eigene Zunft der Eisenarbeiter erscheint. Es bestaetigt dies aufs neue,

dass man in Latium erst verhaeltnismaessig spaet mit der Bearbeitung des

Eisens begonnen hat; weshalb denn auch im Ritual zum Beispiel fuer den

heiligen Pflug und das priesterliche Schermesser bis in die spaeteste

Zeit durchgaengig nur Kupfer verwandt werden durfte. Fuer das

staedtische Leben Roms und seine Stellung zu der latinischen Landschaft

muessen diese Gewerkschaften in der aeltesten Periode von grosser

Bedeutung gewesen sein, die nicht abgemessen werden darf nach den

spaeteren, durch die Masse der fuer den Herrn oder auf seine Rechnung

arbeitenden Handwerkersklaven und die steigende Einfuhr von Luxuswaren

gedrueckten Verhaeltnissen des roemischen Handwerks. Die aeltesten

Lieder Roms feierten nicht bloss den gewaltigen Streitgott Mamers,

sondern auch den kundigen Waffenschmied Mamurius, der nach dem

goettlichen vom Himmel gefallenen Musterschild seinen Mitbuergern

gleiche Schilde zu schmieden verstanden hatte; der Gott des Feuers

und der Esse Volcanus erscheint bereits in dem uralten roemischen

Festverzeichnis. Auch in dem aeltesten Rom sind also wie allerorten die

Kunst, die Pflugschar und das Schwert zu schmieden und sie zu fuehren,

Hand in Hand gegangen und fand sich nichts von jener hoffaertigen

Verachtung der Gewerke, die spaeter daselbst begegnet. Seit indes die

Servianische Ordnung den Heerdienst ausschliesslich auf die Ansaessigen

legte, waren die Industriellen zwar nicht gesetzlich, aber doch wohl

infolge ihrer durchgaengigen Nichtansaessigkeit tatsaechlich vom

Waffenrecht ausgeschlossen, ausser insofern aus den Zimmerleuten, den

Kupferschmieden und gewissen Klassen der Spielleute eigene militaerisch

organisierte Abteilungen dem Heer beigegeben wurden; und es mag dies

wohl der Anfang sein zu der spaeteren sittlichen Geringschaetzung und

politischen Zuruecksetzung der Gewerke. Die Einrichtung der Zuenfte

hatte ohne Zweifel denselben Zweck wie die der auch im Namen ihnen

gleichenden Priestergemeinschaften: die Sachverstaendigen taten sich

zusammen, um die Tradition fester und sicherer zu bewahren. Dass

unkundige Leute in irgendeiner Weise ferngehalten wurden, ist

wahrscheinlich; doch finden sich keine Spuren weder von Monopoltendenzen

noch von Schutzmitteln gegen schlechte Fabrikation - freilich sind auch

ueber keine Seite des roemischen Volkslebens die Nachrichten so voellig

versiegt wie ueber die Gewerke. Dass der italische Handel sich in der

aeltesten Epoche auf den Verkehr der Italiker untereinander beschraenkt

hat, versteht sich von selbst. Die Messen (mercatus), die wohl zu

unterscheiden sind von den gewoehnlichen Wochenmaerkten (nundinae), sind

in Latium sehr alt. Sie moegen sich zunaechst an die internationalen

Zusammenkuenfte und Feste angereiht, vielleicht also in Rom mit der

Festfeier in dem Bundestempel auf dem Aventin in Verbindung gestanden

haben; die Latiner, die hierzu jedes Jahr am 13. August nach Rom kamen,

mochten diese Gelegenheit zugleich benutzen, um ihre Angelegenheiten in

Rom zu erledigen und ihren Bedarf daselbst einzukaufen. Aehnliche und

vielleicht noch groessere Bedeutung hatte fuer Etrurien die jaehrliche

Landesversammlung am Tempel der Voltumna (vielleicht bei Montefiascone)

im Gebiet von Volsinii, welche zugleich als Messe diente und auch von

roemischen Kaufleuten regelmaessig besucht ward. Aber die bedeutendste

unter allen italischen Messen war die, welche am Soracte im Hain der

Feronia abgehalten ward, in einer Lage, wie sie nicht guenstiger zu

finden war fuer den Warentausch unter den drei grossen Nationen. Der

hohe, einzeln stehende Berg, der mitten in die Tiberebene wie von der

Natur selbst den Wanderern zum Ziel hingestellt erscheint, liegt an der

Grenzscheide der etruskischen und sabinischen Landschaft, zu welcher

letzteren er meistens gehoert zu haben scheint, und ist auch von Latium

und Umbrien aus mit Leichtigkeit zu erreichen; regelmaessig erschienen

hier die roemischen Kaufleute, und Verletzungen derselben fuehrten

manchen Hader mit den Sabinern herbei. Ohne Zweifel handelte und

tauschte man auf diesen Messen, lange bevor das erste griechische oder

phoenikische Schiff in die Westsee eingefahren war. Hier halfen bei

vorkommenden Missernten die Landschaften einander mit Getreide aus;

hier tauschte man ferner Vieh, Sklaven, Metalle und was sonst in jenen

aeltesten Zeiten notwendig oder wuenschenswert erschien. Das aelteste

Tauschmittel waren Rinder und Schafe, so dass auf ein Rind zehn Schafe

gingen; sowohl die Feststellung dieser Gegenstaende als gesetzlich

allgemein stellvertretender oder als Geld, als auch der Verhaeltnissatz

zwischen Gross- und Kleinvieh reichen, wie die Wiederkehr von beiden

besonders bei den Deutschen zeigt, nicht bloss in die graecoitalische,

sondern noch darueber hinaus in die Zeit der reinen Herdenwirtschaft

zurueck ^7. Daneben kam in Italien, wo man besonders fuer die

Ackerbestellung und die Ruestung allgemein des Metalls in ansehnlicher

Menge bedurfte, nur wenige Landschaften aber selbst die noetigen Metalle

erzeugten, sehr frueh als zweites Tauschmittel das Kupfer (aes) auf,

wie denn den kupferarmen Latinern die Schaetzung selbst die "Kupferung"

(aestimatio) hiess. In dieser Feststellung des Kupfers als allgemeinen,

auf der ganzen Halbinsel gueltigen Aequivalents, sowie in den spaeter

noch genauer zu erwaegenden einfachsten Zahlzeichen italischer Erfindung

und in dem italischen Duodezimalsystem duerften Spuren dieses aeltesten

sich noch selbst ueberlassenen Internationalverkehrs der italischen

Voelker vorliegen. ----------------------------------------------- ^7

Der gesetzliche Verhaeltniswert der Schafe und Rinder geht bekanntlich

daraus hervor, dass, als man die Vieh- in Geldbussen umsetzte, das Schaf

zu zehn, das Rind zu hundert Assen angesetzt wurde (Fest. v. peculatus

p. 237, vgl. p. 34, 144; Gell. 11, 1; Plut. Publ. 11). Es ist dieselbe

Bestimmung, wenn nach islaendischem Recht der Kuh zwoelf Widder gleich

gelten; nur dass hier, wie auch sonst, das deutsche Recht dem aelteren

dezimalen das Duodezimalsystem substituiert hat. Dass die Bezeichnung

des Viehs bei den Latinern (pecunia) wie bei den Deutschen

(englisch fee) in die des Geldes uebergeht, ist bekannt.

----------------------------------------------- In welcher Art

der ueberseeische Verkehr auf die unabhaengig gebliebenen Italiker

einwirkte, wurde im allgemeinen schon frueher bezeichnet. Fast ganz

unberuehrt von ihm blieben die sabellischen Staemme, die nur einen

geringen und unwirtlichen Kuestensaum innehatten, und was ihnen von

den fremden Nationen zukam, wie zum Beispiel das Alphabet, nur durch

tuskische oder latinische Vermittlung empfingen; woher denn auch der

Mangel staedtischer Entwicklung ruehrt. Auch Tarents Verkehr mit den

Apulern und Messapiern scheint in dieser Epoche noch gering gewesen zu

sein. Anders an der Westkueste, wo in Kampanien Griechen und Italiker

friedlich nebeneinander wohnten, in Latium und mehr noch in Etrurien ein

ausgedehnter und regelmaessiger Warentausch stattfand. Was die aeltesten

Einfuhrartikel waren, laesst sich teils aus den Fundstuecken schliessen,

die uralte, namentlich caeritische Graeber ergeben haben, teils aus

Spuren, die in der Sprache und den Institutionen der Roemer bewahrt

sind, teils und vorzugsweise aus den Anregungen, die das italische

Gewerbe empfing; denn natuerlich kaufte man laengere Zeit die fremden

Manufakte, ehe man sie nachzuahmen begann. Wir koennen zwar nicht

bestimmen, wie weit die Entwicklung der Handwerke vor der Scheidung der

Staemme und dann wieder in derjenigen Periode gediehen ist, wo Italien

sich selbst ueberlassen blieb; es mag dahingestellt werden, inwieweit

die italischen Walker, Faerber, Gerber und Toepfer von Griechenland

oder von Phoenikien aus den Anstoss empfangen oder selbstaendig sich

entwickelt haben. Aber sicher kann das Gewerk der Goldschmiede, das seit

unvordenklicher Zeit in Rom bestand, erst aufgekommen sein, nachdem

der ueberseeische Handel begonnen und in einiger Ausdehnung unter den

Bewohnern der Halbinsel Goldschmuck vertrieben hatte. So finden wir denn

auch in den aeltesten Grabkammern von Caere und Vulci in Etrurien und

Praeneste in Latium Goldplatten mit eingestempelten gefluegelten

Loewen und aehnlichen Ornamenten babylonischer Fabrik. Es mag ueber das

einzelne Fundstueck gestritten werden, ob es vom Ausland eingefuehrt

oder einheimische Nachahmung ist; im ganzen leidet es keinen Zweifel,

dass die ganze italische Westkueste in aeltester Zeit Metallwaren aus

dem Osten bezogen hat. Es wird sich spaeter, wo von der Kunstuebung die

Rede ist, noch deutlicher zeigen, dass die Architektur wie die Plastik

in Ton und Metall daselbst in sehr frueher Zeit durch griechischen

Einfluss eine maechtige Anregung empfangen haben, das heisst, dass die

aeltesten Werkzeuge und die aeltesten Muster aus Griechenland gekommen

sind. In die eben erwaehnten Grabkammern waren ausser dem Goldschmuck

noch mit eingelegt Gefaesse von blaeulichem Schmelzglas oder gruenlichem

Ton, nach Material und Stil wie nach den eingedrueckten Hieroglyphen zu

schliessen, aegyptischen Ursprungs ^8; Salbgefaesse von orientalischem

Alabaster, darunter mehrere als Isis geformt; Strausseneier mit gemalten

oder eingeschnitzten Sphinxen und Greifen; Glas- und Bernsteinperlen.

Die letzten koennen aus dem Norden auf dem Landweg gekommen sein;

die uebrigen Gegenstaende aber beweisen die Einfuhr von Salben und

Schmucksachen aller Art aus dem Orient. Eben daher kamen Linnen und

Purpur, Elfenbein und Weihrauch, was ebenso der fruehe Gebrauch der

linnenen Binden, des purpurnen Koenigsgewandes, des elfenbeinernen

Koenigsszepters und des Weihrauchs beim Opfer beweist wie die uralten

Lehnnamen (linon linum; porph?ra purpura; sk/e/ptron skip/o/n scipio,

auch wohl elephas ebur; th?os thus). Eben dahin gehoert die Entlehnung

einer Anzahl auf Ess- und Trinkwaren bezueglicher Woerter, namentlich

die Benennung des Oels (vgl. 1, 200), der Kruege (amphore?s amp[h]ora

ampulla; krat/e/r cratera), des Schmausens (k/o/maz/o/ comissari),

des Leckergerichts (ops/o/nion opsonium), des Teiges (maza massa) und

verschiedener Kuchennamen (glyko?s lucuns; plako?s placenta; tyro?s

turunda), wogegen umgekehrt die lateinischen Namen der Schuessel (patina

patan/e/) und des Specks (arvina arbin/e/) in das sizilische Griechisch

Eingang gefunden haben. Die spaetere Sitte, den Toten attisches,

kerkyraeisches und kampanisches Luxusgeschirr ins Grab zu stellen,

beweist eben wie diese sprachlichen Zeugnisse den fruehen Vertrieb der

griechischen Toepferwaren nach Italien. Dass die griechische Lederarbeit

in Latium wenigstens bei der Armatur Eingang fand, zeigt die Verwendung

des griechischen Wortes fuer Leder (sk?tos) bei den Latinern fuer den

Schild (scutum; wie lorica von lorum). Endlich gehoeren hierher die

zahlreichen aus dem Griechischen entlehnten Schifferausdruecke, obwohl

die Hauptschlagwoerter fuer die Segelschiffahrt: Segel, Mast und Rahe

doch merkwuerdigerweise rein lateinisch gebildet sind ^9; ferner die

griechische Benennung des Briefes (epistol/e/ epistula), der Marke

(tessera, von tessara ^10), der Waage (stat/e/r statera) und des

Aufgeldes (arrab/o/n arrabo, arra) im Lateinischen und umgekehrt die

Aufnahme italischer Rechtsausdruecke in das sizilische Griechisch,

sowie der nachher zu erwaehnende Austausch der Muenz-, Mass- und

Gewichtsverhaeltnisse und Namen. Namentlich der barbarische Charakter,

den alle diese Entlehnungen an der Stirne tragen, vor allem die

charakteristische Bildung des Nominativs aus dem Akkusativ (placenta

= plako?nta; ampora = amphorea; statera = stat/e/ra), ist der klarste

Beweis ihres hohen Alters. Auch die Verehrung des Handelsgottes

(Mercurius) erscheint von Haus aus durch griechische Vorstellungen

bedingt und selbst sein Jahrfest darum auf die Iden des Mai gelegt

zu sein, weil die hellenischen Dichter ihn feierten als den Sohn der

schoenen Maia. ----------------------------------------------- ^8 Vor

kurzem ist in Praeneste ein silberner Mischkrug mit einer phoenikischen

und einer Hieroglypheninschrift gefunden worden (Mon. Inst. X., Taf.

32), welcher unmittelbar beweist, dass, was Aegyptisches in Italien zum

Vorschein kommt, durch phoenikische Vermittlung dorthin gelangt ist.

^9 Velum ist sicher latinischen Ursprungs; ebenso malus, zumal da dies

nicht bloss den Mast-, sondern ueberhaupt den Baum bezeichnet; auch

antenna kann von ana (anhelare, antestari) und tendere = supertensa

herkommen. Dagegen sind griechisch gubernare steuern kybernan, ancora

Anker agkyra, prora Vorderteil pr/o/ra, aplustre Schiffshinterteil

aphlaston, anquina der die Rahen festhaltende Strick agkoina, nausea

Seekrankheit naysia. Die alten vier Hauptwinde - aquilo der Adlerwind,

die nordoestliche Tramontana; volturnus (unsichere Ableitung, vielleicht

der Geierwind), der Suedost; auster, der ausdoerrende Suedwestwind, der

Scirocco; favonius, der guenstige, vom Tyrrhenischen Meer herwehende

Nordwestwind - haben einheimische nicht auf Schiffahrt bezuegliche

Namen; alle uebrigen lateinischen Windnamen aber sind griechisch

(wie eurus, notus) oder aus griechischen uebersetzt (z. B. solanus

= ap/e/li/o/t/e/s, Africus = lips). ^10 Zunaechst sind die Marken im

Lagerdienst gemeint, die xyl/e/phia kata phylak/e/n brachea tele/o/s

echonta charakt/e/ra (Polyb. 6, 35, 7); die vier vigiliae des

Nachtdienstes haben den Marken ueberhaupt den Namen gegeben. Die

Vierteilung der Nacht fuer den Wachtdienst ist griechisch wie roemisch;

die Kriegswissenschaft der Griechen mag wohl, etwa durch Pyrrhos (Liv.

35, 14), auf die Organisation des Sicherheitsdienstes im roemischen

Lager eingewirkt haben. Die Verwendung der nicht dorischen Form

spricht fuer verhaeltnismaessig spaete Uebernahme des Wortes.

------------------------------------------ Sonach bezog das aelteste

Italien so gut wie das kaiserliche Rom seine Luxuswaren aus dem Osten,

bevor es nach den von dort empfangenen Mustern selbst zu fabrizieren

versuchte; zum Austausch aber hatte es nichts zu bieten als seine

Rohprodukte, also vor allen Dingen sein Kupfer, Silber und Eisen, dann

Sklaven und Schiffsbauholz, den Bernstein von der Ostsee und, wenn etwa

im Ausland Missernte eingetreten war, sein Getreide. Aus diesem Stande

des Warenbedarfs und der dagegen anzubietenden Aequivalente ist schon

frueher erklaert worden, warum sich der italische Handel in Latium und

in Etrurien so verschiedenartig gestaltete. Die Latiner, denen

alle hauptsaechlichen Ausfuhrartikel mangelten, konnten nur einen

Passivhandel fuehren und mussten schon in aeltester Zeit das Kupfer,

dessen sie notwendig bedurften, von den Etruskern gegen Vieh oder

Sklaven eintauschen, wie denn der uralte Vertrieb der letzteren auf

das rechte Tiberufer schon erwaehnt ward; dagegen musste die tuskische

Handelsbilanz in Caere wie in Populonia, in Capua wie in Spina sich

notwendig guenstig stellen. Daher der schnell entwickelte Wohlstand

dieser Gegenden und ihre maechtige Handelsstellung, waehrend Latium

vorwiegend eine ackerbauende Landschaft bleibt. Es wiederholt sich dies

in allen einzelnen Beziehungen: die aeltesten nach griechischer Art,

nur mit ungriechischer Verschwendung gebauten und ausgestatteten Graeber

finden sich in Caere, waehrend mit Ausnahme von Praeneste, das eine

Sonderstellung gehabt zu haben und mit Falerii und dem suedlichen

Etrurien in besonders enger Verbindung gewesen zu sein scheint, die

latinische Landschaft nur geringen Totenschmuck auslaendischer Herkunft

und kein einziges eigentliches Luxusgrab aus aelterer Zeit aufweist,

vielmehr hier wie bei den Sabellern in der Regel ein einfacher Rasen

die Leiche deckte. Die aeltesten Muenzen, den grossgriechischen der

Zeit nach wenig nachstehend, gehoeren Etrurien, namentlich Populonia an;

Latium hat in der ganzen Koenigszeit mit Kupfer nach dem Gewicht sich

beholfen und selbst die fremden Muenzen nicht eingefuehrt, denn

nur aeusserst selten haben dergleichen, wie zum Beispiel eine von

Poseidonia, dort sich gefunden. In Architektur, Plastik und Toreutik

wirkten dieselben Anregungen auf Etrurien und auf Latium, aber nur

dort kommt ihnen ueberall das Kapital entgegen und erzeugt ausgedehnten

Betrieb und gesteigerte Technik. Es waren wohl im ganzen dieselben

Waren, die man in Latium und Etrurien kaufte, verkaufte und fabrizierte;

aber in der Intensitaet des Verkehrs stand die suedliche Landschaft weit

zurueck hinter den noerdlichen Nachbarn. Eben damit haengt es zusammen,

dass die nach griechischem Muster in Etrurien angefertigten Luxuswaren

auch in Latium, namentlich in Praeneste, ja in Griechenland selbst

Absatz fanden, waehrend Latium schwerlich jemals dergleichen ausgefuehrt

hat. Ein nicht minder bemerkenswerter Unterschied des Verkehrs der

Latiner und Etrusker liegt in dem verschiedenen Handelszug. Ueber den

aeltesten Handel der Etrusker im Adriatischen Meere koennen wir kaum

etwas aussprechen als die Vermutung, dass er von Spina und Hatria

vorzugsweise nach Kerkyra gegangen ist. Dass die westlichen Etrusker

sich dreist in die oestlichen Meere wagten und nicht bloss mit Sizilien,

sondern auch mit dem eigentlichen Griechenland verkehrten, ward schon

gesagt. Auf alten Verkehr mit Attika deuten nicht bloss die attischen

Tongefaesse, die in den juengeren etruskischen Graebern so zahlreich

vorkommen und zu anderen Zwecken als zum Graeberschmuck, wie bemerkt,

wohl schon in dieser Epoche eingefuehrt worden sind, waehrend umgekehrt

die tyrrhenischen Erzleuchter und Goldschalen frueh in Attika ein

gesuchter Artikel wurden, sondern bestimmter noch die Muenzen. Die

Silberstuecke von Populonia sind nachgepraegt einem uralten,

einerseits mit dem Gorgoneion gestempelten, anderseits bloss mit einem

eingeschlagenen Quadrat versehenen Silberstueck, das sich in Athen und

an der alten Bernsteinstrasse in der Gegend von Posen gefunden hat

und das hoechst wahrscheinlich eben die in Athen auf Solons Geheiss

geschlagene Muenze ist. Dass ausserdem, und seit der Entwicklung

der karthagisch-etruskischen Seeallianz vielleicht vorzugsweise, die

Etrusker mit den Karthagern verkehrten, ward gleichfalls schon erwaehnt;

es ist beachtenswert, dass in den aeltesten Graebern von Caere ausser

einheimischem Bronze- und Silbergeraet vorwiegend orientalische Waren

sich gefunden haben, welche allerdings auch von griechischen Kaufleuten

herruehren koennen, wahrscheinlicher aber doch von phoenikischen

Handelsmaennern eingefuehrt wurden. Indes darf diesem phoenikischen

Verkehr nicht zu viel Bedeutung beigelegt und namentlich nicht

uebersehen werden, dass das Alphabet wie alle sonstigen Anregungen und

Befruchtungen der einheimischen Kultur von den Griechen, nicht von den

Phoenikern nach Etrurien gebracht sind. Nach einer anderen Richtung

weist der latinische Verkehr. So selten wir auch Gelegenheit haben,

Vergleichungen der roemischen und der etruskischen Aufnahme hellenischer

Elemente anzustellen, so zeigen sie doch, wo sie moeglich sind, eine

vollstaendige Unabhaengigkeit beider Voelkerschaften voneinander.

Am deutlichsten tritt dies hervor im Alphabet: das von den

chalkidisch-dorischen Kolonien in Sizilien oder Kampanien den Etruskern

zugebrachte griechische weicht nicht unwesentlich ab von dem den

Latinern ebendaher mitgeteilten, und beide Voelker haben also hier

zwar aus derselben Quelle, aber doch jedes zu anderer Zeit und an einem

anderen Ort geschoepft. Auch in einzelnen Woertern wiederholt sich

dieselbe Erscheinung: der roemische Pollux, der tuskische Pultuke sind

jedes eine selbstaendige Korruption des griechischen Polydeukes; der

tuskische Utuze oder Uthuze ist aus Odysseus gebildet, der roemische

Ulixes gibt genau die in Sizilien uebliche Namensform wieder; ebenso

entspricht der tuskische Aivas der altgriechischen Form dieses Namens,

der roemische Aiax einer wohl auch sikelischen Nebenform; der roemische

Aperta oder Apello, der samnitische Appellun sind entstanden aus dem

dorischen Apellon, der tuskische Apulu a us Apollon. So deuten Sprache

und Schrift Latiums ausschliesslich auf den Zug des latinischen Handels

zu den Kymaeern und Sikelioten; und eben dahin fuehrt jede andere Spur,

die aus so ferner Zeit uns geblieben ist: die in Latium gefundene Muenze

von Poseidonia; der Getreidekauf bei Missernten in Rom bei den Volskern,

Kymaeern und Sikelioten, daneben freilich auch wie begreiflich bei

den Etruskern; vor allen Dingen aber das Verhaeltnis des latinischen

Geldwesens zu dem sizilischen. Wie die lokale dorisch-chalkidische

Bezeichnung der Silbermuenze nomos, das sizilische Mass /e/mina als

nummus und hemina in gleicher Bedeutung nach Latium uebergingen, so

waren umgekehrt die italischen Gewichtsbezeichnungen libra, triens,

quadrans, sextans, uncia, die zur Abmessung des nach dem Gewichte

an Geldes Statt dienenden Kupfers in Latium aufgekommen sind, in den

korrupten und hybriden Formen litra, trias, tetras, ezas, oygkia

schon im dritten Jahrhundert der Stadt in Sizilien in den gemeinen

Sprachgebrauch eingedrungen. Ja es ist sogar das sizilische Gewicht-

und Geldsystem allein unter allen griechischen zu dem italischen

Kupfersystem in ein festes Verhaeltnis gesetzt worden, indem nicht bloss

dem Silber der zweihundertfuenfzigfache Wert des Kupfers konventionell

und vielleicht gesetzlich beigelegt, sondern auch das hiernach bemessene

Aequivalent eines sizilischen Pfundes Kupfer (1/120 des attischen

Talents, 1/3 des roemischen Pfundes) als Silbermuenze (litra argyrioy,

das ist "Kupferpfund in Silber") schon in fruehester Zeit namentlich in

Syrakus geschlagen ward. Es kann danach nicht bezweifelt werden, dass

die italischen Kupferbarren auch in Sizilien an Geldes Statt umliefen;

und es stimmt dies auf das beste damit zusammen, dass der Handel der

Latiner nach Sizilien ein Passivhandel war und also das latinische Geld

nach Sizilien abfloss. Noch andere Beweise des alten Verkehrs zwischen

Sizilien und Italien, namentlich die Aufnahme der italischen Benennungen

des Handelsdarlehens, des Gefaengnisses, der Schuessel in den

sizilischen Dialekt und umgekehrt, sind bereits frueher erwaehnt worden.

Auch von dem alten Verkehr der Latiner mit den chalkidischen Staedten

in Unteritalien, Kyme und Neapolis, und mit den Phokaeern in Elea und

Massalia begegnen einzelne, wenn auch minder bestimmte Spuren. Dass

er indes bei weitem weniger intensiv war als der mit den Sikelioten,

beweist schon die bekannte Tatsache, dass alle in aelterer Zeit nach

Latium gelangten griechischen Woerter - es genuegt an Aesculapius,

Latona, Aperta, machina zu erinnern - dorische Formen zeigen. Wenn

der Verkehr mit den urspruenglich ionischen Staedten, wie Kyme und die

phokaeischen Ansiedlungen waren, dem mit den sikelischen Dorern auch nur

gleichgestanden haette, so wuerden ionische Formen wenigstens daneben

erscheinen; obwohl allerdings auch in diese ionischen Kolonien selbst

der Dorismus frueh eingedrungen ist und der Dialekt hier sehr geschwankt

hat. Waehrend also alles sich vereinigt, um den regen Handel der

Latiner mit den Griechen der Westsee ueberhaupt und vor allem mit den

sizilischen zu belegen, hat mit den asiatischen Phoenikern schwerlich

ein unmittelbarer Verkehr stattgefunden und kann der Verkehr mit den

afrikanischen, den Schriftstellen und Fundstuecke hinreichend belegen,

Römische Geschichte — Buch 1 · 第 21 / 26 段