»Ich weiß nichts, ich dachte es mir nur.«
Sie sah mir ins Gesicht, wie ein Kranker dem Arzt, schwieg und zog
langsam die Handschuhe aus. Plötzlich stand sie auf, legte mir beide
Hände auf die Schultern und starrte mich aus großen Augen an.
»Was soll ich tun? Er ist nie zu Haus, er schreibt mir nimmer, er macht
nicht einmal meine Briefe auf! Seit drei Wochen hab ich ihn nimmer
sprechen können. Gestern war ich dort, ich weiß, daß er daheim war,
aber er hat nicht aufgemacht. Nicht einmal dem Hund hat er gepfiffen,
er hat mir das Kleid zerrissen, der will mich auch schon nimmer kennen.«
»Haben Sie denn Streit mit ihm gehabt?« fragte ich, um nicht gar so
stumm dabei zu sitzen.
Sie lachte. »Streit? Ach, Streit haben wir genug gehabt, von Anfang an!
An das war ich schon gewöhnt. Nein, in der letzten Zeit ist er sogar
höflich gewesen, es wollte mir gleich nicht gefallen. Einmal war er
nicht da, wenn er mich bestellt hatte; einmal meldete er sich an und
kam nicht. Schließlich sagte er auf einmal Sie zu mir! Ach, wenn er
mich lieber wieder geschlagen hätte!«