XXV

Aber ein solches Geschick erwartete Wolodja nicht. Er lauschte gerade

einem Märchen, das ihm Waßin erzählte, als man plötzlich schrie: »Die

Franzosen kommen!« Das Blut strömte ihm augenblicklich nach dem Herzen,

er fühlte, wie seine Wangen kalt und bleich wurden. Eine Sekunde

blieb er unbeweglich; als er sich aber umsah, beobachtete er, wie die

Soldaten ziemlich ruhig ihre Mäntel zuknöpften und einer nach dem

andern herauskrochen, -- der eine, wie es schien, war es Mjelnikow,

sagte sogar scherzend:

Bringt ihm Salz und Brot entgegen, Kinder!

Wolodja kroch mit Wlang, der keinen Schritt von ihm wich, aus der

Blindage heraus und lief zur Batterie. Das Artilleriefeuer war weder

diesseits noch jenseits zu hören. Nicht so sehr das ruhige Aussehen

der Soldaten, als vielmehr die klägliche, unverhohlene Feigheit des

Junkers ermutigte ihn. »Darf ich denn wie dieser sein?« dachte er und

lief frohen Muts zur Brustwehr, an der seine Mörser standen. Er konnte

deutlich erkennen, wie die Franzosen über einen freien Platz gerade

auf ihn zuliefen, und wie sich ihre Scharen, mit den in der Sonne

blitzenden Bajonetten, in den nächsten Laufgräben bewegten. Ein kleiner

breitschultriger Mann in Zuavenuniform, mit einem Degen, lief voran und

sprang über die Gruben.

Mit Kartätschen schießen! schrie Wolodja und stieg eilig von der

Brustwehrbank herab; aber die Soldaten waren ihm zuvorgekommen, und der

metallene Ton einer abgeschossenen Kartätsche pfiff über seinen Kopf

hin, zuerst aus einem, dann aus einem zweiten Mörser. »Das erste! das

zweite!« kommandierte Wolodja, indem er die Linie entlang von einem

Mörser zum andern lief und vollständig die Gefahr vergaß. Von der Seite

her ließ sich das nahe Gewehrfeuer unserer Bedeckungsmannschaft und

unruhiges Geschrei hören.

Plötzlich ertönte links, von einigen Stimmen wiederholt, ein

erschütternder Schrei der Verzweiflung: »Wir sind umzingelt,

umzingelt!« Wolodja sah sich auf den Schrei um. Zwanzig Mann Franzosen

zeigten sich im Rücken. Einer von ihnen, ein hübscher Mann mit

schwarzem Bart, war allen voran bis auf zehn Schritt an die Batterie

herangekommen, hier blieb er stehen, feuerte direkt auf Wolodja und

lief dann wieder auf ihn zu. Eine Sekunde stand Wolodja wie versteinert

da und glaubte seinen Augen nicht. Als er wieder zu sich kam und sich

umsah, befanden sich vor ihm auf der Brustwehr bereits blaue Uniformen;

zehn Schritte von ihm vernagelten sogar zwei Franzosen eine Kanone. In

seiner Nähe war außer Mjelnikow, der neben ihm von einer Gewehrkugel

gefallen, und Wlang, der einen Geschützhebel erfaßt und mit wütendem

Gesichtsausdruck und gesenkten Augen vorwärts stürzte, niemand mehr.

»Mir nach, Wladimir Ssemjonytsch, mir nach!« schrie die verzweifelte

Stimme Wlangs, der mit dem Hebel gegen die Franzosen ausholte, die von

hinten gekommen waren. Des Junkers wütende Gestalt machte ihn stutzig.

Einem der vordersten schlug er über den Kopf, und die anderen blieben

unwillkürlich stehen. Wlang, der sich immer noch umsah und schrie: »Mir

nach, Wladimir Ssemjonytsch! Was bleiben Sie stehen! Fliehen Sie!« --

lief zum Laufgraben, in dem unsere Infanterie lag und auf die Franzosen

schoß. Er sprang in den Laufgraben, dann streckte er den Kopf wieder

hervor, um zu sehen, was sein vergötterter Fähnrich mache.

Auf dem Platze, wo Wolodja gestanden hatte, lag, mit dem Gesicht zur

Erde, etwas im Mantel, und dieser ganze Platz war voll von Franzosen,

die auf die Unsrigen schossen.

Sewastopol · 第 53 / 86 题