UNTERWELTLICHER PSALM

Es müht sich der Reisende am Morgen in Vielfalt des Aufbruchs und

Hoffnung ferner Sonnen,

wer aber mitternächtig heimkehrt, schleppt hinter sich das doppelte

Bewußtsein seiner Armut.

Denn nur dem ruhig Sitzenden, dem Denker auf dem Steine ist die

Erkenntnis beschieden,

nicht als Tochter der Begebenheiten, sondern als Weh, urtief

aufkeimend, gegenstandslos und ohne Maß.

Ich sehe den klagenden Obolos zwischen verwesten Lippen wehmütig

schaukeln:

Oh, wie lächle ich über den Schmerz von außenher, den Schmerz der

Liebe, des Hasses und der Versagungen der Erde,

den unzulänglichen Schmerz der flehenden Hand und des dunkel

umfriedeten Auges,

nicht zu vergleichen der schwarzen Bitternis der königlichen

Schwermut, die ohne Leib geboren ist und tränenlos waltet.

Denn nur die Verdränger der Zeit aus ihrem Herzen, und die den

sausenden Raum in ihre Brust gespannt,

einwärts bogen den Tritt und das Schwarze des Auges hinwarfen in den

verlassenen Schacht ihrer Seele,

wissen ihr fernes Reich und die siebzehn Flüsse des Jammers, die es

umschlingen. Aber die Wandernden alle

schreiten lieber, die Palmenträger, durch Tore des Lichts und der

Freude.

Sturz der Verdammten: Gedichte · 第 27 / 37 题