Pécuchet sagte stoisch: „So werden wir eines Tages sein.“

Der Gedanke an den Tod hatte sie gepackt. Auf dem Heimwege sprachen sie

davon.

Letzten Endes ist er nicht vorhanden. Man entschwindet in den Tau, in

die Brise, in die Sterne. Man wird etwas vom Saft der Bäume, vom Glanz

der Edelsteine, vom Gefieder der Vögel. Man gibt an die Natur zurück,

was sie uns geliehen hat, und das Nichts, das wir vor uns haben, hat

nichts Schrecklicheres, als das Nichts, das hinter uns liegt.

Sie versuchten, es sich unter der Form einer undurchdringlichen Nacht,

eines grundlosen Loches, einer dauernden Ohnmacht vorzustellen; alles

andere war diesem eintönigen, widersinnigen und hoffnungslosen Dasein

vorzuziehen.

Dann ließen sie ihre ungestillten Sehnsüchte an sich vorüberziehen.

Bouvard hatte sich immer Pferde, Equipagen, edle Burgundergewächse und

schöne, willfährige Frauen in glänzender Wohnung gewünscht. Pécuchets

Ehrgeiz stand nach philosophischem Wissen. Nun kann das größte der

Probleme, dasjenige, das alle andern umschließt, innerhalb einer Minute

gelöst sein. Wann denn wird sie kommen? -- „Man kann geradesogut gleich

ein Ende machen.“

„Wie du willst,“ sagte Bouvard.

Und sie prüften die Frage des Selbstmordes.

Was ist Schlimmes dabei, eine Last abzuwerfen, die einen erdrückt? und

eine Handlung zu begehen, die niemand Schaden bringt? Wenn sie Gott

beleidigte, würden wir dann die Macht dazu haben? Sie ist keineswegs

Feigheit, was man auch sage, -- und die Vermessenheit, das, was die

Menschen am höchsten schätzen, sogar zum eigenen Nachteil zu verhöhnen,

ist schön.

Sie beratschlagten über die Todesart.

Vergiftungen sind mit Schmerzen verbunden. Es gehört viel Mut dazu,

sich die Kehle abzuschneiden. Die Erstickungsversuche führen oft nicht

zum Ziel.

Schließlich trug Pécuchet zwei Taue von ihren gymnastischen Übungen

auf den Boden. Nachdem er sie dann an denselben Querbalken des Daches

geknüpft, ließ er einen Henkersknoten herabhängen und schob zwei

Stühle darunter, damit man die Stricke erreichen konnte.

Man entschloß sich zu dieser Todesart.

Sie fragten sich, welch einen Eindruck das im Orte machen würde, wo

dann ihre Bücher, ihr Geschreibsel, ihre Sammlungen bleiben würden. Der

Gedanke an den Tod bewirkte bei ihnen eine Rührung, die ihrer eigenen

Person galt. Jedoch gaben sie ihren Vorsatz nicht auf, und dadurch, daß

sie davon sprachen, gewöhnten sie sich an den Gedanken.

Am Abend des 24. Dezember, zwischen zehn und elf Uhr, gaben sie sich im

Museum, jeder in verschiedener Kleidung, ihren Gedanken hin. Bouvard

hatte über seine Trikotweste eine Bluse gezogen; und Pécuchet trug seit

drei Monaten aus Sparsamkeit beständig das Mönchsgewand.

Da sie heftigen Hunger hatten (denn Marcel, der mit Tagesanbruch

fortgegangen war, war nicht zurückgekehrt), hielt es Bouvard aus

Gesundheitsrücksichten für angebracht, ein Fläschchen Branntwein zu

leeren, und Pécuchet, Tee zu nehmen.

Als er den Teekessel emporhob, verspritzte er Wasser auf das Parkett.

„Wie ungeschickt!“ rief Bouvard.

Dann wollte er, da er den Aufguß zu schwach fand, ihn noch durch zwei

Löffel verstärken.

„Das wird ungenießbar werden,“ sagte Pécuchet.

„Durchaus nicht!“

Und da jeder die Dose zu sich zog, fiel das Präsentierbrett zur

Erde; eine der Tassen war zerbrochen, die letzte des schönen

Porzellanservices.

Bouvard und Pécuchet: Roman aus dem Nachlass · 第 23 / 32 题