III. Helmkronen.[436]

[Illustration: Fig. 5]

Gekrönte Helme vor dem 14. Jahrh. sind /mir/ -- mit Ausnahme

der Siegel der Herzoge von Oesterreich und von Kärnten -- bis jetzt

in Deutschland keine bekannt; doch sollen, nach einer bischöflich

Regensburger Urkunde v. J. 1290, die Raitenbucher damals auch schon

solche geführt haben.[437] --? -- In der Züricher Wappenrolle (aus

dem Ende des 13. oder spätestens aus dem Anfang des 14. Jahrh.)

kommen unter 559 Wappen nur die von Oesterreich und Kärnten mit

/gekrönten/ Helmen vor; ersterer (Nr. 17 der Rolle) wie hier (Fig.

5) abgebildet.[438]

Schon aus dem Größenverhältniß der Krone zum Helme sieht man den

Unterschied zwischen dieser /Helmkrone/ und der /Krone/

als /Helmzierde/ im Scharffenberg’schen Wappen (oben Fig. 2),

deren Tinktur in der Züricher Wappenrolle auch deutlich für diese

Ansicht spricht. Beim hohen Adel fand ich die ältesten Helmkronen

auf Wappensiegeln Heinrichs II. von Meklenburg v. J. 1328 und des

Grafen Walram von Sponheim v. J. 1344. Beim niedern Adel finden sich

/gekrönte/ Helme auch schon seit dem Jahre 1322. Als den ältesten

führt Kindler von Knobloch[439] die Siegel des Ritters Johannes von

Schafftolsheim v. 1322, des Edelknechts Dietrich vom Haus von 1331 und

des Ritters Rudolf von Andlau von 1335 an. Das älteste mir im Original

bekannte derartige Siegel ist das des Ritters Engelhard von Hirschhorn,

des Vaters, v. J. 1353, mit der Legende: S. Engelhardi. militis. de

Hirzhorn.[440] Auf dem Siegel des „Hartwicus de Crumedic. miles“ v.

J. 1336 ist in dem Werke: „Siegel des Mittelalters aus den Archiven

der Stadt Lübeck“ ein Helm abgebildet, zwischen dessen Kleinod, zwei

Büffelhörnern, drei Spitzen erscheinen, die dort als Krone angesprochen

werden. Die Beispiele gekrönter Helme bei dem niedern Adel vor dem 15.

Jahrh. stehen aber doch noch so vereinzelt da, daß wohl anzunehmen ist,

daß dabei ein /besonderer/ Grund vorliegen mußte, welcher aber

bis jetzt /urkundlich/ nicht ermittelt ist. Es scheint mir, daß

damit die eigentliche Ritterwürde („miles“) ausgedrückt werden wollte,

was wenigstens bei den meisten der oben erwähnten Siegel zutrifft.

Jedenfalls sollte in dieser Richtung die Sache noch gründlich erforscht

werden. Nach einer Urkunde v. J. 1365 stellen Conrad und Hartman von

Burgau, Vater und Sohn, Hans Marschall von Boxberg und Gerlach von

Weizzingen der Stadt Augsburg für sich und ihre Gesellen, „der mit vns

hundert gekrönter Helm ist vnd ein Helm“ einen Dienstrevers aus, in

welchem es ausdrücklich heißt, daß ein jeder dienen und helfen soll mit

einem gekrönten Helme, „der selbdritt mit dreien pferden varen soll.“

Bei. Mittheilung dieser Notiz bemerkte von Schreckenstein, seiner Zeit:

„Demnach war also der gekrönte Helm gleich einer sog. Ritterglefe.“

Sollten aber nicht vielleicht mit den gekrönten Helmen lauter „Ritter“

(milites) gemeint gewesen sein?

Die Krone auf dem Siegel Conrad Gäb’s halte ich daher, wie bereits

gesagt, entschieden für eine gewöhnliche Helmkrone. Erst im 15. Jahrh.

mehren sich die gekrönten Helme. Während in den älteren deutschen

handschriftlichen Wappenbüchern, z. B. in dem Donaueschinger Wappenbuch

von 1433 und bei Grünenberg (1483), die gekrönten Helme noch bedeutend

in der Minderzahl sind, bringt Sibmacher in seinem gedruckten

Wappenbuch v. J. 1609 schon deren viele. Einen großen Einfluß mögen

darauf die Wappendiplome gehabt haben. In noch späterer Zeit wurden die

Helmkronen fast allgemein, -- mit Ausnahme der historischen Wappenhelme

des hohen Adels, nämlich denen der Stammwappen.

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (Jg. 26, 1879) Neue Folge · 第 143 / 177 题