Natürlich war es Strauß nicht ohne weiteres möglich, diese Rede glatt
und ruhig von der Leber weg vorzutragen.
Der Staatsanwalt unterbrach ihn immer wieder und forderte ihn auf, zur
Sache, zum Bericht seiner Taten und deren Erklärung zu kommen. Man
wollte von ihm andere Töne, eine Entschuldigung, Argumente konkreter
Natur hören, die sich praktisch verwerten ließen ... sei es für oder
wider ihn.
Aber der Angeklagte ließ sich nicht beirren. Mit der Hartnäckigkeit des
Monomanen, von einer Idee besessen und ganz gebannt und überzeugt
brachte er seinen Vortrag zu Ende.
Natürlich fanden der Ankläger wie auch die Richter an dieser seltsamen
Verteidigungsrede, voller Selbstbewußtsein und wissenschaftlicher
Analyse, genügend Momente, die reizten und ärgerten. Niemand konnte sich
diese Verstiegenheit der Diktion, dieses buchmäßige und weltfremde
Wissen anders denn mit Heuchelei erklären. Und man machte aus dieser
Überzeugung keineswegs ein Hehl.
„In dem einen Jahr, das er in Untersuchungshaft saß, hatte der
Angeklagte hinreichend Zeit, sich diese Phrasen zurechtzulegen, und bei
seiner Schlauheit und Verstocktheit nimmt es nicht wunder, daß er diese
Apologie seiner Moral ohne mit der Wimper zu zucken, ohne ein Wort des
Bedauerns über die Lippen bringt. Seine grenzenlose Eitelkeit läßt ihn
die Realität, daß er als Angeklagter hier steht, vergessen.
Vor allem aber muß man sich wundern, daß er es fertig bringt, wo doch
seine Verbrechen klar zutage liegen, von ihm selbst eingestanden wurden,
immer wieder die Schuld auf andere zu wälzen. Nirgendwo die Erkenntnis,
daß er selbst der am meisten Schuldige.
Immer wieder diese häßlichen Verdächtigungen fremder Personen, vor allem
aber der eigenen Familie. Längst vergangene und vergessene Erlebnisse
der Kindheit, die gewiß bitter gewesen sein mögen, als Entschuldigung
für Verbrechen heranziehn zu wollen, die man als gereifter,
welterfahrener Mann begangen hat, übersteigt die Fassungskraft eines
jeden, selbst wenn er noch so sehr alle Milderungsgründe suchen und
erkennen möchte.
Das ist nichts weiter als eine pseudowissenschaftliche Objektivität, die
sich mit dem moralischen Begriff der Heuchelei deckt.“
So ungefähr lauteten die Argumente der Gegner, der Richter und Reporter.
Es war natürlich nicht anders zu erwarten.
Denn diese Rede, die in Wirklichkeit wie die Vorlesung eines Arztes über
erbliche Belastung und infantile und sexuelle Bindung klang,
enthielt keinerlei Erklärung im gemeinverständlichen Sinne der
Gerichtsverhandlungen, wo man an Tränen und Verzweiflungsausbrüche,
seien sie auch noch so einstudiert, gewöhnt ist. Oder an das dumpfe,
resignierte Verstummen unter der Macht der Tatsachen, gegen die der
schwache und zermürbte Mensch, wie er weiß, doch nicht aufkommen wird.
All das fehlt in dieser Verteidigungsrede des Emil Strauß, die als ein
Kuriosum die Runde durch alle Zeitungen machte.
Und doch muß man und kann man nur sagen, daß es in Anbetracht der
Intelligenz, der Empfindsamkeit dieses seltsamen Menschen, den das
Bewußtsein seiner Verbrechen wirklich deprimiert, unglücklich macht,
keine andere Möglichkeit für ihn gab, zumal da er von einem unbeugsamen
Stolz erfüllt zu sein scheint, der keinerlei Selbsterniedrigung mehr
erträgt. Er möchte einmal reinen Tisch machen mit seiner Vergangenheit,
sein Gewissen erleichtern, und zwar Auge in Auge mit der Bestie, mit der
er gerungen hat sein ganzes Leben lang: mit der Gesellschaft.
Seine Verteidigung ist in Wahrheit eine Anklage, und zwar die Anklage
eines Menschen, der um die Zusammenhänge besser Bescheid weiß, tiefer in
die Verstrickung des Lebens in Schuld und Verhängnis eingedrungen ist
als seine Ankläger. Es ist zugleich die Selbstanalyse eines Geistes, der
von diesem tiefen und erschütternden Erlebnis, daß durch seine Hände,
wenn auch unbedacht, ein Mensch sein Leben lassen mußte, zu tiefst
aufgewühlt, einen neuen Weg vor Augen hat und ihn beschreiten will mit
aller Energie, die einem Fanatiker, einem Büßer in Einsamkeit nur
innewohnen kann.
Alle Möglichkeiten dieses fruchtbaren und unermüdlichen, verwirrten,
gehetzten und zugleich klaren Geistes sind in diesem Vortrag enthalten.
Aus abgründiger, stärkstes Medium der Selbsterhaltung gewordener Ironie
heraus weiß er, daß es für ihn keine Rettung geben wird vor diesen
Menschen, die von Amts wegen berufen sind, zu verurteilen.
Für ihn lag damals schon ein anderes Wissen um die Welt und ihre
Zusammenhänge dicht vor Augen. Neues Wissen, neue Weisheit kann man
sagen, strömte aus der christlichen Lehre in dieses weite und willige
Gefäß. Verkehrte den Inhalt des Widerspenstigen, des Kämpfers um den
Sinn der Freiheit, der Gewalt nie weichend, in das Gegenteil:
Nachgiebigkeit, Verachten der Materie und der sinnenfälligen
Zusammenhänge.
Aus jedem Satze seines Bekenntnisses spricht neben der tiefen,
verschlossenen, vergrämten, vergrabenen Reue das Wissen um ein Anderes,
Unsagbares, Höheres.
Dieses Wissen ist seine privateste Erfahrung, sein jüngstes Gericht und
der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Das bedeutet vor allem der
isolierte und unmenschliche Ton der gedachten Worte.
Das ganze Elaborat will nichts anderes bedeuten als eine Korrektur am
eigenen Leben, eine Erleichterung, eine Enthüllung zu eigenem Nutzen und
zugleich eine boshafte, raffinierte ... Strafe am Körper der Justiz, die
ihn mit zehn Jahren zum ersten Male brandmarkte, ihm einen Verweis
erteilte, der ihn vorbestraft machte.
Von diesen Vorstrafen spricht er ebensowenig wie von seinen Verbrechen,
deretwegen er jetzt angeklagt ist. Sie existieren für ihn nicht, nicht
in seinem Leben, es sind Verhängnisse, die eine dunkle Macht, von der
Gesellschaft entfesselt, gegen ihn mobilmachte.
Vor allem haben sie jeden Sinn in seinem neuen Leben verloren, das
anknüpfen möchte an seine Jugend, die er mit der Rede heraufbeschwört.
Die aber den großen Riß nicht verbergen kann und will, der seine Seele
zerspaltete, als seine Mutter, die tiefe Bindung an alles Gute und
Schöne, starb. Mit ihr ertrank alles, was bis dahin noch einen Schimmer
von Wärme und Liebe bot in einem ekelhaften, unsauberen und verlogenen
Milieu. Dem er zwar überlegen und doch verfallen war, das nicht sein
Milieu und doch Gewalt über ihn gewann, dem er nicht entrinnen konnte.
Ein gräßlicher Zwiespalt öffnete sich zu Auswegen in Verbrechen, in
Diebstähle, Vagabundage und schloß sich immer zugleich mit Kerkermauern.
Die boten zwar Schutz vor den Gefahren, vor der eigenen Schwäche. Man
konnte lesen, lernen, Französisch, Englisch, Mathematik, Geschichte,
Literatur betreiben. Aber zugleich mit der enorm aufschießenden
Erkenntnis, mit der Überfülle des Wissens und dem Glauben an seine Macht
quoll auch die Bitternis über das verfehlte Leben empor. Die Sehnsucht
nach der Freiheit, nach der Geltung entsprechend den Qualitäten, die man
sich selbst in der eifrigen Arbeit an den Büchern bewiesen hatte.
Aber das Wilde, die Empfindsamkeit des Überreizten, des allzu
Ausgehungerten nach Leben und Freiheit überwältigt ihn sogleich, sobald
die überhitzten Häuser der Großstadt, der Tumult der Millionen ihn
umfängt.
Er bricht aus den guten Vorsätzen der Zelle aus. Der Trieb nach Macht,
dem der Geschwächte nichts Gleichwertiges an Beharrung entgegenzusetzen
hat, reißt ihn hastig und hastiger mit sich fort.
Immer wieder sind es schwere Einbrüche, die ihn aufs neue in den Kerker
bringen. Bei all diesen Taten ist das Seltsame, daß er nie Anstrengungen
macht, zu entkommen, zu leugnen, sich zu entlasten. Mit einer geradezu
Entsetzen erregenden Grausamkeit gegen sich selbst, mit fatalistischer
Gelassenheit sagt er trocken und offen die Wahrheit.
Er stiehlt aber er sagt die Wahrheit! Man kann jedes seiner Worte auf
die Goldwage legen. Keinerlei Beschönigungsversuche oder Verdrehungen
des Sachverhaltes finden sich in seinen Aussagen ... Mann gegen Mann
steht er gelassen für seine Taten ein. Dabei ist er sich über die
Schonungslosigkeit seiner Gegner vollkommen im klaren. Er gibt sich
keinerlei Täuschung hin und findet reichlichen Hohn über die freieste
Gerichtsbarkeit der Welt. Wie kaum ein Zweiter hat er sie am eigenen
Leibe gespürt, seit der frühesten Kindheit schwingt sie die Geißel über
seinem Haupte.
Als unverbesserlicher Einbrecher, dem es zur zweiten Natur geworden
scheint, fremdes Eigentum zu rauben, wird im Jahre 1911 zum ersten Male
Zuchthaus gegen ihn verordnet. Er war damals vierundzwanzig Jahre alt.
Saß die drei Jahre ab. Ohne Klage, ohne einen Verweis. Wird entlassen
und begeht sofort einen neuen Einbruch. Wird erwischt und wiederum zu
drei Jahren Zuchthaus verurteilt.
Sitzt auch diese Strafe ab und wird im Jahre 1917 entlassen.
Hier tritt eigentlich der jüngere Bruder, Erich Strauß, zum ersten Male
deutlicher in Erscheinung.
Denn jetzt erhält der Kampf des Älteren einen doppelten Sinn. Wie ein
Wilder setzt er alles ein, um seinen Bruder, der in der Entwicklung
zurückgeblieben, an epileptischen Anfällen leidet, schwerhörig ist, vor
dem gleichen Schicksal, dem er selbst verfallen scheint, zu bewahren.
Auch Erich hat sein gerüttelt Maß Strafen hinter sich. Aber es sind wohl
zumeist geringere Delikte, wenn auch Diebstähle, die ihn ins Gefängnis
brachten. Zusammen wohl zwei bis drei Jahre.
Erich erscheint neben seinem Bruder als der Unbedeutendere, der
Ungeistige, und der Gewalt des Fanatikers durchaus hörig.
Aber zugleich ist er auch der Unglücklichere, durchaus bedauernswert,
von Natur und durch Verhängnis an die Spuren eines in allem ihm
überlegenen Menschen, des Einzigen, den es auf der Welt für ihn gibt,
gekettet. Emil war für den Jüngeren Vater, Mutter, Bruder und Gott
zugleich. Wußte er sich in Not, saßen ihm die Häscher auf den Fersen,
erfand der Ältere den Ausweg. Rettete ihn aus dem Polizeipräsidium, aus
dem Zuchthaus. Schwur, ihn zu befreien, und hielt Wort.
Dadurch gewinnt der Kampf, den Emil Strauß im Jahre 1917 begann, ein
neues Gesicht.
Er ließ alle Bedenken fallen. Lebte in einer Welt, die keine war. In
einem Schema, einem Irrgarten, in dem man Verbrechen rächt, die gestraft
werden sollten. Strafen treiben ihn nur noch weiter.
Wie ein Hohn klingt es, wenn man bedenkt, daß er zur Erlangung guter
Einbrecherwerkzeuge in das Kriminalmuseum selbst einbricht und sich mit
allem versieht, was er zu seinem Erwerb braucht. Aus der Motivierung
dieses Einbruches, die er der Polizei gibt, erhellt ohne weiteres, daß
er sich seiner Überlegenheit voll bewußt ist und er unterstreicht
doppelt die Ironie, die er den Behörden gegenüber immer an den Tag
legte. Er sagte nämlich: „Wenn Ihr schon ein so hübsches Museum
einrichtet und Reklame dafür macht, müßt ihr auch gestatten, daß wir es
auch mal besuchen und uns anschaun.“
Dieser Diebstahl hat ihm die Sympathie der Behörden verscherzt. Diese
fühlten sich irgendwie in ihrer Ehre gekränkt und hetzten jetzt mit
allen Mitteln hinter ihm her. Es gelang ihnen zunächst, des Schwächeren,
des Bruders, habhaft zu werden.
Erich befindet sich im Polizeipräsidium. Steht in Bewachung eines
Polizisten auf einem der Korridore. Verhör auf Verhör, alle Fallen
vermochten ihn nicht zu fangen. Er wird den Namen, den Aufenthalt seines
Bruders nicht nennen und wenn sie ihn in Stücke reißen. Mit dem Instinkt
des Blutes, das in ihnen lebendig, hüten sie den Namen ihrer Freunde,
als sei es ihr eigener.
Erich wartet.
Da nähern sich Schritte über den hallenden Korridor. Ein hoher Mann in
der Uniform eines Justizwachtmeisters tritt an den Häftling und dessen
Begleiter heran, weist sich aus, übernimmt den Gefangenen, um ihn zum
Untersuchungsgefängnis zu transportieren.
Die beiden verlassen das Präsidium, verlassen die Straße, die Stadt, sie
sind wie vom Erdboden verschwunden. Es war niemand anders als Emil, der
diesen Geniestreich ausheckte und durchführte.
Einem Hauptmann von Köpenick gelang es, die willenlosen, militärisch
subordinierten Seelen einfacher Soldaten im Vertrauen auf die Allmacht
der Uniform zu düpieren und ganz Europa in heiterstes Gelächter zu
versetzen. Er lief weiter keine Gefahr, als daß er wegen Diebstahls
eingelocht wurde. Hatte sonst ein reines Gewissen und Humor.
In diesem Falle aber mußte alles klappen oder alles war verloren. Denn
gerade ihn suchten sie. Hinter diesen Türen lauerten seine schlimmsten
Feinde. Irgendeine dieser Türen brauchte sich zu öffnen. Irgendein Blick
dieser scharfen Augen seine Miene bloß zu streifen ... und beide waren
verloren. Da gab es keine Wehr und kein Entrinnen.
Aber das Unmögliche gelang. Alle Berechnungen stimmten. Die Korridore
lagen leer und unbewacht, die Menschen, die ihm begegneten, hielten ihn
für einen Kollegen und grüßten womöglich. Aus ureigenstem Studium kannte
er Schritt und Haltung eines Justizbeamten. Mit ewig geneigtem Kopf, der
von Namen und Daten und Zahlen und Terminen raucht, schreitet der so
Beamtete hastig und doch schlendernd seines Wegs.
Natürlich hatte er seine Helfer. Denn fragen durfte er nicht. Er mußte
wissen, daß um zwölf Uhr mittags da und da der Beamte mit dem Gefangenen
Erich Strauß auf den Abtransport warten würde.
Blieb nur das Problem der eigenen Haltung.
Die Uniform stimmte. Die Papiere ebenfalls.
Und seine Nerven hatte er in der Gewalt. Das Bewußtsein seiner
Überlegenheit und seiner Mission ließ Zweifeln oder Angstgefühlen, nicht
einmal klaren Gedanken über die Möglichkeit des Mißlingens Raum.
Es mußte sein, und so kannte er weder Furcht noch Zaudern. Übernahm
ordnungsgemäß seinen geliebten Bruder und entführte ihn.
Allerdings nicht lange.
Denn jetzt setzten die Behörden alles in Bewegung. Es gab einen Kampf um
die Ehre, Mann gegen Mann. Wer der Stärkere war.
Natürlich konnten sie diesem Ansturm nicht lange widerstehn. Das Gericht
machte ihnen kurzerhand den Prozeß und schickte sie auf zehn Jahre oder
mehr nach dem Zuchthaus.
Hier ist nun der Ort, wo eigentlich das Leben des Emil Strauß und seines
Bruders, die beide nur ein einziges bilden, mit doppelten und dreifachen
Gliedern und Kräften sozusagen, seinem Höhepunkt entgegenreift.
Das Duell zwischen der Intelligenz des Verbrechers und der Intelligenz
der Polizei hatte bereits rein persönliche Züge angenommen.
Die Beamten kannten ihre Brüder und die Brüder kannten die einzelnen
Jäger und ihre besonderen Fähigkeiten genau. Man gehörte zu einer
Familie und setzte sich im Guten oder Bösen auseinander.
Emil Strauß gab den Kampf keineswegs auf. Aber er brauchte Zeit. Er
mußte die Wärter in Sicherheit wiegen. Dank seiner Lammsgeduld, seiner
guten Manieren hatte er es bald erreicht, daß man ihm weniger scharf auf
die Finger sah. Seine ewig gleichbleibende Freundlichkeit hatte etwas
Entnervendes, Einschläferndes.
Zwei Jahre hielt er es in Naugard aus.
Dann zersägte er die Gitterstäbe, kletterte über die Mauern. Wenige
Stunden später war er wieder in Berlin.
Hier möchte ich eine kurze Charakteristik über Emil Strauß, die wohl auf
diese Zeit seines Lebens Bezug hat und die sein Verteidiger, Herr Dr.
Carl Loewenthal-Landegg, im „Tagebuch“ veröffentlichte, einflechten. Sie
eröffnet eine merkwürdige Perspektive über den Denkprozeß unseres
Helden. Offenbar gibt es für ihn oder gab es zumindest so etwas wie das
legale Verbrechen oder Notwehr des einzelnen im Kampfe gegen den Staat.
Eine Art von Urfehde mag ihm da vorgeschwebt haben. Irgendwo in dem
Gefüge der Gesetze mußte es doch eine Masche geben, durch die ein
gewandter „Jurist“ entschlüpfen konnte. Mit der höchsten Aggressivität
gegen alles, was Gericht und Polizei hieß, scheint er eine subtile
Kenntnis der einzelnen Paragraphen und so etwas wie Respekt vor dem
Gewerbe des Anklägers zu besitzen. Beide leben von derselben Materie. Es
fragt sich nur, wer am ersten dabei zu Grunde geht.
„Vor Jahren sah ich ihn zum ersten Male in meiner Sprechstunde ... Ein
eleganter, hoch aufgeschossener Kavalier; tadelloser Gehpelz und
modernster Zylinder, den geschmackvollen Spazierstock in der
wildlederbekleideten Hand. Er bat mich in ruhigem, vornehmem Tone,
seinen Namen verschweigen zu dürfen: nur eines Freundes wegen komme er,
der sich infolge eines Konfliktes mit dem Gesetze verbergen müsse.
Ob ich ihm über gewisse Auslieferungsverträge Auskunft geben könne. Ich
mußte die Antwort als „Rechts“-Anwalt ablehnen. Aber dann sprachen wir
weiter über allerhand Fragen aus dem Strafrecht, und ich bewunderte
seine Kenntnisse. Einer vom Fach, dachte ich mir ... vielleicht ein
gescheiterter Referendar oder ausgeglittener Assessor. Dem widersprach
ein Etwas, über das ich mir im Augenblick nicht klar wurde ...
Das Gespräch und sein Abschied sehr korrekt; nur alles sonderbar zögernd
...
Bald darauf hörte ich von einem der Schwerklienten, daß es Emil Strauß
war: ... wieder einmal nach dem Ausbruch und eifrig gesucht ...“