P.

80) /Schaffhausen./ Ueber ein am 12. März in der /St.

Johanniskirche/ entdecktes Wandgemälde cf. „Allg. Schw. Ztg.“ Nr. 81.

Mit zwei gegen eine Stimme hatte der kleine Stadtrath den Beschluß

gefaßt, es sei dasselbe wieder übertünchen zu lassen. Die neuerdings

erhobenen Vorstellungen jedoch und das Anerbieten des antiquarischen

Vereins, die Erstellung eines beweglichen Verschlusses auf eigene

Kosten zu übernehmen, scheinen den hohen Magistrat etwas toleranter

stimmen zu wollen. Das figurenreiche Gemälde, die Kreuztragung Christi

darstellend, befindet sich an der Westseite des äußersten, südlichen

Seitenschiffes und ist ohne Zweifel bald nach dessen 1517 stattgehabter

Erbauung verfertigt worden.

(Anz. f. schweiz. Alterthumsk., Nr. 2.)

81) Ueber /neu entdeckte Malereien in der Muttergotteskapelle

bei St. Peter Wyl/ (St. Gallen) berichtet Hr. Prof. Rabe der

„Allg. Schw. Ztg.“ unter Anderm:

Noch merkwürdiger und auch besser erhalten als die Bilder im Chor sind

die Malereien in der westlich anstoßenden „Todtenkapelle“. Bis jetzt

sind die östliche Schmalwand und ein Theil der nördlichen Langseite

abgedeckt. Dort, an der Ostseite über der Chorthüre beginnend, nimmt

eine figurenreiche Darstellung des jüngsten Gerichtes fast die

ganze Breite der Mauer ein. Hoch in der Mitte erscheint in einer

sternenförmigen Glorie der Heiland. Sein Thron ist ein Regenbogen, die

Füße ruhen auf der Weltkugel. Ein purpurner Mantel läßt den Oberkörper

unverhüllt: Kopf und Arme sind zerstört, weil hier die nachmals an

Stelle einer flachen Holzdiele eingefügte Gipsdecke beginnt. Zur

Rechten Christi kniet fürbittend die Madonna. Lange gelbe Haare

fluthen über den Nacken herab. Ein weißer Mantel umhüllt in schönem

Wurfe die Gestalt und läßt nur die knapp anliegenden Aermel frei.

Gegenüber, wo jetzt noch Tünche haftet, wird man Johannes den Täufer

finden. Eine gelbe, von weißen Wolken besäumte Glorie umgibt diese

himmlischen Gestalten. Dann folgen tiefer die markigen, lebensvollen

Figuren der Apostel mit ihren Attributen. In zwei sich zugewendeten

Chören sind sie in doppelter Reihe übereinander geordnet, wobei die

vorderen ganz, die hinteren Gestalten als Halbfiguren zum Vorschein

kommen. In der Mitte zwischen diesen Chören sieht man zwei schwebende

Engel, die Boten des Gerichtes, das sie mit ihren gekreuzten Posaunen

verkünden. Weiße Wolken trennen die Apostel von dem grünen Erdenplane,

wo in der Mitte von vorne bis in die Ferne die Todten aus den

Gräbern steigen. Vorne hat sich die Scheidung vollzogen. In wildem

Tumulte werden die Verdammten von Teufeln umfangen, gequält und von

hinnen gerafft. Diese Hälfte, zur Rechten vom Beschauer, ist schlimm

mitgenommen, sehr gut dagegen die Schaar der Berufenen erhalten. Es

ist eine anmuthige, lebendig geschilderte Scene. Ein Kaiser, in dem

man die Züge Maximilians I. zu erkennen glaubt, befindet sich unter

den Seligen. Vor ihm steht ein Mann, mit der Schaube bekleidet,

barhäuptig und in devoter Haltung. Die Rechte ans Herz gelegt, scheint

er sich angelegentlich mit einem weißbärtigen Alten zu besprechen.

Man möchte in diesem Letzteren, wenn er einen Nimbus trüge, den hl.

Petrus vermuthen. Auch eine Nonne sieht man unter den Berufenen und

weiter Frauen und Männer, unter diesen einen Ritter, eine prächtige,

jugendliche Gestalt, mit dem Harnisch bewehrt und das Haupt mit einem

Federbarett bedeckt. Der letzte der Schaar, ein bärtiger Mann, schaut

angstvoll nach seinem teuflischen Verfolger zurück; aber ein Engel,

der den Zug geleitet, wendet sich ebenfalls um und weist den Satan mit

der Geberde des Segens hinweg. Es muß ein Meister von großem Talent

gewesen sein, der diese Scene, um 1530 etwa, gemalt hat. Die nackten

Theile weiß, braunrothe Contouren, Gelb für die Haare und einzelne

Gewandstücke, dazu ein trübes, dunkles Roth und Grün, ein grünliches

Graublau: das ist die Palette, die dem Maler zur Verfügung stand; aber

daneben staunt man über die wahrhaft geniale Bravour, mit welcher der

Meister nur so flüchtig diese Gestalten gezeichnet hat, wie über die

Schönheit und die markige Kraft der einzelnen Erscheinungen. Eine aus

dem Bilde herausblickende Frau ist von vollendeter Anmuth; in dem Kopfe

des mit Petrus redenden Mannes glaubt man Holbeinischen Einfluß zu

erkennen, und der jugendliche Ritter, der so angstvoll mit gerunzelter

Stirn dem erlösenden Ziel entgegenschaut, ist ein wahrer Prachttypus

von kraftstrotzender, stilvoller Renaissance-Erscheinung. Ebenso

großartig, einfach breit, musterhaft im Charakter der Zeit entworfen,

sind die nur mit wenigen Tönen in der Lokalfarbe schattierten Gewänder.

Den Churer Todesbildern steht die Sorgfalt der Ausführung nach, den

Wandgemälden in Stein ist dieses jüngste Gericht an geistreicher Kraft

und Frische des Vortrags weit überlegen. Was muß das für eine Zeit

gewesen sein, da der einfache Schilder dergleichen zu malen im Stande

war! -- Bis jetzt ist nur ein geringer Theil eines Bilderfrieses am

östlichen Ende der Nordwand bloßgelegt, -- eine wichtige Entdeckung

jedoch; denn es ergibt sich, daß der ganze Fries einen Todtentanz

enthält, von Versen begleitet, die unten in Minuskeln beigeschrieben

sind. Die Reihe beginnt an der Ostwand mit der alten Frau, die der Tod,

der in der Linken eine Schaufel hält, am Arme fasst. Dann folgen als

Opfer ein nacktes Kind, ein Bauer, ein Bürger oder Edelmann, zuletzt

ein Krückenmann. Auf grünem Plane heben sich diese schwarz gezeichneten

und mit wenigen glatten Tönen bemalten Bilder von dem weißen Grunde

ab. Der Tod, ein gelber, eingeschrumpfter Kadaver, eilt jeweilig

tanzend mit seinen Opfern von dannen und bläst dazu auf einem seltsam

geschwungenen Horn.

Fast noch merkwürdiger ist aber eine eigenthümliche Todesallegorie,

die unter den fünf bis jetzt bloßgelegten Gruppen zum Vorschein kam.

Ein solches Bild, roth umrahmt, zeigt oben hinter einer Mauer eine

Schaar von Geharnischten und Landsknechten. In der Mitte ist die

Fallbrücke heruntergelassen; ein Theil der Besatzung scheint einen

Ausfall wagen zu wollen, während andere mit Hellebarte und Streithammer

ihr Refugium vertheidigen -- gegen Todtengerippe, halbverweste

Kadaver, die mit hochgeschwungenen Dreschflegeln gegen die Mauer

anstürmen, hinaufklettern und immer neuen Succurs bekommen von anderen

Todesgestalten, welche diesseits des Zwingers ihren Gräbern entsteigen.

Rechts zur Seite ist der Einblick in ein hohes Gelaß geöffnet, mit

einem Butzenfenster in der Tiefe. Ganz vorne, wo ein einziges nacktes

Figürchen (kein Gerippe) aus dem Grabe steigt, kniet anbetend, von

der Schlachtscene abgewendet, die große Gestalt einer Frau oder eines

geistlichen Herrn.

(D. Reichsanz., Nr. 164.)

82) Auf der Insel Gothland sind vor einiger Zeit zwei Funde gemacht

worden, die wegen des historischen und metallischen Werthes, der

Zierlichkeit und Gleichartigkeit der gefundenen Gegenstände besonders

merkwürdig sind. Der eine Fund wurde in der Nähe von Hafdhem beim

Fällen eines großen Baumes gemacht. Bei dem Wurzelstocke standen zwei

Thongefäße, enthaltend silberne Schmucksachen und Münzen im Gewicht

von ca. 11 Pfund. In dem einen Gefäß lag eine kleine, aus Baumrinde

verfertigte, länglich runde und halb vermoderte Schachtel mit Deckel,

gefüllt mit silbernen Münzen. Der übrige Theil des Fundes bestand aus

zwei massiven, mit eingelegten Verzierungen versehenen Armringen,

sieben Spiralarmringen, deren Spiralen mit zwei feinen Drähten umwunden

sind, Fragmenten von ähnlichen Ringen, vier einfachen Spiralarmringen,

Stücken von allerlei Zierrathen und einem kleinen Knäuel

aufgewickelten, sehr feinen Silberdrahts. Von den gefundenen Münzen

waren 247 kufische (arabische), einige oströmische Kaisermünzen, einige

deutsche und angelsächsische und außerdem eine ganze Menge zerbrochener

Münzen. Die Thongefäße und die Schachtel sind vollständig erhalten. Der

zweite Fund wurde auf der entgegengesetzten Seite der Insel bei Ryssnäs

beim Torfgraben gemacht und bestand aus vier Spiralarmringen, den

obenerwähnten sehr ähnlich, und aus einer Menge theils ganzer, theils

zerschnittener kufischer Münzen. Beide Funde dürften vom Reichsmuseum

in Stockholm erworben werden.

(Numismat.-sphragist. Anz., Nr. 6.)

83) Der Wiener Alterthumsverein hat jüngst das Jubiläum seines 25

jährigen Bestehens durch einen Akt der Pietät gefeiert, gleichzeitig

der Stadt Wien ein historisches Kunstdenkmal zurückgegeben,

nämlich das Denkmal des Vertheidigers Wiens bei der ersten

Türkenbelagerung (1529), Nicolaus Grafen von Salm, das ursprünglich

in der Dorotheenkirche gestanden war, aber nach Aufhebung des

Chorherrenstiftes durch Kaiser Josef II. sammt allen Einrichtungen

der Kirche beseitigt und nur durch Zwischenkunft der Familie Salm

gerettet wurde. Es ist eine Tumba, deren Seiten reich mit Sculpturen

geschmückt sind, während auf dem Deckel die Figur des Helden vor dem

Crucifixe knieend dargestellt ist. Dieser Deckel war seit Beginn dieses

Jahrhunderts in der Salm’schen Schloßkirche zu Raitz aufgestellt, die

übrigen Theile aber einfach aufbewahrt. Unter Zustimmung des Fürsten

Salm hat nun der Alterthumsverein die Tumba in der Votivkirche zu Wien

wieder aufgestellt.

83) /Dresden/, 11. Juli. (Dr. J.) Die neuerrichtete Abtheilung

der Bildwerke des /Mittelalters/ und der /Renaissance/ im

Königlichen /Museum der Gipsabgüsse/ wird am nächsten Montag, den

14., eröffnet werden.

(D. Reichsanz. Nr. 161.)

84) Die hessische Landesgewerbeausstellung zu Offenbach bringt unter

ihren Sehenswürdigkeiten auch eine nicht unbeträchtliche Reihe von

Alterthümern, so daß die löbliche Sitte, derartige Ausstellungen stets

auch den Freunden alter Kunst und Kultur interessant zu machen, nunmehr

wohl als ganz allgemein angesehen werden kann, wodurch die Verbindung

des heutigen Lebens und der heutigen kunstgewerbliche Thätigkeit mit

der Vorzeit immer inniger wird.

85) Die Generalversammlung des historischen Vereines von Oberpfalz und

Regensburg, welche am 16. d. M. abgehalten wurde, gab dem Vorsitzenden

Veranlassung, bei Besprechung der Wirksamkeit und Thätigkeit des

Vereins auf das wichtigste Vorkommniß, die Einrichtung der ehemaligen

St. Ulrichskirche zu einem Museum, in ausführlicher Weise hinzudeuten.

Wenn auch heute die Einrichtung dieses seit Jahrzehnten verlassenen,

merkwürdigen Monumentalbaues für den jetzigen Zweck nicht beendet ist,

so ist doch die Ordnung und Katalogisierung der bereits beträchtlichen

Vereinsbibliothek sowie der Münzsammlung bereits weit vorgeschritten.

86) Das steiermärkische Landesarchiv macht bekannt, daß es in der Lage

war, aus den zum Theile in großer Anzahl von Exemplaren vorhandenen,

theils einfachen Dupletten gedruckter Patente, Ausschreibungen der

Behörden und Circularen mehrere Sammlungen von historischem und

kulturgeschichtlichem Interesse zusammenzustellen und zu verkaufen. Die

erste solche Sammlung umfasst 3683 Blätter, darunter 90 aus dem 16. und

107 aus dem 17. Jhdt.; die zweite 2323, die dritte 1599, die vierte

1072 Blätter u. s. w. in absteigender Folge. Bestimmte Preisforderungen

sind jedoch nicht gestellt, sondern es werden für jede Abtheilung

getrennte Preisangebote bis zum 15. August angenommen, mit welchem Tage

die Verhandlung geschlossen wird und der Zuschlag für jede Sammlung an

jene erfolgt, welche das höchste Gebot gethan.

Verantwortliche Redaction: Dr. A. /Essenwein/. Dr. G. K.

/Frommann/.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in

Nürnberg.

Gedruckt bei /U. E. Sebald/ in Nürnberg.

ANZEIGER

FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

Neue Folge. Sechsundzwanzigster Jahrgang.

[Illustration]

=Nürnberg.= Das Abonnement des Blattes, welches alle Monate

erscheint, wird ganzjährig angenommen und beträgt nach der neuesten

Postconvention bei allen Postämtern und Buchhandlungen _Deutschlands_

incl. Oesterreichs 3 fl. 36 kr. im 24 fl.-Fuss oder 6 _M_.

Für _Frankreich_ abonniert man in Paris bei der deutschen

Buchhandlung von F. Klincksieck, Nr. 11 rue de Lille; für _England_

bei Williams & Norgate, 14 Henrietta-Street Covent-Garden in London;

für _Nord-Amerika_ bei den Postämtern Bremen und Hamburg.

Alle für das german. Museum bestimmten Sendungen auf dem Wege des

Buchhandels werden durch den Commissionär der literar.-artist.

Anstalt des Museums, /F. A. Brockhaus/ in Leipzig, befördert.

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (Jg. 26, 1879) Neue Folge · 第 110 / 177 题