»Verzeihen Sie -- daß ich wage, diese kleine Hand zu umfassen.«
»Sie wehrt sich nicht, die Hand.«
»Doch,« sagte er mit einem kindlichen Lächeln, das rührend war auf dem
zuweilen greisenhaft Wissenden seines Antlitzes. »Doch, sie hat sich
eben gerührt.« Und er küßte die zuckende Hand.
»Francois,« sagte er später zu dem Diener, »lassen Sie niemanden vor.
Weder heute noch morgen früh. Auch den Arzt nicht, Francois, hörst du,
auch den Arzt nicht --!«
* * * * *
Als Zora mit Manuel kam, die Kleine zu holen, ließ Helene das Kettchen
unter das Kleidchen der Kleinen gleiten. Als es abends im Eisenbahnzug
entkleidet wurde, sah es Givo. Er erkannte es. Wie kam dies Zeichen an
der Kleinen Hals? Ein Wunder rührte ihn an. Zora fragte die Nurse, ob
Frau Tallandre das kostbare Kettlein geschenkt hätte. Es mußte wohl so
sein, sie hatte es an Noemis Hals gesehen, als sie von ihrem Ausgang
zurückgekommen sei. Aber Noemi, als fürchtete sie, man könne es ihm
nehmen, hielt die kleinen Perlen fest zwischen ihren mageren Fingerchen
und lag so die ganze Nacht, neben sich die Puppe und in sich noch das
Bild der Fremden, in das sie geblickt hatte wie in einen Spiegel. Givo
war wach, er sah auf das Kind, als könnte es im Schlaf die Lippen auftun
und das Geheimnis lösen. Aber schließlich sagte er sich, daß Arabella
wohl Helene das Kettlein geschenkt und diese es dem Kind angelegt haben
mochte. Warum war er der Versuchung widerstanden, Helene nach der
Geliebten zu fragen! Zu lange litt er schon. Er sehnte sich nach
lösender Wiederkehr. Wenn er nun die kleine Noemi im Arme hielt und sie
ihr Hälslein an ihn schmiegte, fühlte er, ach wie so oft in fernen
glücklichen Nächten, das kindische Kettlein kühl seine Lippen streifen
und es mahnte ihn und rief. Da beschwor er Arabellas Nähe heißer und
heißer von Tag zu Tag.