Das Unendliche ist

a. in einfacher Bestimmung das Affirmative als Negation des Endlichen;

b. es ist aber damit in Wechselbestimmung mit dem Endlichen, und ist

das abstrakte, einseitige Unendliche;

c. das Sich-aufheben dieses Unendlichen, wie des Endlichen als Ein

Proceß,—ist das wahrhafte Unendliche.

a. Das Unendliche überhaupt.

Das Unendliche ist die Negation der Negation, das Affirmative, das

Seyn, das sich aus der Beschränktheit wieder hergestellt hat. Das

Unendliche ist, und in intensiverem Sinn als das erste unmittelbare

Seyn; es ist das wahrhafte Seyn; die Erhebung aus der Schranke. Bei dem

Namen des Unendlichen geht dem Gemüth und dem Geiste sein Licht auf,

denn er ist darin nicht nur abstrakt bei sich, sondern erhebt sich zu

sich selbst, zum Lichte seines Denkens, seiner Allgemeinheit, seiner

Freiheit.

Zuerst hat sich für den Begriff des Unendlichen ergeben, daß das Daseyn

in seinem Ansichseyn sich als Endliches bestimmt, und über die Schranke

hinausgeht. Es ist die Natur des Endlichen selbst, über sich

hinauszugehen, seine Negation zu negiren und unendlich zu werden. Das

Unendliche steht somit nicht als ein für sich Fertiges über dem

Endlichen, so daß das Endliche außer oder unter jenem sein Bleiben

hätte und behielte. Noch gehen wir nur als eine subjektive Vernunft

über das Endliche ins Unendliche hinaus. Wie wenn man sagt, daß das

Unendliche der Vernunftbegriff sey, und wir uns durch die Vernunft über

das Zeitliche erheben, so läßt man dieß ganz unbeschadet des Endlichen

geschehen, welches jene ihm äußerlich bleibende Erhebung nichts angeht.

Insofern aber das Endliche selbst in die Unendlichkeit erhoben wird,

ist es eben so wenig eine fremde Gewalt, welche ihm dieß anthut,

sondern es ist dieß seine Natur, sich auf sich als Schranke, sowohl als

Schranke als solche, wie als Sollen, zu beziehen, und über dieselbe

hinauszugehen, oder vielmehr als Beziehung auf sich sie negirt zu haben

und über sie hinaus zu seyn. Nicht im Aufheben der Endlichkeit

überhaupt wird die Unendlichkeit überhaupt, sondern das Endliche ist

nur dieß, selbst durch seine Natur dazu zu werden. Die Unendlichkeit

ist seine affirmative Bestimmung, das was es wahrhaft an sich ist.

So ist das Endliche im Unendlichen verschwunden, und was ist, ist nur

das Unendliche.

b. Wechselbestimmung des Endlichen und Unendlichen.

Das Unendliche ist; in dieser Unmittelbarkeit ist es zugleich die

Negation eines Andern, des Endlichen. So als seyend und zugleich als

Nichtseyn eines Andern ist es in die Kategorie des Etwas als eines

bestimmten überhaupt, näher weil es das in sich-reflektirte,

vermittelst des Aufhebens der Bestimmtheit überhaupt resultirende

Daseyn, hiermit als das von seiner Bestimmtheit unterschiedene Daseyn

gesetzt ist,—in die Kategorie des Etwas mit einer Grenze,

zurückgefallen. Das Endliche steht nach dieser Bestimmtheit dem

Unendlichen als reales Daseyn gegenüber; so stehen sie in qualitativer

Beziehung als außer einander bleibende; das unmittelbare Seyn des

Unendlichen erweckt das Seyn seiner Negation, des Endlichen wieder, das

zunächst im Unendlichen verschwunden schien.

Aber das Unendliche und Endliche sind nicht nur in diesen Kategorien

der Beziehung; die beiden Seiten sind weiter bestimmt, als bloß Andere

gegeneinander zu seyn. Die Endliche ist nämlich die als Schranke

gesetzte Schranke, es ist das Daseyn mit der Bestimmung gesetzt in sein

Ansichseyn überzugehen, unendlich zu werden. Die Unendlichkeit ist das

Nichts des Endlichen, dessen Ansichseyn und Sollen, aber dieses

zugleich als in sich reflektirt, das ausgeführte Sollen, nur sich auf

sich beziehendes ganz affirmatives Seyn. In der Unendlichkeit ist die

Befriedigung vorhanden, daß alle Bestimmtheit, Veränderung, alle

Schranke und mit ihr das Sollen selbst verschwunden, als aufgehoben,

das Nichts des Endlichen gesetzt ist. Als diese Negation des Endlichen

ist das Ansichseyn bestimmt, welches so als Negation der Negation in

sich affirmativ ist. Diese Affirmation jedoch ist als qualitativ

unmittelbare Beziehung auf sich; Seyn; hierdurch ist das Unendliche auf

die Kategorie zurückgeführt, daß es das Endliche als ein Anderes sich

gegenüber hat; seine negative Natur ist als die seyende, hiermit erste

und unmittelbare Negation gesetzt. Das Unendliche ist auf diese Weise

mit dem Gegensatze gegen das Endliche behaftet, welches, als Anderes,

das bestimmte, reale Daseyn zugleich bleibt, obschon es in seinem

Ansichseyn, dem Unendlichen, zugleich als aufgehoben gesetzt ist;

dieses ist das Nicht-endliche; —ein Seyn in der Bestimmtheit der

Negation. Gegen das Endliche, den Kreis der seyenden Bestimmtheiten,

der Realitäten, ist das Unendliche das unbestimmte Leere, das Jenseits

des Endlichen, welches sein Ansichseyn nicht an seinem Daseyn, das ein

bestimmtes ist, hat.

So das Unendliche gegen das Endliche in qualitativer Beziehung von

Anderen zu einander gesetzt, ist es das Schlecht-Unendliche, das

Unendliche des Verstandes zu nennen, dem es für die höchste, für die

absolute Wahrheit gilt; ihn zum Bewußtseyn darüber zu bringen, daß,

indem er seine Befriedigung in der Versöhnung der Wahrheit erreicht zu

haben meint, er in dem unversöhnten, unaufgelösten, absoluten

Widerspruche sich befindet, müßten die Widersprüche bewirken, in die er

nach allen Seiten verfällt, so wie er sich auf die Anwendung und

Explikation dieser seiner Kategorien einläßt.

Dieser Widerspruch ist sogleich darin vorhanden, daß dem Unendlichen

das Endliche als Daseyn gegenüber bleibt; es sind damit zwei

Bestimmtheiten; es giebt zwei Welten, eine unendliche und eine

endliche, und in ihrer Beziehung ist das Unendliche nur Grenze des

Endlichen, und ist damit nur ein bestimmtes, selbst endliches

Unendliches.

Dieser Widerspruch entwickelt seinen Inhalt zu ausdrücklicheren

Formen.—Das Endliche ist das reale Daseyn, welches so verbleibt, auch

indem zu seinem Nichtseyn, dem Unendlichen, übergegangen wird;— dieses

hat, wie gezeigt, nur die erste, unmittelbare Negation zu seiner

Bestimmtheit gegen das Endliche, so wie dieses gegen jene Negation, als

Negirtes nur die Bedeutung eines Anderen hat, und daher noch Etwas ist.

Wenn somit der sich aus dieser endlichen Welt erhebende Verstand zu

seinem Höchsten, dem Unendlichen, aufsteigt, so bleibt ihm diese

endliche Welt als ein Diesseits stehen, so daß das Unendliche nur über

dem Endlichen gesetzt, von diesem abgesondert und eben damit das

Endliche von dem Unendlichen abgesondert wird;—beide an einen

verschiedenen Platz gestellt,—das Endliche als das hiesige Daseyn, das

Unendliche aber, zwar das Ansich des Endlichen, doch als ein Jenseits

in die trübe, unerreichbare Ferne, außerhalb welcher jenes sich befinde

und dableibe.

So abgesondert sind sie ebenso wesentlich eben durch die sie

abscheidende Negation auf einander bezogen. Diese sie, die in sich

reflektirten Etwas, beziehende Negation ist die gegenseitige Grenze des

einen gegen das Andere; und zwar so, daß jedes derselben, sie nicht

bloß gegen das Andere an ihm hat, sondern die Negation ist ihr

Ansichseyn, jedes hat die Grenze so an ihm selbst für sich, in seiner

Absonderung von dem Anderen. Die Grenze ist aber als die erste

Negation, so sind beide begrenzte, endliche an sich selbst. Jedoch ist

jedes auch als sich auf sich affirmativ beziehend die Negation seiner

Grenze; so stößt es sie als sein Nichtseyn unmittelbar von sich ab, und

qualitativ davon getrennt, setzt es sie als ein anderes Seyn außer ihm,

das Endliche sein Nichtseyn als dieß Unendliche, dieses ebenso das

Endliche. Daß von dem Endlichen zum Unendlichen nothwendig d. h. durch

die Bestimmung des Endlichen übergegangen und es als zum Ansichseyn

erhoben werde, wird leicht zugegeben, indem das Endliche zwar als

bestehendes Daseyn aber zugleich auch als das an sich nichtige also

sich nach seiner Bestimmung auflösende bestimmt ist, das Unendliche

aber zwar als mit Negation und Grenze behaftet, bestimmt ist, aber

zugleich auch als das Ansichseyende, so daß diese Abstraktion der sich

auf sich beziehenden Affirmation seine Bestimmung ausmache, nach dieser

hiermit das endliche Daseyn nicht in ihr liege. Aber es ist gezeigt

worden, daß das Unendliche selbst nur vermittelst der Negation, als

Negation der Negation, zum affirmativen Seyn resultirt, und daß diese

seine Affirmation als nur einfaches, qualitatives Seyn genommen, die in

ihm enthaltene Negation, zur einfachen unmittelbaren Negation, und

damit zur Bestimmtheit und Grenze herabsetzt, welches dann ebenso als

widersprechend seinem Ansichseyn, aus ihm ausgeschlossen, als nicht das

Seinige, vielmehr seinem Ansichseyn entgegengesetzte, das Endliche,

gesetzt wird. Indem so jedes, an ihm selbst und aus seiner Bestimmung

das Setzen seines Anderen ist, sind sie untrennbar. Aber diese ihre

Einheit ist in dem qualitativen Andersseyn derselben verborgen, sie ist

die innerliche, die nur zu Grunde liegt.

Dadurch ist die Weise der Erscheinung dieser Einheit bestimmt; im

Daseyn gesetzt ist sie als ein Umschlagen oder Übergehen des Endlichen

zum Unendlichen, und umgekehrt; so daß das Unendliche an dem Endlichen,

und das Endliche an dem Unendlichen, das Andere an dem Anderen, nur

hervortrete, das heißt, jedes ein eigenes unmittelbares Entstehen an

dem Anderen und ihre Beziehung nur eine äußerliche sey.

Der Proceß ihres Übergehens hat folgende, ausführliche Gestalt. Es wird

über das Endliche hinausgegangen in das Unendliche. Dieß Hinausgehen

erscheint als ein äußerliches Thun. In diesem dem Endlichen jenseitigen

Leeren was entsteht? Was ist das Positive darin? Um der Untrennbarkeit

des Unendlichen und Endlichen willen, (oder weil dieß auf seiner Seite

stehende Unendliche selbst beschränkt ist), entsteht die Grenze; das

Unendliche ist verschwunden, sein Anderes, das Endliche, ist

eingetreten. Aber dieß Eintreten des Endlichen, erscheint als ein dem

Unendlichen äußerliches Geschehen, und die neue Grenze als ein solches,

das nicht aus dem Unendlichen selbst entstehe, sondern ebenso

vorgefunden werde. Es ist damit der Rückfall in die vorherige,

vergebens aufgehobene Bestimmung vorhanden. Diese neue Grenze aber ist

selbst nur ein solches, das aufzuheben, oder über das hinaus zu gehen

ist. Somit ist wieder das Leere, das Nichts entstanden, in welchem

ebenso jene Bestimmtheit, eine neue Grenze, angetroffen wird,—und

sofort ins Unendliche.

Es ist die Wechselbestimmung des Endlichen und Unendlichen vorhanden;

das Endliche ist endlich nur in der Beziehung auf das Sollen oder auf

das Unendliche, und das Unendliche ist nur unendlich in Beziehung auf

das Endliche. Sie sind untrennbar und zugleich schlechthin Andere

gegeneinander; jedes hat das Andere seiner an ihm selbst; so ist jedes

die Einheit seiner und seines Anderen, und ist in seiner Bestimmtheit

Daseyn, das nicht zu seyn, was es selbst und was sein Anderes ist.

Diese sich selbst und seine Negation negirende Wechselbestimmung ist

es, welche als der Progreß ins Unendliche auftritt, der in so vielen

Gestalten und Anwendungen als ein Letztes gilt, über das nicht mehr

hinausgegangen wird, sondern angekommen bei jenem: Und so fort ins

Unendliche, pflegt der Gedanke sein Ende erreicht zu haben.—Dieser

Progreß tritt allenthalben ein, wo relative Bestimmungen bis zu ihrer

Entgegensetzung getrieben sind, so daß sie in untrennbarer Einheit

sind, und doch jeder gegen die andere ein selbstständiges Daseyn

zugeschrieben wird. Dieser Progreß ist daher der Widerspruch, der nicht

aufgelöst ist, sondern immer nur als vorhanden ausgesprochen wird.

Es ist ein abstraktes Hinausgehen vorhanden, das unvollständig bleibt,

indem über dieß Hinausgehen nicht selbst hinausgegangen wird. Es ist

das Unendliche vorhanden; über dasselbe wird allerdings hinausgegangen,

denn es wird eine neue Grenze gesetzt, aber damit eben wird vielmehr

nur zum Endlichen zurückgekehrt. Diese schlechte Unendlichkeit ist an

sich dasselbe, was das perennirende Sollen, sie ist zwar die Negation

des Endlichen, aber sie vermag sich nicht in Wahrheit davon zu

befreien; dieß tritt an ihr selbst wieder hervor, als ihr Anderes, weil

dieß Unendliche nur ist als in Beziehung auf das ihm andere Endliche.

Der Progreß ins Unendliche ist daher nur die sich wiederholende

Einerleiheit, eine und dieselbe langweilige Abwechslung dieses

Endlichen und Unendlichen.

Die Unendlichkeit des unendlichen Progresses bleibt mit dem Endlichen

als solchem behaftet, ist dadurch begrenzt, und selbst endlich. Somit

wäre es aber in der That als die Einheit des Endlichen und Unendlichen

gesetzt. Aber auf diese Einheit wird nicht reflektirt. Sie ist es

jedoch nur, welche im Endlichen das Unendliche, und im Unendlichen das

Endliche hervorruft, sie ist so zu sagen die Triebfeder des unendlichen

Progresses. Er ist das Äußere jener Einheit, bei welchem die

Vorstellung stehen bleibt, bei jener perennirenden Wiederholung eines

und desselben Abwechselns, der leeren Unruhe des Weitergehens über die

Grenze hinaus zur Unendlichkeit, das in diesem Unendlichen eine neue

Grenze findet, auf derselben aber sich so wenig halten kann, als in dem

Unendlichen. Dieses Unendliche hat die feste Determination eines

Jenseits, das nicht erreicht werden kann, darum weil es nicht erreicht

werden soll, weil von der Bestimmtheit des Jenseits, der seyenden

Negation nicht abgelassen wird. Er hat nach dieser Bestimmung das

Endliche als ein Diesseits sich gegenüber, das sich eben so wenig ins

Unendliche erheben kann, darum weil es diese Determination eines

Andern, hiermit eines perennirenden, sich in seinem Jenseits wieder und

zwar als davon verschieden, erzeugenden Daseyns hat.

c. Die affirmative Unendlichkeit.

In dem aufgezeigten herüber- und hinübergehenden Wechselbestimmen des

Endlichen und Unendlichen ist die Wahrheit derselben an sich schon

vorhanden, und es bedarf nur des Aufnehmens dessen, was vorhanden ist.

Dieß Herüber- und Hinübergehen macht die äußere Realisation des

Begriffes aus; es ist in ihr das, aber äußerlich, außer einander

fallend, gesetzt, was der Begriff enthält; es bedarf nur der

Vergleichung dieser verschiedenen Momente, in welcher die Einheit sich

ergiebt, die den Begriff selbst giebt;—die Einheit des Unendlichen und

Endlichen, ist, wie schon oft bemerkt, hier aber vornehmlich in

Erinnerung zu bringen ist, der schiefe Ausdruck für die Einheit, wie

sie selbst wahrhaft ist; aber auch das Entfernen dieser schiefen

Bestimmung muß in jener vor uns liegenden Äußerung des Begriffes

vorhanden seyn.

Nach ihrer nächsten, nur unmittelbaren Bestimmung genommen, so ist das

Unendliche nur als das Hinausgehen über das Endliche; es ist seiner

Bestimmung nach die Negation des Endlichen; so ist das Endliche nur als

das, worüber hinausgegangen werden muß, die Negation seiner an ihm

selbst, welche die Unendlichkeit ist. In jedem liegt hiermit die

Bestimmtheit des Andern, die nach der Meinung des unendlichen

Progresses von einander ausgeschlossen seyn sollen und nur abwechselnd

auf einander folgen; es kann keines gesetzt und gefaßt werden ohne das

Andere, das Unendliche nicht ohne das Endliche, dieses nicht ohne das

Unendliche. Wenn gesagt wird, was das Unendliche ist, nämlich die

Negation des Endlichen, so wird das Endliche selbst mit ausgesprochen;

es kann zur Bestimmung des Unendlichen nicht entbehrt werden. Man

bedarf nur zu wissen, was man sagt, um die Bestimmung des Endlichen im

Unendlichen zu finden. Vom Endlichen seinerseits wird sogleich

zugegeben, daß es das Nichtige ist, aber eben seine Nichtigkeit ist die

Unendlichkeit, von der es ebenso untrennbar ist.—In diesem Auffassen

können sie nach ihrer Beziehung auf ihr Anderes genommen zu seyn

scheinen. Werden sie hiermit beziehungslos genommen, so daß sie nur

durch das: Und verbunden seyen, so stehen sie als selbstständig, jedes

nur an ihm selbst seyend, einander gegenüber. Es ist zu sehen, wie sie

in solcher Weise beschaffen sind. Das Unendliche so gestellt ist Eines

der beiden; aber als nur Eines der beiden ist es selbst endlich, es ist

nicht das Ganze, sondern nur die Eine Seite; es hat an dem

gegenüberstehenden seine Grenze; es ist so das endliche Unendliche. Es

sind nur zwei Endliche vorhanden. Eben darin, daß es so vom Endlichen

abgesondert, damit als Einseitiges gestellt wird, liegt seine

Endlichkeit, also seine Einheit mit dem Endlichen.—Das Endliche

seinerseits als für sich vom Unendlichen entfernt gestellt, ist diese

Beziehung auf sich, in der seine Relativität, Abhängigkeit, seine

Vergänglichkeit entfernt ist; es ist dieselbe Selbstständigkeit und

Affirmation seiner, welche das Unendliche seyn soll.

Beide Betrachtungsweisen, die zunächst eine verschiedene Bestimmtheit

zu ihrem Ausgangspunkte zu haben scheinen, in sofern die erstere nur

als Beziehung des Unendlichen und Endlichen auf einander, eines jeden

auf sein Anderes, und die zweite sie in ihrer völligen Absonderung von

einander halten soll, geben ein und dasselbe Resultat; das Unendliche

und Endliche nach der Beziehung beider auf einander, die ihnen

äußerlich wäre, aber die ihnen wesentlich, ohne die keines ist, was es

ist, enthält so sein Anderes in seiner eigenen Bestimmung, ebenso sehr

als jedes für sich genommen, an ihm selbst betrachtet, sein Anderes in

ihm als sein eigenes Moment liegen hat.

Dieß giebt denn die—verrufene—Einheit des Endlichen und Unendlichen,

—die Einheit, die selbst das Unendliche ist, welches sich selbst und

die Endlichkeit in sich begreift,—also das Unendliche in einem anderen

Sinne als in dem, wornach das Endliche von ihm abgetrennt und auf die

andere Seite gestellt ist. Indem sie nun auch unterschieden werden

müssen, ist jedes, wie vorhin gezeigt, selbst an ihm die Einheit

beider; so ergeben sich zwei solche Einheiten. Das Gemeinschaftliche,

die Einheit beider Bestimmtheiten, setzt als Einheit sie zunächst als

negirte, da jedes das seyn soll, was es ist in ihrer Unterschiedenheit;

in ihrer Einheit verlieren sie also ihre qualitative Natur;—eine

wichtige Reflexion gegen die Vorstellung, die sich nicht davon

losmachen will, in der Einheit des Unendlichen und Endlichen sie nach

der Qualität, welche sie als außereinander genommen haben sollen,

festzuhalten, und daher in jener Einheit nichts als den Widerspruch,

nicht auch die Auflösung desselben durch die Negation der qualitativen

Bestimmtheit beider sieht; so wird die zunächst einfache, allgemeine

Einheit des Unendlichen und Endlichen verfälscht.

Ferner aber, indem sie nun auch als unterschieden zu nehmen sind, so

ist die Einheit des Unendlichen, die jedes dieser Momente selbst ist,

in jedem derselben auf verschiedene Weise bestimmt. Das seiner

Bestimmung nach Unendliche hat die von ihm unterschiedene Endlichkeit

an ihm, jenes ist das Ansich in dieser Einheit, und dieses ist nur

Bestimmtheit, Grenze an ihm, allein es ist eine Grenze, welche das

schlechthin Andere desselben, sein Gegentheil ist; seine Bestimmung,

welche das An-sich-seyn als solches ist, wird durch den Beischlag einer

Qualität solcher Art verdorben; es ist so ein verendlichtes

Unendliches. Auf gleiche Weise, indem das Endliche als solches nur das

Nicht-ansichseyn ist, aber nach jener Einheit gleichfalls sein

Gegentheil an ihm hat, wird es über seinen Werth und zwar so zu sagen

unendlich erhoben; es wird als das verunendlichte Endliche gesetzt.

Auf gleiche Weise wie vorhin die einfache, so wird vom Verstande auch

die gedoppelte Einheit des Unendlichen und Endlichen verfälscht. Dieß

geschieht hier ebenso dadurch, daß in der einen der beiden Einheiten,

das Unendliche als nicht negirtes, vielmehr als das An-sich-seyn

angenommen wird, an welches also nicht die Bestimmtheit und Schranke

gesetzt werden soll; es werde dadurch das An-sich-seyn herabgesetzt und

verdorben. Umgekehrt wird das Endliche gleichfalls als das nicht

negirte, obgleich an sich Nichtige, festgehalten, so daß es in seiner

Verbindung mit dem Unendlichen zu dem, was es nicht sey, erhoben, und

dadurch gegen seine nicht verschwundene, vielmehr perennirende

Bestimmung verunendlicht werde.

Die Verfälschung, die der Verstand mit dem Endlichen und Unendlichen

vornimmt, ihre Beziehung aufeinander als qualitative Verschiedenheit

festzuhalten, sie in ihrer Bestimmung als getrennt und zwar absolut

getrennt zu behaupten, gründet sich auf das Vergessen dessen, was für

ihn selbst der Begriff dieser Momente ist. Nach diesem ist die Einheit

des Endlichen und Unendlichen nicht ein äußerliches Zusammenbringen

derselben, noch eine ungehörige, ihrer Bestimmung zuwiderlaufende

Verbindung, in welcher an sich getrennte und entgegengesetzte,

gegeneinander Selbstständige, Seyende, somit unverträgliche verknüpft

würden, sondern jedes ist an ihm selbst diese Einheit, und dieß nur als

Aufheben seiner selbst worin keines vor dem andern einen Vorzug des

Ansichseyns und affirmativen Daseyns hätte. Wie früher gezeigt, ist die

Endlichkeit nur als Hinausgehen über sich; es ist also in ihr die

Unendlichkeit, das Andere ihrer selbst, enthalten. Eben so ist die

Unendlichkeit nur als Hinausgehen über das Endliche; sie enthält also

wesentlich ihr Anderes, und ist somit an ihr das Andere ihrer selbst.

Das Endliche wird nicht vom Unendlichen als einer außer ihm vorhandenen

Macht aufgehoben, sondern es ist seine Unendlichkeit, sich selbst

aufzuheben.

Dieß Aufheben ist somit nicht die Veränderung oder das Andersseyn

überhaupt, nicht das Aufheben von Etwas. Das, worin sich das Endliche

aufhebt, ist das Unendliche als das Negiren der Endlichkeit; aber diese

ist längst selbst nur das Daseyn als ein Nichtseyn bestimmt. Es ist

also nur die Negation, die sich in der Negation aufhebt. So ist ihrer

Seits die Unendlichkeit als das Negative der Endlichkeit und damit der

Bestimmtheit überhaupt, als das leere Jenseits, bestimmt; sein

Sich-aufheben im Endlichen ist ein Zurückkehren aus der leeren Flucht,

Negation des Jenseits, das ein Negatives an ihm selbst ist.

Was also vorhanden ist, ist in beiden dieselbe Negation der Negation.

Aber diese ist an sich Beziehung auf sich selbst, die Affirmation aber

als Rückkehr zu sich selbst, d. i. durch die Vermittelung, welche die

Negation der Negation ist. Diese Bestimmungen sind es, die wesentlich

ins Auge zu fassen sind; das zweite aber ist, daß sie im unendlichen

Progresse auch gesetzt sind, und wie sie in ihm gesetzt sind,—nämlich

noch nicht in ihrer letzten Wahrheit.

Es werden darin erstens beide, sowohl das Unendliche als das Endliche

negirt,—es wird über beide auf gleiche Weise hinausgegangen; zweitens

werden sie auch als unterschiedene, jedes nach dem Andern, als für sich

Positive gesetzt. Wir fassen so diese zwei Bestimmungen vergleichend

heraus, wie wir in der Vergleichung, einem äußeren Vergleichen, die

zwei Betrachtungsweisen, des Endlichen und Unendlichen in ihrer

Beziehung, und ihrer jedes für sich genommen, getrennt haben. Aber der

unendliche Progreß spricht mehr aus, es ist in ihm auch der

Zusammenhang der auch Unterschiedenen gesetzt, jedoch zunächst nur noch

als Übergang und Abwechslung; es ist nur in einer einfachen Reflexion

von uns zu sehen, was in der That darin vorhanden ist.

Zunächst kann die Negation des Endlichen und Unendlichen, die im

unendlichen Progresse gesetzt ist, als einfach, somit als auseinander,

nur aufeinander folgend genommen werden. Vom Endlichen angefangen, so

wird über die Grenze hinausgegangen, das Endliche negirt. Nun ist also

das Jenseits desselben, das Unendliche, vorhanden, aber in diesem

entsteht wieder die Grenze; so ist das Hinausgehen über das Unendliche

vorhanden. Dieß zweifache Aufheben ist jedoch Theils überhaupt nur als

ein äußerliches Geschehen und Abwechseln der Momente, Theils noch nicht

als Eine Einheit gesetzt; jedes dieser Hinaus ist ein eigener Ansatz,

ein neuer Akt, so daß sie so auseinander fallen.—Es ist aber auch

ferner im unendlichen Progresse deren Beziehung vorhanden. Es ist

erstlich das Endliche; dann wird darüber hinausgegangen, dieß Negative

oder Jenseits des Endlichen ist das Unendliche; drittens wird über

diese Negation wieder hinausgegangen, es entsteht eine neue Grenze,

wieder ein Endliches. —Dieß ist die vollständige, sich selbst

schließende Bewegung, die bei dem angekommen, das den Anfang machte; es

entsteht dasselbe, von dem ausgegangen worden war, d. i. das Endliche

ist wiederhergestellt; dasselbe ist also mit sich selbst

zusammengegangen, hat nur sich in seinem Jenseits wiedergefunden.

Dasselbe ist der Fall in Ansehung des Unendlichen. Im Unendlichen, dem

Jenseits der Grenze entsteht nur eine neue, welche dasselbe Schicksal

hat, als Endliches negirt werden zu müssen. Was so wieder vorhanden

ist, ist dasselbe Unendliche, das vorhin in der neuen Grenze

verschwand; das Unendliche ist daher durch sein Aufheben, durch die

neue Grenze hindurch, nicht weiter hinausgeschoben, weder von dem

Endlichen entfernt worden, denn dieses ist nur dieß, in das Unendliche

überzugehen,—noch von sich selbst, denn es ist bei sich angekommen.

So ist beides, das Endliche und das Unendliche, diese Bewegung, zu sich

durch seine Negation zurückzukehren; sie sind nur als Vermittelung in

sich, und das Affirmative beider enthält die Negation beider, und ist

die Negation der Negation.—Sie sind so Resultat, hiermit nicht das, was

sie in der Bestimmung ihres Anfangs sind; —nicht das Endliche ein

Daseyn seinerseits und das Unendliche ein Daseyn, oder Ansichseyn

jenseits des Daseyns, d. i. des als endlich bestimmten. Gegen die

Einheit des Endlichen und Unendlichen sträubt sich der Verstand nur

darum so sehr, weil er die Schranke und das Endliche wie das Ansichseyn

als perennirend voraussetzt; damit übersieht er die Negation beider,

die im unendlichen Progresse faktisch vorhanden ist, wie ebenso, daß

sie darin nur als Momente eines Ganzen vorkommen und daß sie nur

vermittelst ihres Gegentheils aber wesentlich ebenso vermittelst des

Aufhebens ihres Gegentheils hervortreten.

Wenn zunächst die Rückkehr in sich, ebenso wohl als Rückkehr des

Endlichen zu sich, wie als die des Unendlichen zu sich betrachtet

wurde, so zeigt sich in diesem Resultate selbst eine Unrichtigkeit, die

mit der so eben gerügten Schiefheit zusammenhängt; das Endliche ist das

eine Mal, das Unendliche das Andere Mal als Ausgangspunkt genommen, und

nur dadurch entstehen zwei Resultate. Es ist aber völlig gleichgültig,

welches als Anfang genommen werde; damit fällt der Unterschied für sich

hinweg, der die Zweiheit der Resultate hervorbrachte. Dieß ist in der

nach beiden Seiten unbegrenzten Linie des unendlichen Progresses

gleichfalls gesetzt, worin jedes der Momente mit gleichem abwechselnden

Vorkommen vorhanden, und es ganz äußerlich ist, in welche Stelle

gegriffen und als Anfang genommen werde.—Sie sind in demselben

unterschieden, aber auf gleiche Weise das eine nur das Moment des

andern. Indem sie beide, das Endliche und das Unendliche selbst Momente

des Processes sind, sind sie gemeinschaftlich das Endliche, und indem

sie ebenso gemeinschaftlich in ihm und im Resultate negirt sind, so

heißt dieses Resultat als Negation jener Endlichkeit beider mit

Wahrheit das Unendliche. Ihr Unterschied ist so der Doppelsinn, den

beide haben. Das Endliche hat den Doppelsinn, erstens nur das Endliche

gegen das Unendliche zu seyn, das ihm gegenübersteht, und zweitens das

Endliche und das ihm gegenüberstehende Unendliche zugleich zu seyn.

Auch das Unendliche hat den Doppelsinn, eines jener beiden Momente zu

seyn, so ist es das Schlechtunendliche, und das Unendliche zu seyn, in

welchem jene beide, es selbst und sein anderes, nur Momente sind. Wie

also das Unendliche in der That vorhanden ist, ist der Proceß zu seyn,

in welchem es sich herabsetzt, nur eine seiner Bestimmungen, dem

Endlichen gegenüber und damit selbst nur eines der Endlichen zu seyn,

und diesen Unterschied seiner von sich selbst zur Affirmation seiner

aufzuheben und durch diese Vermittelung als wahrhaft Unendliches zu

seyn.

Diese Bestimmung des wahrhaft Unendlichen kann nicht in die schon

gerügte Formel einer Einheit des Endlichen und Unendlichen gefaßt

werden; die Einheit ist abstrakte bewegungslose Sichselbstgleichheit,

und die Momente sind ebenso als unbewegte Seyende. Das Unendliche aber

ist, wie seine beiden Momente, vielmehr wesentlich nur als Werden, aber

das nun in seinen Momenten weiter bestimmte Werden. Dieses hat zunächst

das abstrakte Seyn und Nichts zu seinen Bestimmungen; als Veränderung

Daseyende, Etwas und Anderes; nun als Unendliches, Endliches und

Unendliches, selbst als Werdende.

Dieses Unendliche als In-sich-Zurückgekehrtseyn, Beziehung seiner auf

sich selbst, ist Seyn aber nicht bestimmungsloses, abstraktes Seyn,

denn es ist gesetzt als negirend die Negation; es ist somit auch

Daseyn, denn es enthält die Negation überhaupt, somit die Bestimmtheit.

Es ist, und ist da, präsent, gegenwärtig. Nur das Schlecht-Unendliche

ist das Jenseits, weil es nur die Negation des als real gesetzten

Endlichen ist,—so ist es die abstrakte, erste Negation; nur als negativ

bestimmt, hat es nicht die Affirmation des Daseyns in ihm; festgehalten

als nur Negatives soll es sogar nicht da, soll unerreichbar seyn. Diese

Unerreichbarkeit ist aber nicht seine Hoheit, sondern sein Mangel,

welcher seinen letzten Grund darin hat, daß das Endliche als solches

als seyend festgehalten wird. Das Unwahre ist das Unerreichbare; und es

ist einzusehen, daß solches Unendliche das Unwahre ist.—Das Bild des

Progresses ins Unendliche ist die gerade Linie, an deren beiden Grenzen

nur, das Unendliche und immer nur ist, wo sie,—und sie ist Daseyn—nicht

ist, und die zu diesem ihrem Nichtdaseyn, d. i. ins Unbestimmte hinaus

geht; als wahrhafte Unendlichkeit, in sich zurückgebogen, wird deren

Bild der Kreis, die sich erreicht habende Linie, die geschlossen und

ganz gegenwärtig ist, ohne Anfangspunkt und Ende.

Die wahrhafte Unendlichkeit so überhaupt als Daseyn, das als affirmativ

gegen die abstrakte Negation gesetzt ist, ist die Realität in höherem

Sinn,—als die früher einfach bestimmte; sie hat hier einen konkreten

Inhalt erhalten. Das Endliche ist nicht das Reale, sondern das

Unendliche. So wird die Realität weiter als das Wesen, der Begriff, die

Idee u.s.f. bestimmt. Es ist jedoch überflüssig, solche frühere,

abstraktere Kategorien, wie die Realität, bei dem Konkreteren zu

wiederholen und sie für konkretere Bestimmungen, als jene an ihnen

selbst sind, zu gebrauchen. Solches Wiederholen, wie zu sagen, daß das

Wesen oder daß die Idee das Reale sey, hat seine Veranlassung darin,

daß dem ungebildeten Denken die abstraktesten Kategorien, wie Seyn,

Daseyn, Realität Endlichkeit, die geläufigsten sind.

Hier hat die Zurückrufung der Kategorie der Realität ihre bestimmtere

Veranlassung, indem die Negation, gegen welche sie das Affirmative ist,

hier die Negation der Negation, damit ist sie selbst jener Realität,

die das endliche Daseyn ist, gegenüber gesetzt.—Die Negation ist so als

Idealität bestimmt; das Ideelle[7] ist das Endliche, wie es im

wahrhaften Unendlichen ist,—als eine Bestimmung, Inhalt, der

unterschieden, aber nicht selbstständig seyend, sondern als Moment ist.

Die Idealität hat diese konkretere Bedeutung, welche durch Negation des

endlichen Daseyns nicht vollständig ausgedruckt ist.—In Beziehung auf

Realität und Idealität wird aber der Gegensatz des Endlichen und

Unendlichen so gefaßt, daß das Endliche für das Reale gilt, das

Unendliche aber für das Ideelle gilt; wie auch weiterhin der Begriff

als ein Ideelles und zwar als ein nur Ideelles, das Daseyn überhaupt

dagegen als das Reale betrachtet wird. Auf solche Weise hilft es

freilich nichts für die angegebene konkrete Bestimmung der Negation den

eigenen Ausdruck des Ideellen zu haben; es wird in jenem Gegensatze

wieder zu der Einseitigkeit des abstrakten Negativen, die dem

Schlechtunendlichen zukommt, zurückgegangen und bei dem affirmativen

Daseyn des Endlichen beharrt.

[7] Das Ideale hat eine weiter bestimmte Bedeutung (des Schönen und

was dahin zieht), als das Ideelle; hierher gehört jene noch nicht; es

wird hier deswegen der Ausdruck: ideell, gebraucht. Bei der Realität

findet dieser Unterschied im Sprachgebrauch wohl nicht Statt; das

Reelle und Reale wird ungefähr gleichbedeutend gesagt; die Schattirung

beider Ausdrücke etwa gegeneinander hat kein Interesse.

Der Übergang.

Die Idealität kann die Qualität der Unendlichkeit genannt werden; aber

sie ist wesentlich der Proceß des Werdens und damit ein Übergang, wie

des Werdens in Daseyn, der nun anzugeben ist. Als Aufheben der

Endlichkeit, d. i. der Endlichkeit als solcher und ebenso sehr der ihr

nur gegenüberstehenden, nur negativen Unendlichkeit ist diese Rückkehr

in sich, Beziehung auf sich selbst, Seyn. Da in diesem Seyn Negation

ist, ist es Daseyn, aber da sie ferner wesentlich Negation der

Negation, die sich auf sich beziehende Negation ist, ist sie das

Daseyn, welches Fürsichseyn genannt wird.

Anmerkung 1.

Das Unendliche,—nach dem gewöhnlichen Sinne der schlechten

Unendlichkeit,—und der Progreß ins Unendliche, wie das Sollen, sind der

Ausdruck eines Widerspruchs, der sich selbst für die Auflösung und für

das Letzte giebt. Dieß Unendliche ist eine erste Erhebung des

sinnlichen Vorstellens über das Endliche in den Gedanken, der aber nur

den Inhalt von Nichts, dem ausdrücklich als Nichtseyend gesetzten,

hat,—eine Flucht über das Beschränkte, die sich nicht in sich sammelt,

und das Negative nicht zum Positiven zurückzubringen weiß. Diese

unvollendete Reflexion hat die beiden Bestimmungen des wahrhaft

Unendlichen: den Gegensatz des Endlichen und Unendlichen, und die

Einheit des Endlichen und Unendlichen, vollständig vor sich, aber

bringt diese beiden Gedanken nicht zusammen; der eine führt untrennbar

den anderen herbei, aber sie läßt sie nur abwechseln. Die Darstellung

dieser Abwechslung, der unendliche Progreß, tritt allenthalben ein, wo

in dem Widerspruche der Einheit zweier Bestimmungen und des Gegensatzes

derselben verharrt wird. Das Endliche ist das Aufheben seiner selbst,

es schließt seine Negation, die Unendlichkeit in sich;—die Einheit

beider,—es wird hinaus über das Endliche zum Unendlichen als dem

Jenseits desselben gegangen, —Trennung beider; aber über das Unendliche

hinaus ist ein anderes Endliches,—das Hinaus, das Unendliche, enthält

die Endlichkeit, —Einheit beider; aber dieß Endliche ist auch ein

Negatives des Unendlichen;—Trennung beider, u.s.f.—So ist im

Kausalitätsverhältniß Ursache und Wirkung untrennbar; eine Ursache, die

keine Wirkung haben sollte, ist nicht Ursache, wie die Wirkung, die

keine Ursache hätte, nicht mehr Wirkung. Dieß Verhältniß giebt daher

den unendlichen Progreß von Ursachen und Wirkungen; Etwas ist als

Ursache bestimmt, aber sie hat als ein endliches (—und endlich ist sie

eben eigentlich wegen ihrer Trennung von der Wirkung) selbst eine

Ursache, d. h. sie ist auch Wirkung; somit ist dasselbe, was als

Ursache bestimmt wurde, auch als Wirkung bestimmt;—Einheit der Ursache

und der Wirkung;—das nun als Wirkung Bestimmte hat von neuem eine

Ursache, d. i. die Ursache ist von ihrer Wirkung zu trennen, und als

ein verschiedenes Etwas zu setzen;—diese neue Ursache ist aber selbst

nur eine Wirkung—Einheit der Ursache und Wirkung;—sie hat ein Anderes

zu ihrer Ursache;—Trennung beider Bestimmungen u.s.f. ins Unendliche.

Dem Progreß kann so die eigenthümlichere Form gegeben werden; es wird

die Behauptung gemacht, das Endliche und Unendliche sind Eine Einheit;

diese falsche Behauptung muß durch die entgegengesetzte berichtigt

werden: sie sind schlechthin verschieden und sich entgegengesetzt;

diese ist wieder dahin zu berichtigen, daß sie untrennbar sind, in der

einen Bestimmung die andere liegt, durch die Behauptung ihrer Einheit

und so fort ins Unendliche.—Es ist eine leichte Forderung, welche um

die Natur des Unendlichen einzusehen, gemacht wird, das Bewußtseyn zu

haben, daß der unendliche Progreß, das entwickelte Unendliche des

Verstandes, die Beschaffenheit hat, die Abwechslung der beiden

Bestimmungen, der Einheit und der Trennung beider Momente zu seyn, und

dann das fernere Bewußtseyn zu haben, daß diese Einheit und diese

Trennung selbst untrennbar sind.

Die Auflösung dieses Widerspruchs ist nicht die Anerkennung der

gleichen Richtigkeit, und der gleichen Unrichtigkeit beider

Behauptungen;—dieß ist nur eine andere Gestalt des bleibenden

Widerspruchs,—sondern die Idealität beider, als in welcher sie in ihrem

Unterschiede, als gegenseitige Negationen, nur Momente sind; jene

eintönige Abwechslung ist faktisch sowohl die Negation der Einheit als

der Trennung derselben. In ihr ist ebenso faktisch das oben Aufgezeigte

vorhanden, daß das Endliche über sich hinaus in das Unendliche fällt,

aber ebenso über dasselbe hinaus sich selbst wieder erzeugt findet,

hiermit darin nur mit sich zusammengeht, wie das Unendliche

gleichfalls; so daß dieselbe Negation der Negation sich zur Affirmation

resultirt, welches Resultat sich damit als ihre Wahrheit und

Ursprünglichkeit erweist. In diesem Seyn hiermit als der Idealität der

Unterschiedenen ist der Widerspruch nicht abstrakt verschwunden,

sondern aufgelöst und versöhnt, und die Gedanken sind nicht nur

vollständig, sondern sie sind auch zusammengebracht. Die Natur des

spekulativen Denkens zeigt sich hieran als einem ausgeführten Beispiele

in ihrer bestimmten Weise, sie besteht allein in dem Auffassen der

entgegengesetzten Momente in ihrer Einheit. Indem jedes und zwar

faktisch sich an ihm zeigt, sein Gegentheil an ihm selbst zu haben, und

in diesem mit sich zusammenzugehen, so ist die affirmative Wahrheit

diese sich in sich bewegende Einheit, das Zusammenfassen beider

Gedanken, ihre Unendlichkeit,—die Beziehung auf sich selbst, nicht die

unmittelbare, sondern die unendliche.

Das Wesen der Philosophie ist häufig von solchen, die mit dem Denken

schon vertrauter sind, in die Aufgabe gesetzt worden, zu beantworten,

wie das Unendliche aus sich heraus und zur Endlichkeit komme?—Dieß,

meint man, sey nicht begreiflich zu machen. Das Unendliche, bei dessen

Begriff wir angekommen sind, wird sich im Fortgange dieser Darstellung

weiter bestimmen, und an ihm in aller Mannigfaltigkeit der Formen das

Geforderte zeigen, wie es, wenn man sich so ausdrücken will, zur

Endlichkeit komme. Hier betrachten wir diese Frage nur in ihrer

Unmittelbarkeit, und in Rücksicht des vorhin betrachteten Sinnes, den

das Unendliche zu haben pflegt.

Von der Beantwortung dieser Frage soll es überhaupt abhängen, ob es

eine Philosophie gebe, und indem man es hierauf noch ankommen lassen zu

wollen vorgiebt, glaubt man zugleich an der Frage selbst eine Art von

Vexirfrage, einen unüberwindlichen Talisman, zu besitzen, durch den man

gegen die Beantwortung und damit gegen die Philosophie und das Ankommen

bei derselben fest und gesichert sey. Auch bei anderen Gegenständen

setzt es eine Bildung voraus, fragen zu verstehen, noch mehr aber bei

philosophischen Gegenständen, um eine andere Antwort zu erhalten, als

die, daß die Frage nichts tauge.—Es pflegt bei solchen Fragen die

Billigkeit in Anspruch genommen zu werden, daß es auf die Worte nicht

ankomme, sondern in einer oder anderen Weise des Ausdrucks verständlich

sey, worauf es ankomme? Ausdrücke sinnlicher Vorstellung, wie

herausgehen und dergleichen, die bei der Frage gebraucht werden,

erwecken den Verdacht, daß sie aus dem Boden des gewöhnlichen

Vorstellens stamme, und für die Beantwortung auch Vorstellungen, die im

gemeinen Leben gangbar sind, und die Gestalt eines sinnlichen

Gleichnisses erwartet werden.

Wenn statt des Unendlichen das Seyn überhaupt genommen wird, so scheint

das Bestimmen des Seyns, eine Negation oder Endlichkeit an ihm,

leichter begreiflich. Seyn ist zwar selbst das Unbestimmte, aber es ist

nicht unmittelbar an ihm ausgedrückt, daß es das Gegentheil des

Bestimmten sey. Das Unendliche hingegen enthält dieß ausgedrückt; es

ist das Nicht-Endliche. Die Einheit des Endlichen und Unendlichen

scheint somit unmittelbar ausgeschlossen; die unvollendete Reflexion

ist darum am hartnäckigsten gegen diese Einheit.

Es ist aber gezeigt worden, und es erhellt, ohne weiter in die

Bestimmung des Endlichen und Unendlichen einzugehen, unmittelbar, daß

das Unendliche in dem Sinne, ( in dem es von jenem Reflektiren genommen

wird,—nämlich als dem Endlichen gegenüberstehend,—darum weil es ihm

gegenübersteht, an ihm sein Anderes hat, daher schon begrenzt, und

selbst endlich, das Schlechtunendliche ist. Die Antwort auf die Frage,

wie das Unendliche endlich werde, ist somit diese, daß es nicht ein

Unendliches gibt, das vorerst unendlich ist, und das nachher erst

endlich zu werden, zur Endlichkeit herauszugehen nöthig habe, sondern

es ist für sich selbst schon eben so sehr endlich als unendlich. Indem

die Frage annimmt, daß das Unendliche einer Seits für sich, und daß das

Endliche, das aus ihm heraus in die Trennung gegangen, oder wo es

hergekommen seyn möchte, abgesondert von ihm, wahrhaft real sey,—so

wäre vielmehr zu sagen, diese Trennung sey unbegreiflich. Weder solches

Endliches, noch solches Unendliches hat Wahrheit; das Unwahre aber ist

unbegreiflich. Man muß aber ebenso sagen, sie seyen begreiflich; die

Betrachtung derselben, auch wie sie in der Vorstellung sind, daß in dem

einen die Bestimmung des anderen liegt, die einfache Einsicht in diese

ihre Untrennbarkeit haben, heißt sie begreifen; diese Untrennbarkeit

ist ihr Begriff.—In der Selbstständigkeit jenes Unendlichen und

Endlichen dagegen stellt jene Frage einen unwahren Inhalt auf, und

enthält in sich schon eine unwahre Beziehung desselben. Darum ist nicht

auf sie zu antworten, sondern vielmehr sind die falschen

Voraussetzungen, die sie enthält, d. i. die Frage selbst zu negiren.

Durch die Frage nach der Wahrheit jenes Unendlichen und Endlichen wird

der Standpunkt verändert, und diese Veränderung wird die Verlegenheit,

welche die erste Frage hervorbringen sollte, auf sie zurückbringen;

jene unsre Frage ist der Reflexion, aus der die erste Frage stammt,

neu, da solches Reflektiren nicht das spekulative Interesse enthält,

welches, für sich und ehe es Bestimmungen bezieht, darauf geht, zu

erkennen, ob dieselben, wie sie vorausgesetzt werden, etwas Wahres

seyen. Insofern aber die Unwahrheit jenes abstrakten Unendlichen, und

des eben so auf seiner Seite stehen bleiben sollenden Endlichen erkannt

ist, so ist über das Herausgehen des Endlichen aus dem Unendlichen zu

sagen, das Unendliche gehe zur Endlichkeit heraus, darum weil es keine

Wahrheit, kein Bestehen an ihm, wie es als abstrakte Einheit gefaßt

ist, hat; so umgekehrt geht das Endliche aus demselben Grunde seiner

Nichtigkeit in das Unendliche hinein. oder vielmehr ist zu sagen, daß

das Unendliche ewig zur Endlichkeit herausgegangen, daß es schlechthin

nicht ist, so wenig als das reine Seyn, allein für sich, ohne sein

Anderes an ihm selbst zu haben.

Jene Frage, wie das Unendliche zum Endlichen herausgehe, kann noch die

weitere Voraussetzung enthalten, daß das Unendliche an sich das

Endliche in sich schliesse, somit an sich die Einheit seiner selbst und

seines Anderen sey, so daß die Schwierigkeit sich wesentlich auf das

Trennen bezieht, als welches der vorausgesetzten Einheit beider

entgegensteht. In dieser Voraussetzung hat der Gegensatz, an welchem

festgehalten s wird, nur eine andere Gestalt; die Einheit und das

Unterscheiden werden von einander getrennt und isolirt. Wenn aber jene

nicht als die abstrakte unbestimmte Einheit, sondern schon wie in jener

Voraussetzung als die bestimmte Einheit des Endlichen und Unendlichen

genommen wird, so ist die Unterscheidung beider bereits darin auch

vorhanden,—eine Unterscheidung, die so zugleich nicht ein Loslassen

derselben zu getrennter Selbstständigkeit ist, sondern sie als ideelle

in der Einheit läßt. Diese Einheit des Unendlichen und Endlichen und

deren Unterscheidung sind dasselbe Untrennbare als die Endlichkeit und

Unendlichkeit.

Anmerkung 2.

Der Satz, daß das Endliche ideell ist, macht den Idealismus aus. Der

Idealismus der Philosophie besteht in nichts anderem, als darin, das

Endliche nicht als ein wahrhaft Seyendes anzuerkennen. Jede Philosophie

ist wesentlich Idealismus, oder hat denselben wenigstens zu ihrem

Princip, und die Frage ist dann nur, inwiefern dasselbe wirklich

durchgeführt ist. Die Philosophie ist es so sehr als die Religion; denn

die Religion anerkennt die Endlichkeit ebenso wenig als ein wahrhaftes

Seyn, als ein Letztes, Absolutes, oder als ein Nicht-Gesetztes,

Unerschaffenes, Ewiges. Der Gegensatz von idealistischer und

realistischer Philosophie ist daher ohne Bedeutung. Eine Philosophie,

welche dem endlichen Daseyn als solchem wahrhaftes, letztes, absolutes

Seyn zuschriebe, verdiente den Namen Philosophie nicht; Principien

älterer oder neuerer Philosophien, das Wasser, oder die Materie oder

die Atome sind Gedanken, Allgemeine, Ideelle, nicht Dinge, wie sie sich

unmittelbar vorfinden, d. h. in sinnlicher Einzelnheit, selbst jenes

thaletische Wasser nicht; denn, obgleich auch das empirische Wasser,

ist es außerdem zugleich das Ansich oder Wesen aller anderen Dinge; und

diese sind nicht selbstständige, in sich gegründete, sondern aus einem

Anderen, dem Wasser, gesetzte, d. i. ideelle. Indem vorhin das Princip,

das Allgemeine, das Ideelle genannt worden, wie noch mehr der Begriff,

die Idee, der Geist, Ideelles zu nennen ist, und dann wiederum die

einzelnen sinnlichen Dinge als ideell im Princip, im Begriffe, noch

mehr im Geiste, als aufgehoben sind, so ist dabei auf dieselbe

Doppelseite vorläufig aufmerksam zu machen, die bei dem Unendlichen

sich gezeigt hat, nämlich daß das eine Mal das Ideelle das Konkrete,

Wahrhaftseyende ist, das andere Mal aber ebenso sehr seine Momente das

Ideelle, in ihm Aufgehobene sind, in der That aber nur das Eine

konkrete Ganze ist, von dem die Momente untrennbar sind.

Bei dem Ideellen wird vornehmlich die Form der Vorstellung gemeint, und

das was in meiner Vorstellung überhaupt, oder im Begriffe, in der Idee,

in der Einbildung u.s.f. ist, ideell genannt, so daß Ideelles überhaupt

auch für Einbildungen gilt,—Vorstellungen, die nicht nur vom Reellen

unterschieden, sondern wesentlich nicht reell seyn sollen. In der That

ist der Geist der eigentliche Idealiste überhaupt; in ihm, schon wie er

empfindend, vorstellend, noch mehr, insofern er denkend und begreifend

ist, ist der Inhalt nicht als sogenanntes reales Daseyn; in der

Einfachheit des Ich ist solches äußerliches Seyn nur aufgehoben, es ist

für mich, es ist ideell in mir. Dieser subjektive Idealismus, er sey

als der bewußtlose Idealismus des Bewußtseyns überhaupt oder bewußt als

Princip ausgesprochen und aufgestellt, geht nur auf die Form der

Vorstellung, nach der ein Inhalt der Meinige ist; diese Form wird im

systematischen Idealismus der Subjektivität als die einzig wahrhafte,

die ausschließende gegen die Form der Objektivität oder Realität, des

äußerlichen Daseyns jenes Inhalts behauptet. Solcher Idealismus ist

formell, indem er den Inhalt des Vorstellens oder Denkens nicht

beachtet, welcher im Vorstellen oder Denken dabei ganz in seiner

Endlichkeit bleiben kann. Es ist mit solchem Idealismus nichts

verloren, ebenso wohl weil die Realität solchen endlichen Inhalts, das

mit Endlichkeit erfüllte Daseyn, erhalten ist, als, insofern davon

abstrahirt wird, an sich an solchem Inhalt nichts gelegen seyn soll;

und es ist nichts mit ihm gewonnen, eben weil nichts verloren ist, weil

Ich die Vorstellung, der Geist mit demselben Inhalt der Endlichkeit

erfüllt bleibt. Der Gegensatz der Form von Subjektivität und

Objektivität ist allerdings eine der Endlichkeiten; aber der Inhalt,

wie er in die Empfindung, Anschauung oder auch in das abstraktere

Element der Vorstellung, des Denkens, aufgenommen wird, enthält die

Endlichkeiten in Fülle, welche mit dem Ausschließen jener nur einen

Weise der Endlichkeit, der Form von Subjektivem und objektivem, noch

gar nicht weggebracht, noch weniger von selbst weggefallen sind.

Drittes Kapitel. Das Fürsichseyn.

Im Fürsichseyn ist das qualitative Seyn vollendet; es ist das

unendliche Seyn. Das Seyn des Anfangs ist bestimmungslos. Das Daseyn

ist das aufgehobene, aber nur unmittelbar aufgehobene Seyn; es enthält

so zunächst nur die erste, selbst unmittelbare Negation; das Seyn ist

zwar gleichfalls erhalten, und beide im Daseyn in einfacher Einheit

vereint, aber eben darum an sich einander noch ungleich, und ihre

Einheit noch nicht gesetzt. Das Daseyn ist darum die Sphäre der

Differenz, des Dualismus, das Feld der Endlichkeit. Die Bestimmtheit

ist Bestimmtheit als solche; ein relatives, nicht absolutes

Bestimmtseyn. Im Fürsichseyn ist der Unterschied zwischen dem Seyn und

der Bestimmtheit oder Negation gesetzt und ausgeglichen; Qualität,

Andersseyn, Grenze, wie Realität, Ansichseyn, Sollen u.s.f.—sind die

unvollkommenen Einbildungen der Negation in das Seyn, als in welchen

die Differenz beider noch zu Grunde liegt. Indem aber in der

Endlichkeit die Negation in die Unendlichkeit, in die gesetzte Negation

der Negation, übergegangen, ist sie einfache Beziehung auf sich, also

an ihr selbst die Ausgleichung mit dem Seyn;—absolutes Bestimmtseyn.

Das Fürsichseyn ist erstens unmittelbar Fürsichseyendes, Eins.

Zweitens geht das Eins in die Vielheit der Eins über,—Repulsion;

welches Andersseyn des Eins sich in der Idealität desselben aufhebt,

Attraktion.

Drittens die Wechselbestimmung der Repulsion und Attraktion, in welcher

sie in das Gleichgewicht zusammensinken, und die Qualität, die sich im

Fürsichseyn auf ihre Spitze trieb, in Quantität übergeht.

A. Das Fürsichseyn als solches.

Der allgemeine Begriff des Fürsichseyns hat sich ergeben. Es käme nur

darauf an, nachzuweisen, daß jenem Begriffe die Vorstellung entspricht,

die wir mit dem Ausdrucke: Fürsichseyn verbinden, um berechtigt zu

seyn, denselben für jenen Begriff zu gebrauchen. Und so scheint es

wohl; wir sagen, daß etwas für sich ist, insofern als es das

Andersseyn, seine Beziehung und Gemeinschaft mit Anderem aufhebt, sie

zurück-gestoßen, davon abstrahirt hat. Das Andere ist in ihm nur als

ein Aufgehobenes, als sein Moment; das Fürsichseyn besteht darin, über

die Schranke, über sein Andersseyn so hinausgegangen zu seyn, daß es

als diese Negation die unendliche Rückkehr in sich ist.—Das Bewußtseyn

enthält schon als solches an sich die Bestimmung des Fürsichseyns,

indem es einen Gegenstand, den es empfindet, anschaut u.s.f. sich

vorstellt, d. i. dessen Inhalt in ihm hat, der auf die Weise als

Ideelles ist; es ist in seinem Anschauen selbst, überhaupt in seiner

Verwicklung mit dem Negativen seiner, mit dem Anderen, bei sich selbst.

Das Fürsichseyn ist das polemische, negative Verhalten, gegen das

begrenzende Andere, und durch diese Negation desselben

In-sich-reflektirtseyn, ob schon neben dieser Rückkehr des Bewußtseyns

in sich, und der Idealität des Gegenstandes, auch noch die Realität

desselben erhalten ist, indem er zugleich als ein äußeres Daseyn gewußt

wird. Das Bewußtseyn ist so erscheinend, oder der Dualismus, einer

Seits von einem ihm andern, äußerlichen Gegenstande zu wissen, und

andererseits, für-sich zu seyn, denselben in ihm ideell zu haben, nicht

nur bei solchem Andern, sondern darin auch bei sich selbst zu seyn. Das

Selbstbewußtseyn dagegen ist das Fürsichseyn als vollbracht und

gesetzt; jene Seite der Beziehung auf ein Anderes, einen äußern

Gegenstand ist entfernt. Das Selbstbewußtseyn ist so das nächste

Beispiel der Präsenz der Unendlichkeit;—einer freilich immer abstrakten

Unendlichkeit, die jedoch zugleich von ganz anders konkreter Bestimmung

ist, als das Fürsichseyn überhaupt, dessen Unendlichkeit noch ganz nur

qualitative Bestimmtheit hat.

a. Daseyn und Fürsichseyn.

Das Fürsichseyn ist, wie schon erinnert ist, die in das einfache Seyn

zusammengesunkene Unendlichkeit; es ist Daseyn, insofern die negative

Natur der Unendlichkeit, welche Negation der Negation ist, in der

nunmehr gesetzten Form der Unmittelbarkeit des Seyns, nur als Negation

überhaupt, als einfache qualitative Bestimmtheit ist. Das Seyn in

solcher Bestimmtheit, in der es Daseyn ist, ist aber sogleich vom

Fürsichseyn selbst auch unterschieden, welches nur Fürsichseyn,

insofern seine Bestimmtheit jene unendliche ist; jedoch ist das Daseyn

zugleich Moment des Fürsichseyns selbst; denn dieses enthält allerdings

auch das mit der Negation behaftete Seyn. So ist die Bestimmtheit,

welche am Daseyn als solchem ein Anderes und Seyn-für-Anderes ist, in

die unendliche Einheit des Fürsichseyns zurückgebogen, und das Moment

des Daseyns ist im Fürsichseyn als Seyn-für-Eines vorhanden.

b. Seyn-für-eines.

Dieß Moment drückt aus, wie das Endliche in seiner Einheit mit dem

Unendlichen oder als Ideelles ist. Das Fürsichseyn hat die Negation

nicht an ihm als eine Bestimmtheit oder Grenze, und damit auch nicht

als Beziehung auf ein von ihm anderes Daseyn. Indem nun dieß Moment als

Seyn-für-Eines bezeichnet worden, ist noch nichts vorhanden, für

welches es wäre,—das Eine nicht, dessen Moment es wäre. Es ist in der

That dergleichen noch nicht im Fürsichseyn fixirt; das für welches

Etwas (—und ist hier kein Etwas—) wäre, was die andere Seite überhaupt

seyn sollte, ist gleicherweise Moment, selbst nur Seyn-für-Eines, noch

nicht Eines.—Somit ist noch eine Ununterschiedenheit zweier Seiten, die

im Seyn-für-eines vorschweben können, vorhanden; nur Ein

Seyn-für-Anderes, und weil es nur Ein Seyn-für-Anderes ist, ist dieses

auch nur Seyn-für-Eines; es ist nur die Eine ldealität dessen, für

welches oder in welchem eine Bestimmung als Moment und dessen, was

Moment in ihm seyn sollte. So machen Für-eines-seyn und das Fürsichseyn

keine wahrhaften Bestimmtheiten gegeneinander aus. Insofern der

Unterschied auf einen Augenblick angenommen und hier von einem

Fürsichseyenden gesprochen wird, so ist es das Fürsichseyende, als

Aufgehobenseyn des Andersseyns, selbst, welches sich auf sich als auf

das aufgehobene Andere bezieht, also für-Eines ist; es bezieht sich in

seinem Andern nur auf sich. Das Ideelle ist nothwendig für-Eines, aber

es ist nicht für ein Anderes; das Eine, für welches es ist, ist nur es

selbst.—Ich also, der Geist überhaupt, oder Gott, sind Ideelle, weil

sie unendlich sind; aber sie sind ideell nicht, als für-sich-seyende,

verschieden von dem, das für-Eines ist. Denn so wären sie nur

unmittelbare, oder näher Daseyn und ein Seyn-für-Anderes, weil das,

welches für sie wäre, nicht sie selbst, sondern ein Anderes wäre, wenn

das Moment, für-eines zu seyn, nicht ihnen zukommen sollte. Gott ist

daher für sich, insofern er selbst das ist, das für ihn ist.

Für-sich-seyn und Für-Eines-seyn sind also nicht verschiedene

Bedeutungen der Idealität, sondern sind wesentliche, untrennbare

Momente derselben.

Anmerkung.

Der zunächst als sonderbar erscheinende Ausdruck unserer Sprache für

die Frage nach der Qualität, was für ein Ding etwas sey, hebt das hier

betrachtete Moment in seiner Reflexion-in-sich heraus. Dieser Ausdruck

ist in seinem Ursprung idealistisch, indem er nicht fragt, was dieß

Ding A für ein anderes Ding B sey, nicht was dieser Mensch für einen

anderen Menschen sey;—sondern was dieß für ein Ding, für ein Mensch ist

so daß dieß Seyn-für-Eines zugleich zurückgenommen ist in dieß Ding, in

diesen Menschen selbst, daß dasjenige, welches ist, und das für welches

es ist, ein und dasselbe ist,—eine Identität, als welche auch die

Idealität betrachtet werden muß.

Die Idealität kommt zunächst den aufgehobenen Bestimmungen zu, als

unterschieden von dem, worin sie aufgehoben sind, das dagegen als das

Reelle genommen werden kann. So aber ist das Ideelle wieder eins der

Momente und das Reale das andere; die Idealität aber ist dieß, daß

beide Bestimmungen gleicherweise nur für Eines sind, und nur für Eines

gelten, welche Eine Idealität somit ununterschieden Realität ist. In

diesem Sinn ist das Selbstbewußtseyn, der Geist, Gott, das Ideelle, als

unendliche Beziehung rein auf sich,—Ich-ist für Ich, beide sind

dasselbe, Ich ist zweimal genannt, aber so von den Zweien ist jedes nur

für-Eines, ideell; der Geist ist nur für den Geist, Gott nur für Gott,

und nur diese Einheit ist Gott, Gott als Geist. —Das Selbstbewußtseyn

aber tritt als Bewußtseyn in den Unterschied seiner und eines Anderen,

oder seiner Idealität, in der es vorstellend ist, und seiner Realität,

indem seine Vorstellung einen bestimmten Inhalt hat, der noch die Seite

hat, als das unaufgehobene Negative, als Daseyn, gewußt zu werden.

Jedoch den Gedanken, Geist, Gott nur ein Ideelles zu nennen, setzt den

Standpunkt voraus, auf welchem das endliche Daseyn als das Reale gilt,

und das Ideelle oder das Seyn-für-Eines nur einen einseitigen Sinn hat.

In einer vorherg. Anm. ist das Princip des Idealismus angegeben und

gesagt worden, daß es bei einer Philosophie alsdann näher darauf

ankomme, in wiefern das Princip durchgeführt ist. Über die Art dieser

Durchführung kann in Beziehung auf die Kategorie, bei der wir stehen,

noch eine weitere Bemerkung gemacht werden. Diese Durchführung hängt

zunächst davon ab,—ob neben dem Fürsichseyn nicht noch das endliche

Daseyn selbstständig bestehen bleibt, außerdem aber ob in dem

Unendlichen schon selbst das Moment: für-Eines, ein Verhalten des

Ideellen zu sich als Ideellem, gesetzt sey. So ist das eleatische Seyn

oder die Spinozische Substanz nur die abstrakte Negation aller

Bestimmtheit, ohne daß in ihr selbst die Idealität gesetzt wäre;—bei

Spinoza ist, wie weiter unten erwähnt werden wird, die Unendlichkeit

nur die absolute Affirmation eines Dings, somit nur die unbewegte

Einheit, die Substanz kommt daher nicht einmal zur Bestimmung des

Fürsichseyns, vielweniger des Subjekts und des Geistes. Der Idealismus

des edeln Malebranche ist in sich explicirter; er enthält folgende

Grundgedanken: da Gott alle ewige Wahrheiten, die Ideen, und

Vollkommenheiten aller Dinge in sich schließt, so daß sie nur die

seinigen sind, so sehen wir sie nur in ihm; Gott erweckt in uns unsere

Empfindungen von den Gegenständen durch eine Aktion, die nichts

Sinnliches hat, wobei wir uns einbilden, daß wir vom Gegenstande nicht

nur dessen Idee die dessen Wesen vorstellt, sondern auch die Empfindung

von dem Daseyn desselben erlangen ( De la recherche de la Verité,

Eclairc. sur la nature des idées etc.). Wie also die ewigen Wahrheiten

und Ideen (Wesenheiten) der Dinge, so ist ihr Daseyn, in Gott, ideell,

nicht ein wirkliches Daseyn; obgleich als unsere Gegenstände, sind sie

nur für Eines. Dieß Moment des explicirten und konkreten Idealismus,

das im Spinozismus mangelt, ist hier vorhanden, indem die absolute

Idealität als Wissen bestimmt ist. So rein und tief dieser Idealismus

ist, so enthalten jene Verhältnisse Theils noch viel für den Gedanken

Unbestimmtes, Theils aber ist deren Inhalt sogleich ganz konkret (die

Sünde und die Erlösung u.s.f. treten sogleich in sie ein); die logische

Bestimmung der Unendlichkeit, die dessen Grundlage seyn müßte, ist

nicht für sich ausgeführt, und so jener erhabene und erfüllte

Idealismus wohl das Produkt eines reinen spekulativen Geistes, aber

noch nicht eines reinen spekulativen, allein wahrhaft begründenden,

Denkens. Der leibnitzische Idealismus liegt mehr innerhalb der Grenze

des abstrakten Begriffes.—Das leibnitzische vorstellende Wesen, die

Monade, ist wesentlich Ideelles. Das Vorstellen ist ein Fürsichseyn, in

welchem die Bestimmtheiten nicht Grenzen und damit nicht ein Daseyn,

sondern nur Momente sind. Vorstellen ist zwar gleichfalls eine

konkretere Bestimmung, aber hat hier keine weitere Bedeutung, als die

der Idealität; denn auch das Bewußtseynslose überhaupt ist bei Leibnitz

Vorstellendes, Percipirendes. Es ist in diesem Systeme also das

Andersseyn aufgehoben; Geist und Körper, oder die Monaden überhaupt

sind nicht Andere für einander, sie begrenzen sich nicht, haben keine

Einwirkung aufeinander; es fallen überhaupt alle Verhältnisse weg,

welchen ein Daseyn zum Grunde liegt. Die Mannigfaltigkeit ist nur eine

ideelle und innere, die Monade bleibt darin nur auf sich selbst

bezogen, die Veränderungen entwickeln sich innerhalb ihrer, und sind

keine Beziehungen derselben auf andere. Was nach der realen Bestimmung

als da seyende Beziehung der Monaden aufeinander genommen wird, ist ein

unabhängiges nur simultanes Werden, in das Fürsichseyn einer jeden

eingeschlossen.—Daß es mehrere Monaden giebt, daß sie damit auch als

Andere bestimmt werden, geht die Monaden selbst nichts an; es ist dieß

die außer ihnen fallende Reflexion eines Dritten; sie sind nicht an

ihnen selbst Andere gegeneinander; das Fürsichseyn ist rein ohne das

Daneben eines Daseyns gehalten.—Allein hierin liegt zugleich das

Unvollendete dieses Systems. Die Monaden sind nur an sich, oder in

Gott, als der Monade der Monaden, oder auch im Systeme, so

Vorstellende. Das Andersseyn ist gleichfalls vorhanden; es falle wohin

es wolle, in die Vorstellung selbst, oder wie das Dritte bestimmt

werde, welches sie als Andere, als Viele, betrachtet. Die Vielheit

ihres Daseyns ist nur ausgeschlossen und zwar nur momentan, die Monaden

nur durch die Abstraktion als solche gesetzt, welche Nicht-Andere

seyen. Wenn es ein Drittes ist, welches ihr Andersseyn setzt, so ist es

auch ein Drittes, welches ihr Andersseyn aufhebt; aber diese ganze

Bewegung, welche sie zu ideellen macht, fällt außer ihnen. Indem aber

daran erinnert werden kann, daß diese Bewegung des Gedankens selbst

doch nur innerhalb einer vorstellenden Monade falle, so ist zugleich zu

erinnern, daß eben der Inhalt solchen Denkens in sich selbst sich

äußerlich ist. Es wird von der Einheit der absoluten Idealität (der

Monade der Monaden) unmittelbar, unbegriffen (—durch die Vorstellung

des Erschaffens) zur Kategorie der abstrakten (beziehungslosen)

Vielheit des Daseyns übergegangen, und von dieser ebenso abstrakt

zurück zu jener Einheit. Die Idealität, das Vorstellen überhaupt,

bleibt etwas formelles, wie gleichfalls das zum Bewußtseyn gesteigerte

Vorstellen.

Wie in dem oben angeführten Einfalle Leibnitzens von der Magnetnadel,

die wenn sie ein Bewußtseyn hätte, ihre Richtung nach Norden für eine

Bestimmung ihrer Freiheit ansehen würde, das Bewußtseyn nur als

einseitige Form, welche gegen ihre Bestimmung und Inhalt gleichgültig

sey, gedacht wird, so ist die Idealität in den Monaden eine der

Vielheit äußerlich bleibende Form. Die Idealität soll ihnen immanent,

ihre Natur Vorstellen seyn; aber ihr Verhalten ist einer Seits ihre

Harmonie, die nicht in ihr Daseyn fällt, sie ist daher prästabilirt;

anderer Seits ist dieses ihr Daseyn nicht als Seyn-für-Anderes, noch

weiter als Idealität gefaßt, sondern nur als abstrakte Vielheit

bestimmt; die Idealität der Vielheit und die weitere Bestimmung

derselben zur Harmonie wird nicht dieser Vielheit selbst immanent und

angehörig.

Anderer Idealismus, wie zum Beispiel der kantische und fichte'sche,

kommt nicht über das Sollen oder den unendlichen Progreß hinaus, und

bleibt im Dualismus des Daseyns und des Fürsichseyns. In diesen

Systemen tritt das Ding-an-sich oder der unendliche Anstoß zwar

unmittelbar in das Ich und wird nur ein für dasselbe; aber er geht von

einem freien Andersseyn aus, das als negatives Ansichseyn perennirt.

Das Ich wird daher wohl als das Ideelle, als fürsichseyend, als

unendliche Beziehung auf sich bestimmt; aber das Für-Eines-seyn ist

nicht vollendet zum Verschwinden jenes Jenseitigen oder der Richtung

nach dem Jenseits.

c. Eins.

Das Fürsichseyn ist die einfache Einheit seiner selbst und seines

Moments, des Seyns für-Eines. Es ist nur Eine Bestimmung vorhanden, die

Beziehung-auf-sich-selbst des Aufhebens. Die Momente des Fürsichseyns

sind in Unterschiedslosigkeit zusammengesunken, welche Unmittelbarkeit

oder Seyn ist, aber eine Unmittelbarkeit, die sich auf das Negiren

gründet, das als ihre Bestimmung gesetzt ist. Das Fürsichseyn ist so,

Fürsichseyendes, und indem in dieser Unmittelbarkeit seine innere

Bedeutung verschwindet, die ganz abstrakte Grenze seiner selbst,—das

Eins.

Es kann zum Voraus auf die Schwierigkeit, welche in der nachfolgenden

Darstellung der Entwickelung des Eins liegt, und auf den Grund dieser

Schwierigkeit aufmerksam gemacht werden. Die Momente, welche den

Begriff des Eins als Fürsichseyns ausmachen, treten darin auseinander;

sie sind 1) Negation überhaupt, 2) Zwei Negationen 3) somit Zweier, die

dasselbe sind, 4) die schlechthin entgegengesetzt sind; 5) Beziehung

auf sich, Identität als solche, 6) negative Beziehung und doch auf sich

selbst. Diese Momente treten hier dadurch auseinander, daß die Form der

Unmittelbarkeit, des Seyns, am Fürsichseyn als Fürsichseyendem

hereinkommt; durch diese Unmittelbarkeit wird jedes Moment als eine

eigene, seyende Bestimmung gesetzt; und doch sind sie ebenso

untrennbar. Somit muß von jeder Bestimmung ebenso ihr Gegentheil gesagt

werden; dieser Widerspruch ist es, der, bei der abstrakten

Beschaffenheit der Momente, die Schwierigkeit ausmacht.

B. Eins und Vieles.

Das Eins ist die einfache Beziehung des Fürsichseyns auf sich selbst,

in der seine Momente in sich zusammengefallen sind, in der es daher die

Form der Unmittelbarkeit hat und seine Momente daher nun daseyende

werden.

Als Beziehung des Negativen auf sich, ist das Eins Bestimmen,—und als

Beziehung auf sich, ist es unendliches Selbstbestimmen. Aber um der

nunmehrigen Unmittelbarkeit willen, sind diese Unterschiede nicht mehr

nur als Momente Einer und derselben Selbstbestimmung, sondern zugleich

als Seyende gesetzt. Die Idealität des Fürsichseyns als Totalität

schlägt so fürs erste in die Realität um, und zwar in die festeste,

abstrakteste, als Eins. Das Fürsichseyn ist im Eins die gesetzte

Einheit des Seyns und Daseyns, als die absolute Vereinigung

der Beziehung auf Anderes und der Beziehung auf sich; aber dann tritt

auch die Bestimmtheit des Seyns, gegen die Bestimmung der unendlichen

Negation, gegen die Selbstbestimmung ein, so daß was Eins an sich ist,

es nun nur an ihm ist, und damit das Negative ein als von ihm

unterschiedenes Anderes. Was sich als von ihm unterschieden vorhanden

zeigt, ist sein eigenes Selbstbestimmen; dessen Einheit mit sich so als

unterschieden von sich ist zur Beziehung herabgesetzt, und als negative

Einheit Negation seiner selbst als eines Anderen, Ausschließen des Eins

als eines Anderen aus sich, dem Eins.

a. Das Eins an ihm selbst.

An ihm selbst ist das Eins überhaupt; dieß sein Seyn ist kein Daseyn,

keine Bestimmung als Beziehung auf Anderes, keine Beschaffenheit, es

ist dieß, diesen Kreis von Kategorien negirt zu haben. Das Eins ist

somit keines Anderswerdens fähig; es ist unveränderlich.

Es ist unbestimmt, jedoch nicht mehr wie das Seyn; seine Unbestimmtheit

ist die Bestimmtheit, welche Beziehung auf sich selbst ist, absolutes

Bestimmtseyn; gesetztes Insichseyn. Als nach seinem Begriffe sich auf

sich beziehende Negation hat es den Unterschied in ihm,—eine Richtung

von sich ab hinaus auf Anderes, die aber unmittelbar umgewendet, weil

nach diesem Momente des Selbstbestimmens kein Anderes ist, auf das sie

gehe, und die in sich zurückgekehrt ist.

In dieser einfachen Unmittelbarkeit ist die Vermittelung des Daseyns

und der Idealität selbst, und damit alle Verschiedenheit und

Mannigfaltigkeit verschwunden. Es ist nichts in ihm; dieß Nichts, die

Abstraktion der Beziehung auf sich selbst, ist hier unterschieden von

dem Insichseyn selbst, es ist ein Gesetztes, weil dieß Insichseyn nicht

mehr das einfache des Etwas ist, sondern-die Bestimmung hat, als

Vermittelung konkret zu seyn; als abstrakt aber ist es zwar identisch

mit Eins, aber verschieden von dessen Bestimmung. So dieß Nichts

gesetzt, als in Einem ist das Nichts als Leeres.—Das Leere ist so die

Qualität des Eins in seiner Unmittelbarkeit.

b. Das Eins und das Leere.

Das Eins ist das Leere als die abstrakte Beziehung der Negation auf

sich selbst. Aber von der einfachen Unmittelbarkeit, dem auch

affirmativen Seyn des Eins, ist das Leeres als das Nichts schlechthin

verschieden, und indem sie in Einer Beziehung, des Eins selbst nämlich,

stehen, ist ihre Verschiedenheit gesetzt; verschieden aber vom Seyenden

ist das Nichts als Leeres außer dem seyenden Eins.

Das Fürsichseyn, indem es sich auf diese Weise als das Eins und das

Leere bestimmt, hat wieder ein Daseyn erlangt.—Das Eins und das Leere

haben die negative Beziehung auf sich zu ihrem gemeinschaftlichen,

einfachen Boden. Die Momente des Fürsichseyns treten aus dieser

Einheit, werden sich Äußerliche, indem durch die einfache Einheit der

Momente die Bestimmung des Seyns hereinkommt, so setzt sie sich selbst

zu einer Seite, damit zum Daseyn herab, und darin stellt sich ihre

andere Bestimmung, die Negation überhaupt, gleichfalls als Daseyn des

Nichts, als das Leere, gegenüber.

Anmerkung.

Das Eins in dieser Form von Daseyn ist die Stufe der Kategorie, die bei

den Alten, als das atomistische Princip vorgekommen ist, nach welchem

das Wesen der Dinge ist, das Atome und das Leere, (…..) Die Abstraktion

zu dieser Form gediehen, hat eine größere Bestimmtheit gewonnen, als

das Seyn des Parmenides und das Werden des Heraklits. So hoch sie sich

stellt, indem sie diese einfache Bestimmtheit des Eins und des Leeren

zum Princip aller Dinge macht, die unendliche Mannigfaltigkeit der Welt

auf diesen einfachen Gegensatz zurückführt, und sie aus ihm zu erkennen

sich erkühnt, ebenso leicht ist es für das vorstellende Reflektiren,

sich hier Atome und daneben das Leere vorzustellen. Es ist daher kein

Wunder, daß das atomistische Princip sich jederzeit erhalten hat; das

gleich triviale und äußerliche Verhältniß der Zusammensetzung, das noch

hinzukommen muß, um zum Scheine eines Konkreten und einer

Mannigfaltigkeit zu gelangen, ist eben so populär als die Atome selbst

und das Leere. Das Eins und das Leere ist das Fürsichseyn, das höchste

qualitative Insichseyn zur völligen Äußerlichkeit herabgesunken; die

Unmittelbarkeit oder das Seyn des Eins, weil es die Negation alles

Andersseyns ist, ist gesetzt nicht mehr bestimmbar und veränderlich zu

seyn, für dessen absolute Sprödigkeit bleibt also alle Bestimmung,

Mannigfaltigkeit, Verknüpfung schlechthin äußerliche Beziehung.

In dieser Äußerlichkeit ist jedoch das atomistische Princip nicht bei

den ersten Denkern desselben geblieben, sondern es hatte außer seiner

Abstraktion auch eine spekulative Bestimmung darin, daß das Leere als

der Quell der Bewegung erkannt worden ist; was eine ganz andere

Beziehung des Atomen und des Leeren ist, als das bloße Nebeneinander

und die Gleichgültigkeit dieser beiden Bestimmungen gegeneinander. Daß

das Leere der Quell der Bewegung ist, hat nicht den geringfügigen Sinn,

daß sich Etwas nur in ein Leeres hineinbewegen könne, und nicht in

einen schon erfüllten Raum, denn in einem solchen fände es keinen Platz

mehr offen; in welchem Verstande das Leere nur die Voraussetzung oder

Bedingung, nicht der Grund der Bewegung wäre, so wie auch die Bewegung

selbst als vorhanden vorausgesetzt, und das Wesentliche, ein Grund

derselben, vergessen ist. Die Ansicht, daß das Leere den Grund der

Bewegung ausmache, enthält den tiefern Gedanken, daß im Negativen

überhaupt, der Grund des Werdens, der Unruhe der Selbstbewegung liegt;

in welchem Sinne aber das Negative als die wahrhafte Negativität des

Unendlichen zu nehmen ist.—Das Leere ist Grund der Bewegung nur als die

negative Beziehung des Eins auf sein Negatives, auf das Eins, d. i. auf

sich selbst, das jedoch als Daseyendes gesetzt ist.

Sonst aber sind weitere Bestimmungen der Alten über eine Gestalt,

Stellung der Atome, die Richtung ihrer Bewegung willkürlich und

äußerlich genug; und stehen dabei in direktem Widerspruch mit der

Grundbestimmung des Atomen. An den Atomen, dem Princip der höchsten

Äußerlichkeit und damit der höchsten Begrifflosigkeit, leidet die

Physik in den Molecules, Partikeln ebenso sehr als die

Staatswissenschaft, die von dem einzelnen Willen der Individuen

ausgeht.

c. Viele Eins. Repulsion.

Das Eins und das Leere macht das Fürsichseyn in seinem nächsten Daseyn

aus. Jedes dieser Momente hat zu seiner Bestimmung die Negation, und

ist zugleich als ein Daseyn gesetzt. Nach jener ist das Eins und das

Leere die Beziehung der Negation auf die Negation als eines Andern auf

sein Anderes; das Eins ist die Negation in der Bestimmung des Seyns,

das Leere die Negation in der Bestimmung des Nichtseyns. Aber das Eins

ist wesentlich nur Beziehung auf sich als beziehende Negation d. h. ist

selbst dasjenige, was das Leere außer ihm seyn soll. Beide sind aber

auch gesetzt als ein affirmatives Daseyn, das eine als das Fürsichseyn

als solches, das andere als unbestimmtes Daseyn überhaupt, und sich

aufeinander als auf ein anderes Daseyn beziehend. Das Fürsichseyn des

Eins ist jedoch wesentlich die Idealität des Daseyns und des Anderen;

es bezieht sich nicht als auf ein Anderes, sondern nur auf sich. Indem

aber das Fürsichseyn als Eins, als für sich Seyendes, als unmittelbar

vorhandenes fixirt ist, ist seine negative Beziehung auf sich zugleich

Beziehung auf ein Seyendes; und da sie eben so sehr negativ ist, bleibt

das, worauf es sich bezieht, als ein Daseyn und ein Anderes bestimmt;

als wesentlich Beziehung auf sich selbst, ist das Andere nicht die

unbestimmte Negation, als Leeres, sondern ist gleichfalls Eins. Das

Eins ist somit Werden zu vielen Eins.

Eigentlich ist dieß aber nicht sowohl ein Werden; denn Werden ist ein

Übergehen von Seyn in Nichts; Eins hingegen wird nur zu Eins. Eins, das

Bezogene enthält das Negative als Beziehung, hat dasselbe also an ihm

selbst. Statt des Werdens ist also erstens die eigene immanente

Beziehung des Eins vorhanden; und zweitens insofern sie negativ und das

Eins seyendes zugleich ist, so stößt das Eins sich selbst von sich ab.

Die negative Beziehung des Eins auf sich ist Repulsion.

Diese Repulsion, so als das Setzen der vielen Eins aber durch Eins

selbst ist das eigne Außersichkommen des Eins, aber zu solchen außer

ihm, die selbst nur Eins sind. Es ist dieß die Repulsion dem Begriffe

nach, die an sich seyende. Die zweite Repulsion ist davon

unterschieden, und ist die der Vorstellung der äußern Reflexion

zunächst vorschwebende, als nicht das Erzeugen der Eins, sondern nur

als gegenseitiges Abhalten vorausgesetzter, schon vorhandener Eins. Es

ist dann zu sehen, wie jene an sich seyende Repulsion zur zweiten, der

äußerlichen, sich bestimmt.

Zunächst ist festzusetzen, welche Bestimmungen die vielen Eins als

solche haben. Das Werden zu Vielen oder Producirtwerden der Vielen,

verschwindet unmittelbar als Gesetztwerden; die Producirten sind Eins,

nicht für Anderes, sondern beziehen sich unendlich auf sich selbst. Das

Eins stößt nur sich von sich selbst ab, wird also nicht, sondern es ist

schon; das als das Repellirte vorgestellt wird, ist gleichfalls ein

Eins, ein Seyendes; Repelliren und Repellirt-werden kommt beiden auf

gleiche Weise zu, und macht keinen Unterschied.

Die Eins sind so vorausgesetzte gegeneinander;—gesetzte durch die

Repulsion des Eins von sich selbst; voraus, gesetzt als nicht gesetzt;

ihr Gesetztseyn ist aufgehoben, sie sind Seyende gegeneinander, als

sich nur auf sich beziehende.

Die Vielheit erscheint somit nicht als ein Andersseyn, sondern als eine

dein Eins vollkommen äußere Bestimmung. Eins, indem es sich selbst

repellirt, bleibt Beziehung auf sich wie das, das zunächst als

repellirt genommen wird. Daß die Eins andere gegeneinander, in die

Bestimmtheit der Vielheit zusammengefaßt sind, geht also die Eins

nichts an. Wäre die Vielheit eine Beziehung der Eins selbst

aufeinander, so begrenzten sie einander und hätten ein Seyn-für-Anderes

affirmativ an ihnen. Ihre Beziehung,—und diese haben sie durch ihre an

sich seyende Einheit,—wie sie hier gesetzt ist, ist als keine bestimmt;

sie ist wieder das vorhingesetzte Leere. Es ist ihre aber ihnen

äußerliche Grenze, in der sie nicht für einander seyn sollen. Die

Grenze ist das, worin die Begrenzten eben so sehr sind als nicht sind;

aber das Leere ist als das reine Nichtseyn bestimmt, und nur dieß macht

ihre Grenze aus.

Die Repulsion des Eins von sich selbst ist die Explikation dessen, was

das Eins an sich ist; die Unendlichkeit aber als auseinander gelegt ist

hier die außer sich gekommene Unendlichkeit; außer sich gekommen ist

sie durch die Unmittelbarkeit des Unendlichen, des Eins. Sie ist ein

ebenso einfaches Beziehen des Eins auf Eins, als vielmehr die absolute

Beziehungslosigkeit der Eins; jenes nach der einfachen affirmativen

Beziehung des Eins auf sich, dieses nach eben derselben als negativen.

Oder die Vielheit des Eins ist das eigene Setzen des Eins; das Eins ist

nichts als die negative Beziehung des Eins auf sich, und diese

Beziehung, also das Eins selbst, ist das viele Eins. Aber ebenso ist

die Vielheit dem Eins schlechthin äußerlich; denn das Eins ist eben das

Aufheben des Andersseyns, die Repulsion ist seine Beziehung auf sich,

und einfache Gleichheit mit sich selbst. Die Vielheit der Eins ist die

Unendlichkeit, als unbefangen sich hervorbringender Widerspruch.

Anmerkung.

Es ist vorhin des leibnitzischen Idealismus erwähnt worden. Es kann

hier hinzugesetzt werden, daß derselbe von der vorstellenden Monade

aus, die als Fürsichseyende bestimmt ist, nur bis zu der so eben

betrachteten Repulsion fortging, und zwar nur zu der Vielheit als

solcher, in der die Eins jedes nur für sich, gleichgültig gegen das

Daseyn und Für-sich-seyn anderer ist, oder überhaupt Andere gar nicht

für das Eins sind. Die Monade ist für sich die ganze abgeschlossene

Welt; es bedarf keine der andern; aber diese innere Mannigfaltigkeit,

die sie in ihrem Vorstellen hat, ändert in ihrer Bestimmung, für sich

zu seyn, nichts. Der Leibnitzische Idealismus nimmt die Vielheit

unmittelbar als eine gegebene auf, und begreift sie nicht als eine

Repulsion der Monade; er hat daher die Vielheit nur nach der Seite

ihrer abstrakten Äußerlichkeit. Die Atomistik hat den Begriff der

Idealität nicht; sie faßt das Eins nicht als ein solches, das in ihm

selbst die beiden Momente des Fürsichseyns und des Für-es-seyns

enthält, also als ideelles, sondern nur als einfach, trocken

Für-sich-seyendes. Aber sie geht über die bloß gleichgültige Vielheit

hinaus; die Atomen kommen in eine weitere Bestimmung gegeneinander,

wenn auch eigentlich auf inkonsequente Weise; da hingegen in jener

gleichgültigen Unabhängigkeit der Monaden, die Vielheit als starre

Grundbestimmung bleibt, so daß ihre Beziehung nur in die Monade der

Monaden, oder in den betrachtenden Philosophen fällt.

Wissenschaft der Logik — Band 1 · 第 24 / 52 题