1. Praktische und theoretische Organisation der Zoologie.

Mit der Würdigung der Objekte, über die man schrieb und lehrte,

stellte sich früh schon das Bedürfnis ein, +Sammlungen+ anzulegen.

Hierin gingen den Zoologen die Botaniker voran, da sie es mit leichter

zu konservierenden Objekten zu tun hatten. +Clusius+ von Arras

und +Aldrovandi+ werden als erste zoologische Sammler aufgeführt;

jedenfalls nahm im 17. Jahrhundert die Lust zum Sammeln zu und

in allen Kuriositätenkabinetten fanden sich neben allen anderen

Gegenständen auch zoologische ein. Befördert wurde das Sammeln durch

den Zusammenschluß der Gelehrten zu Gesellschaften und Akademien, die

der Pflege der Sammlungen besonders oblagen. Vielfach wurden von diesen

Sammlungen ausführliche und illustrierte Kataloge publiziert, so von

der des Collegium Romanum 1678 und der Royal Society von London 1681;

doch lag die Konservierungskunst noch zu sehr im argen, als daß der

Wissenschaft bleibender Gewinn aus diesen Versuchen erwachsen wäre.

+Gelehrte Gesellschaften+ entstanden zuerst in Italien, aber auch in

Deutschland, wo einige Ärzte 1651 sich zuerst zu der später (1677)

privilegierten ~Academia Naturae Curiosorum~ zusammentaten, um sich

mit Naturgeschichte zu beschäftigen, und in England, wo seit 1645 die

Anfänge der Royal Society existierten. In dieselbe Zeit fällt die

Gründung der Académie des Sciences in Paris, die die hervorragendste

Zentrale gerade für zootomische Publikationen wurde. Diesem Vorbilde

der großen Kulturzentren folgten alle bedeutenderen Städte, in denen

Wissenschaft gepflegt wurde. Sie hatten den Vorzug, daß sie den

Gelehrten teure Materialien zugänglich machten, wozu auch die Gründung

von Menagerien, besonders des ~Jardin du roy~ unter Ludwig ~XIII.~,

beitrugen.

Der +praktischen Organisation zoologischer Forschung+ ging die

+theoretische+ zur Seite. Der Stoff hatte nachgerade unheimliche

Dimensionen angenommen; aber er lag chaotisch da. Es fehlte vor allem

an einem Unterscheidungsmittel rein äußerer Art für das Ähnliche und

doch konstant Verschiedene! Andererseits machte sich das Bedürfnis

geltend, die Gesamtheit des Bestandes an Tieren und Pflanzen nach einem

natürlichen Prinzip, wie es die Botaniker schon seit der Renaissance

suchten, zu ordnen. Dazu kam die solchen Strömungen günstige

Zeitstimmung. Die Organisation der Kirche hatte unter den Jesuiten den

Höhepunkt erreicht, Ludwig XIV. organisierte den Typus des europäischen

Staates, Leibniz den des philosophischen Systems; braucht man sich

da zu wundern, daß sich der Drang nach Organisation der Kenntnis von

den Lebewesen, die den größten Bestand an damals bekannten konkreten

Objekten darstellten, in gesteigertem Maße geltend machte?

Geschichte der Zoologie · 第 41 / 75 题