Der Richter fragte hastig. „Was ischt geschehen?“

„O! Wenn der arme Chef das vor wenigen Tagen erlebt hätte! Wir haben

neuerdings soeben gesprengt und ein Mergellager ist bloßgelegt von einer

außerordentlichen Mächtigkeit! Wir haben auf Jahrzehnte hinaus reichlich

Brennstein zu Portlandcement!“

Ehrenstraßer stand betroffen und der Präsident fragte. „So hatte man vor

einigen Tagen vermeintlich Mangel an Stein?“

„Ja! Die früheren Sprengungen waren nahezu gänzlich erfolglos! Noch vor

drei Tagen war der Chef, Gott hab ihn selig, trostlos über den

Steinmangel! Und heute dieser riesige Erfolg! O, wenn Ratschiller das

noch erlebt hätte!“

Der Präsident wechselte mit Ehrenstraßer einen bedeutungsvollen Blick;

dann besichtigten die Herren unter Hundertpfunds Führung den Steinbruch,

woselbst auch Laien erkennen konnten, daß ein mächtiges Mergellager

geöffnet sei.

Das Gutachten des Bergingenieurs war also doch völlig richtig,

Ratschiller sen. hat sich zu früh der Verzweiflung überlassen und ist

übereilt aus dem Leben geschieden.

Hundertpfund eilte in die Fabrik, um die überwältigende Neuigkeit

telephonisch dem jungen Fabrikherrn zu melden.

Für die Gerichtsherren war das Urmotiv des Selbstmordes gefunden, ein

weiteres Verweilen zwecklos, weshalb der Rückweg angetreten wurde unter

lebhafter Erörterung dieser überraschenden Schicksalsfügung.

Am Abend reiste der Präsident ab.

Tags darauf beendete Ehrenstraßer die Untersuchung, und schloß den Akt

Ratschiller in Bezug auf den klargelegten Selbstmord. Der verhaftete

Streuner wurde in Freiheit gesetzt.

Für den gewissenhaften Richter kam nun die schmerzlichste Stunde, die

Bekanntgabe des Untersuchungsergebnisses an den jungen Ratschiller von

Amts wegen.

Franz ward auf nachmittags drei Uhr citiert und pünktlich fand er sich

in der Kanzlei des Richters ein.

Ehrenstraßer war bleich, in nervöser Erregung, als er nach kurzer

Begrüßung dem jungen Ratschiller eröffnete: „Ich habe Ihnen amtlich

mitzuteilen, daß nach abgeschlossener, gewissenhafter Untersuchung kein

Raubmord vorliegt!“

„Um Gotteswillen, was dann?“

„Es ischt mir höchst schmerzlich, Ihnen die volle Wahrheit sagen zu

müssen. Ihr Herr Vater, Gott hab' ihn selig, hat seinem Leben selbst ein

Ende gemacht!“

„Allmächtiger Gott!“ stöhnte Franz in namenloser Qual, fassungslos,

verzweifelnd.

Liebreich versuchte Ehrenstraßer zu trösten und dem schier gebrochenen

Mann Mut zuzusprechen.

Nach etwa einer Stunde verließ Franz totenbleich das Amtshaus.

Die Kunde vom aufgedeckten Selbstmord erzeugte eine noch viel größere

Erregung in der Bevölkerung als vorher die Nachricht vom Raubmord.

Bergrichters Erdenwallen · 第 30 / 40 题