a. Ausschließen des Eins.
Die vielen Eins sind Seyende; ihr Daseyn oder Beziehung aufeinander ist
Nicht-Beziehung, sie ist ihnen äußerlich;—das abstrakte Leere. Aber sie
selbst sind diese negative Beziehung auf sich nun als auf seyende
Andere;—der aufgezeigte Widerspruch, die Unendlichkeit, gesetzt in
Unmittelbarkeit des Seyns. Hiermit findet nun die Repulsion das
unmittelbar vor, was von ihr repellirt ist. Sie ist in dieser
Bestimmung Ausschließen; das Eins repellirt nur die Vielen von ihm
unerzeugten, nichtgesetzten Eins von sich. dieß Repelliren ist,
gegenseitig oder allseitig,—relativ, durch das Seyn der Eins
beschränkt.
Die Vielheit ist zunächst nicht gesetztes Andersseyn; die Grenze nur
das Leere, nur das, worin die Eins nicht sind. Aber sie sind auch in
der Grenze; sie sind im Leeren, oder ihre Repulsion ist ihre gemeinsame
Beziehung. Diese gegenseitige Repulsion ist das gesetzte Daseyn der
vielen Eins; sie ist nicht ihr Fürsichseyn, nach dem sie nur in einem
Dritten als Vieles unterschieden wären, sondern ihr eigenes sie
erhaltendes Unterscheiden.—Sie negiren sich gegenseitig, setzen
einander als solche, die nur für-Eines sind. Aber sie negiren eben so
sehr zugleich dieß, nur für-Eines zu seyn; sie repelliren diese ihre
Idealität und sind.—So sind die Momente getrennt, die in der Idealität
schlechthin vereinigt sind. Das Eins ist in seinem Fürsichseyn auch
für-Eines, aber dieß Eine, für welches es ist, ist es selbst; sein
Unterscheiden von sich ist unmittelbar aufgehoben. Aber in der Vielheit
hat das unterschiedne Eins ein Seyn; das Seyn-für-Eines, wie es in dem
Ausschließen bestimmt ist, ist daher ein Seyn-für-Anderes. Jedes wird
so von einem Andern repellirt, aufgehoben und zu einem gemacht, das
nicht für sich, sondern für-eines und zwar ein anderes Eins ist.
Das Fürsichseyn der vielen Eins zeigt sich hiernach als ihre
Selbsterhaltung, durch die Vermittelung ihrer Repulsion gegeneinander,
in der sie sich gegenseitig aufheben, und die anderen als ein bloßes
Seyn-für-Anderes setzen; aber zugleich besteht sie darin, diese
Idealität zu repelliren, und die Eins zu setzen, nicht für-ein-Anderes
zu seyn. Diese Selbsterhaltung der Eins durch ihre negative Beziehung
auf einander ist aber vielmehr ihre Auflösung.
Die Eins sind nicht nur, sondern sie erhalten sich durch ihr
gegenseitiges Ausschließen. Erstens ist nun das, wodurch sie den festen
Halt ihrer Verschiedenheit gegen ihr Negirtwerden haben sollten, ihr
Seyn, und zwar ihr Ansichseyn gegen ihre Beziehung auf-Anderes; dieß
Ansichseyn ist, daß sie Eins sind. Aber dieß sind Alle; sie sind in
ihrem Ansichseyn dasselbe, statt darin den festen Punkt ihrer
Verschiedenheit zu haben. Zweitens ihr Daseyn und ihr Verhalten zu
einander, d. i. ihr Sich selbst als Eins setzen, ist das gegenseitige
Negiren; dieß ist aber gleichfalls eine und dieselbe Bestimmung Aller,
durch welche sie sich also vielmehr als identisch setzen; wie dadurch,
daß sie an sich dasselbe sind, ihre als durch Andere zu setzende
Idealität ihre eigene ist, welche sie also ebenso wenig repelliren.—Sie
sind hiermit ihrem Seyn und Setzen nach nur Eine affirmative Einheit.
Diese Betrachtung der Eins, daß sie nach ihren beiden Bestimmungen
sowohl, insofern sie sind, als insofern sie sich aufeinander beziehen,
sich nur als ein und dasselbe und ihre Ununterscheidbarkeit zeigen, ist
unsere Vergleichung.—Es ist aber auch zu sehen, was in ihrer Beziehung
aufeinander selbst gesetzt an ihnen ist.—Sie sind, dieß ist in dieser
Beziehung vorausgesetzt,—und sind nur insofern sie sich gegenseitig
negiren, und diese ihre Idealität, ihr Negirtseyn zugleich von sich
selbst abhalten, d. i. das gegenseitige Negiren negiren. Aber sie sind
nur insofern sie negiren, so wird, indem dieß ihr Negiren negirt wird,
ihr Seyn negirt. Zwar indem sie sind, würden sie durch dieß Negiren
nicht negirt, es ist nur ein Äußerliches für sie; dieß Negiren des
Anderen prallt an ihnen ab, und trifft nur berührend ihre Oberfläche.
Allein nur durch das Negiren der Anderen kehren sie in sich selbst
zurück; sie sind nur als diese Vermittelung, diese ihre Rückkehr ist
ihre Selbsterhaltung und ihr Fürsichseyn. Indem ihr Negiren nichts
effektuirt, durch den Widerstand, den die Seyenden als solche oder als
negirend leisten, so kehren sie nicht in sich zurück, erhalten sich
nicht und sind nicht.
Vorhin wurde die Betrachtung gemacht, daß die Eins dasselbe, jedes
derselben Eins ist, wie das Andere. Dieß ist nicht nur unser Beziehen,
ein äußerliches Zusammenbringen; sondern die Repulsion ist selbst
Beziehen; das die Eins ausschließende Eins bezieht sich selbst auf sie,
die Eins, d. h. auf sich selbst. Das negative Verhalten der Eins zu
einander ist somit nur ein Mit-sich-zusammengehen. Diese Identität, in
welche ihr Repelliren übergeht, ist das Aufheben ihrer Verschiedenheit
und Äußerlichkeit, die sie vielmehr gegeneinander als Ausschließende
behaupten sollten.
Dieß sich in-Ein-Eines-setzen der vielen Eins ist die Attraktion.
Anmerkung.
Die Selbstständigkeit auf die Spitze des fürsichseyenden Eins
getrieben, ist die abstrakte, formelle Selbstständigkeit, die sich
selbst zerstört; der höchste, hartnäckigste Irrthum, der sich für die
höchste Wahrheit nimmt;—in konkreteren Formen als abstrakte Freiheit,
als reines Ich, und dann weiter als das Böse erscheinend. Es ist die
Freiheit, die sich so vergreift, ihr Wesen in diese Abstraktion zu
setzen, und in diesem Bei-sich-seyn sich schmeichelt, sich rein zu
gewinnen. Diese Selbstständigkeit ist bestimmter der Irrthum, das als
negativ anzusehen und sich gegen das als negativ zu verhalten, was ihr
eignes Wesen ist. Sie ist so das negative Verhalten gegen sich selbst,
welches, indem es sein eigenes Seyn gewinnen will, dasselbe zerstört,
und dieß sein Thun ist nur die Manifestation der Nichtigkeit dieses
Thuns. Die Versöhnung ist die Anerkennung dessen, gegen welches das
negative Verhalten geht, vielmehr als seines Wesens, und ist nur als
Ablassen von der Negativität seines Fürsichseyns, statt an ihm
festzuhalten.
Es ist ein alter Satz, daß das Eine Vieles und insbesondere: daß das
Viele Eines ist. Es ist hierüber die Bemerkung zu wiederholen, daß die
Wahrheit des Eins und des Vielen in Sätzen ausgedrückt in einer
unangemessenen Form erscheint, daß diese Wahrheit nur als ein Werden,
als ein Proceß, Repulsion und Attraktion, nicht als das Seyn, wie es in
einem Satze als ruhige Einheit gesetzt ist, zu fassen und auszudrücken
ist. Es ist oben der Dialektik Plato's im Parmenides über die Ableitung
des Vielen aus dem Eins, nämlich aus dem Satze: Eines ist, erwähnt und
erinnert worden. Die innere Dialektik des Begriffes ist angegeben
worden; am leichtesten ist die Dialektik des Satzes, daß Vieles Eines
ist, als äußerliche Reflexion zu fassen; und äußerlich darf sie hier
seyn, insofern auch der Gegenstand, die Vielen, das einander Äußerliche
ist. Diese Vergleichung der Vielen miteinander ergiebt sogleich, daß
eines schlechthin nur bestimmt ist wie das Andere; jedes ist Eins,
jedes ist Eins der Vielen, ist ausschließend die Anderen;—so daß sie
schlechthin nur dasselbe sind, schlechthin nur Eine Bestimmung
vorhanden ist. Es ist dieß das Faktum, und es ist nur darum zu thun,
dieß einfache Faktum aufzufassen. Die Hartnäckigkeit des Verstandes
weigert sich nur darum gegen dieses Auffassen, weil ihm auch der
Unterschied, und zwar mit Recht, vorschwebt; aber dieser bleibt um
jenes Faktums willen so wenig aus, als gewiß jenes Faktum ungeachtet
des Unterschiedes existirt. Man könnte den Verstand damit für das
schlichte Auffassen des Faktums der Einheit gleichsam trösten, daß der
Unterschied auch wieder eintreten werde.
b. Das Eine Eins der Attraktion.
Die Repulsion ist die Selbstzersplitterung des Eins zunächst in Viele,
deren negatives Verhalten unmächtig ist, weil sie einander als Seyende
voraussetzen; sie ist nur das Sollen der Idealität; diese aber wird
realisirt in der Attraktion. Die Repulsion geht in Attraktion über, die
vielen Eins in Ein Eins. Beide, Repulsion und Attraktion, sind
zunächst unterschieden, jene als die Realität der Eins, diese als deren
gesetzte Idealität. Die Attraktion bezieht sich auf diese Weise auf die
Repulsion, daß sie diese zur Voraussetzung hat. Die Repulsion liefert
die Materie für die Attraktion. Wenn keine Eins wären, so wäre nichts
zu attrahiren; die Vorstellung fortdauernder Attraktion, der Konsumtion
der Eins, setzt ein ebenso fortdauerndes Erzeugen der Eins voraus; die
sinnliche Vorstellung der räumlichen Attraktion läßt den Strom der
attrahirt-werdenden Eins fortdauern; an die Stelle der Atome, die in
dem attrahirenden Punkte verschwinden, tritt eine andere Menge, und
wenn man will, ins Unendliche, aus dem Leeren hervor. Wenn die
Attraktion vollführt, d. i. die Vielen auf den Punkt Eines Eins
gebracht, vorgestellt würden, so wäre nur ein träges Eins, kein
Attrahiren mehr vorhanden. Die in der Attraktion daseyende Idealität
hat auch noch die Bestimmung der Negation ihrer selbst, die vielen
Eins, auf die sie die Beziehung ist, an ihr, und die Attraktion ist
untrennbar von der Repulsion.
Das Attrahiren kommt zunächst jedem der vielen als unmittelbar
vorhandenen Eins auf gleiche Weise zu; keins hat einen Vorzug vor dem
andern; so wäre ein Gleichgewicht im Attrahiren, eigentlich ein
Gleichgewicht der Attraktion und der Repulsion selbst vorhanden, und
eine träge Ruhe ohne daseyende Idealität. Aber es kann hier nicht von
einem Vorzuge eines solchen Eins vor dem andern, was einen bestimmten
Unterschied zwischen ihnen voraussetzte, die Rede seyn, vielmehr ist
die Attraktion das Setzen der vorhandenen Ununterschiedenheit der Eins.
Erst die Attraktion selbst ist das Setzen eines von den anderen
unterschiedenen Eins; sie sind nur die unmittelbaren durch die
Repulsion sich erhalten sollenden Eins; durch ihre gesetzte Negation
aber geht das Eins der Attraktion hervor, das daher als das
Vermittelte, das als Eins gesetzte Eins, bestimmt ist. Die ersten als
unmittelbare kehren in ihrer Idealität nicht in sich zurück, sondern
haben dieselbe an einem andern.
Das Eine Eins aber ist die realisirte, an dem Eins gesetzte Idealität;
es ist attrahirend durch die Vermittelung der Repulsion; es enthält
diese Vermittelung in sich selbst als seine Bestimmung. Es verschlingt
so die attrahirten Eins nicht in sich als in einen Punkt, d. h. es hebt
sie nicht abstrakt auf. Indem es die Repulsion in seiner Bestimmung
enthält, erhält diese die Eins als Viele zugleich in ihm; es bringt, so
zu sagen, durch sein Attrahiren etwas vor sich, gewinnt einen Umfang
oder Erfüllung. Es ist so in ihm Einheit der Repulsion und Attraktion
überhaupt.
c. Die Beziehung der Repulsion und Attraktion.
Der Unterschied von Einem und Vielen hat sich zum Unterschiede ihrer
Beziehung auf einander bestimmt, welche in zwei Beziehungen, die
Repulsion und die Attraktion, zerlegt ist, deren jede zunächst
selbstständig außer der anderen steht, so daß sie jedoch wesentlich
zusammenhängen. Die noch unbestimmte Einheit derselben hat sich näher
zu ergeben.
Die Repulsion, als die Grundbestimmung des Eins erscheint zuerst und
als unmittelbar, wie ihre zwar von ihr erzeugten jedoch zugleich als
unmittelbar gesetzten Eins, und hiermit gleichgültig gegen die
Attraktion, welche an sie als so vorausgesetzte äußerlich hinzukommt.
Dagegen wird die Attraktion nicht von der Repulsion vorausgesetzt, so
daß an deren Setzen und Seyn jene keinen Antheil haben soll d. i. daß
die Repulsion nicht an ihr schon die Negation ihrer selbst, die Eins
nicht schon an ihnen Negirte wären. Auf solche Weise haben wir die
Repulsion abstrakt für sich, wie gleichfalls die Attraktion gegen die
Eins als Seyende die Seite eines unmittelbaren Daseyns hat, und von
sich aus als ein Anderes an sie kommt.
Nehmen wir demnach die bloße Repulsion so für sich, so ist sie die
Zerstreuung der vielen Eins ins unbestimmte, außerhalb der Sphäre der
Repulsion selbst; denn sie ist dieß, die Beziehung der Vielen
aufeinander zu negiren; die Beziehungslosigkeit ist ihre, sie abstrakt
genommen, Bestimmung. Die Repulsion ist aber nicht bloß das Leere, die
Eins als beziehungslos sind nicht repellirend, nicht ausschließend, was
ihre Bestimmung ausmacht. Repulsion ist, obgleich negative, doch
wesentlich Beziehung; das gegenseitige Abhalten und Fliehen ist nicht
die Befreiung von dem, was abgehalten und geflohen, das ausschließende
steht mit dem noch in Verbindung, was von ihm ausgeschlossen wird. dieß
Moment der Beziehung aber ist die Attraktion, somit in der Repulsion
selbst; sie ist das Negiren jener abstrakten Repulsion, nach welcher
die Eins nur sich auf sich beziehende Seyende, nicht ausschließende
wären.
Indem aber von der Repulsion der daseyenden Eins ausgegangen worden,
hiermit auch die Attraktion als äußerlich an sie tretend gesetzt ist,
so sind bei ihrer Untrennbarkeit beide noch als verschiedene
Bestimmungen auseinander gehalten; es hat sich jedoch ergeben, daß
nicht bloß die Repulsion von der Attraktion vorausgesetzt wird, sondern
auch ebenso sehr die Rückbeziehung der Repulsion auf die Attraktion
Statt findet, und jene an dieser ebenso sehr ihre Voraussetzung hat.
Nach dieser Bestimmung sind sie untrennbar, und zugleich als Sollen und
Schranke jede gegen die andere bestimmt. Ihr Sollen ist ihre abstrakte
Bestimmtheit als an sich seyender, die aber damit schlechthin über sich
hinausgewiesen ist, und auf die andere sich bezieht, und so jede
vermittelst der andern als andern ist; ihre Selbstständigkeit besteht
darin, daß sie in dieser Vermittelung als ein anderes Bestimmen für
einander gesetzt sind.—Die Repulsion als das Setzen der Vielen, die
Attraktion als das Setzen des Eins, diese zugleich als Negation der
Vielen, und jene als Negation der Idealität derselben im Eins, daß auch
die Attraktion nur vermittelst der Repulsion Attraktion, wie die
Repulsion vermittelst der Attraktion Repulsion ist. Daß aber darin die
Vermittelung durch Anderes mit sich, in der That vielmehr negirt, und
jede dieser Bestimmungen Vermittelung ihrer mit sich selbst ist, dieß
ergiebt sich aus deren nähern Betrachtung und führt sie zu der Einheit
ihres Begriffes zurück.
Zuerst daß jede sich selbst voraussetzt, in ihrer Voraussetzung nur
sich auf sich bezieht, dieß ist in dem Verhalten der erst noch
relativen Repulsion und Attraktion schon vorhanden.
Die relative Repulsion ist das gegenseitige Abhalten der vorhandenen
vielen Eins, die sich als unmittelbare vorfinden sollen. Aber daß viele
Eins seyen, ist die Repulsion selbst; die Voraussetzung, die sie hätte,
ist nur ihr eigenes Setzen. Ferner die Bestimmung des Seyns, die den
Eins außerdem, daß sie gesetzte sind, zukäme,—wodurch sie voraus wären,
gehört gleichfalls der Repulsion an. Das Repelliren ist das, wodurch
die Eins sich als Eins manifestiren und erhalten, wodurch sie als
solche sind. Ihr Seyn ist die Repulsion selbst; sie ist so nicht ein
relatives gegen ein anderes Daseyn, sondern verhält sich durchaus nur
zu sich selbst.
Die Attraktion ist das Setzen des Eins als solchen, des reellen Eins,
gegen welches die Vielen in ihrem Daseyn als nur ideell und
verschwindend bestimmt werden. So setzt sogleich die Attraktion sich
voraus, in der Bestimmung nämlich der anderen Eins, ideell zu seyn,
welche sonst für sich seyende und für Andere, also auch für irgend ein
Attrahirendes, repellirende seyn sollen. Gegen diese
Repulsionsbestimmung erhalten sie die Idealität nicht erst durch
Relation auf die Attraktion; sondern sie ist vorausgesetzt, ist die an
sich seyende Idealität der Eins, indem sie als Eins,—das als
attrahirend vorgestellte mit eingeschlossen, ununterschieden von
einander, ein und dasselbe sind.
Dieses Sich-selbst-voraussetzen der beiden Bestimmungen jeder für sich
ist ferner dieß, daß jede die andere als Moment in sich enthält. Das
Sich-Voraussetzen überhaupt ist in Einem sich als das Negative seiner
setzen,—Repulsion, und was darin vorausgesetzt wird, ist dasselbe als
das Voraussetzende,—Attraktion. Daß jede an sich nur Moment ist, ist
das Übergehen jeder aus sich selbst in die andere, sich an ihr selbst
zu negiren und sich als das Andere ihrer selbst zu setzen. Indem das
Eins als solches das Außersichkommen, es selbst nur dieß ist, sich als
sein Anderes, als das Viele zu setzen und das Viele nur ebenso dieß in
sich zusammenfallen und sich als sein Anderes, als das Eins zu setzen,
und eben darin nur sich auf sich zu beziehen, jedes in seinem Andern
sich zu kontinuiren,—so ist hiermit schon an sich das Außersichkommen
(die Repulsion) und das sich-als-Eines-Setzen (die Attraktion)
ungetrennt vorhanden. Gesetzt aber ist es an der relativen Repulsion
und Attraktion d. i. welche unmittelbare, daseyende Eins voraussetzt,
daß jede diese Negation ihrer an ihr selbst, und damit auch die
Kontinuität ihrer in ihre andere ist. Die Repulsion daseyender Eins ist
die Selbsterhaltung des Eins durch die gegenseitige Abhaltung der
andern, so daß 1) die anderen Eins an ihm negirt werden, dieß ist die
Seite seines Daseyns oder seines Seyns-für-Anderes; diese ist aber
somit Attraktion, als die Idealität der Eins;—und daß 2) das Eins an
sich sey, ohne die Beziehung auf die andere; aber nicht nur ist das
Ansich überhaupt längst in das Fürsichseyn übergegangen, sondern an
sich, seiner Bestimmung nach, ist das Eins jenes Werden zu Vielen.—Die
Attraktion daseyender Eins ist die Idealität derselben, und das Setzen
des Eins, worin sie somit als Negiren und Hervorbringen des Eins sich
selbst aufhebt, als Setzen des Eins das Negative ihrer selbst an ihr,
Repulsion ist.
Damit ist die Entwickelung des Fürsichseyns vollendet und zu ihrem
Resultate gekommenen. Das Eins als sich unendlich d. i. als gesetzte
Negation der Negation auf sich selbst beziehend ist die Vermittelung,
daß es sich als sein absolutes (d. i. abstraktes) Andersseyn (die
Vielen) von sich abstößt und indem es sich auf dieß sein Nichtseyn,
negativ, es aufhebend, bezieht, eben darin nur die
Beziehung auf sich selbst ist; und Eins ist nur dieses Werden, in
welchem die Bestimmung, daß es anfängt, d. i. als unmittelbares,
Seyendes gesetzt, und gleichfalls als Resultat sich zum Eins, d. i. zum
ebenso unmittelbaren, ausschließenden Eins wiederhergestellt hätte,
verschwunden; der Proceß, der es ist, setzt und enthält es allenthalben
nur als ein Aufgehobenes. Das Aufheben zunächst nur zu relativem
Aufheben, der Beziehung auf anderes Daseyendes, die damit selbst eine
differente Repulsion und Attraktion ist, bestimmt, erweist sich ebenso
in die unendliche Beziehung der Vermittelung durch die Negation der
äußerlichen Beziehungen von Unmittelbaren und Daseyenden, überzugehen
und zum Resultate eben jenes Werden zu haben, das in der
Haltungslosigkeit seiner Momente das Zusammensinken, oder vielmehr das
Mit-Sich-Zusaummengehen in die einfache Unmittelbarkeit ist. Dieses
Seyn nach der Bestimmung, die es nunmehr erhalten, ist die Quantität.
Übersehen wir kurz die Momente dieses Überganges der Qualität in die
Quantität, so hat das Qualitative zu seiner Grundbestimmung das Seyn
und die Unmittelbarkeit, in welcher die Grenze und die Bestimmtheit mit
dem Seyn des Etwas so identisch ist, daß das Etwas mit ihrer
Veränderung selbst verschwindet; so gesetzt ist es als Endliches
bestimmt. Um der Unmittelbarkeit dieser Einheit willen, worin der
Unterschied verschwunden ist, der aber an sich darin, in der Einheit
des Seyns und Nichts, vorhanden ist, fällt er als Andersseyn überhaupt,
außer jener Einheit. Diese Beziehung auf Anderes widerspricht der
Unmittelbarkeit, in der die qualitative Bestimmtheit Beziehung auf sich
ist. Dieß Andersseyn hebt sich in der Unendlichkeit des Fürsichseyns
auf, welches den Unterschied, den es in der Negation der Negation an
und in ihm selbst hat, zum Eins und Vielen und zu deren Beziehungen
realisirt, und das Qualitative zur wahrhaften, d. i. nicht mehr
unmittelbaren, sondern als übereinstimmend mit sich gesetzten Einheit
erhoben hat.
Diese Einheit ist somit à) Seyn, nur als affirmatives d. i. durch die
Negation der Negation mit sich vermittelte Unmittelbarkeit, das Seyn
ist gesetzt als die durch seine Bestimmtheiten, Grenze u.s.f.
hindurchgehende Einheit, die in ihm als aufgehobene gesetzt sind;—ß)
Daseyn; es ist nach solcher Bestimmung die Negation oder Bestimmtheit
als Moment des affirmativen Seyns, doch ist sie nicht mehr die
unmittelbare, sondern die in sich reflektirte, sich nicht auf anderes,
sondern auf sich sich beziehende; das Schlechthin—das
An-sich-Bestimmtseyn,—das Eins; das Andersseyn als solches ist selbst
Fürsichseyn;—ç) Fürsichseyn, als jenes durch die Bestimmtheit hindurch
sich kontinuirende Seyn, in welchem das Eins und An-sich-Bestimmtseyn
selbst als Aufgehobenes gesetzt ist. Das Eins ist zugleich als über
sich hinausgegangen und als Einheit bestimmt, das Eins damit, die
schlechthin bestimmte Grenze, als die Grenze, die keine ist, die am
Seyn aber ihm gleichgültig ist, gesetzt.
Anmerkung.
Attraktion und Repulsion pflegen bekanntlich als Kräfte angesehen zu
werden. Diese ihre Bestimmung und die damit zusammenhängende
Verhältnisse sind mit den Begriffen, die sich für sie ergeben haben, zu
vergleichen.—In jener Vorstellung werden sie als selbstständig
betrachtet, so daß sie sich nicht durch ihre Natur auf einander
beziehen, d. h. daß nicht jede nur ein in ihre entgegengesetzte
übergehendes Moment seyn, sondern fest der andern gegenüber beharren
soll. Sie werden ferner vorgestellt, als in einem Dritten, der Materie,
zusammenkommend; so jedoch, daß dieß In-Eins-Werden nicht als ihre
Wahrheit gilt, sondern jede vielmehr ein Erstes und
An-und-fürsich-Seyendes, die Materie aber oder Bestimmungen derselben
durch sie gesetzt und hervorgebracht seyen. Wenn gesagt wird, daß die
Materie die Kräfte in sich habe, so ist unter dieser ihrer Einheit eine
Verknüpfung verstanden, wobei sie zugleich als in sich seyende frei von
einander vorausgesetzt werden.
Kant hat bekanntlich die Materie aus der Repulsivund AttraktivKraft
konstruirt oder wenigstens, wie er sich ausdrückt, die metaphysischen
Elemente dieser Konstruction aufgestellt.—Es wird nicht ohne Interesse
seyn, diese Konstruction näher zu beleuchten. Diese metaphysische
Darstellung eines Gegenstandes, der nicht nur selbst, sondern in seinen
Bestimmungen, nur der Erfahrung anzugehören schien, ist eines Theils
dadurch merkwürdig, daß sie als ein Versuch des Begriffs wenigstens den
Anstoß zur neueren Naturphilosophie gegeben hat,—der Philosophie,
welche die Natur nicht als ein der Wahrnehmung sinnlich Gegebenes zum
Grunde der Wissenschaft macht, sondern ihre Bestimmungen aus dem
absoluten Begriffe erkennt; andern Theils auch, weil bei jener
Kantischen Konstruktion noch häufig stehen geblieben und sie für einen
philosophischen Anfang und Grundlage der Physik gehalten wird.
Eine solche Existenz, wie die sinnliche Materie, ist zwar nicht ein
Gegenstand der Logik, eben so wenig als der Raum und Raumbestimmungen.
Aber auch der Attraktiv- und Repulsiv-Kraft, sofern sie als Kräfte der
sinnlichen Materie angesehen werden, liegen die hier betrachteten
reinen Bestimmungen vom Eins und Vielen, und deren Beziehungen
aufeinander, die ich Repulsion und Attraktion, weil diese Namen am
nächsten liegen, genannt habe, zu Grunde.
Kants Verfahren in der Deduktion der Materie aus diesen Kräften, das er
eine Konstruktion nennt, verdient, näher betrachtet, diesen Namen
nicht, wenn nicht anders jede Art voll Reflexion, selbst die
analysirende, eine Konstruktion genannt wird, wie denn freilich spätere
Naturphilosophen auch das flachste Raisonnement und das grundloseste
Gebräue einer willkürlichen Einbildungskraft und gedankenlosen
Reflexion,—das besonders die sogenannten Faktoren der Attraktivkraft
und Repulsivkraft gebrauchte und allenthalben vorbrachte,—ein
Konstruiren genannt haben.
Kants Verfahren ist nämlich Im Grunde analytisch, nicht konstruirend.
Er setzt die Vorstellung der Materie voraus, und fragt nun, welche
Kräfte dazu gehören, um ihre vorausgesetzten Bestimmungen zu erhalten.
So fordert er also eines Theils die Attraktivkraft darum, weil durch
die Repulsion allein, ohne Attraktion, eigentlich keine Materie daseyn
könnte. (Anfangsgr. der Naturwissensch. S. 53f.) Die Repulsion andern
Theils, leitet er gleichfalls aus der Materie ab, und giebt als Grund
derselben an, weil wir uns die Materie undurchdringlich vorstellen,
indem diese nämlich dem Sinne des Gefühls, durch den sie sich uns
offenbare, sich unter dieser Bestimmung präsentirt. Die Repulsion werde
daher ferner sogleich im Begriffe der Materie gedacht, weil sie damit
unmittelbar gegeben sey; die Attraktion dagegen werde derselben durch
Schlüsse beigefügt. Auch diesen Schlüssen aber liegt das so eben
Gesagte zu Grunde, daß eine Materie, die bloß Repulsivkraft hätte, das,
was wir uns unter Materie vorstellen, nicht erschöpfte.—Dieß ist, wie
erhellt, das Verfahren des über die Erfahrung reflektirenden Erkennens,
das zuerst in der Erscheinung Bestimmungen wahrnimmt, diese nun zu
Grunde legt, und für das sogenannte Erklären derselben entsprechende
Grundstoffe oder Kräfte annimmt, welche jene Bestimmungen der
Erscheinung hervorbringen sollen.
In Ansehung des angeführten Unterschieds, wie die Repulsivkraft und wie
die Attraktivkraft von dem Erkennen in der Materie gefunden werde,
bemerkt Kant weiter, daß die Attraktivkraft zwar eben sowohl zum
Begriffe der Materie gehöre, ob sie gleich nicht darin enthalten sey.
Kant zeichnet diesen letztern Ausdruck aus. Es ist aber nicht
abzusehen, welcher Unterschied darin liegen soll; denn eine Bestimmung,
die zum Begriffe einer Sache gehört, muß wahrhaftig darin enthalten
seyn.
Was die Schwierigkeit macht und diese leere Ausflucht herbeiführt,
besteht darin, daß Kant zum Begriffe der Materie von vorn herein
einseitig nur die Bestimmung der Undurchdringlichkeit rechnet, die wir
durch das Gefühl wahrnehmen sollen, weswegen die Repulsivkraft, als das
Abhalten eines Anderen von sich, unmittelbar gegeben sey. Wenn aber
ferner die Materie ohne Attraktivkraft nicht soll daseyn können, so
liegt für diese Behauptung eine aus der Wahrnehmung genommene
Vorstellung der Materie zu Grunde; die Bestimmung der Attraktion muß
also gleichfalls in der Wahrnehmung anzutreffen seyn. Es ist auch wohl
wahrzunehmen, daß die Materie außer ihrem Fürsichseyn, welches das
Seyn-fur-Anderes aufhebt, (den Widerstand leistet), auch eine Beziehung
des Fürsichseyenden aufeinander, räumliche Ausdehnung und Zusammenhalt,
und in Starrheit, Festigkeit einen sehr festen Zusammenhalt hat. Die
erklärende Physik erfordert zum Zerreißen u.s.f. eines Körpers eine
Kraft, welche starker sey, als die Attraktion der Theile desselben
gegeneinander. Aus dieser Wahrnehmung kann die Reflexion eben so
unmittelbar die Attraktivkraft ableiten, oder sie als gegeben annehmen,
als sie es mit der Repulsivkraft that. In der That, wenn die kantischen
Schlüsse, aus denen die Attraktivkraft abgeleitet werden soll,
betrachtet werden (der Beweis des Lehrsatzes: daß die Möglichkeit der
Materie eine Anziehungskraft als zweite Grundkraft erfordere a. a. O.),
so enthalten sie nichts, als daß durch die bloße Repulsion die Materie
nicht räumlich seyn würde. Indem die Materie, als Raum erfüllend
vorausgesetzt ist, ist ihr die Kontinuität zugeschrieben, als deren
Grund die Anziehungskraft angenommen wird.
Wenn nun solche sogenannte Konstruktion der Materie höchstens ein
analytisches Verdienst hätte, das noch durch die unreine Darstellung
geschmälert würde, so ist der Grundgedanke immer sehr zu schätzen, die
Materie aus diesen zwei entgegengesetzten Bestimmungen als ihren
Grundkräften zu erkennen. Es ist Kant vornehmlich um die Verbannung der
gemein-mechanischen Vorstellungsweise zu thun, die bei der einen
Bestimmung, der Undurchdringlichkeit, der für-sich-seyenden
Punktualität, stehen bleibt, und die entgegengesetzte Bestimmung, die
Beziehung der Materie in sich oder mehrerer Materien, die wieder als
besondere Eins angesehen werden, aufeinander, zu etwas Äußerlichem
macht;—die Vorstellungsweise, welche, wie Kant sagt, sonst keine
bewegenden Kräfte, als nur durch Druck und Stoß, also nur durch
Einwirkung von Aussen, einräumen will. Diese Äußerlichkeit des
Erkennens setzt die Bewegung immer schon als der Materie äußerlich
vorhanden voraus, und denkt nicht daran, sie als etwas Innerliches zu
fassen, und sie selbst in der Materie zu begreifen, welche eben damit
für sich als bewegungslos und als träge angenommen wird. Dieser
Standpunkt hat nur die gemeine Mechanik, nicht die immanente und freie
Bewegung vor sich.—Indem Kant jene Äußerlichkeit zwar insofern aufhebt,
als er die Attraktion, die Beziehung der Materien auf einander,
insofern diese als von einander getrennt angenommen werden, oder der
Materie überhaupt in ihrem Außersichseyn, zu einer Kraft der Materie
selbst macht, so bleiben jedoch auf der anderen Seite seine beiden
Grundkräfte, innerhalb der Materie, äußerliche und für sich
selbstständige gegen einander.
So nichtig der selbstständige Unterschied dieser beiden Kräfte, der
ihnen vom Standpunkte jenes Erkennens beigelegt wird, war, ebenso
nichtig muß sich jeder andere Unterschied, der in Ansehung ihrer
Inhaltsbestimmung als etwas Festseyn-Sollendes gemacht wird, zeigen,
weil sie, wie sie oben in ihrer Wahrheit betrachtet wurden, nur Momente
sind, die in einander übergehen.—Ich betrachte diese fernern
Unterschiedsbestimmunge, wie sie Kant angiebt.
Er bestimmt nämlich die Attraktivkraft als eine durchdringende Kraft,
wodurch eine Materie auf die Theile der anderen auch über die Fläche
der Berührung hinaus unmittelbar wirken könne, die Repulsivkraft
dagegen als eine Flächenkraft, dadurch Materien nur in der
gemeinschaftlichen Fläche der Berührung auf einander wirken können. Der
Grund, der angeführt wird, daß die letztere nur eine Flächenkraft seyn
soll, ist folgender: "Die einander berührenden Theile begrenzen einer
den Wirkungsraum des andern, und die repulsive Kraft könne keinen
entferntern Theil bewegen, ohne vermittelst der dazwischen liegenden;
eine quer durch diese gehende unmittelbare Wirkung einer Materie auf
eine andere durch Ausdehnungskräfte (das heißt hier Repulsivkräfte) sey
unmöglich." (s. ebendas. Erklär. u. Zusätze S. 67.)
Es ist sogleich zu erinnern, daß, indem nähere oder entferntere Theile
der Materie angenommen werden, in Rücksicht auf die Attraktion
gleichfalls der Unterschied entstünde, daß ein Atom zwar auf ein
anderes einwirkte, aber ein drittes Entfernteres, zwischen welchem und
dem ersten Attrahirenden das Andere sich befände, zunächst in die
Anziehungssphäre des dazwischen liegenden ihm Nähern träte, das Erste
also nicht eine unmittelbare einfache Wirkung auf das Dritte ausüben
würde; woraus sich eben so ein vermitteltes Wirken für die
Attractivkraft, als für die Repulsivkraft ergehe; ferner müßte das
wahre Durchdringen der Attraktivkraft allein darin bestehen, daß alle
Theile der Materie an und für sich attrahirend wären, nicht aber eine
gewisse Menge passiv und nur Ein Atom aktiv sich verhielte.
—Unmittelbar oder in Rücksicht auf die Repulsivkraft selbst aber ist zu
bemerken, daß in der angeführten Stelle sich berührende Theile, also
eine Gediegenheit und Kontinuität einer fertigen Materie vorkommt,
welche durch sich hindurch ein Repelliren nicht gestatte. Diese
Gediegenheit der Materie aber, in welcher Theile sich berühren, nicht
mehr durch das Leere getrennt sind, setzt das Aufgehobenseyn der
Repulsivkraft bereits voraus; sich berührende Theile sind nach der hier
herrschenden sinnlichen Vorstellung der Repulsion als solche zu nehmen,
die sich nicht repelliren. Es folgt also ganz tautologisch, daß da, wo
das Nichtseyn der Repulsion angenommen ist, keine Repulsion Statt
finden kann. Daraus aber folgt nichts weiter für eine Bestimmung der
Repulsivkraft.—Wird aber darauf reflektirt, daß berührende Theile sich
nur insofern berühren, als sie sich noch außereinander halten, so ist
eben damit die Repulsivkraft nicht bloß auf der Oberfläche der Materie,
sondern innerhalb der Sphäre, welche nur Sphäre der Attraktion seyn
sollte.
Weiter nimmt Kant die Bestimmung an, daß "durch die Anziehungskraft die
Materie einen Raum nur einnehme, ohne ihn zu erfüllen;" (ebendas.)
"weil die Materie durch die Anziehungskraft den Raum nicht erfülle, so
könne diese durch den leeren Raum wirken, indem ihr keine Materie, die
dazwischen läge, Grenzen setze."—Jener Unterschied ist ungefähr wie der
obige beschaffen, wo eine Bestimmung zum Begriffe einer Sache gehören,
aber nicht darin enthalten seyn sollte, so soll hier die Materie einen
Raum nur einnehmen, ihn aber nicht erfüllen. Alsdenn ist es die
Repulsion, wenn wir bei ihrer ersten Bestimmung stehen bleiben, durch
welche sich die Eins abstossen und nur negativ, das heißt hier, durch
den leeren Raum, sich aufeinander beziehen. Hier aber ist es die
Attraktivkraft, welche den Raum leer erhält; sie erfüllt den Raum durch
ihre Beziehung der Atome nicht, das heißt, sie erhält die Atome in
einer negativen Beziehung auf einander.—Wir sehen, daß hier Kant
bewußtlos das begegnet, was in der Natur der Sache liegt, daß er der
Attraktivkraft gerade das zuschreibt, was er der ersten Bestimmung
nach, der entgegengesetzten Kraft zuschrieb. Unter dem Geschäfte der
Festsetzung des Unterschiedes beider Kräfte, war es geschehen, daß eine
in die andere übergegangen war.—So soll dagegen durch die Repulsion die
Materie einen Raum erfüllen, somit durch sie der leere Raum, den die
Attraktivkraft läßt, verschwinden, In der That hebt sie somit, indem
sie den leeren Raum aufhebt, die negative Beziehung der Atome oder
Eins, d. h. die Repulsion derselben, auf; d. i. die Repulsion ist als
das Gegentheil ihrer selbst bestimmt.
Zu dieser Verwischung der Unterschiede kommt noch die Verwirrung hinzu,
daß, wie anfangs bemerkt worden, die Kantische Darstellung der
entgegengesetzten Kräfte analytisch ist, und in dem ganzen Vortrage,
die Materie, die erst aus ihren Elementen hergeleitet werden soll,
bereits als fertig und konstituirt vorkommt. In der Definition der
Flächen- und der durchdringenden Kraft werden beide als bewegende
Kräfte angenommen, dadurch Materien auf die eine oder die andere Weise
sollen wirken können.—Sie sind also hier als Kräfte dargestellt, nicht
durch welche die Materie erst zu Stande käme, sondern wodurch sie,
schon fertig, nur bewegt würde. Insofern aber von Kräften die Rede ist,
wodurch verschiedene Materien auf einander einwirken und sich bewegen,
so ist dieß etwas ganz anderes, als die Bestimmung und Beziehung, die
sie als die Momente der Materie haben sollten.
Denselben Gegensatz, als Attraktiv- und Repulsivkraft machen in
weiterer Bestimmung Centripetal- und Centrifugalkraft. Diese scheinen
einen wesentlichen Unterschied zu gewähren, indem in ihrer Sphäre Ein
Eins, ein Centrum, feststeht, gegen das sich die anderen Eins als nicht
fürsichseyende verhalten, der Unterschied der Kräfte daher an diesen
vorausgesetzten Unterschied Eines centralen Eins und der anderen als
gegen dasselbe nicht feststehend angeknüpft werden kann. Insofern sie
aber zur Erklärung gebraucht werden—zu welchem Behuf man sie, wie auch
sonst die Repulsiv- und Attraktivkraft, in entgegengesetztem
quantitativem Verhältniß annimmt, so daß die eine zunehme, wie die
andere abnehme, so soll die Erscheinung der Bewegung, für deren
Erklärung sie angenommen sind, und deren Ungleichheit erst aus ihnen
resultiren. Man braucht aber nur die nächste beste Darstellung einer
Erscheinung, z.B. die ungleiche Geschwindigkeit, die ein Planet in
seiner Bahn um seinen Centralkörper hat, aus dem Gegensatze jener
Kräfte, vor sich nehmen, so erkennt man bald die Verwirrung, die darin
herrscht, und die Unmöglichkeit, die Größen derselben auseinander zu
bringen, so daß immer eben so diejenige als zunehmend anzunehmen ist,
welche in der Erklärung als abnehmend angenommen wird, und umgekehrt;
was, um anschaulich gemacht zu werden, einer weitläufigern Exposition
bedürfte, als hier gegeben werden könnte; aber das Nöthige kommt
späterhin beim umgekehrten Verhältniß vor.
Zweiter Abschnitt. Die Größe (Quantität).
Der Unterschied der Quantität von der Qualität ist angegeben worden.
Die Qualität ist die erste, unmittelbare Bestimmtheit, die Quantität
die Bestimmtheit, die dem Seyn gleichgültig geworden, eine Grenze, die
eben so sehr keine ist; das Fürsichseyn, das schlechthin identisch mit
dem Seyn-für-Anderes,—die Repulsion der vielen Eins, die unmittelbar
Nicht-Repulsion, Kontinuität derselben ist.
Weil das Fürsichseyende nun so gesetzt ist, sein Anderes nicht
auszuschließen, sondern sich in dasselbe vielmehr affirmativ
fortzusetzen, so ist das Andersseyn, insofern das Daseyn an dieser
Kontinuität wieder hervortritt, und die Bestimmtheit desselben zugleich
nicht mehr als in einfacher Beziehung auf sich, nicht mehr unmittelbare
Bestimmtheit des daseyenden Etwas, sondern ist gesetzt, sich als
repellirend von sich, die Beziehung auf sich als Bestimmtheit vielmehr
in einem anderen Daseyn (einem für-sich-seyenden) zu haben, und indem
sie zugleich als gleichgültige in sich reflektirte, beziehungslose
Grenzen sind, so ist die Bestimmtheit überhaupt außer sich, ein sich
schlechthin Äußerliches und Etwas ebenso Äußerliches; solche Grenze,
die Gleichgültigkeit derselben an ihr selbst und des Etwas gegen sie,
macht die quantitative Bestimmtheit desselben aus.
Zunächst ist die reine Quantität von ihr als bestimmter Quantität, vom
Quantum, zu unterscheiden. Als jene ist sie erstens das in sich
zurückgekehrte, reale Fürsichseyn, das noch keine Bestimmtheit an ihm
hat; als gediegene sich in sich kontinuirende unendliche Einheit.
Diese geht zweitens zu der Bestimmtheit fort, die an ihr gesetzt wird,
als solche, die zugleich keine, nur äußerliche ist. Sie wird Quantum.
Das Quantum ist die gleichgültige Bestimmtheit, d. h. die über sich
hinausgehende, sich selbst negirende; es verfällt als dieß Andersseyn
des Andersseyn in den unendlichen Progreß. Das unendliche Quantum aber
ist die aufgehobene gleichgültige Bestimmtheit, es ist die
Wiederherstellung der Qualität.
Drittens, das Quantum in qualitativer Form ist das quantitative
Verhältniß. Das Quantum geht nur überhaupt über sich hinaus; im
Verhältnisse aber geht es so über s sich in sein Andersseyn hinaus, daß
dieses, in welchem es seine Bestimmung hat, zugleich gesetzt, ein
anderes Quantum ist; somit sein In-sich-zurückgekehrtseyn und die
Beziehung auf sich als in seinem Andersseyn vorhanden ist.
Diesem Verhältnisse liegt noch die Äußerlichkeit des Quantums zu
Grunde, es sind gleichgültige Quanta, die sich zu einander verhalten,
d. i. ihre Beziehung auf sich selbst in solchem Außersichseyn haben;
—das Verhältniß ist damit nur formelle Einheit der Qualität und
Quantität. Die Dialektik desselben ist sein Übergang in ihre absolute
Einheit, in das Maaß.
Anmerkung.
Am Etwas ist seine Grenze als Qualität wesentlich seine Bestimmtheit.
Wenn wir aber unter Grenze die quantitative Grenze verstehen, und z. B.
ein Acker diese seine Grenze verändert, so bleibt er Acker vor wie
nach. Wenn hingegen seine qualitative Grenze verändert wird, so ist
dieß seine Bestimmtheit, wodurch er Acker ist, und er wird Wiese, Wald
u.s.f.-Ein Roth, das intensiver oder schwächer ist, ist immer Roth;
wenn es aber seine Qualität änderte, so hörte es auf Roth zu seyn, es
würde Blau u.s.f.—Die Bestimmung der Größe als Quantum, wie sie sich
oben ergeben hat, daß ein Seyn als Bleibendes zu Grunde liegt, das
gegen die Bestimmtheit, die es hat, gleichgültig ist, ergiebt sich an
jedem anderen Beispiel.
Unter dem Ausdruck Größe wird das Quantum, wie an den angegebenen
Beispielen, verstanden, nicht die Quantität, weswegen wesentlich dieser
Name aus der fremden Sprache gebraucht werden muß.
Die Definition, welche in der Mathematik von der Größe gegeben wird,
betrifft gleichfalls das Quantum. Gewöhnlich wird eine Größe definirt,
als etwas, das sich vermehren oder vermindern läßt. Vermehren aber
heißt, etwas mehr groß, vermindern weniger groß machen. Es liegt darin
ein Unterschied der Größe überhaupt von ihr selbst, und die Größe wäre
also das, dessen Größe sich verändern läßt. Die Definition zeigt sich
insofern als ungeschickt, als in ihr diejenige Bestimmung selbst
gebraucht wird, welche definirt werden sollte. Insofern in ihr nicht
dieselbe Bestimmung zu gebrauchen ist, ist das Mehr und Weniger in
einen Zusatz als Affirmation und zwar nach der Natur des Quantums als
eine gleichfalls äußerliche, und in ein Wegnehmen, als eine ebenso
äußerliche Negation, aufzulösen. Zu dieser äußerlichen Weise sowohl der
Realität als der Negation bestimmt sich überhaupt die Natur der
Veränderung am Quantum. Daher ist in jenem unvollkommenen Ausdruck das
Hauptmoment nicht zu verkennen, worauf es ankommt; nämlich die
Gleichgültigkeit der Veränderung, so daß in ihrem Begriff selbst ihr
eigenes Mehr Minder liegt, ihre Gleichgültigkeit gegen sich selbst.
Erstes Kapitel. Die Quantität.
A. Die reine Quantität.
Die Quantität ist das aufgehobene Fürsichseyn; das repellirende Eins,
das sich gegen das ausgeschlossene Eins nur negativ verhielt, in die
Beziehung mit demselben übergegangen, verhält sich identisch zu dem
Andern, und hat damit seine Bestimmung verloren; das Fürsichseyn ist in
Attraktion übergegangen. Die absolute Sprödigkeit des repellirenden
Eins ist in diese Einheit zerflossen, welche aber als dieß Eins
enthaltend, durch die innwohnende Repulsion zugleich bestimmt, als
Einheit des Außersichseyns Einheit mit sich selbst ist. Die Attraktion
ist auf diese Weise als das Moment der Kontinuität in der Quantität.
Die Kontinuität ist also einfache, sich selbst gleiche Beziehung auf
sich, die durch keine Grenze und Ausschließung unterbrochen ist, aber
nicht unmittelbare Einheit, sondern Einheit der fürsichseyenden Eins.
Es ist darin das Außereinander der Vielheit noch enthalten, aber
zugleich als ein nicht unterschiedenes, Ununterbrochenes. Die Vielheit
ist in der Kontinuität so gesetzt, wie sie an sich ist; die Vielen sind
Eins was Andere, jedes dem anderen gleich, und die Vielheit daher
einfache, unterschiedslose Gleichheit. Die Kontinuität ist dieses
Moment der Sichselbstgleichheit des Außereinanderseyns, das
Sich-Fortsetzen der unterschiedenen Eins in ihre von ihnen
Unterschiedene.
Unmittelbar hat daher die Größe in der Kontinuität das Moment der
Diskretion,—die Repulsion, wie sie nur Moment in der Quantität ist.
—Die Stätigkeit ist Sichselbstgleichheit aber des Vielen, das jedoch
nicht zum Ausschließenden wird; die Repulsion dehnt erst die
Sichselbstgleichheit zur Kontinuität aus. Die Diskretion ist daher
ihrer Seits zusammenfliessende Diskretion, deren Eins nicht das Leere,
das Negative, zu ihrer Beziehung haben, sondern ihre eigne Stätigkeit,
und diese Gleichheit mit sich selbst im Vielen nicht unterbrechen.
Die Quantität ist die Einheit dieser Momente, der Kontinuität und
Diskretion, aber sie ist dieß zunächst in der Form des einen derselben,
der Kontinuität, als Resultat der Dialektik des Fürsichseyns, das in
die Form sich-selbst-gleicher Unmittelbarkeit zusammengefallen ist. Die
Quantität ist als solche dieß einfache Resultat, insofern es seine
Momente noch nicht entwickelt und an ihm gesetzt hat.—Sie enthält sie
zunächst, als das Fürsichseyn gesetzt, wie es in Wahrheit ist. Es war
seiner Bestimmung nach das sich aufhebende Beziehen auf sich selbst,
perennirendes Außersichkommen. Aber das Abgestoßene ist es selbst; die
Repulsion ist daher das erzeugende Fortfließen seiner selbst. Um der
Dieselbigkeit willen des Abgestoßenen ist dieß Discerniren,
ununterbrochene Kontinuität; und um des Außersichkommens willen, ist
diese Kontinuität, ohne unterbrochen zu seyn, zugleich Vielheit, die
eben so unmittelbar in ihrer Gleichheit mit sich selbst bleibt.
Anmerkung 1.
Die reine Quantität hat noch keine Grenze, oder ist noch nicht Quantum;
auch insofern sie Quantum wird, wird sie durch die Grenze nicht
beschränkt, sie besteht vielmehr eben darin, durch die Grenze nicht
beschränkt zu seyn, das Fürsichseyn als ein Aufgehobenes in sich zu
haben. Daß die Diskretion Moment in ihr ist, kann so ausgedrückt
werden, daß die Quantität schlechthin in ihr allenthalben die reale
Möglichkeit des Eins ist, aber umgekehrt, daß das Eins eben so
schlechthin nur als kontinuirliches ist.
Der begrifflosen Vorstellung wird die Kontinuität leicht zur
Zusammensetzung, nämlich einer äußerlichen Beziehung der Eins
aufeinander, worin das Eins in seiner absoluten Sprödigkeit und
Ausschließung erhalten bleibt. Es hat sich aber am Eins gezeigt, daß es
an und für sich selbst, in die Attraktion, in seine Idealität übergeht,
und daß daher die Kontinuität ihm nicht äußerlich ist, sondern ihm
selbst angehört, und in seinem Wesen gegründet ist. Diese Äußerlichkeit
der Kontinuität für die Eins ist es überhaupt, an der die Atomistik
hängen bleibt, und die zu verlassen die Schwierigkeit für das
Vorstellen macht.—Die Mathematik dagegen verwirft eine Metaphysik,
welche die Zeit aus Zeitpunkten, den Raum überhaupt oder zunächst die
Linie aus Raumpunkten, die Fläche aus Linien, den ganzen Raum aus
Flächen bestehen lassen wollte; sie läßt solche unkontinuirliche Eins
nicht gelten. Wenn sie auch z.B. die Größe einer Fläche so bestimmt,
daß sie als die Summe von unendlich vielen Linien vorgestellt wird,
gilt diese Diskretion nur als momentane Vorstellung, und in der
unendlichen Vielheit der Linien, da der Raum, den sie ausmachen sollen,
doch ein beschränkter ist, liegt schon das Aufgehobenseyn ihrer
Diskretion.
Den Begriff der reinen Quantität gegen die bloße Vorstellung hat
Spinoza, dem es vorzüglich auf denselben ankam, im Sinne, indem er
(Eth. P. I. Prop. XV. Schol.) auf folgende Weise von der Quantität
spricht:
"Quantitas duobus modis a nobis concipitur, abstracte scilicet sive
superficialiter, prout nempe ipsam imaginamur; vei ut substantia, quod
a solo intellectu fit. Si itaque ad quantitatem attendimus, prout in
imaginatione est, quod saepe et facilius a nobis fit, reperietur
finita, divisibilis et ex partibus conflata, si autem ad ipsam, prout
in intellecu est, attendimus, et eam, quatenus substantia est,
concipimus, quod difficillime fit,—infinita, unic et indivisibilis
reperietur. Quod omnibus, qui inter imaginationem et intellectum
distiuguere sciverint, satis manifestum erit." Bestimmtere Beispiele
der reinen Quantität, wenn man deren verlangt, hat man an Raum und
Zeit, auch der Materie überhaupt, Licht u.s.f. selbst Ich, nur ist
unter Quantität, wie schon bemerkt, nicht das Quantum zu verstehen.
Raum, Zeit u.s.f. sind Ausdehnungen, Vielheiten, die ein
Außer-sich-gehen, ein Strömen sind, das aber nicht ins
Entgegengesetzte, in die Qualität oder das Eins übergeht, sondern als
Außersichkommen ein perennirendes Selbstproduciren ihrer Einheit sind.
Der Raum ist dieß absolute Außersichseyn, das eben so sehr schlechthin
ununterbrochen, ein Anders- und Wieder-Andersseyn, das identisch mit
sich ist; die Zeit ein absolutes Außersichkommen, ein Erzeugen des
Eins, Zeitpunktes, des Jetzt, das unmittelbar das Zunichtewerden
desselben und stätig wieder das Zunichtewerden dieses Vergebens ist, so
daß dieß sich Erzeugen des Nichtseyns eben so sehr einfache Gleichheit
und Identität mit sich ist.
Was die Materie als Quantität betrifft, so befindet sich unter den
sieben Propositionen, die von der ersten Dissertation Leibnitzens
aufbewahrt sind, (l. Seite des I. Th. seiner Werke) eine hierüber, die
zweite, die so lautet: Non omnino improbabile est, materiam et
quantitatem esse realiter idem.—In der That sind diese Begriffe auch
nicht weiter verschieden, als darin, daß die Quantität die reine
Denkbestimmung, die Materie aber dieselbe in äußerlicher Existenz ist.
—Auch dem Ich kommt die Bestimmung der reinen Quantität zu, als es ein
absolutes Anderswerden, eine unendliche Entfernung oder allseitige
Repulsion zur negativen Freiheit des Fürsichseyns ist, aber welche
schlechthin einfache Kontinuität bleibt,—die Kontinuität der
Allgemeinheit, oder des Beisichseyns, die durch die unendlich
mannigfaltigen Grenzen, den Inhalt der Empfindungen, Anschauungen u.s.
f. nicht unterbrochen wird.-Welche sich dagegen sträuben, die Vielheit
als einfache Einheit zu fassen, und außer dem Begriffe, daß von den
Vielen jedes dasselbe ist, was das Andere, nämlich eins der
Vielen,—indem nämlich hier nicht von weiter bestimmtem Vielem, von
Grünem, Rothem u.s.f. sondern von dem Vielen an-und-für-sich
betrachtet, die Rede ist,—auch eine Vorstellung von dieser Einheit
verlangen, die finden dergleichen hinlänglich an jenen Stätigkeiten,
die den deducirten Begriff der Quantität in einfacher Anschauung als
vorhanden geben.
Anmerkung 2.
In die Natur der Quantität, diese einfache Einheit der Diskretion und
der Kontinuität zu seyn, fällt der Streit oder die Antinomie der
unendlichen Theilbarkeit des Raumes, der Zeit, der Materie u.s.f.
Diese Antinomie besteht allein, darin daß die Diskretion eben so sehr
als die Kontinuität behauptet werden muß. Die einseitige Behauptung der
Diskretion giebt das unendliche oder absolute Getheiltseyn, somit ein
Untheilbares zum Princip; die einseitige Behauptung der Kontinuität
dagegen die unendliche Theilbarkeit.
Die kantische Kritik der reinen Vernunft stellt bekanntlich vier
(kosmologische) Antinomien auf, worunter die zweite den Gegensatz
betrifft, den die Momente der Quantität ausmachen.
Diese kantischen Antinomien bleiben immer ein wichtiger Theil der
kritischen Philosophie; sie sind es vornehmlich, die den Sturz der
vorhergehenden Metaphysik bewirkten, und als ein Hauptübergang in die
neuere Philosophie angesehen werden können, indem sie insbesondere die
Überzeugung von der Nichtigkeit der Kategorien der Endlichkeit von
Seite des Inhalts herbeiführen halfen,—was ein richtigerer Weg ist, als
der formelle eines subjektiven Idealismus, nach welchem nur dieß ihr
Mangel seyn soll, subjektiv zu seyn, nicht das, was sie an ihnen selbst
sind. Bei ihrem grossen Verdienst aber ist diese Darstellung sehr
unvollkommen; Theils in sich selbst gehindert und verschroben, Theils
schief in Ansehung ihres Resultats, welches voraussetzt, daß das
Erkennen keine anderen Formen des Denkens habe, als endliche
Kategorien.—In beider Rücksicht verdienen diese Antinomien eine
genauere Kritik, die sowohl ihren Standpunkt und Methode näher
beleuchten, als auch den Hauptpunkt, worauf es ankommt, von der
unnützen Form, in die er hineingezwängt ist, befreien wird.
Zunächst bemerke ich, daß Kant seinen vier kosmologischen Antinomien
durch das Eintheilungsprincip, das er von seinem Schema der Kategorien
hernahm, einen Schein von Vollständigkeit geben wollte. Allein die
tiefere Einsicht in die antinomische oder wahrhafter in die
dialektische Natur der Vernunft zeigt überhaupt jeden Begriff als
Einheit entgegengesetzter Momente auf, denen man also die Form
antinomischer Behauptungen geben könnte. Werden, Daseyn u.s.f. und
jeder andere Begriff könnte so seine besondere Antinomie liefern, und
also so viele Antinomien aufgestellt werden, als sich Begriffe
ergeben.—Der alte Skepticismus hat sich die Mühe nicht verdrießen
lassen, in allen Begriffen, die er in den Wissenschaften vorfand,
diesen Widerspruch oder die Antinomie aufzuzeigen.
Ferner hat Kant die Antinomie nicht in den Begriffen selbst, sondern in
der schon konkreten Form kosmologischer Bestimmungen aufgefaßt. Um die
Antinomie rein zu haben und sie in ihrem einfachen Begriffe zu
behandeln, mußten die Denkbestimmungen nicht in ihrer Anwendung und
Vermischung mit der Vorstellung der Welt, des Raums, der Zeit, der
Materie u.s.f. genommen, sondern ohne diesen konkreten Stoff, der keine
Kraft noch Gewalt dabei hat, rein für sich betrachtet werden, indem sie
allein das Wesen und den Grund der Antinomien ausmachen.
Kant giebt diesen Begriff von den Antinomien, daß sie "nicht
sophistische Künsteleien seyen, sondern Widersprüche, auf welche die
Vernunft nothwendig stoßen (nach kantischem Ausdrucke) müsse;"—was eine
wichtige Ansicht ist.—"Von dem natürlichen Scheine der Antinomien werde
die Vernunft, wenn sie seinen Grund einsieht, zwar nicht mehr
hintergegangen, aber immer noch getäuscht."—Die kritische Auflösung
nämlich durch die sogenannte transcendentale Idealität der Welt der
Wahrnehmung hat kein anderes Resultat, als daß sie den sogenannten
Widerstreit zu etwas Subjektivem macht, worin er freilich noch immer
derselbe Schein, d. h. so unaufgelöst bleibt als vorher. Ihre wahrhafte
Auflösung kann nur darin bestehen, daß zwei Bestimmungen, indem sie
entgegengesetzt und einem und demselben Begriffe nothwendig sind, nicht
in ihrer Einseitigkeit, jede für sich, gelten können, sondern daß sie
ihre Wahrheit nur in ihrem Aufgehobenseyn, in der Einheit ihres
Begriffes haben.
Die Kantischen Antinomien näher betrachtet, enthalten nichts anders,
als die ganz einfache kategorische Behauptung eines jeden der zwei
entgegengesetzten Momente einer Bestimmung, für sich isolirt von der
andern. Aber dabei ist diese einfache kategorische oder eigentlich
assertorische Behauptung in ein schiefes, verdrehtes Gerüste von
Raisonnement eingehüllt, wodurch ein Schein von Beweisen
hervorgebracht, und das bloß Assertorische der Behauptung versteckt und
unkenntlich gemacht werden soll; wie sich dieß bei der nähern
Betrachtung derselben zeigen wird.
Die Antinomie, die hierher gehört, betrifft die sogenannte unendliche
Theilbarkeit der Materie, und beruht auf dem Gegensatze der Momente der
Kontinuität und Diskretion, welche der Begriff der Quantität in sich
enthält.
Die Thesis derselben nach kantischer Darstellung lautet so:
Eine jede zusammengesetzte Substanz in der Welt besteht aus einfachen
Theilen, und es existirt überall nichts als das Einfache, oder was aus
diesem zusammengesetzt ist.
Es wird hier dem Einfachen, dem Atomen, das Zusammengesetzte
gegenübergestellt, was gegen das Stätige oder Kontinuirliche eine sehr
zurückstehende Bestimmung ist.—Das Substrat, das diesen Abstraktionen
gegeben ist, nämlich Substanzen der Welt, heißt hier weiter nichts, als
die Dinge, wie sie sinnlich wahrnehmbar sind, und hat auf das
Antinomische selbst keinen Einfluß, es konnte eben so gut auch Raum
oder Zeit genommen werden.—Indem nun die Thesis nur von Zusammensetzung
statt von Kontinuität lautet, so ist sie eigentlich sogleich ein
analytischer oder tautologischer Satz. Daß das Zusammengesetzte nicht
an und für sich Eines, sondern nur ein äußerlich Verknüpftes ist, und
aus Anderem besteht, ist seine unmittelbare Bestimmung. Das Andere aber
des Zusammengesetzten ist das Einfache. Es ist daher tautologisch, zu
sagen, daß das Zusammengesetzte aus Einfachem besteht.—Wenn einmal
gefragt wird, aus was Etwas bestehe, so wird die Angabe eines Anderen
verlangt, dessen Verbindung jenes Etwas ausmache. Läßt man die Dinte
wieder aus Dinte bestehen, so ist der Sinn der Frage nach dem Bestehen
aus Anderem verfehlt, sie ist nicht beantwortet und wiederholt sich
nur. Eine weitere Frage ist dann, ob das, wovon die Rede ist, aus etwas
bestehen soll, oder nicht. Aber das Zusammengesetzte ist schlechthin
ein solches, das ein Verbundenes seyn, und aus Anderem bestehen soll.
—Wird das Einfache, welches das Andere des Zusammengesetzten sey, nur
für ein relativ-Einfaches genommen, das für sich wieder zusammengesetzt
sey, so bleibt die Frage vor wie nach. Der Vorstellung schwebt etwa nur
dieß oder jenes Zusammengesetzte vor, von dem auch dieß oder jenes
Etwas als sein Einfaches angegeben würde, was für sich ein
Zusammengesetztes wäre. Aber hier ist von dem Zusammengesetzten als
solchem die Rede.
Was nun den kantischen Beweis der Thesis betrifft, so macht er, wie
alle kantischen Beweise der übrigen antinomischen Sätze, den Umweg, der
sich als sehr überflüssig zeigen wird, apogogisch zu seyn.
"Nehmet an, (beginnt er,) die zusammengesetzten Substanzen beständen
nicht aus einfachen Theilen; so würde, wenn alle Zusammensetzung in
Gedanken aufgehoben würde, kein zusammengesetzter Theil und da es (nach
der so eben gemachten Annahme) keine einfache Theile giebt, auch kein
einfacher, mithin gar nichts übrig bleiben, folglich keine Substanz
seyn gegeben worden."-Diese Folgerung ist ganz richtig: wenn es nichts
als Zusammengesetztes giebt, und man denkt sich alles Zusammengesetzte
weg, so hat man gar nichts übrig;—man wird dieß zugeben, aber dieser
tautologische Überfluß konnte wegbleiben, und der Beweis sogleich mit
dem anfangen, was darauf folgt, nämlich: "Entweder läßt sich unmöglich
alle Zusammensetzung in Gedanken aufheben, oder es muß nach deren
Aufhebung etwas ohne Zusammensetzung bestehendes, d. i. das Einfache,
übrig bleiben."
"Im erstern Fall aber würde das Zusammengesetze wiederum nicht aus
Substanzen bestehen (weil bei diesen die Zusammensetzung nur eine
zufällige Relation der Substanzen[8] ist, ohne welche diese als für
sich beharrliche Wesen, bestehen müssen.)—Da nun dieser Fall der
Voraussetzung widerspricht, so bleibt nur der zweite übrig: daß nämlich
das substantielle Zusammengesetzte in der Welt aus einfachen Theilen
bestehe."
[8] Zum Überfluß des Beweisens selbst kommt hier noch der Überfluß der
Sprache,—weil bei diesen (den Substanzen nämlich) die Zusammensetzung
nur eine zufällige Relation der Substanzen ist.
Derjenige Grund ist nebenher in eine Parenthese gelegt, der die
Hauptsache ausmacht, gegen welche alles bisherige völlig überflüssig
ist. Das Dilemma ist dieses: Entweder ist das Zusammengesetzte das
Bleibende, oder nicht, sondern das Einfache. Wäre das Erstere, nämlich
das Zusammengesetze, das Bleibende, so wäre das Bleibende nicht die
Substanzen, denn diesen ist die Zusammensetzung nur zufällige Relation;
aber Substanzen sind das Bleibende, also ist das, was bleibt, das
Einfache.
Es erhellt, daß ohne den apogogischen Umweg an die Thesis: Die
zusammengesetze Substanz besteht aus einfachen Theilen, unmittelbar
jener Grund als Beweis angeschlossen werden konnte, weil die
Zusammensetzung bloß eine zufällige Relation der Substanzen ist, welche
ihnen also äußerlich ist, und die Substanzen selbst nichts angeht.—Hat
es mit der Zufälligkeit der Zusammensetzung seine Richtigkeit, so ist
das Wesen Freilich das Einfache. Diese Zufälligkeit aber, auf welche es
allein ankommt, wird nicht bewiesen, sondern geradezu, und zwar im
Vorbeigehen in Parenthese angenommen, als etwas das sich von selbst
versteht oder eine Nebensache ist. Es versteht sich zwar allerdings von
selbst, daß die Zusammensetzung die Bestimmung der Zufälligkeit und
Äußerlichkeit ist; aber wenn es sich nur um ein zufälliges Zusammen
handeln sollte statt der Kontinuität, so war es nicht der Mühe werth,
darüber eine Antinomie aufzustellen, oder vielmehr es ließ sich gar
keine aufstellen; die Behauptung der Einfachheit der Theile ist
alsdenn, wie erinnert, nur tautologisch.
In dem apogogischen Umwege sehen wir somit die Behauptung selbst
vorkommen, die aus ihm resultiren soll. Kürzer läßt sich daher der
Beweis so fassen:
Man nehme an, die Substanzen bestünden nicht aus einfachen Theilen,
sondern seyen nur zusammengesetzt. Nun aber kann man alle
Zusammensetzung in Gedanken aufheben, (denn sie ist nur eine zufällige
Relation;) also blieben nach deren Aufhebung keine Substanzen übrig,
wenn sie nicht aus einfachen Theilen bestünden. Substanzen aber müssen
wir haben, denn wir haben sie angenommen; es soll uns nicht alles
verschwinden, sondern Etwas übrig bleiben, denn wir haben ein solches
Beharrliches, das wir Substanz nannten, vorausgesetzt; dieß Etwas muß
also einfach seyn.
Es gehört noch zum Ganzen, den Schlußsatz zu betrachten; er lautet
folgendermaßen:
"Hieraus folgt unmittelbar, daß die Dinge der Welt insgesammt einfache
Wesen seyn, daß die Zusammensetzung nur ein äußerer Zustand derselben
sey, und daß die Vernunft die Elementarsubstanzen als einfache Wesen
denken müsse."
Hier sehen wir die Äußerlichkeit d. i. Zufälligkeit der Zusammensetzung
als Folge aufgeführt, nachdem sie vor her im Beweise parenthetisch
eingeführt und in ihm gebraucht worden war.
Kant protestirt sehr, daß er bei den widerstreitenden Sätzen der
Antinomie nicht Blendwerke suche, um etwa (wie man zu sagen pflege)
einen Advokatenbeweis zu führen. Der betrachtete Beweis ist nicht so
sehr eines Blendwerks zu beschuldigen, als einer unnützen gequälten
Geschrobenheit, die nur dazu dient, die äußere Gestalt eines Beweises
hervorzubringen, und es nicht in seiner ganzen Durchsichtigkeit zu
lassen, daß das was als Folgerung hervortreten sollte, in Parenthese
der Angel des Beweises ist, daß überhaupt kein Beweis, sondern nur eine
Voraussetzung vorhanden ist.
Die Antithesis lautet:
Kein zusammengesetztes Ding in der Welt besteht aus einfachen Theilen,
und es existirt überall nichts Einfaches in derselben.
Der Beweis ist gleichfalls apogogisch gewendet, und auf eine andere
Weise eben so tadelhaft als der vorige.
"Setzet, heißt es, ein zusammengesetztes Ding, als Substanz, bestehe
aus einfachen Theilen. Weil alles äußere Verhältniß, mithin auch alle
Zusammensetzung aus Substanzen nur im Raume möglich ist, so muß, aus so
vielen Theilen das Zusammengesetzte bestehet, aus so vielen Theilen
auch der Raum bestehen, den es einnimmt. Nun besteht der Raum nicht aus
einfachen Theilen, sondern aus Räumen. Also muß jeder Theil des
Zusammengesetzten einen Raum einnehmen."
"Die schlechthin ersten Theile aber alles Zusammengesetzten sind
einfach." "Also nimmt das Einfache einen Raum ein."
"Da nun alles Reale, was einen Raum einnimmt, ein außerhalb einander
befindliches Mannigfaltiges in sich fasset, mithin zusammengesetzt ist,
und zwar aus Substanzen, so würde das Einfache ein substantielles
Zusammengesetztes seyn. Welches sich widerspricht."
Dieser Beweis kann ein ganzes Nest (um einen sonst vorkommenden
Kantischen Ausdruck zu gebrauchen) von fehlerhaftem Verfahren genannt
werden.
Zunächst ist die apogogische Wendung ein grundloser Schein. Denn die
Annahme, daß alles Substanzielle räumlich sey, der Raum aber nicht aus
einfachen Theilen bestehe, ist eine direkte Behauptung, die zum
unmittelbaren Grund des zu Beweisenden gemacht und mit der das ganze
Beweisen fertig ist.
Alsdann fängt dieser apogogische Beweis mit dem Satze an: "daß alle
Zusammensetzung aus Substanzen, ein äußeres Verhältniß sey," vergißt
ihn aber sonderbar genug sogleich wieder. Es wird nämlich
fortgeschlossen, daß die Zusammensetzung nur im Raume möglich sey, der
Raum bestehe aber nicht aus einfachen Theilen, das Reale, das einen
Raum einnehme, sey mithin zusammengesetzt. Wenn einmal die
Zusammensetzung als ein äußerliches Verhältniß angenommen ist, so ist
die Räumlichkeit selbst, als in der allein die Zusammensetzung möglich
seyn soll, eben darum ein äußerliches Verhältniß für die Substanzen,
das sie nichts angeht und ihre Natur nicht berührt, so wenig als das
übrige, was man aus der Bestimmung der Räumlichkeit noch folgern kann.
Aus jenem Grunde eben sollten die Substanzen nicht in den Raum gesetzt
worden seyn.
Ferner ist vorausgesetzt, daß der Raum, in den die Substanzen hier
versetzt werden, nicht aus einfachen Theilen bestehe; weil er eine
Anschauung, nämlich, nach Kantischer Bestimmung, eine Vorstellung, die
nur durch einen einzigen Gegenstand gegeben werden könne, und kein
sogenannter diskursiver Begriff sey.—Bekanntlich hat sich aus dieser
kantischen Unterscheidung von Anschauung und von Begriff viel Unfug mit
dem Anschauen entwickelt, und um das Begreifen zu ersparen, ist der
Werth und das Gebiet derselben auf alles Erkennen ausgedehnt worden.
Hierher gehört nur, daß der Raum, wie auch die Anschauung selbst,
zugleich begriffen werden muß, wenn man nämlich überhaupt begreifen
will. Damit entstände die Frage, ob der Raum nicht, wenn er auch als
Anschauung einfache Kontinuität wäre, nach seinem Begriffe als aus
einfachen Theilen bestehend, gefaßt werden müsse, oder der Raum träte
in dieselbe Antinomie ein, in welche nur die Substanz versetzt wurde.
In der That wenn die Antinomie abstrakt gefaßt wird, betrifft sie, wie
erinnert, die Quantität überhaupt und somit Raum und Zeit eben so sehr.
Weil aber einmal im Beweise angenommen ist, daß der Raum nicht aus
einfachen Theilen bestehe, so dieß hätte Grund seyn sollen, das
Einfache nicht in dieß Element zu versetzen, welches der Bestimmung des
Einfachen nicht angemessen ist.—Hierbei kommt aber auch die Kontinuität
des Raumes mit der Zusammensetzung in Kollision; es werden beide mit
einander verwechselt, die erstere an die Stelle der letztern
untergeschoben, (was im Schlusse eine Quaternio Terminorum giebt). Es
ist bei Kant die ausdrückliche Bestimmung des Raums, daß er ein einiger
ist, und die Theile desselben nur auf Einschränkungen beruhen, so daß
sie nicht vor dem einigen allbefassenden Raume gleichsam als dessen
Bestandtheile, daraus seine Zusammensetzung möglich sey, vorhergehen".
(Kr. d. r. Vern. 2te Ausg. S. 39). Hier ist die Kontinuität sehr
richtig und bestimmt vom Raume gegen die Zusammensetzung aus
Bestandtheilen angegeben. In der Argumentation dagegen soll das
Versetzen der Substanzen in den Raum ein "außerhalb einander
befindliches Mannigfaltiges" und zwar "mithin ein Zusammengesetztes"
mit sich führen. Wogegen, wie angeführt, die Art, wie im Raume eine
Mannigfaltigkeit sich findet, ausdrücklich die Zusammensetzung und der
Einigkeit desselben vorhergehende Bestandtheile ausschließen soll.
In der Anmerkung zu dem Beweis der Antithesis wird noch ausdrücklich
die sonstige Grundvorstellung der kritischen Philosophie
herbeigebracht, daß wir von Körpern nur als Erscheinungen einen Begriff
haben, als solche aber setzen sie den Raum, als die Bedingung der
Möglichkeit aller äußern Erscheinung nothwendig voraus. Wenn hiermit
unter den Substanzen nur Körper gemeint sind, wie wir sie sehen, fühlen
schmecken u. s. f., so ist von dem, was sie in ihrem Begriffe sind,
eigentlich nicht die Rede; es handelt sich nur vom sinnlich
Wahrgenommenen. Der Beweis der Antithesis war also kurz zu fassen. Die
ganze Erfahrung unseres Sehens, Fühlens, u.s.f.. zeigt uns nur
Zusammengesetztes; auch die besten Mikroskope und die feinsten Messer
haben uns noch auf nichts einfaches stoßen lassen. Also soll auch die
Vernunft nicht auf etwas einfaches stoßen wollen.
Wenn wir hiermit den Gegensatz dieser Thesis und Antithesis genauer
ansehen, und ihre Beweise von allem unnützen Überfluß und
Verschrobenheit befreien, so enthält der Beweis der Antithesis, —durch
die Versetzung der Substanzen in den Raum,—die assertorische Annahme
der Kontinuität, so wie der Beweis der Thesis,—durch die Annahme der
Zusammensetzung, als der Art der Beziehung des Substantiellen,—die
assertorische Annahme der Zufälligkeit dieser Beziehung, und damit die
Annahme der Substanzen als absolute Eins. Die ganze Antinomie reducirt
sich also auf die Trennung und direkte Behauptung der beiden Momente
der Quantität und zwar derselben als schlechthin getrennter. Nach der
bloßen Diskretion genommen sind die Substanz, Materie, Raum, Zeit
u.s.f. schlechthin getheilt, das Eins ist ihr Princip. Nach der
Kontinuität ist dieses Eins nur ein aufgehobenes; das Theilen bleibt
Theilbarkeit, es bleibt die Möglichkeit zu theilen, als Möglichkeit,
ohne wirklich auf das Atome zu kommen. Bleiben wir nun auch bei der
Bestimmung stehen, die in dem Gesagten von diesen Gegensätzen gegeben
ist, so liegt in der Kontinuität selbst das Moment des Atomen, da sie
schlechthin als die Möglichkeit des Theilens ist, so wie jenes
Getheiltseyn, die Diskretion auch allen Unterschied der Eins
aufhebt,—denn die einfachen Eins ist eines was das andere ist,—somit
ebenso ihre Gleichheit und damit ihre Kontinuität enthält. Indem jede
der beiden entgegengesetzten Seiten an ihr selbst ihre andere enthält,
und keine ohne die andere gedacht werden kann, so folgt daraus, daß
keine dieser Bestimmungen, allein genommen, Wahrheit hat, sondern nur
ihre Einheit. Dieß ist die wahrhafte dialektische Betrachtung
derselben, so wie das wahrhafte Resultat.
Unendlich sinnreicher und tiefer, als die betrachtete kantische
Antinomie sind die dialektischen Beispiele der alten eleatischen Schule
besonders die Bewegung betreffend, die sich gleichfalls auf den Begriff
der Quantität gründen, und in ihm ihre Auflösung haben. Es würde zu
weitläufig seyn, sie hier noch zu betrachten, sie betreffen die
Begriffe von Raum und Zeit, und können bei diesen und in der Geschichte
der Philosophie abgehandelt werden. Sie machen der Vernunft ihrer
Erfinder die höchste Ehre; sie haben das reine Seyn des Parmenides zum
Resultate indem sie die Auflösung alles bestimmten Seyns in sich selbst
aufzeigen, und sind somit an ihnen selbst das Fließen des Heraklit Sie
sind darum auch einer gründlichern Betrachtung würdig, als der
gewöhnlichen Erklärung, daß es eben Sophismen seyen; welche Assertion
sich an das empirische Wahrnehmen nach dem, dem gemeinen
Menschenverstande einleuchtenden, Vorgange des Diogenes hält, der, als
ein Dialektiker den Widerspruch, den die Bewegung enthält, aufzeigte,
seine Vernunft weiter nicht angestrengt haben, sondern durch ein
stummes Hin- und Hergehen auf den Augenschein verwiesen haben
soll,—eine Assertion und Widerlegung, die freilich leichter zu machen
ist, als sich in die Gedanken einzulassen, und die Verwicklungen, in
welche der Gedanke und zwar der nicht weithergehohlte, sondern im
gewöhnlichen Bewußtseyn selbst sich formirende, hineinführt,
festzuhalten und durch den Gedanken selbst aufzulösen.
Die Auflösung, die Aristoteles von diesen dialektischen Gestaltungen
macht, ist hoch zu rühmen und in seinen wahrhaft spekulativen Begriffen
von Raum, Zeit und Bewegung enthalten. Er setzt der unendlichen
Theilbarkeit (was, da sie vorgestellt wird, als ob sie bewerkstelligt
werde, mit dem unendlichen Getheiltseyn, den Atomen, dasselbe ist), als
worauf die berühmtesten jener Beweise beruhen, die Kontinuität, welche
ebenso wohl auf die Zeit, als den Raum geht, entgegen, so daß die
unendliche, d. h. abstrakte Vielheit nur an sich, der Möglichkeit nach,
in der Kontinuität enthalten sey. Das Wirkliche gegen die abstrakte
Vielheit, wie gegen die abstrakte Kontinuität ist das Konkrete
derselben, die Zeit und der Raum selbst, wie gegen diese wieder die
Bewegung und die Materie. Nur an sich oder nur der Möglichkeit nach ist
das Abstrakte; es ist nur als Moment eines Reellen. Bayle, der in
seinem Diktionnaire, Art. Zenon, die von Aristoteles gemachte Auflösung
der zenonischen Dialektik, " pitoyable " findet, versteht nicht was es
heißt, daß die Materie nur der Möglichkeit nach ins Unendliche theilbar
sey; er erwiedert, wenn die Materie ins Unendliche theilbar sey, so
enthalte sie wirklich eine unendliche Menge von Theilen, dieß sey also
nicht ein Unendliches en puissance, sondern ein Unendliches, das reell
und aktuell existire.—Vielmehr ist schon die Theilbarkeit selbst nur
eine Möglichkeit, nicht ein Existiren der Theile, und die Vielheit
überhaupt in der Kontinuität nur als Moment, als Aufgehobenes gesetzt.
—Scharfsinniger Verstand, an dem Aristoteles wohl auch unübertroffen
ist, reicht nicht hin dessen spekulative Begriffe zu fassen und zu
beurtheilen, so wenig als die angeführte Plumpheit sinnlicher
Vorstellung, Argumentationen des Zeno zu widerlegen; jener Verstand ist
in dem Irrthume, solche Gedankendinge, Abstraktionen, wie unendliche
Menge von Theilen, für Etwas, für ein Wahres und Wirkliches zu halten;
dieses sinnliche Bewußtseyn aber läßt sich nicht über das Empirische
hinaus zu Gedanken bringen.
Die kantische Auflösung der Antinomie besteht gleichfalls allein darin,
daß die Vernunft die sinnliche Wahrnehmung nicht überfliegen, und die
Erscheinung, wie sie ist, nehmen solle. Diese Auflösung läßt den Inhalt
der Antinomie selbst auf der Seite liegen, sie erreicht die Natur des
Begriffes ihrer Bestimmungen nicht, deren jede, für sich isolirt,
nichtig und an ihr selbst nur das Übergehen in ihre Andere ist, und die
Quantität als ihre Einheit und darin ihre Wahrheit hat.
B. Kontinuirliche und diskrete Größe.
Die Quantität enthält die beiden Momente der Kontinuität und der
Diskretion. Sie ist in beiden als ihren Bestimmungen zu setzen.—Sie ist
schon sogleich unmittelbare Einheit derselben, d. h. sie ist zunächst
selbst nur in der einen ihrer Bestimmungen, der Kontinuität, gesetzt,
und ist so kontinuirliche Größe.
Oder die Kontinuität ist zwar eins der Momente der Quantität, die erst
mit dem andern, der Diskretion, vollendet ist. Aber die Quantität ist
konkrete Einheit nur, insofern sie die Einheit unterschiedener Momente
ist. Diese sind daher auch als unterschieden zu nehmen, jedoch nicht in
Attraktion und Repulsion wieder aufzulösen, sondern nach ihrer Wahrheit
jede in ihrer Einheit mit der anderen d. h. das Ganze bleibend. Die
Kontinuität ist nur die zusammenhängende, gediegene Einheit, als
Einheit des Diskreten, so gesetzt ist sie nicht mehr nur Moment,
sondern ganze Quantität; kontinuirliche Größe.
2. Die unmittelbare Quantität ist kontinuirliche Größe. Aber die
Quantität ist überhaupt nicht ein unmittelbares; die Unmittelbarkeit
ist eine Bestimmtheit, deren Aufgehobenseyn sie selbst ist. Sie ist
also in der ihr immanenten Bestimmtheit zu setzen, diese ist das Eins.
Die Quantität ist diskrete Größe.
Die Diskretion ist, wie die Kontinuität, Moment der Quantität, aber ist
selbst auch die ganze Quantität, eben weil sie Moment in ihr, dem
Ganzen ist, also als unterschieden nicht aus demselben, nicht aus ihrer
Einheit mit dem anderen Momente heraustritt.—Die Quantität ist
Außereinanderseyn an sich, und die kontinuirliche Größe ist dieß
Außereinanderseyn, als sich ohne Negation fortsetzend, als ein in sich
selbst gleicher Zusammenhang. Die diskrete Größe aber ist dieß
Außereinander als nicht kontinuirlich, als unterbrochen. Mit dieser
Menge von Eins ist jedoch nicht die Menge des Atomen und das Leere, die
Repulsion überhaupt, wieder vorhanden. Weil die diskrete Größe
Quantität ist, ist ihre Diskretion selbst kontinuirlich. Diese
Kontinuität am Diskreten besteht darin, daß die Eins das einander
Gleiche sind, oder daß sie dieselbe Einheit haben. Die diskrete Größe
ist also das Außereinander des vielen Eins, als des Gleichen, nicht das
viele Eins überhaupt, sondern als das Viele einer Einheit gesetzt.
Anmerkung.
In gewöhnlichen Vorstellungen von kontinuirlicher und diskreter Größe
wird es übersehen, daß jede dieser Größen beide Momente, sowohl die
Kontinuität als die Diskretion, an ihr hat, und ihr Unterschied nur
dadurch konstituirt wird, welches von beiden Momenten die gesetzte
Bestimmtheit und welche nur die an-sich-seyende ist. Raum, Zeit,
Materie u.s.f. sind stätige Größen, indem sie Repulsionen von sich
selbst, ein strömendes Außersichkommen sind, das zugleich nicht ein
Übergehen oder Verhalten zu einem qualitativ-Andern ist. Sie haben die
absolute Möglichkeit, daß das Eins allenthalben an ihnen gesetzt werde;
nicht als die leere Möglichkeit eines bloßen Andersseyns (wie man sagt,
es wäre möglich, daß an der Stelle dieses Steines ein Baum stünde)
sondern sie enthalten das Princip des Eins an ihnen selbst, es ist die
eine der Bestimmungen, von denen sie konstituirt sind.
Umgekehrt ist an der diskreten Größe die Kontinuität nicht zu
übersehen; dieß Moment ist, wie gezeigt, das Eins als Einheit.
Die kontinuirliche und diskrete Größe können als Arten der Quantität
betrachtet werden, aber insofern die Größe nicht unter irgend einer
äußerlichen Bestimmtheit gesetzt ist, sondern unter den Bestimmtheiten
ihrer eigenen Momente; der gewöhnliche Übergang von Gattung zu Art läßt
an jene nach irgend einem ihr äußerlichen Eintheilungsgrunde äußerliche
Bestimmungen kommen. Dabei sind die kontinuirliche und diskrete Größe
noch keine Quanta; sie sind nur die Quantität selbst in einer jeden
ihrer beiden Formen. Sie werden etwa Größen genannt, insofern sie mit
dem Quantum dieß überhaupt gemein haben, eine Bestimmtheit an der
Quantität zu seyn.