stets auf der Rhein-Donauwasserscheide; jenseits Neukirch, bei der
Neueck (985 ~m~) schneiden wir die neue prachtvolle Kunststraße,
die von Simonswald über Gütenbach herauf und dann östlich abwärts
nach Furtwangen führt, bei der Alten Eck (1070 ~m~) den früheren
Kilpenweg vom Rheintal über Waldkirch zum Bregegebiet, der neben
der Ostweststraße über den Hohlen Graben einer der ältesten im
Schwarzwalde ist. Nun geht’s auf die aussichtsreiche Höhe der Brend
(1148 ~m~) und hinab zum Sattel am Forsthof der Martinskapelle (1090
~m~), von wo zahlreiche Wege nach Ost und Nord und West abzweigen.
Erwähnung verdient unter ihnen vor allen der eine über die aus alten
Kriegszeiten verschanzten Höhen des Rohrhardsberges zum Tafelbühl und
zur Wallfahrtskapelle auf dem Hörnleberg (987 ~m~), der weither als
Landmarke gilt, und von hier steil hinab ins Elztal bei Bleibach.
[Illustration: Abb. 128. Furtwangen.
Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu Seite 123.)]
[Sidenote: Schonach.]
Nahe der Martinskapelle, am Briglirain (Brücklerain) entspringen dicht
beieinander die Brege, die nach Süden, und die Elz, die nach Norden
fließt. Wir gehen zwischen diesen Flußursprüngen durch und folgen dem
Kamm rechts von der Elz in nördlicher Richtung, lassen den Luftkurort
Schönwald (994 ~m~) mit seinen großen Gasthäusern und das stillere
Schonach (Abb. 126 u. 127), von wo es bequem nach Triberg hinab geht,
rechts unter uns liegen, gelangen dann zu der schon wesentlich
tiefer liegenden Büchereck (653 ~m~) zwischen Elzach und Gutach an
der Schwarzwaldbahn, steigen nochmals empor zum Farrenkopf (789 ~m~),
dem aussichtreichen Eckpfeiler zwischen Gutach- und Kinzigtal, und
nun geht’s rasch abwärts zur Bahn, die wir bei Hausach erreichen in
dem freudigen Bewußtsein, eine der lohnendsten Höhenwanderungen im
Schwarzwald glücklich durchgeführt zu haben.
[Illustration: Abb. 129. Bad Sulzbach.
Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu Seite 126.)]
[Sidenote: Furtwangen. Stöcklewald. Galgen.]
Wer auf etwas bequemere Weise in die eigenartig reizvolle, stille
Welt dieser Höhen eindringen will, der mag von Donaueschingen aus
die Nebenbahn befahren, die über Hüfingen und Bräunlingen nach
Hammereisenbach und dann nach Vöhrenbach (799 ~m~) führt, einem
wichtigen Mittelpunkt der Uhren- und Orchestrionfabrikation,
um schließlich in Furtwangen zu endigen. Diese hochgelegene
Industriestadt (872 ~m~) mit mehr als 5400 Einwohnern ist der
Hauptort der Schwarzwälder Uhrenindustrie (Abb. 128) und durch sie
groß geworden. Besuche in den vielen verschiedenartigen Betrieben, in
der Gewerbehalle, der Schnitzereischule usw. sind höchst lehrreich
und lohnen ganz abgesehen von der erquickenden Luft des Hochtales
den längeren Aufenthalt reichlich. Von Furtwangen führt eine
aussichtsreiche Straße auf die Höhe der Escheck (1057 ~m~), von wo bald
Schönwald und kurz danach der obere Anfang des Triberger Wasserfalles
erreicht wird. An ihm führt ein herrlicher Schluchtweg hinab zum
blühenden Kurort.
[Sidenote: Stöcklewald. Galgen.]
Die Gegend zwischen den Tälern der Brege und Brigach ist im südlichen
Teile einförmig. Erst nördlich der Straße Villingen-Vöhrenbach nimmt
sie gebirgigen Charakter an. Von Villingen durchs Kirnachtal oder von
St. Georgen der Brigach entlang, deren Quelle hübsch gefaßt ist (Abb.
48), gelangen wir auf die Höhe des Stöcklewaldes (1069 ~m~) mit ihrem
stolzen Aussichtsturm, von dem der Blick besonders weit nach Osten
zu den Höhen der Schwäbischen Alb trägt. Schöne Abstiege führen nach
Furtwangen, Schönwald und Triberg. Doch wird keiner diese luftigen
Höhen verlassen, ohne den nahen Galgen, ein Denkmal alter Zeit und
überwundener Justizformen, zu besichtigen, und am Galgenhof vorbei
dem hochgelegenen Wirtshaus zur Fuchsfalle einen Besuch zu machen.
Nach Norden zu ist bald die uns schon bekannte Paßhöhe der Sommerau
erreicht, von wo wir über die Benzebene den Fohrenbühl (787 ~m~)
erreichen und von hier in der Richtung auf Hausach oder Wolfach oder
Schiltach an der Kinzig absteigen können. Auf dem Fohrenbühl, der ganz
wie die Biereck am Pfingstsonntag seinen Schellenmarkt hat, schneiden
wir unmittelbar an der badisch-württembergischen Grenze die Straße, die
von Hornberg nach Lauterbach mit seinen gern besuchten Kuranstalten und
weiter abwärts nach Schramberg gelangen läßt.
Sind wir von der „Kaltenherberg“ bis Schiltach in der Hauptsache
dem Höhenweg II gefolgt, so darf doch nicht vergessen werden, daß
auch die Täler dieses Gebietes zu lohnenden Wanderungen einladen. So
führt nach Schramberg auch die interessante Straße von St. Georgen
über den Ruppertsberg (902 ~m~) und weiter abwärts dem obersten
Schiltachtal entlang nach Thennenbronn, dann durch die in ihren wilden
Felsgestaltungen landschaftlich hervorragend schöne Schlucht des
Bernecktales mit dem Berneckbad und der Ruine Falkenstein, an welche
sich die von Uhland dichterisch verarbeitete Geschichte und Sage des
Herzogs Ernst von Schwaben anknüpft. Schramberg (416 ~m~), am Fuße
der Nippenburg anmutig gelegen, ist eine sehr lebhafte Industriestadt
mit über 11200 Einwohnern, der nördlichste und zugleich wohl der
bedeutendste Ort der Schwarzwälder Uhrenindustrie, die sich von
hier südlich bis Lenzkirch ausbreitet, und auf deren hohe Bedeutung
für große Teile unseres Gebirges oft hingewiesen werden mußte. Auch
Porzellan-, Steingut- und Strohhutfabrikation blühen in Schramberg, von
wo eine Nebenbahn nach Schiltach an der oberen Kinzig die Verbindung
mit der Außenwelt herstellt.
Der nördliche Schwarzwald.
XIV. Der Westrand von Offenburg bis Baden.
[Sidenote: Schramberg. Von Offenburg bis zur Murg.]
Vom südlichen und mittleren Schwarzwald unterscheidet sich der
nördliche vor allen Dingen dadurch, daß er innerhalb der von uns
gewählten Grenzen -- Rheinebene, Kinzig- und Murgtal -- nur aus einem
einzigen von Süd nach Nord streichenden Hauptkamm besteht, der in der
Hornisgrinde mit 1164 ~m~ seine höchste Erhebung hat und nur ziemlich
kurze Querrücken nach Westen und Osten aussendet. Die Täler liegen alle
sehr tief, die relativen Höhenunterschiede sind daher bedeutend, trotz
der mit dem südlichen und mittleren Schwarzwald verglichen geringern
absoluten Höhen. Abgesehen von der Gneislandschaft zwischen der Kinzig
und dem Oberlauf der Rench findet der Granit hier eine sehr große
Verbreitung, die Kämme sind zu allermeist von Buntsandstein bedeckt,
dessen Blockmeere vielerorts Erstaunen und Bewunderung erregen, während
er anderwärts zu ausgedehnten Moor- und Sumpfbildungen Veranlassung
gegeben hat. Eine nicht unbedeutende Anzahl von kleinen Hochseen
verleiht dem Gebirgsteile mehrfach ein ganz eigenartiges Gepräge.
Da in der Umrandung nur auf die ziemlich kurze Strecke von Forbach
bis Kloster Reichenbach im Murgtal die Eisenbahnverbindung fehlt,
während in die Täler der Rench, Acher, Bühlott und Oos Nebenbahnen
führen, ist die Zu- und Durchgängigkeit dieses Gebirgsabschnittes eine
hervorragend günstige. Das wird uns an der dichten Besiedlung der
Täler, an der glänzenden Wegsamkeit der Höhen und an dem lebhaften
Verkehr der Niederungen wie der eigentlichen Gebirgsregionen deutlich
zur Anschauung gebracht, ein Verkehr, zu dem die nahen Großstädte
Straßburg und Karlsruhe und auch das etwas ferner liegende aber leicht
zu erreichende Stuttgart natürlich sehr viel beitragen.
[Illustration: Abb. 130. Peterstal. Nach einer Photographie von G.
Röbcke in Freiburg. (Zu Seite 128.)]
[Sidenote: Ortenau.]
Auf der Fahrt von Offenburg nach Norden haben wir bis zur Untern Murg
hinab -- die Obere Murg lernten wir im Hauensteiner Land kennen --
ununterbrochen die prächtigsten Aussichten auf das Gebirge. So oft man
auch diese Strecke durcheilen mag, immer wieder fesselt die schöne
Landschaft zur Rechten mit ihrem in reichster Kultur prangenden
Hügellande, das von den dunklen Waldhöhen überragt wird. Jeden
Augenblick entdecken wir neue, überraschende Formen; die zahlreichen
Täler, in die der flüchtige Blick vom Wagenfenster aus eindringt,
erschließen in schneller Folge ungeahnte landschaftliche Schönheiten.
Zunächst haben wir das gesegnete Obst- und Weinland der Ortenau vor
uns, vom Ortenberger Schloß steigt das Gebirge in stolz geschwungener
Linie zum Brandeckkopf mit seinem Turme auf, dann öffnet sich das Tal
von Durbach mit dem Staufenberg, und bald ist die Station Appenweier
erreicht. Hier mündet die große Westoststraße Paris-Wien von Straßburg
her ein, nachdem sie bei Kehl den Rhein überbrückt hat, um die
Hauptlinie, der wir folgen, erst bei Karlsruhe wieder zu verlassen und
über Pforzheim nach Schwaben, Bayern und Österreich weiter zu ziehen.
[Illustration: Abb. 131. Bauernbursch aus dem Renchtal.
Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu Seite 128.)]
[Sidenote: Renchtal.]
In Appenweier zweigt eine Nebenbahn ins Renchtal ab, dessen
Mineralbäder -- meist Stahlwasser -- seit lange eine große und
berechtigte Anziehungskraft ausüben. Wir kommen zunächst nach Oberkirch
(191 ~m~), einem hübschen Städtchen von 4000 Einwohnern in ganz
entzückender Lage. Die Schlösser Schauenburg, Ullenburg und Fürsteneck
grüßen ins Tal hinab auf all den schwellenden Reichtum an Gartenland,
Ackerfeld, Obsthainen und Rebhügeln. Die Kirschen des Renchtales sind
weitum berühmt und geben in halbwegs guten Jahrgängen Ernten, die
selbst in den kleineren Orten der Umgebung sich auf viele Tausende von
Mark bewerten, die Kirschenmärkte von Oberkirch sind daher eine sehr
wichtige Sache, und von dem vielen, guten Kirschwasser, das überall
im Schwarzwalde gebrannt wird, ist das Renchtaler wohl das am meisten
geschätzte. Die Oberkircher Weine endlich erfreuen sich im ganzen Lande
berechtigten Rufes, und es kann nur empfohlen werden, selbst Probe zu
halten, sei es an Klingelberger oder Clevener, sei es im Städtchen
selbst oder in den freundlichen Landorten ringsum, in Ringelbach,
Waldulm oder sonstwo.
[Illustration: Abb. 132. Partie bei Griesbach im Wilden Renchtal. Nach
einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu Seite 128.)]
Weiter aufwärts verengt sich das Tal bald; an Lautenbach mit seiner
spätgotischen, neuerdings glücklich restaurierten Kirche vorbei
gelangen wir nach der einsamen Haltestelle Hubacker, wo ein schöner
Weg nach dem in stillem Seitentälchen gelegenen Bade Sulzbach (Abb.
129) und weiter nach Allerheiligen abzweigt. Dann gelangen wir nach dem
Städtchen Oppenau, dem Endpunkt der Bahn. Eine herrliche Straße führt
von hier nach dem freundlich gelegenen Bade Antogast (484 ~m~), eine
andere durch das felsenge Lierbachtal nach Allerheiligen, wieder eine
andere auf die Höhe des Kniebiskammes, der bei den Schanzen an der
Zuflucht erreicht wird; die Talstraße endlich läßt uns am schäumenden
Flüßchen entlang Bad Freiersbach und bald darauf das stattliche Dorf
Peterstal erreichen (Abb. 130), den Hauptpunkt des oberen Renchtales,
mit seinen Bädern, Gasthäusern, Kuranlagen und trefflich gepflegten,
weit verzweigten Spazierwegen ein behaglicher Ruheplatz (394 ~m~).
Die Bevölkerung von Peterstal und seiner weiteren Umgebung hängt noch
fest an der alten Tracht des Tales, und es gilt dies hier im Gegensatz
zu manchen anderen Schwarzwaldgebieten nicht nur für die Frauen und
Mädchen, sondern auch für die Männer (Abb. 131). Wie schmuck sieht
es aus, wenn bei festlichen Anlässen die Peterstaler Miliz mit ihrer
trefflichen Musik, in Tracht gekleidet, ausrückt! -- Noch weiter oben
im Tal, da wo die Wilde Rench von Norden herabgesprungen kommt (Abb.
132), liegt in ernster Talenge Bad Griesbach (Abb. 133), wo 1818
Großherzog Karl die Badische Verfassung gab. Auf dem nahen Kreuzkopf
steht der „Habererturm“, ein Denkmal für den einst im Tale tätigen und
um seine Bäder sehr verdienten Medizinalrat ~Dr.~ Haberer. Von allen
Orten im Renchtal führen gute und interessante Waldwege auf die Höhen,
die später zusammenhängend geschildert werden sollen.
[Illustration: Abb. 133. Bad Griesbach.
Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu Seite 128.)]
[Illustration: Abb. 134. Das Edelfrauengrab.
Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu Seite 128.)]
[Sidenote: Kapplertal.]
[Sidenote: Sasbach. Bühl. Affental.]
[Sidenote: Gertelbachschlucht.]
Nordwärts Appenweier wird an Renchen vorbei, wo der Dichter des
Simplicissimus, Christoph von Grimmelshausen, als bischöflich
Straßburger Schultheiß amtete und nun ein Denkmal besitzt, die Stadt
Achern mit fast 4900 Einwohnern erreicht, die sich aller Vorzüge einer
ebenso schönen als fruchtbaren Umgebung erfreut. Ins freundliche
Kapplertal führt eine Nebenbahn nach Kappelrodeck am Fuß der Burg
Rodeck und des Käferwaldkopfes mit seinem Aussichtsturm, und weiter
bis Ottenhöfen (311 ~m~), einen für Ausflüge jeder Art sehr günstig
gelegenen und beliebten Sommerfrischort. Die nahe Schlucht des
Edelfrauengrabes im Gottschlägtal (Abb. 134) und zahlreiche andere
Punkte der näheren Umgebung bieten die lohnendsten Ziele, die man sich
denken mag. Die mancherlei Wege zum Mummelsee, nach Allerheiligen
und auf oder über die Kammhöhe, welche die Wasserscheide gegen das
Murggebiet bildet, laden zu weiteren Wanderungen ein. Diese Höhen in
der Umgebung der Hornisgrinde können von Achern aus auch sonst auf
verschiedenen Pfaden erreicht werden, so an Illenau, der unendlich
friedlich und stimmungsvoll gelegenen Heil- und Pflegeanstalt für
Geisteskranke, vorbei über Sasbachwalden, durch die Schlucht der
Gaishölle und über die hoch aufragende Ruine des Brigittenschlosses,
oder über Sasbach und Lauf. Der Platz bei Sasbach, auf welchem 1675
Marschall Turenne fiel, ist seit lange französisches Nationaleigentum.
Ein französischer Invalide hütet das Denkmal des Gefallenen (Abb.
135). Das unfern stehende alte Denkmal trägt die Inschrift: „Hier ist
Turennius vertödtet worden“, sowie deren lateinische und französische
Übersetzung. Ob wohl ein deutscher Invalide auf französischem Boden
auch ganz unbehelligt deutsche Heldengräber hüten dürfte? -- Zwischen
Achern und Bühl ist der Anblick des Gebirges geradezu großartig. Die
mächtige Höhe der Hornisgrinde liegt in der Luftlinie kaum 10 ~km~
von der Bahn entfernt, ragt aber 1030 ~m~ über ihr empor und gewährt
in ihrem massigen, steilen Aufbau ein imposantes Bild, besonders
durch den schroffen Gegensatz gegen die unendliche Lieblichkeit des
reich angebauten und dicht besiedelten Hügellandes im Vordergrunde.
Bei Ottersweier mündet das freundliche Neusatzer Tal aus, durch das
wir am hoch aufragenden Immenstein vorbei zum Hauptkamm gelangen
können. Das hübsche Städtchen Bühl (Abb. 136) mit 3600 Einwohnern, das
als Wein- und Obstmarkt ähnliche Bedeutung hat, wie Offenburg oder
Oberkirch, ist besonders berühmt durch seine Frühzwetschgen. Welchen
Wert dieselben im Wirtschaftsleben der Gegend haben, mag aus der
Tatsache anschaulich werden, daß schon im Jahre 1900 die Bahnstation
Bühl allein an Fracht für den Versand dieses Obstes den Betrag von Mk.
108328 einnahm; seither ist dieser Betrag ganz wesentlich gestiegen.
Vom waldigen Berghang winkt die zweitürmige Ruine Windeck hernieder, zu
der entzückende Wege durch die reichen Fluren des gesegneten Landes uns
ansteigen lassen. Eine Nebenbahn führt nahe an Affental vorbei, wo der
gefeiertste badische Rotwein wächst, ins schöne und reiche Bühlertal
(Abb. 138), durch dessen obere Verzweigungen, besonders durch die
großartig wilde, wasserfallreiche Gertelbachschlucht (Abb. 137), die
prachtvollsten Wege zum Kamm hinauf führen, der hier in weitester
Ausdehnung wunderbaren Hochwald trägt und seit einigen Jahren mit einer
großen Anzahl von trefflichen Höhenkurhäusern geschmückt ist. Wir
werden diese unvergleichliche Höhenwelt noch zu würdigen haben.
[Illustration: Abb. 135. Turenne-Denkmal bei Sasbach.
Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu Seite 129.)]
Am Bühler Rebland hin führt uns die Bahn nach dem Städtchen Steinbach.
Seinem größten Sohn Erwin, dem Schöpfer des Straßburger Münsters, ist
bei dem Ort, am Fuß der Yburg, die auf spitzem Porphyrkegel thront, ein
Denkmal errichtet, von dessen Fuß der Blick hinüber schweift über die
Ebene des Hanauerlandes zum Rhein, über den Erwins Wunderbau aufragt
als Wahrzeichen deutschen Geistes und deutscher Kunst, weither sichtbar
von den Höhen des Wasgaues, wie von denen des Schwarzwaldes, und so
recht bestimmt dazu, das Symbol zu sein für die Einheit des ganzen
gesegneten Oberrheingebietes zu beiden Seiten des Stromes von Basel
bis Mainz. Wie ganz anders wirkt das Zeichen heute auf uns ein, als
vor 1870, wo es nur an Schande und Schwäche gemahnte und in deutschen
Herzen eine reine Freude an der herrlichen Welt zwischen Schwarzwald
und Vogesen niemals recht aufkommen ließ.
Wenige Augenblicke, und wir befinden uns in Oos, von wo eine kurze
Nebenbahn uns in einigen Minuten nach dem im Oostale gelegenen Weltbade
gelangen läßt, das dem Lande Baden den Namen gab.
[Sidenote: Baden-Baden.]
Die heißen Quellen von Baden (Bahnhof 152 ~m~, Neues Schloß 220
~m~) oder Baden-Baden, wie die Stadt zur Unterscheidung von anderen
ihres Namens bei vielen heißt, kommen aus den Tiefen des Granits und
spenden im Tag über 8500 ~hl~ Thermalwasser, das in der Brunnenstube
62,5° ~C~ mißt und als indifferente Therme mit geringem Gehalt an
Kochsalz und anderen Mineralbestandteilen bezeichnet werden muß. Sie
sind früh entdeckt und zu Heilzwecken benutzt worden; das römische
~Aquae~, der Hauptort der ~civitas Aurelia aquensis~, war, nach den
Ruinen unter der Stiftskirche zu schließen, eine sehr ansehnliche
Niederlassung, auf die vom nahen Waldberge, der heute noch den Namen
Merkur trägt (670 ~m~), ein Tempel des Handelsgottes herabsah. Das
Merkur-Relief neben dem modernen Aussichtsturm erinnert an diese
fern liegende erste Blütezeit unserer Bäderstadt. Diese kam nach
mancherlei Geschicken um 1110 unter zähringische Herrschaft und gab
dem Staate, dem sie seither ununterbrochen zugehörte, den Namen. 1689
ward sie von den Franzosen gründlich zerstört, und es dauerte danach
über hundert Jahre, bis das gänzlich zerfallene Bad wieder aufzuleben
anfing. Von 550 Gästen um 1790 stieg deren Zahl bis 1820 etwa aufs
Zehnfache, 1860 waren es 40000, jetzt sind es über 70000 im Jahre; die
Stadt zählt heute mit dem kürzlich eingemeindeten Lichtental 22000
Einwohner und steht an Trefflichkeit der Kureinrichtungen unerreicht
und an Schönheit der umgebenden Landschaften unerreichbar da (Abb.
140). Das Klima ist überaus milde, die Wärmeschwankungen sind, mit
anderen Orten des Rheingebietes verglichen, auffallend gering, rauhe
Winde fehlen fast ganz, da sie durch die umgebenden Höhen abgehalten
werden; die mäßig feuchte Luft -- wohl eine Wirkung der ausgedehnten
Wälder weit umher -- ist weich und köstlich zu atmen. Daß ein von der
Natur so glänzend ausgestatteter Kurort auch alles bietet, was ein aufs
höchste verfeinerter Geschmack verlangt und was dem internationalen
Badepublikum nun einmal geboten werden muß, das versteht sich von
selbst. Aber neben den großen Palasthotels, die auch die unsinnigsten
Ansprüche zu befriedigen in der Lage sind, besteht doch die
Möglichkeit, auch bei bescheidenen Mitteln sich des Aufenthaltes in
Baden zu freuen; und gerade hierin mag ein Hauptvorzug des Ortes
liegen, der neben den wertvollen Kurmitteln und neben der reizvollen
Lage das Geheimnis des stets wachsenden Besuches erklärt.
[Illustration: Abb. 136. Bühl.
Nach einer Photographie von A. Lohmüller in Bühl. (Zu Seite 129.)]
[Illustration: Abb. 137. Gertelbachfälle.
Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu Seite 130.)]
Am Wege vom Bahnhofe in die Stadt, dem jetzt die elektrische Trambahn
nach Lichtental folgt, fällt uns an einer rechts abzweigenden
Nebenstraße zuerst die Trinkhalle auf (Abb. 139), unmittelbar am Walde
gelegen, aus dessen Düster die goldstrahlende Kuppel der griechischen
Kirche hervorschimmert. Die Gegenstände der vierzehn Fresken in der
offenen Säulenhalle sind dem Sagenschatze von Badens näherer und
weiterer Umgebung entnommen. Das Konversationshaus mit seinen vornehmen
Gesellschaftsräumen, vor ihm die Anlagen der Promenade und die an der
Oos hinziehende Lichtentaler Allee (Abb. 141) mit ihren wunderbar
schönen alten Bäumen, meist Ahorn und Linden, aber auch Eichen, bilden
den eigentlichen Mittelpunkt des eleganten Badelebens. Dem Heilzweck
dienen das im Inneren nach dem Muster altrömischer Badeanlagen
gehaltene und nur von Männern zu benutzende Friedrichsbad (Abb. 142),
im Jahre 1877 vollendet, und das noch jüngere Kaiserin-Augustabad (für
Frauen). Beide Bauten sind Vertreter der italienischen Renaissance,
hervorragend schön und in ihrer inneren Einrichtung so trefflich
ausgestattet, daß sie jedem Bedarf und Anspruch entsprechen. Auch
das Landesbad und das Ludwig-Wilhelm-Pflegehaus dienen Kur- und
Erholungszwecken. Dazu kommen nicht wenig Privatsanatorien mit
Einrichtungen allerart für jede Form von Heilmethoden. Baden ist
eben tatsächlich nicht nur der Luxusort, als der es einem flüchtigen
Besucher erscheinen könnte, es ist wirklich eine Kurstätte allerersten
Ranges. Daß dem Kranken die zahlreichen, prächtig gepflegten Wege zum
Fahren und Gehen zwischen den ungezählten schönen Villen und ihren
Gärten, in der Talebene wie an den sanften Gehängen ihrer Einrahmung,
in Anlagen voll reichster künstlicher Vegetation vielfach ganz
südlichen Charakters, endlich im stillen, majestätischen Wald und auf
den aussichtsreichen Höhen zu allen Seiten mit ein Hauptgenesungsfaktor
sind, wie sie dem nicht erholungsbedürftigen Gaste dieses Paradieses
zur unerschöpflichen Fundgrube immer neuer, immer schönerer
Landschaftsbilder werden -- das versteht sich von selbst. Ob wir vom
Garten des Großherzoglichen Schlosses oder vom Turm der alten Burg
Hohenbaden (Abb. 143) ins Tal herniederblicken, ob wir durchs Labyrinth
der Felsen steigen, die Umgebung der Engels- und Teufelskanzel oder
den höheren Merkur besuchen, um von hier ins nahe Murgtal abzusteigen,
ob wir im Wald am Friesenberg umherschlendern oder uns über den Beutig
zum Fremersberg oder zur Yburg wenden, um etwa durch die villenbesäten
Tälchen von Tiergarten oder Gunzenbach zurückzukehren, ob wir Kloster
Lichtental und die waldeinsame Fischkultur (Abb. 144) aufsuchen, oder
irgendeinen anderen der vielen abwechslungsvollen Pfade einschlagen,
überall ist dieselbe milde Schönheit über die Welt vor unseren Augen
ausgebreitet, und je öfter wir all das genießen, desto lebhafter wird
der Wunsch nach der Wiederkehr in diese lieblichen Gefilde. Ob Baden
sich in der milden Herbstfärbung oder in strahlender Sommerpracht oder
im Blütenschmuck des Frühlings am herrlichsten offenbare, wer wollte
das entscheiden? Glücklich, wem es vergönnt ist, ab und zu still
beglückte Tage oder auch nur Stunden in diesem Eden zu verleben und die
Reize der einzelnen Jahreszeiten und ihrer Stimmungen gegeneinander
abzuwägen.
[Illustration: Abb. 138. Oberbühlertal. Nach einer Photographie von Ph.
Bussemer in Baden. (Zu Seite 129.)]
XV. Murg- und Kinzigtal von Rastatt bis Hausach.
[Sidenote: Rastatt. Murgtal.]
Von Oos gelangen wir in kürzester Frist nach Rastatt, das vom
Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden-Baden, dem als Türkenlouis berühmt
gewordenen Waffengefährten des Prinzen Eugen, nach der Zerstörung der
nahen Bäderstadt durch die Franzosen zur Residenz erhoben, um 1700 mit
dem im Stil jener Zeit erbauten Schloß geschmückt, 1841 zur deutschen
Bundesfestung bestimmt und seit 1893 als fester Platz aufgelassen und
geschleift wurde. +Gegen+ Straßburg hatte es Wert zum Schutz der
Murgtalstraße und ihrer Gebirgspässe, sowie der nördlichen Rheinebene,
+mit+ Straßburg aber nicht mehr. Heute zählt die Stadt gegen 15000
Einwohner; seit der Erbauung der Bahn über den Rhein in der Richtung
auf Straßburg und Metz hat sie erhöhte Verkehrsbedeutung gewonnen.
Nicht weit unterhalb Rastatt mündet die Murg in den Rhein.