Aber auch auf andern Gebieten regte es sich mächtig. Die Beschreibung
neuer Lebewesen, besonders im Anschluß an +Reisen in ferne Länder+,
die Wirkung der zu Beginn der fünfziger Jahre einsetzenden Literatur,
die engere Fühlung der Zoologie mit der Anatomie des Menschen, die
sich nur sehr allmählich und gelegentlich herstellte, beherrschen den
nachfolgenden Zeitraum. Dabei löst sich die Schilderung des Tierreichs
allmählich in die seiner einzelnen Abteilungen bis zur +Monographie
wirklicher und fabelhafter Geschöpfe+ auf. Als eine vorzügliche Arbeit
dieser Art ist +Ruinos+ Schilderung des Pferdes zu nennen (1598). Die
Tradition mit den antiken Schriftstellern lockert sich, je mehr man
in der Beobachtung sich über sie erhob. Doch hatte man es in dieser
Hinsicht wiederum nicht so weit gebracht, um ein wirklich historisches
Urteil über sie zu gewinnen. In der Zootomie klebte man noch immer
an den von der menschlichen Anatomie und Physiologie gestellten
Problemen, die man noch ganz im Sinne des Galenismus mit Hilfe der
Untersuchung der Tierwelt zu lösen hoffte. Inzwischen war die Reaktion
gegen die Reformation eingetreten und legte den Naturforschern die
größte Zurückhaltung auf. Von Forschern des 16. und 17. Jahrhunderts
mögen, ohne daß ihnen auf die innere Entwicklung dieser Wissenschaft
eine große Bedeutung zukäme, sondern mehr, weil sie als Sammler und
Beschreiber Neues beitrugen, hier noch folgende Leistungen genannt
werden: +Olaf der Große+ (1555), +Michovius+ (1532) und +Herbenstein+
(1549) schildern die Tierwelt Skandinaviens und Rußlands. Um die
Kenntnis der vorderasiatischen und afrikanischen Landtiere machte sich
der obengenannte +Belon+ verdient. +Clusius+ von Arras, +Oviedo+
und +Hernandez+ trugen zur Kenntnis der amerikanischen Lebewelt bei.
+Piso+ und +Marcgrav+, welche Brasilien, sowie +Bontius+, welcher in
Verbindung mit letzterem die ostindische Fauna bearbeitete, fallen
schon in die Mitte des 17. Jahrhunderts. Auf die Arbeiten über einzelne
Tiere kann hier nicht eingegangen werden, aber beispielsweise mag
angeführt werden, daß den Schlangen dickleibige Bände gewidmet wurden,
ferner den brieftragenden Vögeln, dem Elefanten, dem Pferd, dem Orang,
dem Nilpferd; aber auch dem Einhorn, dem Phönix ganze Monographien.
Noch hatte +Cäsalpin+ dem Aristoteles die stärksten Anregungen für
seine botanisch und damit allgemein biologischen Ausführungen entnommen
und Aldrovandi um dieselbe Zeit von Hippokrates die Anregung zu
methodisch angeordneter Embryologie empfangen, dann wurden die antiken
Autoren vergessen oder um unrichtiger Angaben willen bekämpft. Anstatt
derselben organisierte sich nunmehr eine „+biblische Zoologie+“, die
zu bedeutendem Umfange anschwoll. In lehrhaftem, moralisierendem Tone
pries man den Schöpfer um der an den Tieren offenbarten Weisheit
willen, die unvernünftige Kreatur wurde dem sündhaften Menschen zum
warnenden Beispiel vorgehalten, dem Geistlichen zur Bereicherung seiner
mit der Reformation beginnenden Redefron durch Symbolistik aller Art
Gelegenheit gegeben. Die Tierwelt, die im Vordergrund des Interesses
dieser Richtung stand, war die der Bibel. Dadurch kam es dann auch
gelegentlich zu jenen höchst gelehrten Ausführungen über die biblische
Tierwelt in jeder literarischen Richtung; die Typen hierfür sind +S.
Borcharts+ ~Hierozoicon~ (1663) und +Athan. Kirchers+ ~Arca Noe~
(1675). Die übrige hierher gehörende Literatur, die bis tief ins 18.
Jahrhundert reicht, ist würdig, vergessen zu werden.