FUSSNOTE:

[317: Paul von Stetten d. j. sagt in seinen „Erläuterungen der in

Kupfer gestochenen Vorstellungen aus der Geschichte der Reichsstadt

Augsburg“ (Augsb. 1765) S. 163: „Bey der Erziehung der Mädgen muß ich

der Spiehl-Sachen gedenken, mit welchen manche spiehlten biß sie Bräute

wurden, nehmlich der sogenannten Docken-Häuser. Darinn war alles was

zu einem Hause und einer Haußhaltung gehörte, im kleinen vorgestellt,

und manche trieben dabey die Ueppigkeit so weit, daß ein solches

Spiehl-Werk gegen 1000. Gulden und mehr zu stehen kam.“]

Briefwechsel des Magistrats Nürnberg mit dem Magistrat Dinkelsbühl

wegen einer in Nürnberg zu errichtenden milden Stiftung.[318]

Den ersamen und wysen Burgermaister und Rate der Statt Dinckelspuhel

unnsern besonnder lieben frunden.

Unnser f. w. D. bevor Ersamen und wysen besunder Lieben frunde Auff

anregung unnsers allergnedigisten herrn des Ro. Kaysers unnd etlicher

ander andechtigen personen sein wir vorhabenns willens jnn unnser Statt

zu lobe unnd ere dem hailigisten hochwirdigsten sacrament des lichnam

unnsers seligmachers ain stifftung zethun nemlich etlich schüller

zu ordnen die jnn jrem habit mit geburlichem lobgesanng dem selben

sacrament, so das ye zu zeitten Krancken Christenmenschen zugetragen

wirdet, vorgeen sollen. Nach dem nun solliche stifftung by unns bisher

nit gewest ist, wir auch nit versteen, ob wir zu auffrichtung derselben

ainicher sonndern gunst und verhengknus der gaistlichen oberkait zu

erlanngen notturfftig sein, oder ob wir das one die selben zuthuͦnd

haben, unnd wir bericht das derglichen stifftung unnd ordnung by uch

lanng zeit geübt sind: so bitten wir euch mit besonnderm vlis fruntlich

jr wellennd unns durch ewer schrifft aigentlich berichten unnd zu

erkennen geben, wie unnd wellichermaß solliche stifftung unnd ordnung

by uch furgenomen erlangt gestifftet unnd aufgerichtet unnd ob sollichs

mit oder one gunst unnd verwilligung der gaistlichen oberkait, oder

jemand anders bescheen sy, unns darnach megen gerichten unnd unns des

nit verzeihen[319] noch euch das befilhen[320] lassen Steet unns umb

uch mit willen zuverdienen. Geben am mitwoch nach dem sontag Jubilate

anno etc. LXXV to. (_1475_)

Burgermaister und Rate zu Nurmberg.

Fursichtigen Ersamen unnd wysen unnser fruntlich willig dienst...

Uff ewer schrifftlich begern von wegen der ordnung so man hie jnn

dem tragen des hochwirdigesten sacramentz des lichnam Christi zu

thun pflicht[321], wollennd vernemen das vor etlichen jaren ettlich

andächtig from lüt fur unns komend sind habenn unns ain ordnung,

so sy mainten jnn dem tragen des hailigen sacramentz loblich were,

furgehalten; die selb ordnung unns auch gefallen hat und ist darnach

mit verwilligung unnsers herrn des pfarrers hie angefanngen unnd bißher

dem fronlichnam Christi zu lobe unnd ere beliben unnd geübt, also ain

yeder priester, der den fronlichnam Cristj krancken kristgloubigen

menschen zutregt, gat jnn seinem habit namlich angetanem Korrock unnd

an unnd furgezogner cappenn mit ainem cappenzippfel hinden am rugken

hinab gehenkt unnd sein geordiniert vier schüler mit vier fenlin unnd

vier laternen die jnn jrem habit glich dem briester dem hailigen

sacrament vorgeen mit dem lobgesanng wie sich gepurt; den selben

schulern geit[322] man darvon zu lonn namlich jr yedem ain quatemper

zway pfunnd der werung hie unnd so man also mit dem sacrament zugeen

pfligt man ain glogken zu leuten derhalben die schuler unnd ander

from andechtig leut die mitgeen des loblichen Sacramentz applas jrer

sunden begern zu erholen sich darczu zefügen wissen. Aber wir haben

sollicher ordnung halben nit besonnder bestettigung oder verwilligung

von der gaistlichen oberkait sonnder die nit anderst herbracht dann wie

obgelaut ist. Got der allmechtig wöll das die dem hailigen Sacrament

zu ere unnd wird also lanngwirig blib. Sollichs alles wolten wir nit

verhalten ewer fursichtigen wisshait, der wir willig sein annain[323]

dienst unnd gefallen zu bewysen. Datum sambstag vorm sontag Cantate

anno etc. LXXV to.

B. u. R. zu D(inckelspuhel).

/Dinkelsbühl./ /Georg Schepß./

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (Jg. 26, 1879) Neue Folge · 第 113 / 177 题