+John Ray+, geboren 1628, studierte von 1644 in Cambridge Theologie,
traf dort den etwas jüngeren +Fr. Willughby+ (1635-72) mit dem er
sich intim befreundete, verlor als Nichtkonformist 1662 seine Stelle
am Trinity College, reiste auf dem Kontinent 1663, zog sich von
1669 ab zu Willughby zurück, übernahm von 1672 an die Erziehung von
Willughbys verwaisten Kindern, gab 1675 Willughbys Ornithologie, 1682
seine ~Methodus plantarum nova~, 1686 seine ~Historia plantarum~,
1693 seine Synopsis der Vierfüßer heraus und starb 1705. Um sich von
Rays Gedankenkreis eine Vorstellung zu machen, muß man wissen, daß
er Griechisch konnte, ohne bindende Verpflichtungen sich ganz seinen
Aufgaben widmete und ein vielgelesenes Buch schrieb, worin er die
Weisheit Gottes aus der Schöpfung bewies.
Rays Verdienste liegen fast vollständig auf methodischem Gebiete
und gehören der gesamten Biologie an. Aber er beschränkte sich
nicht darauf, seine Prinzipien aufzustellen, sondern er betätigte
sich auch an den größten Gruppen der Lebewesen. Den Zeit- und
Streitfragen der damaligen Biologie durchaus nicht fremd, suchte er
in entgegengesetzter Weise wie die Mechanisten die Vereinfachung des
biologischen Tatbestandes zu erreichen, Übersicht und Ordnung in die
Mannigfaltigkeit tierischen Lebens zu bringen. Dabei lehnt er sich in
höherem Grade, als dies seit Cäsalpin der Fall gewesen war, bewußt
an Aristoteles an, sowohl in den allgemeinen Ausführungen über das
Tier, wie auch im speziellen Modus der Gliederung der Tierwelt. Die
beifolgende Übersicht bringt, abgesehen von der Erwähnung der Manati,
geradezu nur den klassifikatorischen Inhalt der Aristotelischen
Schriften in tabellarischer Form. +Ray+ scheute sich geradezu, die
Wale den Säugetieren einzureihen, weil Aristoteles es nicht getan
hatte, oder er behält die Bezeichnung genus für die größeren Gruppen
bei, ohne deren Stufenfolge entsprechend zu charakterisieren. Und doch
besteht ein großer Fortschritt: +Ray+ machte die Klassifikation zu
einer selbständigen wissenschaftlichen Aufgabe; dadurch allein wurde
der durch den Zuwachs an neuen Objekten drohenden Verwirrung Einhalt
geboten. Sodann vollzog sich in +Rays+ Arbeiten wieder einmal der
Prozeß, daß ihm für die Einteilung die Formmerkmale wichtiger wurden,
als die Funktionsmerkmale, ohne daß er sich dessen bewußt war. Es
war ein rein praktisches Verdienst Rays, daß er die Art (Spezies)
definierte und gewissermaßen zur Norm, zur kleinsten Einheit des
Systems erhob. Er selbst faßte die Feststellung des Artbegriffes als
ein Hilfsmittel der Klassifikation auf. „Welche Formen der Spezies nach
verschieden sind, behalten diese ihre spezifische Natur beständig, und
es entsteht die eine nicht aus dem Samen einer andern und umgekehrt.“
Nun ist aber dieses Zeichen der spezifischen Übereinstimmung, obschon
ziemlich konstant, doch nicht beständig und untrüglich. Denn „daß
einige Samen degenerieren und, wenn auch selten, Pflanzen erzeugen,
welche von der Spezies der mütterlichen Form verschieden sind, daß
es also bei Pflanzen eine Umwandlung der Spezies gibt, beweisen die
Versuche“. Es lag also vollkommen außerhalb der Absicht Rays, dem
Artbegriff die dogmatisch starre Deutung zu geben, welche später
beliebte. Seine Klassifikation kann hier nicht im einzelnen verfolgt
werden, doch traf sie schon durch Anwendung des Aristotelischen
Grundsatzes, Ähnliches zusammenzustellen und Unähnliches zu trennen,
bei dem erweiterten Tierbestande, der jetzt vorlag, vielfach das
Richtige und bedeutete im einzelnen einen wichtigen Schritt vorwärts.
Bei den Insekten gründete Ray im Anschluß an Swammerdam die Einteilung
auf den Vollkommenheitsgrad der Metamorphose. Ray überging den
Menschen im Gegensatz zu seinen sonstigen Anlehnungen an Aristoteles
vollständig. Er brach dagegen zuerst mit der Tradition, welche die
alten Fabelwesen mitschleppte, und nahm nur positiv erwiesene Tiere in
seine Verzeichnisse auf. Er dehnte seine Tätigkeit jedoch innerhalb
der Wirbellosen nicht über die Insekten hin aus. +Martin Lister+,
sein Freund, behandelte nach Rays Prinzipien die Mollusken. Hier mag
auch noch +W. Charleton+ (1619-1707) um seiner Verdienste für die
Nomenklatur willen aufgeführt sein. Er suchte zuerst einer zweckmäßigen
Terminologie für die verschiedenen Eigenschaften der Form, Farbe usw.
Eingang zu verschaffen.
Allgemeine Übersicht der Tiere (1693):