3. Griechische Zoologie nach Aristoteles.

Noch hatte nach Aristoteles Theophrast das Lebenswerk seines

Lehrers nach wesentlichen Seiten hin ausgebaut und ergänzt. Nach

der zoologischen Seite war er zweifellos tätig, doch ist von ihm

nur ein Buch erhalten, nämlich dasjenige, welches als das IX. der

Tiergeschichte von Aristoteles gegolten hat, das aber keineswegs mehr

auf der Höhe des Meisters steht. So gingen denn die von Aristoteles

aufgestellten und teilweise durchgeführten Grundsätze verloren,

unverstanden und unbenützt, geschweige daß sie weiter verfolgt,

erprobt, ausgebaut worden wären. Die von ihm zum wissenschaftlichen

Prinzip erhobene Verknüpfung von Anatomie, Physiologie,

Entwicklungsgeschichte des gesunden und kranken Organismus lockerte

sich rasch. Die Tierwelt zog nicht mehr als wissenschaftliches Objekt

an, sondern interessierte nur noch mit Beziehung auf den Menschen,

seine praktischen, dekorativen oder magischen Bedürfnisse.

Es sind nur wenige Stätten, an denen die antike Biologie auslebt:

Alexandria, Rom, Pergamon. In Alexandria erwiesen sich die

Ptolemäer, namentlich der zweite, Philadelphus, und der siebente,

naturwissenschaftlichen Studien günstig. Neben Büchern über Jagd und

Fischfang verdient der Vogelkatalog von +Kallimachos von Kyrene+ (ca.

310-325) Erwähnung, ferner die umfangreich erhaltene Tiergeschichte des

+Aristophanes von Byzanz+ (ca. 257-180), die wesentlich durch Auszüge

aus Aristoteles, Theophrast u. a., nicht ohne Fabeln aus Wunderbüchern,

aber auch wahrscheinlich im Anschluß an die alexandrinischen Sammlungen

entstanden. Ebenfalls zur Grundlage für seine Wundergeschichten

benützte +Antigonos von Karystos+ (geb. ca. 290) die Tiergeschichte von

Aristoteles.

+Alexander von Myndos+ (im ersten vorchristlichen Jahrhundert) wird

das Vorbild jener Fabelschriftsteller, die bis zum Erwachen erneuter

Kritik zu Beginn der Neuzeit die Welt mit Wundergeschichten, wahren

und erlogenen, von den Tieren unterhielten. Von wissenschaftlicher

Schulung war keine Rede mehr. Das pseudo-aristotelische Tierwerk,

welches einem bereits ähnlich gerichteten Geschmack durch Auszüge aus

Aristoteles Rechnung trug, bot Alexander von Myndos die Grundlage,

auf der er sich schriftstellerisch betätigte. So wurde z. B. der

wissenschaftlichen Schilderung des Vogels, wie Aristoteles sie gegeben

hatte, die mythologische und wahrsagerische Bedeutung erklärend

beigefügt, sodann die Sagen über die Verwandlung usw. In Alexandria

bildete sich auch das Lehrgedicht in derjenigen Form aus, wie es in

der Folgezeit griechischer und römischer Wissenschaft auf zoologische

Gegenstände neben der Prosa besonders reichlich Verwendung fand. Die

in Alexandria geprägte Form der Zoologie beherrscht denn auch mit

mehr oder weniger Abwechslung über die spätgriechische Wissenschaft

hinaus die +byzantinische+ bis zum Beginn der Neuzeit. „Neben einem

m. w. vereinzelten Studium der Alten herrscht in der Botanik und

Zoologie eine phantastische, wesentlich durch paradoxographische und

geheimnisvolle Gesichtspunkte bestimmte Tätigkeit“ (Krumbacher).

Geschichte der Zoologie · 第 28 / 75 题