XXIII

Diesseit der Bucht, zwischen Inkermann und den Befestigungen der

Nordseite, auf dem Telegraphenhügel, standen um die Mittagszeit

zwei Seeleute: ein Offizier, der durch ein Fernrohr nach Sewastopol

hinübersah, und ein zweiter, der soeben zu Pferde mit einem Kosaken zu

der hohen Signalstange gekommen war.

Die Sonne stand hell und hoch über der Bucht, die im heitern und

warmen Glanz mit den Böten und den Schiffen und ihren bewegten

Segeln spielte. Ein schwacher Wind trieb leicht die Blätter der

vertrockneten Eichensträucher um den Telegraphen, blähte die Segel

der Böte und erregte die Wellen des Meeres. Sewastopol, noch immer

dasselbe, mit seiner unvollendeten Kirche, seiner Säule, seinem

Hafendamm, dem grünen Boulevard auf der Höhe, dem schönen Bau der

Bibliothek, mit seinen kleinen, azurblauen, von Masten angefüllten

Buchten, den malerischen Bögen der Wasserleitung und mit den Wolken

blauen Pulverdampfes, bisweilen von der roten Flamme der Schüsse

beleuchtet -- noch immer schön, feiertäglich, stolz, umgeben auf der

einen Seite von gelben, rauchenden Bergen, auf der andern von dem

hellblauen, in der Sonne schillernden Meer -- Sewastopol war jenseits

der Bucht sichtbar. Wo das Meer dem Gesichtskreis entschwand, war ein

Streifen dichten Rauches sichtbar, den ein Dampfer verursachte; zogen

langgestreckte weiße Wolken hin, die Wind ankündigten. Auf der ganzen

Linie der Befestigungen, besonders auf den Höhen der linken Seite,

bildeten sich unaufhörlich, unter Blitzen, die bisweilen sogar in der

Mittagssonne leuchteten, dichte, zusammengeballte, weiße Rauchmassen,

die sich ausbreiteten, in mannigfachen Formen in die Höhe stiegen und

sich am Himmel dunkler färbten. Diese Rauchwolken zeigten sich bald

hier, bald dort, auf den Höhen, in den feindlichen Batterien, in der

Stadt und hoch oben am Himmel. Die Explosionen verstummten nicht und

erschütterten, ineinander fließend, die Luft. ...

Um zwölf Uhr begannen die Rauchwolken sich seltener zu zeigen, die Luft

wurde weniger von Getöse erschüttert.

Aber die zweite Bastion antwortet gar nicht mehr, rief der zu Pferde

sitzende Husarenoffizier, sie ist ganz zusammengeschossen. ...

Schrecklich.

Ja, auch der Malachow schickt ihnen auf drei Schüsse nur einen zur

Antwort, entgegnete der mit dem Fernrohr. Das macht mich rasend, daß er

schweigt. Der Feind trifft ganz direkt in die Kornilow-Batterie, und

man antwortet ihm nicht.

Aber sieh, um zwölf Uhr hört er immer mit dem Bombardement auf, wie

ich gesagt habe. So ist's auch heute. Gehen wir lieber frühstücken, --

man erwartet uns jetzt schon. ... Es ist nichts zu sehen.

Wart', stör' mich nicht! antwortete der mit dem Fernrohr, indem er mit

besonderer Gespanntheit nach Sewastopol hinübersah.

Was ist da, was?

Bewegung in den Laufgräben. Dichte Kolonnen rücken vor.

Das sieht man auch so. Sie rücken in Kolonnen an.

Wir müssen das Signal geben. ...

Sieh, sieh! sie sind aus den Laufgräben herausgekommen!

In der That konnte man mit bloßem Auge sehen, wie sich dunkle

Flecken bergab von den französischen Batterien durch das Thal nach

den Bastionen bewegten. Vor diesen Flecken sah man dunkle Streifen

schon in der Nähe unserer Gefechtslinie. Auf den Bastionen flammten

an verschiedenen Stellen, wie vorübergehend, weiße Rauchwolken von

Schüssen auf. Der Wind trug die Töne des beiderseitigen Gewehrfeuers,

das so häufig war, wie wenn Hagel an die Fenster schlägt, hinüber.

Die schwarzen Streifen bewegten sich in dichtem Rauch immer näher und

näher. Die immer stärker werdenden Töne des Gewehrfeuers schmolzen in

ein ununterbrochenes, rollendes Krachen zusammen. Der immer häufiger

emporsteigende Rauch verbreitete sich schnell über die ganze Linie und

verschmolz endlich in eine dunkelblaue Wolke, die auf- und abwogte,

und durch die Feuer und schwarze Punkte hindurchschimmerten; alle Töne

vereinigten sich zu einem einzigen rollenden Donner.

Sturm! sagte der Offizier und gab mit bleichem Gesicht dem Seemann das

Fernrohr zurück.

Kosaken sprengten den Weg entlang; der Höchstkommandierende kam

in einer Kalesche vorbeigefahren, die Offiziere seines Gefolges

begleiteten ihn zu Pferde. Auf allen Gesichtern lag sorgenvolle Unruhe

und Erwartung.

Es ist unmöglich, daß sie ihn genommen haben! sagte der Offizier zu

Pferde.

Bei Gott, die Fahne! ... Sieh, sieh! entgegnete der andere, indem er

seufzte und vom Fernrohr fortging: die französische Fahne weht auf dem

Malachow.

Es ist unmöglich!

Sewastopol · 第 51 / 86 题