In der Umgebung des Bahnhofes Badisch-Rheinfelden hat sich seit wenig

Jahren eine Umwandlung des ganzen Landschaftsbildes vollzogen, wie sie

im Rheintal mit seiner alten Besiedlung und Kultur weniger zu erwarten

war als etwa im fernen Westen Amerikas. Es ist nämlich hier eine

neue Stadt „Badisch-Rheinfelden“ entstanden in einer so kurzen Zeit,

daß man meinen möchte, sie sei aus dem Boden herausgezaubert worden.

Wohnten doch auf der Fläche der beiden anstoßenden Dorfgemeinden

Nollingen und Karsau mit ihrer bisher ausschließlich Landwirtschaft

treibenden Bevölkerung 1890: 1534 Einwohner, 1905 aber 3915. Dieses

außerordentliche Wachstum erklärt sich dadurch, daß die Stromschnellen

bei Rheinfelden in umfangreichster Weise nutzbar gemacht worden

sind, um der weiteren Umgebung bis tief in die Schweiz und ins

badische Markgräflerland hinein durch elektrische Übertragung Licht

und Kraft zu übermitteln. Das hat nun zur Anlage großer Fabriken in

unmittelbarster Nähe geführt; bedeutende elektrochemische Fabriken,

Aluminiumwerke usw. sind rasch entstanden, und um sie die neue Stadt

„Badisch-Rheinfelden“ mit gegen 2500 Einwohnern. Zum Zwecke ihrer

einheitlichen Verwaltung ist kürzlich die Gemarkungsgrenze zwischen

den zwei obengenannten Landgemeinden verlegt und eine ganz neue

Organisation geschaffen worden. Ein größerer Gegensatz als der zwischen

diesem neuen Rheinfelden und seiner graben- und turmumwehrten älteren

Schwester drüben über dem Rhein ist kaum denkbar. Am Schweizer Ufer

efeuumranktes, malerisches Altertum in ruhiger Beschaulichkeit, und auf

der anderen Seite der Brücke der kräftigste Pulsschlag allermodernsten

Lebens.

[Sidenote: Wyhlen.]

An Wyhlen vorbei, wo die letzten größeren Stromschnellen des Rheines

ebenfalls der Technik dienstbar gemacht werden und wo ein Salzwerk

betrieben wird, ist nunmehr, indem wir weiter am Fuße des steil

ansteigenden Dinkelberges mit seinen großen Muschelkalkbrüchen entlang

fahren, bald Basel erreicht und damit die Südwestecke des Schwarzwaldes.

[Illustration: Abb. 60. Auf der Wallfahrt. Giersberg bei Kirchzarten.

Nach einer Photographie von M. Ferrars in Freiburg. (Zu Seite 81.)]

[Illustration: Abb. 61. Freiburg vom Schloßberg aus gesehen. Nach einer

Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu Seite 89.)]

VII. Das südwestliche Vorland von Basel bis Freiburg.

[Sidenote: Basel.]

Basel gehört seit 400 Jahren dem Bunde der Eidgenossen an und ist

heute mit rund 135000 Einwohnern das zweitgrößte Gemeinwesen der

Schweiz. Sein Dasein ist aber mit dem der nahen Schwarzwaldgebiete

durch so vielerlei Fäden so innig verbunden, daß wir seiner an dieser

Stelle gedenken müssen, und das um so mehr, als es im Verkehrsleben

der angrenzenden deutschen Landschaften eine geradezu beherrschende

Stellung einnimmt. Mündet doch hier nicht nur die Bahn vom Bodensee und

die Wiesentalbahn vom Feldberg her; wir haben auch die rechtsrheinische

badische Hauptbahn über Freiburg nach Heidelberg und weiter nach

Mittel- und Norddeutschland, sowie die linksrheinische, elsässische

Linie nach Mülhausen, wo der kürzeste Weg durch die Burgundische Pforte

und über das Plateau von Langres nach Paris abzweigt, nach Straßburg,

zum Niederrhein und nach England. Hunderttausende von Reisenden nach

der Schweiz, nach Südfrankreich und nach Italien, denen sich in Basel

nach diesen Zielen zahlreiche Linien zur Verfügung stellen, berühren

alljährlich die Stadt und legen hierdurch glänzendes Zeugnis ab von

ihrer hervorragend günstigen Verkehrslage.

[Illustration: Abb. 62. Inneres des Freiburger Münsters.

Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu Seite 89.)]

Diese Lage hatte schon seit dem Jahre 27 v. Chr. die unferne

Römerkolonie ~Augusta Rauracorum~ ausgenutzt. Nach der Zerstörung durch

die Alemannen entstand seit 374 n. Chr. Basilea = Basel auf hoher

geschützter Flußterrasse unmittelbar über dem Rheinknie und beherrschte

von nun ab zu allen Zeiten seine Umgebung in Handel und Verkehr,

Politik und geistiger Kultur, und wurde neben Straßburg, Speier, Worms,

Mainz und Köln eine der wichtigsten Städte längs der rheinischen

„Pfaffengasse“. Trotz der Nähe Frankreichs war es immer eine deutsche

Stadt nach Bauweise, Sprache und Sitte, nach seinen Betätigungen auf

künstlerischem und wissenschaftlichem Gebiet. Und auch heute noch ist

Basel deutsch, woran manche französischen Geschäftsaufschriften und

andere derartige Äußerlichkeiten nichts ändern.

[Illustration: Abb. 63. Das Münster in Freiburg vom Schloßberg aus

gesehen.

Verlag der Neuen Photographischen Gesellschaft in Berlin-Steglitz. (Zu

Seite 89.)]

Dem Verfasser dieser Zeilen ist Basel oft als ein unschöner, ja

widerwärtiger und sogar unausstehlicher Ort bezeichnet worden. Genauere

Nachfrage nach der Begründung dieses Urteils ergab in allen Fällen,

daß diejenigen, die es fällten, von der Stadt nichts kannten als die

zwei Bahnhöfe und ihre Schienenverbindung, daß sie von nichts zu sagen

wußten, als von der Hast des Umsteigens und des Gepäckschleppens, dem

Ärger der Zollplackerei, dem Gedränge am Fahrkartenschalter und der

Widerwärtigkeit des Geldwechselns. Nun, diese Dinge sind gerade keine

Annehmlichkeiten, sie kommen aber an jeder Grenze vor und sind nicht

der Mühe wert, den Gebildeten aus seinem geistigen Gleichgewicht zu

bringen. Vor allem geben sie kein Recht, eine Stadt zu beurteilen,

von der man nichts anderes kennt als diese negativen Zugaben zum

Reisevergnügen.

Alle, die den Rat befolgten, nicht bei jeder Schweizerreise und

Italienfahrt nur durch Basel durchzustürmen, sondern der Stadt auch

einmal einen eingehenden Besuch zu machen, sind bald Verehrer und

Freunde derselben geworden. In der Tat gewähren die drei stattlichen

Rheinbrücken den Ausblick auf eines der packendsten Städtebilder, das

wir genießen können; die Aussicht von der Pfalz oben am gotischen

Münster unmittelbar auf den herrlichen Strom hinab und hinüber auf die

nahen Schwarzwaldhöhen ist entzückend, der Kreuzgang am Münster mit

seinen lauschigen, spitzbogenumrahmten Höfen und seinen Denkmälern

aus mehreren Jahrhunderten ist einer der schönsten seinesgleichen.

Steigen wir dann eines der steilen Gäßchen hinab in die belebten

Straßen, die nach dem Marktplatz mit seinem alten, glücklich erneuerten

Rathaus und weiter kreuz und quer zu dem massigen Bau des Spalentores

führen, so bekommen wir den stimmungsvollsten Eindruck einer Stadt mit

alter, hoher Kultur, in der aber das moderne Leben darum doch nicht

minder lebhaft pulsiert. Das historische Museum, in der ehemaligen

Barfüßerkirche aufs glücklichste und unter geschickter Anpassung an

die gegebenen Räume trefflich untergebracht, wird den Altertumsfreund

lebhaft fesseln; die Kunstsammlungen im Museum sind bekannt in ihrer

hohen Bedeutung für die ältere deutsche Malerei, in erster Reihe für

Holbein. Daß von dem Basler Böcklin, der in jungen Jahren die Wände

im Treppenhaus mit großen Gemälden schmückte, nicht wenige seiner

Schöpfungen in einem eigenen Saale vereinigt sind, verleiht der Galerie

in neuerer Zeit eine besondere Anziehungskraft.

[Illustration: Abb. 64. Das Kaufhaus in Freiburg.

Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu Seite 89.)]

Die naturwissenschaftlichen Sammlungen sind mit denen der Kunst unter

einem Dach untergebracht, ebenso eine ethnographische Sammlung; der

sehr schön angelegte und an seltenen Tierformen reiche zoologische

Garten befindet sich im Südwesten vor der Stadt.

[Illustration: Abb. 65. Rathaus in Freiburg.

Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu Seite 89.)]

All das und vieles andere von hervorragendem Wert ist entstanden durch

den hoch entwickelten Bürgersinn der Basler, die ihre Stadt schon

früh zu einer sehr reichen gemacht haben, indem sie die Vorzüge ihrer

glücklichen Lage für Handel und Verkehr zu allen Zeiten auszunützen

verstanden. Von dem in weitem Umkreis sprichwörtlich gewordenen Basler

Reichtum zeugt auch die 1460 gegründete, blühende Universität, die

bis zur Stunde von der Stadt allein erhalten wird; von ihm zeugen die

zahllosen Wohltätigkeitsanstalten jeder Art und die in der ganzen

Welt tätige Basler Mission. Von der Basler Gediegenheit bekommt aber

schließlich nur der die richtige Vorstellung, dem gelegentlich ein

Blick in eines der stolzen Patrizierhäuser zu tun vergönnt wird. Da ist

nichts zu sehen von modernem Firlefanz, alles atmet altüberkommene,

gewichtige Pracht. Kein Wunder darum, daß die Stadt für die Umgebung

der Inbegriff des Großen und Vornehmen ist, daß sie anzieht wie ein

Magnet. Waren doch 1888 schon von den Bewohnern nur 28% Stadtbürger,

dagegen 37% sonstige Schweizer und 35% Ausländer, von denen weit über

die Hälfte aus Baden stammte, und seither hat sich diese Zuwanderung,

besonders aus dem Schwarzwald, noch wesentlich verstärkt. Schon vor

hundert Jahren war Basel für den weitesten Umkreis schlechtweg „die

Stadt“ und es entspricht ganz dem Empfinden von Tausenden, wenn der

alemannische Dichter Johann Peter Hebel, der übrigens bei einem

vorübergehenden Aufenthalt seiner Eltern 1760 in Basel geboren wurde,

in einem seiner Gedichte sagte:

Isch Basel nit e schöni, tolli Stadt?

’s sin Hüser drin, in mengem Dorf isch d’Chilche nit so groß,

Un Chilche, ’s sin in mengem Dorf nit so viel Hüser.

[Sidenote: Leopoldshöhe. Lörrach.]

Kaum haben wir den badischen Bahnhof der Grenzstadt, der zurzeit

seiner Verlegung und Vergrößerung entgegensieht, verlassen, um uns in

nördlicher Richtung wieder dem eigentlichen Schwarzwalde zuzuwenden,

so erreichen wir sofort wieder Reichsgebiet und damit die Station

Leopoldshöhe, am Fuße einer mächtigen Terrasse diluvialer Geschiebe

gelegen, die uns vor Augen führt, wie hoch einst der Rhein den Graben

zwischen Schwarzwald und Wasgenwald mit von ferne hergebrachten

Gesteinsmassen auffüllte, und wie tief er sich später sein Rinnsal in

diese selbst gebildeten Ablagerungen einsägte. Von hier führt eine

Bahnlinie westwärts über den Strom zu der ehemaligen Reichsfestung

Hüningen, um dann an das Elsässer Bahnnetz anzuschließen, und eine

ebensolche östlich unter dem Tüllinger Berg (409 ~m~) durch nach

Lörrach im Wiesental, um weiterhin von Schopfheim aus und durch das

untere Wehratal nach Säckingen zu gelangen. Sie umgeht das Schweizer

Gebiet bei Basel und bildet ein Glied jener strategischen Linie, die

den Zugang von Osten her auf Belfort und die Burgundische Pforte

erschließt.

[Illustration: Abb. 66. Die Kaiserstraße mit dem Martinstor in Freiburg.

Verlag der Neuen Photographischen Gesellschaft in Berlin-Steglitz. (Zu

Seite 89.)]

[Illustration: Abb. 67. Mädchen aus dem Haslachtal bei Lenzkirch.

Nach einer Photographie von M. Ferrars in Freiburg. (Zu Seite 95.)]

[Illustration: Abb. 68. Zipfelhof im Bärental mit dem Feldberg.

Nach einer Photographie von ~Dr.~ Hoek in Freiburg. (Zu Seite 95.)]

[Sidenote: Der Isteiner Klotz.]

Nun geht es weiter durch eine kleine weingesegnete Ebene voll

stattlicher Ortschaften, alles beliebte Ausflugsziele für die Basler,

bis sich im Jurakalkrücken des Isteiner Klotzes (Abb. 39) das

Gebirge unmittelbar zum Rhein vorschiebt und die Bahnlinie zwingt,

in drei Tunnels die weißen Felsen zu durchbrechen. Mancherlei Sagen

und Legenden knüpfen sich an diesen Punkt, die stimmungsvollste

verarbeitete Scheffel zu seinem „Hugido“. Seit etlichen Jahren ist die

Felszinne des Isteiner Klotzes in eine starke Befestigung umgewandelt

worden, die das Rheinknie und Oberelsaß beherrscht. Damit ist auch die

Zugänglichkeit dieses einst so gefeierten Aussichtspunktes unmöglich

gemacht worden. Früher gab es hier ein genußreiches Wandern und

Klettern, und niemand, der sich Zeit lassen konnte, hat es bereut, von

Istein aus den malerischen Felssteig zu benutzen und zu der in die

senkrechte Kalkwand hineingehauenen Veitskapelle und weiter in die Höhe

hinaufzusteigen, wo seiner die herrlichste Aussicht harrte. Unmittelbar

zu Füßen strömt der majestätische Rhein in seinem kanalisierten Bett,

läßt aber in zahlreichen Altwassern und Verlandungen sein früheres

Überschwemmungsgebiet und zugleich den Gewinn der großen Flußkorrektion

erkennen. Darüber hinaus breitet sich das Elsaß aus, überragt vom

Wasgenwald und vom nahen Schweizer Jura. Über dem Klotz erhebt sich

in nächster Nähe der eigentliche Schwarzwald mit seinen dunklen

Waldbergen, an deren Fuß, soweit das Auge blickt, reiche Rebgelände

sich anschmiegen.

[Illustration: Abb. 69. Der Feldberger Hof im Winter.

Nach einer Photographie von ~Dr.~ Hoek in Freiburg. (Zu Seite 96.)]

[Sidenote: Müllheim.]

Noch geht’s eine kurze Zeit hoch über dem Rhein hin, dann tritt das

Gebirge und mit ihm die Bahnlinie allmählich mehr nach Osten zurück

und bald ist Müllheim erreicht, ein behäbiges Landstädtchen, ganz in

den rebenbewachsenen Lößhügeln und etwas höher ansteigenden Vorbergen

versteckt, zwischen denen sich eine Nebenbahn durchschlängelt, die uns

in einem halben Stündchen durch das Klembachtal hinauf nach Badenweiler

(427 ~m~) führt.

Das ist nun einer der bevorzugtesten, fast möchte man sagen

gottbegnadetsten Punkte des Schwarzwaldes (Abb. 40). Er liegt 200

~m~ über der nahen Rheinebene windgeschützt auf einer Terrasse des

höher ansteigenden Gebirges derart, daß gar häufig die herbstlichen

und winterlichen Nebel der Niederung nicht bis zu ihm hinauf dringen,

und daß schon hier sich die Wärmeumkehr der Höhen geltend macht. Dazu

kommen die Thermen von 26 bis 28° ~C~, die an der hier durchlaufenden

Hauptverwerfungsspalte des Schwarzwaldes austreten und schon vor 1800

Jahren zur Anlage des Römerbades und einer nicht unbedeutenden Siedlung

geführt haben. Auch der Bergbau, hauptsächlich auf silberhaltigen

Bleiglanz, der längs eines weithin zu verfolgenden Quarzitganges

durch lange Jahrhunderte lebhaft blühte, hat einst zur Hebung des

Ortes beigetragen. Heute erinnern daran nur noch die den Sammlern von

Mineralien bekannten Halden an der Sophienruhe, am Felsen des Alten

Mannes über der freundlich gelegenen Kuranstalt Haus Baden und an

anderen Orten.

[Sidenote: Badenweiler.]

Das Landschaftsbild von Badenweiler und Umgebung ist berückend schön.

Wandert man durch den wohlgepflegten Kurpark mit seiner überraschenden

Fülle von herrlichen Baumgestalten, unter denen viele Vertreter ferner

Florenreiche nicht fehlen, wie z. B. prachtvolle Zedern, Wellingtonien,

überhaupt Nadelhölzer allerart, so wird man die Geschicklichkeit

bewundern, mit welcher hier die an sich schon so schöne Natur wahrhaft

künstlerisch noch gehoben worden ist. Bald ist der Hügel erstiegen,

auf dem sich weit nach Westen vorgeschoben die Schloßruine erhebt. Das

altbadische Herrenhaus wurde 1678, wie so viele andere am Oberrhein

in jenen schweren Zeiten, von den Franzosen zerstört und bietet von

seiner obersten Warte einen entzückenden Blick auf den gesegneten Gau

zu Füßen. Im Osten das Klembachtal, von hohen Waldbergen umrahmt,

unter denen der nahe Blauen bis zu 1165 ~m~ aufragt, nach Süden

die fruchtbare Vorbergzone, unten das Tal mit seinen in Obstgärten

verhüllten Ortschaften, dann die weite Rheinebene, der silberglänzende

Strom, drüben im Westen das Elsaß mit den schön gezeichneten

Bergkonturen der Vogesen.

[Illustration: Abb. 70. Bismarckdenkmal auf dem Feldberg.

Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu Seite 96.)]

Badenweiler selbst ist ein kleiner Ort, der aber mit seinem schmucken

großherzoglichen Schloß, seinen Villen und Gasthäusern, alles in schöne

Parkanlagen und Gärten zerteilt, einen unendlich lieblichen Eindruck

macht. Sehenswert ist -- nahe bei dem im Kurpark gelegenen offenen

Schwimmbassin -- das nach dem Vorbilde altrömischer Bäder gebaute

„Markgrafenbad;“ es umfaßt ein Marmorschwimmbad, dessen bezaubernde

Lichteffekte, welche durch die gefärbten Glasscheiben der Decke

hervorgebracht werden, jeden Besucher bestricken, und Einzelbäder. Die

Ruine des Römerbades führt uns die Anlage einer der hervorragendsten

unter den nordalpinen Römerbauten vor Augen und gibt eine Vorstellung

von der Art, wie das große Kulturvolk seine Heil- und Luxusbäder

einzurichten pflegte. Sie ist 1784 entdeckt und freigelegt worden und

hat 66 ~m~ in der Länge, 19,5 ~m~ in der Breite. Neben Vorhöfen und

kleineren Räumen, wie Warte- und Salbzimmer, Schwitz-, Dampf- und

Einzelbäder, finden wir große Schwimmbäder (Piscinen), kalte Bäder

(Frigidarien), warme Bäder (Tepidarien). Alle Einrichtungen sind

doppelt vorhanden, offenbar um die Benutzung gleichzeitig für Männer

und Frauen zu ermöglichen. Ein Altarstein im Vorhof trägt eine Widmung

an die Diana Abnoba.

[Sidenote: Umgebung von Badenweiler.]

Über dem Dorf betreten wir den herrlichsten Hochwald mit seinen

wunderbar gepflegten Wegen, die sich jeder Art von Bewegungsbedürfnis

anpassen, vom kurz dauernden Gang ohne jede Steigung bis zur

lohnendsten Hochwanderung, die stundenlang ausgedehnt werden kann. Von

der Überfülle schöner Ausflugsziele mögen nur zwei genannt werden, der

Sirnitzsattel (1072 ~m~) am Wege zum Belchen, der durch das felsen- und

wasserfallreiche Klembachtal entweder auf neuer prachtvoll angelegter

Kunststraße oder auf dem alten Wege längs des rauschenden Bergbaches

erreicht werden kann, sodann der Gipfel des aussichtsreichen Blauen

(1165 ~m~), auf den eine Fahrstraße und ein ganzes Labyrinth von

prächtigen Fußpfaden führt.

Überaus lohnend ist auch das langsame und behagliche Schlendern durch

die Vorbergzone, etwa nach Bürglen (667 ~m~), einer ehemaligen Propstei

des Stiftes St. Blasien, und weiter nach dem freundlich gelegenen

und ansehnlich gebauten Industriestädtchen Kandern, einst berühmt

durch seine Hochöfen, welche die Bohnerze der Gegend verarbeiteten,

jetzt durch seine Brezeln, seine Tonwarenfabriken und seine blühende

Kunsttöpferei. Im Kandertal aufwärts liegt über dem freundlichen

Dorfe Marzell (Abb. 41) die Lungenheilanstalt Friedrichsheim, das

Tal hinab führt eine Nebenbahn an der malerischen Felslandschaft der

Wolfsschlucht vorbei und durch mehrere schmucke Dörfer in der Richtung

auf Basel.

[Illustration: Abb. 71. Im tiefen Schnee.

Nach einer Photographie von ~Dr.~ Hoek in Freiburg. (Zu Seite 97.)]

[Illustration: Abb. 72. Kartrichter am Feldberg und Zastler-Loch mit

Zastler-Hütte.

Nach einer Photographie von ~Dr.~ Hoek in Freiburg. (Zu Seite 97.)]

Wie im Süden von Badenweiler, so haben wir auch im Norden dieses

Kurortes einen reichen Wechsel von lieblichen Landschaftsbildern

voll freundlicher Ortschaften in ihrem reichen Garten-, Obst- und

Rebenschmuck mit ernsteren Wald- und Berggegenden, die vom Rande der

Ebene bis zu den höchsten Kämmen des Gebirges ansteigen. Der Blick,

den die Eisenbahnfahrt von Müllheim bis Freiburg auf den Schwarzwald

gewährt, ist an manchen Stellen geradezu großartig, besonders von

Heitersheim bis Krotzingen, wo die mächtige Kuppe des Belchen (1413

~m~) gewaltig aufragt, mit dem südlich anstoßenden Horn des Hochkelch

eine imponierende Berggestaltung. Zu diesen Höhen erschließen kurze

und im oberen Teil steil ansteigende Täler prächtige Zugänge. So

gelangen wir von Heitersheim mit seinem Deutschordensschloß aus dem

Jahre 1524 nach dem eng zwischen die Berge geschobenen Sulzburg, einem

alten Bergwerksstädtchen am Fuße des weinberühmten Kastelbergs, dessen

Ruine vielfach als die eines Römerturmes angesehen worden ist. Etwas

weiter oben im traulichen Waldtale liegt das Sulzburger Bad, für Ruhe-

und Erholungsbedürftige wie geschaffen, aber auch ein Stützpunkt für

Wanderungen nach allen Richtungen.

[Sidenote: Das Münstertal.]

Bei Krotzingen mündet das vom Neumagen durchströmte Münstertal

in die Ebene; eine Nebenbahn, deren Verlängerung durch das reich

gesegnete Hügelland nach Sulzburg führt, läßt uns in kurzer Fahrt

das hübsche Städtchen Staufen erreichen, dessen Hauptstraße und

Marktplatz einen malerisch-altertümlichen Eindruck machen. Vom

rebenumpflanzten Schloßberg grüßt altes Gemäuer auf das frische Leben

der Gegenwart herab. Die Aussicht, die sich uns oben erschließt, steht

in nichts der von der Burg Badenweiler nach. Hinter Staufen ragt der

Belchen in unmittelbarer Nähe dräuend auf, die Höhen-Differenz von

mehr als 1100 ~m~ wirkt fast erschreckend (Abb. 42); aus anderen

Mittelgebirgslandschaften läßt sich der Anblick mit dem der Schneekoppe

vom Riesengrund aus vergleichen. Vor dem Fuße des Bergkolosses gabelt

sich das Münstertal, dessen früherer Bergwerkssegen sich erschöpft zu

haben scheint. Der eine Talast, Untermünstertal, führt zum Sattel am

Haldenhof (931 ~m~), nicht weit von der Sirnitz, und dann ins Gebiet

des mittleren Wiesentals; der andere, Obermünstertal, am alten Kloster

St. Trudpert (Abb. 43, 44) vorbei zum mächtig aufragenden Porphyrfelsen

des Scharfensteins (Abb. 45) und auf die Wiedener Eck (1137 ~m~), von

wo ins obere Wiesental abgestiegen wird.

Rasch ist nun von Krotzingen ab Freiburg im Breisgau erreicht, die

natürliche Hauptstadt des Schwarzwaldes. Auch diese Fahrtstrecke wird

jeden befriedigen, der sich offenen Sinnes und frischer Genußfähigkeit

erfreut. Denn die gartengleich angebaute, dicht besiedelte Landschaft,

welcher die Ebene, sanft geböschte Lößhügel und kräftiger modellierte

Vorberge stets wechselnde, aber immer schöne Züge verleihen, hat

etwas unendlich Liebliches, am meisten in den Frühlingstagen der

Obstbaumblütenpracht, wo besonders die anderwärts selteneren

Pfirsichbäume mit ihrem entzückenden, zarten Rot ganz bezaubernd zur

Geltung kommen.

[Illustration: Abb. 73. Am Zeiger.

Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu Seite 98.)]

[Illustration: Abb. 74. Der Feldsee. Nach einer Photographie von Ph.

Bussemer in Baden. (Zu Seite 97.)]

VIII. Von der Donau zur Dreisam.

[Sidenote: Donaueschingen.]

Um auch die vierte Seite der Umrandung des südlichen Schwarzwaldes

kennen zu lernen, begleiten wir von dem früher erwähnten

Eisenbahn-Knotenpunkt Immendingen ab die windungsreiche Donau

talaufwärts, treten bald aus dem Gebiete des Juradurchbruches in die

Niederung des botanisch hochinteressanten Donauriedes und gelangen in

kurzer Frist nach Donaueschingen (677 ~m~). Das ist eine in vielen

Beziehungen höchst interessante, kleine Residenzstadt mit fast 4100

Einwohnern. Der Hofhalt der besonders in Böhmen begüterten Fürsten

von Fürstenberg, die bis 1806 souverän waren und jetzt noch zwischen

Bodensee, Feldberg und Kinziggebiet große Besitzungen haben, gibt dem

Orte ein besonderes Ansehen (Abb. 46). Von dem furchtbaren Brand, der

im August 1908 einen großen Teil der Stadt einäscherte, ist keine

Spur mehr zu sehen. Schmucke Neubauten ersetzen aufs vorteilhafteste

die ehemals viel unansehnlicheren Stadtteile. Der weit ausgedehnte

Schloßpark mit seinen herrlichen Baumgruppen wird jeden Besucher

entzücken, und keiner unterläßt es, an der hübsch gefaßten Donauquelle

(Abb. 47) seine Betrachtungen über den weiten Weg anzustellen, den

das Wasser von hier bis zum Schwarzen Meere zurückzulegen hat. Die

frühere Sitte, wonach jeder Gast des Fürstenhauses einen Sprung in das

Becken tun und im Wasser stehend den Becher leeren und einen Sinnspruch

sagen mußte, hat uns Scheffel, der nach seiner Säckinger Zeit als

Archivbeamter hier lebte, in seinem Juniperus köstlich geschildert.

Mit dieser Donauquelle ist es aber eine eigene Sache. Sie gibt ihr

Wasser in die Brigach (farbiges Einschaltbild Nr. 48) ab, die nahe

beim Städtchen nach 40 ~km~ langem Lauf sich mit der Brege vereinigt,

welche auch schon eine Lauflänge von 45 ~km~ hinter sich hat. So bleibt

doch wohl der Schwarzwälder Spruch berechtigt:

Brig und Breg

Bringen die Donau z’weg.

[Illustration: Abb. 75. Das Herzogenhorn im Nebelmeer.

Nach einer Photographie von ~Dr.~ Hoek in Freiburg. (Zu Seite 98.)]

[Illustration: Abb. 76. Bauernhaus in Bernau.

Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu Seite 98.)]

[Illustration: Abb. 77. Bauernhof im Schlechttal bei Schweigmatt.

Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu Seite 98.)]

Der Renaissancebau des Schlosses ist sehr ansehnlich, nicht wenige

sonstige Bauwerke verdienen außerdem Beachtung. Die Sammlungen sind

in hohem Grade wertvoll; es gilt das von den naturwissenschaftlichen

wie von der Kupferstich-, Münz- und Waffensammlung, vom Archiv und der

Bibliothek, unter deren reichen Schätzen die Laßbergsche Handschrift

~C~ des Nibelungenliedes sich wohl der größten Berühmtheit erfreut.

[Sidenote: Die Baar.]

Der Schwarzwald · 第 5 / 14 段