XVI

In dem großen Zimmer der Kaserne waren eine Menge Leute: Marine-,

Artillerie- und Infanterieoffiziere. Die einen schliefen, andere

unterhielten sich, auf dem Pulverkasten und der Lafette einer

Festungskanone sitzend; die dritten bildeten im Alkoven eine große

und laute Gruppe, sie saßen auf der Diele auf zwei ausbreiteten

Filzmänteln, tranken Porter und spielten Karten.

Ah, Koselzow, Koselzow ... Gut, daß du gekommen bist. Brav! ... Was

macht die Wunde? ließ sich von verschiedenen Seiten hören. Auch hier

konnte man sehen, daß man ihn gern hatte und sich über seine Ankunft

freute.

Koselzow schüttelte seinen Bekannten die Hand und gesellte sich zu

der lauten Gruppe, die aus mehreren Offizieren bestand, die Karten

spielten. Es waren auch Bekannte von ihm darunter. Ein hübscher,

magerer, brünetter Mann mit einer langen, hageren Nase und einem

starken Schnauzbart, der lang von den Wangen herabhing, hielt die

Bank mit seinen weißen, hageren Fingern, auf einem der Finger trug er

einen großen goldenen Siegelring mit einem Wappen. Er legte die Karten

gerade vor sich hin, ohne Sorgfalt, er war offenbar erregt und wollte

nur sorglos erscheinen. Neben ihm zur Rechten war, auf den Ellbogen

gestützt, ein grauköpfiger Major hingestreckt, setzte mit erheuchelter

Kaltblütigkeit immer einen halben Rubel und zahlte sofort aus. Zur

linken Hand saß kauernd ein hübscher junger Offizier mit schweißigem

Gesicht, lächelte gezwungen und scherzte. Wenn seine Karte dran war,

bewegte er unaufhörlich die eine Hand in seiner leeren Hosentasche. Er

spielte um hohen Einsatz, aber offenbar nicht mehr um Tausende, was

den hübschen, brünetten Herrn wurmte. Ein kahlköpfiger Offizier mit

riesiger Nase und großem Mund, ein hagerer und blasser Mann, ging im

Zimmer auf und nieder, hielt einen großen Haufen Banknoten in der Hand,

spielte immer mit barem Gelde _va banque_ und gewann immer.

Koselzow trank einen Schnaps und setzte sich zu den Spielern.

Setzen Sie doch, Michail Ssemjonytsch! sagte der Bankhalter zu ihm.

Geld, meine ich, müssen Sie die Menge mitgebracht haben.

Wie soll ich zu Geld kommen? Im Gegenteil, ich habe das letzte in der

Stadt gelassen.

Wie? Sie haben doch gewiß jemanden in Ssimferopol aufsitzen lassen.

Wahrhaftig, ich habe nicht viel, sagte Koselzow, aber er wünschte

offenbar nicht, daß man ihm glaube, knöpfte den Rock auf und nahm die

alten Karten zur Hand.

Ein Versuch kann nicht schaden. Man muß das Schicksal versuchen! Jedes

Tierchen hat sein Plaisierchen! ... Sie müssen nur eins trinken, sich

Mut zu machen.

Er trank ein zweites Gläschen Schnaps und etwas Porter, und hatte in

kurzer Zeit seine letzten drei Rubel verspielt.

Der kleine schweißige Offizier war mit hundertfünfzig Rubel in der

Kreide.

Nein, es will nicht glücken, sagte er und griff nachlässig nach einer

neuen Karte.

Wollen Sie einsetzen, sagte der Bankhalter zu ihm, hielt einen

Augenblick inne und sah ihn an.

Gestatten Sie mir, morgen zu setzen, antwortete der schweißige

Offizier, erhob sich und bewegte noch lebhafter seine Hand in der

leeren Tasche.

Hm ... brummte der Bankhalter, warf sich ärgerlich nach rechts und nach

links und führte die Taille zu Ende. -- Aber nein, so geht's nicht,

sagte er und legte die Karten hin. Ich passe. So geht's nicht, Sachar

Iwanytsch, fügte er hinzu. Wir haben auf bar gespielt und nicht auf

Kreide.

Wie, zweifeln Sie an mir? ... Merkwürdig, wahrhaftig!

Von wem wünschen Sie Geld? brummte der Major, der etwa acht Rubel

gewonnen hatte. Ich habe schon mehr als zwanzig Rubel gesetzt, und habe

gewonnen, aber ich bekomme nichts.

Woher soll ich denn zahlen, sagte der Bankhalter, wenn kein Geld auf

dem Tische ist.

Was kümmert das mich? schrie der Major und erhob sich, ich spiele mit

Ihnen und nicht mit dem da.

Der schweißige Offizier wurde plötzlich hitzig.

Ich sage, ich bezahle morgen -- wie können Sie es wagen, mir Grobheiten

zu sagen.

Ich sage, was ich will! So handelt man nicht, wissen Sie's nun? schrie

der Major.

Lassen Sie gut sein, Fjodor Fjodorytsch, begannen alle und hielten den

Major zurück.

Aber senken wir schnell den Vorhang über dieses Schauspiel. Morgen,

heute schon wird vielleicht jeder dieser Menschen heiter und stolz

dem Tode entgegengehen und standhaft und ruhig sterben; aber der

einzige Lebenstrost in diesen, auch die kühlste Einbildungskraft

entsetzenden Verhältnissen des Mangels alles Menschlichen und der

Aussichtslosigkeit einer Besserung, der einzige Trost ist Vergessen,

Vernichtung des Bewußtseins. Auf dem Grunde der Seele eines jeden ruht

der edle Funke, der einen Helden aus ihm macht; aber dieser Funke hört

auf hell zu glimmen -- kommt die entscheidende Stunde, dann lodert er

flammend auf und beleuchtet große Thaten.

Sewastopol · 第 44 / 86 题