Hier beginnt nun ein Abschnitt im Leben dieses sonderbaren Menschen, der
für ihn vielleicht die glücklichste Zeit bedeutete. Ihn zugleich aber
auch zum ersten Male vor den Ausgang aller Abenteuer früher oder später
stellte und um ein Haar in den Abgrund gerissen hätte.
Die Schwierigkeit der Erhellung der einzelnen Phasen seiner Entwicklung
liegt vor allem in der vollkommenen Abseitigkeit des Lebens, das Strauß
führte. Entweder er war eingesperrt hinter Kerkermauern. Dann schlief
sein dunkles Ich. Das Tier, die Haßinstinkte wandelten sich in der
Einsamkeit in den starken Trieb nach Bildung. Er studiert Sprachen,
Stenographie, Elektrotechnik. Schreibt Gedichte von einer seltsamen
Vollendung. Natürlich abhängig von den Dichtern, die er jeweils liest.
Sein künstlerisches Empfinden ist allerdings nicht originär. Aber er
besitzt angeborenes Formgefühl. Mit artistischer Gewandtheit weiß er
sich einzufühlen in Stimmungen und Rhythmen, die ihm geläufig bleiben.
Das Wort versagt ihm nie den Dienst. Wenn er will.
Die Tage der Freiheit sind mit wildem Tatendrang ausgefüllt. Es leidet
ihn nicht in der Enge der Wohnung. Arbeit kann er als Zuchthäusler und
berüchtigter Einbrecher ja doch nicht finden. Niemand würde ihn
aufnehmen. Niemand an seine Besserung glauben.
Für Menschliches bleibt da kein Raum. Er führt das Leben eines
Einsiedlers. Eines Fanatikers, der nur an seine Pläne denkt. In einer
eingebildeten Welt umherrast und ausbricht in die reale und dort Unheil
gegen sich und die Mitmenschen anrichtet. Zweifellos unterliegt er ganz
starken, unwiderstehlichen Trieben, die sein ganzes Denken absorbieren
und jede Erwägung über Gut und Böse lähmen. Insofern fällt er unter die
Menschen, vor denen sich die Gesellschaft schützen muß. Auf welche
Weise, ist allerdings nachdem einmal der Weg der Strafen beschritten
wurde, schwer zu sagen. Das Schicksal wollte, daß Strauß im gleichen
Moment, wo seine Tage Menschlichkeit und seine Züge den Ausdruck
allgemeiner Verfassung gewinnen, zu Fall kam.
Im Verlauf des großen gegen ihn und seinen Bruder geführten Prozesses
sagt er an einer Stelle:
„Wir sind auch in dieser Beziehung Außenseiter und Schwerverbrecher
einer Art, wie sie nur selten herumlaufen.