stellt sich mit der Betrachtung der äußerlichen und empirischen
Veränderung der Größen, die durch eine Gleichung in die Beziehung, daß
die Eine eine Funktion der Andern ist, gebracht sind, ein; da aber der
wissenschaftliche Gegenstand der Differentialrechnung ein gewisses
(durch den Differential-Koefficienten gewöhnlich ausgedrücktes)
Verhältniß, welche Bestimmtheit ebensowohl Gesetz genannt werden kann,
ist, so ist für diese specifische Bestimmtheit die bloße Kontinuität
Theils schon eine fremdartige Seite, Theils aber auf allen Fall die
abstrakte und hier leere Kategorie, da über das Gesetz der Kontinuität
gar nichts damit ausgedrückt ist.—Auf welche formelle Definitionen
dabei vollends verfallen wird, ist aus meines verehrten Hrn. Collegen,
Prof. Dirksen, scharfsinniger allgemeinen Darstellung der
Grundbestimmungen, die für die Deduktion des Differential-Kalkuls
gebraucht werden, welche sich an die Kritik einiger neueren Werke über
diese Wissenschaft anschließt und sich in den Jahrb. f. wissensch.
Kritik, 1827 Nr. 153 ff., befindet, zu ersehen, es wird daselbst S.
1251 sogar die Definition angeführt: "Eine stätige oder kontinuirliche
Größe, Kontinuum, ist jede Größe, welche man sich im Zustande des
Werdens gedenkt, so daß dieses Werden nicht sprungweise, sondern durch
ununterbrochenen Fortgang geschieht." Das ist doch wohl tautologisch
dasselbe, was das definitum ist.
Es ist gezeigt worden, daß die sogenannten unendlichen Differenzen das
Verschwinden der Seiten des Verhältnisses als Quantorum ausdrücken, und
daß das, was übrig bleibt, ihr Quantitätsverhältniß ist, rein insofern
es auf qualitative Weise bestimmt ist; das qualitative Verhältniß geht
hierin so wenig verloren, daß es vielmehr dasjenige ist, was eben durch
die Verwandlung endlicher Größen in unendliche resultirt. Hierin
besteht, wie wir gesehen, die ganze Natur der Sache.—So verschwinden im
letzten Verhältnisse z.B. die Quanta der Abscisse und Ordinate; aber
die Seiten dieses Verhältnisses bleiben wesentlich die eine, Element
der Ordinate, die andere Element der Abscisse. Indem die
Vorstellungsweise gebraucht wird, daß man die eine Ordinate sich der
anderen unendlich nähern läßt, so geht die vorher unterschiedene
Ordinate in die andere Ordinate, und die vorher unterschiedene Abscisse
in die andere Abscisse über; aber wesentlich geht nicht die Ordinate in
die Abscisse, oder die Abscisse in die Ordinate über. Das Element der
Ordinate,—um bei diesem Beispiele von veränderlichen Größen stehen zu
bleiben, ist nicht als der Unterschied einer Ordinate von einer anderen
Ordinate zu nehmen, sondern ist vielmehr als der Unterschied oder die
qualitative Größenbestimmung gegen das Element der Abscisse; das
Princip der einen veränderlichen Größe gegen das der andern steht im
Verhältnisse miteinander. Der Unterschied, indem er nicht mehr
Unterschied endlicher Größen ist, hat aufgehört, ein Vielfaches
innerhalb seiner selbst zu seyn; er ist in die einfache Intensität
zusammengesunken, in die Bestimmtheit eines qualitativen
Verhältnißmoments gegen das andere.
Diese Beschaffenheit der Sache wird aber dadurch verdunkelt, daß das,
was so eben Element z.B. der Ordinate genannt worden, so als Differenz
oder Inkrement gefaßt wird, daß es nur der Unterschied des Quantums
einer Ordinate zwischen dem Quantum einer andern Ordinate sey. Die
Grenze hat hiermit hier nicht den Sinn des Verhältnisses; sie gilt nur
als der letzte Werth, dem sich eine andere Größe von gleicher Art
beständig so nähere, daß sie von ihm, so wenig als man will,
unterschieden seyn könne, und daß das letzte Verhältniß, ein Verhältniß
der Gleichheit sey. So ist die unendliche Differenz das Schweben eines
Unterschieds eines Quantums von einem Quantum, und die qualitative
Natur, nach welcher dx wesentlich nicht eine Verhältnißbestimmung gegen
x, sondern gegen dy ist, tritt in der Vorstellung zurück. Man läßt
dx[hoch 2] gegen dx verschwinden, aber noch vielmehr verschwindet dx
gegen x, dieß heißt aber wahrhaftig: es hat nur ein Verhältniß zu
dy.—Es ist den Geometern in solchen Darstellungen immer vorzüglich
darum zu thun, die Annäherung einer Größe an ihre Grenze begreiflich zu
machen, und sich an diese Seite des Unterschiedes des Quantums vom
Quantum, wie er kein Unterschied und doch noch ein Unterschied ist, zu
halten. Aber die Annäherung ist ohnehin für sich eine nichts sagende
und nichts begreiflich machende Kategorie; dx hat die Annäherung
bereits im Rücken, es ist nicht nahe noch ein Näheres; und unendlich
nahe heißt selbst die Negation des Naheseyns und des Annäherns.
Indem es nun damit geschehen ist, daß die Inkremente oder unendlichen
Differenzen nur nach der Seite des Quantums, das in ihnen verschwindet,
und nur als Grenze desselben betrachtet worden sind, so sind sie so als
verhältnißlose Momente gefaßt. Es würde die unstatthafte Vorstellung
daraus folgen, daß es erlaubt sey, in dem letzten Verhältnisse etwa
Abscisse und Ordinate, oder auch Sinus, Cosinus, Tangente, Sinus versus
und was alles noch, einander gleich zu setzen.—Diese Vorstellung
scheint zunächst darin obzuwalten, wenn ein Bogen als eine Tangente
behandelt wird; denn auch der Bogen ist wohl inkommensurabel mft der
geraden Linie, und sein Element zunächst von anderer Qualität als das
Element der geraden Linie. Es scheint noch widersinniger und
unerlaubter, als die Verwechslung der Abscisse, Ordinate, des Sinus
versus, Cosinus u.s.f. wenn quadrata rotundis, wenn ein ob zwar
unendlich kleiner Theil des Bogens, für ein Stück der Tangente,
genommen, und somit als gerade Linie behandelt wird. —Allein diese
Behandlung ist von der gerügten Verwechslung wesentlich zu
unterscheiden; sie hat ihre Rechtfertigung darin, daß in dem Dreieck,
weilches das Element eines Bogens und die Elemente seiner Abscisse und
der Ordinate zu seinen Seiten hat, das Verhältniß dasselbe ist, als
wenn jenes Element des Bogens das Element einer geraden Linie, der
Tangente wäre; die Winkel, welche das wesentliche Verhältniß
konstituiren, d. i. dasjenige, das diesen Elementen bleibt, indem von
den ihnen zugehörigen endlichen Größen abstrahirt wird, sind die
nämlichen.—Man kann sich hierüber auch ausdrücken, gerade Linien, als
unendlichklein, seyen in krumme Linien übergegangen, und das Verhältniß
ihrer in ihrer Unendlichkeit sey ein Kurvenverhältniß. Da nach ihrer
Definition die gerade Linie der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten ist,
so gründet sich ihr Unterschied von krummer Linie auf die Bestimmung
von Menge, auf die geringere Menge des Unterscheidbaren auf diesem
Wege, was also eine Bestimmung von Quantum Ist. Aber diese Bestimmung
verschwindet in ihr, sie als intensive Größe, als unendliches Moment,
als Element genommen; somit auch ihr Unterschied von der krummen Linie,
der bloß auf dem Quantumsunterschiede beruhte.—Also als unendlich
behält gerade Linie und Bogen kein quantitatives Verhältniß und damit,
auf den Grund der angenommenen Definition, auch keine qualitative
Verschiedenheit mehr gegeneinander, sondern geht jene vielmehr in diese
über.
Verwandt, jedoch zugleich verschieden, von der Gleichsetzung
heterogener Bestimmungen ist die für sich unbestimmte und völlig
gleichgültige Annahme, daß unendlich kleine Theile desselben Ganzen
einander gleich seyen; jedoch angewandt auf einen in sich heterogenen
d. i. mit wesentlicher Ungleichförmigkeit der Größebestimmung
behafteten Gegenstand, bringt sie die eigenthüniliche Verkehrung
hervor, die in dem Satze der höhern Mechanik enthalten ist, daß in
gleichen und zwar unendlichkleinen Zeiten unendlichkleine Theile einer
Kurve in gleichförmiger Bewegung durchloffen werden, indem dieß von
einer Bewegung behauptet wird, in der in gleichen endlichen d. i.
existirenden Zeittheilen endliche, d. i. existirende ungleiche Theile
der Kurve durchloffen werden, d. i. also von einer Bewegung, die als
existirend ungleichförmig ist und so angenommen wird. Dieser Satz ist
der Ausdruck desjenigen in Worten, was ein analytisches Glied, das sich
in der oben auch angeführten Entwickelung der Formel von
ungleichförmiger übrigens einem Gesetze gemäßen Bewegung ergiebt,
bedeuten soll. Ältere Mathematiker suchten Ergebnisse der neu
erfundenen Infinitesimal-Rechnung, die ohnehin immer mit konkreten
Gegenständen zu thun hatte, in Worte und Sätze auszudrücken und sie in
geometrischen Verzeichnungen darzustellen, wesentlich um sie für die
Lehrsätze nach gewöhnlicher Beweise-Art zu gebrauchen. Die Glieder
einer mathematischen Formel, in welche die analytische Behandlung die
Größe des Gegenstands z.B. der Bewegung zerlegte, erhielten dort eine
gegenständliche Bedeutung, z.B. der Geschwindigkeit, beschleunigende
Kraft u.s.f. sie sollten nach solcher Bedeutung richtige Sätze,
physikalische Gesetze geben und nach der analytischen Verbindung auch
ihre objektiven Verknüpfungen und Verhältnisse bestimmt seyn, wie z.B.
eben daß in einer gleichförmig beschleunigten Bewegung eine besondere
den Zeiten proportionale Geschwindigkeit existire, außerdem aber ein
Zuwachs von der Kraft der Schwere her, immer hinzukomme. Solche Sätze
werden in der modernen, analytischen Gestalt der Mechanik durchaus als
Ergebnisse des Kalkuls aufgeführt unbekümmert darum, ob sie einen
reellen Sinn d. i. dem eine Existenz entspräche, für sich an ihnen
selbst hätten, und um einen Beweis eines solchen; die Schwierigkeit,
den Zusammenhang solcher Bestimmungen, wenn sie im ausgesprochenen
reellen Sinn genommen werden, z.B. den Übergang von jener
schlechtgleichförmigen Geschwindigkeit zu einer gleichförmigen
beschleunigten, begreifflich zu machen, gilt dafür, durch die
analytische Behandlung ganz beseitigt zu seyn, als in welcher solcher
Zusammenhang einfache Folge der nunmehrigen festen Autorität der
Operationen des Kalkuls ist. Es wird für einen Triumph der Wissenschaft
ausgegeben, durch den bloßen Kalkul über die Erfahrung hinaus Gesetze,
d. i. Sätze der Existenz, die keine Existenz haben, zu finden. Aber in
der erstern noch naiven Zeit des Infinitesimal-Kalkuls sollte von jenen
Bestimmungen und Sätzen, in geometrischen Verzeichnungen vorgestellt,
ein reeller Sinn für sich angegeben und plausibel gemacht, und sie in
solchem Sinne zum Beweise von den Hauptsätzen, um die es zu thun war,
angewendet werden, (—man sehe den newtonischen Beweis von seinem
Fundamentalsatze der Theorie der Gravitation in den Princ. mathem.
philosophiae naturalis lib. I. Sect. II. Prop. I. verglichen mit
Schuberts Astronomie (erster Ausg. III. B. §. 20), wo zugestanden wird,
daß es sich nicht genau so, d. i. in dem Punkte, welcher der Nerv des
Beweises ist, sich nicht so verhalte, wie Newton annimmt—).
Es wird nicht geläugnet werden können, daß man sich in diesem Felde
vieles als Beweis, vornehmlich unter der Beihülfe des Nebels des
Unendlich-Kleinen hat gefallen lassen, aus keinem andern Grunde als
dem, daß das, was herauskam, immer schon vorher bekannt war, und der
Beweis, der so eingerichtet wurde, daß es herauskam, wenigstens den
Schein eines Gerüstes von Beweis zu Stande brachte;—einen Schein, den
man dem bloßen Glauben oder dem Wissen aus Erfahrung immer noch vorzog.
Ich aber trage kein Bedenken, diese Manier für nicht mehr als eine
bloße Taschenspielerei und Charlatanerie des Beweisens anzusehen, und
hierunter selbst newtonische Beweise zu rechnen, ins Besondere die zu
dem so eben angeführten gehörigen, wegen welcher man Newton bis an den
Himmel und über Keppler erhoben hat, das was dieser bloß durch
Erfahrung gefunden, mathematisch dargethan zu haben.
Das leere Gerüste solcher Beweise wurde errichtet, um physische Gesetze
zu beweisen. Aber die Mathematik vermag überhaupt nicht
Größenbestimmungen der Physik zu beweisen, insofern sie Gesetze sind,
welche die qualitative Natur der Momente zum Grunde haben; aus dem
einfachen Grunde, weil diese Wissenschaft nicht Philosophie ist, nicht
vom Begriffe ausgeht, und das Qualitative daher, insofern es nicht
lemmatischerweise aus der Erfahrung aufgenommen wird, außer ihrer
Sphäre liegt. Die Behauptung der Ehre der Mathematik, daß alle in ihr
vorkommenden Sätze streng bewiesen seyn sollen, ließ sie ihre Grenze
oft vergessen; so schien es gegen ihre Ehre, für Erfahrungssätze
einfach die Erfahrung als Quelle und als einzigen Beweis anzuerkennen;
später ist das Bewußtseyn hierüber gebildeter geworden; eh dieses aber
über den Unterschied sich nicht klar wird, was mathematisch beweisbar
ist und was nur anderwärts genommen werden kann, wie darüber was nur
Glieder analytischer Entwickelung und was physikalische Existenzen
sind, kann die Wissenschaftlichkeit sich nicht zu strenger und reiner
Haltung herausbilden.—Jenem Gerüste newtonischen Beweisens aber wird
ohne Zweifel noch dasselbe Recht widerfahren, das einem anderen
grundlosen newtonischen Kunstgebäude aus optischen Experimenten und
damit verbundenem Schließen angethan worden ist. Die angewandte
Mathematik ist noch voll von einem gleichen Gebräue aus Erfahrung und
Reflexion, aber wie vonjener Optik seit geraumer Zeit bereits ein Theil
nach dem andern anfing in der Wissenschaft faktisch ignorirt zu werden
mit der Inkonsequenz jedoch, das Übrige obgleich damit Widersprechende
noch gewähren zu lassen, —so ist es auch Faktum, daß bereits ein Theil
jener trügerischen Beweise, von selbst in Vergessenheit gerathen oder
durch andere ersetzt worden ist.
Anmerkung 2.Der Zweck des Differentialkalkuls aus seiner Anwendung
abgeleitet.
In der vorigen Anmerkung ist Theils die Begriffsbestimmtheit des
Unendlich-Kleinen, das in dem Differential-Kalkul gebraucht wird,
Theils die Grundlage seiner Einführung in denselben betrachtet worden;
Beides sind abstrakte und darum an sich auch leichte Bestimmungen; die
sogenannte Anwendung aber bietet größere Schwierigkeiten sowohl als
auch die interessantere Seite dar; die Elemente dieser konkreten Seite
sollen der Gegenstand dieser Anmerkung seyn.—Die ganze Methode der
Differentialrechnung ist in dem Satze, daß dx[hoch n] = nx[hoch n 1]dx,
oder f(x+i)-fx/i = P, d.i. gleich dem Koefficienten des ersten Gliedes
des nach den Potenzen von dx oder i entwickelten Binomiums x + d, x +
i, absolvirt. Man bedarf weiter nichts zu erlernen; die Ableitung der
nächsten Formen, des Differentials eines Produkts, einer
Exponentialgröße und sofort ergiebt sich daraus mechanisch; in wenig
Zeit, vielleicht in einer halben Stunde—mit dem Finden der
Differentiale ist das umgekehrte, das Finden der ursprünglichen
Funktion aus jenen, die Integration gleichfalls gegeben,—kann man die
ganze Theorie inne haben. Was allein länger aufhält, ist die Bemühung
es einzusehn, begreifflich zu machen, daß nachdem der eine Umstand der
Aufgabe, das Finden jenes Koefficienten, auf analytische d. i. ganz
arithmetische Weise, durch die Entwickelung der Funktion der
veränderlichen Größe, nachdem diese durch einen Zuwachs die Form eines
Binomiums erhalten, so leicht bewerkstelligt worden, es auch mit dem
andern Umstand, nämlich mit dem Weglassen der übrigen Glieder der
entstehenden Reihe außer den ersten, seine Richtigkeit habe. Wäre es
der Fall, daß man jenen Koefficienten allein nöthig hätte, so wäre mit
der Bestimmung desselben Alles, was die Theorie betrifft, —wie gesagt
in weniger als einer halben Stunde abgethan, und das Weglassen der
weitern Glieder der Reihe machte so wenig eine Schwierigkeit, daß
vielmehr von ihnen, als Gliedern der Reihe (als zweiten, dritten u.s.f.
Funktionen ist ihre Bestimmung schon mit der Bestimmung des ersten
gleichfalls absolvirt), gar nicht die Rede wäre, da es um sie ganz und
gar nicht zu thun ist.
Es kann die Bemerkung vorangeschickt werden, daß man es der Methode des
Differentialkalkuls wohl sogleich ansieht, daß sie nicht für sich
selbst erfunden und aufgestellt worden ist; sie ist nicht nur nicht für
sich begründet, als eine andere Weise analytischen Verfahrens, sondern
die Gewaltsamkeit, Glieder, die sich aus Entwickelung einer Funktion
ergeben, indem doch das Ganze dieser Entwickelung vollständig zur Sache
zu gehören angenommen ist,—weil die Sache als der Unterschied
der entwickelten Funktion einer veränderlichen Größe, nachdem dieser
die Gestalt eines Binomiums gegeben worden, von der ursprünglichen,
angesehen wird,—geradezu wegzulassen, widerspricht vielmehr durchaus
allen mathematischen Grundsätzen. Das Bedürfniß solcher
Verfahrungsweise, wie die ihr an ihr selbst mangelnde Berechtigung,
weist sogleich darauf hin, daß anderswo der Ursprung und die Grundlage
sich befinden müsse. Es geschieht auch sonst in den Wissenschaften, daß
das, was als das Elementarische vornehin gestellt ist und woraus die
Sätze der Wissenschaft abgeleitet werden sollen, nicht einleuchtend
ist, und daß es sich ausweist, vielmehr in dem Nachfolgenden seine
Veranlassung und seine Begründung zu haben. Der Hergang in der
Geschichte des Differential-Kalkuls thut dar, daß er in den
verschiedenen sogenannten Tangential-Methoden vornehmlich, die Sache
gleichsam als in Kunststücken, den Anfang genommen hat; die Art des
Verfahrens, nachdem es auch auf weitere Gegenstande ausgedehnt worden,
ist spater zum Bewußtseyn und in abstrakte Formeln gebracht worden,
welche nun auch zu Principien zu erheben versucht wurde.
Als die Begriffsbestimmtheit des sogenannten Unendlich-Kleinen ist die
qualitative Quantitäts-Bestimmtheit solcher, die zunächst als Quanta im
Verhältniß zu einander gesetzt sind, aufgezeigt worden, woran sich die
empirische Untersuchung knüpfte, jene Begriffs-Bestimmtheit in den
Beschreibungen oder Definitionen nachzuweisen, die sich von dem
Unendlich-Kleinen, insofern es als unendliche Differenz und dergleichen
genommen ist, vorfinden.—Dieß ist nur im Interesse der abstrakten
Begriffsbestimmtheit als solcher geschehen; die weitere Frage wäre, wie
von ihr der Übergang zur mathematischen Gestaltung und Anwendung
beschaffen wäre. Zu dem Ende ist zuerst das Theoretische, die
Begriffsbestimmtheit, noch weiter vorzunehmen, welche sich an ihr
selbst nicht ganz unfruchtbar zeigen wird; alsdenn ist das Verhältniß
derselben zur Anwendung zu betrachten, und bei beidem nachzuweisen, so
weit es hier angeht, daß die allgeineinen Folgerungen zugleich
demjenigen, um was es in der Differentialrechnung zu thun ist, und der
Art, wie sie es bewerkstelligt, angemessen sind.
Zunächst ist daran zu erinnern, daß die Form, welche die in Rede
stehende Begriffsbestimmtheit im Mathematischen hat, bereits beiläufig
angegeben ist. Die qualitative Bestimmtheit des Quantitativen ist
zuerst im quantitativen Verhältniß überhaupt aufgewiesen, es ist aber
auch schon bei der Nachweisung der unterschiedenen sogenannten
Rechnungsarten (s. d. betreff. Anm.) anticipirt worden, daß das nachher
an seiner eigenthümlichen Stelle noch zu betrachtende
Potenzenverhältniß es ist, worin die Zahl durch Gleichsetzung ihrer
Begriffsmomente, der Einheit und der Anzahl als zu sich selbst
zurückgekehrte gesetzt ist, und damit das Moment der Unendlichkeit, des
Fürsichseyns, d. i. des Bestimmtseyns durch sich selbst, an ihr erhält.
Die ausdrückliche qualitative Größenbestimmtheit bezieht sich somit,
wie gleichfalls schon erinnert, wesentlich auf Potenzenbestimmungen,
und da die Differentialrechnung das Specifische hat, mit qualitativen
Größenformen zu operiren, so muß ihr eigenthümlicher mathematischer
Gegenstand die Behandlung von Potenzenformen seyn, und die sämmtlichen
Aufgaben und deren Auflösungen, zu deren Behuf die Differentialrechnung
gebraucht wird, zeigen es, daß das Interesse allein in der Behandlung
von Potenzenbestimmungen als solchen liegt.
So wichtig diese Grundlage ist, und sogleich an die Spitze etwas
Bestimmtes stellt, statt der bloß formellen Kategorien von
veränderlichen, kontinuirlichen oder unendlichen Größen und
dergleichen, oder auch nur von Funktionen uberhaupt, so ist sie noch zu
allgemein; andere Operationen haben gleichfalls damit zu thun; schon
das Erheben in die Potenz und Wurzelausziehen, dann die Behandlung der
Exponentialgrößen und Logarithmen, Reihen, die Gleichungen höherer
Ordnungen haben ihr Interesse und ihre Bemühung allein mit
Verhältnissen, die auf Potenzen beruhen. Ohne Zweifel müssen sie
zusammen ein System der Potenzenbehandlung ausmachen; aber welches
unter den verschiedenen Verhältnissen, worein Potenzenbestimmungen
gesetzt werden können, dasjenige sey, das der eigentliche Gegenstand
und das Interesse für die Differentialrechnung ist, dieß ist aus dieser
selbst, d. i. aus den sogenannten Anwendungen derselben zu entnehmen.
Diese sind in der That die Sache selbst, das wirkliche Verfahren in der
mathematischen Auflösung eines gewissen Kreises von Problemen; dieß
Verfahren ist früher gewesen, als die Theorie oder der allgemeine
Theil, und Anwendung ist dasselbe später genannt worden nur in
Beziehung auf die nachher erschaffene Theorie, welche die allgemeine
Methode des Verfahrens Theils aufstellen, Theils ihr aber Principien,
d. i. Rechtfertigung geben wollte. Welche vergebliche Bemühung es
gewesen ist, für die bisherige Auffassungsweise des Verfahrens
Principien aufzufinden, welche den Widerspruch, der dabei zum Vorschein
kommt, wirklich lösten, statt ihn nur durch die Unbedeutenheit des nach
dem mathematischen Verfahren nothwendigen hier aber wegzulassenden,
oder durch die auf dasselbe hinauslaufende Möglichkeit der unendlichen
oder beliebigen Annäherung und dergleichen zu entschuldigen oder zu
verstecken, ist in voriger Anmerkung gezeigt worden. Wenn aus dem
wirklichen Theile der Mathematik, der die Differentialrechnung genannt
wird, das Allgemeine des Verfahrens anders abstrahirt würde, als bisher
geschehen ist, so würden sich jene Principien und die Bemühung mit
denselben auch als entbehrlich zeigen, wie sie an ihnen selbst sich als
etwas Schiefes und im Widerspruche Bleibendes ausweisen.
Wenn wir diesem Eigenthümlichen durch einfaches Aufnehmen des in diesem
Theile der Mathematik Vorhandenen nachforschen, so finden wir als
Gegenstand à) Gleichungen, in welchen eine beliebige Anzahl von Größen
(wir können hier überhaupt bei zwei stehen bleiben) zu einem Ganzen der
Bestimmtheit so verbunden sind, daß diese erstens ihre Bestimmtheit in
empirischen Größen, als festen Grenzen und dann in der Art der
Verbindung mit denselben, so wie ihrer Verbindung untereinander, haben;
wie dieß überhaupt in einer Gleichung der Fall ist; indem aber nur Eine
Gleichung für beide Größen (und ebenso relativ wohl mehrere Gleichungen
für mehrere Größen, aber immer weniger, als die Anzahl der Größen ist—)
vorhanden ist, gehören diese Gleichungen zu den unbestimmten; und daß
zweitens eine Seite, wie diese Größen hier ihre Bestimmtheit haben,
darin liegt, daß sie (wenigstens eine derselben) in einer höhern, als
die erste Potenz, in der Gleichung vorhanden sind.
Hierüber sind zunächst einige Bemerkungen zu machen, für's Erste, daß
die Größen nach der ersten der angegebenen Bestimmungen ganz nur den
Charakter solcher veränderlichen Größen haben, wie sie in den Aufgaben
der unbestimmten Analysis vorkommen. Ihr Werth ist unbestimmt, aber so
daß wenn anderswoher ein vollkommen bestimmter Werth, d. i. ein
Zahlenwerth für die eine kommt, auch die andere bestimmt, so die eine,
eine Funktion der andern, ist. Die Kategorien von veränderlichen
Größen, Funktionen und dergleichen sind darum für die specifische
Größebestimmtheit, die hier in Rede steht, nur formell, wie vorhin
gesagt worden ist, weil sie von einer Allgemeinheit sind, in welcher
dasjenige Specifische, worauf das ganze Interesse des
Differentialkalkuls geht, noch nicht enthalten ist, noch daraus durch
Analyse explicirt werden kann; sie sind für sich einfache,
unbedeutende, leichte Bestimmungen, die nur erst schwierig gemacht
werden, insofern das in sie gelegt werden soll, damit es dann aus ihnen
abgeleitet werden könne, was nicht in ihnen liegt, nämlich die
specifische Bestimmung der Differentialrechnung. —Was alsdenn die
sogenannte Konstante betrifft, so kann über sie bemerkt werden, daß sie
zunächst als eine gleichgültige empirische Größe ist, bestimmend für
die veränderlichen Größen bloß in Ansehung ihres empirischen Quantums,
als Grenze ihres Minimums und Maximums; die Art der Verbindung aber der
Konstanten mit den veränderlichen Größen ist selbst eines der Momente
für die Natur der besonderen Funktion, welche diese Größen sind.
Umgekehrt sind aber auch die Konstanten selbst Funktionen; insofern
z.B. eine gerade Linie den Sinn hat, Parameter einer Parabel zu seyn,
so ist dieser ihr Sinn dieß, daß sie die Funktion y[hoch 2]/x ist; wie
in der Entwickelung des Binomiums überhaupt, die Konstante, welche der
Koefficient des ersten Entwickelungsgliedes ist, die Summe der Wurzeln,
der des zweiten, die Summe der Produkte derselben zu zwei und zwei
u.s.f. also diese Konstanten hier überhaupt Funktionen der Wurzeln
sind; wo in der Integralrechnung die Konstante aus der gegebenen Formel
bestimmt wird, wird sie insofern als eine Funktion von dieser
behandelt. Jene Koefficienten werden wir dann weiter in einer anderen
Bestimmung als Funktionen betrachten, deren Bedeutung im Konkreten es
ist, worauf das ganze Interesse geht.
Das Eigenthümliche nun aber, wodurch die Betrachtung der veränderlichen
Größen sich in der Differentialrechnung von ihrer Beschaffenheit in den
unbestimmten Aufgaben unterscheidet, ist in das Angegebene zu setzen,
daß wenigstens eine jener Größen oder auch alle sich in einer höhern
Potenz als die erste befinde, wobei wieder gleichgültig ist, ob
sämmtliche von derselben höhern oder von ungleichen Potenzen sind; ihre
specifische Unbestimmtheit, die sie hier haben, liegt allein darin, daß
sie in solchem Potenzenverhältnisse Funktionen von einander sind.
Dadurch ist die Veränderung der veränderlichen Größen qualitativ
determinirt, damit kontinuirlich, und diese Kontinuität, die für sich
wieder nur die formelle Kategorie überhaupt einer Identität, einer sich
in der Veränderung erhaltenden, gleichbleibenden Bestimmtheit ist, hat
hier ihren determinirten Sinn und zwar allein in dem
Potenzenverhältnisse, als welches kein Quantum zu seinem Exponenten
hat, und die nicht quantitative, bleibende Bestimmtheit des
Verhältnisses der veränderlichen Größen ausmacht. Daher ist gegen einen
andern Formalismus die Bemerkung zu machen, daß die erste Potenz nur
Potenz im Verhältniß zu höhern ist; für sich ist x nur irgend ein
unbestimmtes Quantum. So hat es keinen Sinn, für sich die Gleichungen y
= ax + b, der geraden Linie oder s = ct die der schlechtgleichförmigen
Geschwindigkeit zu differentiren; wenn aus y = ax, oder auch aus y = ax
+ b, a = dy/dx, oder ds/dt = c aus s = ct wird, so ist ebenso sehr a =
y/x, die Bestimmung der Tangente oder s/t = c. die der schlechten
Geschwindigkeit. Letztere wird als dy/dx exponirt im Zusammenhange
dessen, was für die Entwickelung der gleichförmig beschleunigten
Bewegung ausgegeben wird; aber daß ein Moment von einfacher,
schlechtgleichförmiger, d. i. nicht durch die höhere Potenz eines der
Momente der Bewegung bestimmter Geschwindigkeit, im Systeme solcher
Bewegung vorkomme, ist, wie früher bemerkt, selbst eine leere, allein
in der Routine der Methode gegründete Annahme. Indem die Methode von
der Vorstellung des Zuwachses, den die veränderliche Größe erleiden
solle, ausgeht, so kann Freilich auch eine solche, die nur eine
Funktion von erster Potenz ist, auch einen Zuwachs erleiden; wenn nun
hierauf, um das Differential zu finden, der Unterschied der hierdurch
entstandenen zweiten Gleichung von der gegebenen genommen werden soll,
so zeigt sich das Leere der Operation, daß, wie bemerkt, die Gleichung
vor und nach derselben, für die sogenannten Zuwächse dieselbe ist als
für die veränderlichen Größen selbst.
ß) Durch das Gesagte ist die Natur der zu behandelnden Gleichung
bestimmt, und es ist nun anzugeben, auf welches Interesse sich die
Behandlung derselben gerichtet findet. Diese Betrachtung kann nur
bekannte Resultate, wie sie der Form nach in der Lagrange'schen
Auffassung insbesondere vorhanden sind, geben; aber ich habe die
Exposition so ganz elementarisch angestellt, um die damit vermischten
heterogenen Bestimmungen zu entfernen.—Als die Grundlage der Behandlung
der Gleichung von angegebener Art zeigt sich, daß die Potenz innerhalb
ihrer selbst als ein Verhältniß, als ein System von
Verhältnißbestimmungen, gefaßt wird. Die Potenz ist oben als die Zahl
angegeben worden, insofern sie dazu gekommen ist, daß ihre Veränderung
durch sie selbst bestimmt, ihre Momente, Einheit und Anzahl identisch
ist, wie früher nachgewiesen, vollkommen zunächst im Quadrat,
formeller, was hier keinen Unterschied macht, in den höhern Potenzen.
Die Potenz nun, da sie als Zahl—wenn man den Ausdruck Größe als den
allgemeinern vorzieht, so ist sie an sich immer die Zahl,—eine Menge
ist, auch als Summe dargestellt, kann zunächst innerhalb ihrer in eine
beliebige Menge von Zahlen zerlegt werden, die ohne alle weitere
Bestimmung gegen einander und gegen ihre Summe sind, als nur daß sie
zusammen dieser gleich sind. Aber die Potenz kann auch in eine Summe
von solchen Unterschieden discernirt werden, die durch die Form der
Potenz bestimmt sind. Wird die Potenz als Summe genommen, so ist auch
die Grundzahl derselben, die Wurzel als Summe gefaßt, und beliebig nach
mannigfaltiger Zerlegung, welche Mannigfaltigkeit aber das
gleichgültige empirisch-Quantitative ist. Die Summe als welche die
Wurzel seyn soll, auf ihre einfache Bestimmtheit, d. i. ihre wahrhafte
Allgemeinheit zurückgeführt, ist das Binomium; alle weitere Vermehrung
der Glieder ist eine bloße Wiederholung derselben Bestimmung und daher
etwas Leeres.[12] Worauf es ankommt, ist allein die, hiermit
qualitative Bestimmtheit der Glieder, welche sich durch die Potenzirung
der als Summe angenommenen Wurzel ergiebt, welche Bestimmtheit allein
in der Veränderung, die das Potenziren ist, liegt. Diese Glieder sind
somit ganz Funktionen der Potenzirung und der Potenz. Jene Darstellung
nun der Zahl, als Summe einer Menge von solchen Gliedern, welche
Funktionen der Potenzirung sind, alsdenn das Interesse, die Form
solcher Funktionen, und ferner diese Summe aus der Menge solcher
Glieder, zu finden, insofern dieses Finden allein von jener Form
abhängen muß,—dieß macht bekanntlich die besondere Lehre von den Reihen
aus. Aber hierbei haben wir wesentlich das fernere Interesse zu
unterscheiden, nämlich das Verhältniß der zu Grunde liegenden Größe
selbst, deren Bestimmtheit, insofern sie ein Komplex d. i. hier eine
Gleichung, ist, eine Potenz in sich schließt, —zu den Funktionen ihrer
Potenzirung. Dieß Verhältniß, ganz abstrahirt von dem vorhin genannten
Interesse der Summe wird sich als der Gesichtspunkt zeigen, der sich
als der einzige, den die Differentialrechnung sich vorsetzt, aus der
wirklichen Wissenschaft ergiebt.
[12] Es gehört nur zum Formalismus derjenigen Allgemeinheit, auf
welche die Analysis nothwendigen Anspruch macht, wenn statt (a +
b)[hoch n] für die Potenzenentwicklung zu nehmen, (a + b + c +
d…)[hoch n] gesagt wird, wie dieß auch in vielen andern Fällen gethan
wird; es ist solche Form, so zu sagen, nur für eine Koketterie des
Scheins der Allgemeinheit zu halten; in dem Binomium ist die Sache
erschöpft; es wird durch dessen Entwickelung das Gesetz gefunden, und
das Gesetz ist die wahrhafte Allgemeinheit, nicht die äußerliche nur
leere Wiederholung des Gesetzes, welche allein es ist, die durch jenes
a + b + c + d… hervorgebracht wird.
Es ist jedoch vorher noch eine Bestimmung zu dem Gesagten hinzuzufügen,
oder vielmehr eine, die darin liegt, zu entfernen. Es wurde nämlich
gesagt, daß die veränderliche Größe, in deren Bestimmung die Potenz
eintritt, angesehen werde, innerhalb ihrer selbst als Summe und zwar
als ein System von Gliedern, insofern diese Funktionen der Potenzirung
sind, womit auch die Wurzel als eine Summe, und in der einfach
bestimmten Form als Binomium betrachtet werde; x[hoch n] = (y + z)[hoch
n] = (y + ny[hoch n-1] z +….) Diese Darstellung ging für die
Entwickelung der Potenz, d. i. für das Erlangen ihrer
Potenzirungsfunktionen, von der Summe als solcher aus; es ist jedoch
hier nicht um eine Summe als solche noch um die daraus entspringende
Reihe zu thun, sondern von der Summe ist nur die Beziehung aufzunehmen.
Die Beziehung als solche der Größen ist das was einer Seits übrig
bleibt, nachdem von dem plus einer Summa als solcher abstrahirt wird,
und was anderer Seits für das Finden der EntwicklungsFunktionen der
Potenz erforderlich ist. Solche Beziehung aber ist schon darin
bestimmt, daß hier der Gegenstand eine Gleichung, y[hoch m] = ax[hoch
n] auch schon ein Komplex von mehrern (veränderlichen) Größen ist, der
eine Potenzenbestimmung derselben enthält. In diesem Komplex ist jede
dieser Größen schlechthin als in der Beziehung auf die andere mit der
Bedeutung, könnte man sagen, eines plus an ihr selbst,—als Funktion der
andern Größen gesetzt; ihr Charakter, Funktionen von einander zu seyn,
giebt ihnen diese Bestimmung des plus, eben damit aber eines ganz
unbestimmten, nicht eines Zuwachses, Inkrements und dergleichen. Doch
diesen abstrakten Gesichtspunkt konnten wir auch auf der Seite lassen;
es kann ganz einfach dabei stehen geblieben werden, daß nachdem die
veränderlichen Größen in der Gleichung als Funktionen von einander, so
daß diese Bestimmtheit ein Verhältniß von Potenzen enthält, gegeben
sind, nun auch die Funktionen der Potenzirung einer jeden mit einander
verglichen werden,—welche zweiten Funktionen durch gar nichts Anderes
weiter als durch die Potenzirung selbst bestimmt sind. Es kann zunächst
für ein Belieben oder eine Möglichkeit ausgegeben werden, eine
Gleichung von den Potenzen ihrer veränderlichen Größen auf ein
Verhältniß ihrer Entwickelungsfunktionen zu setzen; ein weiterer Zweck,
Nutzen, Gebrauch hat erst das Dienliche solcher Umgestaltung davon
anzugeben; durch ihre Nützlichkeit allein ist jene Umstellung veranlaßt
worden. Wenn vorhin von der Darstellung dieser Potenzirungsbestimungen
an einer Größe, die als Summe in sich different genommen werde,
ausgegangen worden, so diente dieß nur Theils zur Angabe von welcher
Art solche Funktionen seyen, Theils liegt darin die Weise sie zu
finden.
Wir befinden uns hiermit bei der gewöhnlichen analytischen
Entwickelung, die für den Zweck der Differentialrechnung so gefaßt
wird, daß der veränderlichen Größe ein Zuwachs, dx, i gegeben und nun
die Potenz des Binomiums durch die Gliederreihe, die ihm angehört,
explicirt wird. Der sogenannte Zuwachs aber soll nicht ein Quantum, nur
eine Form seyn, deren ganzer Werth ist, zur Entwickelung behülflich zu
seyn; was man eingestandenermaßen, am bestimmtesten von Euler und
Lagrange, und in der früher erwähnten Vorstellung der Grenze, will,
sind nur die sich ergebende Potenzenbestimmungen der veränderlichen
Größen, die sogenannten Koefficienten zwar des Zuwachses und der
Potenzen desselben, nach denen die Reihe sich ordnet und zu denen die
unterschiedenen Koefficienten gehören. Es kann hierzu etwa bemerkt
werden, daß indem nur um der Entwickelung willen ein Zuwachs angenommen
ist, der ohne Quantum sey, es am geschicktesten gewesen wäre, (das
Eins) dafür zu nehmen, indem derselbe in der Entwickelung immer nur als
Faktor vorkommt, womit eben der Faktor Eins den Zweck erfüllt, daß
keine quantitative Bestimmtheit und Veränderung durch den Zuwachs
gesetzt werden solle; dagegen dx mit der falschen Vorstellung von einer
quantitativen Differenz, und andere Zeichen, wie i, mit dem hier
unnützen Scheine von Allgemeinheit behafftet, immer das Aussehen und
die Prätension von einem Quantum und dessen Potenzen haben; welche
Prätension dann die Mühe herbeibringt, sie dessenungeachtet
wegzubringen und wegzulassen. Um die Form einer nach Potenzen
entwickelten Reihe zu behalten, könnten die Exponentenbezeichnungen als
indices ebenso gut dem Eins angefügt werden. Aber es muß ohnehin von
der Reihe und von der Bestimmung der Koefficienten nach der Stelle, die
sie in der Reihe haben, abstrahirt werden, das Verhältniß zwischen
allen ist dasselbe; die zweite Funktion wird ganz ebenso aus der
ersten, als diese aus der ursprünglichen abgeleitet, und für die als
die zweite gezählte ist die erste abgeleitete wieder ursprüngliche
Funktion. Wesentlich aber geht das Interesse nicht auf die Reihe,
sondern ganz allein auf die sich aus der Entwickelung ergebende
Potenzenbestimmung in ihrem Verhältniß zu der für sie unmittelbaren
Größe. Anstatt also jene als den Koefficienten des ersten Gliedes der
Entwickelung zu bestimmen, da ein Glied als das erste in Beziehung auf
die andern in der Reihe folgenden bezeichnet wird, eine solche Potenz
als eines Zuwachses aber, wie die Reihe selbst hierher nicht gehören,
wäre der bloße Ausdruck abgeleitete Potenzenfunktion oder wie vorhin
gesagt wurde, eine Funktion des Potenzirens der Größe vorzuziehen,
wobei als bekannt vorausgesetzt wird, auf welche Weise die Ableitung
als innerhalb einer Potenz eingeschlossene Entwickelung genommen wird.
Wenn nun der eigentliche mathematische Anfang in diesem Theile der
Analytik nichts weiter ist, als das Finden der durch die
Potenzen-Entwickelung bestimmten Funktion, so ist die weitere Frage,
was mit dem damit erhaltenen Verhältnisse anzufangen ist, wo es eine
Anwendung und Gebrauch hat, oder in der That, für welchen Zweck solche
Funktionen gesucht werden. Durch das Finden von Verhältnissen, an
konkreten Gegenständen, welche sich auf jene abstrakte analytische
zurückführen lassen, hat die Differentialrechnung ihr großes Interesse
erhalten.
Über die Anwendbarkeit aber ergiebt sich zunächst aus der Natur der
Sache, ohne noch aus den Fällen der Anwendung selbst zu schließen,
vermöge der aufgezeigten Gestalt der Potenzenmomente, von selbst
Folgendes. Die Entwickelung der Potenzengrößen, wodurch sich die
Funktionen ihrer Potenzirung ergeben, enthält, von näherer Bestimmung
abstrahirt, zunächst überhaupt die Herabsetzung der Größe auf die
nächst niedrigere Potenz. Die Anwendbarkeit dieser Operation findet
also bei solchen Gegenständen statt, bei welchen gleichfalls ein
solcher Unterschied von Potenzenbestimmungen vorhanden ist. Wenn wir
nun auf die Raumbestimmtheit reflektiren, so finden wir, daß sie die
drei Dimensionen enthält, die wir, um sie von den abstrakten
Unterschieden der Höhe, Länge und Breite zu unterscheiden, als die
konkreten bezeichnen können, nämlich die Linie, die Fläche und den
totalen Raum; und indem sie in ihren einfachsten Formen und in
Beziehung auf Selbstbestimmung und damit auf analytische Dimensionen
genommen werden, haben wir die gerade Linie, die ebene Fläche und
dieselbe als Quadrat, und den Kubus. Die gerade Linie hat ein
empirisches Quantum, aber mit der Ebene tritt das Qualitative, die
Potenzenbestimmung ein; nähere Modificationen, z.B. daß dieß gleich
auch mit den ebenen Kurven geschieht, können wir, insofern es zunächst
um den Unterschied bloß im Allgemeinen zu thun ist, unerörtert lassen.
Hiermit entsteht auch das Bedürfniß, von einer höheren
Potenzenbestimmung zu einer niedrigern und umgekehrt überzugehen, indem
z.B. lineare Bestimmungen aus gegebenen Gleichungen der Fläche u.s.f.
oder umgekehrt abgeleitet werden sollen. —Die Bewegung ferner, als an
der das Größenverhältniß des durchloffenen Raumes und der dazu
gehörigen verflossenen Zeit zu betrachten ist, zeigt sich in den
verschiedenen Bestimmungen einer schlechtgleichförmigen, einer
gleichförmig beschleunigten, einer abwechselnd gleichförmig
beschleunigten und gleichförmig retardirten, —in sich zurückkehrenden
Bewegung; indem diese unterschiedenen Arten der Bewegung nach dem
Größenverhältnisse ihrer Momente, des Raums und der Zeit, ausgedrückt
werden, ergeben sich für sie Gleichungen aus unterschiedenen
Potenzenbestimmungen, und insofern es Bedürfniß seyn kann, eine Art der
Bewegung oder auch der Raumgrößen, an welche eine Art gebunden ist, aus
einer anderen Art derselben zu bestimmen, führt die Operation
gleichfalls das Übergehen von einer Potenzenfunktion zu einer höhern
oder medrigern herbei.—Die Beispiele dieser zwei Gegenstände mögen für
den Zweck, zu dem sie angeführt sind, genügen.
Der Anschein von Zufälligkeit, welchen die Differentialrechnung in
ihren Anwendungen präsentirt, würde schon vereinfacht werden, durch das
Bewußtseyn über die Natur der Gebiete, in welchem die Anwendung statt
finden kann, und über das eigenthümliche Bedürfniß und die Bedingung
dieser Anwendung. Nun aber kommt es weiter innerhalb dieser Gebiete
selbst darauf an, zu wissen, zwischen welchen Theilen der Gegenstände
der mathematischen Aufgabe ein solches Verhältniß statt finde, als
durch den Differentialkalkul eigenthümlich gesetzt wird. Es muß gleich
vorläufig bemerkt werden, daß hierbei zweierlei Verhältnisse zu
beachten sind. Die Operation des Depotenzirens einer Gleichung, sie
nach den abgeleiteten Funktionen ihrer veränderlichen Größen
betrachtet, giebt ein Resultat, welches an ihm selbst wahrhaft nicht
mehr eine Gleichung, sondern ein Verhältniß ist; dieses Verhältniß ist
der Gegenstand der eigentlichen Differentialrechnung. Eben damit auch
ist zweitens das Verhältniß vorhanden von der höhern Potenzenbestimmung
(der ursprünglichen Gleichung) selbst zu der niedrigern (dem
Abgeleiteten). Dieß zweite Verhältniß haben wir hier zunächst bei Seite
zu lassen; es wird sich als der eigenthüniliche Gegenstand der
Integralrechnung zeigen.
Betrachten wir zunächst das erste Verhältniß, und nehmen zu der aus der
sogenannten Anwendung zu entnehmenden Bestimmung des Moments, worin das
Interesse der Operation liegt, das einfachste Beispiel an den Kurven
vor, die durch eine Gleichung der zweiten Potenz bestimmt sind.
Bekanntlich ist unmittelbar durch die Gleichung das Verhältniß der
Koordinaten gegeben in einer Potenzenbestimmung. Folgen von der
Grundbestimmung sind die Bestimmungen der mit den Koordinaten
zusammenhängenden anderen geraden Linien, der Tangente, Subtangente,
Normale u.s.f. Die Gleichungen aber zwischen diesen Linien und den
Koordinaten sind lineare Gleichungen; die Ganzen, als deren Theile
diese Linien bestimmt sind, sind rechtwinklichte Dreiecke von geraden
Linien. Der Übergang von der Grundgleichung, welche die
Potenzenbestimmung enthält, zu jenen linearen Gleichungen enthält nun
den angegebenen Übergang von der ursprünglichen Funktion, d. i. welche
eine Gleichung ist, zu der abgeleiteten, welche ein Verhältniß ist, und
zwar zwischen gewissen in der Kurve enthaltenen Linien. Der
Zusammenhang zwischen dem Verhältnisse dieser Linien und der Gleichung
der Curve ist es, um dessen Finden es sich handelt.
Es ist nicht ohne Interesse, von dem Historischen hierüber so viel zu
bemerken, daß die ersten Entdecker ihren Fund nur auf eine ganz
empirische Weise anzugeben wissen, ohne eine Rechenschaft von der
völlig äußerlich gebliebenen Operation geben zu können. Ich begnüge
mich hierüber mit der Anführung Barrow's, des Lehrers Newtons. In
seinen lect. Opt. et Geom., worin er Probleme der höhern Geometrie nach
der Methode der Untheilbaren behandelt, die sich zunächst von dem
Eigenthümlichen der Differentialrechnung unterscheidet, giebt er auch,
"weil seine Freunde in ihn gedrungen," (lect. X.) sein Verfahren, die
Tangente zu bestimmen, an. Man muß bei ihm selbst nachlesen, wie diese
Angabe beschaffen ist, um sich eine gehörige Vorstellung zu machen, wie
das Verfahren ganz als äußerliche Regel angegeben ist,—in demselben
Style, wie vormals in den arithmetischen Schulbüchern die Regel de tri
oder noch besser die sogenannte Neunerprobe der Rechnungsarten
vorgetragen worden ist. Er macht die Verzeichnung der Linienchen, die
man nachher die Inkremente im charakteristischen Dreieck einer Kurve
genannt hat, und giebt nun die Vorschrift als eine bloße Regel, die
Glieder als überflüssig wegzuwerfen, die in Folge der Entwickelung der
Gleichungen, als Potenzen jener Inkremente oder Produkte zum Vorschein
kommen, ( etenim isti termini nihilum valebunt ); ebenso seyen die
Glieder, die nur aus der ursprünglichen Gleichung bestimmte Größen
enthalten, wegzuwerfen (das nachherige Abziehen der ursprünglichen
Gleichung von der mit den Inkrementen gebildeten) und zuletzt für das
Inkrement der Ordinate die Ordinate selbst und für das Inkrement der
Abscisse die Subtangente zu substituiren. Man kann, wenn es so zu reden
erlaubt ist, das Verfahren nicht schulmeistermässiger angeben;—die
letztere Substitution ist die für die Tangentenbestimmung in der
gewöhnlichen Differentialmethode zur Grundlage gemachte Annahme der
Proportionalität der Inkremente der Ordinate und Abscisse mit der
Ordinate und Subtangente; in Barrows Regel erscheint diese Annahme in
ihrer ganz naiven Nacktheit. Eine einfache Weise, die Subtangente zu
bestimmen, war gefunden; die Manieren Robervals und Fermats laufen auf
Ähnliches hinaus,—die Methode, die größten und kleinsten Werthe zu
finden, von der der Letztere ausging, beruht auf denselben Grundlagen
und demselben Verfahren. Es war eine mathematische Sucht jener Zeiten,
sogenannte Methoden, d. i. Regeln jener Art zu finden, dabei aus ihnen
auch ein Geheimniß zu machen, was nicht nur leicht, sondern selbst in
einer Rücksicht nöthig war, aus demselben Grunde, als es leicht
war,—nämlich weil die Erfinder nur eine empirische äußerliche Regel,
keine Methode, d. i. nichts aus anerkannten Principien Abgeleitetes,
gefunden hatten. Solche sogenannte Methoden hat Leibnitz von seiner
Zeit, und Newton ebenfalls von derselben und unmittelbarer von seinem
Lehrer aufgenommen; sie haben durch die Verallgemeinerung ihrer Form
und Anwendbarkeit den Wissenschaften neue Bahnen gebrochen, aber damit
zugleich das Bedürfniß gehabt, das Verfahren aus der Gestalt bloß
äußerlicher Regeln zu reißen, und demselben die erforderliche
Berechtigung zu verschaffen gesucht.
Analysiren wir die Methode näher, so ist der wahrhafte Vorgang dieser.
Es werden erstlich die Potenzenbestimmungen (versteht sich der
veränderlichen Größen), welche die Gleichung enthält, auf ihre ersten
Funktionen herabgesetzt. Damit aber wird der Werth der Glieder der
Gleichung verändert; es bleibt daher keine Gleichung mehr, sondern es
ist nur ein Verhältniß entstanden zwischen der ersten Funktion der
einen veränderlichen Größe zu der ersten Funktion der andern; statt px
= y[hoch 2] hat man p : 2y oder statt 2 ax—x[hoch 2] = y[hoch 2] hat
man a—x : y, was nachher als das Verhältniß dy/dx bezeichnet zu werden
pflegte. Die Gleichung ist Gleichung der Curve, dieß Verhältniß, das
ganz von derselben abhängig, aus derselben (oben nach einer bloßen
Regel) abgeleitet ist, ist dagegen ein lineares, mit welchem gewisse
Linien in Proportion sind; p : 2y oder a—x : y sind selbst Verhältnisse
aus geraden Linien der Kurve, den Koordinaten und den Parameters; aber
damit weiß man noch nichts. Das Interesse ist, von andern an der Kurve
vorkommenden Linien zu wissen, daß ihnen jenes Verhältniß zukommt, die
Gleichheit zweier Verhältnisse zu finden.—Es ist also zweitens die
Frage, welches die geraden, durch die Natur der Kurve bestimmten Linien
sind, welche in solchem Verhältnisse stehen?—dieß aber ist es, was
schon früher bekannt war, daß nämlich solches auf jenem Wege erhaltenes
Verhältniß das Verhältniß der Ordinate zur Subtangente ist. dieß hatten
die Alten auf sinnreichem geometrischen Wege gefunden; was die neuern
Erfinder entdeckt haben, ist das empirische Verfahren, die Gleichung
der Kurve so zuzurichten, daß jenes erste Verhältniß geliefert wird,
von dem bereits bekannt war, daß es einem Verhältnisse gleich ist,
welches die Linie enthält, hier die Subtangente, um deren Bestimmung es
zu thun ist. Theils ist nun jene Zurichtung der Gleichung methodisch
gefaßt und gemacht worden,—die Differentation,—Theils aber sind die
imaginären Inkremente der Koordinaten und das imaginäre hieraus und
einem ebensolchen Inkremente der Tangente gebildete, charakteristische
Dreieck erfunden worden, damit die Proportionalität des durch die
Depotenzirung der Gleichung gefundenen Verhältnisses mit dem
Verhältnisse der Ordinate und der Subtangente nicht als etwas empirisch
nur aus der alten Bekanntschaft Aufgenommenes, sondern als ein
Erwiesenes dargestellt werde. Die alte Bekanntschaft jedoch erweist
sich überhaupt und am unverkennbarsten in der angeführten Form von
Regeln als die einzige Veranlassung und respektive Berechtigung der
Annahme des charakteristischen Dreiecks und jener Proportionalität.
Lagrange hat nun diese Simulation verworfen, und den
ächtwissenschaftlichen Weg eingeschlagen; seiner Methode ist die
Einsicht zu verdanken, worauf es ankommt, indem sie darin besteht, die
beiden Übergänge, die für die Auflösung der Aufgabe zu machen sind, zu
trennen und jede dieser Seiten für sich zu behandeln und zu erweisen.
Der eine Theil dieser Auflösung,—indem wir für die nähere Angabe des
Ganges bei dem Beispiele der elementarischen Aufgabe, die Subtangente
zu finden, bleiben,—der theoretische oder allgemeine Theil, nämlich das
Finden der ersten Funktion aus der gegebenen Kurvengleichung, wird für
sich regulirt; derselbe giebt ein lineares Verhältniß, also von geraden
Linien, die in dem Systeme der Kurvenbestimmung vorkommen. Der andere
Theil der Auflösung ist nun die Findung derjenigen Linien an der Kurve,
welche in jenem Verhältnisse stehen. Dieß wird nun auf die direkte
Weise (Théorie des Fonct. Anal. II. P. II. Chap.) bewerkstelligt, d. i.
ohne das charakteristische Dreieck, nämlich ohne unendlichkleine Bogen,
Ordinaten und Abscissen anzunehmen und diesen die Bestimmungen von dy
und dx, d. i. von den Seiten jenes Verhältnisses und zugleich
unmittelbar die Bedeutung der Gleichheit desselben mit der Ordinate und
Subtangente selbst zu geben. Eine Linie (wie auch ein Punkt) hat allein
ihre Bestimmung, insofern sie die Seite eines Dreiecks ausmacht, wie
auch die Bestimmmung eines Punkts nur in einem solchen liegt. Dieß ist,
um es ini Vorbeigehen zu erwähnen, der Fundamentalsatz der analytischen
Geometrie, welcher die Coordinaten, wie, was dasselbe ist, in der
Mechanik das Parallelogramm der Kräfte herbeiführt, das eben darum der
vielen Bemühung um einen Beweis ganz unbedürftig ist.—Die Subtangente
wird nun als die Seite eines Dreiecks gesetzt, dessen weitere Seiten
die Ordinate und die darauf sich beziehende Tangente ist. Letztere hat
als gerade Linie zu einer Gleichung p = aq, (+ b hinzuzufügen ist für
die Bestimmung unnütz und wird nur um der beliebten Allgemeinheit
hinzugesetzt);—die Determination des Verhältnisses p/q fällt in a, den
Koefficienten von q, der die respective erste Funktion der Gleichung
ist, überhaupt aber nur als a = p/q betrachtet zu werden braucht als,
wie gesagt, die wesentliche Determination der geraden Linie, die als
Tangente an die Kurve applicirt ist. Indem nun ferner die erste
Funktion der Kurvengleichung genommen wird, ist sie ebenso die
Determination einer geraden Linie; indem ferner die eine Koordinate p
der ersten geraden Linie und y, die Ordinate der Kurve, als dieselben
genommen werden, daß also der Punkt, in welchem jene als Tangente
angenommene erste gerade die Kurve berührt, gleichfalls der
Anfangspunkt der durch die erste Funktion der Kurve bestimmten geraden
Linie ist, so kommt es darauf an, zu zeigen, daß diese zweite gerade
Linie mit der ersten zusammenfällt, d. h. Tangente ist; algebraisch
ausgedrückt, daß indem y = fx und p = Fq ist, und nun y = p, also fx =
Fq angenommen wird, auch f'x = F'q. Daß nun die als Tangente applicirte
gerade, und jene aus der Gleichung durch deren erste Funktion
determinirte gerade Linie zusammenfallen, daß die letztere also
Tangente ist; dieß wird mit Zuhilfnahme des Increments i der Abscisse
und des durch die Entwickelung der Funktion bestimmten Increments der
Ordinate gezeigt. Hier kommt denn also gleichfalls das berüchtigte
Increment herein; aber wie es zu dem so eben angegebenen Behufe
eingeführt wird, und die Entwickelung der Funktion nach demselben, muß
von dem früher erwähnten Gebrauch des Inkrements für das Finden der
Differentialgleichung und für das charakteristische Dreieck, wohl
unterschieden werden. Der hier gemachte Gebrauch ist berechtigt und
nothwendig; er fällt in den Umkreis der Geometrie, indem es zur
geometrischen Bestimmung einer Tangente als solcher gehört, daß
zwischen ihr und der Kurve, mit der sie einen Punkt gemeinschaftlich
hat, keine andere gerade Linie, die gleichfalls in diesen Punkt fiele,
durchgehen könne. Denn mit dieser Bestimmung ist die Qualität der
Tangente oder Nicht-Tangente auf den Größenunterschied zurückgeführt,
und diejenige Linie ist die Tangente, auf welche die größere
Kleinheit—schlechthin in Ansehung der Determination, auf welche es
ankommt, falle. Diese scheinbar nur relative Kleinheit enthält durchaus
nichts Empirisches, d. i. von einem Quantum als solchem Abhängiges, sie
ist qualitativ durch die Natur der Formel gesetzt, wenn der Unterschied
des Moments, von dem die zu vergleichende Größe abhängt, ein
Potenzenunterschied ist; indem derselbe auf i und i[hoch 2]
hinauskommt, und i, das zuletzt doch eine Zahl bedeuten soll, dann als
ein Bruch vorzustellen ist, so ist i[hoch 2] an und für sich kleiner
als i, so daß selbst die Vorstellung von einer beliebigen Größe, in der
man i nehmen könne, hier überflüssig und sogar nicht an ihrem Orte ist.
Ebendamit hat der Erweis der größern Kleinheit nichts mit einem
Unendlich-Kleinen zu thun, das hiermit hier keineswegs hereinzukommen
hat.
Wäre es auch nur um der Schönheit und des heutigstags mehr vergessen,
aber wohlverdienten Ruhmes willen, daß ich noch Descartes
Tangentenmethode anführen will; sie hat übrigens auch eine Beziehung
auf die Natur der Gleichungen, über welche dann noch eine fernere
Bemerkung zu machen ist. Descartes trägt diese selbstständige Methode,
worin die geforderte lineare Bestimmung gleichfalls aus derselben
abgeleiteten Funktion gefunden wird, in seiner, sonst auch so fruchtbar
gewordenen Geometrie (liv. II. p. 357 ss. Oeuvres compl. ed. Cousin
Tom. V.) vor, indem er in derselben die große Grundlage von der Natur
der Gleichungen und deren geometrischer Konstruktion und der damit
sosehr erweiterten Analysis auf die Geometrie überhaupt, gelehrt hat.
Das Problem hat bei ihm die Form der Aufgabe, gerade Linien senkrecht
auf beliebige Orte einer Kurve zu ziehen, als wodurch Subtangente
u.s.f. bestimmt wird; man begreift die Befriedigung, die er daselbst
über seine Entdeckung, die einen Gegenstand von allgemeinem
wissenschaftlichen Interesse der damaligen Zeit betraf, und die sosehr
geometrisch ist und dadurch so hoch über den oben erwähnten bloßen
Regelmethoden seiner Nebenbuhler stand, ausdrückt: j'ose dire que c'est
ceci le problème le plus utile et le plus général, non seulement que je
sache, mais même que j'aie jamais desire de savoir en géometrie.—Er
legt für die Auflösung die analytische Gleichung des rechtwinklichten
Dreiecks zu Grund, das durch die Ordinate des Punkts der Kurve, auf
welcher die im Probleme verlangte gerade Linie senkrecht seyn soll,
dann durch diese selbst, die Normale, und drittens durch den Theil der
Achse, der durch die Ordinate und Normale abgeschnitten wird, durch die
Subnormale, gebildet wird. Aus der bekannten Gleichung einer Kurve wird
nun in jene Gleichung des Dreiecks der Werth es sey der Ordinate oder
der Abscisse substituirt, so hat man eine Gleichung des zweiten Grades
(und Descartes zeigt, wie auch Kurven, deren Gleichungen höhere Grade
enthalten, sich hierauf zurückführen), in welcher nur noch die eine der
veränderlichen Größen und zwar im Quadrat und in der ersten Potenz
vorkommt;—eine quadratische Gleichung, welche zunächst als eine
sogenannte unreine erscheint. Nun macht Descartes die Reflexion, daß
wenn der auf der Kurve angenommene Punkt als Durchschnittspunkt
derselben und eines Kreises vorgestellt wird, dieser Kreis die Kurve
noch in einem anderen Punkte schneiden wird, und alsdenn sich für die
zwei damit entstehenden und ungleichen x, zwei Gleichungen mit
denselben Konstanten und von derselben Form ergeben;—oder aber nur Eine
Gleichung mit ungleichen Werthen von x. Die Gleichung wird aber nur
Eine, für das Eine Dreieck, in welchem die Hypotenuse auf die Kurve
senkrecht, Normale, ist, was so vorgestellt wird, daß man die beiden
Durchschnittspunkte der Kurve durch den Kreis, zusammenfallen, diesen
also die Kurve berühren lasse. Damit aber fällt auch der Umstand der
ungleichen Wurzeln des x oder y der quadratischen Gleichung hinweg. Bei
einer quadratischen Gleichung von zwei gleichen Wurzeln nun aber ist
der Koefficient des Gliedes, das die Unbekannte in der ersten Potenz
enthält, das Doppelte der nur Einen Wurzel; dieß nun giebt eine
Gleichung, durch welche die verlangten Bestimmungen gefunden sind.
Dieser Gang ist für den genialen Griff eines ächt analytischen Kopfes
anzusehen, wogegen die ganz assertorisch angenommene Proportionalität
der Subtangente und der Ordinate mit den unendlich klein seyn sollenden
sogenannten Inkrementen der Abscisse und der Ordinate ganz zurücksteht.
Die auf die angegebene Weise erhaltene Endgleichung, welche den
Koefficienten des zweiten Gliedes der quadratischen Gleichung
gleichsetzt der doppelten Wurzel oder Unbekannten, ist dieselbe, welche
durch das Verfahren des Differentialkalkuls gefunden wird. x[hoch
2]—ax—b = 0 differentiirt giebt die neue Gleichung 2x—a = 0; oder
x[hoch 3]—px—q = 0 giebt 3x[hoch 2]—p = 0. Es bietet sich hierbei aber
die Bemerkung an, daß es sich keineswegs von selbst versteht, daß
solche abgeleitete Gleichung auch
richtig ist. Bei einer Gleichung mit zwei veränderlichen Größen, die
darum, daß sie veränderliche sind, den Charakter unbekannte Größen zu
seyn nicht verlieren, kommt, wie oben betrachtet wurde, nur ein
Verhältniß heraus, aus dem angegebenen einfachen Grunde, weil durch das
Substituiren der Funktionen der Potenzirung an die Stelle der Potenzen
selbst der Werth der beiden Glieder der Gleichung verändert wird, und
es für sich selbst noch unbekannt ist, ob auch zwischen ihnen bei so
veränderten Werthen noch eine Gleichung Statt finde. Die Gleichung
dy/dx = P drückt gar nichts weiter aus, als daß P ein Verhältniß ist,
und es ist dem dy/dx sonst kein reeller Sinn zuzuschreiben. Von diesem
Verhältniß = P ist es aber ebenso noch unbekannt, welchem andere
Verhältnisse es gleich sey; solche Gleichung, die Proportionalität,
giebt demselben erst einen Werth und Bedeutung.—Wie angegeben wurde,
daß man diese Bedeutung, was die Anwendung hieß, anderswoher, empirisch
aufnahm, so muß bei den hier in Rede stehenden durch Differentation
abgeleiteten Gleichungen anderswoher gewußt werden, ob sie gleiche
Wurzeln haben, um zu wissen, ob die erhaltene Gleichung noch richtig
sey. Dieser Umstand wird aber in den Lehrbüchern nicht ausdrücklich
bemerklich gemacht; er wird wohl dadurch beseitigt, daß eine Gleichung
mit einer unbekannten, auf Null gebracht, sogleich y gesetzt wird,
wodurch dann bei der Differentation allerdings ein dy/dx, nur ein
Verhältniß herauskommt. Der Funktionen-Kalkul soll es allerdings mit
Funktionen der Potenzirung oder die Differentialrechnung mit
Differentialien zu thun haben, aber daraus folgt für sich noch
keineswegs, daß die Größen, deren Differentialien oder Funktionen der
Potenzirung genommen werden, selbst auch nur Funktionen anderer Größen
seyn sollen. In dem theoretischen Theile, der Anweisung, die
Differentiale, d. i. die Funktionen der Potenzirung abzuleiten, wird
ohnehin noch nicht daran gedacht, daß die Größen, die nach solcher
Ableitung zu behandeln gelehrt wird, selbst Funktionen anderer Größen
seyn sollen.
Noch kann in Ansehung des Weglassens der Konstante bei dem
Differentiiren bemerklich gemacht werden, daß dasselbe hier den Sinn
hat, daß die Konstante für die Bestimmung der Wurzeln im Falle ihrer
Gleichheit gleichgültig ist, als welche Bestimmung durch den
Koefficienten des zweiten Gliedes der Gleichung erschöpft ist. Wie im
angeführten Beispiele von Descartes die Konstante das Quadrat der
Wurzeln selbst ist, also diese aus der Konstante ebenso wie aus den
Koefficienten, bestimmt werden kann; indem sie überhaupt, wie die
Koefficienten, Funktion der Wurzeln der Gleichung ist. In der
gewöhnlichen Darstellung erfolgt das Wegfallen der sogenannten nur
durch + und—mit den übrigen Gliedern verbundenen Konstanten durch den
bloßen Mechanismus des Verfahrens, daß um das Differential eines
zusammengesetzten Ausdrucks zu finden, nur den veränderlichen Größen
ein Zuwachs gegeben, und der hierdurch formirte Ausdruck von dem
ursprünglichen abgezogen wird. Der Sinn der Konstanten und ihres
Weglassens inwiefern sie selbst Funktionen sind und nach dieser
Bestimmung dienen oder nicht, kommt nicht zur Sprache.
Mit dem Weglassen der Konstanten, hängt eine ähnliche Bemerkung
zusammen, die über die Namen von Differentation und Integration,
gemacht werden kann, als früher über den endlichen und unendlichen
Ausdruck gemacht wurde, daß nämlich in ihrer Bestimmung vielmehr das
Gegentheil von dem liegt, was der Ausdruck besagt. Differentiiren
bezeichnet das Setzen von Differenzen; durch das Differentiiren aber
wird eine Gleichung vielmehr auf weniger Dimensionen herabgebracht,
durch das Weglassen der Konstante wird ein Moment der Bestimmtheit
hinweggenommen; wie bemerkt, werden die Wurzeln der veränderlichen
Größe auf eine Gleichheit gesetzt, die Differenz also derselben
aufgehoben. In der Integration hingegen soll die Konstante wieder
hinzugesetzt werden; die Gleichung wird dadurch allerdings, aber in dem
Sinne integrirt, daß die vorher aufgehobene Differenz der Wurzeln
wieder hergestellt, das Gleichgesetzte wieder differentiirt wird. —Der
gewöhnliche Ausdruck trägt dazu bei, die wesentliche Natur der Sache in
Schatten zu setzen und Alles auf den untergeordneten, ja der Hauptsache
fremdartigen Gesichtspunkt Theils der unendlich kleinen Differenz, des
Increments und dergleichen, Theils der bloßen Differenz überhaupt
zwischen der gegebenen und der abgeleiteten Funktion, ohne deren
specifischen, d. i. den qualitativen Unterschied zu bezeichnen, zu
stellen.
Ein anderes Hauptgebiet, in welchem von dem Differentialkalkul Gebrauch
gemacht wird, ist die Mechanik; von den unterschiedenen
Potenzen-Funktionen, die sich bei den elementarischen Gleichungen ihres
Gegenstandes, der Bewegung ergeben, sind deren Bedeutungen bereits
beiläufig erwähnt; ich will dieselben hier direkt aufnehmen. Die
Gleichung, nämlich der mathematische Ausdruck, der
schlechtgleichförmigen Bewegung c = s/t oder s = ct, in welcher die
durch offenen Räume den verflossenen Zeiten nach einer empirischen
Einheit c, der Größe der Geschwindigkeit, proportionirt sind, bietet
für die Differentation keinen Sinn dar; der Koefficient c ist bereits
vollkommen bestimmt und bekannt, und es kann keine weitere
Potenzenentwicklung Statt finden.—Wie s = at[hoch 2], die Gleichung der
Bewegung des Falles, analysirt wird, ist früher schon erinnert; —das
erste Glied der Analyse ds/dt = 2 at wird in die Sprache und resp. in
die Existenz so übersetzt, es solle ein Glied einer Summe (- welche
Vorstellung wir längst entfernt haben), der eine Theil der Bewegung
seyn und zwar solle dieser der Kraft der Trägheit, d. i. einer
schlechtgleichförmigen Geschwindigkeit so zukommen, daß in den
unendlich-kleinen Zeittheilen die Bewegung gleichförmig, in den
endlichen Zeittheilen d. h. in der That existirenden aber
ungleichförmig sey. Freilich ist fs = 2at; und die Bedeutung voll a und
von t für sich bekannt, so wie daß hiermit die Bestimmung von
gleichförmiger Geschwindigkeit einer Bewegung gesetzt ist; da a =
s/[t[hoch 2]] ist 2 at = 2s/t überhaupt; damit aber weiß man im
geringsten nichts weiter; nur die fälschliche Annahme, daß 2at ein
Theil der Bewegung als einer Summe sey, giebt den fälschlichen Schein
eines physikalischen Satzes. Der Faktor selbst, a, die empirische
Einheit—ein Quantum als solches—wird der Schwere zugeschrieben; wenn
die Kategorie der Kraft der Schwere gebraucht wird, so ist vielmehr zu
sagen, daß eben das Ganze s = at[hoch 2] die Wirkung oder besser das
Gesetz der Schwere ist.—Gleichmäßig ist der aus ds/dt = 2at abgeleitete
Satz, daß wenn die Schwere aufhörte zu wirken, der Körper mit der am
Ende seines Falles erlangten Geschwindigkeit den doppelten Raum von
dem, welchen er durchloffen hat, in einer der Dauer seines Falles
gleichen Zeit zurücklegen würde.—Es liegt hierin auch eine für sich
schiefe Metaphysik; das Ende des Falles, oder das Ende eines
Zeittheils, in welchem der Körper gefallen, ist immer selbst noch ein
Zeittheil; wäre es kein Zeittheil, so wäre Ruhe und damit keine
Geschwindigkeit angenommen, die Geschwindigkeit kann nur nach dem Raume
angesetzt werden, welcher in einem Zeittheil, nicht an seinem Ende,
durchloffen worden ist.—Wenn nun aber vollends in andern physikalischen
Gebieten, wo gar keine Bewegung vorhanden ist, wie z.B. im Verhalten
des Lichts (außer dem, was seine Fortpflanzung im Raume genannt wird)
und Größenbestimmungen an den Farben, eine Anwendung der
Differentialrechnung gemacht wird und die erste Funktion von einer
quadratischen Funktion hier auch Geschwindigkeit genannt wird, so ist
dieß für einen noch unstatthafteren Formalismus der Erdichtung von
Existenz anzusehen. -Bewegung, welche durch die Gleichung s = at[hoch
2] vorgestellt wird, finden wir, sagt Lagrange in der Erfahrung vom
Falle der Körper; die einfachste Bewegung derselben würde die seyn,
deren Gleichung s = ct[hoch 3] wäre, aber die Natur zeige keine
Bewegung dieser Art; wir wüßten nicht was der Koefficient c bedeuten
könnte. Wenn dem wohl so ist, so giebt es dagegen eine Bewegung, deren
Gleichung s[hoch 3] = at[hoch 2] ist,—das kepplerische Gesetz der
Bewegung der Körper des Sonnensystems; was hier die erste abgeleitete
Funktion 2at/[3s [hoch 2]] u.s.f. bedeuten soll, und die fernere
direkte Behandlung dieser Gleichung durch die Differentation, die
Entwicklung der Gesetze und Bestimmungen jener absoluten Bewegung von
diesem Ausgangspunkte aus, müßte dagegen wohl als eine interessante
Aufgabe erscheinen, in welcher die Analysis im würdigsten Glanze sich
zeigen würde.
Für sich bietet so die Anwendung des Differential-Kalkuls auf die
elementarischen Gleichungen der Bewegung kein reelles Interesse dar;
das formelle Interesse kommt von dem allgemeinen Mechanismus des
Kalkuls. Eine andre Bedeutung aber erhält die Zerlegung der Bewegung in
Beziehung auf die Bestimmung ihrer Trajektorie; wenn dieses eine Kurve
ist und ihre Gleichung höhere Potenzen enthält, bedarf es der Übergänge
von geradlinigten Funktionen als Funktionen der Potenzirnng, zu den
Potenzen selbst, und indem jene aus der ursprünglichen Gleichung der
Bewegung, welche den Faktor der Zeit enthält, mit Elimination der Zeit
zu gewinnen sind, ist dieser zugleich auf die niedrigern
Entwicklungsfunktionen herabzusetzen, aus welchen jene Gleichungen
linearer Bestimmungen erhalten werden können. Diese Seite führt auf das
Interesse des andern Theils der Differentialrechnung.
Das Bisherige hat den Zweck gehabt, die einfache specifische Bestimmung
des Differential-Kalkuls herauszuheben und festzustellen, und dieselbe
in einigen der elementarischen Beispiele nachzuweisen. Diese Bestimmung
hat sich ergeben darin zu bestehen, daß aus einer Gleichung von
Potenzenfunktionen der Koefficient des Entwicklungsgliedes, die
sogenannte erste Funktion gefunden, und das Verhältniß, welches diese
ist, in Momenten des konkreten Gegenstands aufgewiesen werde, durch
welche so erhaltene Gleichung zwischen den beiden Verhältnissen diese
Momente selbst bestimmt sind. Es ist ebenso von dem Princip der
Integralrechnung kurz zu betrachten, was sich aus dessen Anwendung, für
die specifische konkrete Bestimmnng derselben ergiebt. Die Ansicht
dieses Kalkuls ist dadurch schon vereinfacht und richtiger bestimmt
worden, daß er nicht mehr als Summationsmethode genommen wird, wie er
im Gegensatz gegen das Differentiiren, wo der Zuwachs als das
wesentliche Ingrediens gilt, genannt wurde, und womit er in
wesentlichem Zusammenhang mit der Form der Reihe erschien.—Die Aufgabe
dieses Kalkuls ist zunächst ebenso die theoretische oder vielmehr
formelle, als die der Differentialrechnung, bekanntlich aber die
umgekehrte von dieser;—es wird hier von einer Funktion ausgegangen, die
als abgeleitete, als der Koefficient des nächsten aus der Entwicklung
einer aber noch unbekannten Gleichung entsprungenen Gliedes betrachtet
wird, und aus ihr soll die ursprüngliche Potenzen-Funktion gefunden
werden; die in der natürlichen Ordnung der Entwicklung als ursprünglich
anzusehende wird hier abgeleitet und die früher als abgeleitet
betrachtete ist hier die gegebene oder überhaupt die anfangende. Das
Formelle dieser Operation scheint nun aber bereits durch den
Differential-Kalkul geleistet zu seyn; indem darin überhaupt der
Übergang und das Verhältniß von der ursprünglichen zu der
Entwicklungsfunktion festgestellt ist. Wenn hierbei Theils schon um die
Funktion, von der auszugehen ist, anzusetzen, Theils aber den Übergang
von ihr zu der ursprünglichen zu bewerkstelligen, nothwendig in vielen
Fällen zu der Form der Reihe die Zuflucht genommen werden muß, so ist
zunächst festzuhalten, daß diese Form als solche mit dem
eigenthümlichen Prinzip des Integrirens unmittelbar nichts zu thun hat.
Der andere Theil nun aber der Aufgabe des Kalkuls erscheint in
Rücksicht auf die formelle Operation die Anwendung derselben. Diese ist
nun selbst die Aufgabe, nämlich die Bedeutung in dem oben angegebenen
Sinne zu kennen, welche die ursprüngliche Funktion von der gegebenen
als ersten Funktion betrachteten eines besondern Gegenstandes hat. An
sich könnte auch diese Lehre bereits in der Differentialrechnung ganz
abgethan zu seyn scheinen; allein es tritt ein weiterer Umstand ein,
der die Sache nicht so einfach seyn läßt. Indem nämlich in diesem
Kalkul sich ergeben, daß durch die erste Funktion der Gleichung einer
Kurve das Verhältniß, welches ein lineares ist, erhalten worden, so
weiß man damit auch, daß die Integration dieses Verhältnisses die
Gleichung der Kurve im Verhältnisse der Abscisse und Ordinate giebt;
oder wenn die Gleichung für die Ebene einer Kurve gegeben wäre, so
würde die Differentialrechnung über die Bedeutung der ersten Funktion
solcher Gleichung bereits gelehrt haben sollen, daß diese Funktion die
Ordinate als Funktion der Abscisse, hiermit die Gleichung der Kurve
darstellte.
Nun kömmt es aber darauf an, welches von den Bestimmungsmomenten des
Gegenstandes in der Gleichung selbst gegeben ist; denn nur von dem
Gegebenen kann die analytische Behandlung den Ausgang nehmen und von da
zu den übrigen Bestimmungen des Gegenstands übergehen. Es ist z. B.
nicht die Gleichung eines Flächenraums der Kurve, noch etwa des durch
ihre Umdrehung entstehenden Körpers, noch auch eines Bogens derselben,
sondern nur das Verhältniß der Abscisse und Ordinate in der Gleichung
der Kurve selbst gegeben. Die Übergänge von jenen Bestimmungen zu
dieser Gleichung selbst können daher nicht schon in der
Differentialrechnung behandelt werden; es wird für die Integralrechnung
aufgespart, diese Verhältnisse zu finden.
Ferner aber ist gezeigt worden, daß die Differentiirung der Gleichung
von mehreren veränderlichen Größen, die Entwicklungspotenz oder
Differential-Koefficienten, nicht als eine Gleichung, sondern nur als
ein Verhältniß giebt; die Aufgabe ist dann für dieß Verhältniß, welches
die abgeleitete Funktion ist, ein zweites in den Momenten des
Gegenstandes anzugeben, das jenem gleich sey. Dagegen ist das Object
der Integralrechnung das Verhältniß selbst der ursprünglichen zu der
abgeleiteten, hier gegeben seyn sollenden Funktion, und die Aufgabe
ist, die Bedeutung der zu findenden ursprünglichen Funktion in dem
Gegenstande der gegebenen ersten Funktion anzugeben, oder vielmehr
indem diese Bedeutung z.B. die Ebene einer Kurve oder die zu
rectificirende, als geradlinigt vorgestellte Kurve u.s.f. schon als das
Problem ausgesprochen ist, zu zeigen, daß solche Bestimmung durch eine
ursprüngliche Funktion gefunden werde und welches das Moment des
Gegenstandes sey, welches hierfür zur Ausgangs- (der abgeleiteten)
Funktion, angenommen werden müsse.
Die gewöhnliche Methode nun, welche die Vorstellung der Differenz als
des Unendlichkleinen gebraucht, macht sich die Sache leicht; für die
Quadratur der Kurven also nimmt sie ein unendlich kleines Rektangel,
ein Produkt der Ordinate in das Element d. i. das Unendlichkleine der
Abscisse, für das Trapez, das zu einer seiner Seiten den
unendlichkleinen, jenem unendlichkleinen der Abscisse
gegenüberstehenden Bogen habe; das Produkt wird nun in dem Sinne
integrirt, daß das Integral die Summe der unendlich vielen Trapeze, die
Ebene, deren Bestimmung verlangt wird, nämlich die endliche Größe jenes
Elements der Ebene gebe. Ebenso formirt sie aus den Unendlichkleinen
des Bogens, und der dazu gehörigen Ordinate und Abscisse ein
rechtwincklichtes Dreieck, in welchem das Quadrat jenes Bogens gleich
sey der Summe der Quadrate der beiden andern Unendlichkleinen, deren
Integration den Bogen als einen endlichen giebt.
Dieß Verfahren hat die allgemeine Entdeckung, welche diesem Gebiete der
Analysis zu Grunde liegt, zu seiner Voraussetzung, hier in der Weise,
daß die quadrirte Kurve, der rectificirte Bogen u.s.f. zu einer
gewissen durch die Gleichung der Kurve gegebenen Funktion, in dem
Verhältniß der sogenannten ursprünglichen Funktion zu der abgeleiteten
steht. Es handelt sich darum zu wissen, wenn ein gewisser Theil eines
mathematischen Gegenstandes (z.B. einer Kurve) als die abgeleitete
Funktion angenommen werde, welcher andere Theil desselben durch die
entsprechende ursprüngliche Funktion ausgedrückt ist. Man weiß, daß
wenn die durch die Gleichung der Kurve gegebene Funktion der Ordinate
als abgeleitete Funktion genommen wird, die relativ ursprüngliche
Funktion der Größenausdruck der von dieser Ordinate abgeschnittenen
Area der Kurve ist, daß wenn eine gewisse Tangentenbestimmung als
abgeleitete Funktion angesehen wird, die ursprüngliche Funktion
derselben die Größe des zu dieser Tangentenbestimmung gehörigen Bogens
ausdrückt, u. s. f. daß nun aber diese Verhältnisse, das eine einer
ursprünglichen Funktion zu der abgeleiteten, das andere von den Größen
zweier Theile oder Umstände des mathematischen Gegenstandes, eine
Proportion bilden, dieß zu erkennen und zu beweisen, erspart sich die
Methode, die das Unendlichkleine und die mechanische Operation mit
demselben gebraucht. Das eigenthümliche Verdienst des Scharfsinns ist,
aus den anderwärts her bereits bekannten Resultaten herausgefunden zu
haben, daß gewisse und welche Seiten eines mathematischen Gegenstandes,
in dem Verhältnisse von ursprünglicher und von abgeleiteter Funktion
stehen.
Von diesen beiden Funktionen ist die abgeleitete, oder wie sie bestimmt
worden ist, die Funktion der Potenzirung, hier in diesem Kalkul die
gegebene, relativ gegen die ursprüngliche, als welche erst aus jener
durch die Integration, gefunden werden soll. Allein sie ist nicht
unmittelbar gegeben, noch ist es für sich schon gegeben, welcher Theil
oder Bestimmung des mathematischen Gegenstands als die abgeleitete
Funktion angesehen werden soll, um durch Zurückführung derselben auf
die ursprüngliche den andern Theil oder Bestimmung zu finden, deren
Größe das Problem verlangt. Die gewöhnliche Methode, die, wie gesagt,
sogleich gewisse Theile des Gegenstandes als unendlich klein, in der
Form abgeleiteter Funktionen, vorstellt, welche sich aus der
ursprünglich gegebenen Gleichung des Gegenstandes überhaupt durch die
Differentiirung bestimmen lassen, (—wie für die Rektifikation einer
Kurve, die unendlichkleinen Abscissen und Ordinaten), nimmt dafür
solche, welche sich mit dem Gegenstande des Problems, (in dem
Beispiele, dem Bogen) der ebenso als unendlichklein vorgestellt wird,
in eine Verbindung bringen lassen, die in der Elementar-Mathematik
festgestellt ist, und wodurch, wenn jene Theile bekannt sind, auch
dieser bestimmt ist, dessen Größe zu finden aufgegeben ist; so werden
für die Rektifikation die angegebenen drei Unendlichkleinen in die
Verbindung der Gleichung des rechtwinklichten Dreiecks gebracht, für
die Quadratur die Ordinate mit der unendlichkleinen Abscisse in die
Verbindung eines Produkts, indem eine Ebene überhaupt arithmetisch als
Produkt von Linien angenommen ist. Der Übergang von solchem sogenannten
Elemente der Ebene, des Bogens u.s.f. zur Größe der Ebene, des Bogens
u.s.f. selbst, gilt dann nur als das Aufsteigen von dem unendlichen
Ausdruck zum endlichen, oder zur Summe der unendlich vielen Elemente,
aus denen die verlangte Größe bestehen soll.
Es kann daher nur oberflächlich gesagt werden, daß die Integralrechnung
bloß das umgekehrte, überhaupt jedoch schwierigere Problem der
Differentialrechnung sey; das reelle Interesse der Integralrechnung
geht vielmehr ausschließlich auf das Verhältniß der ursprünglichen und
der abgeleiteten Funktion in den konkreten Gegenständen, zu einander.
Lagrange ist ebenso wenig in diesem Theile des Kalkuls darauf
eingegangen, die Schwierigkeit der Probleme auf die glatte Weise jener
direkten Annahmen abzuthun. Es wird zur Erläuterung der Natur der Sache
beitragen, gleichfalls das Nähere seines Verfahrens aus einigen wenigen
Beispielen anzugeben. Dasselbe macht es sich eben zur Aufgabe, für sich
zu beweisen, daß zwischen besondern Bestimmungen eines mathematischen
Ganzen z.B. einer Kurve, ein Verhältniß von der ursprünglichen zu der
abgeleiteten Funktion Statt finde. Dieß kann nun aber in diesem Felde
vermöge der Natur des Verhältnisses selbst, welches am mathematischen
Gegenstande, krumme mit geraden Linien, lineare Dimensionen und
Funktionen derselben mit Ebenen-Flächen-Dimensionen und deren Funktion
u.s.f. also qualitativ verschiedene in Beziehung bringt, nicht auf
direkte Weise bewerkstelligt werden, die Bestimmung läßt sich so nur
als die Mitte zwischen einem Größern und Kleinern auffassen. Hiermit
tritt von selbst wohl wieder die Form eines Zuwachses mit Plus und
Minus ein, und das rüstige: Développons, ist an seiner Stelle; aber wie
die Zuwächse hier nur arithmetische, endliche Bedeutung haben, davon
ist vorhin gesprochen worden. Aus der Entwicklung jener Bedingung, daß
die zu bestimmende Größe größer als die eine leicht bestimmbare Grenze
und kleiner als die andere sey, wird dann z.B. hergeleitet, daß die
Funktion der Ordinate die abgeleitete erste Funktion zu der Funktion
der Area ist.
Die Rektifikation der Kurven, wie sie von Lagrange aufgezeigt wird,
indem er von dem archimedischen Princip ausgeht, hat das Interesse, die
Übersetzung der archimedischen Methode in das Princip der neuern
Analysis einzusehen,
was einen Blick in das Innere und in den wahrhaften Sinn des auf die
andere Art mechanisch betriebenen Geschäftes thun läßt. Die
Verfahrungsweise ist der so eben angegebenen nothwendig analog; das
archimedische Princip, daß der Bogen einer Kurve größer ist, als seine
Chorde und kleiner als die Summe zweier an den Endpunkten des Bogens,
gezogenen Tangenten, insoweit sie zwischen diesen Punkten und ihrem
Durchschnittspunkt enthalten sind, giebt keine direkte Gleichung. Die
Übertragung jener archimedischen Grundbestimmung in die moderne
analytische Form ist die Erfindung eines Ausdrucks, der für sich eine
einfache Grundgleichung sey, während jene Form nur die Forderung
aufstellt, zwischen einem zu Großen und zu Kleinen, die sich jedesmal
bestimmt haben, ins Unendliche fortzugehen, welches Fortgehen wieder
immer nur ein neues zu Großes und ein neues zu Kleines jedoch in immer
engern Grenzen giebt. Vermittelst des Formalismus des Unendlichkleinen
wird sogleich die Gleichung dz[hoch 2] = dx[hoch 2] + dy[hoch 2]
angesetzt. Die lagrangesche Exposition ausgehend von der angegebenen
Grundlage zeigt hingegen auf, daß die Größe des Bogens die
ursprüngliche Funktion ist zu einer abgeleiteten, von der das
eigenthümliche Glied selbst eine Funktion aus dem Verhältnisse einer
abgeleiteten zu der ursprünglichen der Ordinate ist.
Weil in dem archimedischen Verfahren, wie dann später in der
kepplerschen Behandlung stereometrischer Gegenstände, die Vorstellung
vom Unendlichkleinen vorkommt, so ist dieß so oft als eine Autorität
für den Gebrauch, der von dieser Vorstellung in dem Differentialkalkul
gemacht wird, angeführt worden, ohne daß das Eigenthümliche und
Unterscheidende herausgehoben worden wäre. Das Unendlichkleine bedeutet
zunächst die Negation des Quantums als eines solchen, d. i. eines
sogenannten endlichen Ausdrucks, der vollendeten Bestimmtheit, wie sie
das Quantum als solches hat. Ebenso ist in den darauf folgenden
berühmten Methoden des Valerius, Cavalleri u. a., die sich auf die
Betrachtung der Verhältnisse geometrischer Gegenstände gründen, die
Grundbestimmung, daß das Quantum als solches der Bestimmungen, welche
nur im Verhältnisse zunächst betrachtet werden, für diesen Behuf auf
die Seite gestellt und sie hiernach als ein Nicht-Großes sollen
genommen werden. Aber Theils ist hiermit das Affirmative überhaupt,
welches hinter der bloß negativen Bestimmung liegt, nicht erkannt und
herausgehoben, welches sich oben abstrakt als die qualitative
Größebestimmtheit, und diese bestimmter in dem Potenzenverhältnisse
liegend, sich ergeben hat;—Theils aber, indem dieß Verhältniß selbst
wieder eine Menge näher bestimmter Verhältnisse in sich begreift, wie
das einer Potenz und deren Entwicklungsfunktion, so haben sie auch
wieder auf die allgemeine und negative Bestimmung desselben
Unendlichkleinen gegründet und daraus abgeleitet werden sollen. In der
eben ausgehobenen lagrangeschen Exposition ist das bestimmte
Affirmative, das in der archimedischen Entwicklungsweise der Aufgabe
liegt, gefunden und damit dem mit einem unbegrenzten Herausgehen
behafteten Verfahren seine richtige Grenze gegeben worden. Das Große
der modernen Erfindung für sich und ihre Fähigkeit vorher intraktable
Probleme zu lösen, und die früher lösbaren auf eine einfache Weise zu
behandeln, ist allein in die Entdeckung des Verhältnisses der
ursprünglichen zu den sogenannten abgeleiteten und der Theile, welche
an dem mathematischen Ganzen in solchem Verhältnisse stehen, zu setzen.
Die gemachten Anführungen mögen für den Zweck genügen, das
Eigenthümliche des Verhältnisses von Größen herauszuheben, welches der
Gegenstand der in Rede stehenden besondern Art des Kalkuls ist. Diese
Anführungen konnten sich auf einfache Probleme und deren
Auflösungsweisen beschränken; und weder wäre es für die
Begriffsbestimmung, um die es hier allein zu thun war, zweckmäßig
gewesen, noch hätte es in dem Vermögen des Verfassers gestanden, den
gesammten Umfang der sogenannten Anwendung der Differential- und
Integralrechnung vorzunehmen und die Induktion, daß das aufgezeigte
Princip derselben zu Grunde liege, durch die Zurückführung aller ihrer
Probleme und deren Lösungen darauf, zu vervollständigen. Das
Beigebrachte hat aber hinreichend gezeigt, daß wie jede besondere
Rechnungsweise eine besondere Bestimmtheit oder Verhältniß der Größe zu
ihrem Gegenstande hat, und ein solches das Addiren, Multipliciren, das
Erheben in Potenzen und Ausziehen der Wurzeln, die Rechnung mit
Logarithmen, Reihen u.s.f., konstituirt, ebenso der Differential- und
Integralkalkul; für das diesem Kalkul Angehörige möchte der Name des
Verhältnisses einer Potenzenfunktion und der Funktion ihrer Entwicklung
oder Potenzirung der passendste seyn, weil er der Einsicht der Natur
der Sache am nächsten liegt. Nur wie die Operationen nach den andern
Größenverhältnissen, wie Addiren u.s.f. bei diesem Kalkul überhaupt
gleichfalls gebraucht werden, werden auch die Logarithmen—Kreisund
Reihen-Verhältnisse angewendet, insbesondere um Ausdrücke zum Behuf der
erforderlichen Operationen des Ableitens der ursprünglichen aus den
Entwicklungsfunktionen traktabler zu machen. Mit der Reiheform hat die
Differential- und Integralrechnung wohl das nähere Interesse
geineinschaftlich, die Entwicklungsfunktionen, welche bei den Reihen
die Koefficienten der Glieder heissen, zu bestimmen; aber indem das
Interesse jenes Kalkuls nur auf das Verhältniß der ursprünglichen
Funktion zu dem nächsten Koefficienten ihrer Entwicklung geht, will die
Reihe in der nach Potenzen, die mit jenen Koefficienten versehen sind,
geordneten Menge von Gliedern eine Summe darstellen. Das Unendliche,
das bei der unendlichen Reihe vorkommt, der unbestimmte Ausdruck des
Negativen des Quantums überhaupt, hat mit der affirmativen Bestimmung,
welche im Unendlichen jenes Kalkuls liegt, nichts gemein. Ebenso ist
das Unendlichkleine, als der Zuwachs, vermittelst dessen die
Entwicklung in die Form der Reihe fällt, nur ein äußeres Mittel für die
Entwickelung, und seine sogenannte Unendlichkeit ohne alle andere
Bedeutung, als die, sonst gar keine zu haben, als die jenes Mittels;
die Reihe, da sie in der That es nicht ist, die verlangt wird, führt
ein Zuviel herbei, welches wieder wegzubringen, die überflüssige Mühe
macht. Von dieser Mühe ist die Methode Lagrange's, der die Form der
Reihe vorzugsweise wieder aufgenommen hat, gleichfalls gedrückt;
obgleich sie es ist, durch welche in dem, was die Anwendung genannt
wird, die wahre Eigenthümlichkeit sich heraushebt, indem ohne die
Formen von dx, dy u. s.f. in die Gegenstände hinein zu zwängen, direkt
derjenige Theil nachgewiesen wird, dem an ihnen die Bestimmtheit der
abgeleiteten (- Entwickelungs—) Funktion zukommt, und es sich damit
zeigt, daß die Form der Reihe hier nicht das ist, um das es sich
handelt.[13]
[13] In der obenangeführten Kritik (Jahrb. für wissensch. Krit. II. B.
1827. Nr. 155. 6. folg.) finden sich interessante Äußerungen eines
gründlichen Gelehrten des Faches, Um. Spehr's, aus seinen neuen
Principien des Fluentenkalkuls, Braunschw. 1826. angeführt, die
nämlich einen Umstand betreffen, der wesentlich zu den Dunkelheiten
und dem Unwissenschaftlichen in der Differentialrechnung beitrage, und
stimmen mit dem überein, was über das allgemeine Verhältniß der
Theorie dieses Kalkuls gesagt worden ist: "man hat" heißt es daselbst,
"rein arithmetische Untersuchungen, welche freilich von allen
ähnlichen zunächst auf die Differentialrechnung Bezug haben, nicht von
der eigentlichen Diff.-Rechnung gesondert, ja diese Untersuchungen
wohl gar, wie Lagrange, für die Sache selbst gehalten, während man
diese nur als Anwendung jener ansah. Diese arithmetischen
Untersuchungen begreifen die Regeln der Differentation, die Ableitung
des taylorschen Lehrsatzes u.s.w. ja selbst die verschiedenen
Integrationsmethoden in sich. Es ist ganz umgekehrt der Fall, jene
Anwendungen sind es gerade, welche den Gegenstand der eigentlichen
Differential-Rechnung ausmachen, und alle jene arithmetischen
Entwicklungen und Operationen setzt sie aus der Analysis voraus."—Es
ist aufgezeigt worden, wie bei Lagrange die Trennung der sogenannten
Anwendung von dem Verfahren des allgemeinen Theils, das von den Reihen
ausgeht, eben dazu dient, die eigenthümliche Sache der
Differ.-Rechnung für sich zum Vorschein zu bringen. Aber bei der
interessanten Einsicht des Hrn. Vfs., daß eben die sogenannten
Anwendungen es sind, welche den Gegenstand der eigentlichen
Differ.-Rechnung ausmachen, ist es zu verwundern, wie derselbe sich in
die (ebendas. angeführte) formelle Metaphysik von kontinuirlicher
Größe, Werden, Fließen u.s.f. hat einlassen und solchen Ballast noch
mit neuem gar hat vermehren wollen; formell sind diese Bestimmungen,
indem sie nur allgemeine Kategorien sind, welche eben das Specifische
der Sache nicht angeben, die aus den konkreten Lehren, den
Anwendungen, zu erkennen und zu abstrahiren war.
Anmerkung 3. Noch andere mit der qualitativen Größenbestimmtheit
zusammenhängende Formen.
Das Unendlichkleine der Differentialrechnung ist in seinem affirmativen
Sinn als die qualitative Größenbestimmtheit, und von dieser näher
aufgezeigt worden, daß sie in diesem Kalkul als Potenzenbestimmtheit
nicht nur überhaupt, sondern als die besondere des Verhältnisses einer
Potenzenfunktion zu der Entwicklungspotenz vorhanden ist. Die
qualitative Bestimmtheit ist aber auch noch in weiterer, so zu sagen,
schwächerer Form vorhanden, und diese, wie auch der damit
zusammenhängende Gebrauch des Unendlichkleinen und dessen Sinn in
diesem Gebrauche, soll noch in dieser Anmerkung betrachtet werden.
Es ist, indem wir vom Vorhergehenden ausgehen, in dieser Rücksicht
zuerst daran zu erinnern, daß die unterschiedenen Potenzenbestimmungen
von der analytischen Seite zunächst so hervortreten, daß sie nur
formell, und ganz homogen darin sind, daß sie Zahlengrößen bedeuten,
die als solche jene qualitative Verschiedenheit gegeneinander nicht
haben. Aber in der Anwendung auf räumliche Gegenstände zeigt sich das
analytische Verhältniß ganz in seiner qualitativen Bestimmtheit, als
das Übergehen von linearen zu Flächenbestimmungen, von geradlinigten zu
krummlinigten u.s.f. Diese Anwendung bringt es ferner mit sich, daß die
räumlichen ihrer Natur nach in Form von kontinuirlichen Größen
gegebenen Gegenstände in diskreter Weise gefaßt werden, die Fläche also
als eine Menge von Linien, die Linie als eine Menge von Punkten u.s.f.
Diese Auflösung hat das einzige Interesse, die Punkte, in welche die
Linie, die Linien, in welche die Fläche u.s.f. aufgelöst ist, selbst zu
bestimmen, um von solcher Bestimmung aus analytisch, d. h. eigentlich
arithmetisch fortgehen zu können; diese Ausgangspunkte sind für die zu
findenden Größebestimmungen die Elemente, aus welchen die Funktion und
Gleichung für das Konkrete, die kontinuirliche Größe, abgeleitet werden
soll. Für die Probleme, wo sich nornehmlich das Interesse zeigt, dieß
Verfahren zu gebrauchen, wird im Elemente für den Ausgang ein für sich
selbst Bestimmtes verlangt, gegen den Gang, der indirekt ist, indem er
im Gegentheil nur mit Grenzen beginnen kann, zwischen welchen das
Fürsichbestimmte liege, auf das als sein Ziel er losgehe. Das Resultat
läuft in beiden Methoden dann auf dasselbe hinaus, wenn sich nur das
Gesetz des weitern Fortbestimmens finden läßt, ohne die geforderte
vollkommene d. h. sogenannte endliche Bestimmung erlangen zu können.
Kepplern wird die Ehre zugeschrieben, zuerst den Gedanken jener
Umkehrung des Ganges gehabt und das Diskrete zum Ausgangspunkte gemacht
zu haben. Seine Erklärung, wie er den ersten Satz in Archimed's
Kreismessung verstehe, drückt dieß auf eine einfache Weise aus. Der
erste Satz Archimed's ist bekanntlich, daß der Kreis einem
rechtwinklichten Dreieck gleich ist, dessen eine Kathete dem
Halbmesser, die andere dem Umfange des Kreises gleich ist. Indem
Keppler den Sinn dieses Satzes so nimmt, daß die Peripherie des Kreises
ebenso viele Theile als Punkte, d. i. unendlich viele habe, deren jeder
als die Grundlinie eines gleichschenklichten Dreiecks betrachtet werden
könne, u.s.f., so spricht er die Auflösung des Kontinuirlichen in die
Form des Diskreten aus. Der Ausdruck des Unendlichen, der hierbei
vorkommt, ist noch weit entfernt von der Bestimmung, die er in dem
Differentialkalkul haben soll.—Wenn nun für solche diskrete eine
Bestimmtheit, Funktion gefunden ist, so sollen sie ferner
zusammengefaßt werden, wesentlich als Elemente des Kontinuirlichen
seyn. Da aber eine Summe von Punkten keine Linie, eine Summe von Linien
keine Fläche giebt, werden die Punkte schon sogleich als lineare
genommen, wie die Linien als flächenhafte. Weil jedoch zugleich jene
Lineare noch keine Linien seyn sollen, was sie seyn würden, wenn sie
als Quantum genommen würden, so werden sie als unendlich klein
vorgestellt. Das Diskrete ist nur eines äußerlichen Zusammenfassens
fähig, in welchem die Momente den Sinn von diskretem Eins behalten; der
analytische Übergang von denselben geschieht nur zu ihrer Summe, er ist
nicht zugleich der geometrische von dem Punkte in die Linie, oder von
der Linie in die Fläche u.s.f.; dem Elemente, das als Punkt oder als
Linie seine Bestimmung hat, wird daher zugleich auch mit jenem die
lineare, dieser die Flächenqualität gegeben, damit die Summe als von
kleinen Linien eine Linie, als von kleinen Flächen eine Fläche werde.
Das Bedürfniß, dieß Moment des qualitativen Übergangs zu erhalten und
dafür zu dem Unendlich-kleinen die Zuflucht zu nehmen, muß als die
Quelle aller der Vorstellungen angesehen werden, welche, indem sie jene
Schwierigkeit ausgleichen sollen, an ihnen selbst die größte
Schwierigkeit sind. Diese Nothhülfe entbehrlich zu machen, müßte
gezeigt werden können, daß in dem analytischen Verfahren selbst,
welches als ein bloßes Summiren erscheint, in der That schon ein
Multipliciren enthalten ist. Aber in dieser Rücksicht tritt eine neue
Annahme, welche die Grundlage in dieser Anwendung arithmetischer
Verhältnisse auf geometrische Figurationen ausmacht, ein, nämlich daß
das arithmetische Multipliciren auch für die geometrische Bestimmung
ein Übergang in eine höhere Dimension,—die arithmetische Multiplikation
von Größen, die ihrer räumlichen Bestimmungen nach Linien sind,
zugleich eine Produktion des Linearen zur Flächenbestimmung sey; 3mal 4
lineare Fuße giebt 12 lineare Fuße, aber 3 lineare Fuße, mal 4 linearen
Fußen giebt 12 Flächenfuße und zwar Quadratfuße, indem die Einheit in
beiden als diskreten Größen dieselbe ist. Die Multiplikation von Linien
mit Linien bietet sich zunächst als etwas Widersinniges dar, insofern
die Multiplikation überhaupt Zahlen betrifft, d. i. eine Veränderung
von solchen ist, welche mit dem, in das sie übergehen, mit dem Produkte
ganz homogen sind, und nur die Größe verändern. Dagegen ist das, was
Multipliciren der Linie als solcher mit Linie hieße,—es ist, ductus
lineae in lineam, wie plani in planum genannt worden, es ist auch
ductus puncti in lineam—eine Veränderung nicht bloß der Größe, sondern
ihrer als qualitativer Bestimmung der Räumlichkeit, als einer
Dimension; das Übergehen der Linie in Fläche ist als Außersichkommen
derselben zu fassen, wie das Außersichkommen des Punktes die Linie, der
Fläche ein ganzer Raum ist. Es ist dieß dasselbe, was so vorgestellt
wird, daß die Bewegung des Punktes die Linie u.s.f. sey; aber die
Bewegung schließt die Zeitbestimmung ein, und erscheint so in jener
Vorstellung mehr nur als eine zufällige, äußerliche Veränderung des
Zustands; es ist aber die Begriffsbestimmtheit, die als Außersichkommen
ausgedrückt worden, zu nehmen,—die qualitative Veränderung, und welche
arithmetisch ein Multipliciren, der Einheit (als des Punktes u.s.f.) in
die Anzahl (in die Linie u.s.f.) ist.—Es kann hiezu noch bemerkt
werden, daß bei dem Außersichkommen der Fläche, was als ein
Multipliciren von Fläche in Fläche erscheinen würde, sich der Schein
eines Unterschiedes des arithmetischen und geometrischen Producirens so
ergiebt, daß das Außersichkommen der Fläche, als ductus plani in planum
arithmetisch eine Multiplikation der zweiten Dimensionsbestimmung mit
solcher, hiermit ein Product von vier Dimensionen gäbe, das aber durch
die geometrische Bestimmung auf drei herabgesetzt wird. Wenn auf der
einen Seite die Zahl darum, weil sie das Eins zu ihrem Princip hat, die
feste Bestimmung für das äußerliche Quantitative giebt, so sehr ist ihr
Produciren formell; 3. 3 als Zahlbestimmung genommen sich selbst
producirend ist 3. 3. 3. 3; aber dieselbe Größe als Flächenbestimmung
sich producirend wird bei 3. 3. 3 zurückgehalten, weil der Raum als ein
Hinausgehen vom Punkte, der nur abstrakten Grenze, aus vorgestellt,
seine wahrhafte Grenze, als konkrete Bestimmtheit von der Linie aus in
der dritten Dimension hat. Der angeführte Unterschied könnte sich in
Rücksicht der freien Bewegung, worin die eine die räumliche Seite,
unter der geometrischen Bestimmung (im kepplerischen Gesetze s[hoch 3]
: t[hoch 2]), die andere, die zeitliche Seite unter der arithmetischen
steht, von Wirksamkeit zeigen.
Wie das Qualitative, das hier betrachtet wird, von dem Gegenstande der
vor. Anm. verschieden ist, kann nun ohne weitere Bemerkung von selbst
erhellen. In dieser lag das Qualitative in der Potenzenbestimmtheit;
hier ist dasselbe, wie das Unendlichkleine, nur als Faktor arithmetisch
gegen das Produkt, oder als Punkt gegen die Linie, Linie gegen Fläche
u.s.f. Der qualitative Übergang nun, der von dem Diskreten, als in
welches die kontinuirliche Größe aufgelöst vorgestellt wird, zu dem
Kontinuirlichen zu machen ist, wird als ein Summiren bewerkstelligt.
Daß aber die angebliche bloße Summation in der That eine
Multiplikation, also den Übergang von der linearen in die
Flächenbestimmung in sich selbst enthält, erscheint am einfachsten in
der Art, wie zum Beispiel gezeigt wird, daß der Flächeninhalt eines
Trapezes gleich sey dem Produkt der Summe der beiden gegenüberstehenden
parallelen Linien in die halbe Höhe. Diese Höhe wird nur als die Anzahl
von einer Menge diskreter Größen vorgestellt, welche summirt werden
sollen.
Diese Größen sind Linien, die parallel zwischen jenen zwei begrenzenden
Parallelen liegen; es sind deren unendlich viele; denn sie sollen die
Fläche ausmachen, sind aber Linien, welche also um ein Flächenhaftes zu
seyn, zugleich mit der Negation gesetzt werden müssen. Um der
Schwierigkeit zu entgehen, daß eine Summe von Linien eine Fläche geben
sollte, werden Linien sogleich als Flächen aber gleichfalls als
unendlich dünne angenommen, denn ihre Determination haben sie allein in
dem Linearen der parallelen Grenzen des Trapezes. Als parallel und
durch das andre Paar der geradlinigten Seiten des Trapezes begrenzt,
können sie als die Glieder einer arithmetischen Progression vorgestellt
werden, deren Differenz dieselbe überhaupt ist, aber nicht bestimmt zu
werden braucht, und deren erstes und letztes Glied jene beiden
Parallelen sind; die Summe solcher Reihe ist bekanntlich das Produkt
jener Parallelen in die halbe Anzahl der Glieder. Dieß letzte Quantum
ist nur ganz relativ auf die Vorstellung von den unendlich vielen
Linien Anzahl genannt; es ist die Größebestimmtheit überhaupt eines
Kontinuirlichen,—der Höhe. Es ist deutlich, daß was Summe heißt,
zugleich ein ductus lineae in lineam, Multipliciren von Linearem mit
Linearem, nach obiger Bestimmung ein Hervorgehen von Flächenhaftem ist.
In dem einfachsten Falle nun eines Rektangels überhaupt a b ist jeder
der beiden Faktoren eine einfache Größe, aber schon in dem weitern
selbst elementarischen Beispiele vom Trapez ist nur der eine Faktor das
Einfache der halben Höhe, der andere dagegen wird durch eine
Progression bestimmt; er ist gleichfalls ein Lineares, dessen
Größebestimmtheit aber verwickelter ist; insofern sie nur durch eine
Reihe ausgedrückt werden kann, so heißt analytisch, d. h. arithmetisch
das Interesse, sie zu summiren; das geometrische Moment darin aber ist
die Multiplikation, das Qualitative des Übergangs aus der Dimension der
Linie in die Fläche; der eine Faktor ist diskret nur für die
arithmetische Bestimmung des andern genommen worden, und ist für sich,
wie dieser, die Größe eines Linearen.
Das Verfahren, Flächen als Summen von Linien vorzustellen, wird aber
auch häufig gebraucht, wo nicht eine Multiplikation als solche zu
Behufe des Resultates Statt hat. Dieß geschieht, wo es nicht darum zu
thun ist, die Größe in der Gleichung als Quantum anzugeben, sondern in
einer Proportion. Es ist z.B. eine bekannte Art zu zeigen, daß eine
Kreisfläche sich zur Fläche einer Ellipse, deren große Achse der
Diameter jenes Kreises ist, verhalte wie die große zur kleinen Achse,
indem jede dieser Flächen als die Summe der ihr zugehörigen Ordinaten
genommen wird; jede Ordinate der Ellipse verhält sich zu der
entsprechenden des Kreises wie die kleine zur großen Achse, also wird
geschlossen, verhalten auch die Summen der Ordinaten d. i. die Flächen
ebenso. Diejenigen, welche dabei die Vorstellung der Fläche als eine
Summe von Linien vermeiden wollen, machen die Ordinaten mit der
gewöhnlichen ganz überflüssigen Aushülfe zu Trapezen von unendlich
kleiner Breite; da die Gleichung nur eine Proportion ist, kommt nur das
Eine der zwei linearen Elemente der Fläche in Vergleichung. Das andere,
die Abscissenachse, ist in Ellipse und Kreis als gleich, als Faktor
arithmetischer Größebestimmung also gleich = 1 angenommen, und die
Proportion daher ganz nur von dem Verhältniß des einen bestimmenden
Moments abhängig. Zur Vorstellung der Fläche sind die zwei Dimensionen
nothwendig; aber die Größebestimmung, wie sie in jener Proportion
angegeben werden soll, geht nur auf das eine Moment allein; der
Vorstellung damit nachgeben oder aufhelfen, daß die Vorstellung von
Summe zu diesem einen Momente hinzugefügt wird, ist eigentlich eine
Verkennung dessen, worauf es hier für die mathematische Bestimmtheit
ankömmt.
Was hier auseinandergesetzt worden, enthält auch das Kriterium für die
früher erwähnte Methode der Untheilbaren des Cavalleri, die damit
ebenso gerechtfertigt ist, und der Zuflucht zu dem Unendlichkleinen
nicht bedarf. Diese Untheilbaren sind Linien, indem er eine Fläche,
oder Quadrate, Kreisflächen, indem er eine Pyramide oder Konus u.s.f.
betrachtet; die als bestimmt angenommene Grundlinie, Grundfläche nennt
er die Regel; es ist die Konstante, in Beziehung auf eine Reihe das
erste oder letzte Glied derselben; mit ihr werden jene Untheilbaren
parallel, also in gleicher Bestimmung in Rücksicht der Figur
betrachtet, Der allgemeine Grundsatz Cavalleri's ist nun, (Exerc.
Geometr. VI.—das spätere Werk-Exerc. I. p. 6.), daß alle sowohl ebene,
als körperliche Figuren im Verhältnisse aller ihrer Indivisibilien
sind, diese kollektive und wenn etwa ein gemeinschaftliches Verhältniß
in solchen Statt findet, distributive mit einander verglichen."—Er
vergleicht zu diesem Behufe in den Figuren von gleicher Grundlinie und
Höhe gemacht, die Verhältnisse von den Linien, die parallel mit jener
und in gleicher Entfernung mit ihr gezogen werden; alle solche Linien
einer Figur haben eine und dieselbe Bestimmung, und machen deren ganzen
Inhalt aus. Auf solche Weise beweist Cavalleri z.B. auch den
elementarischen Satz, daß Parallelogramme von gleicher Höhe im
Verhältnisse ihrer Grundlinie sind; jede zwei Linien, in gleicher
Entfernung von der Grundlinie und mit ihr parallel, in beiden Figuren
gezogen, sind in demselben Verhältnisse der Grundlinien, also die
ganzen Figuren. In der That machen die Linien nicht den Inhalt der
Figur als kontinuirlicher aus, aber den Inhalt, insofern er
arithmetisch bestimmt werden soll; das Lineare ist sein Element, durch
welches allein die Bestimmtheit desselben gefaßt werden muß.
Wir werden hierbei darauf geführt, auf den Unterschied zu reflektiren,
der in Ansehung dessen Statt findet, worein die Bestimmtheit einer
Figur fällt, nämlich entweder ist sie beschaffen, wie hier die Höhe der
Figur, oder ist sie äußere Grenze. Insofern sie als äußere Grenze ist,
giebt man zu, daß der Gleichheit oder dem Verhältnisse der Grenze die
Kontinuität der Figur so zu sagen folgt; z.B. die Gleichheit der
Figuren, die sich decken, beruht darauf, daß die begrenzenden Linien
sich decken. Bei Parallelogrammen aber von gleicher Höhe und Grundlinie
ist nur die letztere Bestimmtheit eine äußere Grenze; die Höhe, nicht
die Paralleleität überhaupt, auf welcher die zweite Hauptbestimmung der
Figuren, ihr Verhältniß, beruht, führt ein zweites Princip der
Bestimmung zu den äußern Grenzen herbei. Der euklidische Beweis von der
Gleichheit der Parallelogramme, die gleiche Höhe und Grundlinie haben,
führt sie auf Dreiecke zurück, auf äußerlich begrenzte Kontinuirliche;
in Cavalleri's Beweis, zunächst über die Proportionalität von
Parallelogrammen, ist die Grenze Größebestimmtheit als solche
überhaupt, welche als an jedem Paare von Linien, die mit gleichem
Abstand in beiden Figuren gezogen werden, genommen, explicirt wird,
Diese gleichen oder in gleichem Verhältniß mit der Grundlinie stehenden
Linien, kollektiv genommen, geben die in gleichem Verhältnisse
stehenden Figuren. Die Vorstellung eines Aggregats von Linien geht
gegen die Kontinuität der Figur; allein die Betrachtung der Linien
erschöpft die Bestimmtheit, auf welche es ankommt, vollkommen Cavalleri
giebt häufige Antwort auf die Schwierigkeit, als ob die Vorstellung von
den Untheilbaren es mit sich führe, daß der Anzahl nach unendliche
Linien oder Ebenen verglichen werden sollen, (Geom. Lib. II. Prop. 1.
Schol.); er macht den richtigen Unterschied, daß er nicht die Anzahl
derselben, welche wir nicht kennen,—d. i. vielmehr die, wie bemerkt
worden, eine zu Hülfe genommene leere Vorstellung ist,—sondern nur die
Größe, d. i. die quantitative Bestimmtheit als solche, welche dem von
diesen Linien eingenommenen Raume gleich ist, vergleiche; weil dieser
in Grenzen eingeschlossen ist, ist auch jene seine Größe in dieselben
Grenzen eingeschlossen; das Kontinuirliche ist nichts anderes, als die
Untheilbaren selbst, sagt er; wäre es etwas außer diesen, so wäre es
nicht vergleichbar; es würde aber ungereimt seyn, zu sagen, begrenzte
Kontinuirliche seyen nicht miteinander vergleichbar.
Man sieht, daß Cavalleri dasjenige, was zur äußerlichen Existenz des
Kontinuirlichen gehört, von demjenigen unterscheiden will, worin dessen
Bestimmtheit fällt und das für die Vergleichung und zum Behufe von
Theoremen über dasselbe allein herauszuheben ist. Die Kategorien, die
er dabei gebraucht, daß das Kontinuirliche aus den Untheilbaren
zusammengesetzt sey oder bestehe und dergleichen, sind freilich nicht
genügend, weil dabei die Anschauung des Kontinuirlichen oder, wie
vorhin gesagt, dessen äußerliche Existenz, zugleich in Anspruch
genommen wird; statt zu sagen, "daß das Kontinuirliche nichts anderes
ist, als die Untheilbaren selbst," würde es richtiger und damit auch
sogleich für sich klar heißen, daß die Größebestimmtheit des
Kontinuirlichen keine andere ist, als die der Untheilbaren selbst.
—Cavalleri macht sich nichts aus der schlechten Folgerung, daß es
größere und kleinere Unendliche gebe, welche aus der Vorstellung, daß
die Untheilbaren das Kontinuirliche ausmachen, von der Schule gezogen
werde, und drückt weiterhin (Geom. Lib. VII. Praef.) das bestimmtere
Bewußtseyn aus, daß er durch seine Beweisart keineswegs zur Vorstellung
der Zusammensetzung des Kontinuirlichen aus dem Untheilbaren genöthigt
sey; die Kontinuirlichen folgen nur der Proportion der Untheilbaren. Er
habe die Aggregate der Untheilbaren nicht so genommen, wie sie in die
Bestimmung der Unendlichkeit, um einer unendlichen Menge von Linien
oder Ebenen willen, zu verfallen scheinen, sondern insofern sie eine
bestimmte Beschaffenheit und Natur der Begrenztheit an ihnen haben. Um
denn aber doch diesen Stein des Anstoßes zu entfernen, läßt er sich die
Mühe nicht verdrießen, noch in dem eigens dafür hinzugefügten siebenten
Buche, die Hauptsätze seiner Geometrie auf eine Art zu beweisen, welche
von der Einmischung der Unendlichkeit frei bleibe.—Diese Manier
reducirt die Beweise auf die vorhin angeführte, gewöhnliche Form des
Deckens der Figuren, d. i. wie bemerkt worden, der Vorstellung der
Bestimmtheit als äußerer Raumgrenze.
Über diese Form des Deckens kann zunächst noch diese Bemerkung gemacht
werden, daß sie überhaupt eine so zu sagen kindliche Hülfe für die
sinnliche Anschauung ist. In den elementarischen Sätzen über die
Dreiecke werden zwei solche neben einander vorgestellt, und indem von
ihren je sechs Stücken gewisse drei als gleich groß mit den
entsprechenden drei des andern Dreiecks angenommen werden, so wird
gezeigt, daß solche Dreiecke einander kongruent seyen, d. i. jedes auch
die übrigen drei Stücke gleich groß mit denen des andern habe, —weil
sie vermöge der Gleichheit nach jenen drei ersten einander decken. Die
Sache abstrakter gefaßt, so ist eben um dieser Gleichheit jeden Paars
der in beiden einander entsprechenden Stücke, nur Ein Dreieck
vorhanden; in diesem sind drei Stücke als bereits bestimmt angenommen,
woraus denn die Bestimmtheit auch der drei übrigen Stücke folgt. Die
Bestimmtheit wird auf diese Weise als in drei Stücken vollendet
aufgezeigt; für die Bestimmtheit als solche sind somit die drei übrigen
Stücke ein Überfluß, der Überfluß der sinnlichen Existenz, d. i. der
Anschauung der Kontinuität. In solcher Form ausgesprochen, tritt hier
die qualitative Bestimmtheit im Unterschiede von dem hervor, was in der
Anschauung vorliegt, dem Ganzen als einem in sich kontinuirlichen; das
Decken läßt diesen Unterschied nicht zum Bewußtseyn kommen.
Mit den Parallellinien und bei den Parallelogrammen tritt, wie bemerkt
worden, ein neuer Umstand, Theils die Gleichheit nur der Winkel Theils
die Höhe der Figuren ein, von welcher letztern deren äußere Grenzen,
die Seiten der Parallelogramme, unterschieden sind. Hierbei kommt die
Zweideutigkeit zum Vorschein, inwiefern bei diesen Figuren außer der
Bestimmtheit der einen Seite, der Grundlinie, welche als äußere Grenze
ist, für die andere Bestimmtheit, die andere äußere Grenze, nämlich die
andere Seite des Parallelogramms, oder aber die Höhe zu nehmen ist. Bei
zwei solchen Figuren von einerlei Grundlinie und Höhe, wovon das eine
rechtwinklich ist, das andere sehr spitze, damit zu den
gegenüberstehenden sehr stumpfe Winkel hat, kann der Anschauung
letzteres leicht größer scheinen, als das erstere, insofern sie die
vorliegende große Seite desselben als bestimmend nimmt, und nach der
Vorstellungsweise Cavalleri's die Ebenen nach einer Menge von
parallelen Linien, durch welche sie durchschnitten werden können,
vergleicht; die größere Seite könnte als eine Möglichkeit von mehrern
Linien, als die senkrechte Seite des Rechtecks giebt, angesehen werden.
Solche Vorstellung giebtjedoch keinen Einwurf gegen Cavalleri's Methode
an die Hand; denn die in beiden Parallelogrammen für die Vergleichung
vorgestellte Menge von parallelen Linien setzt die Gleichheit ihrer
Entfernung von einander oder von der Grundlinie zugleich voraus, woraus
folgt, daß die Höhe, und nicht die andere Seite des Parallelogramms,
das andere bestimmende Moment ist. Dieß ändert sich aber ferner, wenn
zwei Parallelogramme mit einander verglichen werden, die von gleicher
Höhe und Grundlinie sind, aber nicht in Einer Ebene liegen, und zu
einer dritten Ebene verschiedene Winkel machen; hier sind die
parallelen Durchschnitte, die entstehen, wenn man sich die dritte Ebene
durch sie gelegt und sich parallel mit sich fortbewegend vorstellt,
nicht mehr gleich weit von einander entfernt, und jene zwei Ebenen sind
einander ungleich. Cavalleri macht sehr sorgfältig auf diesen
Unterschied, den er als einen Unterschied von transitus rectus und
transitus obliquus der Untheilbaren bestimmt, (gleich in Exercit. I. n.
XII. ff. wie schon in der Geometr. I. II.) auf merksam, und schneidet
damit oberflächlichen Mißverstand ab, der nach dieser Seite entstehen
könnte. Ich erinnere mich, daß Barrow in seinem obenangeführten Werke
(Lect. Geom. II. p. 21), indem er die Methode der Untheilbaren
gleichfalls gebraucht, jedoch sie bereits mit der von ihm aus auf
seinen Schüler Newton und die sonstigen mathematischen Zeitgenossen,
darunter auch Leibnitz, übergegangenen Annahme der Gleichsetzbarkeit
eines krummlinigten Dreiecks, wie das sogenannte charakteristische ist,
mit einem geradlinigten, insofern beide unendlich d. h. sehr klein
seyen, versetzt und verunreinigt hat, —einen eben dahin gehenden
Einwurf Tacquet's, eines damaligen in neuen Methoden gleichfalls
thätigen, scharfsinnigen Geometers, anführte. Die von diesem gemachte
Schwierigkeit bezieht sich ebenfalls darauf, welche Linie und zwar bei
Berechnung konischer und sphärischer Oberflächen als Grundmoment der
Bestimmung für die auf Anwendung des Diskreten gestützte Betrachtung
genommen werden solle. Tacquet wende gegen die Methode der Untheilbaren
ein, daß wenn die Oberfläche eines rechtwinklichten Kegels berechnet
werden solle, so werde nach jener atomistischen Methode das Dreieck des
Kegels als zusammengesetzt aus den geraden, mit der Grundlinie
parallelen auf die Achse senkrechten Linien vorgestellt, welche
zugleich die Radien der Kreise sind, aus denen die Oberfläche des
Kegels bestehe. Wenn nun diese Oberfläche als Summe der Peripherien,
und diese Summe aus der Anzahl ihrer Radien, d. i. der Größe der Achse,
der Höhe des Kegels, bestimmt werde, so sey solches Resultat mit der
sonst von Archimed gelehrten und bewiesenen Wahrheit im Widerspruch.
Barrow zeigt nun dagegen, daß für die Bestimmung der Oberfläche nicht
die Achse, sondern die Seite des Dreiecks des Kegels als diejenige
Linie genommen werden müsse, deren Umdrehung die Oberfläche erzeuge,
und welche daher, und nicht die Achse, als die Größebestimmtheit für
die Menge der Peripherien angenommen werden müsse.
Dergleichen Einwürfe oder Unsicherheiten haben ihre Quelle allein in
der gebrauchten unbestimmten Vorstellung der unendlichen Menge von
Punkten, aus denen die Linie, oder von Linien, aus denen die Fläche u.
s.f. bestehend angesehen wird; durch diese Vorstellung wird die
wesentliche Größebestimmtheit der Linien oder Flächen in Schatten
gestellt.—Es ist die Absicht dieser Anmerkungen gewesen, die
affirmativen Bestimmungen, die bei dem verschiedenen Gebrauch, der von
dem Unendlich-kleinen in der Mathematik gemacht wird, so zu sagen im
Hintergrunde bleiben, aufzuweisen und sie aus der Nebulosität
hervorzuheben, in welche sie durch jene bloß negativ gehaltene
Kategorie gehüllt werden. Bei der unendlichen Reihe, wie in der
archimedischen Kreismessung bedeutet das Unendliche nichts weiter, als
daß das Gesetz der Fortbestimmung bekannt ist, aber der sogenannte
endliche Ausdruck, d. i. der arithmetische, nicht gegeben, die
Zurückführung des Bogens auf die gerade Linie nicht bewerkstelligt
werden kann; diese Inkommensurabilität ist die qualitative
Verschiedenheit derselben. Die qualitative Verschiedenheit des
Diskreten mit dem Kontinuirlichen überhaupt, enthält gleichfalls eine
negative Bestimmung, welche sie als inkommensurabel erscheinen läßt,
und das Unendliche herbeiführt, in dem Sinne, daß das als diskret zu
nehmende Kontinuirliche nun kein Quantum nach seiner kontinuirlichen
Bestimmtheit mehr haben soll. Das Kontinuirliche, das arithmetisch als
Produkt zu nehmen ist, ist damit diskret an ihm selbst gesetzt, nämlich
in die Elemente, die seine Faktoren sind, zerlegt; in diesen liegt
seine Größebestimmtheit; sie sind als ebendamit, daß sie diese Faktoren
oder Elemente sind, von einer niedrigern Dimension, und insofern die
Potenzenbestimmtheit eintritt, von einer niedrigern Potenz als die
Größe, deren Elemente oder Faktoren sie sind. Arithmetisch erscheint
dieser Unterschied als ein bloß quantitativer, der Wurzel und der
Potenz oder welcher Potenzenbestimmtheit es sey; jedoch wenn der
Ausdruck nur auf das Quantitative als solches geht, z.B. a : a[hoch 2]
oder d.a[hoch 2] = 2a : a[hoch 2] = 2 : a, oder für das Gesetz des
Falles, t : at[hoch 2] so giebt er die nichtssagenden Verhältnisse von
1 : a, 2 : a, 1: at; die Seiten müßten gegen ihre bloß quantitative
Bestimmung durch die unterschiedene qualitative Bedeutung auseinander
gehalten werden, wie s : at[hoch]2; wodurch die Größe als eine Qualität
ausgesprochen wird, als Funktion der Größe einer andern Qualität.
Hierbei steht dann bloß die quantitative Bestimmtheit vor dem
Bewußtseyn, mit der nach ihrer Art ohne Schwierigkeit operirt wird, und
man kann kein Arges daran haben, die Größe einer Linie mit der Größe
einer andern Linie zu multipliciren; aber die Multiplikation dieser
selben Größen giebt zugleich die qualitative Veränderung des Überganges
von Linie in Fläche; insofern tritt eine negative Bestimmung ein; sie
ist es, welche die Schwierigkeit veranlaßt, die durch die Einsicht in
ihre Eigenthümlichkeit und in die einfache Natur der Sache gelöst, aber
durch die Hilfe des Unendlichen, wodurch sie beseitigt werden soll,
vielmehr nur in Verworrenheit gesetzt und ganz unaufgelöst erhalten
wird.
Drittes Kapitel. Das quantitative Verhältniß.
Die Unendlichkeit des Quantums ist dahin bestimmt worden, daß sie das
negative Jenseits desselben ist, das es aber an ihm selbst hat. Dieß
Jenseits ist das Qualitative überhaupt. Das unendliche Quantum ist als
die Einheit beider Momente, der quantitativen und der qualitativen
Bestimmtheit, zunächst Verhältniß.
Im Verhältnisse hat das Quantum nicht mehr eine nur gleichgültige
Bestimmtheit, sondern ist qualitativ bestimmt als schlechthin bezogen
auf sein Jenseits. Es kontinuirt sich in sein Jenseits; dieses ist
zunächst ein anderes Quantum überhaupt. Aber wesentlich sind sie nicht
als äußerliche Quanta auf einander bezogen, sondern jedes hat seine
Bestimmtheit in dieser Beziehung auf das Andere. Sie sind so in diesem
ihrem Andersseyn in sich zurückgekehrt; was jedes ist, ist es in dem
Andern; das andere macht die Bestimmtheit eines jeden aus. —Das
Hinausgehen des Quantums über sich hat also jetzt diesen Sinn, weder
daß es sich nur in ein Anderes noch in sein abstraktes Anderes, in sein
negatives Jenseits veränderte, sondern darin zu seiner Bestimmtheit
gelangt ist; es findet sich selbst in seinem Jenseits, welches ein
anderes Quantum ist. Die Qualität des Quantums, seine
Begriffsbestimmtheit, ist seine Äußerlichkeit überhaupt, und im
Verhältniß ist es nun so gesetzt, in seiner Äußerlichkeit, an einem
andern Quantum, seine Bestimmtheit zu haben, in seinem Jenseits das zu
seyn, was es ist.
Es sind Quanta, welche die Beziehung, die sich ergab, auf einander
haben. Diese Beziehung ist selbst auch eine Größe; das Quantum ist
nicht nur im Verhältniß, sondern es selbst ist als Verhältniß gesetzt;
es ist ein Quantum überhaupt, das jene qualitative Bestimmtheit
innerhalb seiner hat. So als Verhältniß drückt es sich als in sich
geschlossene Totalität und seine Gleichgültigkeit gegen die Grenze aus,
dadurch daß es die Äußerlichkeit seines Bestimmtseyns innerhalb seiner
selbst hat, und in ihr nur auf sich bezogen, somit an ihm selbst
unendlich ist.