe solchen

quantitativen Verhaltens bestimmt;

c. dieses gleichgültige mannigfaltige Verhalten schließt sich zugleich

zum ausschließenden Fürsichseyn ab;—sogenannte Wahlverwandschaft.

a. Verbindung zweier Maaße.

Etwas ist in sich als Maaßverhältniß von Quantis bestimmt, welche

ferner Qualitäten zukommen, und das Etwas ist die Beziehung von diesen

Qualitäten. Die eine ist dessen Insichseyn, wonach es ein

Fürsichseyendes,—Materielles—ist, (wie intensiv genommen, das Gewicht,

oder extensiv, die Menge aber von materiellen Theilen); die andere aber

ist die Äußerlichkeit dieses Insichseyns, (das Abstrakte, Ideelle, der

Raum.) Diese Qualitäten sind quantitativ bestimmt, und das Verhältniß

derselben zu einander macht die qualitative Natur des materiellen Etwas

aus;—das Verhältniß des Gewichts zum Volumen, die bestimmte specifische

Schwere. Das Volumen, das Ideelle, ist als die Einheit anzunehmen, das

Intensive aber, das in quantitativer Bestimmtheit und in der

Vergleichung mit jenem als extensive Größe, Menge von fürsichseyenden

Eins erscheint, als die Anzahl.—Das reine qualitative Verhalten der

beiden Größebestimmtheiten, nach einem Potenzenverhältniß ist darin

verschwunden, daß in der Selbstständigkeit des Fürsichseyns

(—materiellen Seyns—) die Unmittelbarkeit zurückgekehrt ist, an welcher

die Größebestimmtheit ein Quantum als solches, und das Verhältniß eines

solchen zu der andern Seite ebenfalls in dem gewöhnlichen Exponenten

eines direkten Verhältnisses bestimmt ist.

Dieser Exponent ist das specifische Quantum des Etwas, aber er ist

unmittelbares Quantum und dieses, damit die specifische Natur von

solchem Etwas, ist nur in der Vergleichung mit andern Exponenten

solcher Verhältnisse bestimmt. Er macht das specifische

An-sich-bestimmtseyn, das innere eigenthümliche Maaß von Etwas aus;

aber indem dieses sein Maaß auf dem Quantum beruht, ist es auch nur als

äußerliche, gleichgültige Bestimmtheit, und solches Etwas ist dadurch

der innerlichen Maaßbestimmung ungeachtet veränderlich. Das Andere, zu

dem es als veränderlich sich verhalten kann, ist nicht eine Menge von

Materie, ein Quantum überhaupt; hiergegen hält sein specifisches

Ansichbestimmtseyn aus, sondern ein Quantum, das zugleich ebenso

Exponent solchen specifischen Verhältnisses ist. Es sind zwei Dinge,

von verschiedenem inneren Maaße, die in Beziehung stehen, und in

Verbindung treten; wie zwei Metalle voll verschiedener specifischer

Schwere;—welche Gleichartigkeit ihrer Natur, daß es z. B. nicht ein

Metall ist, von dessen Verbindung mit Wasser die Rede wäre, sonst zur

Möglichkeit solcher Verbindung erforderlich sey, gehört nicht hierher

zu betrachten.—Einer Seits erhält sich nun jedes der beiden Maaße in

der Veränderung, die an dasselbe durch die Äußerlichkeit des Quantums

kommen sollte, weil es Maaß ist, anderer Seits aber ist dieses

Sich-erhalten selbst ein negatives Verhalten zu diesem Quantum, eine

Specifikation desselben, und da dasselbe Exponent des Maaß

Verhältnisses ist, eine Veränderung des Maaßes selbst und zwar eine

gegenseitige Specifikation.

Nach der bloß quantitativen Bestimmung wäre die Verbindung ein bloßes

Summiren der zwei Größen der einen, und der zwei der andern Qualität,

z.B. die Summe der beiden Gewichte und der beiden Volumen bei der

Verbindung zweier Materien von verschiedener specifischer Schwere, so

daß nicht nur das Gewicht des Gemisches gleich jener Summe bliebe,

sondern auch der Raum, den dasselbe einnimmt, gleich der Summe jener

Räume. Allein nur das Gewicht findet sich als die Summe der Gewichte,

—die vor der Verbindung vorhanden waren; es summirt sich die Seite,

welche als die für sichseyende zum festen Daseyn und damit von

bleibendem unmittelbaren Quantum geworden ist,—das Gewicht der Materie,

oder was für dasselbe nach der Rücksicht der quantitativen Bestimmtheit

gilt, die Menge der materiellen Theile. Aber in die Exponenten fällt

die Veränderung, indem sie der Ausdruck der qualitativen Bestimmtheit,

des Fürsichseyns als Maaß-Verhältnisse sind, welches, indem das Quantum

als solches die zufällige, äußerliche Veränderung durch Zusatz, der

summirt wird, erleidet, zugleich sich als negirend gegen diese

Äußerlichkeit erweist.

Dieses immanente Bestimmen des Quantitativen, da es, wie gezeigt, nicht

am Gewichte erscheinen kann, erweist sich an der andern Qualität,

welche die ideelle Seite des Verhältnisses ist. Für die sinnliche

Wahrnehmung kann es auffallend seyn, daß sich nach der Vermischung

zweier specifisch verschiedener Materien eine Veränderung, —gewöhnlich

eine Verminderung,—des summirten Volumens zeigt; der Raum selbst macht

das Bestehen der außereinanderseyenden Materie aus. Aber dieß Bestehen,

gegen die Negativität, welche das Fürsichseyn in sich enthält, ist das

nicht an sich Seyende, das Veränderliche; der Raum wird auf diese Weise

als das, was er wahrhaft ist, als das Ideelle gesetzt.

Es ist aber hiermit nicht nur die eine der qualitativen Seiten als

veränderlich gesetzt sondern das Maaß selbst, und damit die darauf

gegründete qualitative Bestimmtheit des Etwas hat sich so gezeigt,

nicht an ihm selbst ein Festes zu seyn, sondern, wie das Quantum

überhaupt, seine Bestimmtheit in andern MaaßVerhältnissen zu haben.

b. Das Maaß als Reihe von Maaßverhältnissen.

1. Wenn Etwas, das mit Anderm vereint wird, und ebenso dieß Andere nur

durch die einfache Qualität bestimmt, das wäre, was es ist, so würden

sie in dieser Verbindung nur sich aufheben, aber Etwas, das

Maaßverhältniß in sich ist, ist selbstständig, aber dadurch zugleich

vereinbar mit einem eben solchen; indem es in dieser Einheit aufgehoben

wird, erhält es sich durch sein gleichgültiges, quantitatives Bestehen,

und verhält sich zugleich als specificirendes Moment eines neuen

Maaßverhältnisses. Seine Qualität ist eingehüllt in das Quantitative;

damit ist sie ebenso gleichgültig gegen das andere Maaß, kontinuirt

sich in dasselbe und in das neue gebildete Maaß hinein; der Exponent

des neuen Maaßes ist selbst nur irgend ein Quantum, äußerliche

Bestimmtheit; stellt sich als Gleichgültigkeit darin dar, daß das

specifisch-bestimmte Etwas mit andern eben solchen Maaßen eben

dergleichen Neutralisirungen der beiderseitigen Maaßverhältnisse

eingeht; in nur Einem, von ihm und einem andern gebildeten, drückt sich

seine specifische Eigenthümlichkeit nicht aus.

2. Diese Verbindung mit Mehrern, die gleichfalls Maaße an ihnen sind,

giebt verschiedene Verhältnisse, die also verschiedene Exponenten

haben. Das Selbstständige hat den Exponenten seines

An-sich-bestimmtseyns nur in der Vergleichung mit andern; die

Neutralität mit andern aber macht seine reelle Vergleichung mit

denselben aus; es ist seine Vergleichung mit ihnen durch sich selbst.

Die Exponenten dieser Verhältnisse aber sind verschieden, und es stellt

hiermit seinen qualitativen Exponenten als die—Reihe dieser

verschiedenen Anzahlen dar, zu denen es die Einheit ist;—als eine Reihe

von specifischem Verhalten zu Andern. Der qualitative Exponent als Ein

unmittelbares Quantum drückt eine einzelne Relation aus. Wahrhaft

unterscheidet sich das Selbstständige durch die eigenthümliche Reihe

der Exponenten, die es, als Einheit angenommen, mit andern solchen

Selbstständigen bildet, indem ein anderes derselben ebenso mit

ebendenselben in Beziehung gebracht und als Einheit angenommen, eine

andere Reihe formirt.—Das Verhältniß solcher Reihe innerhalb ihrer

macht nun das Qualitative des Selbstständigen aus.

Insofern nun solches Selbstständiges mit einer Reihe von

Selbstständigen eine Reihe von Exponenten bildet, scheint es zunächst

von einem Andern außer dieser Reihe selbst, mit welchem es verglichen

wird, dadurch unterschieden zu seyn, daß dieses eine andere Reihe von

Exponenten mit denselben Gegenüberstehenden macht. Aber auf diese Weise

wären diese beiden Selbstständigen nicht vergleichbar, insofern jedes

so als Einheit gegen seine Exponenten betrachtet wird, und die beiden

aus dieser Beziehung entstehenden Reihen unbestimmt andere sind. Die

beiden, die als Selbstständige verglichen werden sollen, sind zunächst

gegen einander nur als Quanta unterschieden; ihr Verhältniß zu

bestimmen, bedarf es selbst einer gemeinschaftlichen fürsichseyenden

Einheit. Diese bestimmte Einheit ist nur in dem zu suchen, worin die zu

vergleichenden, wie gezeigt, das specifische Daseyn ihres Maaßes haben,

also in dem Verhältnisse, das die Verhältnissexponenten der Reihe zu

einander haben. Dieß Verhältniß der Exponenten selbst ist aber nur so

für sichseyende, in der That bestimmte Einheit, als die Glieder der

Reihe dasselbe, als ein konstantes Verhältniß unter einander, zu beiden

haben; so kann es ihre gemeinschaftliche Einheit seyn. In ihr also

liegt allein die Vergleichbarkeit der beiden Selbstständigen, die als

sich nicht mit einander neutralisirend, sondern als gleichgültig gegen

einander angenommen wurden. Jedes abgesondert außerhalb der

Vergleichung ist die Einheit der Verhältnisse mit den

gegenüberstehenden Gliedern, welche die Anzahlen gegen jene Einheit

sind, somit die Reihe von Exponenten vorstellen. Diese Reihe ist

dagegen umgekehrt die Einheit für jene beiden, die verglichen

miteinander, Quanta gegeneinander sind; als solche sind sie selbst

verschiedene Anzahlen ihrer so eben aufgezeigten Einheit.

Diejenigen aber ferner, welche mit den gegenüber stehenden unter sich

verglichenen beiden oder vielmehr Vielen überhaupt, die Reihe der

Exponenten des Verhaltens derselben abgeben, sind an ihnen selbst

gleichfalls Selbstständige, jedes ein specifisches Etwas von einem ihm

an sich zuständigen Maaßverhältniß. Sie sind insofern gleichfalls jedes

als Einheit zu nehmen, so daß sie an den erst genannten unter sich bloß

verglichenen Beiden oder vielmehr unbestimmt Mehrern eine Reihe von

Exponenten haben, welche Exponenten die Vergleichungszahlen der so eben

genannten unter sich sind; so wie die Vergleichungszahlen der nun

einzeln auch als selbstständig genommenen unter sich gleichfalls

umgekehrt die Reihe der Exponenten für die Glieder der ersten Reihe

sind. Beide Seiten sind auf diese Weise Reihen, in denen jede Zahl

erstens Einheit überhaupt ist gegen ihre gegenüber stehende Reihe, an

der sie ihr Fürsichbestimmtseyn als eine Reihe von Exponenten hat;

zweitens ist sie selbst einer der Exponenten für jedes Glied der

gegenüberstehenden Reihe; und drittens Vergleichungszahl zu den übrigen

Zahlen ihrer Reihe, und hat als solche Anzahl, die ihr auch als

Exponent zukommt, ihre für-sich-bestimmte Einheit an der gegenüber

stehenden Reihe.

3. In diesem Verhalten ist die Art und Weise wieder gekehrt, wie das

Quantum als fürsichseyend, nämlich als Grad gesetzt ist, einfach zu

seyn, aber die Größebestimmtheit an einem außer ihm seyenden Quantum,

das ein Kreis von Quantis ist, zu haben. Im Maaße aber ist dieß

Äußerliche nicht bloß ein Quantum und ein Kreis voll Quantis, sondern

eine Reihe von Verhältnißzahlen, und das Ganze derselben ist es, worin

das Fürsich-bestimmtseyn des Maaßes liegt. Wie beim Fürsichseyn des

Quantums als Grad der Fall ist, hat in diese Äußerlichkeit seiner

selbst sich die Natur des selbstständigen Maaßes verkehrt. Seine

Beziehung auf sich ist zunächst als unmittelbares Verhältniß, und damit

besteht sogleich seine Gleichgültigkeit gegen Anderes nur in dem

Quantum. In diese Äußerlichkeit fällt daher seine qualitative Seite,

und sein Verhalten zu Anderem wird zu dem, was die specifische

Bestimmung dieses Selbstständigen ausmacht. Sie besteht so schlechthin

in der quantitativen Art und Weise dieses Verhaltens, und diese Art und

Weise ist so sehr durch das Andere als durch es selbst bestimmt, und

dieß Andere ist eine Reihe von Quantis, und es selbst gegenseitig ein

solches. Aber diese Beziehung, in welcher sich zwei Specifische zu

etwas, zu einem Dritten, dem Exponenten, specificiren, enthält ferner

dieß, daß das Eine darin nicht in das Andere übergegangen, also nicht

nur eine Negation überhaupt, sondern Beide darin negativ gesetzt sind,

und indem jedes sich gleichgültig darin erhält, seine Negation auch

wieder negirt ist. Diese ihre qualitative Einheit ist somit für sich

seyende ausschließende Einheit. Die Exponenten, welche zunächst

Vergleichungszahlen unter sich sind, haben in dem Momente des

Ausschließens erst ihre wahrhaft specifische Bestimmtheit gegeneinander

an ihnen und ihr Unterschied wird so zugleich qualitativer Natur. Er

gründet sich aber auf das Quantitative; das Selbstständige verhält sich

erstens nur darum zu einem Mehrern seiner qualitativ andern Seite, weil

es in diesem Verhalten zugleich gleichgültig ist; zweitens ist nun die

neutrale Beziehung durch die in ihr enthaltene Quantitativität nicht

nur Veränderung, sondern als Negation der Negation gesetzt, und

ausschließende Einheit. Dadurch ist die Verwandtschaft eines

Selbstständigen zu den Mehrern der andern Seite nicht mehr eine

indifferente Beziehung, sondern eine Wahlverwandtschaft.

c. Wahlverwandtschaft.

Es ist hier der Ausdruck Wahlverwandtschaft, wie auch im vorhergehenden

Neutralität, Verwandtschaft, gebraucht worden,— Ausdrücke, die sich auf

das chemische Verhältniß beziehen. Denn in der chemischen Sphäre hat

wesentlich das Materielle seine specifische Bestimmtheit in der

Beziehung auf sein Anderes; es existirt nur als diese Differenz. Diese

specifische Beziehung ist ferner an die Quantität gebunden, und ist

zugleich nicht nur die Beziehung auf ein einzelnes Anderes, sondern auf

eine Reihe solcher ihm gegenüberstehenden Differenten; die Verbindungen

mit dieser Reihe beruhen auf einer sogenannten Verwandtschaft mit jedem

Gliede derselben, aber bei dieser Gleichgültigkeit ist zugleich jede

ausschließend gegen andere; welche Beziehung entgegengesetzter

Bestimmungen noch zu betrachten ist.—Es ist aber nicht nur im

Chemischen, daß sich das Specifische in einem Kreise von Verbindungen

darstellt; auch der einzelne Ton hat erst seinen Sinn in dem Verhalten

und der Verbindung mit einem andern und mit der Reihe von andern; die

Harmonie oder Disharmonie in solchem Kreise von Verbindungen macht

seine qualitative Natur aus, welche zugleich auf quantitativen

Verhältnissen beruht, die eine Reihe von Exponenten bilden, und die

Verhältnisse von den beiden specifischen Verhältnissen sind, die jeder

der verbundenen Töne an ihm selbst ist. Der einzelne Ton ist der

Grundton eines Systems, aber ebenso wieder einzelnes Glied im Systeme

jedes andern Grundtons. Die Harmonien sind ausschließende

Wahlverwandtschaften, deren qualitative Eigenthümlichkeit sich aber

ebenso sehr wieder in die Äußerlichkeit bloß quantitativen Fortgehens

auflöst.—Worin aber das Princip eines Maaßes für diejenigen

Verwandtschaften, welche (chemische oder musikalische oder andere)

Wahlverwandtschaften unter und gegen die andern sind, liege, darüber

wird im Folgenden in Betreff der chemischen noch eine Bemerkung

vorkommen; aber diese höhere Frage hängt mit dem Specifischen des

eigentlichen Qualitativen aufs engste zusammen, und gehört in die

besondern Theile der konkreten Naturwissenschaft.

Insofern das Glied einer Reihe seine qualitative Einheit in seinem

Verhalten zu dem Ganzen einer gegenüberstehenden Reihe hat, deren

Glieder aber gegeneinander nur durch das Quantum, nach welchem sie sich

mit jenem neutralisiren, verschieden sind, so ist die speciellere

Bestimmtheit in dieser vielfachen Verwandtschaft gleichfalls nur eine

quantitative. In der Wahlverwandtschaft als ausschließender,

qualitativer Beziehung entnimmt das Verhalten sich diesem quantitativen

Unterschiede. Die nächste Bestimmung, die sich darbietet, ist: daß nach

dem Unterschied der Menge, also der extensiven Größe, der unter den

Gliedern der einen Seite für die Neutralisirung eines Gliedes der

andern Seite Statt findet, sich auch die Wahlverwandtschaft dieses

Gliedes zu den Gliedern der andern Reihe, mit denen allen es in

Verwandtschaft steht, richte. Das Ausschließen als ein festeres

Zusammenhalten gegen andere Möglichkeiten der Verbindung, welches

dadurch begründet wäre, erschiene so umgewandelt in um so viel größere

Intensität, nach der früher nachgewiesenen Identität der Formen von

extensiver und intensiver Größe, als in welchen beiden Formen die

Größenbestimmtheit eine und dieselbe ist. Dieß Umschlagen der

einseitigen Form der extensiven Größe auch in ihre andere, die

intensive, ändert aber an der Natur der Grundbestimmung, welche das

Eine und dasselbe Quantum ist, nichts; so daß hiermit in der That kein

Ausschließen gesetzt wäre, sondern gleichgültig entweder nur Eine

Verbindung oder ebensowohl eine Kombination unbestimmt von wie vielen

Gliedern, wenn nur die Portionen, die von ihnen einträten, in Gemäßheit

ihrer Verhältnisse untereinander dem geforderten Quantum entsprechend

wären, Statt haben könnte.

Allein die Verbindung, die wir auch Neutralisation genannt haben, ist

nicht nur die Form der Intensität; der Exponent ist wesentlich

Maaßbestimmung, und damit ausschließend; die Zahlen haben in dieser

Seite ausschließenden Verhaltens ihre Kontinuität und

Zusammenfließbarkeit mit einander verloren; es ist das Mehr oder

Weniger, was einen negativen Charakter erhält, und der Vorzug, den ein

Exponent gegen andere hat, bleibt nicht in der Größenbestimmtheit

stehen. Ebenso sehr ist aber auch diese andere Seite vorhanden, nach

welcher es einem Momente wieder gleichgültig ist von mehrern ihm

gegenüber stehenden Momenten das neutralisirende Quantum zu erhalten,

von jedem nach seiner specifischen Bestimmtheit gegen das Andere; das

ausschließende, negative Verhalten leidet zugleich diesen Eintrag von

der quantitativen Seite her.—Es ist hiermit ein Umschlagen von

gleichgültigem, bloß quantitativem Verhalten in ein qualitatives und

umgekehrt ein Übergehen des specifischen Bestimmtseyns in das bloß

äußerliche Verhältniß gesetzt;—eine Reihe von Verhältnissen, die bald

bloß quantitativer Natur, bald specifische und Maaße sind.

Anmerkung.

Die chemischen Stoffe sind die eigenthümlichsten Beispiele solcher

Maaße, welche Maaßmomente sind, die dasjenigr, was ihre Bestimmung

ausmacht, allein im Verhalten zu andern haben. Säuren und Kalien oder

Basen überhaupt erscheinen als unmittelbar an sich bestimmte Dinge,

aber vielmehr als unvollkommene Körperelemente, als Bestandtheile, die

eigentlich nicht für sich existiren, sondern nur diese Existenz haben,

ihr isolirtes Bestehen aufzuheben und sich mit einem andern zu

verbinden. Der Unterschied ferner, wodurch sie als selbstständige sind,

besteht nicht in dieser unmittelbaren Qualität, sondern in der

quantitativen Art und Weise des Verhaltens. Er ist nämlich nicht auf

den chemischen Gegensatz von Säure und Kali oder Basis überhaupt,

eingeschränkt, sondern ist zu einem Maaße der Sättigung specificirt,

und besteht in der specifischen Bestimmtheit der Quantität der sich

neutralisirenden Stoffe. Diese Quantitäts-Bestimmung in Rücksicht auf

die Sättigung macht die qualitative Natur eines Stoffes aus, sie macht

ihn zu dem, was er für sich ist, und die Zahl, die dieß ausdrückt, ist

wesentlich einer von mehrern Exponenten für eine gegenüber stehende

Einheit.—Solcher Stoff steht mit einem andern in sogenannter

Verwandtschafft; insofern diese Beziehung rein qualitativer Natur

bliebe, so wäre,—wie die Beziehung der magnetischen Pole oder der

Elektricitäten,—die eine Bestimmtheit nur die negative der andern, und

beide Seiten zeigten sich nicht auch zugleich gleichgültig

gegeneinander. Aber weil die Beziehung auch quantitativer Natur ist,

ist jeder dieser Stoffe fähig mit Mehrern sich zu neutralisiren, und

nicht auf einen gegenüber stehenden eingeschränkt. Es verhält sich

nicht nur die Säure und das Kali oder Basis, sondern Säuren und Kalien

oder Basen zu einander. Sie charakterisiren sich zunächst dadurch gegen

einander, je nachdem eine Säure z.B. von einem Kali mehr bedarf um sich

mit ihm zu sättigen, als eine andere. Aber die fürsichseyende

Selbstständigkeit zeigt sich darin, daß die Verwandtschaften sich

ausschließend verhalten und eine vor der andern den Vorzug hat, indem

für sich eine Säure mit allen Kalien, und umgekehrt, eine Verbindung

eingehen kann. Es macht so den Hauptunterschied einer Säure gegen eine

andere aus, ob sie zu einer Basis eine nähere Verwandtschaft habe, als

eine andere, d. i. eine sogenannte Wahlverwandschaft.

Über die chemischen Verwandtschaften der Säuren und Kalien ist das

Gesetz gefunden worden, daß wenn zwei neutrale Solutionen gemischt

werden, wodurch eine Scheidung und daraus zwei neue Verbindungen

entstehen, diese Produkte gleichfalls neutral sind. Es folgt hieraus,

daß die Mengen von zwei kalischen Basen, die zur Sättigung einer Säure

erfordert werden, in demselben Verhältnisse zur Sättigung einer andern

nöthig sind; überhaupt wenn für ein Kali als Einheit genommen die Reihe

der Verhältnißzahlen bestimmt worden ist, in denen die verschiedenen

Säuren dasselbe sättigen, so ist für jedes andere Kali diese Reihe

dieselbe, nur daß die verschiedenen Kalien gegen einander in

verschiedenen Anzahlen zu nehmen sind;—Anzahlen, die wieder ihrer Seits

eine eben solche beständige Reihe von Exponenten für jede der gegenüber

stehenden Säuren bilden, indem sie ebenso zujeder einzelnen Säure sich

in demselben Verhältnisse beziehen, als zujeder andern. —Fischer hat

zuerst diese Reihen aus den richterischen Arbeiten in ihrer Einfachheit

herausgehoben; s. in s. Anmerkungen zur Übersetzung von Berthollets

Abhandlung über die Gesetze der Verwandtschaft in der Chemie, S. 232.

und Berthollet Statique chimique I. Part. p. 134. ff.—Die, seit dieß

zuerst geschrieben worden, nach allen Seiten hin so sehr ausgebildete

Kenntniß von den Verhältnißzahlen der Mischungen der chemischen

Elemente, hier berücksichtigen zu wollen, würde auch darum eine

Abschweifung seyn, da diese empirische zu einem Theil aber auch nur

hypothetische Erweiterung innerhalb derselben Begriffsbestimmungen

eingeschlossen bleibt. Aber über die dabei gebrauchten Kategorien,

ferner über die Ansichten der chemischen Wahlverwandtschaft selbst und

ihrer Beziehung auf das Quantitative, so wie über den Versuch, dieselbe

auf bestimmte physikalische Qualitäten zu gründen, mögen noch einige

Bemerkungen hinzugefügt werden.

Bekanntlich hat Berthollet die allgemeine Vorstellung von der

Wahlverwandtschaft durch den Begriff von der Wirksamkeit einer

chemischen Masse modificirt. Diese Modification hat, was wohl zu

unterscheiden ist, auf die Quantitäts-Verhältnisse der chemischen

Sättigungs-Gesetze selbst keinen Einfluß, aber das qualitative Moment

der ausschließenden Wahlverwandtschaft als solcher wird nicht nur

geschwächt, sondern vielmehr aufgehoben. Wenn zwei Säuren auf ein Kali

wirken, und diejenige, von welcher gesagt wird, daß sie eine größere

Verwandtschaft zu derselben habe, auch in dem Quantum vorhanden ist,

welches fähig ist, das Quantum der Basis zu sättigen, so erfolgt nach

der Vorstellung der Wahlverwandtschaft nur diese Sättigung; die andere

Säure bleibt ganz unwirksam und von der neutralen Verbindung

ausgeschlossen. Nach jenem Begriffe der Wirksamkeit einer chemischen

Masse hingegen, ist jede von beiden wirksam in einem Verhältniß, das

aus ihrer vorhandenen Menge und ihrer Sättigungsfähigkeit oder

sogenannten Affinität zusammengesetzt ist. Berthollets Untersuchungen

haben die nähern Umstände angegeben, unter welchen die Wirksamkeit der

chemischen Masse aufgehoben wird, und eine (stärker verwandte) Säure

die andere (schwächere) auszutreiben und deren Wirkung auszuschließen,

somit nach dem Sinne der Wahlverwandtschaft thätig zu seyn scheint. Er

hat gezeigt, daß es Umstände, wie die Stärke der Kohäsion,

Unauflösbarkeit der gebildeten Salze im Wasser, sind, unter welchen

jenes Ausschließen Statt findet, nicht die qualitative Natur der

Agentien als solche, —Umstände, welche wieder durch andere Umstände

z.B. die Temperatur in ihrer Wirkung aufgehoben werden können. Mit der

Beseitigung dieser Hindernisse tritt die chemische Masse unverkümmert

in Wirksamkeit, und das, was als rein qualitatives Ausschließen, als

Wahlverwandtschaft erschien, zeigt sich nur in äußerlichen

Modifikationen zu liegen.

Berzelius wäre es vornehmlich, der weiter über diesen Gegenstand zu

hören ist. Derselbe stellt aber in seinem Lehrbuche der Chemie über die

Sache nichts Eigenthümliches und Bestimmteres auf. Es sind die

berthollet'schen Ansichten aufgenommen und wörtlich wiederhohlt, nur

mit der eigenthümlichen Metaphysik einer unkritischen Reflexion

ausstaffirt worden, deren Kategorien also allein sich für die nähere

Betrachtung darbieten. Die Theorie geht über die Erfahrung hinaus, und

erfindet Theils sinnliche Vorstellungen, wie sie nicht selbst in der

Erfahrung gegeben sind, Theils wendet sie Denkbestimmungen an, und

macht sich auf beide Weise zum Gegenstande logischer Kritik. Wir wollen

daher das in jenem Lehrbuche selbst III. Band I. Abth. (übers. von

Wöhler S. 82. ff) über die Theorie Vorgetragene vornehmen. Daselbst nun

liest man, "daß man sich vorstellen müsse, in einer gleichförmig

gemischten Flüssigkeit sey ein jedes Atom vom aufgelösten Körper von

einer gleichen Anzahl von Atomen des Auflösungsmittels umgeben; und

wenn mehrere Substanzen zusammen aufgelöst sind, so müssen sie die

Zwischenräume zwischen den Atomen des Auflösungsmittels unter sich

theilen, so daß, bei einer gleichförmigen Mischung der Flüssigkeit,

eine solche Symmetrie in der Lage der Atome entstehe, daß alle Atome

der einzelnen Körper sich in Beziehung zu den Atomen der andern Körper

in einer gleichförmigen Lage befinden; man könne daher sagen, daß die

Auflösung durch die Symmetrie in der Stellung der Atome, so wie die

Verbindung durch die bestimmten Proportionen charakterisirt sey."—Dieß

wird hierauf durch ein Beispiel der Verbindungen erläutert, die aus

einer Auflösung von Kupferchlorid, zu welcher Schwefelsäure

hinzugesetzt wird, entstehen; aber an diesem Beispiele wird freilich

weder aufgezeigt, daß Atome existiren, noch daß eine Anzahl von Atomen

der aufgelösten Körper Atome der Flüssigkeit umgeben, freie Atome der

beiden Säuren sich um die (mit dem Kupferoxid) verbunden bleibenden

lagern, noch daß die Symmetrie in der Stellung und Lage, noch daß

Zwischenräume zwischen den Atomen existiren,—am allerwenigsten daß die

aufgelösten Substanzen die Zwischenräume der Atome des

Auflösungsmittels unter sich theilen. Dieß hiesse, daß die aufgelösten

da ihre Stellung nehmen, wo das Auflösungsmittel nicht ist,—denn die

Zwischenräume desselben sind die von ihm leeren Räume,—somit daß die

aufgelösten Substanzen sich nicht im Auflösungsmittel befinden, sondern

wenn auch dasselbe umgebend und umlagernd, oder von demselben umgeben

und umlagert,—außerhalb desselben, also gewiß auch von ihm nicht

aufgelöst sind. Man sieht somit nicht ein, daß man sich solche

Vorstellungen machen müsse, welche in der Erfahrung nicht aufgezeigt

sind, im Wesentlichen sich sogleich widersprechen, und sonst auf andere

Weise nicht erhärtet sind. Dieß könnte nur durch die Betrachtung dieser

Vorstellungen selbst, d. i. durch Metaphysik, welche Logik ist,

geschehen, durch diese aber werden sie so wenig als durch die Erfahrung

bestätigt,—im Gegentheil!—Übrigens giebt Berzelius zu, was auch oben

gesagt worden, daß die Sätze Berthollets der Theorie von den bestimmten

Proportionen nicht entgegen seyen,—er fügt freilich hinzu, daß sie auch

den Ansichten von der Korpuskularphilosophie, d. i. der vorhin

angeführten Vorstellungen von den Atomen, der Erfüllung der

Zwischenräume der auflösenden Flüssigkeit durch die Atome der festen

Körper u.s.f. nicht entgegen seyen,—diese letztere grundlose Metaphysik

hat aber wesentlich nichts mit den Proportionen der Sättigung selbst zu

thun. Das Specifische, was in den Sättigungsgesetzen ausgedrückt ist,

betrifft somit nur die Menge von selbst quantitativen Einheiten (nicht

Atomen) eines Körpers, mit welcher sich die quantitative Einheit

(ebenso wenig ein Atom) eines andern gegen erstern chemisch differenten

Körpers neutralisirt; die Verschiedenheit besteht allein in diesen

verschiedenen Proportionen. Wenn dann Berzelius, ungeachtet seine

Proportionenlehre ganz nur eine Bestimmung von Mengen ist, doch auch

von Affinitätsgraden spricht, z.B. S. 86. indem er die chemische Masse

Berthollets als die Summe des Affinitätsgrades aus der vorhandenen

Quantität des wirksamen Körpers erklärt, statt dessen Berthollet

consequenter den Ausdruck capacité de saturation gebraucht, so verfällt

er damit selbst in die Form intensiver Größe. Dieß ist aber die Form,

welche das Eigenthümliche der sogenannten dynamischen Philosophie

ausmacht, die er früher S. 29. a. a. O. "die speculative Philosophie

gewisser deutschen Schulen" nennt, und zum Besten der vortrefflichen

"Korpuskularphilosophie" nachdrücklich verwirft. Von dieser dynamischen

Philosophie giebt er dort an, daß sie annehme, die Elemente in ihrer

chemischen Vereinigung durchdringen sich, und die Neutralisation

bestehe in dieser gegenseitigen Durchdringung; dieß heißt nichts

Anders, als daß die chemisch differenten Partikeln, die als Menge

gegeneinander sind, in die Einfachheit einer intensiven Größe

zusammengehen, was sich auch als Verminderung des Volums kund giebt.

Dagegen sollen in der Korpuskulartheorie auch die chemisch verbundenen

Atome sich in den Zwischenräumen, d. h. außereinander erhalten,

(Juxtaposition); Grad der Affinität hat in solchem Verhalten als einer

nur extensiven Größe, eines Perennirens von Menge, keinen Sinn. Wenn

ebendas angegeben wird, daß die Erscheinungen der bestimmten

Proportionen für die dynamische Ansicht ganz unvorgesehen gekommen

seyen, so wäre dieß nur ein äußerlicher historischer Umstand, abgesehen

davon, daß die richterschen stöchiometrischen Reihen, in der

fischerschen Zusammenstellung bereits Berthollet bekannt und in der

ersten Ausg. dieser Logik, welche die Nichtigkeit der Kategorien

erweist, auf denen die alte wie die neuseynwolleude Korpuskulartheorie

beruht, angeführt sind. Irrthümlich aber urtheilt Berzelius als ob

unter der Herrschaft "der dynamischen Ansicht" die Erscheinungen der

bestimmten Proportionen "für immer" unbekannt geblieben wären,—in dem

Sinne, daß jene Ansicht sich nicht mit der Bestimmtheit der

Proportionen vertrüge. Diese ist auf allen Fall nur Größebestimmtheit,

gleichgültig ob in extensiver und intensiver Form, —so daß auch

Berzelius, so sehr er an der erstern Form, der Menge, hängt, selbst die

Vorstellung von Affinitätsgraden gebraucht.

Indem hiermit die Verwandschaft auf den quantitativen Unterschied

zurückgeführt ist, ist sie als Wahlverwandschaft aufgehoben; das

Ausschließende aber, das bei derselben Statt findet, ist auf Umstände

zurückgeführt, d. i. auf Bestimmungen, welche als etwas der

Verwandschaft Äußerliches erscheinen, auf Kohäsion, Unauflöslichkeit

der zu Stande gekommenen Verbindungen u.s.f. Es kann mit dieser

Vorstellung zum Theil das Verfahren bei der Betrachtung der Wirkung der

Schwere verglichen werden, wo das, was an sich der Schwere selbst

zukommt, daß der bewegte Pendel durch sie nothwendig zur Ruhe übergeht,

nur als der zugleich vorhandene Umstand des äußern Widerstands der Luft

des Fadens u.s.f. genommen und der Reibung allein statt der Schwere

zugeschrieben wird.—Hier für die Natur des Qualitativen, welches in der

Wahlverwandschaft liegt, macht es keinen Unterschied, ob dasselbe in

der Form jener Umstände als seiner Bedingungen erscheint und aufgefaßt

wird. Es beginnt mit dem Qualitativen als solchen eine neue Ordnung,

deren Specifikation nicht mehr nur quantitativer Unterschied ist.

Wenn nun sonach der Unterschied der chemischen Affinität in einer Reihe

quantitativer Verhältnisse sich genau feststellt gegen die

Wahlverwandsehaft als eintretender qualitativer Bestimmtheit, deren

Verhalten mit jener Ordnung keineswegs zusammenfällt, so wird dieser

Unterschied wieder in völlige Verwirrung durch die Art geworfen, in

welcher mit dem chemischen Verhalten das elektrische in neuern Zeiten

in Verbindung gebracht wird, und die Hoffnung von diesem tiefer seyn

sollenden Princip aus über das wichtigste, das Maaßverhältniß, einen

Aufschluß zu erhalten, wird gänzlich getäuscht. Diese Theorie, in

welcher die Erscheinungen der Elektricität und des Chemismus vollkommen

identificirt werden, insofern sie das Physikalische und nicht bloß die

Maaßverhältnisse betrifft, ist hier nicht in nähere Betrachtung zu

nehmen, und nur insofern zu erwähnen, als die Unterschiedenheit der

Maaßbestimmungen dadurch verworren wird. Für sich selbst ist sie seicht

zu nennen, weil die Seichtigkeit darin besteht, das Verschiedene mit

Weglassung der Verschiedenheit identisch zu nehmen. War hierbei die

Affinität betrifft, so ist sie, indem so chemische Processe mit

elektrischen, ingleichen mit Feuer und Licht-Erscheinungen,

identificirt werden, "auf Neutralisation entgegengesetzter

Electricitäten" reducirt worden. Die Identifikation der Elektricität

und des Chemismus selbst ist es beinahe komisch (S. 63. a. a. O.) in

folgender Weise dargestellt zu finden, daß "die eletrischen Phänomene

wohl die Wirkung der Körper auf größern oder geringern Abstand, ihre

Anziehung vor der Vereinigung (d. i. das noch nicht chemische

Verhalten)—und das durch diese Vereinigung entstehende Feuer (?) wohl

erklären, aber uns über die Ursache der mit einer so großen Kraft, nach

Vernichtung des entgegengesetzten elektrischen Zustandes, fortdauernden

Vereinigung der Körper keinen Aufschluß geben;" d. h. die Theorie giebt

den Aufschluß, daß die Electricität die Ursache des chemischen

Verhaltens sey, daß aber die Electricität über das, was im chemischen

Processe chemisch ist, keinen Aufschluß gebe.—Damit, daß die chemische

Differenz überhaupt auf den Gegensatz positiver und negativer

Elektricität zurückgeführt wird, wird die Affinitätsverschiedenheit der

auf die eine und auf die andere Seite fallenden Agentien unter sich als

die Ordnung von zwei Reihen elektropositiver und elektronegativer

Körper bestimmt. Bei dem Identificiren der Elektricität und des

Chemismus ihrer allgemeinen Bestimmung nach, wird schon dieß übersehen,

daß die erstere überhaupt und deren Neutralisirung flüchtig ist und der

Qualität der Körper äußerlich bleibt, der Chemismus in seiner Aktion

und besonders in der Neutralisation die ganze qualitative Natur der

Körper in Anspruch nimmt und alterirt. Ebenso flüchtig ist innerhalb

der Elektricität ihr Gegensatz von positiver und negativer; er ist ein

so Unstätes, daß er von den geringsten äußerlichen Umständen abhängig

ist, und in keinen Vergleich gestellt werden kann mit der Bestimmtheit

und Festigkeit des Gegensatzes von Säuren z.B. gegen die Metalle u.s.w.

Die Veränderlichkeit, die in diesem chemischen Verhalten, durch höchst

gewaltsame Einwirkungen z.B. einer erhöhten Temperatur u.s.f. statt

finden kann, steht in keinem Vergleich mit der Oberflächlichkeit des

elektrischen Gegensatzes. Der fernere Unterschied nun innerhalb der

Reihe jeder der beiden Seiten zwischen mehr oder weniger

positiv-elektrischer, oder mehr oder weniger negativ-elektrischer

Beschaffenheit, ist vollends sowohl ein völlig Unsicheres als

Unkonstatirtes. Aus diesen Reihen der Körper aber (Berzelius am ang.

Ort S. 64. f.) "nach ihren elektrischen Dispositionen soll das

elektrochemische System entstehen, welches sich von allen am besten

eigne, eine Idee voll der Chemie zu geben;" diese Reihen werden nun

angegeben; wie sie aber in der That beschaffen sind, darüber wird S.

67. hinzugefügt:

"daß dieß ungefähr die Ordnung dieser Körper sey, aber diese Materie

sey so wenig untersucht, daß sich noch nichts ganz Gewisses

hinsichtlich dieser relativen Ordnung bestimmen lasse."—Sowohl die

Verhältnißzahlen jener (von Richter zuerst gemachten) Affinitätsreihen,

als die höchst interessante von Berzelius aufgestellte Reduktion der

Verbindungen von zwei Körpern auf die Einfachheit weniger quantitativen

Verhältnisse sind ganz und gar unabhängig von jenem elektrochemisch

seyn sollenden Gebräue. Wenn in jenen Proportionen und in deren seit

Richter nach allen Seiten hin gewonnenen Ausdehnung der experimentale

Weg der richtige Leitstern gewesen, so kontrastirt für sich damit

umsomehr die Vermischung dieser großen Entdeckungen mit der außer dem

Weg der Erfahrung liegenden Öde der sogenannten Korpuskulartheorie; nur

dieser Anfang, das Princip der Erfahrung zu verlassen, konnte es

motiviren, noch weiter jenen früher von Ritter vornehmlich angefangenen

Einfall wieder aufzunehmen, feste Ordnungen von elektropositiven und

elektronegativen Körpern, die zugleich chemische Bedeutung haben

sollten, aufzustellen.

Schon die Nichtigkeit der Grundlage, die für die chemische Affinität in

dem Gegensatze von elektropositiven und elektronegativen Körpern, wenn

dieser für sieh auch faktisch richtiger wäre, als er ist, angenommen

wird, zeigt sich bald selbst auf dem experimentalen Wege, was denn aber

wieder zu weiterer Inkonsequenz führt. Es wird S. 73. (a. a. O.)

zugestanden, daß zwei sogenannte elektronegative Körper, wie Schwefel

und Sauerstoff auf eine viel innigere Art sich mit einander verbinden,

als z.B. der Sauerstoff und das Kupfer, obgleich letzteres

elektropositiv sey. Die auf den allgemeinen Gegensatz von positiver und

negativer-Elektricität basirte Grundlage für die Affinität muß hier

hiermit gegen ein bloßes Mehr oder Weniger innerhalb Einer und

derselben Reihe von elektrischer Bestimmtheit zurückgestellt werden.

Der Verwandschaftsgrad der Körper, wird nun hieraus geschlossen, hänge

demnach nicht allein von ihrer specifischen Unipolarität (mit welcher

Hypothese diese Bestimmung zusammenhängt, thut hierher nichts, sie gilt

hier nur für das Entweder des Positiven und das Oder des Negativen) ab;

der Verwandschaftsgrad müsse hauptsächlich von der Intensität ihrer

Polarität im Allgemeinen hergeleitet werden. Hier geht somit näher die

Betrachtung der Affinität zu dem Verhältniß der Wahlverwandschaft über,

um die uns vornehmlich zu thun ist; sehen wir, was sich denn für diese

nun ergiebt. Indem sogleich (ebendas. S. 73.) zugestanden wird, daß der

Grad dieser Polarität, wenn sie nicht bloß in unserer Vorstellung

existire, keine konstante Quantität zu seyn scheine, sondern sehr von

der Temperatur abhänge, so findet sich nach allem diesem als Resultat

angegeben, nicht nur, daß jede chemische Wirkung so ihrem Grunde nach

ein elektrisches Phänomensey, sondern auch was Wirkung der sogenannten

Wahlverwandschaft zu seyn scheine, nur durch eine in gewissen Körpern

stärker, als in andren vorhandene elektrische Polarität bewirkt werde.

Zum Beschlusse des bisherigen Herumwindens in hypothetischen

Vorstellungen bleibt es somit bei der Kategorie stärkerer Intensität,

welche dasselbe Formelle als die Wahlverwandschaft überhaupt ist, und

diese damit, daß sie auf eine stärkere Intensität elektrischer

Polarität gestellt wird, im geringsten nicht weiter auf einen

physikalschen Grund bringt als vorher. Aber auch das was hier als

größere specifische Intensität bestimmt seyn soll, wird späterhin nur

auf die bereits angeführten, von Berthollet aufgezeigten Modifikationen

zurückgeführt.

Das Verdienst und der Ruhm von Berzelius wegen der auf alle chemischen

Verhältnisse ausgedehnten Proportionenlehre durfte für sich kein

Abhaltungsgrund seyn, die Blöße der angeführten Theorie auseinander zu

setzen; ein näherer Grund aber, dieß zu thun, muß der Umstand seyn, daß

solches Verdienst in einer Seite der Wissenschaft, wie bei Newton,

Autorität für ein damit in Zusammenhang gesetztes grundloses Gebäude

von schlechten Kategorien zu werden pflegt, und daß gerade solche

Metaphysik dasjenige ist, was mit der größten Prätension ausgegeben und

ebenso nachgesprochen wird.

Außer den Formen des Maaßverhältnisses, die sich auf die chemische

Affinität und Wahlverwandschaft beziehen, können auch noch andere in

Rücksicht auf Quantitäten, die sich zu einem System qualificiren,

betrachtet werden. Die chemischen Körper bilden in Beziehung auf

Sättigung ein System von Verhältnissen; die Sättigung selbst beruht auf

der bestimmten Proportion, in welcher die beiderseitigen Mengen, die

eine besondere materielle Existenz gegeneinander haben, sich verbinden.

Aber es giebt auch Maaßverhältnisse, deren Momente untrennbar sind und

nicht in einer eignen von einander verschiedenen Existenz dargestellt

werden können. Diese sind das, was vorhin die unmittelbaren

selbstständigen Maaße genannt, und die in den specifischen Schweren der

Körper repräsentirt sind.—Sie sind innerhalb der Körper ein Verhältniß

von Gewicht zum Volumen; der Verhältnissexponent, welcher die

Bestimmtheit einer speeifischen Schwere zum Unterschiede von andern

ausdrückt, ist bestimmtes Quantum nur der Vergleichung, ein ihnen

äußeres Verhältniß in einer äußern Reflexion, das sich nicht auf das

eigne qualitative Verhalten zu einer gegenüber stehenden Existenz

gründet. Es wäre die Aufgabe vorhanden, die Verhältnißexponenten der

Reihe der specifischen Schweren, als ein System aus einer Regel zu

erkennen, welche eine bloß arithmetische Vielheit zu einer Reihe

harmonischer Knoten specificirte.—Dieselbe Forderung fände für die

Erkenntniß der angeführten chemischen Verwandtschaftsreihen statt. Aber

die Wissenschaft hat noch weit, um dahin zu gelangen, soweit als dahin,

die Zahlen der Entfernungen der Planeten des Sonnensystems in einem

Maaßsysteme zu fassen.

Die specifischen Schweren, ob sie gleich zunächst kein qualitatives

Verhältniß zu einander zu haben scheinen, treten jedoch gleichfalls in

qualitative Beziehung. Indem die Körper chemisch verbunden, auch nur

amalgamirt oder synsomatisirt werden, zeigt sich gleichfalls eine

Neutralisation der specifischen Schweren. Es ist vorhin die Erscheinung

angeführt worden, daß das Volumen, auch des Gemisches von chemisch

gegen einander eigentlich gleichgültig bleibenden Materien, nicht von

gleicher Größe mit der Summe des Volumens derselben vor der Vermischung

ist. Sie modificiren in dieser gegenseitig das Quantum der

Bestimmtheit, mit dem sie in die Beziehung eintreten, und geben sich

auf diese Weise als sich qualitativ verhaltend gegen einander kund.

Hier äußert sich das Quantum der specifischen Schwere nicht bloß als

eine fixe Vergleichungszahl, sondern als eine Verhältnißzahl, die

verrückbar ist; und die Exponenten der Gemische geben Reihen von

Maaßen, deren Fortgang von einem andern Princip bestimmt wird, als den

Verhältnißzahlen der specifischen Schweren, die miteinander verbunden

werden. Die Exponenten dieser Verhältnisse sind nicht ausschließende

Maaßbestimmungen; ihr Fortgang ist ein kontinuirlicher, aber enthält

ein specificirendes Gesetz in sich, das von den formell fortgehenden

Verhältnissen, in denen die Mengen verbunden werden, verschieden und

jenen Fortgang mit diesem inkommensurabel macht.

B. Knotenlinie von Maaßverhältnissen.

Die letzte Bestimmung des Maaßverhältnisses war, daß es als specifisch

ausschließend ist; das Ausschließen kommt der Neutralität als negativer

Einheit der unterschiedenen Momente zu. Für diese fürsichseyende

Einheit, die Wahlverwandtschaft, hat sich in Ansehung ihrer Beziehung

auf die andern Neutralitäten kein weiteres Princip der Specifikation

ergeben; diese bleibt nur in der quantitativen Bestimmung der Affinität

überhaupt, nach der es bestimmte Mengen sind, welche sich

neutralisiren, und damit anderen relativen Wahlverwandtschaften ihrer

Momente gegenüberstehen. Aber ferner um der quantitativen

Grundbestimmung willen kontinuirt sich die ausschließende

Wahlverwandtschaft auch in die ihr andern Neutralitäten, und diese

Kontinuität ist nicht nur äußerliche Beziehung der verschiedenen

Neutralitäts-Verhältnisse, als eine Vergleichung, sondern die

Neutralität hat als solche eine Trennbarkeit in ihr, indem die, aus

deren Einheit sie geworden ist, als selbstständige Etwas, jedes als

gleichgültig, mit diesem oder mit andern der gegenüberstehenden Reihe,

ob zwar in verschiedenen specifisch bestimmten Mengen sich zu

verbinden, in Beziehung treten. Dadurch ist dieß Maaß, das auf einem

solchen Verhältnisse in ihm selbst beruht, mit eigner Gleichgültigkeit

behaftet; es ist ein an ihm selbst Äußerliches und in seiner Beziehung

auf sich ein Veränderliches.

Diese Beziehung des Verhältnißmaaßes auf sich ist verschieden von

seiner Äußerlichkeit und Veränderlichkeit, als seiner quantitativen

Seite, es ist als Beziehung auf sich gegen diese, eine seyende,

qualitative Grundlage;—bleibendes, materielles Substrat, welches,

zugleich als die Kontinuität des Maaßes in seiner Äußerlichkeit mit

sich selbst, in seiner Qualität jenes Princip der Specification dieser

Äußerlichkeit enthalten müßte. Das ausschließende Maaß nach dieser

nähern Bestimmung nun, in seinem Fürsichseyn sich äußerlich, stößt sich

von sich selbst ab, setzt sich sowohl als ein anderes nur

quantitatives, als auch als ein solches anderes Verhältniß, das

zugleich ein anderes Maaß ist; ist als an sich selbst specificirende

Einheit bestimmt, welche an ihr Maaßverhältnisse producirt. Diese

Verhältnisse sind von der obigen Art der Affinitäten, in welchen ein

Selbstständiges sich zu Selbstständigen anderer Qualität und zu einer

Reihe solcher verhält, verschieden; sie finden an einem und demselben

Substrate, innerhalb derselben Momente der Neutralität statt; das Maaß

bestimmt sich von sich abstoßend zu andern nur quantitativ

verschiedenen Verhältnissen, welche gleichfalls Affinitäten und Maaße

bilden abwechselnd mit solchen, welche nur quantitative

Verschiedenheiten bleiben. Sie bilden auf solche Weise eine Knotenlinie

von Maaßen auf einer Skale des Mehr und Weniger.

Es ist ein Maaßverhältniß vorhanden; eine selbstständige Realität, die

qualitativ von andern unterschieden ist. Ein solches Fürsichseyn ist,

weil es zugleich wesentlich ein Verhältniß von Quantis ist, der

Äußerlichkeit und der Quantumsveränderung offen; es hat eine Weite,

innerhalb deren es gegen diese Veränderung gleichgültig bleibt und

seine Qualität nicht ändert. Aber es tritt ein Punkt dieser Änderung

des Quantitativen ein, auf welchem die Qualität geändert wird, das

Quantum sich als specificirend erweist, so daß das veränderte

quantitative Verhältniß in ein Maaß und damit in eine neue Qualität,

ein neues Etwas, umgeschlagen ist. Das Verhältniß, das an die Stelle

des ersten getreten, ist durch dieses bestimmt Theils nach der

qualitativen Dieselbigkeit der Momente, die in Affinität stehen, Theils

nach der quantitativen Kontinuität. Aber indem der Unterschied in

dieses Quantitative fällt, verhält sich das neue Etwas gleichgültig

gegen das Vorhergehende, ihr Unterschied ist der äußerliche des

Quantums. Es ist also nicht aus dem vorhergehenden, sondern unmittelbar

aus sich hervorgetreten; d. i. aus der innerlichen, noch nicht ins

Daseyn getretenen specificirenden Einheit. —Die neue Qualität oder das

neue Etwas ist demselben Fortgange seiner Veränderung unterworfen und

sofort ins Unendliche.

Insofern der Fortgang von einer Qualität in stätiger Kontinuität der

Quantität ist, sind die einem qualificirenden Punkte sich nähernden

Verhältnisse quantitativ betrachtet, nur durch das Mehr und Weniger

unterschieden. Die Veränderung ist nach dieser Seite ['Seice' bei

Henning/A.R.] eine allmählige. Aber die Allmähligkeit betrifft bloß das

Äußerliche der Veränderung, nicht das Qualitative derselben; das

vorhergehende quantitative Verhältniß, das dem folgenden unendlich nahe

ist, ist noch ein anderes qualitatives Daseyn. Nach der qualitativen

Seite wird daher das bloß quantitative Fortgehen der Allmähligkeit, das

keine Grenze an sich selbst ist, absolut abgebrochen; indem die neu

eintretende Qualität nach ihrer bloß quantitativen Beziehung eine gegen

die verschwindende unbestimmt andere, eine gleichgültige ist, ist der

Übergang ein Sprung; beide sind s als völlig äußerliche gegeneinander

gesetzt.—Man sucht sich gern durch die Allmähligkeit des Übergangs eine

Veränderung begreiflich zu machen; aber vielmehr ist die Allmähligkeit

gerade die bloß gleichgültige Änderung, das Gegentheil der

qualitativen. In der Allmähligkeit ist vielmehr der Zusammenhang der

beiden Realitäten, —sie werden als Zustände, oder als selbstständige

Dinge genommen, —aufgehoben; es ist gesetzt, daß keine die Grenze der

andern, sondern eine der andern schlechthin äußerlich ist; hiermit wird

gerade das, was zum Begreiffen nöthig ist, wenn auch noch so wenig dazu

erfordert wird, entfernt.

Anmerkung.

Das natürliche Zahlensystem zeigt schon eine solche Knotenlinie von

qualitativen Momenten, die sich in dem bloß äußerlichen Fortgang

hervorthun. Es ist eines Theils ein bloß quantitatives Vor- und

Zurückgehen, ein fortwährendes Hinzuthun oder Wegnehmen, so daß jede

Zahl dasselbe arithmetische Verhältniß zu ihrer vorhergehenden und

nachfolgenden hat, als diese zu ihrer vorhergehenden und nachfolgenden

u.s.f. Aber die hierdurch entstehenden Zahlen haben auch zu andern

vorhergehenden oder folgenden ein specifisches Verhältniß, entweder ein

solches vielfaches von einer derselben als eine ganze Zahl ausdrückt,

oder Potenz und Wurzel zu seyn.—In den musikalischen Verhältnissen,

tritt ein harmonisches Verhältniß in der Skale des quantitativen

Fortgehens durch ein Quantum ein, ohne daß dieses Quantum für sich auf

der Skale zu seinem vorhergehenden und nachfolgenden ein anderes

Verhältniß hätte, als diese wieder zu ihren vorhergehenden und

nachfolgenden. Indem folgende Töne vom Grundtone sich immer mehr zu

entfernen oder Zahlen durch das arithmetische Fortgehen nur noch mehr

andere zu werden scheinen, thut sich vielmehr auf einmal eine Rückkehr,

eine überraschende Übereinstimmung hervor, die nicht durch das

unmittelbar vorhergehende qualitativ vorbereitet war, sondern als eine

actio in distans, als eine Beziehung zu einem Entfernten, erscheint;

der Fortgang an bloß gleichgültigen Verhältnissen, welche die

vorhergehende specifische Realität nicht ändern oder auch überhaupt

keine solche bilden, unterbricht sich auf einmal, und indem er in

quantitativer Rücksicht auf dieselbe Weise fortgesetzt ist, bricht

somit durch einen Sprung ein specifisches Verhältniß ein.

In chemischen Verbindungen kommen bei der progressiven Änderung der

Mischungsverhältnisse solche qualitative Knoten und Sprünge vor, daß

zwei Stoffe auf besondern Punkten der Mischungsskale, Produkte bilden,

welche besondere Qualitäten zeigen. Diese Produkte unterscheiden sich

nicht bloß durch ein Mehr und Weniger von einander, noch sind sie mit

den Verhältnissen, die jenen Knotenverhältnissen nahe liegen, schon

vorhanden, etwa nur in einem schwächern Grade, sondern sind an solche

Punkte selbst gebunden. Z. B. die Verbindungen voll Sauerstoff und

Stikstoff geben die verschiedenen Stikstoffoxyde und Salpetersäuren,

die nur an bestimmten Quantitäts-Verhältnissen der Mischung

hervortreten und wesentlich verschiedene Qualitäten haben, so daß in

dazwischen liegenden Mischungsverhältnissen keine Verbindungen Von

specifischen Existenzen erfolgen.—Die Metalloxyde, z.B. die Bleioxyde

bilden sich auf gewissen quantitativen Punkten der Oxydation, und

unterscheiden sich durch Farben und andere Qualitäten. Sie gehen nicht

allmählig in einander über, die zwischen jenen Knoten liegende

Verhältnisse geben kein Neutrales, kein specifisches Daseyn. Ohne durch

Zwischenstufen durchgegangen zu seyn, tritt eine specifische Verbindung

auf, die auf einem Maaßverhältnisse beruht, und eigene Qualitäten

hat.—Oder das Wasser, indem es seine Temperatur ändert, wird damit

nicht bloß mehr oder weniger warm, sondern geht durch die Zustände der

Härte, der tropfbaren Flüssigkeit und der elastischen Flüssigkeit

hindurch; diese verschiedenen Zustände treten nicht allmählig ein,

sondern eben das bloß allmählige Fortgehen der Temperatur-Änderung wird

durch diese Punkte mit einemmale unterbrochen und gehemmt, und der

Eintritt eines andern Zustandes ist ein Sprung.—Alle Geburt und Tod,

sind, statt eine fortgesetzte Allmähligkeit zu seyn, vielmehr ein

Abbrechen derselben, und der Sprung aus quantitativer Veränderung in

qualitative.

Es giebt keinen Sprung in der Natur, wird gesagt; und die gewöhnliche

Vorstellung, wenn sie ein Entstehen oder Vergehen begreifen soll,

meint, wie erinnert, es damit begriffen zu haben, daß sie es als ein

allmähliges Hervorgehen oder Verschwinden vorstellt. Es hat sich aber

gezeigt, daß die Veränderungen des Seyns überhaupt nicht nur das

Übergehen einer Größe in eine andere Größe, sondern Übergang vom

Qualitativen in das Quantitative und umgekehrt sind, ein Anders-werden,

das ein Abbrechen des Allmähligen und ein Qualitativ-Anderes gegen das

vorhergehende Daseyn ist. Das Wasser wird durch die Erkältung nicht

nach und nach hart, so daß es breiartig würde und allmählig bis zur

Konsistenz des Eises sich verhärtete, sondern ist auf einmal hart;

schon mit der ganzen Temperatur des Eispunktes, wenn es ruhig steht,

kann es noch seine ganze Flüssigkeit haben, und eine geringe

Erschütterung bringt es in den Zustand der Härte.

Bei der Allmähligkeit des Entstehens liegt die Vorstellung zu Grunde,

daß das Entstehende schon sinnlich oder überhaupt wirklich vorhanden,

nur wegen seiner Kleinheit noch nicht wahrnehmbar, so wie bei der

Allmähligkeit des Verschwindens, daß das Nichtseyn oder das Andere an

seine Stelle Tretende gleichfalls vorhanden, nur noch nicht bemerkbar

sey;—und zwar vorhanden nicht in dem Sinne, daß das Andere in dem

vorhandenen Andern an sich enthalten, sondern daß es als Daseyn, nur

unbemerkbar, vorhanden sey. Es wird damit das Entstehen und Vergehen

überhaupt aufgehoben, oder das An-sich, das Innere, in welchem etwas

vor seinem Daseyn ist, in eine Kleinheit des äußerlichen Daseyns

verwandelt, und der wesentliche, oder der Begriffsunterschied in einen

äußerlichen, bloßen Größeunterschied.—Das Begreiflichmachen eines

Entstehens oder Vergehens aus der Allmähligkeit der Veränderung hat die

der Tautologie eigene Langweiligkeit; es hat das Entstehende oder

Vergehende schon vorher ganz fertig und macht die Veränderung zu einer

bloßen Änderung eines äußerlichen Unterschiedes, wodurch sie in der

That nur eine Tautologie ist. Die Schwierigkeit für solchen begreifen

wollenden Verstand liegt in dem qualitativen Übergang von Etwas in sein

Anderes überhaupt und in sein Entgegengesetztes; dagegen spiegelt er

sich die Identität und die Veränderung als die gleichgültige,

äußerliche des Quantitativen vor.

Im Moralischen, insofern es in der Sphäre des Seyns betrachtet wird,

findet derselbe Übergang des Quantitativen ins Qualitative statt; und

verschiedene Qualitäten erscheinen, sich auf eine Verschiedenheit der

Größe zu gründen. Es ist ein Mehr und Weniger, wodurch das Maaß des

Leichtsinns überschritten wird, und etwas ganz Anderes, Verbrechen,

hervortritt, wodurch Recht in Unrecht, Tugend in Laster übergeht.—So

erhalten auch Staaten durch ihren Größenunterschied, wenn das Übrige

als gleich angenommen wird, einen verschiedenen qualitativen Charakter.

Gesetze und Verfassung werden zu etwas Anderem, wenn der Umfang des

Staats und die Anzahl der Bürger sich erweitert. Der Staat hat ein Maaß

seiner Größe, über welche hinausgetrieben er haltungslos in sich

zerfällt, unter derselben Verfassung, welche bei nur anderem Umfange

sein Glück und seine Stärke ausmachte.

Wissenschaft der Logik — Band 1 · 第 33 / 52 题