Kein Wunder darum, daß Freiburg eine große Anziehungskraft übt. Hatte

die Stadt 1812 erst 10100 Einwohner, so war sie bis 1864 auf 19200,

d. h. jährlich um 1,2 Prozent angewachsen, seither aber stieg ihre

Bevölkerungszahl durchschnittlich um 3,3 Prozent im Jahre, so daß

sie an der Jahrhundertwende 61500 und 1910 über 83000 betrug, von

denen rund 70 Prozent katholisch sind. Bei dieser starken Zunahme

muß aber ganz besonders beachtet werden, daß wir es in Freiburg

nicht mit einer Industriestadt im eigentlichen Sinne zu tun haben.

Blühen auch Gewerbe und Handel lebhaft, so treten sie doch nicht als

beherrschend in den Vordergrund, Fabrik- und Arbeiterviertel fehlen

ebenso wie enge, winkelige Stadtteile nach der Art anderer alter

Städte, und das, was man Proletariat zu nennen pflegt, das gibt es

im landläufigen Sinne nicht in Freiburg. Um den alten, kleinen Kern

der Stadt, der sich um das herrliche Münster kreisförmig ausbreitet

und dessen Umgrenzung vom Schloßberg aus an den steilen Dächern der

älteren Häuser leicht zu erkennen ist, dehnen sich die weit und luftig

gebauten neuen Stadtteile in großem Umfang nach allen Seiten. Meist

sehen wir hier elegante Villenstraßen mit wohlgepflegten Gärten; die

zweistöckigen Häuser überwiegen dabei und bedingen, daß der Raum der

Stadt im Verhältnis zu ihrer Volkszahl ein unverhältnismäßig großer

ist. Baum- und rasenbepflanzte Plätze sind überall zwischen den

Häuserblöcken zerstreut, unter ihnen nimmt der schöne Stadtgarten

die erste Stelle ein. Diese weite, luftige Bauweise ist ein weiterer

sanitärer und vor allen Dingen auch sozialer Vorzug der Stadt, der uns

deutlich zeigt, daß ihr Volkszuwachs wesentlich durch Zuzug besserer

Gesellschaftsklassen zu erklären ist. In der Tat darf Freiburg als ein

Pensionopolis bezeichnet werden, in welchem Beamte jeder Kategorie,

Offiziere, Gelehrte, Kaufleute aus aller Herren Länder sich ein Heim

geschaffen haben. Durch diesen Zuzug und seine Bedürfnisse hat sich das

Ansehen der Stadt in den letzten Jahrzehnten sehr stark verändert und

nicht minder auch der Geist, der in ihr waltet.

[Illustration: Abb. 93. Stutz bei Schönau. Im Hintergrunde der Belchen.

Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu Seite 103.)]

[Sidenote: Freiburgs Bauten.]

In all diesem Wandel der Verhältnisse ist aber neben der landschaftlich

so unvergleichbar schönen Umgebung mit der weiten, gesegneten Ebene,

der wein- und obstreichen Vorbergzone und dem formenreichen, stolz

aufragenden Waldgebirge (Abb. 61) eines stets unverändert geblieben,

das ist das wunderbare Wahrzeichen dieser Stadt, ihr frühgotischer Dom

mit seiner himmelanstrebenden, durchbrochenen Pyramide, die weder in

Straßburg noch in Köln, nicht in Ulm und nicht in Wien ihresgleichen

findet an Anmut und Zierlichkeit des Aufbaues bis hinauf zur Spitze,

die 120 ~m~ über dem Boden sich in den Äther verliert (Abb. 62 u. 63).

[Sidenote: Bauten, geistiges Leben.]

Von anderen alten Gebäuden mögen das Kaufhaus (Abb. 64) und

das Kornhaus am Münsterplatz mit seinem volkstrachtenbelebten

Samstagsmarkt, die Franziskanerkirche und das geschmackvoll

restaurierte Rathaus ihr gegenüber genannt werden (Abb. 65), ferner

der Basler Hof (Bezirksamt), das Falkensteinische Haus u. a. m.

Das Schwaben- und Martinstor (Abb. 66) sind kürzlich stilvoll

umgebaut und dabei wesentlich erhöht worden. Sonst sind nicht

gerade sehr viele alte Gebäude da, die Belagerungen von 1644,

1713 und 1744 scheinen damit gründlich aufgeräumt zu haben, so

daß trotz neuerlicher Bestrebungen einer altertümlichen Bauweise

Freiburg tatsächlich überwiegend den Eindruck einer modernen Stadt

macht. Hauptverkehrsader ist die Kaiserstraße, die von Nord nach

Süd läuft; ihre Brunnen und das hervorragend schöne Siegesdenkmal

für 1870/71 beleben sie aufs günstigste. Die alte Universität, ein

unansehnliches Gebäude, dem man das ehemalige Jesuitenkloster auch

ohne die danebenstehende Barockkirche deutlich anmerkt, wird in kurzem

verlassen werden. Der stattliche Prachtbau, der sie ersetzen wird,

geht seiner Vollendung entgegen; zusammen mit dem Bibliotheksbau

und dem eben vollendeten neuen Stadttheater hat er dem Platz an der

Werderstraße ein ganz hervorragendes monumentales Gepräge verliehen.

Sehr ansehnliche Bauwerke sind auch die neueren Schulgebäude, die

zahlreichen medizinischen und naturwissenschaftlichen Anstalten,

das Diakonissenhaus, die St. Johannes- und die Herz-Jesukirche. Die

romanische Ludwigskirche verdient dadurch Interesse, daß sie einst

als Thennenbacher Klosterkirche in weltabgeschiedenem Waldtal hinter

Emmendingen stand, nach Aufhebung der Abtei abgebrochen und um 1830 in

Freiburg neu aufgebaut wurde.

Freiburg ist der Sitz zahlreicher Behörden, sowie des Erzbistums für

die oberrheinische Kirchenprovinz; es liegen hier ein Infanterie-

und ein Artillerieregiment, die Stäbe einer Infanterie- und einer

Artilleriebrigade sowie der Stab der 29. Division. Ihren größten Schatz

aber birgt sie in ihrer Universität, der Alberto-Ludoviciana, die 1456

von Erzherzog Albrecht von Österreich gegründet und nach dem Anfall der

Stadt an Baden 1806 durch Großherzog Ludwig erneuert wurde. Vor vierzig

Jahren zählte sie kaum mehr als 200 Studierende, und man fürchtete

für ihr Bestehen. Da führte ihr seit 1871 die Gründung des Deutschen

Reiches neues Leben zu, und jetzt haben wir im Sommer schon 2900

Studenten gehabt.

[Illustration: Abb. 94. Zell im Wiesental.

Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu Seite 103.)]

Hand in Hand mit diesem Aufschwung ging der der Stadt selbst. Und

damit ward auch der alte, etwas kleinliche Geist, wie ihn enge

Verhältnisse überall mit sich im Gefolge haben, endgültig gebannt.

Heute ist Freiburg nicht nur unbestreitbar die schönste der deutschen

Universitätsstädte, sondern sie ist auch, was ihr Name sagt, eine

freie Burg der Forschung, der Geistesarbeit auf allen Gebieten, ein

Hort des Deutschtums, ein fruchtbarer Boden für jegliche Betätigung

des bürgerlichen Gemeinsinnes, des Fortschrittes. Daß sie auch für

die Bedürfnisse der Geselligkeit alles Wünschenswerte bietet, dafür

sorgen in reichlicher Weise Theater und Konzerte, Vorträge und

Vereinsveranstaltungen jeglicher Art.

[Sidenote: Freiburgs Umgebung.]

Und was schließlich bei aller Verschiedenheit der Neigungen und

Ansprüche Bewohner und gelegentliche Besucher gleichermaßen beglückt,

das ist die herrliche nähere und weitere Umgebung der Stadt, zu der

elektrische Straßenbahnen und Wege allerart hinausführen. Auf dem

Lorettoberg steht eine Kapelle, in deren Außenwand eine Stückkugel

eingemauert ist, die 1744 den Franzosenkönig Ludwig XV., als er von

hier aus die Belagerungsarbeiten besichtigte, fast getötet hätte. Wer

von dieser Stelle oder vom Schloßberg Umschau hält in die gottbegnadete

Landschaft, dem wird das Scheiden nicht leicht werden, nachdem er

sein Herz erfüllt hat mit den wechselvollen Eindrücken, die ihm der

Rundblick gewährt auf die münsterüberragte Stadt im Kranz ihrer Villen,

Gärten und Berge, nachdem er über der weiten Ebene das Vulkangebirge

des Kaiserstuhls und dahinter den langen Zug des Wasgenwaldes

erschaute, und über dem reichen Grün der nächsten Nähe seinen Blick

erhob zu den schöngeschwungenen Berglinien des Schwarzwaldes, die ihn

einladen zum Wandern, Schauen und Bleiben. Ob er dann die Schritte ins

Revier des Schönberges oder zum Roßkopf mit seinem Aussichtsturm oder

zum Stammschloß des badischen Herrscherhauses, der Zähringer Ruine,

oder nach dem idyllischen St. Ottilien oder zum Waldsee oder nach dem

ewig lieblichen Günterstal lenkt, es ist immer eines, was ihn beglückt,

nämlich der Genuß unvergänglicher Naturschönheit, wie sie auf engem

Raum nicht leicht in gleicher Fülle und Lieblichkeit anderswo sich

ausgestreut findet.

[Illustration: Abb. 95. Breisgauerin.

Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu Seite 103.)]

[Illustration: Abb. 96. Markgräflerinnen.

Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu Seite 103.)]

X. Über Berg und Tal im südlichen Schwarzwald.

[Sidenote: Wegsamkeit des südlichen Schwarzwaldes.]

Von jedem Punkt der Umrandung des südlichen Schwarzwaldes, zu

allermeist aber von Freiburg aus, führen bequeme Wege ins Innere des

Gebirges. Die Haltestellen der Höllentalbahn zwischen Kirchzarten

und Titisee, die von der Breisgaustadt höchstens bis zu anderthalb

Stunden Fahrzeit erfordern, lassen den 1493 ~m~ hohen Feldberg in drei

Gehstunden oder nur wenig mehr ersteigen; da ferner von Basel aus

durch das Wiesental bis nach Todtnau, das unmittelbar am Südfuße des

Feldberges liegt, ebenfalls ein Schienenstrang führt, so ist auch von

dieser Seite her die höchste Gebirgserhebung mühelos und in kürzester

Frist erreichbar. Die eisenbahnfernste Gegend zwischen Freiburg und

Waldshut, Basel und Zollhaus, die Umgebung von St. Blasien, liegt in

der Luftlinie nur etwa 15 ~km~ von der nächsten Bahnstation ab; es

können daher bequem Tageswanderungen quer durch das ganze Gebirge

ausgeführt werden, die es gestatten, am Abend wieder zum Ausgangspunkt

zurückzukehren. Dazu kommt, daß die Landschaft trotz ihrer bedeutenden

Höhenunterschiede die Eigenschaft der Durchgängigkeit in hervorragendem

Maße besitzt. Ist doch der Schwarzwald im ganzen, dank seiner Neigung

zur Plateaubildung, auffallend hoch hinauf stark besiedelt; die Folge

davon ist selbstverständlich auch ein dichtes Netz von Verbindungswegen

jeder Art. Zu den prachtvoll gebauten Landstraßen längs der Wasserläufe

der Täler, über die Pässe von einem Talgebiet zum anderen und über

die aussichtsreichen Höhen hin -- ein Dorado für die Radfahrer --

kommen wohlangelegte Fahrwege auch zu dem in tiefster Einsamkeit oder

auf höchster Höhe gelegenen Bergdorfe, sowie sehr gute Forststraßen,

die zur Verbilligung der Holzabfuhr aus den Waldungen in wachsender

Ausdehnung gebaut werden. Und endlich haben wir eine reiche Fülle von

Gehwegen, die entstanden sind als Verbindungen von Einzelgehöften,

Weilern und Dörfern, als Hutpfade im Interesse der Forstwirtschaft,

oder im Dienste der Wanderlust an sich.

[Illustration: Abb. 97. Hebelhaus in Hausen.

Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu Seite 103.)]

[Illustration: Abb. 98. Lörrach.

Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu Seite 104.)]

[Illustration: Abb. 99. Schloß Rötteln.

Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu Seite 104.)]

[Illustration: Abb. 100. Eingang von Schloß Rötteln.

Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu Seite 104.)]

[Illustration: Abb. 101. Belchenhaus.

Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu Seite 104.)]

[Sidenote: Der Schwarzwaldverein.]

In letzterer Hinsicht hat seit 1864 der Schwarzwaldverein, der sich

den Zweck setzt, die Kenntnis des Schwarzwaldes zu erweitern und zu

verbreiten, das Reisen und den Aufenthalt in ihm zu befördern, sowie

dessen Naturschönheiten bekannt und zugänglich zu machen, ungeheuer

viel geleistet. Jede noch so tief im Wald versteckte Felsschlucht ist

zugänglich gemacht worden, ebenso jeder Berggipfel und Aussichtsfels,

und zwar nicht etwa durch gefährliche, schwindelerregende Steige,

sondern durch kunstvoll angelegte, mit Tausenden von Wegweisern und

Farbzeichen versehene, sichere Wege, durch Brücken und Stege, die

das Wandern erst recht genußreich machen. Nehmen wir dazu noch das

reichliche Vorhandensein von offenen Schutzhütten und Aussichtstürmen,

so haben wir in diesen Dingen die dankenswerten Ergebnisse einer

segensreichen, praktischen Arbeit, durch die im Laufe der Jahre

tatsächlich die ganze Physiognomie des Gebirges eine andere geworden

ist.

Wer die moderne Touristik nur nach etwaigen Äußerlichkeiten und

Nebensächlichkeiten beurteilen wollte, die ja allen menschlichen

Bestrebungen und Einrichtungen anhängen, ohne ihr Wesen auszumachen,

der täte ihr unrecht. Es steckt in den Touristenvereinen, und im

Schwarzwaldverein ganz besonders, ein gutes Stück von deutschem

Idealismus. Durch ihre Wegbauten und Wanderfahrten locken sie gar

manchen, dessen Auge sonst nie für die Natur erschlossen worden

wäre, hinaus in Wald und Flur, über Berg und Tal; indem sie auf die

Schönheit der Heimat hinweisen, bereiten sie der Liebe zur Heimat und

zum Vaterland eine Stätte im Herzen und wirken so im besten Sinne des

Wortes erzieherisch. Indem endlich durch ihre Tätigkeit Gebiete, die

früher abseits von der Heerstraße lagen, auch Fremden gegenüber ihre

Anziehungskraft ausüben lernen, hebt sich Handel und Wandel nach vielen

Richtungen. Die glänzenden Erfolge der heimischen Fremdenindustrie sind

nicht denkbar ohne die Vor- und Mitarbeit des Schwarzwaldvereins, des

badischen wie des württembergischen, die beide ihren Vereinszweck auch

noch dadurch zu fördern suchen, daß sie der Landes- und Volkskunde,

sowie der Touristik dienende Veröffentlichungen herausgeben[1].

[Sidenote: Die Höhenwege.]

Bei all den vielen Tausenden, die beruflich jahraus, jahrein das wirre

Getriebe der Städte über sich ergehen lassen oder gar tätig in dasselbe

eingreifen müssen, erscheint der Wunsch, gelegentlich den Niederungen

der Menschen möglichst vollständig zu entfliehen, nur allzu begreiflich

und berechtigt. Ihnen kommen seit kurzem im Schwarzwald einheitlich

mit roter Raute bezeichnete Höhenwege zugute, die von Pforzheim

einerseits bis Basel (Höhenweg I), anderseits bis Waldshut (Höhenweg

II) so weit es immer angeht, stets den Gebirgskämmen folgen und diese

nur dann verlassen, wo es unvermeidlich ist. Zu den Haupthöhenwegen

führen von allen Talstationen aus Zugangswege, die mit blauer Raute und

entsprechenden Nummern (1, 2, 3...) ausgezeichnet sind. Den südlichen

Schwarzwald erreicht der 1901 vollendete Höhenweg I von Norden her

beim Titisee. Indem wir ihm folgen, überqueren wir ohne Beschwer die

stolzesten Gipfel des Gebirges und gewinnen dabei die lohnendsten

Blicke über dasselbe.

Immer im Zeichen der roten Raute steigen wir von den Gasthäusern am

See die schöne Straße längs seiner Ostseite hinan und freuen uns der

glitzernden Grüße, die die Spiegelflut durch das Geäst der schwarzen

Tannen heraufwinkt. Wo die Straße nach Lenzkirch (802 ~m~) umbiegt

(Abb. 67), einem schmucken Industrieorte mit großer Uhrenfabrik, um

weiterhin den Bahnhof Kappel bei der großen Gutachbrücke zu erreichen

oder über die einsamen Höhen im Süden der Wutach gegen Bonndorf

weiterzuziehen, da verlassen wir sie und folgen einem entzückenden

Waldweg mit gelegentlichen Niederblicken auf den stillen Bergsee und

seine stimmungsvolle Umgebung. Die Verkehrsbedeutung der herrlichen

Straße Titisee-Lenzkirch-Bonndorf ist neuerdings vermindert worden,

seit nämlich von der Station Kappel-Gutachbrücke (s. S. 76) der Linie

Donaueschingen-Freiburg eine Nebenbahn abzweigt, die nach Lenzkirch

führt, aus dessen Kopfstation sie sich ostwärts wendet, um hoch über

dem tief eingeschnittenen Wutachtal Bonndorf zu erreichen. Diese neue

Gebirgsbahn erleichtert den Zugang nach Boll und zur Wutachschlucht

wesentlich, nicht minder auch den zu den südlichen Schwarzwaldtälern

der Schwarza, Steina, Schlücht (s. unten).

[Illustration: Abb. 102. Spinnstube im Kapplertal bei Freiburg.

Nach einer Photographie von M. Ferrars in Freiburg. (Zu Seite 107.)]

[Sidenote: Der Feldberg.]

Beim Sattel von Bärental (Abb. 68) erreicht der Höhenweg die Straße,

die von der Westseite des Titisees und von Hinterzarten herkommt,

geht auf ihr in herrlichstem Hochwald bequem aufwärts, tritt bei der

Jägersmatte (1230 ~m~) aus dem Wald und gelangt dann in kurzem zum

großen, aber urbehaglichen Gasthaus des Feldbergerhofes (Abb. 69), der

in einer Meereshöhe von 1279 ~m~ gelegen ist. Von hier braucht man zum

mächtig aufragenden Bismarckdenkmal (Abb. 70) auf dem Seebuck (1450

~m~) und zum Friedrich-Luisenturm auf dem Feldberg (1493 ~m~) noch ein

kleines Stündchen.

[Illustration: Abb. 103. Bei Horben.

Nach einer Photographie von M. Ferrars in Freiburg. (Zu Seite 107.)]

Von der herrlichen Welt, die sich vor den Augen des Feldbergbesuchers

ausbreitet, ist schon die Rede gewesen. Die Schönheit des Feldbergs

liegt darin, daß wir in ihm nicht einen räumlich engbegrenzten Gipfel

haben, sondern einen Bergstock von ansehnlichem Umfang, dessen

Fuß nördlich an der Sohle des Höllentals und südlich an der des

oberen Wiesentals liegt, während er westlich durch den Straßenzug

Todtnau-Kirchzarten, südöstlich durch die Linie Todtnau-Titisee

begrenzt werden kann. Auf diesem großen Raume bietet sich nun eine

reiche Fülle von landschaftlicher Schönheit, deren Wechsel nie

eintönig wird, wie auch ein fröhlich-sorgloses Umherschlendern auf den

freien Höhen des Feldberggebietes nie ermüden wird. Tage-, ja selbst

wochenlang bleibt der Feldbergerhof als Standquartier eine Fundgrube

immer wieder neuer Entdeckungen im luftigen Revier seiner Umgebung.

Auch die Zastlerhütte (Abb. 72) in dem großartigen Kartrichter

am Nordgehänge oder die Todtnauerhütte an der sonnigen Südflanke

des Berges oder das neue Gasthaus am Sattel des Zeiger sind keine

schlechten, wenn auch einfache Raststätten.

Das Wegnetz ringsum ist sehr dicht und bietet Befriedigung für jeden

Geschmack. Wie herrlich ist nicht der kühn angelegte Felsenweg hoch

über dem Felstrichter des Feldsees (1113 ~m~), wie lauschig der

Niederstieg zu dem stillen Wasserspiegel durch die üppigste Fülle

kraftstrotzender Waldvegetation (Abb. 74). Und all die Pfade, die vom

Höllental, von Kirchzarten her durchs Zastler- oder St. Wilhelmstal

oder über die Höhen zwischen diesen Einschnitten heraufführen, wie

sind sie schön, wie wohlig wandert es sich auf ihnen! Nicht minder

lohnend sind die Abstiege nach Osten und Süden in die Gebiete des

Schluchsees, ins Alb- oder Wiesental. Sehr bevorzugt ist der Feldberg

jetzt auch im Winter, wo er zum Schneeschuhsport einlädt, dem seit

Jahren im Schwarzwalde sehr energisch obgelegen wird (Abb. 71). Tage

mit Wärmeumkehr auf den blendend weißen Höhen -- und sie sind ja viel

häufiger, als man unten im Tale ahnt -- gehören zum Genußreichsten, was

das Gebirge bieten kann.

[Illustration: Abb. 104. Haldenwirtshaus am Schauinsland im Winter.

Nach einer Photographie von ~Dr.~ Hoek in Freiburg. (Zu Seite

107.)]

[Sidenote: Der Höhenweg I.]

Am Feldbergerhof gabelt sich unser Höhenweg I in zwei Äste, die das

Wiesental westlich und östlich umfassen, um schließlich in Basel wieder

zusammenzustoßen. Wir schlagen zunächst den östlichen der beiden

Hochpfade ein und steigen vom nahen Sattel des Zeiger (1234 ~m~), an

dem die Wiese nach Westen, die Alb nach Osten abfließt (Abb. 73),

zwischen den Tälern dieser Flüsse zum 1415 ~m~ hohen Herzogenhorn auf

(Abb. 75), von wo, ganz abgesehen von der herrlichen Alpenaussicht, der

Niederblick über die schroffen Felsabstürze hinab ins grüne Bernauer

Tal unendlich lieblich ist. Die weit zerstreute Gemeinde Bernau mit

ihren zahlreichen Weilern und Gehöften (Abb. 76) ist ein Hauptsitz

der Schwarzwälder Holzschneflerei, die hier in genossenschaftlichem

Betrieb ausgeübt wird und wirtschaftlich für die Talschaft segensreiche

Bedeutung gewonnen hat.

Weiter senkt sich unser Kammweg zum Sattel der Wacht (975 ~m~), wo

die Straße vom Wiesental nach St. Blasien geschnitten wird, steigt

dann wieder auf zum Blößling (1309 ~m~), geht zum Hohen Zinken (1243

~m~), Hochkopf (1263 ~m~) und Weißenbachsattel (1086 ~m~), von wo

bequem nach Todtmoos im oberen Wehratal abgestiegen werden kann. Auf

der Höhe gelangt man vom Weißenbachsattel bald zu dem von St. Anton

(1054 ~m~), über den wie über den ersteren ein Übergang vom Wehra-

ins Wiesental führt. Zumeist durch prachtvollen Wald zieht unser Weg

weiter und läßt uns schließlich die Hohe Möhr (983 ~m~) mit ihrem

steinernen Aussichtsturm erreichen, der weiten Umblick gewährt über

den schmucken Kranz der hohen Waldberge im Westen, Norden und Osten,

über die fruchtbaren Auen des nahen Wiesentals, die hügeligen Gelände

des Dinkelbergs, hinab zum grünen Rhein und darüber hinaus auf den

Schweizer Jura und die strahlenden Häupter der Alpen. Das unmittelbar

am Fuße des Berges gelegene Kurhaus Schweigmatt (750 ~m~) gewährt

nach der eigenartig schönen aber etwas anstrengenden Höhenwanderung

willkommene Rast (Abb. 77).

Die Fortsetzung des Höhenpfades über den Muschelkalkrücken des

Dinkelbergs dürfte in ihrer ganzen Ausdehnung vielleicht etwas ermüdend

sein. Doch bietet der periodische Eichener See nicht alltägliches

Interesse als eine Erscheinung, die auf Kalkböden nicht selten ist,

wie wir ja von den Karstlandschaften her wissen. Vom Aussichtsturm auf

dem Hohen Flum (535 ~m~) ist die Nahsicht auf das Rheintal besonders

schön, von der St. Chrischonahöhe (523 ~m~), auf der die Basler

Missionsgesellschaft einen Teil ihrer Anstalten unterhält, nicht minder

der Niederblick auf die nahe Großstadt und ihre Umgebung.

[Sidenote: Talbildungen.]

Im Osten der eben durchwanderten Höhenlinie ist der orographische

Aufbau unseres Gebirges im Gegensatze zu seinen übrigen Teilen dadurch

ein ganz eigenartiger, daß die dem Rhein zueilenden Flüsse Wehra, Murg

und Alb, sowie die Wutachzuflüsse Schwarza, Mettma, Schlücht, Steina

abweichend vom normalen Flußgefälle, das vom Ober- zum Unterlauf immer

geringer wird, ausnahmslos in ihrer Quellregion durch sanftgeböschte,

freundliche Wiesenauen oder breite, friedliche Waldtäler strömen und

erst weiter abwärts sich tiefer, vielfach geradezu cañonartig in den

Gebirgskörper einnagen. In steilem Gefälle arbeitet sich das Wildwasser

mächtig rauschend zwischen senkrechten Felswänden durch, die sich

oft so nahe treten, daß von oben herab sein Lauf nicht mehr gesehen,

sondern nur noch durch weithin vernehmbares Tosen vermutet werden

kann. Die meisten dieser Talbildungen, deren Formen manchen ähnlichen

Erscheinungen des Hochgebirges durchaus ebenbürtig an die Seite

gestellt werden dürfen, haben es erst der neuzeitlich fortgeschrittenen

Wegbautechnik zu verdanken, daß sie dem Verkehr erschlossen wurden.

Die alten Wege vom Rheintal nach Norden ins Innere des Gebirges führen

alle über die Höhen, die auch allein besiedelt erscheinen, während die

finstern Schluchten auf lange Strecken unbewohnt sind und höchstens an

den seltenen Stellen, wo einer der wenigen Ost-Westwege sie schneidet,

ein einsames Wirtshaus oder eine klappernde Sägemühle aufweisen.

Zwischen Neustadt und Waldshut erschließt der Höhenweg II viele dieser

bisher wenig besuchten, einsamen, aber durch ihre weiten, herrlichen

Fernsichten besuchenswerten Gebiete.

[Illustration: Abb. 105. Der Feldberg, vom Schauinsland aus gesehen.

Gemälde von Hans Busse. (Zu Seite 107.)]

[Illustration: Abb. 106. Schellenmarkt an der Biereck.

Nach einer Photographie von Prof. ~Dr.~ Längin in Karlsruhe. (Zu

Seite 109.)]

Der Schwarzwald · 第 7 / 14 段