Glück!
Diese Monate! ... Gedenke ich ihrer, so erfaßt gewaltiges Zittern meinen
Leib, Nebel verdunkeln mein Auge, alles ringsum erscheint mir nichtig.
Und es gibt keine Worte, um das vergangene Glück zu schildern.
Die neue Welt kam mir nahe, schien mir mit einem Mal völlig
verständlich. Die erlittene Niederlage bekümmerte mich nicht. Jugend und
Glaube kehrten zu mir zurück, um, wie ich glaubte, mich nie mehr zu
verlassen. Ich besaß Hoffnung und einen starken Verbündeten; für die
Schwäche war kein Raum. Die ganze Zukunft gehörte mir.
In die Vergangenheit schweiften meine Gedanken nur selten zurück, sie
beschäftigten sich mit dem, was Netti und unsere Liebe anbelangte.
»Weshalb verbargen Sie mir Ihr Geschlecht?« fragte ich bald nach jenem
Abend.
»Anfangs ergab sich dies von selbst, zufällig. Dann aber unterstützte
ich absichtlich Ihre Täuschung, entfernte sogar von meiner Kleidung
alles, was Ihnen die Wahrheit hätte verraten können. Mich erschreckte
die Schwere und Kompliziertheit Ihrer Aufgabe, ich fürchtete, diese noch
verwickelter zu gestalten, besonders als ich später Ihre unbewußte
Zuneigung zu mir wahrnahm. Auch verstand ich mich selbst nicht recht ...
bis zu Ihrer Krankheit.«
»Diese also hat die Lösung herbeigeführt ... Wie segne ich meine lieben
Halluzinationen!«
»Ja, als ich von Ihrer Erkrankung erfuhr, traf es mich wie ein
Hammerschlag. Hätte ich nicht vermocht, Sie vollständig zu heilen, ich
wäre vielleicht gestorben.«
Nach einigen Augenblicken des Schweigens fügte sie hinzu:
»Wissen Sie auch, daß sich unter Ihren Freunden noch eine Frau befindet,
von der Sie dies gleichfalls nicht ahnten? Sie ist Ihnen sehr zugetan,
freilich nicht so wie ich ...«
»Enno!« erriet ich sofort.
»Selbstverständlich. Und auch Enno führte Sie absichtlich irre, befolgte
dabei meinen Rat.«
»Ach, wie viel Trug und Feigheit gibt es doch in Eurer Welt!« rief ich
mit scherzhaftem Pathos. »Laßt nur, bitte, Menni einen Mann bleiben,
denn verliebte ich mich in ihn, so wäre dies furchtbar.«
»Ja, dies ist furchtbar«, entgegnete Netti gedankenvoll, und ich
verstand ihren seltsamen Ernst nicht.
Tage reihten sich an Tage, und beglückt nahm ich von der schönen neuen
Welt Besitz.