MITTERNACHTSKANTATE AN ALLE VERLASSENEN

Ihr nächtlichen Kavaliere, stahläugig mit Blicken der einsamen

Steppenhyäne,

Ihr Demoisellen, vom Monde bläulich getüncht, in frevelhaftem Karmin

erstrahlend auf Lippen und Wange,

da Euer Atem schwer geht durch Finsternis und bittersüß duftet wie

traurige Nachtschattenblüte,

werf' ich Euch zu den schwarzen Ball meiner Rede, daß Ihr ihn fahet,

Ihr guten und willigen Fänger.

Oh, Ihr Kinder der Zahl, nur der Mächtige über die Zahl kann Euch

erlösen!

Aus dem Vielen stammt der Tod und die Heerschar der Grenzen ist

schwer zu überwinden.

Aber im täglichen Orgelgetöse der Städte seid Ihr Vielfältigmacher

und Hüteschwenker,

Tat schmiedet bleierne Ringe um Euere Augen und sitzt vermessen in

Euerem kecken Monokel.

Denkt an die Einfalt der Wimpel, die fremd auf Fregatten in

mystischen Ozeanen

unkundig sind des Steuermanns und der tönenden Häfen der Heimkehr!

Safrangelb strahlt ihnen fernher der ewige Leuchtturm aus dem Gefärb

der Nächte,

doch unerreichbar schwimmt er dahin und maßlose Meerfahrer sind sie

im Dunkel.

Denkt, hinter den schwarzen Vierecken der Fenster nisten noch viele

Schläfer in sorgloser Atemschwebe:

Ausgenommen sind die Schläfer von allem Gericht. Wer stände auf und

fügte dem Schlafenden ein Unrecht?

Die Wasser der Träume schlagen leise an ihren Strand und etwas

lächelt immer über ihr Antlitz

und viel Demut findet Ihr in ihrem Wagrechtliegen, denn alles

Aufrechte hat die Richtung zur Sünde.

Nächtlich gelehnt an bronzenen Kandelaber bin ich gepflanzt Euch

allen ein tröstlicher Versammler.

Denn auch der spitzbärtig schleichende Detektiv hat eine Seele

tiefbrausend in allen Registern.

Oh, Ihr alle, breitet Euere Taten auf das Pflaster und setzet Euch

in einen guten Kreis

und sehet aus grauen Streifen falben Gedächers den Morgen aufsteigen

in warmer und zärtlicher Röte.

Sturz der Verdammten: Gedichte · 第 31 / 37 题