An Et. Geoffroy und die französischen Physiologen schließt mit einer
eklektisch gehaltenen vergleichenden Physiologie 1839 +A. Dugès+
(1797-1838, Professor in Montpellier) an. Hatte Et. Geoffroy die
Ansicht vertreten, die Gliedertiere entsprechen den Wirbeltieren
unter Umkehrung von Rücken und Bauch, so suchte Dugès im Anschluß an
die 1827 erschienene Monographie des Blutegels von +Moquin-Tandon+
die Übereinstimmung des Baues vom gesamten Bauplan in die Teilstücke
des Körpers, die Zooniten (Somiten) zu verlegen. Dadurch, daß er auch
die Radiaten aus solchen Zooniten bestehen läßt, wurden die Klüfte
zwischen den vier Cuvierschen Tierstämmen überbrückt und Dugès wird
zum Metamerentheoretiker für die Invertebraten. Zugleich aber wird
durch ihn die Frage nach der tierischen Individualität aufgerollt. Als
vergleichender Anatom reiht sich hier ein +A. Serres+ (_1786-1868, von
1839 an Professor der vergleichenden Anatomie am Museum_), der um die
vergleichende Anatomie und Physiologie, insbesondere des Nervensystems,
hervorragende Verdienste hatte. Einen gewissen natürlichen Abschluß
der Geoffroyschen Schule bildet der Sohn Etiennes, +Isidore Geoffroy
St. Hilaire+ (_1805-61, seit 1841 Professor am Museum_). Aufgewachsen
in der großen Tradition von Jugend an, ebensowohl nach der empirischen
wie der philosophischen Seite ausgebildet, ein glänzender Stilist,
hat er in seiner ~Histoire naturelle générale~ (1854 bis 1862) die
vielleicht sorgfältigste Eingliederung der allgemeinen Zoologie in den
Kreis der Wissenschaften unternommen, leider nicht ohne von Comtes
Philosophie beeinflußt zu sein. Wie +H. Milne-Edwards’+ vergleichende
Physiologie für Cuviers Richtung abschließende Bedeutung besitzt,
so dieses Werk für die Richtung Geoffroys. Aber noch mehr: beide
ergänzen sich zu einer Einheit, die nicht nur eine Basis für die
nachfolgende französische Zoologie geworden ist und ihr eine erneute
Aufsplitterung erlaubte, sondern die auch noch für die Zukunft den
vollkommensten wissenschaftlichen Querschnitt der Zoologie einer
bestimmten Periode gibt. Isidore Geoffroys Bemühungen galten im
übrigen dem Transformismus, insbesondere der Haustiere, und mit der
von ihm gegründeten Akklimatisationsgesellschaft wurde der bisher
ansehnlichste Vorstoß in der Richtung der Züchtungslehre unternommen.
So gehört denn auch Isidore Geoffroy nicht nur zu den unmittelbaren
Vorläufern Darwins, sondern er wurde von diesem auch als solcher
rückhaltlos anerkannt. Aber auch sonst ist kaum eine Frage der Zoologie
zu nennen, die nicht von ihm mit der größten Erudition behandelt worden
wäre. Ein biographisches Meisterwerk hat er uns über seinen Vater
hinterlassen (1847).