DIE BESSERE STÄTTE.

1 Naer Oostland willen wy ryden,

naer Oostland willen wy meê,

al over die groene heiden,

frisch over die heiden,

daer isser een betere steê.

2 Als wy binnen Oostland komen

al onder dat hooge huis,

daer worden wy binnen gelaten,

frisch over die heiden,

zy heeten ons willekom zyn.

3 Ja, willekom moeten wy wezen,

zeer willekom moeten wy zyn.

daer zullen wy avond en morgen,

frisch over die heiden,

nog drinken den koelen wyn.

4 Wy drinken den wyn er uit schalen

en 't bier ook zoo veel ons belieft;

daer is het zoo vrolyk te leven,

frisch over die heiden,

daer woont er myn zoete lief.

Vlämisch: Willems Nr. 19. an der Spitze der geschichtlichen Lieder,

mit der Überschrift: "Uitwykelingslied (XIIe of XIIIe eeuw.)" Willems

bemerkt dazu: 'Aus dem Munde des Volks in Brabant stückweise gesammelt,

Musik und Worte. Man singt jährlich dies Lied dort bei den Bauern

um Johanni im Monat Juni bei dem sogenannten Overhalen (Einholen)

der Bauerndienstmägde, und somit als ein Übersiedelungslied. Dies

Einholen geschieht in Wagen, die mit Blumen und Flittergold geschmückt

sind und von vier oder sechs Pferden gezogen werden, die so schnell

traben als sie nur können. Die singende Gesellschaft sitzt im Wagen

auf den Kleiderkisten der neugemietheten Dienstboten, und diese

werden bei jedem Wirthshause am Wege und bei der Ankunft im Pachthofe

vom Mannsvolke beschenkt. Wenige Bauern können mehr als drei oder

vier Strophen, gewöhnlich nur die erste, weil der Wagen sehr oft

stillhält zu einem Tränke u. man beim Weiterfahren immer wieder das

Lied von vorn beginnt, doch alle erklären und singen, dass sie nach

Ostland fahren, ohne eigentlich zu wissen wo Ostland liegt; einige

halten es für das Rosenland. Gewiss ist, dass man dies Lied seit

undenklichen Zeiten in den brabantischen Kämpen hört und es leidet

somit keinen Zweifel, dass uns dasselbe aus den Zeiten überliefert

ist, als tausende Vläminger und Brabanter nach Ostland d. i. nach

dem Norden von Deutschland auswanderten und dort Niederlassungen

für den Ackerbau gründeten. Bis in unsere Tage haben sie dort ihre

vlämischen Rechte und vlämische Sprache (vom 12. und 13. Jahrh. her)

mehr oder minder bewahrt.' Willems verweist nun auf die bekannten

Schriften von Eelking, Hoche und Wersebe über die niederländischen

Niederlassungen in Deutschland.

Trotzdem halte ich das Lied für weiter nichts als ein ursprüngliches,

später bezüglich gemachtes Liebeslied, [11] welches bei der von

Willems erwähnten Gelegenheit nebst andern Liedern gesungen wird,

denn die 5. Strophe

Ik hebbe de groene straten

zoo dikwyls ten einde gegaen

ist der Anfang eines anderen Liedes, so wie die 6. Strophe nebst

den folgenden wieder zu einem ganz anderen Liede gehört. Schon

Snellaert hat dies gefühlt und in seinen "Oude en nieuwe liedjes"

Nr. 75. Willems' Str. 5-13. als besonderes Lied mitgetheilt, freilich

mit dem nicht dazu gehörigen Anfange:

Ik hebbe de groene straten.

¶ 1, 1. Oostland erklärt Willems seiner Deutung des Liedes zu Liebe

durch Küstenländer der Ostsee. Oostland, oosterland ist jede einem

Volke östlich gelegene Gegend; so nannten die Niedersachsen das mit

ihnen östlich grenzende Land Osterland, die Osterfürsten sind die

sächsischen u. meißnischen Herzöge; ebenso verstanden die Baiern unter

Osterland hauptsächlich nur Österreich. u. Osterfranken hieß in der

alten Sprache das östliche Franken.--Das Streben, alles in ein graues

Alterthum zurückzuführen, um dadurch den Glanz des Volksstammes, dem

man eben angehört, zu erhöhen, scheint mir nur dann gerechtfertigt,

wenn sich unbestreitbare Beweise dafür ergeben, sonst lasse man die

Sache lieber dahingestellt sein, denn für das Verständniss wird dadurch

oft doch nichts gewonnen und jede Forschung verwirrt und erschwert.

¶ Nr. 106.

Niederländische Volkslieder · 第 113 / 217 题