VII.

Hier beginnt nun ein Abschnitt im Leben dieses sonderbaren Menschen, der

für ihn vielleicht die glücklichste Zeit bedeutete. Ihn zugleich aber

auch zum ersten Male vor den Ausgang aller Abenteuer früher oder später

stellte und um ein Haar in den Abgrund gerissen hätte.

Die Schwierigkeit der Erhellung der einzelnen Phasen seiner Entwicklung

liegt vor allem in der vollkommenen Abseitigkeit des Lebens, das Strauß

führte. Entweder er war eingesperrt hinter Kerkermauern. Dann schlief

sein dunkles Ich. Das Tier, die Haßinstinkte wandelten sich in der

Einsamkeit in den starken Trieb nach Bildung. Er studiert Sprachen,

Stenographie, Elektrotechnik. Schreibt Gedichte von einer seltsamen

Vollendung. Natürlich abhängig von den Dichtern, die er jeweils liest.

Sein künstlerisches Empfinden ist allerdings nicht originär. Aber er

besitzt angeborenes Formgefühl. Mit artistischer Gewandtheit weiß er

sich einzufühlen in Stimmungen und Rhythmen, die ihm geläufig bleiben.

Das Wort versagt ihm nie den Dienst. Wenn er will.

Die Tage der Freiheit sind mit wildem Tatendrang ausgefüllt. Es leidet

ihn nicht in der Enge der Wohnung. Arbeit kann er als Zuchthäusler und

berüchtigter Einbrecher ja doch nicht finden. Niemand würde ihn

aufnehmen. Niemand an seine Besserung glauben.

Für Menschliches bleibt da kein Raum. Er führt das Leben eines

Einsiedlers. Eines Fanatikers, der nur an seine Pläne denkt. In einer

eingebildeten Welt umherrast und ausbricht in die reale und dort Unheil

gegen sich und die Mitmenschen anrichtet. Zweifellos unterliegt er ganz

starken, unwiderstehlichen Trieben, die sein ganzes Denken absorbieren

und jede Erwägung über Gut und Böse lähmen. Insofern fällt er unter die

Menschen, vor denen sich die Gesellschaft schützen muß. Auf welche

Weise, ist allerdings nachdem einmal der Weg der Strafen beschritten

wurde, schwer zu sagen. Das Schicksal wollte, daß Strauß im gleichen

Moment, wo seine Tage Menschlichkeit und seine Züge den Ausdruck

allgemeiner Verfassung gewinnen, zu Fall kam.

Im Verlauf des großen gegen ihn und seinen Bruder geführten Prozesses

sagt er an einer Stelle:

„Wir sind auch in dieser Beziehung Außenseiter und Schwerverbrecher

einer Art, wie sie nur selten herumlaufen.

Der Fall Strauß · 第 10 / 17 题