5. Schallose, angewachsene Schwämme, Aktinien

Physiologische und anatomisch begründete Zusammengehörigkeit der Tiere

ist also noch nicht scharf geschieden. Es fehlen manche Gruppen, die

wir erwarten würden, z. B. die Schmetterlinge. Schwankend sind die

Fledermäuse und Strauße, die eine Mittelstellung zwischen Säugetieren

und Vögeln einnehmen sollen, ebenso die Wassersäugetiere, die zwar

anatomisch als Säugetiere nachgewiesen, aber in eine Mittelstellung

zwischen diese und die Fische gebracht werden. Besonders scharf

gesondert treten die Fische als kiementragend und mit Flossen

versehen auf und werden nach ihrem Skelett eingeteilt. Die Umgrenzung

derselben ist später oft durchbrochen worden, hat ja auch Linné noch

Schwierigkeiten bereitet, und die Scheidung in zwei große Gruppen

ist bis heute beibehalten worden. Was die Wirbellosen betrifft, so

hat erst Ende des 18. Jahrhunderts die Systematik hier wesentliche

Fortschritte gemacht. Ihre Abtrennung von den Fischen und die vielen

anatomischen und biologischen Schilderungen derselben gehören zu den

hervorragendsten Merkmalen der Aristotelischen Zoologie. Als oberste

Einteilungsprinzipien wählt er +anatomische+. „Zuerst nun werden wir

die Teile, aus denen die Tiere bestehen, zu erörtern haben. Denn

in ihnen liegen die größten und ersten Unterschiede auch für das

Gesamttier, je nach Besitz oder Abwesenheit gewisser Teile, nach

Lage und Anordnung, nach Gestalt, Überschuß, Analogie, Gegensatz

der zufälligen Eigenschaften.“ Dies führt ganz selbstverständlich

hinüber zu ausgedehnterer Verarbeitung anatomischer Einzelheiten,

seien es nun solche, die auf Aristoteles’ eigene Beobachtungen oder

die seiner Vorgänger zurückzuführen sind. Damit ist aber auch der

Anstoß zu einer vergleichend über die ganze Tierwelt ausgedehnten

Anatomie und Physiologie gegeben. So stuft denn Aristoteles auch

innerhalb des einzelnen Individuums die Teile ab. Er unterscheidet

Grundstoffe, gleichartige Teile (Gewebe), ungleichartige Teile

(Organe), berücksichtigt auch die Proportionen und endlich den

Habitus. Die schwächste Seite ist neben vielen anatomischen Irrtümern

seine +Physiologie+, da sie von unzulänglichen physikalischen

Vorstellungen ausgeht. Es ist hier nicht der Ort, die große Zahl

irriger und oberflächlicher Kenntnisse und Begriffe vom Bau und von

den Verrichtungen des menschlichen Körpers, die er der Betrachtung

der übrigen Organismen zugrunde legt, aufzuzählen. Nur nebenbei mag

auch erwähnt werden, daß viele Einzelbeobachtungen, die sich in seinen

Werken finden, später bestätigt wurden. Von besonderer Tragweite ist

Aristoteles’ Wertung des Herzens geworden, das er schlechthin als das

Zentrum der ganzen Organisation, weil es das der Ernährung und Bewegung

sei, mithin auch als das der Seelenfunktionen auffaßte, während ihm

das Hirn nur ein Kühlapparat für die aufsteigende Wärme zu sein schien.

Das Herz ist das erste und letzte, was sich bewegt; die Luft das Agens

der Bewegung. Zur Kenntnis der Bewegungsfunktion fehlte ihm eine klare

Vorstellung von den Muskeln und ihrer Wirkung.

Weitaus am wertvollsten sind innerhalb der Physiologie die Ausführungen

über die +Entwicklungsgeschichte+, weil hier die Naturauffassung wie

die Beobachtungsmittel von Aristoteles am weitesten führen konnten.

Von der Zeugung sind vier Arten zu unterscheiden: die Urzeugung,

wodurch Lebewesen aus faulenden Stoffen entstehen sollten, die

Sprossung niederer Tiere, die hermaphroditische, die geschlechtliche

Zeugung. Die dritte Form, ein Mittelding zwischen dem, was wir als

Hermaphroditismus und Parthenogenese unterscheiden, schreibt er außer

den Pflanzen den Bienen und einigen Fischen zu. Bei den höheren Tieren

herrscht sonst Zweigeschlechtigkeit als eine Folge der Ortsbewegung und

führt zu einer Differenzierung der Geschlechter, die von prinzipieller

Bedeutung für die ganze Organisation des Individuums ist (Wirkung der

Kastration). Beim Männchen ist der Zeugungsstoff die Samenflüssigkeit,

die aber nicht pangenetisch gedacht wird, beim Weibchen das Ei oder

die Katamenialflüssigkeit. Als vollkommene Eier erscheinen die

dotterreichen. Bei der Befruchtung liefert das Weibchen den Stoff,

das Männchen das gestaltende Prinzip, das nicht einmal stofflich zu

sein braucht, sondern als rein mechanisch wirksam gedacht wird. Es

soll eine Bewegung übertragen und einen Ernährungsprozeß einleiten

und die weiblichen Geschlechtsprodukte in einen Keim überführen, der

bald im Ei, bald ein „Wurm“ ist. Im Verlaufe der weiteren Entwicklung

entstehen die Organe nicht gleichzeitig, obschon sie der Möglichkeit

nach vorhanden sind, sondern sukzessive in größter Zweckmäßigkeit

nach dem Endzustand, der erreicht werden soll. Der Embryo ist beseelt,

zunächst zwar nur mit einer „ernährenden Seele“, erst später treten die

höheren Stufen des Seelenlebens auf. So besitzt er denn auch zuerst nur

generelle, erst später mehr spezielle und individuelle Eigenschaften.

Die Ernährung des Embryo ist eine Fortsetzung der Zeugung. Die

Fruchtbarkeit steht in Korrelation mit der Form der Ernährung,

der Größe der Eier usw. Aristoteles findet hier die Gelegenheit,

ausgedehnten Erfahrungen über die vergleichende Entwicklungsgeschichte

Raum zu geben. Die Reihenfolge, in der die Organe auftreten, richtet

sich nach der physiologischen Bedeutung der Organe. Daher entsteht

zuerst das wichtigste Organ, das Herz, wie sich am Hühnerembryo sehen

läßt, wo es als „der springende Punkt“ imponiert. Dann entstehen die

großen Gefäße und der Kopf mit den schon früh großen Augen. Sind die

Grundstoffe nicht genügend, so geht die Entwicklung in Mißbildung aus.

Den einzelnen Formen der Mißbildung widmet Aristoteles ein ausgedehntes

Kapitel, das als die Grundlage der späteren +Teratologie+ zu betrachten

ist, da in ihm die pathologischen Erscheinungen auf natürliche Ursachen

zurückgeführt sind. An Beobachtungen über die Entwicklung der einzelnen

Organe, namentlich auch an genauen Angaben über die Zeugungs-,

Gestations- und Entwicklungsfunktionen der Haussäugetiere findet sich

ein großer Reichtum in den verschiedenen Aristotelischen Schriften.

Geschichte der Zoologie · 第 27 / 75 题