XVI.

Während die Kommissionsmitglieder vor dem Gemeindehause warteten,

nahm in der Gemeindekanzlei der Bezirksrichter den genialen

Bauernbürgermeister vor, wie es sich angesichts des verübten

Geniestreiches gebührt. Ehrenstraßer rüffelte den Mann im breitesten

Dialekt, damit der Vorsteher sicher jedes Wort verstehe, doch hatte es

Schwierigkeiten, dem Manne die begangene Dummheit begreiflich zu machen.

„Ischt denn die Anweisung falsch ankemma (angekommen)?“ fragte der

Vorsteher immer wieder.

„Deine haarsträubende Dummheit besteht ja darin, daß du das angesammelte

falsche Geld wieder ausgegeben hascht!“

„Sell hun (habe) i ja müssen!“ beteuerte der Vorsteher.

„Warum denn?“

„I hun ja decht gutes, echtes Geld für das falsche hergegeben!“

„Wieso?“

„Na ja! Der Kerschenwirschth (Wirt) hat g'sagt, i als Vorsteher müßt'

das falsche Geld konfiskalieren von Polizei wegen —“

„Und da hast du dem Wirschth für die Falsifikate echtes Geld gegeben?“

„Freilich! Sunst hätt' 's mir ja der Wirschth nöt eing'händigt! Er, hat

er g'sagt, kunnt den Schaden nit allein tragen! Er hat ja an' Wein und

sonstiges ausg'folgt und das falsche Geld dafür in Zahlung nehmen

müssen!“

Ehrenstraßer hustete ob dieser Darstellung.

„I möcht' glei' nur bitten um a milde Straf'!“

Was wollte der Richter angesichts solcher Dummheit machen! Er begann das

Verhör in praktischer Weise zu erweitern und fragte, weshalb auf dem

Senner der Kreuzalpe der Verdacht einer Münzfälschung liege.

„Weil er in der letzten Zeit viel ‚schwarzes Mehl‘ eingekauft hat!“

„Hat der Senn das schwarze Mehl selber gekauft?“

„Der Krämer sagt nein!“

„Wer hat dann gekauft?“

„Dem Senn sein G'spusi (Geliebte)!“

„Und hat selles Dirndl mit Falschgeld bezahlt?“

„Das wissen wir nit!“

Ehrenstraßer erkannte, daß von diesem Prachtexemplar eines

Dorfhäuptlings nichts weiter zu erforschen ist und die Erhebungen in

anderer Richtung angestellt werden müssen.

Verdächtig bleibt die Existenz eines weiblichen Wesens in der Sache,

denn bei Münzfälschungen wird immer ein Weib hauptsächlich die

Verbreiterin der Falsifikate sein, das ist eine alte Gerichtserfahrung.

Ehrenstraßer ließ sich sagen, wo die Dirne zu finden ist, und beendete

das Verhör mit dem Auftrage, es solle der Vorsteher so weit als möglich

die Falsifikate konfiszieren und zwar ohne dafür Entschädigung zu zahlen

und die gesammelten Münzen in einem verschlossenen Sacke an das Gericht

schicken.

Beim Dorfkrämer erfuhr der Richter lediglich, daß Ursula, des

Kreuzalpsenners Geliebte, in letzter Zeit häufig Pulver holte und

bezahlte. Daß die Silberstücke falsch waren, kam erst hinterdrein auf,

als der Krämer seine Weinschuld beim Wirt bezahlen wollte, und

verschiedene Kronenstücke als falsch beanstandet wurden.

Ehrenstraßer warf ein: „Weißt du denn, Krämer, ob gerade das von der

Ursula gezahlte Geld falsch war?“

„Das ischt decht leicht zu erraten! Das Pulver braucht der Senn decht

nur zum Wildschießen und die Urschi ischt sein Schatz! Also ischt au'

das Geld nicht in Ordnung!“

Daß die Untersuchung nun bei der Ursula beginnen muß, war klar, doch

wenig angenehm, denn es wird der Richter gezwungen sein, einen

beschwerlichen Aufstieg zur Urfahrnalm, wo die Ursula als Sennin thätig

ist, zu machen. Dazu ist es aber für den heutigen Tag zu spät, man muß

daher im Dörflein übernachten.

Die Freuden des kommissarischen Landaufenthaltes konnte Ehrenstraßer am

Abend vollauf genießen; zum Imbiß fettes, gesottenes Schaffleisch und

saueren Rötel, zur Nachtruhe ein schweres Hühnerfedernbett, dessen

Gestell um schier einen halben Meter zu kurz ist. Doch kostete dieses

Übernachten nur zehn Kreuzer pro Mann.

Der Feldzugsplan war verabredet, es marschieren der Aktuar und der

Wachtmeister zur Kreuzalpe, bleiben aber unterwegs versteckt und warten,

bis von der Alm aus der Richter mit dem Taschentuch das Zeichen zum

raschen Anmarsch giebt.

Die Besuche und ersten Erhebungen will Ehrenstraßer selbst vollführen.

Würde der Aufstieg dem Vergnügen gelten, der Ausflugstag könnte nicht

schöner sein, ein prachtvoller Morgen im schönsten Sonnenglanz, die

tiroler Wunderwelt zeigt sich in allen Zaubern, im Bergwald jubilieren

die Finken und Grasmücken, die geschäftigen Meisen piepsen ihr

allerliebstes „Zizibeh — Zizibeh“ und gucken dann dem einsamen

Bergwanderer neugierig nach.

Für die Reize der Umgebung hatte Ehrenstraßer, so sehr er sonst ein

begeisterter Naturfreund ist, diesmal wenig Sinn; ihn beschäftigt zu

sehr die Frage, auf welche Weise dem Paare beizukommen sein könnte,

wenn wirklich just bei diesen Leutchen etwas an der Sache sein sollte.

Besonders wahrscheinlich ist das nicht, wiewohl die Praxis ja solche

Fälle kennt und Falschmünzerei auf der Alp vorgekommen ist.

Höher stieg die Sonne, es ward heiß, bis Ehrenstraßer endlich die

Urfahrnalm zu Sicht bekam. Nach einem halben Stündchen war die düstere,

Kühlung verheißende Hütte erreicht, und aufatmend ließ sich der Richter

auf der Bank vor der verwitterten Hütte nieder. Niemand zu Hause, doch

steht die Thüre offen; Ehrenstraßer suchte die Umgebung ab, und

erblickte denn auch bald die Sennerin, die mit schwerem Grasbündel auf

dem Kopf von der Bergmahd zurückkam.

Entgegen sonstigem Almbrauch fiel die Begrüßung des Bergsteigers seitens

der derbknochigen Sennin Ursula frostig aus, und die Frage nach dem

Begehr klang eher abwehrend denn einladend.

„Ein Schaalerl Humorsuppe (Kaffee) könntest mir decht geben für mein

Geld und gute Worte!“ meinte lächelnd der Beamte.

„Ich hun koanen!“

„Na, so gieb mir halt einen Weidling Milch für einen Sechser!“

Ein forschender Blick streifte den Besucher, dann holte Urschi die

verlangte Milch aus dem Kellerchen und stellte sie nebst einem

Blechlöffel auf den Tisch in der Hütte, wo inzwischen Ehrenstraßer Platz

genommen hatte.

Die Geldmünze, welche der Richter sogleich auf den Tisch legte,

ignorierte Urschi, weshalb Ehrenstraßer möglichst harmlos sagte.

„Brauchst keine Angst zu haben, mein Geld ischt echt!“

Jäh wendete sich die Sennin nach dem Sprecher um und warf ihm einen

stahlharten Blick zu.

„Bischt vielleicht schon ausgeschmiert worden mit falschem Geld, weil du

so grimmig schaust?“

„Wer seid 's Ös denn, Herr?“

„Ich? O mein', ich bin gleich nur so ein Schulmeisterle aus Innsbruck

und mach' eine Spritztour!“

„So? Na, dann behalt' nur den Sechser, die Milch kostet nix!“

„Auch recht! Ich dank' halt recht schön! Unser einer muß die Kreuzer

zusammenhalten, auf daß ein Gulden d'raus wird!“

Die Sennin schien sich zu beruhigen, das anfängliche Mißtrauen wich,

das Schulmeisterle ist nicht verdächtig.

„Bischt zum erstenmal bei uns herinnen im Birg?“

„Ja! Ischt prächtig schön bei Enk! Sag' Sennin, habt Ihr viel Gamselen

im Birg?“

„Bischt du 'leicht a Jaager?“

„'s Gamselen schießen, sell wär' halt mein Leben! Aber ein alter

Schulfuchs kommt halt nicht dazu! Ein einzigesmal auf 'm Rumer Joch hab'

ich ein Gamsele g'schossen und gut ischt's 'gangen, war weit und breit

kein Jäger und kein Gendarm!“

Die Zutraulichkeit wuchs infolge dieses Geständnisses eines

Wilddiebstahles, Ursula lachte. „Hascht den Bock gut versilbern können?“

„Laß mich aus mit dem Versilbern! Weiß man denn heutzutage, welches Geld

echt ischt!“

Wieder ein forschender Blick.

„Mit dem neuen Geld ischt es ein Kreuz, die guten Silbergulden wollen

sie einziehen und die neuen Kronen kennt kein Mensch voneinander. Gleich

gestern hab' ich ein solches Stückl erwischt und hinterdrein war es

falsch.“

„Wo denn? Decht net in unserem Dörfl unten?“

„Na, na! Ischt merkwürdig: überall heißt es, das neue Geld ischt falsch

und grad daherinnen hört man davon nix!“

Ein spöttischer Zug huschte über die scharfgeschnittenen Lippen der

starkknochigen Sennin. „Kennst du 'leicht selles Geld gut auseinander?“

„Wie sollt' denn grad' ich dazukommen?!“

„Ischt es war, daß die Silbergulden ein'zogen werden sollen?“

„Die nächsten Jahr' noch nicht!“

„Da bin ich aber froh!“

„Warum?“

„Ja, wißt Herr! Bald hun' ich den zweiten Strumpf voll mit Silbergulden

und aftn kann ich heiraten!“

„Ah, da gratulier' ich!“

„Ja, ich halt' 'was drauf, lauter gutes, altes Geld, nöt so das

neumodische G'lump! Hat mir erscht vor etlichen Tägen ein Herr zwei

Kronen oder wie man's nennt, g'schenkt für 's Übernachtbehalten und

selles neumodische G'lump möcht' gern los sein!“

„Möchst wohl einen Silbergulden dafür haben?“

„Wenscht so gut sein willscht, Schulmoaster!“

„Gern!“ erwiderte der Richter und zog sein Portemonnaie hervor, um einen

Silbergulden herauszunehmen.

Daß die Sennin ihre Kronen in der Tischlade ohne besondere Verwahrung

liegen hatte, erschien verdächtig. Ehrenstraßer beobachtete die Person

sehr scharf, als sie vermied, die Geldstücke irgendwie auf dem

Ahorntisch klingen zu lassen, und selbe ihm in die Hand geben wollte.

Der Richter spürte augenblicklich, daß sich die Kronen etwas fettig

angriffen und sah den matten Schimmer; es sind also wirklich

Falsifikate. In größter Harmlosigkeit vollzog Ehrenstraßer das

Tauschgeschäft, bei welchem die Sennin eine Sicherheit bekundete, die

darauf schließen läßt, daß Urschi das Verbreiten von Falsifikaten schon

längere Zeit hindurch übte. Sonderbar bleibt nur, daß sie es bei einem

wildfremden Menschen sogar auf der Alm probiert. Vielleicht aber hält

sie den angeblichen Schulmeister für harmlos genug, den Schwindel zu

verüben.

Zufrieden mit der Durchführung seiner Rolle und den erwischten

Falsifikaten wollte Ehrenstraßer nun das Gespräch auf den Senn

überleiten, doch wich Ursula geschickt aus mit der Beteuerung, daß sie

seit Jahren nicht auf die Kreuzalm gekommen sei und den dortigen Senn

kaum einmal gesprochen hätte.

„Ischt die Fernsicht besonders schön auf der Kreuzalm oben?“

„Ich glaub' nit?“

„Na, probieren möcht' ich's decht! Jetzt bin ich schon so weit heroben,

da kommt es auf das Stünderl nimmer an!“

„Was? Ein Stünderl? Gut drei Stunden rechnet man auffi! Und sehen

thuscht nixen! Der Senn ischt a wildes Mannsbild und zum Essen kriegst

au' nixen! Ich rat' dir gut. Bleib' bei mir! Ich koch' dir an Retzel

(Schmarren, Mehlspeise) grad nobel und auf a Tupfele Schnaps kommt's mir

au' nit an!“

Diese Haltung der Urschi veranlaßte Ehrenstraßer, unverweilt

aufzubrechen, doch übte er die Vorsicht, vorzugeben, daß er noch einen

Spaziergang über den Almgrund machen und zum Essen zurückkehren wolle.

Damit durfte der Richter hoffen, Ursula auf ihre Alm zu bannen und einer

rechtzeitigen Warnung des Sennen vorzubeugen.

Eine Schwierigkeit bot freilich die Unkenntnis des zur Kreuzalp

führenden Steiges, doch wird hoffentlich die mitgeführte

Generalstabskarte Aufschluß erteilen.

„Kimm fein g'wiß wieder in einer Stund'!“ rief Urschi dem fortgehenden

vermeintlichen Schullehrer nach. Ehrenstraßer stapfte gelassen dem Walde

zu und studierte scharf das anzeigende Terrain. Ein steiniger Kuhweg

verliert sich oben am Rhododendrongestrüpp. Auf der Karte ist dieser Weg

eingezeichnet, der Richter findet auch die Höhendifferenz mit etwa 120 m

angegeben, also kann die Kreuzalm in spätestens einer Stunde erreicht

werden. Es gilt nun, den Wald schräg zu durchqueren und unterhalb der

eingesprengten Felswandeln an den Steig zu gelangen, der aufwärts führt.

Das ist nun leichter gesagt als gethan, zumal in der Mittagshitze, und

Ehrenstraßer ist kein Junger mehr. Aber ein Sohn der Berge bewahrt sich

eine gewisse Steigfähigkeit bis in späte Tage. Mag der Schweiß von der

Stirne rinnen, der Atem pfeifen, der Steiger ist im Dienst, es muß sein.

Der Wald will kein Ende nehmen; sollte sich Ehrenstraßer vergangen, im

Kreise bewegt haben? Der Zeit nach scheint dem so zu sein, die Uhr zeigt

den Umfluß von bald zwei Stunden. Eine Orientierung im Bergwald ist

nicht möglich, die Fichten verwehren jeden Ausblick. Ein Glück, daß der

allzeit vorsichtige Beamte den kleinen Kompaß in der Westentasche

stecken hat, mit dessen Hilfe und der Karte die Richtung einigermaßen

festgestellt werden kann. Richtig war es ein Abweichen nach links, statt

streng nach rechts. Schon nach weiterem halbstündigen Steigen

versperrten die Wandeln das Aufwärtsstreben, Ehrenstraßer bog daher nach

rechts vollends aus und kam an die Waldlisiere, bald darauf waren Spuren

eines verfallenen Steiges zu entdecken. Noch eine Viertelstunde scharfen

Ansteigens, da erwartete den keuchenden Richter eine Überraschung. Der

Aktuar und der Wachtmeister hielten im Schatten einer Felsnase Rast und

bei ihnen saß schimpfend — — Ursula.

Ehrenstraßer guckte, reden konnte er nicht, er mußte erst seine Lunge

in Ordnung bringen.

Die Situation wurde von den aufspringenden Kommissionsmitgliedern

sogleich aufgeklärt; der Wachtmeister glaubte die in größter Eile

heraufspringende Sennerin bis zur Ankunft des Richters unter allen

Umständen festhalten zu müssen.

„Brav gemacht, Wachtmeister! Die wackere Ursula ischt verhaftet!“

Im selben Augenblicke hatte ihr der Gendarm auch schon die Kettenfessel

um die Handgelenke gebunden. Auf die Flut von Schimpfworten achteten die

Herren weiter nicht.

Ehrenstraßer wiederholte nun die Ordre, daß die Kommission samt der

verhafteten Sennerin sehr langsam so weit vordringen sollte, bis das

optische Signal mit dem Taschentuch gesehen werden könne, und stapfte

sodann zur Kreuzalpe hinauf.

Das Herannahen eines Herrn hatte der Senn alsbald bemerkt und sein

Mißtrauen wachgerufen, doch ergriff er keineswegs die Flucht.

Ehrenstraßer that, als bewundere er die Fernsicht, er blieb absichtlich

an einer Stelle, welche einen prächtigen Fernblick gestattete, stehen.

Erst nach einer Weile trat er zur Hütte und rief hinein.

Mürrisch fragte der stämmige Bursche, was der Herr wolle, erklärte aber

rundweg, nichts verabreichen zu können, weil er nichts besitze.

Auf ein Gespräch ließ sich der verschlossene Senn nicht ein, so blieb

dem Richter nichts weiter übrig, als auf das Nahen des Gendarmen zu

warten. Die Situation war nicht eben erfreulich; will der Verdächtige

fliehen, so kann ihm die Flucht nicht verwehrt werden, es giebt noch

andere Pfade als den von der Kommission besetzten. Die Ankündigung einer

Verhaftung ist zwecklos, vielleicht verfrüht, wenn nicht gefährlich.

Auf der Bank vor der Hütte ausruhend, blickte Ehrenstraßer mit gewisser

Sehnsucht den Steig hinunter und hielt das Taschentuch zum Signalisieren

bereit. Doch ehe von seinen Leuten noch etwas zu sehen war, ertönte ein

schriller Käuzchenruf[11] aus der Tiefe herauf, der den Sennen

augenblicklich veranlaßte, herauszuspringen und Umschau zu halten.

Ehrenstraßer kannte den Warnruf und wußte, daß eingeschritten werden

müsse. „Im Namen des Gesetzes, Ihr seid verhaftet!“ rief Ehrenstraßer

und bekannte sich als den Bezirksrichter aus der Amtsstadt.

Der Senne zuckte wohl etwas zusammen, blieb aber wie angewurzelt stehen,

sein Blick galt keineswegs dem Beamten, sondern dem Schauspiel am Steig

unten. Die Kommission war im Anstieg und die gefesselte Ursula bemühte

sich, den Käuzchenruf zu wiederholen, während der Wachtmeister bestrebt

war, der Sennerin den Mund zuzuhalten. Mit einem Male kam Leben in den

kräftigen Burschen, in mächtigen Sätzen sprang er den Steig hinunter.

Ehrenstraßer schrie gellend einen Warnungsruf nach, den der Wachtmeister

sogleich hörte und beachtete.

Bevor noch der Senne den Angriff vollführen konnte, stand der Gendarm

mit dem Gewehr schon schußfertig im Anschlag. Ursula mag jetzt zetern,

so viel sie kann und will. Der Senne prallte zurück und ergab sich;

willig ließ er sich die Kette um die Handgelenke legen.

Man begab sich nun völlig hinauf zur Kreuzalpe, in deren Hütte

Ehrenstraßer die Hausdurchsuchung mit seinem Aktuar vornahm, während der

Wachtmeister das gefesselte Paar bewachte.

So viel aber der erfahrene Richter nachforschen mochte, er fand nichts,

absolut nichts vom Handwerkszeug des Falschmünzers. Schon wollte er den

Aktuar beauftragen, den nahe der Hütte angelegten Düngerhaufen mit einer

Mistgabel zu durchstochern, da fiel Ehrenstraßer an der Hängeuhr im

Stübchen auf, daß die Uhrgewichte seltsamerweise in Gradelzeug eingenäht

sind. Derlei hat der Richter noch niemals gesehen und sofort schnitt er

den grauen Stoff mit dem Federmesser durch. Welche Überraschung! Statt

der Gewichte hatte der schlaue Falschmünzer nagelneue Silberfalsifikate,

lauter falsche Kronenstücke, eingenäht und dieselben als Uhrgewicht

benutzt, die er vor Entdeckung wohl geschützt glauben mochte. Nun kann

es keinem Zweifel mehr unterliegen, daß sich auf dieser Alpe auch der

Prägestock und sonstige Utensilien vorfinden müssen. Aber wo?

Ehrenstraßer hielt inne im mühsamen Suchen und überdachte die Fälle aus

der Praxis. Am häufigsten pflegen Leute zum Vergraben den Keller zu

benutzen und die Alpe hat ein Kellerchen zur Aufbewahrung von Milch und

Käse. „Aktuar, bringen Sie mir rasch einen Kübel Wasser!“ rief

Ehrenstraßer.

Nach wenigen Augenblicken war das Gewünschte zur Stelle und der Richter

begab sich damit in das Kellerchen, auf dessen Boden er reichlich und

plötzlich die Wassermenge ausgoß und die Wirkung dieses Gusses auf das

Erdreich scharf beobachtete. Richtig ist eine Stelle vorhanden, an

welcher das Wasser sehr rasch einsank und zugleich Luftblasen

ausfliegen.

Das beweist, daß hier die Erde lockerer, vor kurzem ausgegraben worden

ist.

Nun ließ sich Ehrenstraßer eine Schaufel reichen, mit welcher er zu

graben begann. Eine Viertelstunde später waren die hier vergrabenen

Utensilien gefunden, das Geheimnis ist entdeckt.

Und beim Ansichtigwerden dieser Gegenstände und Vorzeigen der an der Uhr

gefundenen Falsifikate legte der Senne ein volles Geständnis ab, das

sofort zu Protokoll genommen wurde. Das Fälscherpaar transportiert der

Wachtmeister hübsch zu Fuß nach der Amtsstadt, während der Aktuar im

Auftrage seines Chefs den Gemeindevorsteher von der zwangsweisen

Entfernung des Paares von den beiden Almen verständigte.

Es war nun Sache der betreffenden Alpbesitzer, schleunigen Ersatz zur

Wartung des Almviehes &c. hinaufzusenden.

Mit voller Befriedigung über die erfüllte Dienstpflicht konnte

Ehrenstraßer nach Hause fahren.

Bergrichters Erdenwallen · 第 32 / 40 题