[385: Cod. Bav. 2133 mit 224 Blättern in Folio in der k. Hof- und
Staatsbibliothek zu München. Vergl. Stockbauer, die Kunstbestrebungen
am bayerischen Hofe unter Herzog Albert V. und seinem Nachfolger,
Wilhelm V. (Quellenschriften für Kunstgeschichte etc. herausgeg. v. R.
Eitelberger von Edelberg, VIII. 1874. 8.), S. 9 ff.]
[386: Lade, Kasten; s. unten das Diminutiv Trühel. Schm. I, 659.]
[387: /Zehrgaden/, Gewölbe für die Lebensmittel; auch in Ziergarten,
Ziergarn etc. verderbt. Ueber denselben ist der /Zehrgadener/ gesetzt.
Schmeller, bayer. Wörterbuch II^2, 1147 u. I^2, 872. -- /Gaden/,
Gemach, einzelne Abtheilung im Hause, auch Stockwerk.]
[388: Assonierende Formel: fliegendes und laufendes. Schmeller II^2,
719.]
[389: Multer (aus latein. mulctra, Melkkübel), Mulde.]
[390: /Kitz/, /Kitzlein/, junge Ziege. Schm. I, 1316. -- Was bedeutet
/Äkopf/? Darf an das oberbayrische /Ä/, /Äu/, /Äuw/ (mittelhochd.
ouwe), Schaf, gedacht werden? Schm. I, 1.]
[391: /Sechter/, hölzernes Gefäß mit einer Handhabe. Schmeller II^2,
219.]
[392: Waschbecken; von zwagen, waschen. Schm. II, 1175.]
[393: /Golter/, (aus lat. culcitra), Bettdecke. Schm. I, 908 ff.]
[394: /Haupttuch/, leinenes Tuch als weibliche Kopfbedeckung. Schm. I,
1143. /Fazilett/, /Fazinett/, Schnupftuch, Handtuch, Tellertuch (v.
ital. fazzoletto). Schm. I, 780.]
[395: /Jänker/, kurzes Oberkleid, Jacke. Schm. I, 1208.]
[396: Badehose. Schm. I, 208.]
[397: Tattermann, Kobold, Hausgeist, häufig als Brunnenzierde
abgebildet. Schm. I, 631. Grimm, Wbch. II, 827 u. Mythol. 470.]
[398: Blumentöpfe. Schm. II, 1015.]
[399: Teppich (aus lat. tapetium).]
[400: Hoffräulein. Vgl. Schmeller I, 803 f.]
[401: Schneckentreppe. Schm. I, 567.]
[402: Kredenztisch, Buffet. Grimm II, 639.]
[403: Doppelbecher. Schm. I, 529. Grimm II, 1256.]
[404: Deckel. Schm. I, 1434.]
[405: /Satin/, /Satinl/, wol der Seidenhund (v. franz. satin,
Seidenzeug, Atlas). -- /Flötseide/, Floretseide. Grimm III, 1825.]
[406: /wifeln/, sticken. Schm. II, 864.]
[407: die /Kürben/, Korb, besonders Rückentragkorb. Schm. I, 1287.
Grimm, Wbch. V, 2796.]
[408: /Küpferling/, ein größeres, gewöhnlich aus Kupfer gefertigtes
Wassergefäß. Schm. I, 1275. Grimm V, 2765, 5.]
[409: /Stattel/, /Gestattel/, Schachtel. Schm. II, 796.]
[410: geweihtes Meßtuch, worauf der Hostienteller und der Kelch gesetzt
werden. Schm. I, 1295.]
[411: Laub- oder Blumenbüschel, Strauß. Schm. I, 1550.]
[412: /Glißmater Arbeit/ (wol richtiger glißmater A. geschrieben),
gestrickte Arbeit (v. /lißmen/, /lismen/, stricken). Schm. I, 1513.
Frisch, 1, 637: der /glismat/ Rock Christi.]
[413: Vgl. Schmeller I, 178.]
[414: /Levitenrock/, Priesterrock, Chorhemd.]
[415: Orgel; Frisch, Wbch. II, 402. „Clavecin carré à sautereaux“;
Mozin, dictionnaire.]
[416: eine geringere Sorte Tafft. Schm. II, 1133.]
[417: Kunkel, Spinnrocken. Schm. I, 923.]
[418: /geweckt/, /geweckelt/, mit weck- oder keilförmigem Muster. Schm.
II, 846.]
[419: eine Art Trinkgefäß, Becher. Schm. I, 1575.]
[420: Vorrichtung zum Auflegen des Brennholzes und des Bratspießes.
Grimm IV, 1919, e. /Dr. Frommann./]
Die „heraldischen“ Kronen.
Der Anzeiger f. K. d. d. V. brachte in Nr. 6 des laufenden Jahres
zwei höchst interessante Artikel über die „heraldischen Kronen“ und
über „Kronen“ im allgemeinen. Indem ich nun hier in Fig. 1. eine
Abbildung des Siegels Conrad Gäb’s vom J. 1480, welches die nächste
Veranlassung zu jenen beiden Artikeln gegeben, mittheile, erlaube ich
mir, auch meine unmaßgebliche Ansicht über dasselbe, sowie über die
„heraldischen“ Kronen überhaupt auszusprechen.
[Illustration: Fig. 1.]
Dieses Siegel ist ein, namentlich für seine Zeit, /höchst/
seltenes „heraldisches“[421] Curiosum, dessen /sichere/ Erklärung
ohne erst noch aufzufindende gleichartige Beispiele wol schwerlich
gelingen dürfte. Die einfachste Erklärung scheint mir vor der Hand die,
daß eben der Herr Doctor bei dieser „heraldischen“ Zusammenstellung auf
seinem Siegel mehr seinem eigenen Geschmack und seiner Phantasie, als
dem gewöhnlichen heraldischen Stile seiner Zeit gefolgt ist.
Der /Federbusch/ ist der Gäb’sche Helmschmuck, wie wir ihn auch
auf einem Siegel des Ritters Steffan Geben v. J. 1351[422] finden.
Der Zustand dieses letzteren Siegels läßt allerdings den Gegenstand
zwischen Helm und Federbusch nicht mehr /genau/ erkennen. Auf
den Originalprunkhelmen Kaiser Friedrich’s IV. im bürgerlichen
Waffenmuseum der Stadt Wien[423] sind sämmtliche /Helmkronen/
gewöhnliche heraldische goldene sogenannte Königskronen, nur mit
verschiedenem stilisierten Laubwerk.
Ob auf unserem Siegel nur aus Mangel an Raum[424] oder wegen der
geistlichen Würde des Sieglers der Helm weggelassen und nur dessen
Krone mit dem Kleinod gesetzt wurde, ist schwer zu entscheiden;
jedenfalls ist dieses Verfahren zu jener Zeit eben so ungewöhnlich
als heraldisch unrichtig und ganz unstatthaft. Denn so wenig die
häufig als Helmschmuck vorkommenden Infuln, /ohne/ den Helm, auf
einen Wappenschild gesetzt werden dürften, -- da ja das betreffende
Wappen dadurch den Charakter eines bischöflichen annehmen würde, --
eben so wenig ist dies mit allen den verschiedenen, im Laufe der Zeit
vielfach und bis zur Unkenntlichkeit des ursprünglichen Originals
metamorphosierten Hüten als Helmzierden der Fall.
Die „/heraldischen/“ Kronen -- bisweilen auch mit verschiedenen
Farben tingiert -- waren von jeher nur conventionelle „heraldische“
Formen mit mehr oder weniger constantem Typus in den verschiedenen
Stilepochen. Sie haben mit den „wirklichen“ Kronen nichts gemein
als den Namen, und letztere waren und sind stets Rangkronen, d. h.
solche, welche den Stand ihres /Trägers/ genau bezeichnen. In
den Abbildungen mittelalterlicher Handschriften finden sich häufig
Kaiser und Könige, wenn sie in voller Rüstung dargestellt werden, mit
einer Krone auf dem Helme. Diese Kronen sind weder /Helmkronen/,
noch /Helmkleinode/; sie sind nur dazu bestimmt ihren Träger
kenntlich zu machen. So sehen wir u. A. Kaiser Heinrich VII. in einem
Trierer Codex v. 1354, dem sog. Balduineum, mit einer Bügelkrone
abgebildet.[425] Im Schlackenwerther Codex der Hedwigs-Legende v. J.
1353 ist der /viermal/ auf /einem/ Bilde dargestellte Herzog
Heinrich, der Sohn der heil. Hedwig, in der Schlacht, in welcher
er seinen Tod fand, einmal mit seinem (heraldischen) Helmschmuck
abgebildet und dreimal, nach seinem Tode, durch den Herzogshut
kenntlich gemacht.[426]
Wenn wir auch die /Krone/ auf dem Haupte der Königinnen auf ihren
Porträt-Siegeln seit dem 13. Jahrhundert[427] nicht als „heraldische“
Krone bezeichnen können, sondern als wirkliche Rangkronen, so müssen
wir die /Kronen/ auf den gleichartigen Siegeln der Fürstin Sophie
von Rostock v. J. 1237 und der Gräfin Jutta von Sternberg v. ca.
1306[428] und anderen „symbolische“ nennen; denn „wirkliche“ Kronen
gab es im Mittelalter nur zwei Gattungen: Kaiser- und Königskronen.
Außer diesen gab es nur noch die sog. Kronen oder richtiger Hüte
der Herzoge und Fürsten. Die regierenden Grafen führten bis in die
neuere Zeit nur die „heraldische“ sog. goldene Königskrone, welche
seit den letzten Jahrhunderten und bis zur Einführung der 5-, 7- und
9-perligen /fremdländischen/ Kronen auch in /Deutschland/
von /allen/ adeligen Personen geführt wurden und zum Theil noch
geführt werden.
Von „heraldischen“ Kronen gibt es vier Gattungen: I.
/Wappenbilder/ und /Helmkleinode/, II. /Beizeichen/,
III. /Helmkronen/ und IV. /Rangkronen/.