In dem großen Zimmer der Kaserne waren eine Menge Leute: Marine-,
Artillerie- und Infanterieoffiziere. Die einen schliefen, andere
unterhielten sich, auf dem Pulverkasten und der Lafette einer
Festungskanone sitzend; die dritten bildeten im Alkoven eine große
und laute Gruppe, sie saßen auf der Diele auf zwei ausbreiteten
Filzmänteln, tranken Porter und spielten Karten.
Ah, Koselzow, Koselzow ... Gut, daß du gekommen bist. Brav! ... Was
macht die Wunde? ließ sich von verschiedenen Seiten hören. Auch hier
konnte man sehen, daß man ihn gern hatte und sich über seine Ankunft
freute.
Koselzow schüttelte seinen Bekannten die Hand und gesellte sich zu
der lauten Gruppe, die aus mehreren Offizieren bestand, die Karten
spielten. Es waren auch Bekannte von ihm darunter. Ein hübscher,
magerer, brünetter Mann mit einer langen, hageren Nase und einem
starken Schnauzbart, der lang von den Wangen herabhing, hielt die
Bank mit seinen weißen, hageren Fingern, auf einem der Finger trug er
einen großen goldenen Siegelring mit einem Wappen. Er legte die Karten
gerade vor sich hin, ohne Sorgfalt, er war offenbar erregt und wollte
nur sorglos erscheinen. Neben ihm zur Rechten war, auf den Ellbogen
gestützt, ein grauköpfiger Major hingestreckt, setzte mit erheuchelter
Kaltblütigkeit immer einen halben Rubel und zahlte sofort aus. Zur
linken Hand saß kauernd ein hübscher junger Offizier mit schweißigem
Gesicht, lächelte gezwungen und scherzte. Wenn seine Karte dran war,
bewegte er unaufhörlich die eine Hand in seiner leeren Hosentasche. Er
spielte um hohen Einsatz, aber offenbar nicht mehr um Tausende, was
den hübschen, brünetten Herrn wurmte. Ein kahlköpfiger Offizier mit
riesiger Nase und großem Mund, ein hagerer und blasser Mann, ging im
Zimmer auf und nieder, hielt einen großen Haufen Banknoten in der Hand,
spielte immer mit barem Gelde _va banque_ und gewann immer.
Koselzow trank einen Schnaps und setzte sich zu den Spielern.
Setzen Sie doch, Michail Ssemjonytsch! sagte der Bankhalter zu ihm.
Geld, meine ich, müssen Sie die Menge mitgebracht haben.
Wie soll ich zu Geld kommen? Im Gegenteil, ich habe das letzte in der
Stadt gelassen.
Wie? Sie haben doch gewiß jemanden in Ssimferopol aufsitzen lassen.
Wahrhaftig, ich habe nicht viel, sagte Koselzow, aber er wünschte
offenbar nicht, daß man ihm glaube, knöpfte den Rock auf und nahm die
alten Karten zur Hand.
Ein Versuch kann nicht schaden. Man muß das Schicksal versuchen! Jedes
Tierchen hat sein Plaisierchen! ... Sie müssen nur eins trinken, sich
Mut zu machen.
Er trank ein zweites Gläschen Schnaps und etwas Porter, und hatte in
kurzer Zeit seine letzten drei Rubel verspielt.
Der kleine schweißige Offizier war mit hundertfünfzig Rubel in der
Kreide.
Nein, es will nicht glücken, sagte er und griff nachlässig nach einer
neuen Karte.
Wollen Sie einsetzen, sagte der Bankhalter zu ihm, hielt einen
Augenblick inne und sah ihn an.
Gestatten Sie mir, morgen zu setzen, antwortete der schweißige
Offizier, erhob sich und bewegte noch lebhafter seine Hand in der
leeren Tasche.
Hm ... brummte der Bankhalter, warf sich ärgerlich nach rechts und nach
links und führte die Taille zu Ende. -- Aber nein, so geht's nicht,
sagte er und legte die Karten hin. Ich passe. So geht's nicht, Sachar
Iwanytsch, fügte er hinzu. Wir haben auf bar gespielt und nicht auf
Kreide.
Wie, zweifeln Sie an mir? ... Merkwürdig, wahrhaftig!
Von wem wünschen Sie Geld? brummte der Major, der etwa acht Rubel
gewonnen hatte. Ich habe schon mehr als zwanzig Rubel gesetzt, und habe
gewonnen, aber ich bekomme nichts.
Woher soll ich denn zahlen, sagte der Bankhalter, wenn kein Geld auf
dem Tische ist.
Was kümmert das mich? schrie der Major und erhob sich, ich spiele mit
Ihnen und nicht mit dem da.
Der schweißige Offizier wurde plötzlich hitzig.
Ich sage, ich bezahle morgen -- wie können Sie es wagen, mir Grobheiten
zu sagen.
Ich sage, was ich will! So handelt man nicht, wissen Sie's nun? schrie
der Major.
Lassen Sie gut sein, Fjodor Fjodorytsch, begannen alle und hielten den
Major zurück.
Aber senken wir schnell den Vorhang über dieses Schauspiel. Morgen,
heute schon wird vielleicht jeder dieser Menschen heiter und stolz
dem Tode entgegengehen und standhaft und ruhig sterben; aber der
einzige Lebenstrost in diesen, auch die kühlste Einbildungskraft
entsetzenden Verhältnissen des Mangels alles Menschlichen und der
Aussichtslosigkeit einer Besserung, der einzige Trost ist Vergessen,
Vernichtung des Bewußtseins. Auf dem Grunde der Seele eines jeden ruht
der edle Funke, der einen Helden aus ihm macht; aber dieser Funke hört
auf hell zu glimmen -- kommt die entscheidende Stunde, dann lodert er
flammend auf und beleuchtet große Thaten.