XII

Die Wohnung des Batteriekommandeurs, die ihm der Posten gezeigt hatte,

war ein kleines, zweistöckige Haus, mit dem Eingange vom Hofe her.

Durch das mit Papier verklebte Fenster schimmerte das schwache Licht

einer Kerze. Der Bursche saß auf der Außentreppe und rauchte seine

Pfeife. Er ging dem Batteriekommandeur Meldung zu machen und führte

Wolodja ins Zimmer. Im Zimmer standen, zwischen zwei Fenstern, unter

einem zerbrochenen Spiegel, ein mit amtlichen Papieren über und über

bedeckter Tisch, einige Stühle und eine eiserne Bettstelle mit reiner

Bettwäsche und einem kleinen Teppich davor.

Dicht an der Thür stand ein hübscher Mann mit starkem Schnurrbart --

der Feldwebel, mit dem Seitengewehr und einem Mantel, auf dem ein Kreuz

und die Medaille für den ungarischen Feldzug hingen. In der Mitte des

Zimmers ging ein kleiner, etwa vierzigjähriger Stabsoffizier, mit einer

verbundenen, geschwollenen Backe, in einem dünnen, alten Mantel hin und

her.

Ich habe die Ehre, mich zu melden, zur fünften Leichten kommandiert,

Fähnrich Koselzow II! sagte Wolodja seine eingelernte Phrase her, als

er ins Zimmer trat.

Der Batteriekommandeur beantwortete kühl seinen Gruß und forderte

Wolodja, ohne ihm die Hand zu geben, auf, sich zu setzen.

Wolodja ließ sich schüchtern auf einen Stuhl neben dem Schreibtisch

nieder und spielte mit einer Schere, die ihm in die Hand fiel. Der

Batteriekommandeur ging, mit gesenktem Kopf, die Hände auf dem Rücken,

unaufhörlich, ohne ein Wort zu sprechen, im Zimmer auf und nieder, mit

dem Aussehen eines Menschen, der sich etwas in Erinnerung rufen will,

und warf nur von Zeit zu Zeit einen Blick auf die Hände, die mit der

Schere spielten.

Der Batteriekommandeur war ein ziemlich beleibter Mann mit einer

großen Glatze auf dem Wirbel, einem dichten Schnauzer, der gerade

heruntergekämmt war und den Mund bedeckte, und mit freundlichen grauen

Augen; er hatte schöne, reine, rundliche Hände, seine Beine waren

stark nach außen gekehrt, er trat mit Zuversicht und einer gewissen

Stutzerhaftigkeit auf, die andeutete, daß der Batteriekommandeur nicht

gerade schüchtern war.

Ja, sagte er und blieb vor dem Feldwebel stehen, der Geschützmannschaft

wird man von morgen ab noch einen Topf zugeben müssen, sie werden zu

schlecht behandelt. Was meinst du?

Gewiß, man kann ihnen noch was geben, Euer Hochwohlgeboren! Jetzt ist

der Hafer billiger geworden, antwortete der Feldwebel und bewegte dabei

die Finger an den Händen, die er an den Nähten hielt, die aber offenbar

gern seine Rede mit ihrer Gebärde unterstützten. Gestern hat mir auch

unser Fourageur Frantschuk vom Train ein Schreiben geschickt, Euer

Hochwohlgeboren, wir müßten unbedingt dort Ochsen kaufen, meint er. Es

heißt, sie sollen billig sein. Wenn Sie befehlen?

Nun ja, kaufen wir: er hat das Geld. Und der Batteriekommandeur begann

wieder im Zimmer auf und nieder zu gehen. -- Und wo sind Ihre Sachen?

fragte er plötzlich Wolodja und blieb vor ihm stehen.

Den armen Wolodja hatte der Gedanke, daß er ein Feigling sei, so

niedergedrückt, daß er in jedem Augenblick, in jedem Wort Verachtung

gegen sich, als einen kläglichen Feigling, sah. Es war ihm, als hätte

der Batteriekommandeur schon sein Geheimnis durchschaut und spotte

seiner. Er antwortete verlegen, die Sachen seien auf der Grafßkaja und

der Bruder hätte versprochen, sie ihm morgen zu schicken.

Der Oberst aber hörte kaum auf ihn und fragte, zu dem Feldwebel gewandt:

Wo werden wir den Fähnrich unterbringen?

Den Fähnrich? sagte der Feldwebel, und machte Wolodja noch mehr

verlegen durch den flüchtigen Blick, den er ihm zuwarf und der

gewissermaßen die Frage ausdrückte: »Was ist das für ein Fähnrich?«

-- Ja, unten, Euer Hochwohlgeboren, beim Stabskapitän können Seine

Wohlgeboren sich einquartieren, fuhr er fort, nachdem er ein wenig

nachgedacht hatte; der Stabskapitän sind jetzt auf der Bastion, so daß

seine Pritsche leer steht.

Beliebt es Ihnen einstweilen so? fragte der Batteriekommandeur. Sie

müssen, denk' ich, müde sein; morgen werden wir es besser einrichten.

Wolodja stand auf und verbeugte sich.

Ist Ihnen nicht Thee gefällig? fragte der Batteriekommandeur, als

er bereits bis zur Thür gegangen war. Man kann eine Theemaschine

aufstellen.

Wolodja verbeugte sich und ging hinaus. Der Bursche des Obersten

begleitete ihn nach unten und führte ihn in ein kahles, schmutziges

Zimmer, in dem allerlei Gerümpel umherlag und ein eisernes Bett

ohne Wäsche und Decke stand. Auf dem Bett, mit einem dicken Mantel

zugedeckt, schlief jemand in einem rosa Hemd.

Wolodja hielt ihn für einen gemeinen Soldaten.

Peter Nikolajewitsch! rief der Offiziersbursche, indem er den Schläfer

an der Schulter rüttelte. Hier werden sich der Fähnrich hinlegen ...

Das ist unser Junker, fügte er, zum Fähnrich gewandt, hinzu.

Ach, lassen Sie sich nicht stören, bitte! sagte Wolodja; aber der

Junker, ein hochgewachsener, stattlicher junger Mann mit hübschen, aber

sehr dummen Zügen, stand vom Bett auf, warf sich den Mantel um und

ging, augenscheinlich noch halb im Schlafe, aus dem Zimmer.

Schadet nichts, ich werde mich draußen hinlegen, brummte er.

Sewastopol · 第 40 / 86 题