II.

Weh uns, weh der Schwere, Schwere schwer ohne Boden, ohne Rast,

weh uns, weh dem Sturze, unendlich entfielen wir Deiner Verneinung,

Herr.

Grenze setztest Du, Tod und Verwandlung,

durch tausend Verwandlungen ewig stürzen wir totwärts ins Dunkel.

Unser Fall ist ab und auf, rechts und links, ohne Gegend, ohne Raum,

unser Maßloses hast Du zerrissen zu Vielfalt, verklebt in

schmerzlichem Widerspiel,

unser einiger Strahl brach sich an Deinen Flächen und sonderte sich

in schwirrende Weltensysteme.

Wehe, wer nimmt von uns Antlitz verzerrt und bresthaft,

Verfluchung unserer Schönheit, die sich aufbaut wie Hohngelächter

eines anderen Gottes.

Verfelst sind wir gleich Erzadern in die Kurzatmigkeit Deiner

Ordnung.

Mit Dir, Gott, Palisade, haben wir uns gegen uns umgürtet.

Siehe, es ist Frühling, bunter Frühling und alle Frauen werden

schön.

Siehe, es ist fahle Herbstzeit und das Gewässer orgelt klagend im

Haine.

Soweit ich mich weite in Unmaß der Mitternacht, die smaragden sich

auftut:

Zerspalten bin ich in Du und Ich, in Sinn und Gebilde.

Dieses ist unser Sturz, den niemand von uns nimmt, der Sturz der

Verdammten:

Gefesselt sind unsere Häupter an diese Scholle Ordnung, die lastend

uns mitreißt.

Wissend zu sein, ward uns nicht, Unwissenheit ward uns nicht,

wie flackernder Pechkranz, geschleudert ins Dunkel versinkt unsre

Seele.

III.

(Chor der Pferde)

Aus Mühsal der Verschirrung, spitzem Hetzwort, dröhnenden Asphalten,

aus Häuserflucht, die engend uns umwölbt und dem Getön der

kriegerischen Städte

auf leisem Floß entglitten wir durch fieberndes Gewässer, drauf der

Mond

wie eine Flöte hing, die blanke Münzen in die Wellen träuft.

In diesem Weideland, umsäumt von dem Kristall der Nacht

(Aquamarin ertönt, Topase lächeln da und dort),

in sanften Umriß hingelagert träumen wir durch Stundenflut,

der Hufe Munterkeit ist eine Herde bunten kleinen Feldgetiers.

In Stollen eingekantet und genährt von Fäulnis, drein sich böses

Wort wie giftger Ampfer mengt,

war unser Herz ein schwelend Grubenlicht, gehängt an rauhe Klippen,

wo kein Halm ergrünt.

Wir barsten in Kolonnen wiehernd schreckenvoll und türmten uns zu

schauerlichem Babel der Vernunft.

Wir brachen ein in fahler Vorstadt sonndurchglüht und großer Zulauf

zerrt an uns und Polizist.

O Mensch, in Schwere eingebettet, Schwankung zwischen Auf- und

Niedergang,

Verwandlung, reinlich abgeteilt vom Grenzenlosen, angeufert an das

Nichts,

in sich gesondert weh in Ja und Nein, Versagung pflanzend in das

Herz der Welt,

o Mensch, abreiß ich alle Riegel, weh, was zerrst Du meinen wunden

Leib.

Satanisch ist Dein Thule, abgeebbt von Gott!

Versargt in schiefgefügte Satzung taumelst Du durch Maskenwirrsal

unverwandt,

indessen er, pfadlos und süß im Zittern unserer Weichen bebt,

parforcegehetzt von Dir, blutroter Reiter im Geheimnis Deiner Welt.

Sturz der Verdammten: Gedichte · 第 8 / 37 题